Update 08.09.21

Sorry, es ist sowas von Durcheinander und anstrengend.. im Endeffekt haben wir einfach nur ein Gespräch mir brh gehabt.. sie hat, dass das alles nicht funktioniert hier, alles auf uns geschoben. Also, dass die Hilfemaßnahmen scheitern liegt einzig allein an uns..bei sich selbst hat sie nicht einen einzigen Fehler erkannt… es ärgert mich jetzt nicht großartig, weil zum Großteil ist es wirklich unsere Schuld (willentlich, wir halten uns ja ganz absichtlich nicht an die Regeln). Also ärgern tut es mich nicht. Aber es erschreckt mich wie wenig Selbstreflektion Erwachsene besitzen, dass sie nicht einen einzigen Fehler bei sich erkennen. Wenn etwas nicht funktioniert, gehören immer zwei dazu. Aber.. im Grunde ist es mir egal… ich habe mit den Leuten hier schon sehr sehr lange abgeschlossen.

Unterstützung vom Direktor + „richtige“ Emotionen

Gestern hatte mich der Direktor zu einem Gespräch für heute Früh eingeladen. Er wollte eigentlich nur wissen wie der Stand ist, wie es mir geht etc. Ich habe ihm von meinem Ärger über die Behandlung im Fachbereich erzählt. Er findet es gut, dass ich mich dort engagieren möchte und möchte mich dort auch unterstützen. Er gab mir den Tipp, dass ich so ca. einen 2 Seiten DIN A4 Brief verfasse über meine Wahrnehmung im Umgang mit den Hilfeberechtigten und den Erfahrungsaustausch – Da würde er dann drüber schauen, um abzuchecken ob das nicht zu angreifend klingt. Dann würde er den Fachbereichsleiter und noch eine andere Mitarbeiterin mit ins Boot holen, damit wir so etwas wie einen „Heimbeirat“ gründen könnten. Das finde ich super klasse.

Gestern habe ich übrigens noch mit Mona über das geredet, was ich hier geschrieben habe. Bzw. hat sie den letzten Eintrag gelesen und als wir uns darüber austauschten fiel mir etwas auf. Ich habe versucht zu verstehen, wo dieses plötzlich andere Erleben von Emotionen herkommt und dass ich nicht weiß, was genau in der Klinik das in mir} ausgelöst hat. Mona ist der Überzeugung, dass das der Umgang mit mir} vom Personal war: Also die Erfahrung ernstgenommen und in meinen Wahrnehmungen bestätigt und unterstützt zu werden. Dann meinte ich, das ergäbe Sinn aber das würde mir noch nicht erklären, wie ich es gelernt habe – vor allem so schnell – diese Emotionen auch „richtig“ rauszulassen. Mir fiel dann ein, dass Cia, Belinda und die meisten anderen Mitpatienten sehr authentisch waren. Also, dass wenn sie traurig waren, Traurigkeit gezeigt haben, wenn sie wütend waren, ihren Ärger nicht versteckt haben und so weiter. 

Dann habe ich aber überlegt, wo das überhaupt herkam, dass ich meine} Emotionen so komplett verboten habe zu zeigen. Im ersten Moment konnte ich} mich überhaupt nicht erinnern, wie ich vor der Geschlossenen in Landsberg war. Ich weiß, dass sie mich zu einem emotional toten Menschen erzogen haben. Ich wurde dort wie ein aufmerksamkeitsgestörter Borderliner behandelt. Egal ob ich (zu Recht) wütend, frustriert, enttäuscht, verzweifelt, traurig oder fröhlich war (und zwar, wenn ich reflektiere, sogar in angemessenen Maßen!), wurde ich von ihnen ignoriert. Meine Anliegen und Ängste, Wünsche oder Anregungen wurden komplett abgewertet, weil sie ja bloß von meinen „übertriebenen“ Reaktionen stammten. Wenn ich heulte, wurde ich bestraft. Wenn ich eine Panikattacke bekommen habe, weil ich 38 Tage nicht an die frische Luft durfte (nicht einmal auf einen abgesperrten Balkon o.ä.), und meine Nase aus dem Fensterspalt gestreckt habe, um Luft zu holen, hat man sich auf mich draufgeschmissen, mich auf das Bett gedrückt und mir gedroht mich zu fixieren. Wenn ich über massenhaft sexuelle Übergriffe geklagt habe, habe ich ihrer Meinung nach zu spät, zu wenig, oder zu extrem reagiert. Unterm Strich: Egal wie ich war, sie zeigten mir, dass ich komplett falsch bin in meiner Wahrnehmung und im Ausleben meiner Empfindungen. Sie haben mich emotional wirklich total getötet. 

Und ich konnte mich gestern nicht erinnern wie ich vor der Klinik war. Wie ich da gefühlt habe… doch nach ein wenig Nachdenken und Erinnern wusste ich es wieder. Ich habe sehr wohl viel mehr Emotionen gehabt, nur habe ich sie „falsch“ rausgelassen. Als mir mal mein Kaninchen weggenommen wurde, war ich verletzt und traurig. Doch statt zu weinen habe ich eine Plastikmülltonne durch mein Zimmer getreten, die kaputt gegangen ist und habe die Betreuer angeschrien. Wenn ich wütend war und mich ungerecht behandelt gefühlt habe, habe ich nicht wütend reagiert, sondern habe aus Trotz mit niemandem mehr gesprochen und mich zurückgezogen. 

Das ist der Unterschied. Ich habe zwar vor der Geschlossenen „richtige“ Emotionen gehabt, nur habe ich sie „falsch“ rausgelassen. (In Anführungszeichen, weil ich finde es gibt keine „richtigen oder falschen“ Emotionen). Ich habe nur keine Lust jetzt hier großartig mit Wörtern zu experimentieren. Ich denke, ihr versteht schon wie ich das meine. 

Und trotzdem verstehe ich nicht ganz, warum das jetzt so anders ist. Wo habe ich gelernt, dass wenn ich traurig bin, weinen darf und kann und nicht eine Mülltonne zum Beispiel durch ein Zimmer trete? Wo habe ich gelernt, dass wenn ich Angst habe, die Angst zeigen und aussprechen darf? Wo habe ich gelernt, dass ich meine Wut ausdrücken darf, wenn ich das doch eigentlich nie beigebracht bekommen habe? Ich meine, das war ja nicht das, was mir das MRI beigebracht hat. Und ich weiß nicht, ob zwei Monate Umgang mit authentischen Menschen reicht, damit ich} so etwas (wieder) lerne. Und ich meine, da gehört doch noch viel mehr dazu: Da gehört doch vor allem der Mut dazu, sich selbst und seinen Wahrnehmungen zu vertrauen. Gerade traumatisierte Menschen haben doch damit die  größten Schwierigkeiten. Wieso bin ich mir auf einmal so sicher, dass das und so, wie ich} empfinde, absolut richtig ist? Oder hat da Frau Blume im letzten Jahr schon so viel Vorarbeit geleistet? Wenn ich zurückdenke, kann ich mich zwar an keine einzige konkrete Stunde mit ihr erinnern und könnte nicht im Entferntesten sagen, was wir überhaupt in der Therapie machen. Aber ich weiß, dass sie mir nie ihre Meinung oder ihre Wahrnehmung übergestülpt oder mich eines Besseren belehrt hat. Wenn ich reagierte, hinterfragte sie mich nur immer wieder mal und dadurch konnte ich dann mein Verhalten oder meine Empfindung im Ausdruck korrigieren. 

Ich habe keine Ahnung… ich finde es super verwirrend, weil ich auf keine Antworten komme… und Antworten sind mir immer wichtig. Früher hätte ich gesagt, egal, Hauptsache es ist jetzt so und es ist gut so. Aber mittlerweile denke ich, sollte ich das wieder verlieren, wüsste ich durch die Antwort wie ich es wiedererlangen kann … ähm… was das jetzt verständlich?

Ansonsten haben wir noch bisschen über die Sachen mit den Hämatomen nachgedacht… sorry in den Video dissoziieren wir irgendwo einmal kurz extrem weg und wechseln dann, glaube ich… also falls ihr euch wundert, dass sich da irgendwo plötzlich nichts mehr bewegt 🙈

https://youtu.be/idRd5k3zESc

Wer bin ich?

Wenn ich „“ich}“ schreibe, meine ich mit dem „}“ Zeichen, dass ich mich und alle anderen von uns nicht ausschließe. Aber ich merke, dass es sich nicht immer richtig anfühlt von „wir“ zu schreiben, weil ich keine Ahnung habe ob sich meine Wahrnehmung und Erinnerungen oder Eindrücke mit denen von anderen von uns decken.

Die Frage als Viele zu stellen gilt vermutlich als Witz des Jahrhunderts. Aber ich meine das ganz ernst. Also nicht im Sinne von „welcher Anteil bin ich?“ sondern eher, wer wir} geworden sind. Seit wir aus der Klinik gekommen sind, merke ich so eine krasse Veränderung auf allen Ebenen. Egal ob es die Art ist, wie wir die Arbeit angehen, die Beziehung zu unseren Menschen, die Kommunikation oder den Umgang mit unseren eigenen Emotionen. Ich finde es super komisch.

Was mich sehr ärgert ist übrigens, dass ich einfach nicht drauf komme, was an dem Wochenende war. (Wochenende, naja. Wir waren wohl Montag und Dienstag auch nicht da – auch nicht auf der Arbeit… die Betreuer haben sogar bei meiner Chefin nachgefragt, aber da hätten wir uns ins Home Office gemeldet und sogar gearbeitet – aber von WO? WO war dieses „Home Office?“). Die Hämatome kommen ja nicht von irgendwoher. Ich finde es nervig, denn als wir in der Klinik waren, konnten wir uns an die Übergriffe erinnern. Also der Tag, an dem wir mit einem roten Auge zurückgekommen sind und der Dienstarzt das dokumentiert hat. Da wissen wir ja so ungefähr, was war. TW – [Sentas Freund hatte sie ja mit einer Schöpfkelle am Boden gewürgt – Schnitt – ihre Hand streckte sich nach uns aus (wir standen an der Tür) – Schnitt – er stand plötzlich direkt vor uns – Schnitt – anderer Raum, andere Zeit, aber selber Tag, wir liegen auf dem Boden – Schnitt – Ein Fuß „stampft“ einmal auf unser Gesicht – Schnitt – wir kommen in der Klinik an] TW Ende 

Das sind so ungefähr die Erinnerungen die ich} noch habe. Ich weiß, dass sie damals noch viel klarer waren und mir immer mehr Details fehlen. Aber zumindest weiß ich, wie es passiert ist. Ich verstehe nicht, wieso ich} jetzt da gar keinen Zugang mehr dazu habe. Weiß ich nicht. Lag es vielleicht daran, dass wir in der Klinik mehr geschützt waren? Ein stabileres und sichereres Umfeld hatten? Ich kann es überhaupt nicht erklären.

Genauso wenig wie ich meine} Emotionalität im Moment begreifen kann. Ich} war nie emotionslos. Ich} habe schon Emotionen empfunden. War betroffen, wenn ich tote Flüchtlingskinder damals in Zeitungen an den Strand gespült gesehen habe, oder wenn ich von tragischen Unfällen hörte oder wenn es Freunden sehr schlecht ging, aber es war eben alles nur innen. Wie wenn etwas mit ganz spitzen Nägeln an einer Tafel kratzt. Super unangenehm. Aber seit wir aus der Klinik heraus sind, spüre ich diese Emotionen nicht nur als Nägel an der Tafel. Sondern sie kommen richtig raus. Ich kann nicht einmal über die Situation in Afghanistan reden, ohne dass ich das Gespräch unterbrechen muss weil ich} das Heulen anfange und kaum aushalte mir vorzustellen, was die Menschen dort gerade erleben. Und dann schäme ich mich dafür, weil ich} wirklich auf harte Tour gelernt habe, dass eigentlich nur Borderliner so überreagieren – schäme mich, dass ich meine Gefühle bzw. mich nicht (mehr) unter Kontrolle habe. Auch, wenn sich das Weinen oder wütend sein irgendwie befreiend anfühlt, wenn es rauskommt, wäre mir das Kratzen an der Tafel lieber. Die Betreuer und Ärzte (zumindest in Landsberg) haben einen auch nur dann ernst genommen, wenn man keine Emotionen gezeigt hat. Weil wenn welche kamen – selbst wenn sie völlig gerechtfertigt sind und auch ein Betreuer so reagiert hätte – dann heißt es bei psychisch abgestempelten Menschen immer, das sei keine „natürliche“ Reaktion. Alles ist nur Überempfindlichkeit oder ein „Hineinsteigern“.

Püh… ich weiß nicht. Allein wenn ich darüber schreibe könnte ich gerade schon wieder weinen (also ich spüre tatsächlich wie mir die Tränen kommen und trinke gerade ständig Wasser dabei, damit ich nicht anfange jetzt zu weinen). Ich finde es einfach so traurig, wie Menschen mit Folgeerkrankungen behandelt und abgewertet werden. Ich frage mich, ob nicht in 90 % der Fälle in „Hilfseinrichtungen“ mit Double-Binds gearbeitet wird, weil ich bis auf dem MRI noch nirgendwo Helfermenschen oder „Institutionen“ kennengelernt habe, wo Hilfeberechtigte Menschen in ihren Empfindungen ernst- bzw. wahrgenommen werden. Bis auf in der Klinik zuletzt habe ich} nur Betreuer/Ärzte/Psychologen kennengelernt, die einen nicht ernst nehmen und fragen, ob ein Bedarf helfen würde. Einfach schön mit Tavor vollpumpen.

Das macht mich so wütend und traurig und lässt mich schon wieder in die Richtung abschweifen, dass ich kotzen könnte, eine Einrichtung zu präsentieren, die im Fachbereich für seelisch erkrankte Menschen genau so arbeitet. Morgen hat mich mein} Chef zu einem Gespräch in seinem Büro eingeladen. Ich denke, ich werde ihn darauf ansprechen. Ich meine, ich} will ja nicht gegen meine Arbeit arbeiten, sondern, wenn man mal mitdenkt, will ich ja eigentlich für unser Unternehmen arbeiten. Ich bin enttäuscht von den Betreuern in dem Fachbereich – absolut und unwiderruflich. Aber ich bin noch nicht unwiderruflich wütend. Das wäre ich nur, wenn keiner von den hundert Mitarbeitern bereit wäre, etwas an dieser erschreckenden Situation zu ändern. Dann wäre ich wütend. Und ich denke sogar zu Recht. Schon blöd, dass ich} gewisse Moral besitze…

Am Wochenende hat mich} Sev besucht. Ich war sehr aufgeregt weil ich} Angst hatte, es würde ihm nicht gefallen. Und gestern sind das erste Mal jüngere von uns mit ihm in Kontakt gekommen. Ohne dass er es bemerkt hat, aber dennoch. Sie haben ihn kennengelernt.

Es war ein schönes Wochenende, aber auch sehr emotional (was sonst … aktuell sind wir irgendwie wie eine Mimose…). Er hat sich viel über den Ort lustig gemacht. Einen Großstadtmenschen davon zu überzeugen, dass eine Stadt mit 12.000 Einwohnern kein Dorf ist, ist gar nicht so einfach. Für ihn ist sogar München „nur“ eine Stadt. Für mich ist das gefühlt wie Manhatten.

Zum Beispiel waren wir in meiner Lieblingsbar und dort in der Altstadt meinte er nach zwei Stunden: „Ich sehe schon wie ich mit integrieren kann. Um echter ***zu werden, muss ich einfach nur die Autofenster runter lassen, ganz laut House-Musik einschalten und so durch die Straßen fahren“. Mir ist das nie vorher aufgefallen, aber er hat recht. Das machen hier wirklich verdammt viele Leute. Die jungen Erwachsenen zumindest.

Am witzigsten fand ich aber die Situation und P. als wir gestern in meinem Lieblingscafé dort waren. Ich war gerade dabei ihn wieder davon überzeugen zu wollen, dass P kein Dorf ist, da kam auf einmal eine Kutsche mit einer Hand voll Leuten an der Straße vorbeigefahren. Severin musste total lachen und meinte dann: „Sind das hier die Busse? Schau mal Mii, dahinter fährt ein Auto. Hast du so etwas schon einmal gesehen?“

Ich} liebe seinen Humor und ich glaube, seit ich} Severin kenne, habe ich wirklich schon lange nicht mehr so viel gelacht und mich so… „leicht“ gefühlt.

Am Samstag war alles nicht ganz so leicht. Als Sev und ich zwei Wein getrunken haben, waren wir schon ziemlich angetrunken (wir trinken sau wenig, deshalb geht das bei uns so schnell) und irgendwie kamen wir auf einmal auf das Thema Carmen. Nach fünf Jahren. F.Ü.N.F Jahren – also gestern – haben wir zu dieser Geschichte mit ihr richtigen Schmerz empfunden. Seit 2016 war ich} mir sicher, dass die Trennung von Carmen genau das richtig war und es sehr gut abgelaufen ist. Die Liebe die ich} zu ihr entwickelt hatte, hat sich ja nur vertieft und ich} habe meine Entscheidung, ihr Mut zuzusprechen, Deutschland zu verlassen wenn sie in Griechenland glücklicher ist, nie bereut. Doch gestern tat es auf einmal schrecklich weh. Ich} musste daran denken, wie wir gemeinsam im Bett lagen und sie mich aus ihren lächelnden Augen angesehen hat. Oder als wir eine Woche in der Penthouse-Wohnung von einem Kumpel von ihr waren… sie hatte sich komplett den Fuß verknackst als wir die Treppen nach unten gingen und konnte nicht mehr aufstehen. Außerdem haben wir uns auch noch ausgesperrt und mussten einen Schlüsseldienst rufen. Das war vielleicht eine Szene. Weil eine Nachbarin den Sturz gehört hatte, hatte sie die Tür geöffnet. Sie war eine sehr alte Dame und meinte dann: „Ach Gott, Kindchen. Da hilft nur Schnaps.“ Carmen und ich haben dann total gelacht, als sie tatsächlich mit einem Kurzen wieder aus ihrer Wohnung kam und Carmen zum Trinken gab. Die alte Dame meinte das todernst. Schnaps hilft  bei allem. Danach ist Carmen Wochenland mit Krücken herum gelaufen, aber sie war nicht aufzuhalten ständig unterwegs zu sein. Sie ist ein richtiger Wirbelwind. Wir waren mit ihren zwei Freundinnen im Olympiapark. Ich musste mich auch an den Ausflug an den Ammersee erinnern, wo Bay dabei war. Wir fuhren über eine Straße wo eine Mulde war und das total das Kribbeln in meinem} Bauch ausgelöst hat. Ich musste so quietschen vor lachen. Da hat Carmen dann die Bremse reingehauen, ist nochmal umgedreht und ist noch zwei Mal über die Mulde gefahren. Einmal kam sie mich hier in der Kleinstadt besuchen und hatte eine Rose mitgebracht. Ich} bin kein so krasser Romantiker, also, ich lege da keinen besonderen Wert drauf, finde es aber so schön, wenn Menschen hin und wieder solche Gesten bringen. Einmal, als wir von München auf dem Weg hierher waren, sahen wir auf einmal so einen richtigen Afrikanischen Sonnenuntergang. So, wie man sie eigentlich nur in Filmen in der Steppe oder so sieht. Sie hielt einfach bei der nächsten Gelegenheit an, wir stiegen aus, sie umarmte mich von hinten und wir standen da und haben einfach nur diesen Sonnenuntergang angeschaut. Wieder ein andermal waren wir am Eibsee. Das war relativ zu Anfang wo wir uns kennenlernten. Also, wir lernten uns am 26.11.2016 kennen und am Eibsee waren wir… im Januar oder Februar. Der See war noch komplett zugefroren und wir sind auf ihm spazieren und haben Steine über den gefrorenen See geschmissen, weil sich das irre interessant angehört hat. Ich kann mich an den Tag  noch so gut erinnern, weil das das erste Mal war, wo sie mich geküsst hat. Bis dahin kamen die Küsse in der Öffentlichkeit immer von mir. An diesem Tag nahm sie mich aber an der Hand, zog mich an sich heran und küsste mich. Mit Carmen war einfach alles besonders. Auch in der Beziehung war ich diejenige, die mehr geliebt hat als sie, aber das fand ich kein bisschen schlimm, weil ich wusste, dass ich ihr trotzdem genauso wertvoll bin und sie mich eben auf eine andere Weise sehr liebt. In dem ganzen Jahr, das war zusammen verbringen konnten, – und bis heute – gab es keine Situation, in der ich mich nicht wohl mit ihr gefühlt habe. Mit ihr war jeder Tag besonders. Selbst, als wir in den Alltag übergingen… es blieb einfach besonders…

Als ich über das alles am Samstag nachgedacht habe, kam da auf einmal so ein Schmerz hoch. So eine verdammt tiefe Traurigkeit, dass ich das mit ihr nicht mehr haben kann und nicht vertiefen konnte. Mir war in den letzten fünf Jahren nie klar, dass die Trennung von ihr so einen tiefen Schmerz ausgelöst hat. Ich hatte nie das Gefühl, sie wirklich „verloren“ zu haben. Gestern hatte ich das. Gestern hatte ich das Gefühl, ein Teil meines Lebens komplett verloren zu haben. Nicht nur das, sondern irgendwie auch den Bezug zu dem Besonderen.

Und dann verband ich das eben mit Severin, weil mich so viel an ihm bzw. an unserem Zusammensein an das mit Carmen erinnert. Als wir im Bad waren und Zähne geputzt haben, meinte ich zu ihm, ich müsse noch kurz pieseln. In Wirklichkeit habe ich mich auf den Boden gesetzt, an die Badewanne gelegt und total geheult. Ich habe so geheult. Und ich hätte noch viel weiter und länger heulen können, doch ich hatte Angst dass er dann denkt ich hätte Durchfall oder so 😀 also habe ich versucht mich zusammenzureißen, hab die Tränen weggewischt, durchgeatmet und bin in mein Zimmer, wo er schon im Bett lag. Ich hätte nichts dagegen gehabt, mich vor ihm verletzlich zu zeigen, doch das Ding ist, kurz nach dem Gespräch über Carmen und kurz vor dem Zähneputzen wurde ich durch unser Küssen ziemlich erregt, er meinte aber er sei so müde, er könne heute leider nicht mehr. Ich hatte Angst, dass er denkt dass ich deshalb traurig bin.. ^^ dabei war ich} sogar eher positiv überrascht davon, dass ein Mann so etwas sagen kann.

Am Sonntag waren wir dann eben in P in meinem Lieblingscafé und danach noch in S eine Pizza essen, wo er eine Pizza Tonno ohne Käse bestellt hat (er mag kein Käse – in keiner Form). Danach fuhren wir in die WG und ich wurde schon irgendwie wehmütig, weil ich wusste, er geht jetzt dann bald nach Hause. Im Bett, wo wir uns dann noch zum Kuscheln hingelegt haben, hat er mich dann noch einmal auf gestern angesprochen und wollte wissen, was los war. Dann erzählte ich ihm, dass das Thema mit Carmen irgendwie Traurigkeit in mir} ausgelöst hat. Und prompt habe ich das ausgesprochen, kamen schon die Tränen… mein Hals hat zugemacht (kenn ihr das? Das krampft dann total unangenehm)… und die Tränen kamen und eigentlich hat es nur gekrampt, weil ich richtig hätte weinen müssen und mich so zusammengerissen habe, dass es „nur“ läuft. Ich habe mein Gesicht unter seinem versteckt. Also mein Gesicht lag zwischen dem Kissen und seiner Wange… und als er merkte, dass etwas nicht stimmt, hat er mit seinem Gesicht wie eine Katze an meine Wange „Köpfchen“ gegeben, bis er mir ins Gesicht schauen konnte (weil ich ja meinen Kopf ständig weggedreht habe, weil mir das heulen so peinlich war), und dann gab er mir Küsse auf das Kinn oder die Wange… hat mich fest in den Arm genommen und wollte wissen, was genau mich traurig macht. Und ich sagte – und das hat mich} selber total überrascht -, dass es irgendwie wehtut, nicht so sehr geliebt zu werden wie man selbst liebt. Nie in meinem Leben hat mich das gejuckt… Egal ob wir verliebt waren und jemand vielleicht nicht zurückgeliebt hat, es hat irgendwie nie irgendwas in uns ausgelöst. Wir haben irgendwie immer mehr so… ziemlich egoistisch das Gefühl des Verliebtseins genossen… Oder auch wenn jemand in uns verliebt war und wir es nicht erwidern konnten… war uns das irgendwie nicht wichtig. Wir haben uns nicht geschmeichelt oder geehrt gefühlt oder was auch immer… da war einfach nichts. Und auf einmal spüren wir, dass wir geliebt werden wollen von ihm.

Er drückte uns ganz fest an sich. Ich} liebe es von ihm gehalten zu werden. Er ist stark, ohne dass er wie ein Hulk aussieht, er hat so eine Stabilität und so eine Wärme und das fühlt sich so sicher und geborgen an, wenn er mich} hält… Er fragte, wenn ich sagen müsste von 0 bis 100, was ich denn denken würde, wie wichtig ich ihm wäre. Ich dachte nach und antwortete mit 50. Er meinte „also sowas wie egal?“… ich dachte noch einmal nach. „Nein, dann eher 60, vielleicht“, korrigierte ich. Dann schwieg er kurz, hielt mich noch ein bisschen fester und gab mir wieder einen Kuss auf die Schläfe. Er meinte, es täte ihm sehr leid, dass er mir nicht zeigen kann, was ich ihm bedeute und selbst wenn er wüsste, ob er mich liebt oder nicht, wüsste er gar nicht wie er das zeigen sollte. Er meinte ja vor ein paar Tagen, er weiß überhaupt nicht ob das Liebe ist, was er für mich empfindet, weil er so viel darüber nachdenkt und sich damit selbst unter Druck setzt, dass er zu gar keiner Antwort kommt. Eigentlich weiß ich gar nicht, ob mir eine Antwort wichtig wäre. Und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was mir wichtig wäre. Im Grunde scheint er ja mit seinen Gesten zu zeigen, was ich für ihm bin. Vermutlich geht da nur unsere Vorstellung weiter auseinander. Er ist halt nicht der Mensch der viel redet. Er sagt halt nicht oft „du bist mir wichtig“ oder „du siehst gut aus“ oder „ich habe dich sehr gern“ oder so etwas… es stimmt schon, dass er das vermutlich eher durch seine Taten tut und seine Art das zu zeigen eben ganz anders ist, als wie ich} es kenne. Und vermutlich verunsichert mich} das alles deshalb so sehr. Er fragte dann, wo er denn stünde von der Skala. Ich dachte auch da nach und meinte: „Hm, 90“ Mein Herz hat die ganze Zeit HUNDERT HUNDERT HUNDERT geschrien, aber ich weiß, dass das total unrealistisch ist, weil ich noch nicht den Alltag mit ihm kenne und ich ihn noch viel besser kennenlernen müsste um so etwas behaupten zu können. Er meinte dann: „Hey! Und wieso kriege ich keine Hundert?“

Da musste ich} dann schon wieder lachen. Nach dem Gespräch und dem Kuscheln hat er dann seine Lippen an mein Hals gelegt und die Luft rausgeprustet. Das hat so wahnsinnig gekitzelt. Ich habe versucht mich von ihm wegzudrehen oder mein Hals zu verstecken, er hat mich damit total aufgemuntert und das war die Situation, in der unsere Innenkinder eben sehr mit-aktiv waren. Es war so ein liebevolles und leichtes und süßes Spielen…

Als wir ihn zum Auto runter begleitet und verabschiedet haben, hat er das noch einmal kurz am Hals gemacht… und es fiel uns beiden schwer, uns zu verabschieden. Es ist nicht so, dass er nichts erwidert. Wenn ich sage, dass ich ihn sehr gerne habe oder ihn vermissen werde, erwidert er das immer. Es kommt bloß eben nie von ihm aus. Und wenn ich hin und wieder aus Versehen sage „ich liebe dich“ (es ist mir schon dreimal rausgerutscht), dann erwidert er das zum Beispiel nicht. Zumindest nicht mit Worten. Ich spüre dann immer so etwas wie eine Entschuldigung in der Luft und er küsst mich dann leidenschaftlich. Aber ich weiß, dass er noch nicht so weit ist wie ich}. Und obwohl mich} das verunsichert, frage ich mich, ob nicht genau das der Grund ist, wieso ich} ihm so sehr und immer mehr vertraue und mich bei ihm verletzlich zeigen kann.

Verrückt. Ich} fühle mich wirklich seit einigen Wochen wie ein komplett fremder Mensch… Keine Ahnung. wo diese ganzen Gefühle und dieses „Gefühle leben“ auf einmal herkommt. Es muss mit der Klinik zu tun haben, denn dort ist es entstanden. Aber ich kann nicht erklären was genau es ist. Was genau die Erfahrung dort war, die mich} „erweicht“ hat. Und ich weiß noch nicht ob es gut oder schlecht ist. Mein Trotz-Ich will sagen, es ist Scheiße. Mein Intuition-Ich sagt eher, es ist sehr schön und richtig. Und menschlich.

Amnesien, Hämatome & Severin

Also, der Monat startet irgendwie ziemlich schlecht… ich habe Amnesien der letzten paar Tage… Also… gestern saß ich im Zug, mit Jimmy… am Samstag war ich bei La, weil sie ihren Geburtstag nachgefeiert hat.. dann kam ich gestern irgendwann Abends in der WG an. Frau *Regen war da. Sie ist recht jung noch. 26. Ne neue Mitarbeiterin, eigentlich ist sie ganz cool, aber als Mitarbeiterin auch nicht geeignet in so einer Stelle, finde ich. Na ja… egal.. Wir hatten am Mund blaue Flecken… und an der rechten Rippe mehrere… und an einer anderen Stelle auch. Frau Regen hat die gestern sich angesehen.. zusammenhanglos.. kann ich mich eben an das Wochenende erinnern. La eben. Der Abend war schön und lustig. Aber um ehrlich zu sein erinnere ich mich nicht einmal, wie ich weggefahren bin… also von der WG. Ich weiß aber, dass wir ja dieses Video an irgendeinem Tag gedreht haben. Puh… keine Ahnung. Da hatten wir ja noch keine blauen Flecken an den Lippen. Oder auch geschminkt, was weiß ich.

Ding ist.. wir mussten heute zum Testen ins Haus wo die Betreuer sitzen. Ich nenne es jetzt mal das B-Gebäude. also sind wir dort hin… sie wollten während wir auf den Test gewartet haben mit mir reden. Frau *M.. (wie haben wir die neue Gruppenleiterin genannt??) hat uns darauf angesprochen, dass ja keine blauen Flecken mehr an unserem Mund wären. Wir haben die heute früh ja überschminkt. Ziemlich gut. Eigentlich, wenn man ganz genau hinschaut, sieht man die sogar noch wie einen Schatten, aber unsere Schminke ist da trotzdem recht gut. Doch das erste war Frau Regen sagte war: „Also waren sie aufgemalt.“

Klar kam bei mir da innerlich erst einmal Wut und Fassungslosigkeit. Aber ich habe irgendwie ganz anders reagiert. Nach außen hin bin ich gar nicht darauf eingestiegen, also auf die Wut.. sondern habe nur gesagt: „Ja… dann habe ich die wohl gestern nur gemalt.“ Udn zwar nicht in so einem Trotz-Ton, sondern so, als wenn ich es ernst meine. Obwohl es aus Trotz und Wut kam. Weil ich es einfach so leid bin zu rechtfertigen oder widersprechen, wenn solche dreisten Anschuldigungen kommen. Außerdem wollten Frau Regen und Frau M, dass wir zum Arzt gehen. Viel eher haben sie uns dazu aufgefordert und es in einem Befehlston gesagt. Und es kamen Aussagen wie „wenn man mich ja nicht alleine lassen kann, weil ich so viele Tage Erinnerungslücken habe und mit Verletzungen wiederkomme, sollte man überlegen, ob die Wohnform überhaupt das richtige sei und nicht etwas geschützteres besser wäre“. Wisst ihr, was das in uns so massiv getriggert hat? Diese krassen Gerichtsverfahren in der Geschlossenen. So stehen die zum Teil ja sogar noch in den Beschlüssen: Aufgrund von Amnesien nicht zurechnungsfähig. Man könne ja nicht wissen ob ein Persönlichkeitsanteil auf die Straße rennt und von einem Auto überfahren wird. Das hat uns so wütend gemacht, dass wir dann eher in den Angriff gegangen sind. Nicht einmal wirklich angriff-mäßig… wie haben nur auf den Wandkalender geschaut (eigentlich eher um das Datum zu checken). Dort steht dick und fett „Selbstbestimmung und Fürsorge“ und in der Jahresbroschüre für 2021 ist das Leitkonzept sogar auf der allerersten Seite vom Direktor, dass man dringend unterscheiden müsste, inwieweit „Fürsorge“ wirklich noch Fürsorge ist und wie viel Selbstbestimmung von Hilfeberechtigten (vor allem in C-Zeiten) gefährdet ist. Darauf habe ich sie aufmerksam gemacht. Ob sie denn diese Broschüre, die ja für alle Mitarbeiter gedacht ist, gelesen hätten. Und dass ich es frustrierend fände, dass sich in den letzten drei Jahren, wo ja eigentlich schon super viele Beschwerden von etlichen Hilfeberechtigten ankamen, dass die Kompetenz und Kommunikation mit den Leuten hier unter aller Sau ist (so habe ich das nicht ausgedrückt), sich immer noch niemand auch nur ansatzweise die Mühe machen wollte, um das irgendwie zu verbessern. Ob sie denn nicht geschult werden könnten in Sachen Kommunikation mit traumatisierten Menschen! Also wie gesagt, ich habe das alles ziemlich ruhig und natürlich respektvoller ausgedrückt und auch gesagt, wie ich mich dabei fühle, aber ganz klar war das ja eher ne Angriffshaltung… (für die ich mich später dann noch entschuldigt habe)… Jedenfalls… hatte ich überhaupt keine Lust zu rechtfertigen oder zu erklären, dass ich ja wohl nicht mit einer blauen Fresse durch die Gegend laufen werde und ob sie nicht auf die Idee kommt, dass das einfach abgedeckt ist. und wie gesagt, wenn man ganz ganz ganz genau hinschauen würde, würde man den Schatten auch erkennen… sie wollten dann noch die blauen Flecken an den Rippen sehen. weil ich aber schon so wütend war über diese Anschuldigung, habe ich das Shirt zwar hochgezogen, aber nicht meinen Sport-BH. Die blauen Flecken sind nämlich ziemlich knapp unter den Brüsten… und ich wusste, man würde sie nicht wirklich sehen, wenn ich den Sport-BH nicht hochklappe. Ich hasse es mich beweisen zu müssen. Und ich kam mir vor, als würden sie von mir Beweise wollen, weil sie mir unterstellten, ich hätte mir das nur aufgemalt. Ich habe ihren Glauben nicht nötig. Es ist mir egal, was sie glauben wollen oder nicht. Aber ich werde mich niemandem beweisen, der ohnehin kein Feingefühl dafür hat, wie man auf Augenhöhe mit Menschen umgeht…

Dann haben die allen ernstes noch einen Drogentest gemacht. Wahnsinn. Später habe ich Frau Blume geschrieben. In der Mail waren auch Frau Regen und Frau M und brh mit reingesetzt ins CC. Ich habe richtig schön Dampf abgelassen, Das habe ich geschrieben:

Ich wollte mich nochmal Entschuldigen falls das vorhin irgendwie unfreundlich rüberkam. Ich bin schon lange nicht zufrieden am L** (B-Haus), ich weiß, dass das nicht grundsätzlich an Ihnen liegt, sondern an vielen Umständen dort. Dass ich sie als angenehme Menschen empfinde war schon ernst gemeint… aber ich kann einfach kein gutes Wort über die Konzepte dort verlieren und ich denke, da ich mich durch viele Dinge die jetzt in den letzten Tagen passiert sind, dass ich mich unter Druck gesetzt gefühlt habe und vielleicht etwas einen sensibleren Umgang gewünscht hätte…

Wir hatten die Hämatome überschminkt… und natürlich hat es uns sauer gemacht, dass man uns unterstellt, wir hätten sie aufgemalt. Wir haben da gar keine Lust mehr uns zu verteidigen oder rechtfertigen, wir haben vor drei Jahren wirklich genug Demütigung und Dreistigkeit erfahren, uns als krankhafte Lügner beschimpfen zu lassen, deshalb haben wir gesagt: „Ja, vielleicht haben wir sie wirklich nur aufgemalt“. Das war eher eine Trotz Reaktion, aber ich denke auch verständlich, weil wirklich respektvoll war diese Anschuldigung nicht – und wenn es eine ernsthafte Vermutung war, dann wäre es ein kleiner Tipp von mir in Zukunft Menschen etwas sensibler auf so etwas anzusprechen.

Ja, ich habe Schmerzen am Körper und merke jetzt vor allem in der Arbeit, dass mir das grad zu schaffen macht, deshalb würde ich später doch nochmal vorbeikommen und Fahrkarten holen, um zu meiner Hausärztin zu fahren….

Ich bin bisschen enttäuscht davon, wie das Gespräch verlaufen ist… auch ein bisschen enttäuscht von uns, dass wir da so in den Angriff gegangen sind, anstatt zu sagen, wie wir uns gefühlt haben. Das kommt daher, dass wir in Vergangenheit am L* nie ernst genommen worden, wenn wir mitteilten wie es uns geht und so haben wir uns über die Jahre angeeignet, lieber in den Angriff zu gehen. Dass wir unzufrieden sind ist schon wahr, aber ich denke, wir hätten das anders ansprechen können als in der Situation… wie auch immer,..

An Frau *Blume und Frau B* (brh):

Wir haben wieder Verletzungen am Körper und über mehrere Tage eine Erinnerungslücke…, die Betreuer hatten uns wohl die letzten Tage versucht zu erreichen, wir können uns nur noch an Weniges erinnern… ich finde es nach wie vor schade, dass es noch nicht geklappt hat, dass brh mal mitkommt zu einer Stunde, dabei hatten wir das schon vor längerer Zeit mal angesprochen, dass wir es uns wünschen würden, aber irgendwie passiert nie etwas. Angebote werden gemacht, aber wirklich etwas geschehen tut nichts und irgendwann sind wir es natürlich auch leid da ständig nachzufragen und hinterher zu sein.

Vom Gespräch heute habe ich gemerkt, dass einfach kein bisschen Verständnis über die DIS herrscht. Klar könnte man jetzt mit der Aussage komme, „wir sind nun einmal ein Haus für Borderliner und es steht nicht in unserem Vertrag, dass wir mit Menschen mit DIS umgehen können müssen“… und trotzdem würde ich mir wünschen, wenn da zumindest ansatzweise bisschen Feingefühl entwickelt werden könnte. Es stimmt uns wirklich traurig, dass wir so in eine Schublade gesteckt werden und davon ausgegangen wird, wir könnten wunderbar miteinander kommunzieren, Anteile ansprechen oder „rufen“, wie es einem Betreuer gerade passt und Dissoziatonen mit Amnesien oder Persönlichkeitswechsel zu verwechseln/vergleichen. Ich fände es so wichtig, dass endlich mal Verständnis darüber herrscht, dass nur, weil Anteil XY im Außen ist, wir/ich als Person nicht zurechnungsfähig wären. Frau Blume, die Aussage kommt nämlich immer wieder… „Wie können wir denn uns darauf verlassen, dass Sie sich um sich kümmern können, wenn Sie Amnesien haben und dann mit Verletzungen auftauchen?“ „Ob Sie dann hier in einem richtigen Rahmen sind oder nicht besser geschützt werden müssen“… „Die Polizei informiert werden muss“.. blabla… Am amüsantesten waren diese Diskussionen in Landsberg in der Geschlossenen: „Wenn sie sich anmehrere Tage nicht erinnert, wird sie halt noch sechs Mal untergebracht, weil sie ja von einem Auto überfahren werden könnte, wenn sie nicht weiß was sie tut.“

Bitte Frau Blume… helfen Sie uns irgendwie, damit die Betreuer endlich mal verstehen was das wirklich bedeutet und wie das abläuft. Wir kommen vor innerlicher Wut und Frustration über diese Unverständnis gar nicht mehr aus und vor allem darüber, dass scheinbar nach drei Jahren immer noch nicht einmal das Interesse besteht, das verstehen zu wollen, um richtig mit uns umzugehen… Es ist wirklich demütigend und wir fühlen uns mit solcherlei Aussagen sehr würdelos behandelt… als wären wir behindert und hätten keine klare Entscheidungsfreiheit usw… Wir sind nicht psychisch dumm. Oder eingeschränkt. Diese blöde DIS Sache ist eine Funktion vom GEHIRN und nicht von der Psyche. Eine Überlebensfunktion. Die psychischen Symptome sind die der PTBS. Das „klassische“ Dissoziieren eben. Und wir dissoziieren übrigens anders, als man es vielleicht üblich kennt… man kann nicht alles über einen Kamm scheren… aber irgendwie wird am L* so krass nach Schema F gearbeitet… wir sind wirklich zutiefst frustriert und enttäuscht davon…

Ich glaube und erwarte nicht, dss die Betreuer darauf reagieren werden. Nach drei Jahren kenne ich die Ignoranz von ihnen sehr gut. Aber ich weiß, dass Frau Blume darauf reagieren wird und mir war einfachwichtig nochmal klarzumachen, wie schlimm ich es finde wie wir hier (Hilfeberechtigte allgemein, nicht einmal nur ich) behandelt werden. Ich kann diese Einrichtung hier wegen der Beteruer immer weniger leiden. Und genau diese Konflikt macht es mir wirklich schwer, noch weiter gerne in der Öffentlichkeitsarbeit zu arbeiten, weile s so heuchlerisch ist und ich mich übertrieben ausgedrückt fühle wie ein Catcher, der Leute für eine Sekte fängt, damit sie hier bleiben und dann scheiße behandelt werden. Niemand ist wirklich zufrieden mit dem fachbereich für seelische Erkrankungen. Das macht mich unglaublich sauer. Und der Typ, an den ich mich gewandt hatte wegen der Hilfeberechtigten Vertretung hat sich auch nicht gemeldet. Ich könnte bestimmt gefeuert werden, wenn das mein Arbeitgeber lesen würde, aber so wie die Leute mit den Hilfeberechtigten umgehen hat das auch schon sektenähnliche Strukturen.

Ich will immer mehr einfach nur noch weg von hier.

Was Sev angeht… ach, ist grad schwer. Er sagt immer wieder, er weiß nicht, ob er mich liebt oder mich nur lieben will und das sei der Grund, wieso er da auch keine Aussagen treffen kann. Das finde ich ja nicht einmal schlimm… schlimm finde ich nur die Situation, in die sich das entwickelt… ich merke, dass aus dieser Verliebtheit sich wirklich Liebe entwickeln könnte… Es wird ruhiger und nimmt immer mehr Züge wie bei Carmen an. Wir fühlen uns immer mehr bei ihm angekommen… aber es nimmt nicht nur emotional Züge wie bei Carmen an. sondern die ganze Situation ist wie eine Wiederholung von 2016. Carmen fühlte sich in Deutschland unglücklich, Severin fühlt sich in Deutschland unglücklich. Carmen wollte nur für ihre Ernährungsberater Ausbildung in DE bleiben und Severin will auch nur für seinen Doktor in DE bleiben und danach zurück nach Prag oder in die Schweiz. Und wir? Schon wieder gehen wir darauf ein… zu sagen: Hey, ja klar, es ist ganz offensichtlich ein Mensch, den wir, wie Carmen immer sehr tief lieben werden und scheinbar müssen wir auch den gehen lassen.“ Das Gespräch mit Sev tat gestern so weh. Er hat auch am Telefon gehört, dass wir anders sind und er meinte „Hey, jetzt höre ich mal deine ganz andere Seite“… ja. Ich weiß nicht, was wir tun sollen. Wenn ich mich jetzt weiter darauf einlasse, weiß ich, dass ich Gefühle entwickeln werde, die nicht mehr so schnell vergehen. Ich meine… 2016. Hallo? Und für Carmen empfinde ich nach wie vor genauso. Eine mega tiefe Liebe und auch ein bisschen Traurigkeit (neuerdings, danke MRI für das entdecken vom Zugang zu Gefühlen), dass Carmen nicht der Mensch ist, mit dem ich mein Leben teilen kann. Sie hat damals bzw… unsere Beziehung hat die Messlatte so hoch gesteckt… ich war mir zu 100 % sicher ich würde niemals wieder einen Menschen kennnelernen, der diesen Platz in meinem Herzen irgendwie ausgleichen kann. Mit dem ich mir wie mit Carmen eine Zukunft vorstellen könnte. Und dann ist da Severin und kabumm. Das gleiche Theater wie vor fünf Jahren. Er fühlt sich in Deutschland unglücklich (wer kann ihm das verübeln, DE ist wirklich nicht gerade für ihre Herzlichkeit und menschliche Wärme bekannt), und wird zu 99% nach seiem Doktor wieder abhauen. Wenn nicht sogar früher. (hat er auch angedeutet – sei nicht ausgeschlossen). Und wir? La meinte am Wochenende zu uns, sie sei sich sicher, wir würden mit ihm mitgehen. Und das Gefühl haben wir emotional auch. Wir wissen ja, mittlerwieile, in welche Richtung sich unsere Verliebtheit entwickeln könnte… Ich weiß, dass das Liebe werden würde… wenn wir uns jetzt wirklich weiter darauf einlassen. Aber… dazu gehören zwei Menschen. Für einen Mann oder Frau eine Heimat, den Beruf, Familie und Freunde aufgeben, der diese Liebe nicht einmal erwidern kann? So blöd sind nicht einmal wir. Klar, ich verlange udn erwarte nicht, dass er es erwidern kann. Es wäre natürlich ein Wunsch und es ist allein schon schön zu hören, dass er es will. Aber nehmen wir an, wir würden wirklich mit ihm mitgehen. Leben da ein Jahr lang mit ihm zusammen, und dann plötzlich merkt er: „Ich glaube, ich werde dich doch nie lieben können“ (zumindest nicht auf die Art und Weise wie wir ihn). Dann stehen wir da in einem fremden Land… mit fremden Leuten oder vielleicht so Möchtegern-Freundschaften die man in einem Jahr so aufbauen kann… mit einem Menschen, der uns nicht liebt und mit Herzschmerz auch noch dazu. Dann wäre da keine Chleo mehr um die Ecke, die mit einem Eis, einer Couch und vielen Taschentüchern auf uns warten würde, damit wir bei ihr heulen und sie uns auffangen kann. Da wären wir dann wirlich alleine. Wir hätten ja nicht einmal mehr Frau Blume. Und ich bezweifle stark, dass wir uns bei einer Schweizer Therapeutin auf Schweizerdeutsch so gut mitteilen könnten, was GENAU in uns los ist… wie in deutscher Sprache, die uns halt einfach wirklich gut liegt… tja.. ja

Sev will ja am Wochenende kommen und fragte, ob wir denn das überhaupt wollen… ich meitne, ich sie unsicher… klar, will ich ihn sehen. Logisch, ich bin ja in ihn verliebt und ich wünsche mir nichts mehr als seine Nähe, die ganze ZEit (naja, okay, das ist übertrieben, aber zumindest oft!.) aber dass mich all diese Dinge über die ich mir Gedanken mache halt eigentlich nicht mehr so glücklich machen, auch wenn das Gefühl verliebt zu sein eher schön und glücklich ist, aber ach—- versteht ihr? Und er meinte: „Hä, und du sagst ich bin emotional dumm?“ (er meinte das wieder so aus Spaß/neckend)… „Mir geht es gut, also kannst du mich besuchen kommen. Mir geht es nicht gut, also bleib lieber zuhause“. Er sagte, wenn ich traurig bin, sei er auch traurig und er könne es vermutlich weder am Telefon noch persönlich ändern, aber dass er dann lieber bei mir wäre, anstatt weg. Am liebsten will ich solche Sachen gar nicht hören weil ich tief im Innern hoffe, mich irgendwie doch noch zu entlieben und dass ich vielleicht nur in einer Illusion verrannt bin… aber ich fürchte, dass es leider echte Gefühle sind…

Moralische Schwierigkeiten

Umso länger ich mich wieder mit der Wohnungssuche beschäftige, desto hoffnungsloser werde ich schon wieder. Es gibt kaum Wohnungen und wenn, sind sie nicht bezahlbar. Hier auf dem Land eine 2 Zimmer Wohnung mit 65 qm für 880 Euro warm? Wo soll das eigentlich alles noch hinführen? Jeden Tag suche ich und schließe dann seufzend entweder den Browser-Fenster oder die Zeitung. Es ist total zwecklos. Noch dazu: Ich komme aus einer Einrichtung, verdiene im Monat knapp 900 Euro und die Menschen, die hier eigentlich dafür bezahlt werden, helfen kein bisschen. Und das seit zwei Jahren. Ich habe einen Wohnberechtigungsschein. Seit Jahren. Mein Kollege sagte vor meinem Urlaub zu mir, den soll ich so in den Müll schmeißen, wie er ist, denn er hätte diesen Schein sieben Jahre erfolglos gehabt, bis er sich eine Maklerin gesucht und mit ihr dann innerhalb von 4 Monaten eine Wohnung gefunden hat. was soll ich also machen? Ich wollte mir ein Jahr Zeit geben, um eine Wohnung zu finden, jetzt bin ich nach einem Monat schon demotiviert. Soll ich tatsächlich auch eine Maklerin anschreiben? Aber wie ist das mit dem Geld? Ich hoffe, die hauen einen nicht übers Ohr.

Und am Ende? Ziehe ich dann wirklich zu La in ein WG-Zimmer? Ich will nicht schlecht über diese Einrichtung reden, schließlich arbeite ich ja auch hier… aber gleichzeitig bin ich auch Hilfeberechtigte und kriege von dieser Seite viel mehr mit als die „normalen“ Mitarbeiter. Es gibt so viel Unzufriedenheit bei den HB (Hilfeberechtigten). Egal mit welchen ich mich unterhalte, es ist nicht nur mein Eindruck, dass die Einrichtung hier in dieser Hinsicht einer Sekte ziemlich gleich ist: Sie catchen dich und ein Ausstieg ist danach fast unmöglich. Das ist ein großes Problem und umso mehr ich mich mit den HB hier austausche, desto mehr zweifel ich an meiner Arbeit hier und frage mich, ob das moralisch vertretbar ist, was ich tue. Die HB fühlen sich wahnsinnig verraten, hintergangen und verarscht über den Öffentlichkeitsauftritt und ehrlich gesagt kann ich das sogar verstehen. Vieles wird in besserem Licht dargestellt, als es wirklich ist und eigentlich dient diese Einrichtung hauptsächlich „Kunden“. Ein Markt im Dorf wo überwiegend HB leben, der von einem Edeka beliefert wird und mit überteuertem Bio-Gemüse? Wie sollen sich das HB leisten, die im Monat 350 Euro (im Schnitt) bekommen? Eine Busverbindung die eigentlich sogar im Jahr 2021 nur noch peinlich ist? Als ich am Wochenende mit *Lotta und *Izzy (unsere zwei neuen Mitbewohner) über die Umstände und den Umgang mit HB hier gesprochen habe, waren sie wieder zwei HB mehr, die absolut unzufrieden sind. In den letzten acht Jahren, die ich hier bin, kann ich mich spontan nur an zwei Menschen erinnern, die positiv über die Einrichtung gesprochen haben. Das Gespräch mit Lotta und Izzy hat mich wütend gemacht, weil ich in einer Position arbeite, die ich eigentlich so nicht vertreten möchte, wo ich doch die Wahrheit weiß. Ich würde so gerne etwas ändern, das habe ich festgestellt bei dem Gespräch. Ich möchte nicht wirklich für das Unternehmen hier arbeiten, wenn das so unglaublich falsch läuft, sondern lieber für die Hilfeberechtigten. Ich will, dass aus einem Ort für Menschen mit Recht auf Hilfe auch wirklich ein Ort für Menschen mit Recht auf Hilfe wird. Ganz abgesehen davon, dass die sozpäd Mitarbeiter ja auch noch dafür bezahlt werden, dass sie helfen – was sie aber nicht tun. Hier fehlt es so massiv an Kompetenz in den Hilfseinrichtungen (zumindest im Bereich der seelischen Erkrankung), dass es nur noch schockierend ist. In der Jugendhilfe habe ich mich damals wohl gefühlt. Da kann ich nicht klagen, und wie es zurzeit da läuft weiß ich auch nicht. Aber im Erwachsenenbereich ist es beinahe schon unwürdig.

Es werden Mitarbeiter für Hilfeberechtigte mit Doppeldiagnosen eingestellt, die bloß Krankenschwester oder Hauswirtschaftler sind. Dann beschweren sie sich über die Überforderung im Team und die Unzufriedenheit der HB, weil keine kompetente Unterstützung gewährleistet werden kann.

Seit Neuem haben wir eine neue Gruppenleiterin, ich nenn sie mal Frau *Mali. Sie mag ich bisher ziemlich gerne. Es wirkt, als würde sie frischen Wind reinbringen und einiges besser machen wollen. Sie hat in Amerika auch in einer Einrichtung mit Doppeldiagnosen gearbeitet und im Kontakt mit ihr war sie mir(uns) bisher sehr sympathisch. Ich weiß nicht, ob sie vielleicht ein guter Ansprechpartner wäre, doch ich fürchte, sie würde auch eher zum Team und zur Mitarbeiterseite stehen. Durch die psychischen Erkrankungen wissen die Hilfeberechtigen nicht immer, was sie sagen oder reagieren emotional über, deshalb kann man denen nicht so viel abnehmen, was sie sagen. Das würde kein einziger Mitarbeiter hier so sagen, aber genau so wirkt es, wie sie mit uns Hilfeberechtigten umgehen. Und das finde ich wirklich wahnsinnig unwürdig.

Ich denke, bevor ich mich intensiv mit der Wohnungssuche beschäftige, werde ich mich jetzt erkundigen, wie ich all das, was hier falsch läuft, irgendwie verändern kann. Im Sinne der Hilfeberechtigten, die gefühlt hier bloß für die Öffentlichkeitsarbeit vermarktet werden. Ich kotze.

Woran das gestern wohl lag?

Gestern war ja wirklich echt ein schrecklicher Tag. Morgens sind wir zwar gut aufgewacht, aber ab halb 9 rutschten wir in eine Dissoziation, die wir nicht mehr unterbrechen konnten. Ich habe zwar an die Skills gedacht, die wir gelernt haben, aber geholfen haben sie nicht. Das Ding ist, ich war die ganze Zeit beschäftigt, eigentlich. Aber irgendwie war die Beschäftigung wahnsinnig langweilig und ich habe gemerkt, dass ich durch die Langweile immer mehr abgedriftet bin, als würde mein Gehirn immer wieder mal in einen Sekundenschlaf fallen. Also, ich musste ganz viele Einverständniserklärungen digitalisieren und damit war ich den ganzen Vormittag beschäftigt, weil das Internet zudem auch noch so langsam war. Und ich bin mir fast sicher, dass ich gestern total unterfordert war und dieser „Gehirn-Sekundenschlaf“ daher kam. Aber ich frage mich, wieso das dann so ins Dissoziieren gerutscht ist? Und die Palette an Dissoziationen war groß. Von Kribbeln oder nicht Spüren von Körperteilen, die Welt um mich herum wie im Nebel wahrnehmen, ins Leere starren und nicht bemerken, wie die Zeit vergeht. Ich muss auch ein paar Mal gewechselt sein, weil ich Zeitlücken habe. Wieso ich als Außenperson so wenig mitkriege vom Vielesein, das verstehe ich einfach nicht. Das verwirrt mich zunehmend. Ich will mit Frau Blume darüber reden, aber so wie ich sie bisher mitbekommen habe, wird sie das mir zuschieben, denke ich. Irgendwie hat sie ja Recht. Schließlich kann nur ich die Antworten finden. Sie kann ja schlecht in mich reinschauen. Aber wenn ich es selber nicht weiß, woher weiß ich dann, ob ich mir dann Dinge hineininterpretiere? Als ich die letzten drei Jahre eher im Innen war, habe ich mir eingebildet irgendein echt wichtiger Anteil zu sein. Haben Kara und Co. ja auch immer wieder so wahrgenommen. Klar, ich war ja auch das Kommunikationsmittel schlechthin und ich konnte unser System endlich aufschlüsseln. Das Wissen besitze ich jetzt immer noch, aber wenn sich jetzt zum Beispiel etwas verändern würde, würde ich das gar nicht mitkriegen. Ist das nicht total komisch? 

Ufz, was auch immer. Jedenfalls habe ich gestern früher Schluss gemacht, schließlich haben wir am Montag auch bis 15 Uhr ohne Pause gearbeitet. Ich dachte, Zuhause kann ich dann mehr machen. Ich habe zumindest die Küche geputzt, aber dann fing wieder das Dissoziieren an. Ich frage mich: dissoziiert man, wenn man das Gefühl hat, das Leben ist sinnlos? Hat ja nichts mit Lebensgefahr oder Stress zu tun. Ich wäre gestern so gerne einfach rausgegangen und hätte mich mit jemandem in irgendeinem Kaffee getroffen. Oder wäre gerne einfach alleine in ein Kaffee mit Jimmy. Aber hier gibt es nichts. Ich hätte niemals gedacht, dass mir eine Großstadt jemals fehlen würde. Hier habe ich weder Leute, die sich mit mir treffen würden, noch wirklich einen Ort, wo ein bisschen mehr los ist. Unser Lieblingscafé liebe ich nach wie vor, aber auch das ist weit weg und da sind immer nur alte Menschen. Man lernt niemanden kennen. Das ist es, was ich meine. Wir bleiben hier einfach stehen und reifen nicht weiter. Nichts Neues. Ein Tag ist wie der Andere. Es fühlt sich an, als würden wir hier einfach verdummen und für immer „ein Kind“ bleiben, dabei will ich endlich erwachsen werden. Aber dafür muss ich doch auch Erfahrungen sammeln, oder nicht? Aber wie soll man das in so einem ausgestorbenen Ort? Wie konnte ich mir jemals vorstellen, wirklich hier leben zu bleiben? War das wirklich nur die Angst vor Veränderungen? 

Jedenfalls habe ich mich durch den Tag gequält. Mit Hobbys. Irgendwo muss ich auch wieder gewechselt sein, ich kann mich an kurze Sequenzen von einem Ghibli Film erinnern. Einmal, wo ein Junge ein Mädchen mit Zöpfen auffängt, die vom Himmel geschwebt kommt… und eine Szene, wo sich Männer raufen. Aber an mehr erinnere ich mich nicht und das ist alles nur sehr verschwommen. Außerdem fehlt mir Zeit. Eigentlich kann ich mich im Grunde außer an das Putzen und Einkaufen gestern von 11 bis 13 Uhr an nichts erinnern. Ich weiß erst, dass ich am Abend kurz mit Frau *Mohn (die neue Gruppenleiterin) geredet habe (über was, weiß ich nicht mehr) und vorher hat jemand von uns im Zimmer am E-Piano gespielt (kann ich auch nur verschwommen wahrnehmen). Um 20 Uhr bin ich dann ins Bett und habe angefangen die Folge von Jung & Naiv mit der Neurowissenschaftlerin Maren Urner anzuhören. War interessant. 

Heute ist es 

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Familiengeheimnisse

Uns/mir geht es immer noch ganz gut. Klar, mich belasten einige Sachen, was Emmy und meine Cousine angeht, aber ich habe mit Chleo (sie studiert das ja), Frau Blume, Severin und noch einigen anderen Leuten darüber geredet, um Ratschläge und Unterstützungen einzuholen. Letzte Woche habe ich ein paar Mal bei denen geschlafen und einiges schon umsetzen können. Diese Woche fängt meine Cousine an, mir gewisse Dinge nachzumachen. Also z.B. gelassen zu sein, wenn Emmy ein Glas Milch o.ä. umschüttet (ihr Mann ist immer total ausgerastet – er hat sie zwar nicht geschlagen oder sonst etwas, aber eben ausgerastet und rumgeflucht). Gestern, als sie einen Kakao mit Strohhalm bekommen hat und den Becher angehoben hat, ist ihr fast der ganze Becher ausgeschüttet. Ich habe es gesehen – meine Cousine nicht. Aber in den Augen von Emmy habe ich eine Art Todesangst gesehen und sie ist auch kurz wie versteinert und hat dann so weiter getrunken, als wäre nichts passiert. Ich habe es gesehen, aber habe erst einmal gar nicht darauf reagiert und erst, als sie wieder bisschen aus der Starre raus war, habe ich zu ihr freundlich gemeint: „Hoppla“ Ihr Blick ging sofort zu meiner Cousine und ich bin ohen Zögern aufgestanden und habe versucht die Stimmung locker zu halten, habe einfach aufgewischt und ihr erklärt, dass sie den Becher nicht anheben muss und wir uns später einfach umziehen. Sowas ähnliches ist zwei Mal passiert, heute Morgen hat meine Cousine genauso reagiert. Leider war der Vater nicht dabei… eigentlich müsste dieser Arsch lernen, wie man mit Kindern umgeht. Langsam übernimmt meine Cousine auch die Ich-Botschaften, die Chleo mir als Tipp gegeben hat… dass, wenn meine Cousine zu Emmy sagt, „du sollst dies nicht, das nicht, blabla“ eher „ich hätte gerne“ oder „ich würde mir wünschen“. Chleo meinte, das würde bei Kleinkindern viel mehr ziehen, weil sie ja wollen, dass die Mama glücklich oder stolz ist. Und tatsächlich gab es diese Woche viel viel weniger Gequängel und Tränen, wenn wir zu Emmy meinten: „Komm, ich würde mich total freuen, wenn wir zusammen Zähne putzen“ oder „Es würde mir richtig Spaß machen, wenn ich deine Haare kämmen und pflechten darf“ oder… „Du darfst entscheiden, entweder das blaue oder grüne Oberteil“ (also so eingeschränkte eigene Entscheidungen treffen, wenn sie dies oder das nicht will). Und diese Tipps von Chleo sind bis jetzt am wirksamsten. Todmüde bin ich heute ein bisschen, weil die Kinder zwar die Nacht relativ gut durchgeschlafen haben (besser als sonst), aber Emmy hat die ganze Zeit an mir geklebt und ich bin es nicht gewohnt, neben einem Kleinkind zu schlafen. Umso mehr Vertrauen sie fasst, desto mehr kuschelt sie sich nachts an mich und, es ist vielleicht ganz schön, aber irgendwie ist es sehr unbequem und ich vermisse schon wirklich sehr mein eigenes Bett, wenn ich bei denen schlafe 😀 Außerdem können auch Kleinkinder ganz schön fiesen Mundgeruch haben und so süß es auch ist, ihnen beim Aufwachen zuzuschauen… ich kann mir weitaus schöneres vorstellen, als um 5 Uhr in der Früh von einem dreijährigen Kindermund angegähnt zu werden – und zwar mitten ins Gesicht 😀 Uäärgh. Also, ich liebe sie, nicht falsch verstehen… aber ich weiß nicht, was ich mir vorgestellt habe. Natürlich haben auch Kinder Mundgeruch xD

Also irgendwie bin ich ziemlich froh, dass es jetzt täglich etwas besser wird. Wie es beim Papa ankommen soll, das weiß ich noch nicht… eine Woche habe ich noch Zeit.

Ansonsten … Es ist ja so verrückt… vor ein paar Tagen waren wir bei der Cousine meiner Oma zum Essen eingeladen. Meine Oma lebt ja nicht mehr. Dort waren ihr Sohn, seine Frau und deren Sohn dabei… und plötzlich haben meine Eltern angefangen über den einen Kerl zu reden, den wir, glaube ich, letztes Jahr hier schon einmal erwähnt hatten. So ein Mann, auch auf irgendeine Weise verwandt mit meiner Mum, der fast immer wenn wir da sind auch hier ist, direkt im Nebenhaus, um dort Urlaub zu machen… Ich habe das Gespräch aufgenommen, sonst würde ich mir das zu einem späteren zeitpunkt selbst nicht mehr glauben. 

Also… ich kann mich schwach erinnern, dass vor einiger Zeit, ein paar Jahren (oder erst letzes Jahr), darüber gesprochen wurde, dass die Frau von diesem Mann, ich nenn sie jetzt einfach mal Paul und Elisabeth, – dass Elisabeth in dem Jahr, in dem ich geboren wurde, ein Mädchen verloren hat. Meine Eltern haben ja 12 Jahre vor meiner Geburt das letzte Baby verloren (vorn drei) und hatten eingentlich die Hoffnung aufgegeben, noch ein Kind zu kriegen. Es war natürlich für alle voll die Überraschung, dass ich dann doch auf die Welt kam und halt auch so gesund. Und Elisabeth war Jahrelang davon überzeugt, dass ICH eigentlich die Seele von ihrem verstorbenen Mädchen bin. UNd über dieses Thema kamen sie plötzlich darauf, dass Elisabeth und Paul ja damals auch in einer Sekte waren. Sie haben mir sogar den Namen genannt (aber ich will den hier nicht schreiben). Auf jeden Fall fand ich das alleine schon ziemlich verrückt und als ich da angefangen habe nachzuhaken, was genau für eine Sekte, wie lange, blabla, meinte irgendwann meine Mutter: „Ach, Mii… wenn DU wüsstest, was in unserer Familie noch für Geheimnisse verborgen sind…“ Ich habe natürlich nicht locker gelassen und fragte, was sie denn bitte damit meint. Ich sei aber noch „zu jung“ (im Ernst jetzt?! Wie alt soll ich denn noch werden? 180? Dann können wir darüber im Familiengrab diskutieren, das erfährt dann sicher keiner mehr -.-) … und dann meinte ich zu ihr: „Echt jetzt? Und was wenn du morgen stirbst, dann erfahre ich es nie.“ Mein Dad hat mich daraufhin gemahnt, war mir egal. Ist doch wahr!!! Ich weiß, es geht um irgendeinen… Papp… so war der Nachname von diesem Mann. Der hat wohl irgendwas mit Filmdreh’s zu tun gehabt in diesem Dorf und meine Mum hatte letztes Jahr mal irgendwas angedeutet damit, dass er ein Pädophiler war und sich auch an sie rangemacht hat, aber mehr Details kamen da nicht. Im Endeffekt: Völlig egal, ich konnte sie nicht dazu überreden es mir zu sagen. Das nervt mich. Und deshalb nerve ich sie zurück, BIS sie es mir sagt. Spinnt die? Wie kann man denn sowas andeuten und dann nichts sagen? Und solche Andeutungen haben doch IMMER irgendeine Intension, oder nicht? Tief in ihrem Inneren hofft sie doch, dass ich sie nerve und frage, damit sie irgendwann sagen kann: „Sie hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen, ich KONNTE gar nicht anders, als ihr endlich alles zu erzählen…“ Jaja, verstehe einer die „Alten Hasen“… ._.

 

 

 

 

 

 

 

Eine Beziehung mit einem Mann

Meeeeega komisch. Es ist so meeeega komisch aber auch irgendwie soooo schön. Es war jetzt wirklich so lange so ein hin- und her und wir waren so unsicher, was das ist, aber umso mehr Zeit wir mit ihm verbringen, desto mehr schließen wir ihn ins Herz und wie gesagt, es ist dss erste Mal in unserem Leben, dass wir ihn sogar noch in unserer Zukunft sehen können. Das ist sooooo verrückt!!! Egal wie verliebt wir waren, selbst bei Carmen, die Gefühle waren 100% echt, aber wenn wir in die Zukunft geschaut haben, haben wir uns immer alleine gesehen, nie mit einem festen Partner. Vielleicht mit so vorübergehenden Beziehungen aber nie etwas Ernsthaftes, aber bei Severin können wir uns das vorstellen und diese Vorstellung erfüllt uns vollkommen voller Freude und positiver Aufregung. Sonst war da immer Angst, also wirklich eine so große Angst, diese Komfortzone zu verlassen, das Vertraute zurück zu lassen. Kein Mensch der Welt wäre uns dieses Risiko wert gewesen. Aber Sev kann nicht in unsere Richtung ziehen, weil er nur dort die Möglichkeit hat seinen Doktor zu machen und abgesehen davon haben wir ja schon festgestellt, dass unsere Umgebung uns kein bisschen gut tut.

Sev und ich schreiben jeden Tag sehr viel miteinander und wir reden mit ihm wirklich über alles. Also, über alles alles. Das Tolle daran ist, er denkt so komplett anders als wir und das erweitert unseren Horizont sooo sehr..es ist, als würde er lauter kleine Knoten in unserem Gehirn lösen und frischen Wind in alte Denkmuster bringen.

Vor ein paar Tagen fragte er, ob wir denn in einer Beziehung sind. Da haben wir geantwortet, dass wir das nicht für ihn entscheiden können, aber es sich für uns so anfühlt, weil wir uns für ihn entschieden und kein Interesse daran haben, jemanden anderes für eine Beziehung kennen zu lernen. Mal abgesehen davon, das wir gar nie auf der Suchd danach waren. Schon gar nicht nach einem Mann.

Er meinte, er ist sich immer noch nicht sicher, aber es würde sich für ihn anfühlen, als wäre das auf dem Weg in eine Beziehung. Ich fragte ihn, wieso er sich so unsicher ist und er meinte, dass es diesmal anders ist. Es wäre sonst anders gewesen, wenn er Frauen kennen gelernt hat.

Gestern haben wir von ein Uhr nachts bis 4:30 Uhr früh telefoniert. Da hat er mir erklärt, dass er das so nicht kennt, dass Frauen ihm so offen erklären, was sie fühlen oder denken oder von ihm halten oder wie er bei ihnen ankommt. Er meinte, das fände er schön, aber eben noch ungewöhnlich. Dann sprachen wir über den Glauben. Weil wir ja so krasse Evolutionstheoretiker sind und wir uns ja so über Menschen aufgeregt haben die das leugnen und darüber, dass religiöse Menschen so oft ihren Glauben anderen aufstülpen wollen. Dann hat er mir aber vor Augen gehalten, dass ich ja eigentlich nichts Anderes täte, als Menschen die an Gott glauben. Ich würde sie zwar nicht belehren, aber sie ja trotzdem nicht für ganz voll nehmen. Er meinte, ob ich es denn so abwegig finde, wenn Menschen an Dinge glauben, weil Phänomene passieren, die sie nicht erklären können. Ich argumentierte damit, dass Jesus‘ Auferstehung im Gegensatz zur Evolutionstheorie nicht wissenschaftlich bewiesen werden kann, man ja aber hingegen nachbauen konnte, wie ein Leben in einer eigentlich ursprünglich nicht lebensfähigen Atmosphäre entstehen kann (also in einer Uratmosphäre)… dann erinnere er mich daran, dass all diese wissenschaftlichen Fakten auch nur anhand vieler verschiedener Theorien entstanden sind, aber kein Mensch das wirklich 100% wissen kann, wie die Uratmosphöre war. Ich meinte… das würden doch sicher die Astronomem wissen. Aber er sagte, dass die vor 4,5 Milliarden Jahren ja auch nicht gelebt haben. Das waren für mich niederschmetternde Argumente, jetzt will ich erst Recht herausfinden, wie man beweisen kann, dass die Uratmosphäre nur aus Wasserstoff und Helium bestand. Zumal.. wenn ich jetzt so weiterdenke.. diese Begriffe gab es ja zu der Zeit noch gar nicht, weil es keine Sprache gab, die haben ja die Menschen erfunden… also müssen sie theoretisch auch Helium und Wasserstoff erfunden haben.. (Hä, jetzt verwirre ich mich selber)… na gut, auf jeden Fall.. genau solche Gespräche mit ihm liebe ich. Er ist übrigens nicht religiös und als ich ihn fragte, ob er denn an etwas glaubt, meinte er, wie ich das verstehen würde. Ich sagte… naja, trotz Evolutionstheorie und Neurowissenschaftlich(er Liebe), glaube ich an Reinkarnation, obwohl das neurowissenschaftlich gar nicht möglich ist, weil es keine Seele in dem Sinne gibt, sondern alles vom Gehirn aus funktioniert. Was heißt, ich weiß, dass es das nicht gibt, aber ich glaube daran, weil es mir die Angst vor dem Tod nimmt, der mich ja früher oder später einholen wird.

Er meinte nein, an so etwas glaube er nicht. Eher an so etwas, dass wenn Menschen sterben… sie trotzdem etwas in der Welt bewegt haben was bleibt. Verrückt. Ich meinte dazu, das hätte ja nichts mit Glauben zu tun, das ist ne unabdingbare Tatsache. Oder ich habe ihn einfach falsch verstanden. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich liebe ihn immer ein Stückchen mehr.

In der Klinik hatte ich eine Geschichte über die Klinik und Sev angefangen zu schreiben. Er wollte sie unbedingt lesen und nach Längerem hin und her habe ich angefangen, die fertigen Kapitel nach und nach für ihn hochzuladen. Auf seinen Wunsch hin. Er sagt, er fände die Geschichte sehr gut, womöglich auch, wenn es nicht um ihn ginge. Aber ich bin überzeugt, dass er es einfach nur gut findet, dass ich sein Ego füttere 😀
Anfangs hatte ich große Angst, wenn er das liest. Aber er mag es und findet es nicht komisch, dass ich da so offen über alles schreibe, was ich gedacht oder gefühlt habe. Wenn ich geglaubt habe, das würde ihn in die Flucht treiben, passiert gefühlt genau das Gegenteil 😳

Nach diesem langen Gespräch über (im wahrsten Sinne des Wortes) Gott und die Welt, hat er mir dann zwei Kapitel aus der Geschichte vorgelesen. Hin und wieder war es mir sooo peinlich, aber grundsätzlich war es doch echt romantisch und vor allem kann er wirklich gut vorlesen. Mittlerweile hat er mich dazu überredet, dass ich das Wochenende nach Ungarn ihm die restlichen Kapitel vorlese… 🙊

Gestern haben wir wieder 2 Stunden telefoniert und da ging es dann ein bisschen zur Sache. Im Gespräch fragte ich ihn irgendwann, ob er denn Jimmy akzeptieren könne, sollte unsere Beziehung eine Zukunft haben.. und darüber kamen wir plötzlich in das Gespräch über eine gemeinsame(!) Zukunft. Er fragte mich, wie ich mir das vorstelle und ich war ziemlich ehrlich zu ihm, dass ich mir nicht vorstellen kann, nach zwei Jahren schon mit jemandem zusammen zu ziehen… und wenn es darum ginge in ein anderes Land zu ziehen, dann vielleicht erst nach mindestens 3,5 Jahren… wenn die Beziehung stabil ist. Und damit meinte ich nicht, dass es keine Streitereien usw gibt, sondern halt dass genau diese Sachen respektvoll und wertschätzend gelöst werden können. Und einer ausgewogenen Kompromissbereitschaft… usw. Ich war dann etwas arg schockiert, weil er andeutete, er würde ungerne zwei Jahre warten, bis wir zusammen wohnen und mich solange nur jedes Wochenende sehen… und es für ihn, wenn das wirklich mein Plan wäre, eigentlich kaum Zukunftsaussichten hat. Solange er seinen Doktor macht (noch 3,5 bis 4 Jahre), kann er nirgendwo anders hinziehen… also läge es an mir, dass ich ihm entgegen komme. Lustigerweise… weil wir so verliebt sind, würden wir das sogar tun, aber unsere Angst für jemanden einen Job auzufgeben und wo anders neu anzufangen, ist so groß… Verrückterweise können wir uns schon vorstellen, dass es mit ihm gzt werden könnte. Aber… diese Angst.

Und einerseits sollten wir uns freuen, weil unsere Befürchtung, er würde uns nur als Abwechslung sehen, damit ja ganz offensichtlich gegeben ist, denn welcher 28-jährige Mann der mal eine Familie gründen möchte, würde so weit denken, wenn er nur das eine für eine „nette Zeit“ will? (Wobei ich dazu sagen muss, obwohl ich zwischendurch beim Sex Schmerzen hatte, noch NIE so dauer-horny auf einen Menschen war. Schon gar nicht auf einen MANN! Aber dieser Moment wo wir miteinander geschlafen haben und TW (!!!!! — er in mir war –), das hat sich sooooo also trotz manchmal der Schmerzen (es könnte sein, dass er einen zu langen hat und jep, wir waren zu feige ihm zu sagen, dass es wehtut, weil wir wollten dass es ihm gefällt.. lol.. TW!!!! lang Lebe Missbrauchserfahrung.. 😶) TW Ende (aber es hat nicht immer wehgetan und selbst wenn es das mal hat, war das Gefühl, ihn so nah bei uns zu fühlen, sooo krass anders. So wahnsinnig vertraut und intim und ich weiß gar nicht, wie man das in Worte fassen kann. Als wäre mein Herz so fett geschwollen, dass ich nur noch aus Liebe bestand. Oder dem Verliebtsein. Ich habe keine Ahnung. Und er war so leidenschaftlich und sinnlich ubd zärtlich und brrrr… wir können gar nicht aufhören daran zu denken und ich kann nicht glauben, wie verrückt das ist.)

aber ja.. also… eigentlich sollten wir uns freuen, aber es hat uns stutzig gemacht, weil wir dann auch mit einigen Freunden darüber gerdet haben (verschiedene Altersklassen, verschiedene Erfahrungen und Lebensstandards) und alle zu uns meinten, wir seien da viel zu verkopft und berechnend und er hätte Recht: „Drei Jahre warten? Worauf? Wie sollt ihr euch da je kennenlernen? Mii, du kannst die Zukunft ohnehin nicht planen. Was ist, wenn du in fünf Jahren noch in *** sitzt und dieser Chance, die du jetzt gehabt hättest, hinterher trauerst und wirklich bereust?“

All das hat uns sehr zum Nachdenken gebracht und eigentlich, wenn ich das tue, erfüllt mich die Vorstellung in die Stadt zu ihm zu ziehen, mit soooo viel positiver Aufregung, selbst, wenn es nicht klappen sollte – dass wir in die Stadt ziehen wollen, hatten wir ja sowieso schon im Kopf, weil wir dort, wo wir seit 8 Jahren leben, nicht weiter reifen sondern einfach nur stehen bleiben und immer unhlücklicher werden. Und umso mehr ich abwäge, was ich mit einem Umzug und Neustart gewinnen könnte, und was ich in der jetzigen Umgebung habe, widert und nervt mich mein aktuelles Leben noch viel mehr als zuvor. Wäre das nicht ein klares „Ja“, dass wir nach acht Jahren aus diesem Umfeld endlich mal raussollten?

Und deshalb wollen wir irgendwie auch für das nächste Jahr darauf hinarbeiten.. Natürlich soll das nicht unüberlegt und schon gar nicht jetzt im dieser euphorischen Phase passieren, aber wir können schon einmal ein Jahr lang darauf hinarbeiten. D.h. dort nach Jobmöglichkeitrn suchen, evtl sogar beim selben Arbeitgeber nur eben wo anders ein paar Tage hospitieren oder Praktikas in ganz anderen Bereichen machen. Und eine Freundin hätte es finanziell sowieso nötig, noch jemanden bei sich in der Wohnung als WG Mitbewohner aufzunehmen, aber sie wollen nach 3 Reinfällen niemanden mehr. Das heißt, wir hätten sogar eine Bleibe. (also, unsere Überlegung ist nicht dass wir direkt zu Sev ziehen, sondern ganz unabhängig davon).

und währen diesem Jahr wollen wir mit unserem AG ganz offen über diese Pläne sprechen, vielleicht auch, damit er uns mal eine oder zwei Wochen hin und wieder ins Home Office lässt, in der wir bei Sev sein könnten, nur um zu kosten, wie so ein Alltag miteinander überhaupt laufen würde. Ich finde, das sind doch eigentlich gute und nicht zu übertsürzte Pläne, oder???

Naja… heute haben wir dann auch nochmal Face Time gemacht. Und heute war die Taufe. Es war super schön. Ich liebe diese Kinder. Sie sind meine Welt. Und solange sie leben will ich auch leben, und alles für sie tun, was in meiner Macht steht, weil da passieren auch Dinge, die mich sehr zerstört haben (Double-Bind seitens des Arschloch-Vaters). Ich habe darüber mit deren Oma, Freunden, Sev und Frau Blume geredet. Frau Blume gab mir den Ratschlag, dass ich nur versuchen kann in den drei Wochen zu.. ähm.. validieren(?) also Emmy irgendwie die Erfahrungen zu geben oder machen zu lassen, dass das, was sie fühlt, richtig ist! Also wenn der Vater sie an den Haaren zieht und lacht, ihr ein Bein stellt und lacht, sie beleidigt und lacht, es NICHT witzig ist und ihr Gefühl, dass das gemein ist und sie Angst hat oder verunsichert oder traurig machr, sein darf! Und dann kann ich noch versuchen irgendwie die Mama zu erreichen.. mit Engelszungen auf sie einreden (sie wird geschlagen von dem Bastard), dass sie dort weg muss. Aber sie hat Angst, weil sie von seiner ganzen Familie quasi terrorisiert wird. Ausstieg… wie bekannt mir das nicht vorkommt. Es ist zu krass, das plötzlich bei Anderen so mitzukriegen.. und sich so machtlos zu fühlen. Dabei habe ich immer gesagt, sollte ich so etwas mitkriegen, ich würde alle Hebel setzen um die Kinder zu schützen. Und jetzt merke ich, das kann ich gar nicht. Ich kann nur mein Bestes tun, aber schützen kann sie nur die Mama, aber an die muss man selbst erst einmal rankommen. Abgesehen davon schützt sie sie ja auch, aber damit, dass sie sich nicht von ihm trennt, ist sie ja trotzdem irgendwie.. so hart das für mich auch klingty weil ich sie ständig in Schutz nehmen will, Mit-Täterin. Und das sagen alle. Sev, Sie & Co, Frau Blume und die Frau von meinem Lieblingscousin in DE. (Sie hat mir neben Ftsu Blume mitunter die besten Tipps geheben, wie ich an meine Cousine rankommen kann, weil sie eine Leiterin im KiGa ist und solche Fälle persönlich auch schon begleiten musste oder begleitet hat) Und sie und Frau Blume sagen beide, dass, solange die Kinder die Mama so sehr lieben und die Mama sie schützt und da noch eine Grund-Bindung da ist, das Jugendamt alles nur verschlimmern würde (seelisch für die Kinder) Es ist wie Pest oder Cholera. Und das Gefühl hsbe ich auch. Die Mädels würden ohne die Mama eingehen. Aber sie muss dort weg. Die ganze Familie seitens von dem Mann ist komplett gestört… wir haben uns irre unwohl gefühlt während der Taufe, wenn sie in der Nähe waren und Emmy hat ständig unsere Nähe gesucht. Wir haben sie gefragt, ob ihr so viele Menschen Angst machen (weil egal wer zu ihr kam, sie ist total versteinert und weg dissoziiert). Wir haben sie gefrsgt, ob wir bei ihr bleiben sollen und sie meinte ja und hat nach uns gegriffen und wir hsben sie solange bei uns behalten, bis sie irge dwann aufgetaut ist und mit den anderen Kindern mitspielen konnte. Die anderen Familien waren toll, die dort dabei waren. Aber diese Familie von dem Vater… die ist wirklich unheimlich. Sie erinnern mich an alle böse Hexen aus Disneyfilmen. Sie spielen die liebe Stiefmutter, wollen aber die Prinzessin eigentlich töten.

Ich hoffe, ich schaffe es meine Cousine zumindest mal für einen Tag ohne ihrem scheiss Mann zu erwischen, um mit ihr zu reden… ich bin jeden Tag dort.. bade die Kinder und bringe sie ins Bett. Amelie (Emmys 8 Monate junge Schwester) mache ich immer sls erstes fertig, dann kommt Emmy.. und als ich sie aus der Badewanne genommen habe, habe ich sie mal in einer ruhigen Minute gefragt, ob sie jemand geschlagen hat.. sie hatte nämlich einen kleinen blauen Fleck an der Stirn. Sie hat an ihrem.Hasr gezwirbelt, ist bisschen abgedriftet, ihr Blick ging an mir vorbei, dann hat sie sber ganz leicht gelächelt (ihre Lippen zumindest) und sagte leise: „Nein.“ (sie ist erst 3,verdammt!!!!) die letzten Tage musste ich so oft weinen, weil es wirklich schwer zu ertragen ist. Ich habe dann ihre Hände genommen und sie hat mir ins Gesicht geschaut und ich sagte zu ihr, dass sie keiner schlagen und ihr niemand wehtun darf. Dann hat sie die Arme ausgebreitet, genickt, gelächelt und geflüstert „okay“ und hat sich um meinen Hals gehängt und sich angeschmiegt… da habe ich geheult. Aber nur so dass sie es nicht gemerkt hat. Nur bisschen. Am liebsten würde ich sie einpacken und mitnehmen. Ich hätte nicht gedacht, dass etwas im Herzen so verdammt wehtun kann. So viel mehr als alles andere auf dieser Welt.

Es hat wahnsinnig gut getan mit Sev darüber zu reden. Aber ich wäre lieber bei ihm gewesen. Er hätte mich festgehalten und vielleicht würde ich mich jetzt bisschen besser fühlen. Aber dieses Thema wird mich wahrscheinlich noch jeden Tag begleiten. Aber ich werde alles tun was ich kann, um für die Kinder das Bestmöglichste zu ermöglichen… Und das bis ich sterbe.