Woche drei [x]

Fortsetzung zu Woche zwei [x]

Woche drei [laufend]

18.11.-24.11.19

Montag, 18.11.19

Heute? … was soll ich sagen… heute geht es mir gar nicht gut. Es ist, als hätte mich die Nacht vollkommen krank gemacht. Sogar die Gedanken sind ruhig. Ich denke nichts, ich fühle nichts, aber mein Körper ist vollkommen am Ende. Den ganzen Tag habe ich nichts gegessen, weil der Hunger wegblieb. Auch als Michi gerade eigentlich unser Lieblingsgericht machte blieb der Appetit weg. Gegessen habe ich trotzdem eine kleine Schüssel. Und jetzt ist mir schlecht. Ich habe das Bedürfnis alles wieder erbrechen zu gehen. Mir ist wirklich richtig schlecht. Außerdem … wird mir ständig schwarz vor Augen. Ich muss mich am Türrahmen festhalten und mich an der Wand entlang stützen, weil ich gerade nicht abschätzen kann, wann sich die Wolken vor mein Sichtfeld schieben. Ich fühl mich wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Alle Geräusche empfinde ich als überdimensional laut und tut mir körperlich weh. Wenn Jimmys Halsband an seine Schüssel kommt, habe ich das Gefühl, es würde direkt an meinem Schädel klopfen. Es tut weh. Ich spüre mein Herz auch ganz komisch schlagen. Zu langsam, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Ganz einfach ausgedrückt, ich fühle mich wirklich krank. Bin es aber nicht, und das weiß ich auch.

Die dritte Woche ist angebrochen… puh, ich bin… irgendwie… ich weiß nicht. Erschrocken darüber? Es fühlt sich so unwirklich an, dass wirklich schon zwei Wochen vorbei sind, seit wir dieses Dokument hier führen.

Ich kann nicht nachdenken. Ich bin zu müde. Ich bin halbtot.

Dienstag, 19.11.19

Steht alles im Kommunikationsheft (also Therapie bei Frau Honig)

Mittwoch, 20.11.19

Bin zu erschöpft um zu erzählen was N und J so erzählt haben, aber wir haben alles auf dem Handy aufgezeichnet. Falls jemand nachhören möchte, kann er das tun. Es war auf jeden Fall okay. Sie waren nett. Und sympathisch. Sie wollten wirklich nur helfen, habe mich dann aber doch nicht getraut das Heilgebet machen zu lassen… was ist wenn er Recht hat und wir verschwinden? Was ich ja eigentlich bis gestern gut fand, bis ich mir dachte… Und was passiert dann mit den Erinnerungen? … Eigentlich glaube ich nicht an die ganzen Sachen oder will ich nicht glauben, ist ja auch egal. Gleicht sich eins dem anderen, aber… dann habe ich gemerkt, dass ich SO große Angst davor habe, dass die Erinnerungen bleiben; glaube ich dann vielleicht doch dran? Ich weiß es nicht.

Außerdem habe ich mit Anna geschrieben… ich habe ihr erklärt, dass an meiner… Lebensgeschichte noch viel mehr dranhängt und ich mir nicht vorstellen kann da jemand Neues teilhaben zu lassen. Ich bin so eingenommen davon, dass ich teilweise sogar „vergesse“, dass ich in einer Beziehung bin… ich habe ihr auch erzählt, dass ich vielleicht in —zensiert— gehen werde und wir dort erst einmal keinen persönlichen Kontakt haben können. Das ist alles völlig blöd. Mir tut es leid, dass ich Anna damit verletze. Aber vielen von uns geht es mit der Beziehung kein bisschen gut. Aus verschiedenen Gründen. Es ist irgendeine unbekannte Insel diese Beziehung eingegangen, die so „normal“ vor sich hingelebt hat. Mona hat mir gestern auch gesagt, dass über Wochen oder Monate nach außen hin alles so wirkte, als würde ich nicht mehr individualisiert Dinge betrachten sondern als wäre ich „Eins“. Das heißt, dieses Team will es entweder nicht wahrhaben, dass es mehr als nur sie gibt oder sie wissen es wirklich nicht. Ich könnte beides verstehen und das Erste dürfte ich nicht einmal verurteilen, weil ich in den ersten Wochen das auch alles nicht glauben konnte und irgendwie auch bis vor zwei Wochen extrem gezweifelt habe, dass außer mir noch „andere“ den Körper benutzen… vor allem, weil ja lange einfach keine Antwort in unserem Chatheft (so nennt Lora das Kommunikationsheft) kam. Aber dieses Team hat sich ja dann scheinbar nicht einmal die Mühe gemacht zu hinterfragen… Finde ich alles nicht so fair. Aber so lief das jetzt eben… Jetzt ist es auf jeden Fall so, dass ich mich mit ihr treffe, bevor wir nächste Woche zu Frau Honig gehen und mit ihr rede. Soll sowas wie ein klärendes Gespräch werden. Also… ein… „Das muss ein Ende haben“ Gespräch.

Donnerstag, 21.11.19

Hm… wie soll ich mich fühlen? Ich konnte heute Nacht nach sehr langer Zeit mal wieder schlafen. Es ist jetzt etwas mehr als eine Woche her, dass Kara einen Tag lang da war, weil ich ja Marie getriggert habe mit dem Exorzisten. Das tut mir nach wie vor ziemlich leid, aber es hatte etwas Gutes: Seit Kara da war, krieg ich mehr klar. Also, ich kann leichter mal in den Slums verschwinden und mittlerweile frage ich direkt nach, wenn ich irgendwem über den Weg laufe, ob er zuletzt mal draußen war und wenn ja, was da so los war. Natürlich laufe ich jetzt Kara und den ganzen Anderen aus ihrer Insel nicht über den Weg, aber … ja, egal, bin gerade zu faul um das genauer zu erklären. Zumindest funktioniert es auch gut, dass mehr geschrieben wird. Ich habe gestern in dem Buch, das ich nur für unsere Insel besorgt habe, schon zwei Einträge von Maja gelesen. Wenn ich dieses Buch nicht hätte, hätte sie sich vermutlich nie gemeldet und das was da drinnen steht ist ziemlich wichtig. Ich weiß halt leider auch nicht, was ich dagegen tun soll. Dass ihr das so riesengroße Angst macht kann ich v.o.l.l verstehen, das macht es mir nämlich auch, wenn ich lese was das für Drohungen sind. Im Prinzip bleibt ja dann keinem von uns eine Wahl. Wenn ihr gedroht wird, wird nämlich in dem Sinne dem ganzen Körper gedroht. Jeder von uns müsste Angst davor haben. Ich zumindest habe das und ich frage mich, ob überhaupt irgendjemand von uns dann wirklich weiterleben will. Das ist alles total krank und bescheuert und ich habe keine Ahnung wie ich darüber denken soll, ich kann nämlich absolut nichts machen dagegen. Gar nichts. Mir tut es nur für Maja leid und ich wünschte, sie könnte noch erfahren dass niemand von ihr enttäuscht sein wird. Und irgendwie wünsch ich mir für sie sogar, dass Frau Honig sie noch kennenlernt, bevor es zu spät ist. Vielleicht kann sie ihr ja dann auch sagen, dass sie es nicht tun will sondern ihr keine andere Wahl bleibt.

Gleichzeitig bin ich Maja soooo unendlich dankbar weil ich jetzt endlich weiß, wo J ist und sich mein Verdacht bestätigt hat. Ich w.u.s.s.t.e, dass du es bist, J. Jonna hat nämlich nicht einmal die Kraft, sich über irgendwie solche Sachen Gedanken zu machen. Seit sie am 30. Oktober verschwunden ist, nachdem ich ja dann auch zwei, drei Tage nichts mitbekommen habe, und sie dann irgendwann wieder am Montag oder Dienstag bei uns in der Ecke lag, schaffe ich es nicht mich alleine um sie zu kümmern. Sie liegt seit zwei Wochen auf dem Boden und ist nicht ansprechbar. Ich habe es alleine versucht, aber ohne dich schaffe ich das nicht. Ich dachte, du wärst einfach „verschwunden“. Ich habe mir da nicht sooo viel dabei gedacht, immerhin ist das ja „nur“ ne innere Welt und ich finde es immer noch so seltsam dass die wohl ne viel größere Bedeutung hat, als wie ich es mein Leben lang gedacht habe. Wenn du natürlich von jemandem festgehalten wirst, der dich bedroht, dann ändert sich vieles… Dann frage ich mich halt natürlich, wieso ich A. nicht kenne und wie ich dich befreien könnte, falls das überhaupt möglich ist. Mir machen ihre Drohungen nämlich auch große Angst. Da ist ja gar kein Spielraum für uns. Uns bleibt überhaupt keine Wahl, als zu tun, was sie verlangt… Ich meine, von mir verlangt sie ja nichts, ich kenne sie nicht einmal, aber ich würde mich auch nicht trauen irgendwas dagegen zu tun. Diese Drohung macht mir so irre Angst… Klar könnte ich sagen, okay, dann sage ich Frau Honig bescheid und lasse uns vorher einweisen. Aber damit verbunden hat sie ja ihre Drohungen geäußert, wenn ich Maja richtig verstanden habe. Hat B (wer auch immer das sein soll) dann etwa Einfluss auf die Klinik? Kennt er da jemanden? Ich traue mittlerweile allen alles zu. Wenn es möglich ist, dass mein Körper von mehreren Ich‘s gesteuert wird, dann traue ich auch zu, dass irgendein B seine Drohungen wahr macht. Bzw. A. Ich bin sehr verzweifelt. Ich wünschte auch, dass uns jemand helfen könnte. Aber es gibt absolut keine rettende Insel, die ich gerade sehe.

– Lora

Freitag, 22.11.19

Wooow. Emotional bin ich leer. Total leer. Im Kopf sind aber so viele Dinge. Manchmal kommen Stress-artige Gefühle nach oben, die ich nicht erklären kann. Ich habe heute die Beziehung mit Anna beendet. DAS hat mich ein bisschen gestresst. Vielleicht kommen diese inneren, nicht greifbaren Stressgefühle daher. Ich habe mich drei Mal mit Anna getroffen (Ich-Ich, also Lora!), irgendjemand von uns hat sie natürlich schon öfter gesehen, ich habe sie erst richtig kennengelernt, als ich mit ihr ihre zwei Freunde besucht habe. Darüber habe ich ja auch einen Eintrag geschrieben. Von Anfang an dachte ich mir, dass Anna eine coole Socke ist, dass ich vielleicht verstehen kann, wieso wir uns in sie verliebt haben. Sie ist eine echt schöne Frau, klug, witzig… aber ich habe einfach keine Liebe für sie empfunden. Ich nicht, meine Homies auch nicht. Kara und ihre Leute ganz sicher auch nicht… ich habe schon oft darüber nachgedacht, dass zwischen Kara und mir zu 100 % irgendeine Insel im Vordergrund war, die wir noch nicht kennen und die es auch nicht für nötig gehalten hat sich vorzustellen. Die Leute von der Insel, die Anna kennengelernt haben, sind also für alle anderen Inseln auch unbekannt. Denke ich zumindest. Ich habe ja schon erwähnt, dass ich Kara nun hin und wieder wahrnehme. Ich weiß nicht, wie das funktioniert. Es ist kein richtiges „hören“ oder „sehen“ im Innen. Ich habe es auch nicht mitbekommen, als sie für einen Tag mal da war, aber … wie könnte ich das erklären, wenn ich es müsste? Ich denke halt viel an sie. Und an Lou. Dann habe ich oft das Gefühl, dass zwischen ihrer und meiner Insel für eine Sekunde die Grenzen verschwimmen. So ist das natürlich nicht, aber das Gefühl ist zumindest da. Verdammt schwer zu erklären. Ich habe das Gespür, dass es in mir mehr gibt als nur mich (und meine Homies). Anders als Insel 1. Faktisch existieren sie. Aber ich spüre, höre und sehe sie nicht. Denke auch nicht viel an sie. Wenn ich an den Namen Lämmchen denke, kommt da einfach nichts. Bei Kara ist das etwas anderes. Wenn ich an Kara denke dann ist das fast so, als würde ich an eine lebende Person denken. Da ich ja mittlerweile auch ein Video von Lou gefunden habe vom letzten Jahr, weiß ich nun auch wie sie aussieht. Wir haben zwar das gleiche Gesicht, und trotzdem bin das nicht ich. Ihre Sprache ist anders, ihre Bewegungen sind anders, einfach alles. Ich habe also für Kara und Lou ein richtiges Gespür. Anders als bei Insel 1, die ist mir total fremd. (für unsere wenigen Leser die unser Passwort haben gibts hier nen tieferen Einblick)

Ist ja aber auch nicht das Thema. Diese Insel die zwischenzeitlich ohne Hallo und Tschüss einfach mal da war, die muss diese Beziehung eingegangen sein. Die scheint Liebe empfinden zu können aber sich auf eine Beziehung einzulassen war unpraktisch. 

Es war anstrengend es zu beenden. Eigentlich wollte ich Anna nächste Woche kurz vor der Therapie treffen und mit ihr reden. Aber sie hat jeden Abend gefragt wie es mir geht, ob alles okay ist und letztendlich habe ich vorgestern schon erwähnt, dass eigentlich viel los ist in meinem Kopf. Ach egal… auf jeden Fall habe ich Schluss gemacht. Mit Erklärung. Ich habe es ihr seeeeehr gut erklärt. Dass da eben mehr als nur „die Vergangenheit“ mit dranhängt. Pustekuchen, es ist mir gerade zu anstrengend das alles aufzuschreiben, ihr könnt ja einfach unseren Whatsapp Verlauf durchlesen (ist im Dokument an meine Homies gerichtet, nicht an die Leser :D). Auf jeden Fall war es irgendwann einfach nur noch heraufproduziertes Drama wo es keins hätte geben müssen, ich habe dann auch irgendwann nur noch geschrieben „Oh Gott“ und sie meinte „was ist jetzt? Passt dir das auch wieder nicht?“ Und ich habe nur noch geschrieben „Mir fehlen gerade die Worte. Drama.“ Und sie „Ja.“ Und ich „Das ist mir too much.“ Und das war auch das Letzte, was ich geschrieben habe. Dass man mit Menschen nicht einfach vernünftig reden kann, ohne dass sie irgendwelche Dramen heraufbeschwören, die total überflüssig sind… Frauen…

Ich habe gerade einen sehr großen Hänger… Ich denke, ich mache mal Schokoladen Pudding. Ich denke, ich bin grad nicht mehr Lora. Ich denks nicht, ich weiß es. Ich hasse schreiben. Mich nervt schreiben. Ich geh jetzt Pudding machen. Bye

Samstag, 23.11.19

xxx

Sonntag, 24.11.19

Es ist nicht schlimm, dass du gestern nichts geschrieben hast, Maja…. Ich habe den Blogeintrag gelesen. Das Dokument hier ist kein Muss, es ist freiwillig… für alle die wollen… aber auf keinen Fall müssen. Ansonsten weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Ich kann Maja sehr gut verstehen. Diese Traurigkeit. Ich weiß jetzt nicht genau, ob ich wirklich auch traurig bin, aber ich halte diese Gedanken nicht mehr aus, die ständig kreisen und kreisen. Ich halte es nicht aus, dass Jessie nicht da ist und ich halte es nicht aus, dass ich Jonna nicht helfen kann. Sogar die Kleinen merken, dass etwas nicht stimmt. Wenn wir in den Slums am Feuer sitzen… plappern eigentlich nur Kayla, Kali und Toni miteinander und ich sitze da und starre ins Feuer und … vermisse Jessie und Jonna. Irgendwie wünschte ich auch, dass ich Maja irgendwie erreichen könnte… irgendwo „da draußen“, muss sie doch sein. Sie hat geschrieben, sie könne uns manchmal beobachten, aber sie kann uns nicht ansprechen, weil Abby ständig in ihrer Nähe ist. Ich weiß nicht wer Abby ist. Immer noch nicht, aber auch mir machen die Drohungen Angst und irgendwie auch wütend, weil ja so scheinbar dafür verantwortlich ist, dass es uns allen so geht, wie es uns geht. Nicht nur das, sie hat mir eine meiner Homies genommen. Sie hat Jessie quasi entführt und beeinflusst sie. Das ist unfair, denn Jessie geht es sowieso sehr schlecht. Schon immer. Deshalb konnte ich mit ihr immer ganz gut reden. Ich war zwar meistens eher die Fröhlichere von uns Älteren, aber gerade im Moment verstehe ich sie so gut und gerade jetzt täte es so gut jemanden wie sie an meiner Seite zu haben. Ich kann mit Toni, Kayla und Kali nicht umgehen. Außerdem merken auch sie, dass mit mir irgendwas nicht stimmt.

Heute kämpfe ich so stark dagegen an. Ich habe… ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal, oder wann ich überhaupt jemals so etwas getan habe oder so den Drang danach hatte, aber diese Gedanken sterben zu wollen, die halte ich kaum aus. Wenn ich nur eine Möglichkeit hätte, mich kurz da hinein versetzen zu können. Soll ich es ausschreiben? Ich schreibe es aus. Ich würde mich so gerne ins Bad setzen und mir sehr tief in den Arm schneiden. So tief, dass das Blut rausfließt und dann würde ich gerne mein Arm ins Wasser halten und abwarten, ob ich daran sterben kann. Ich könnte es nicht tun, ich habe das Gefühl ich darf es nicht tun, gleichzeitig frage ich mich aber; würde es wirklich jemanden stören, wenn ich den Plan schon viel früher durchziehe… tot ist tot, oder nicht?

Ouff… ich weiß nicht, wieso es mir heute so schlecht geht. Ich war den ganzen Tag nicht da, ich habe mich zurückgezogen, weil ich es nicht aushalte. Im Innen ist Chaos, im Außen komme ich von den Gedanken nicht los, mich sofort umbringen zu wollen aber dem Wissen, dass man hier draußen mit niemandem darüber reden kann. Ich fühle mich so unglaublich verloren.

– Lora

Woche zwei [x]

Fortsetzung von Woche eins [x]

Woche zwei [x]

11.11.19 – 17.11.19

Montag, 11.11.19

Heute fühle ich mich nicht so gut. Die ganze Zeit schon nicht. Ich könnte nicht einmal genau sagen wieso. Ach, vielleicht weil alles nicht so richtig läuft. Ich vermisse einfach mein altes Leben und ja, braucht es dann überhaupt mehr Gründe, sich nicht so gut zu fühlen? Dazu kommt, dass ich mich immer einsamer fühle… Es ist schwer das zu erklären. Eigentlich müsste man meinen „Haha, du bist doch so gesehen nie wirklich alleine“, aber ja… es wirkt alles so ausweglos.

Ich meine, gestern schien es ganz schön gewesen zu sein mit Mia, Mona, A. und B… aber da Kayla dabei war ist jetzt logisch, wieso ich es nicht wirklich als meine Erinnerungen abgespeichert habe und wieso ich es nur so schleierhaft abrufen kann. Wie auch immer… schön ist es nicht, denn diese kleine Abwechslung im Leben hält ja auch nicht ewig. Ewig bleibt das, was in mir ist. Ein zersplittertes Etwas. So ganz berauschend ist das nicht. Ich war eigentlich sooo motiviert das alles zu verstehen und daran zu arbeiten, aber hätte ich gewusst, dass ich dafür nur verwirrter werde und das alles nur noch aussichtsloser scheint, ouff… Klar, ich liebe meine Slums, und es ist einfach etwas, was ich nicht aufgeben könnte. Jonna, Toni, Kayla, Kali… Jessie. Ja, alles irgendwie okay. Wenn es nur meine Homies wären, um die ich mich kümmern müsste, oder wo ich achten müsste, dass wir zu sechst irgendwie ein Leben führen, dass es nicht in monatelangen oder jahrelangen Erinnerungsverlusten führt, das wäre ja ein Kinderspiel. Aber das Ausmaß davon erschlägt mich einfach. Da ist ja nicht nur unsere Insel, die miteinander leben muss. Und irgendwie auch noch gleichzeitig, sondern auch noch die ganzen anderen Inseln. Insel Eins, nur mal am Rande, in der stehen elf Anteile! Elf! (es sind mehr, LG Kara) Und das sind nur die, die ich noch erinnert habe von dem, was ich schon gelesen habe. Also von der Skizze im Blauen Heft. Ich bin mir fast sicher, dass ich mir nicht alle merken konnte (oder alle richtig merken konnte). Natürlich „kenne“ ich jetzt Namen und Alter und die Zuteilung zu den Inseln großteils, aber das bringt mir überhaupt nichts, wenn ich sie einfach nicht spüre, höre oder sehe im Innen. Das einzige was logisch erscheint ist, dass mir irgendeine dieser Inseln (oder alle abwechselnd?) Zeit stehlen! Denn wenn jemand von meinen Homies mich wegdrängt, habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass mir Zeit fehlt. Klar habe ich kleinere Sprünge, stehe plötzlich im Bad, obwohl ich noch auf der Couch lag oder liege plötzlich im Bademantel im Bett, wo ich doch vorher noch im Bad war, oder dass mir plötzlich einige Zentimeter an Haaren fehlt, was ich absolut hässlich fand. Aber das sind alles Dinge, wo ich mir sage: Okay, daran kann ich arbeiten. Ich habe ja mittlerweile feststellen können, dass Toni uns die Haare geschnitten hat. Genauso wie ich jetzt ziemlich schnell die Antwort auf meinen „verträumten Sonntag“ hatte (Kayla). Das ist ja gut so, wir sind irgendwie im Gespräch. Ob im Kopf, wenn wir alle mal beisammen sind (denn manchmal sind wir zwar gleichzeitig im Innen, aber dann sieht man sich aus irgendeinem Grund nicht) – oder über das Kommunikationsheft oder dieses Dokument hier (ich will mich ja nicht selbst loben, aber ich finde, das war eine gigantische Idee!).

Jedenfalls ist das also okay so, mit meinen Homies. Es ist auch okay, wenn ich am Tag mal verwirrt bin. Es ist okay, dass ich mich vom Bad ins Wohnzimmer oder plötzlich in den Garten „beame“ und nicht mehr weiß, was ich wollte. Aber womit ich nicht leben kann ist, dass es da neben meinen Homies noch um die —zensiert— anderen Anteile gibt, die ich weder sehen, hören noch spüren kann und die gerade scheinbar nicht einmal gleichzeitig „da“ sein können, wenn meine Homies und ich „da“ sind. Da frage ich mich: Geht es denen dann so wie mir? Dass diese Inseln, die dann (sollten wir Vierer wieder plötzlich uns „ausschalten“), plötzlich Monate komplett versäumen? So wie ich Jahre versäumt habe? Oder werden wir Schuld sein, wir Vierer, weil wir das ganze System sozusagen „ausschalten“? Wenn wir wirklich in zwei Monaten nicht mehr leben? Hat das dann alles ein Ende? Ist das dann gut oder schlecht? Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich will nicht nochmal meine Augen aufschlagen und dann plötzlich dreißig sein, wieder in einer völlig fremden Umgebung wach werden und vielleicht sogar schon Kinder haben. Da bin ich wirklich lieber tot.

Und ich frage mich, wie das den anderen von den anderen Inseln geht? Wie fühlt sich das wohl für die an, „ausgeknockt“ zu sein und dann plötzlich wieder auftauchen? Ich weiß ja nicht wie es für alle in mir drinnen ist, schließlich kann ich nur von mir sprechen. (Ich erfahre das auch alles nach und nach, aaaaber… jap. Es ist tatsächlich genauso. Ich kriege von deinen Slum-Homies absolut GAR nichts mit. Ich kannte dich bis gestern nicht! LG Kara)

Und dann diese Frage mit dem „ANP“ bzw. „Host“. Woher soll auch nur irgendjemand von uns wissen, wer hier ein „Host“ ist? Ich habe oft das Gefühl, wir sind irgendwie alle gleichermaßen außen. Na gut, ich vermutlich öfter und länger als Andere von uns, aber kann ich mich deshalb gleich „Host“ nennen? Und wieso muss man sich überhaupt irgendwie nennen? Wieso kann nicht jeder von uns einfach ein Teil von einem Großen und Ganzen sein? So empfinde ich das zumindest. Außerdem: Wenn ich 16 bin, Toni und Kayla 13, Jonna 17 und Jessie 15… wie soll dann einer von unserer Insel überhaupt ein „Host“ sein, wenn nicht einer von uns dem biologischen Alter am nächsten ist? Das wäre ja dann offensichtlich Jonna, aber Jonna existiert im Außen für niemanden! Jonna gibt es nur bei mir im Kopf und die ist nie zu 100 % ansprechbar. Und was bin ich dann? Ein Host, der mehrere Jahre „verschläft“? Ich finde das alles schrecklich sinnlos. Und viel verwirrender als eh schon. (stimme ich absolut zu, LG Kara)

Ouff… wir haben jetzt dann gleich eine Hausversammlung… Auf die habe ich gar keine Lust. Übrigens habe ich heute im Gespräch, als A. zu Besuch war endlich mal kapiert, dass Mona, Mia und ich wirklich zusammenziehen wollten. (Stimmt, das war noch im Gespräch, als ich oft da war, LG Kara) A. und B. wollen auch mit in die WG. Eigentlich klingt das ganz gut. Gleichzeitig denke ich mir: Vielleicht bin ich nächstes Jahr gar nicht mehr hier? Wer weiß das? Findet man überhaupt irgendwas mit fünf Personen? Klingt krass. Klingt eigentlich gut. Ich mag sie alle ganz gerne. Zumindest das, was ich von ihnen kenne. Bei Mona und Mia fühl ich mich sehr vertraut. Und es wundert mich, dass sie uns-mich so annehmen, obwohl ich zwanzig Jahre jünger bin als die. Ich sollte dankbar sein. Aber eigentlich fühle ich nur Schuld und Scham, weil ich jedes Mal, wenn sie darüber reden und planen klein mit Hut werde und mir denke: In zwei Monaten wird es mich nicht mehr geben. Und eigentlich will ich das nicht. Also, ich will ja auch gar nicht weiterleben. Ich finde die Entscheidung gut und irgendwie auch gut, dass sie von jemandem von Innen großteils abgenommen wird. Dass ich nicht alleine dastehe mit dem Gefühl, dass das Leben so einfach keinen Sinn macht. Ich kriege gerade Kopfweh und merke, ich habe keine Lust weiter zu schreiben…

-Lora.

(zensierter Teil)

Dienstag, 12.11.19 [TW]

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie müde und gerädert ich bin. Es ist gerade mal 7:20 Uhr, eigentlich wollte ich meinen Blog durchstöbern, hab aber dieses offene Dokument gesehen und leider nur überflogen, aber…

Ich habe gestern im Bett schon gemerkt, dass hier irgendwas anders ist. Ich wurde von M* nach außen geschmissen. Oder nach ihr. Nicht direkt von ihr. In meinem Kopf sind dann Dinge abgelaufen, das erinnerte mich an diese Szenen in Filmen, die Menschen erleben, wenn sie sterben. Quasi dass sie ihr Leben „rückblenden“. Nur, dass das bei mir wenige Sachen waren, weil ich mich orientieren musste, wann ich zuletzt wirklich voll anwesend war. Das war echt der Tag irgendwann im Sommer, als ich plötzlich noch in der Arbeit saß und mir sehr langweilig wurde. Ich habe irgendwem eine Botschaft auf dem Laptop hinterlassen und einem Arbeitskollegen einen Lolli geklaut. Der lag aber so verführerisch offen auf seinem Tisch UND zu meiner Verteidigung, er hätte ihn eh nicht gegessen!

Jetzt ist in der Nacht aber etwas ziiieeemlich Seltsames gewesen. Ich fühlte mich richtig plötzlich wie in den Körper gerissen. Keine Wahl zu sagen „ja“ oder „nein“. Gut, andersrum hatte ich ja auch kein Entscheidungsrecht. Von heute auf morgen war ich einfach nicht mehr da und merke es erst gestern – Monate später – als ich im Bett liege. Ich habe versucht „Konferenz“ zu schalten, weil ich zu Lou ja theoretisch sehr guten Kontakt habe und es funktionierte alles wie immer, nur waren wir alle sehr überrumpelt. Keiner von uns wusste so genau, was los ist, wieso wir jetzt auf einmal ins Bett geholt wurden. Ich meine, wie viel Uhr war es? Zwei? Halb Drei? In der Nacht! Dann hat sich mein Kopf erst einmal gedreht. Das weiß ich ja mittlerweile: Sind wir im Körper, hat jeder von uns seinen Funktionen nachzugehen. Wobei ich jetzt nicht genau weiß, welche ich habe, aber kaum lag ich plötzlich wach im Bett, stürzten Amys kontrollierten Diätpläne auf und Mias weinenden, schockierten „Ich bin zu fett“ und dass sie ihrer Ansicht nach solange eine Tüte über den Kopf zieht und sich im Zimmer versteckt bis wir wieder abgenommen haben. M** hat nach ihren Barbies gefragt und war verängstigt wegen irgendwas (als ich dann erfahren habe wieso, war es mir klar). Lou hat sich an unsere Waldspaziergänge zurückerinnert und sich gefragt, wo ihre Mickey-Mouse Hose ist, während Blue auf Englisch irgendwas versucht hat zu sagen, ich glaube sogar, dass es irgendwas um Frau G ihre Therapie ging und Max hat von ihrem fliegenden Piratenschiff erzählt. Es hat sich also sowieso schon alles in meinem Kopf gedreht, was mich aber sehr überrascht hat, waren die „Neuen“ Gedanken, die ich dazu im Kopf gehört habe und die klangen ziemlich verzweifelt. Ich habe ein „Nein, ich kann nicht jetzt einfach weg gedrängelt werden, das ist unfair, bitte lass das nicht zu“, gehört und habe versucht nach dieser „Stimme“ zu greifen und habe noch ein „Lora“ gehört, als ich mich gefragt habe, wer das von uns sein könnte. Ich war mir sicher, dass ich diesen Namen noch nie gehört habe. Ich habe noch irgendwelche Gedanken gehabt dazu/von ihr – ich bin mir nicht sicher – aber ich konnte die nicht mehr hören bzw. diesen Gedanken folgen. Mir war nur sofort klar, dass wieder ein anderes U-System aktiv war.

Ich habe mich im Bett hin und her gewälzt und hab keine Ruhe gefunden. Ich habe es mir ganz einfach vorgestellt, dass ich vom Sommer die letzte Erinnerung habe und ich jetzt wieder da bin, war für mich sozusagen eine Kernaussage, dass in dieser Zeit dieses U-System da war, das wir (also Lou, Amy, Mia, etc. pp.) plötzlich mitten in der Nacht beiseite gedrängt hatten. Nicht mit Absicht, wirklich nicht. Eigentlich dachte ich, dass ich einfach im Blog nachlese – habe bin jetzt aber erst auf dieses Dokument gestoßen und habe eben viele Dinge überflogen. Trotzdem habe ich herausgelesen, dass ich falsch lag, weil das… „Lora-System“ eben nicht seit dem Tag da ist, seit dem wir nicht mehr aktiv waren. Zwischen dem Lora-System (sorry, ich weiß nicht, wie ich es gerade anders nennen soll) und uns liegen ungefähr zwei oder drei Monate. Das ist ziemlich schräg.

Anyway, ich könnte jetzt ewig mich im Kreis drehen und mir Fragen stellen und mich damit eigentlich nur unter Druck setzen (und noch weniger verstehen), Fakt ist einfach, dass wir plötzlich da sind und den Grund nicht wirklich kennen. Ich habe zwar eine Ahnung, aber ich weiß nicht, wieso es dann dieser Grund wäre. Nächster Fakt ist, dass ich Lora sehr stark spüre, aber sie nicht hören kann… das ist echt blöd, weil… Erstens „spüre“ ich mich noch nicht richtig, also ich weiß zwar eigentlich wer ich bin, aber bin mir nicht sicher, ob ich alleine „draußen“ bin oder ob mich Lora beobachtet und mit-agiert und mit entscheidet… oder ob das etwas Anderes ist, wieso ich noch nicht so richtig draußen angekommen bin. Gerade ist es noch so: Wenn ich jetzt kurz die Augen schließen würde für ein Nickerchen, könnte ich nicht versprechen, dass ich wieder aufwache. In der Zeit, in der wirklich nur unser U-System aktiv war, da hätte ich zu 100 % sagen können, morgen steht entweder Lou, Max, M** oder Mia oder sonst wer auf, aber ich werde trotzdem so oder so irgendwie im Hintergrund dabei sein. Aber gerade ist es eher so, dass ich sagen würde: Könnte sein, dass ich später noch da bin, könnte aber auch sein, dass wir alle plötzlich wieder „in der Amnesie verschwinden“. Und das liegt glaube ich daran, dass wir nicht geplant haben da zu sein. Okay, geplant wird das nie, aber zumindest gibt es so „Übergänge“. Ich bin nicht einfach von einem Tag auf den Anderen da, sondern das passiert schleichend.

Ich hoffe einfach, dass der Tag jetzt mit diesen vielen… ähm… Plötzlichkeiten… nicht so anstrengend wird. Und insgeheim hoffe ich auch, dass es nicht einfach wieder „abschaltet“, aber ein tiefes Gefühl in mir sagt, dass wir eigentlich überhaupt nicht hier sein dürften, weil wir 1. nichts zu tun hätten und nicht gebraucht werden im Außen und 2. weil das Lora-System eigentlich gerade an irgendeiner wichtigen Sache dran war (von der ich keine Ahnung habe).

Okay, das war für 7:00 Uhr Früh wirklich sehr viel, tut mir wirklich leid!!! Aber ich denke es ist besser als zu riskieren, dass ich später vielleicht einfach gar nicht mehr da bin. No risk, no fun… nene, nicht in dem Fall.

LG
Kara

Ich bin tatsächlich immer noch da. Okay, ich kann den ganzen Tag nicht mehr richtig zusammenfassen, ich glaube zu irgendeinem Zeitpunkt wurde ich weg gedrängelt. Zumindest habe ich Lou stark im Co gehabt heute. Wir waren heute beim Arzt. Himmel, ich frage mich aber auch, ob das nicht vielleicht meine Schuld ist, die Verschlimmerung. Als ich heute aufgewacht bin, bin ich ja nichts ahnend einfach losgelaufen und habe mich totaaal gewundert über den Schmerz im Fuß. Hätte Mona nicht gefragt, wann ich zum Arzt gehe heute, hätte ich nicht einmal gewusst, dass wir vorgehabt haben zum Arzt zu gehen. Um 9:20 Uhr war der Termin und ich war ja zum Glück so früh wach und konnte vorher noch eine Fahrkarte holen und den Bus erwischen. Der fährt hier ja nicht gerade so bolle. Der Arzt hat gefragt wie es mir denn die vergangene Woche mit dem Fuß ergangen ist… Ich habe daraus geschlossen, dass ich schon einmal dort war… nehme ich zumindest an. Von meinen Innens kann dazu keiner was sagen, also muss das auch einer gewesen sein, den ich nicht kenne (Lora?) An sich war der Tag ziemlich wow. Ich finde es überhaupt nicht gut, so „plötzlich“ da zu sein. Normalerweise passiert das schleichend. Aber jetzt bin ich mir sogar echt sicher, was das ausgelöst hat. Ich weiß nicht einmal ob ich mich trauen soll, darüber zu schreiben… alles super?

Für mich vermutlich schon, im Allgemeinen überhaupt nicht, aber kann ich da überhaupt für mich als Ganzes sprechen, wenn ich für ein ganzes System Amnesien habe?

Es war halt sehr laut heute. Als der Arzt mich für sieben bis acht Wochen krankschreiben wollte, war ich nicht einverstanden. Wir haben jetzt den Deal, dass ich erst einmal nur zwei Wochen durchhalten muss und dann ein, zwei, drei Tage zu arbeiten versuche (den Fuß belasten) und dann soll ich nochmal kommen. Damit war ich irgendwie … „okay“. Zuhause war es dann schon gar nicht mehr „okay“. Lou war sehr Co mit mir und hat mich mit ihrem „Was soll ich denn zwei Wochen lang Zuhause machen??? Das KANN ich nicht!“, totaaaal angesteckt… . Das Problem ist, dass ich Lou sehr stark spüre. Ich weiß nicht, wer mich schon kennt. Ich weiß, dass wir zu System 1 schon angefangen irgendwie Kontakt aufzubauen, Lou und L*** zumindest. Aber System 1 ist ja seit gefühlt Jahrhunderten (dezent übertrieben :p) out of order, sage ich mal. Wieso das so ist, kein Schimmer. Keiiiiin Schimmer.

Jedenfalls bin ich jetzt auch total überfordert mit der freien Zeit. Ich weiß, wir können einfach nicht nichts tun. Freie Zeit wäre ja eigentlich ganz toll, wenn man mit Jimmy im Wald spielen gehen könnte (sagt Lou), oder Piratenschiff auf dem Bett spielen könnte (sagt Max), wenn wir Sport machen könnten (sagt Amy) oder wenn man im Cafe sitzen und schreiben oder Einkaufen gehen könnte (sage ich). Hmm… die Einzigen die zufrieden zu stellen wäre, wäre M**, wenn die gerade nicht total unruhig wäre.

Jetzt kann ich auch gleich mal zum Verdacht kommen, wieso wir so plötzlich „rausgeschossen“ wurden. Es ist nur ein Verdacht, aber… ich finde den ziemlich zutreffend, außerdem spricht M**  darüber. M** ist neben Blue unsere Jüngste in unserem System, die weder schreiben noch lesen kann und damals, also letztes Jahr im .. nja, in den Herbstmonaten rum, da haben wir ja die Kleinen uns Videobotschaften machen lassen. Das hat recht gut funktioniert. Besser als das Kommunikationsheft etc.

Irgendjemand von uns – ziemlich sicher niemand aus unserem System – hat Kontakt zu einem Mann aus Berlin aufgenommen, der auf Youtube seine ganz eigene Theorie zu einer DIS hat. Ich hoffe dass die- oder derjenige von uns, der den Kontakt zu ihm aufgenommen hat, das auch liest! Dieser Mann hört sich schon sehr so an, als meinte er es gut. Aber gut meinen heißt meistens nicht viel. Ist zumindest unsere Erfahrung. Jedenfalls ist er ein Bibelleser oder sowas. Er glaubt an Gott, Jesus und an die komplette Bibel und er sagt, dass Anteile keine Anteile wären, sondern „Wesenheiten“/bzw. Sowas wie Geister oder sogar Dämonen, die sich in die Körper der „Hosts“ einnisten und sich bloß als Anteile ausgeben. Außerdem sagt er (er hat uns Sprachnachrichten geschickt – wir ihm auch, und geschrieben, ich habe mir alles angehört!), dass diese Wesenheiten niemals die Wahrheit sagen und es selbstverständlich ist, dass sie dem „Host“ die Zeit stehlen und ihn verwirren. Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass die/derjenige von uns, der mit ihm in Kontakt ist/war totaaaal beeinflussbar ist. Sie hat zwar schon skeptisch hinterfragt, ob diese Anteile dann „wirklich einfach plötzlich weg wären“ und dass sie sich das gar nicht vorstellen kann, weil doch dann plötzlich ne große Leere im Kopf wäre, aber sie zieht in Erwägung, dass er Recht haben könnte. Irgendwie liest und hört sich das für mich so, als hätte die/der von uns total Angst vor der ganzen Sache (DIS) oder als wäre sie total überfordert und würde alles in Kauf nehmen, damit diese Amnesien und diese ganzen anderen (für sie) „unheimlichen“ Symptome verschwinden. Und dieser Mann sagt eben, dass er kostenlos bis zu uns herunter fahren würde und wir müssten nichts zahlen… außer „Zeit“. Er würde in der Zeit mit allen Anteilen sprechen (in seinen Augen zu allen „Wesenheiten“) und nach der Stunde würden sie alle fort sein.

Problem: Das hat ganz offensichtlich unsere M** getriggert. Ich kann dazu nicht viel schreiben… sie ist einer mit „Insider-Erfahrung“ und ich weiß nicht ob das so gut ist, wenn das andere von uns schon wüssten. Ich glaube sogar, dass es gefährlich wäre, selbst ICH, also wir als „System 2“ kennen M** Geschichte nicht zu 100 %. Aber ein echt anstrengender Nebeneffekt ist, dass M*** eben ohnehin schon immer davon überzeugt war/ist ein böser Geist zu sein. Also, das geht noch tiefer, aber dazu kann ich echt nicht mehr sagen… solange alles um uns herum noch so ist, wie es ist. Und solange immer mehr Systeme auftauchen, für die wir (oder andere Systeme) komplette Amnesien haben O.o … Himmel, das wird witzig.

Jedenfalls ist M** auf diese Überzeugungen sofort angesprungen, sie muss also irgendwie getriggert worden sein (ganz unabhängig von uns, also ohne dass wir es mitbekommen hätten), und zugehört haben. Sie ist natürlich jetzt total in Panik, dass jemand von uns sich mit diesem Mann treffen könnte und sie danach verschwindet. Auf dem Video hat sie geweint… aber hat sich gedanklich dann ganz schnell schon wieder ablenken können, weil ihr irgendwas anderes einfiel.

Jedenfalls ist das von der Uhrzeit her nur wenige Minuten bevor ich auf einmal völlig ruhelos im Bett lag und ewig nicht einschlafen konnte…

Und? Stimmt mein Verdacht? Sind wir deshalb ungeplant ins Außen getreten worden? Aber wen könnte ich schon fragen. Theoretisch müsste die Antwort „in uns sein“ (wie ich diese Aussagen hasse, dabei sage ich sie selbst immer wieder). Ähm… meine Gedanken werden gerade laut…

Ich wollte noch kurz erzählen: Ich kann mich nicht mehr richtig erinnern (wenn M** oder die ganz Kleinen im Außen sind, habe ich nicht so ein gutes Co wie bei Lou oder Amy oder den etwas Älteren)… auf jeden Fall bin ich dann irgendwie vorhin mit Kopfhörern im Ohr aufgewacht und auf dem Laptop lief „Lauras Stern“… irgendjemand muss sich um M** gekümmert haben, was ich aber nicht mitbekommen habe. M** kann nämlich Laptops und Fernseher etc nicht bedienen. Jetzt ist sie irgendwie auch weit weg. Also nicht im Co oder sowas.

Und ich muss aufhören, weil es gerade sehr anstrengend im Kopf wird, ich verlier den Faden.

Bis (hoffentlich) noch morgen,

Kara

Mittwoch, 13.11.19

hier ist lou, mir ist langweilig. Ich würd so gern in den wald heute lag der erste schnee nemlich und … da fand ichs echt mega blöd, das wir nicht im wald spielen konnten mit jimmy. Also ich bin mit jimmy in den wald rein, aber dann hat nach einem stück doch angefangen meinf uß wehzutun und bin doch nach hause.. dann hab ich sso gespielt und jetzt will ich sims spielen, aber mir ist super langweilig. Gestern hab ich übrigens mit frau honig geschrieben 🙂 das hab ich gemacht weil ich das mit dem mann erzählen wolte der uns besuchen kommen will nächste woche. Ich hab der frau honig gesagt, oder sie gefragt ob sie an sowas glaubt und ob sie nicht auch glaubt das wir vielleciht nicht doch böse geister sind? Frau honig hat gesagt das sie das ganz und gar nicht glaubt und sie es gar nicht gut fände wenn wir uns mit ihm treffen. Ich ja auch nict so wirklich, glaub ich. Und dann hab ich ihr von m** erzählt und dann hab ich mich noch dafür entschuldigt das m** oder wir halt in den mini sandkasten gefasst haben, das hat jedenfalls m** erzählt, und das es mir leidtut falls da was gebaut war. Da hat frau honig gesagt, das es uns nicht leidtun muss und sie sich freut weil die sachen ja zum spielen da sind und wenn wir spielen wollen, können wir das ganz einfach tun und müssen keine angst haben, das sie böse ist dafür oder so oder es heimlich tun.

Ich bin immer noch da, und irgendwie auch nicht. Ich kriege Phasen vom Tag ab, oder eher von der Nacht. Ja, von der Nacht habe ich etwas abbekommen. Ich war gestern einfach… ich kann mich einfach an keine Sekunde erinnern. Weder wie ich aufgewacht bin, noch wie ich einschlief und schon gar nicht, was dazwischen war. Aber (ich will mich schon wieder nicht selber loben), dieses Dokument scheint echt klasse zu sein. Kara benutzt das Wort Systeme… ich dachte, dass das aus einer Therapie kam, aber dann haben das andere von uns wohl selbst so bezeichnet… was auch immer. Ich werde trotzdem weiter das Wort Inseln benutzen. Ich habe die Nacht heute stark erlebt. Verdammt, dass ich irgendwie Schlafstörungen entwickle. Kann das sein? Ewig nicht einschlafen können und dann nur halbwegs zu schlafen? Also nicht wirklich komplett abschalten? Und dann… na ja, ich weiß nicht was ich bis vorhin gemacht habe. Aber ich stand bei Frau Brh, als sie mir die Frage gestellt hat, wie das gerade mit der Suizidalität wäre. Was davor war, keine Ahnung. Ich stand einfach im Büro und habe mich nicht einmal gefragt, was ich plötzlich hier mache und wieso Frau Brh vor mir steht… ich habe mich das keine Sekunde lang gefragt, aber ich habe mich gefragt, wie sie plötzlich auf die Frage kommt und mich irgendwie darüber geärgert, weil ich nicht über dieses Thema reden möchte. Habe ich dann auch gesagt. Dass ich darüber nicht sprechen möchte. Sie hat gefragt, ob ich mich denn melden könne, bevor etwas Dummes passiert. Was sind das eigentlich für Fragen? Okay… ich muss gestehen, dass ich in diesen ganzen Wochen, die ich jetzt (bis auf gestern und das Wochenende vom 31.10. – 03.11.) da bin, noch keinem einzigen Menschen gesagt hab „Hey, ich bin übrigens Lora und irgendwie fehlt mir extrem viel aktuelle Info“… Das hört sich schräg an… und es beruhigt mich nicht einmal, dass alle um mich herum schon von der D.I.S wissen, während ich das vor einem Monat alles neu aufarbeiten musste… ich kann es trotzdem nicht. Also, ja… es weiß niemand von mir. Niemand. Keine Mona, keine Betreuer… niemand, niemand, niemand. Okay, Frau Honig habe ich in meiner… ersten oder zweiten Woche eine SMS geschrieben und ihr in einer Therapie die Hefte zeigen können. Also kann ich Frau Brh vielleicht nicht vorwerfen, dass sie davon ausgeht, dass ich ihr überhaupt irgendwas erzähle. Denn sie kann nicht wissen, dass sie mir irgendwie nicht vertraut ist. Dass mir niemand vertraut ist und ich mit niemanden über irgendwas reden würde… schon gar nicht… Ich meine… Über solche Sachen spricht man nicht. Entweder man tut es oder nicht. Ich möchte… jetzt aber gar nicht weiter darauf eingehen, nicht einmal hier… Das nimmt allgemein schon sehr viel Platz ein und …

… die zensierte Fortsetzung nur hier…

14.11.19

ääääjjj war gestern der 13.11.19`?? Muss wohl (ich les das jetzt oben fei nicht alles, das ist mir zu viel) ich hab eigentlich nicht einmal bokc jetzt noch großartig zu schreiben aaaber, damit Lora nicht so enttäuscht ist erzähl ich noch kurz:

heute hatte miia Geburtstag und wir haben bei A angefangen mit Kuchen und Plätzchen und Kinderpunsch. War leckerrrr. Danach sind wir zu uns. Dort hat Mona dann Kürbiskremsuppe gemacht mit Käsewurst und Baguett und da kam B dann auch noch dazu. Er hat nen Likör mitgebracht und Mona hat ja auch Sahne und Himbeeren gekauft, weil ich ihnen gesagt habe dass ich dann für alle ne Lavalampe mache. Das ist so arschig lecker.

Jedenfalls kam dann aber Herr S… omg ich hatte ja so gar keine Lust auf den und dann war der eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeewig da!!! irgendwann so um vierte vor neun rum hat mich so genervt dass der noch da im Büro gesessen ist, dann hab ich von silbermond das lied symphonie ganz laut aufgedreht und habe vor der bürotür mitgesungen wenn sie gesungen hat „SYMPHONIEEEEEEEEEEEEEEEEEE und jetzt wird es stiiiiiiiiiiil um uuuuuns denn wri stehn hier im regen, ham nichts mehr zu geeeeben UND ES IST BESSER WENN DU GEEEEEEEEEEHST“ Mia und Mona und A und B haben sich dabei im Wohnzimmer halbtot gelacht und haben versucht mich runterzubringen oder mir zu sagen ich soll aufhören. Mona hat mich erkannt. Also nich direkt mich, sie kennt mich ja nicht. Aber sie hat gesagt, „ich finds schön dass du da bist und grad so viel jugendliche energie mitbringst“(oder so), aber dass ich das doch nicht GANZ so auffällig machen soll. Ich finde aber eig, das ist  mit silbermond doch ne sehr sanfte art jemandem zu sagen, dass er jetzt gehen darf!! dann ist Herr S doch aber echt endlich raus, hat sogar ein bisschen gelacht (DER TYP KANN EIG NICHT LACHEN) und hat nur gemeint: Ich sag bescheid wenn ich geh und ihr richtig loslegen könnt“. Das fand ich fast schon cool von ihm. Das hat mich bissl verwirrt immerhin motzt jeder von uns ständig über den xD jedenfalls war er dann weg und ich hab die Lavalampen gemacht. Das ist ein Schuss vom Likör, dann die gefrorenen pürierten Himbeeren und dann Sahne. Also so stampal sind das. Jedenfalls… dann waren die Himbeeren alle und ich habe die letzte Portion noch gemacht… als ich die vier Becher ins wohnzimmer tragen wollte… FLOPST mir genau MEIN Becher raus und PATScH aufm dem Boden. Ich war so schokciert ist wusste erstmal nichtmal wie ich reagieren soll^^ und pia und michi haben ein langes: „Oh neeeeeeeeeeeeeeein“ von sich gegeben und haben sooo gelacht und ich hab nicht kapiert warum, musste aber mitlachen und dann haben sie mir erzählt, dass wir im Sommer wohl mal ne Wassermelonen Bowl gemacht haben und ich dann aus der Dunklen Ecke nur „oh neeeeeeeiiiiin“ gerufen habe. Ich hab da wohl im Dunkeln versucht die Schöpfkelle an den Rand vom Glas zu legen um so in das Glas zu schenken, aber das war der falsche Rand (also der äußere) und hab wohl die ganze Kelle daneben geschüttet und das wäre halt so ne Situationskomik gewesen. Da haben Mona und Mia auch gemerkt, dass ich mich daran nicht erinnern kann (war ich nic dabei xD) ach ja, dann war plötzlich themenwechsel. Flops, war ich kurz weg, dann flops, kurz wieder da. Wieso ausgerechnet ich, weiß ich auch nicht. Aber da hat Mona eben gesagt, also ich war wirklich MITTEN im Satz plötzlich wieder FLOPS auf der Couch, null kontekst, kp aus welchem zusammenhang aber genau IN DEM SATZ, genau das war was ich gehört habe: „ich weiß nämlich nicht wie ich reagieren soll, wenn du gerade in einem programmierten Anteil drinnen bist, deswegen würde ich sehr gerne mal mit zu deiner Therapeutin gehen“. Also es ging halt darum weil wir ja ne WG öffnen wollen und Michi und Pia wissen ja sehr viel über mich und so (auch mit allem drum und dran uns so) und dass sie halt gerne wüsste wie sie in dem moment mit mir umgehen soll. Hab gesagt, ads kann ich verstehen, ich krieg sowas nicht mit. Ich bin immer felsenfest überzeugt, man kriegt eh nicht mit wenn wir wechseln. Mia und Mona haben heute aber was anderes gesagt. Also Pia minte, sie kriget es nicht IMMER mit, weil sie ja nicht SOOO oft da ist, aber dass sie es an krassen Unterschieden schon merkt und manchmal sin es nur.. nuonsen bei denen sie merkt, es KÖNNTE ein anderer von uns sein. Aber Mona meinte, ne weil sie ja mit uns lebt, sie würde das SPÜREN. Manchmal sagt sie merkt mans extrem und manchmal sagt sie hat sie einfach nur so ein gefühl. Und jaaaa und sie meinte (Das fid ich krass, weil von uns also lora, jonna, kali, kayla und jessie ist KEINER irgendwas „programmiertes“). Aber Mona meinte eben, sie würde sehr krass merken wenn wir in einem Programierten Anteil stecken. Un dich hab das nicht verstanden und Mia und Mona haben versucht das zu erklären. Mona hat zum beispiel erzählt, dass wir vor ner Woche mit der Polizei in die Klinik gebracht wurden 8davon weiß ich nix?!) und dass sie da den GANZEN abend über gespürt hat, wir seien VOLL in einem Programm drinnen. Also halt nicht erreichbar, oder wie auch immer. Mia und Mona haben mir erklärt, dass ich dann meistens einfach das haus verlasse oder Mona hat erzählt dass ich mal an einem Abend weg bin, stunden später wieder kam und wäre voll verheult oder wie ferngesteuert gewesen oder extrem verstört gewirkt oder „wie tot“ gewirkt hab und sie hätte da nur Wut und ne unfassbare Trauer oder Hilflosigkeit gespürt weil ich da an dem aben dwohl auch nicht mehr reden wollte und mich dann auch einfach im Zimmer verzogen hab und sie hat das noch Wochen lang mitgeschleppt und dass sie eben nicht weiß, wie sie mit solchen Situationen umgehen soll. Ich fand das so krass das zu hören weil ICH hört das so zum ersten mal. Ja aber ich finde es voll gut das sie mir oder uns das sagt, weil ich finde es auch wichtig das wen wir zusammenziehen sie sich nicht immer hiflos und wütend und traurig füühlt. Und deswegen frag ich frau honig nächste woche, ob michi mal im nächsten jahr mit zu einer stunde kann damit wir drüber reden können.

Okeeee das wars jetzt erstmal!!! PEACE & OUUUT!!!!

TONI!

Freitag, 15.11.19

Der Donnerstag in einer Amnesie… ich habe noch ein paar Kommentare in meinem Blog lesen können zu der Sache mit dem Exorzisten. Antworten wollte ich eigentlich am Abend, aber irgendwie war ich dann im Innen, aus welchem Grund auch immer. Wenn das oben nicht von Toni geschrieben worden wäre, wüsste ich jetzt überhaupt nicht, was gestern noch alles passiert ist. Ich habe diesmal keine Bruchstücke mitbekommen, ich war wirklich absolut in mir drinnen, also in den Slums. Über Nacht haben scheinbar Toni und ich „die Positionen gewechselt“, weil ich bin ihr im Innen nicht begegnet, bevor ich heute … na ja, wie auch immer. Man kann das alles zu zerbröseln. Unterm Strich, bin ich halt erst jetzt wieder da, hab super Unterleibschmerzen und befürchte, dass ich vielleicht meine Tage kriege… Heute îst ja Freitag, aber so richtig mitkriegen tu ich das nicht… ich habe auch eine Erinnerung im Handy gehabt, 13:50 Uhr, dass ich um 14:00 Uhr bei einer Frau I* eine Körpertherapie im ***haus habe. Ganz toll! Ich weiß zwar, wo das ***haus ist, aber ich habe keinen Schimmer, wo Frau I*’s Büro war… Ich habe die Stockwerke abgesucht und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr. Ich habe im Büro bei den Betreuern angerufen und habe gesagt, wie es ist. Ich weiß nicht wo Frau I*s Büro ist. Ich war noch nie bei ihr. Frau V* hat ein bisschen gelacht, hat gemeint, ich soll dort am Haupteingang warten, sie kämen schnell vorbei und zeigen mir, wo sie ihr Büro hat. Ich habe also gewartet… ich habe geschwitzt und mein Fuß tat mir weh u.n.d: Ich war echt richtig aufgeregt, obwohl mir bewusst war, dass s.i.e mich ja schon kennt und ich sie kennen m.ü.s.s.t.e.

Nur fünf Minuten später kam Frau Brh und hat mir gezeigt, wo ich reingehen muss und mich bei Frau I* „abgeliefert“. Ich habe mir alles unter dem Namen und einer Körpertherapeutin vorgestellt, aber nichts davon hat gepasst zu meinen Vorstellungen. Sie ist ziemlich schlank, größer als ich (wobei das nicht ganz so schwer ist), und ziemlich hübsch. Sie hat große blaue Augen und sie guckt immer so … aufmerksam. Ich war ja bei ihr dann in diesem Raum gesessen und ich weiß nicht wieso, aber mich hat ihr Gesicht so beruhigt, vielleicht eben w.e.i.l sie so große schlaue Augen hat und dann hat sie gefragt, ob mich irgendwas beschäftigt. Ich war mir erst nicht sicher, ob ich das sagen soll, aber aus irgendeinem Grund hat sich das in dem Moment einfach richtig angefühlt und ich habe ihr von dem Bibelleser erzählt, mit dem ich Kontakt aufgenommen habe. Ich erzählte ihr von ihm und was er über die Erkrankung denkt und dass er fest an die Bibel und das neue Testament glaubt und er Exorzist ist. Ich erzählte ihr, dass er fest davon überzeugt ist, dass wenn er ein … Heilgebet spricht (oder sowas), dass danach die Amnesien und alle anderen Symptome verschwinden und ich wieder ganz normal leben kann. Ich habe ihr auch erzählt, dass er in einer Sprachnachricht erwähnt hat, dass er gerne mein Bein an eine Parkbank ketten würde, damit, falls wir switchen, nicht vor ihm abhauen könnten. Denn irgendwie redet er ständig davon, also der Angst, dass ich dann einfach weglaufe. Ich erzählte ihr aber auch, dass ich mir nichts mehr wünsche, als dass ich einfach normal leben kann und er ja eigentlich auch ganz nett klingt. Sie war erst… irgendwie hat sie mich erst ewig nur stumm angeblinzelt. Dann hat sie ihr Gewicht verlagert und sie fragte, was ich denke, wie sie jetzt reagiert, weil ich ja am Anfang gesagt habe: „Ich hätte schon ein Thema, aber ich habe Angst, dass es verrückt klingt…“ Sie fragte eben, was ich denke, was sie für verrückt hielte. Ich sagte, dass ja nicht alle Menschen an Dämonen glauben.

Ich glaube, es gibt ganz viel auf dieser Welt und das alles ist so komplex, dass ich nicht ausschließen will, dass es Exorzisten und.. vielleicht sogar Dämonen gibt…“, hat sie dann gesagt, dann hat sie wieder ein wenig gewartet und gemeint: „Aber wo bei mir als Therapeutin alle Alarmglocken klingeln, ist wenn ich höre dass jemand Wunder verspricht … und erst Recht, wenn ein fremder Mann sagt, dass er jemanden anketten möchte.“

Hm“, habe ich dazu gesagt… Wie sollte ich das jetzt einordnen? Ich habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht, als er den Vorschlag mit dem Anketten brachte. Wieso auch? Ich fand seine Begründung völlig nachvollziehbar. Sie hat mich dann gefragt, was ich davon halte, dass er mich anketten möchte. Nun… ich finde das aus irgendeinem Grund nicht komisch. Es ist doch nur ein Anketten. Was sollte daran schlimm sein? Dann hat sie wieder ihr Gewicht verlagert und meinte „… wurden Sie schon einmal fest gekettet?“… Tja. Da hat es sich plötzlich gedreht um mich herum. Oder nicht einmal das. Ich kann das gar nicht so genau erklären. Als würde ich von vorne… von so ner Art .. Strudel eingesaugt werden und ich hatte es plötzlich so schwer ihren Worten noch zu folgen. Ich habe noch gehört wie sie gesagt hat, sie frage das nur, weil sie es ungewöhnlich fände, dass ich das so beiläufig erzähle… an mehr kann ich mich schon gar nicht erinnern. Jetzt sitze ich schon wieder in der WG. Mia ist noch da bis Samstag. Wir haben gerade Mowgli angeschaut und ich versuche immer noch zu verstehen was das bei Frau I* war. Sie hat mir nur eine Frage gestellt… und plötzlich hatte ich keine Macht mehr irgendwas zu tun, um noch den Rest der Zeit bei ihr mitzubekommen. Dabei habe ich mich wirklich angestrengt… Aber es ist ja nicht so, dass ich nur ihre Stunde verpasst habe! Mir fehlt sehr viel von der Zeit. Ich weiß nicht, wie ich wieder in die WG zurück gekommen bin. Nicht einmal was war, bevor ich jetzt hier sitze und mit den beiden Mowgli geschaut habe. Ouff. Und ich habe auch nicht einmal den Hauch einer Kraft darüber nachzudenken.

Der Rest vom Eintrag kann nicht veröffentlicht werden, weil Lora darum gebeten hat, es nicht zu tun (der Eintrag oben ist von ihr), der Rest eigentlich auch, aber sie wollte den Rest wo es um ein bestimmtes Thema geht nicht veröffentlicht haben, weil sie Angst davor hat, dafür zerfetzt zu werden…. 

Samstag, 16.11.19

Ich bin gerade wieder ziemlich in einem… Down-Modus. Aber das ist weil ich an Anna denke. Wenn ich daran denke, dass wir uns in der 1. Dezemberwoche sehen, dann wird mir einfach stressig. Ich mag sie. Ich mag sie wirklich gerne, aber ich bin nicht diejenige von uns, die sich in sie verliebt hat. Ich liebe sie kein bisschen und wenn ich darüber nachdenke, will ich sie weder küssen noch sonst irgendwas. Sie tut es aber sehr gerne. Und sie kuschelt gerne. Ich würde so gerne diese Beziehung beenden. Aber… da ich sie nicht eingegangen bin, wer weiß was ich wem von uns antue damit. Mal abgesehen davon… wie sähe das nach außen hin aus? Die Funktionen verstehe ich allmählich. Es soll alles normal wirken um mich herum. Ich merke es! Ich merke, dass ich, was ich fühle, kein bisschen dem Standard um mich herum entspricht. Aber selbst wenn ich mir wünsche und sogar Ideen habe wie ich alles so richten könnte, dass es mir guttut… das würde einfach nur genug Stoff sein, damit alle Menschen um mich herum sich die Mäuler über mich zerreißen. Denn was ich will, ist: Single sein! Ich will gerade keine engen Freundschaften, und schon gar keine Beziehungen. Ich will nicht so oft in die Heimatstadt fahren um sie zu sehen, ich will mit ihr nicht auf Weihnachtsmärkte gehen und ich will auch nicht mit ihr in einem Bett schlafen. Mit niemandem. Ich will eigentlich nur Jimmy und mich und so dumm sich das auch anhört: Dieses Anpassen, dieses anstrengende, ätzende Anpassen an die Gesellschaft, das… das löst so einen enormen Stress aus, dass es sogar richtig akute Wegmach-Gedanken auslöst. Immer, wenn Anna schreibt und ich mit dieser Tatsache konfrontiert bin, dass ich eine Rolle spielen muss, die sich furchtbar anfühlt oder sie schon Pläne für unser Treffen schmiedet, dann will ich am liebsten sofort loslaufen und mich vor einen Zug werfen. Wie krass kann man eigentlich sein? Noch dazu fühle ich mich schlecht dafür, weil ich mich nicht schlecht dafür fühle, dass ich so denke wie ich denke. Aus irgendeinem Grund habe ich kein Mitleid mit ihr, weil ich… einfach nichts für sie fühle. Das wiederum fühlt sich für mich so falsch an, weil auch das total unnormal ist. Jeder würde vermutlich an meiner Stelle ein schlechtes Gewissen haben und ich weiß, dass ich es haben müsste. Was bin ich? Ein Monster? Hah… vielleicht hat N** ja Recht. Vielleicht bin ich wirklich ein Dämon. Ein bisschen wünsche ich es mir sogar. Dann würde ich wirklich einfach verschwinden und ich hätte diese ganzen Probleme nicht mehr.
Was soll ich bloß tun? Ich fühle mich so schlecht mit meinem Leben. So, so, so schlecht. Ich könnte pausenlos heulen. Oder es einfach beenden.

Ich kann zwischenmenschliche Beziehungen nicht ausstehen. Sie sind schrecklich anstrengend. Es gibt doch keine einzige zwischenmenschliche Beziehung, die unkompliziert ist. Tatsächlich… obwohl ich selbst da oft das Gefühl hab, dass ich selbst dort aus dem Rahmen falle… fühle ich mich irgendwie von den Bloggern am meisten verstanden.

Ich will das mit Anna einfach nicht. Ich überlege schon die ganze Zeit wie ich die Dezemberwoche ausreden kann, aber, da hat Anna Recht, sie kann das gar nicht nachempfinden wieso das bei uns beiden gerade so ist, gerade „am Anfang einer Beziehung“. Ich weiß, ich kann ja lesen, dass jemand von uns total verliebt war/ist(?) in sie. Alles was ich über sie gelesen habe, dachte ich mir ständig so: Oh Polly, ooh Rob! Es ist Liebe, es ist sinnlos. Ich muss kotzen.

Ich mag Menschen. Klar. Ich mag ja auch Mona und Mia und viele Freunde und andere Menschen, aber Liebe? Ich weiß gar nicht, was das ist. Ich glaube ich kann nicht lieben und ich glaube ich will es auch gar nicht. Wobei, ja, Tiere liebe ich. Tiere liebe ich wirklich. Also weiß ich doch, was Liebe ist. Aber das ist ja etwas völlig Anderes als Menschen zu lieben. Mit Menschen muss man schlafen. Mit Anna müsste ich schlafen. Und das ekelt mich. Es ekelt mich so sehr, dass ich nur heulen könnte. Ich würde so gerne untertauchen und einfach so lange verschwinden, bis mich alle Menschen vergessen, die mich kennengelernt haben. Ich fühle mich furchtbar. Ich will nicht einmal wissen, was S* und F* dazu sagen würden… schließlich haben die mich ja kennengelernt – ich hab sie kennengelernt. S* und F* sind super Freunde von Anna und… sie haben mich auch kennengelernt. Wir haben uns alle super verstanden. Und ja, ich glaube mit Anna würde ich mich freundschaftlich auch super verstehen. Aber… ich hasse mein Leben. Oh. Mein. Gott. Ich hasse mein Leben!

Wozu war das nötig? Wieso um Himmels Willen haben wir uns in so ne dumme Beziehung stürzen müssen? Absprachen?? Ach ja, ha, das hätte ich fast vergessen; und ich hätte fast gelacht! Das geht ja gar nicht! Weil wir uns nicht alle hören! Wer weiß denn schon, wer von uns Anna kennengelernt hat? Welches System? Wenn Kara schreibt, sie war vor dem Sommerurlaub das letzte Mal da, kann sie es nicht gewesen sein. Wenn sie sagt, sie weiß nicht, wer zwischen meinen Homies und ihren Leuten aktiv war, dann kennt dieses System vermutlich keiner? Wie soll das alles jemals funktionieren? Ich hoffe so sehr, so, so, so sehr… dass N* Recht hat und er es einfach „wegzaubern“ kann. Ich meine, ich nehme Frau I*’s Worte und die Kommis in unserem Blog schon ernst. Aber ich HASSE mein Leben. Ich e.r.t.r.a.g.e es so nicht weiter. Es ist mir so egal, was er macht. Ob er uns ankettet oder uns ein Kreuz an die Stirn hält… wenn wir lauter so Sachen die noch scheinbar viel schlimmer waren schon ausgehalten haben, dann wäre das ja noch ein Kinderspiel. Ich habe keine Angst vor dem Treffen. Kein Bisschen. Angst habe ich davor, dass seine Versprechen nicht in Erfüllung gehen und ich weiterhin so ein shice Leben führe wie jetzt. Ich will es so nicht. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Warum sollte ich dann Angst vor irgendwelchen Bibellesern haben? Mona will übrigens mitkommen. Sie hat davon erfahren und will mich eh nicht alleine gehen lassen. Sie ist nicht begeistert davon, aber bis jetzt schaffe ich es nicht, mich davon abzubringen. Ich will es versuchen. Ich würde ALLES versuchen, damit der ganze Albtraum aufhört.

– Lora

Woche eins [x]

Ich habe mit dieser Art von Journal schon länger angefangen, es diente für mich als Wochenrückblick, quasi. So erlebe ich mein Leben als - wie nennt man das? ANP? Schrecklich! Klingt wie ein Objekt eines Projekts! Die grauen Zeilen habe ich für die Öffentlichkeit ein bisschen abgeändert.

Woche eins [x]

04.11.-10.11.19

Montag, 04.11.19

Der Montag. Wie fing der Montag an? Lass mich überlegen… hm… ach ja. Ich bin in einem fremden Bett aufgewacht, dessen Bezüge so steril riechen, dass es in der Nase brennt. Ich habe vom Kopfkissen aus aus dem Fenster geblinzelt und mir gedacht: „Wow, was für ein schöner Sonnenaufgang, das werde ich vermissen.“ Und ja, ich habe es wirklich ernst gemeint. Ich bin aber gleich wieder eingeschlafen. Ich war noch zu müde.

Beim zweiten Mal wurde ich wach, weil es an dieser Milchglastür geklopft hat. Es war eine Pflegerin und für meinen Geschmack viel zu munter um 7:00 Uhr morgens. Ihre Stimme war glockenhell und ich hätte mir am liebsten das Kopfkissen über den Kopf gelegt und die Ohren damit zugedrückt. Natürlich habe ich das nicht gemacht. Ich habe mir die Augen gerieben, mich mit einem Arm aufgestemmt und versucht sie durch den Schlaf zu erkennen. Hm. Sehr jung. Ich weiß nicht mehr, was sie gesagt hat. Irgendwas mit Blutdruck messen. „Okay“, habe ich gemurmelt und bin nochmal eingeschlafen.

Sie klopfte nur eine Stunde später. Ich wurde wieder wach und diesmal quälte ich mich aus dem Bett. Völlig übermüdet, aber klar, in der Nacht wurde ich ja mit Polizei und Krankenwagen in die Geschlossene gebracht.

Ich bin also zur Blutabnahme gegangen. Sogar mein Blutdruck habe ich messen lassen und ich musste mich auf die Waage stellen. Furchtbar. Ich bin fett wie ein Elefant. Krass. Wie habe ich so zunehmen können? Oder habe ich nach meiner Essstörungszeit, nach der ich verboten habe mich zu wiegen, auch schon so viel gewogen? Ich weiß es nicht. Ich habe mir geschworen mich nie wieder auf eine Waage zu stellen. Aber in der Psychiatrie wird man zu alles gezwungen. Oder vor eine Pseudo-Wahl gestellt, die in Wirklichkeit keine ist.

Egal, jedenfalls. Meine Ernährung werde ich jetzt ändern. Sobald ich hier raus bin, werde ich sie ändern. Und es kann jedem egal sein, wie ich sie ändere. Es ist mein Ding. Genauso wie… alles andere auch.

Deshalb habe ich darüber auch nicht geredet, als die Oberärztin mittags kam, um mich auszufragen: Kann ich sie gehen lassen? War das ein Kurzschlussgedanke? Ja, war es, Frau Oberärztin. Es war natürlich nur ein Kurzschlussgedanke.

Nein, ich will mir nichts antun. Es war dumm, was ich gesagt habe, und ich bereue es total.“

Bereuen tue ich es wirklich. Dass ich es geäußert habe. Den Fehler mache ich nicht nochmal. Nie wieder. Mein Leben ist meins. Mein Leben kann ich mit jedermann teilen. Aber der Tod, meinen Körper zu töten, das will keiner wissen. Warum sollte das auch jemand wissen wollen? Wieso habe ich geschrien wie ein Dummkopf? Halt die Klappe, Mii. Halt doch einfach mal deine verdammte Klappe! Ich hätte einfach die Klappe halten sollen. Jetzt haben sie alle ein Auge auf mich.

Egal.

Bei Frau Oberärztin habe ich mich gut rausgeredet. Sie um den Finger gewickelt, angelächelt, über mich selbst gelacht. Dumme Mii, so meinte ich das doch gar nicht. Ja, jeder hat doch mal die Schnauze voll vom Leben. Aber es wirklich tun? Nein, das würde ich doch niemals!

Ich durfte gehen. Ich habe mich in den Bus gesetzt, habe den ganzen Weg im Bus über Musik gehört. Techno. Ich höre eigentlich kein Techno, aber diesmal habe ich Techno gehört, und der Sound hat meine Entschlossenheit so unterstrichen. Er hat mich so kampfwütig gemacht. Aber nicht fürs Leben. Ganz sicher nicht dafür.

Dienstag, 05.11.19

Ich war bei Frau Honig, aber ich kann nur noch sehr schwer zusammenfügen, was wir besprochen haben. Eigentlich so gut wie gar nicht. Aber ich mag ihr Gesicht, weil sie sehr freundlich aussieht, nicht so verstellt und verkühlt wie viele andere Psychologen.

Der ganze restliche Abend liegt für mich im Nebel. Ich weiß nicht, wie ich ins Bett gegangen bin und was ich am Abend noch alles gemacht habe. Meine nebeligen Tage. Ich stelle mir das in einem Interview so vor:

Wie ist es, mit einer Dissoziativen Persönlichkeitsstörung zu leben? Ist das wie bei Split?“

Nein, Madame. Die Hauptfigur von Split kommt mit seinem Leben ja irgendwie ganz gut klar. Er tötet zwar Menschen, aber hey, er kommt damit klar. Nein, ich kann mich damit nicht identifizieren.

Wie würden Sie denn Ihre Erfahrung als Multiple Persönlichkeit beschreiben?“

Das kann ich nicht, Madame. Dann müsste ich ja für alle meine Anteile sprechen, aber ich habe nur für mich selbst ein Gespür und deshalb liegen viele meiner Tage einfach nur im Nebel. Ich hasse es, mich für alle wie ein Projekt zu fühlen! Ich bin ich! Alle meinte Anteile sind ich!

Beunruhigt Sie das nicht? Diese Tage im Nebel?“

Nein, was sollte mich daran beunruhigen? Für einen Menschen ist alles normal, was er gewohnt ist.

Sie sind es also gewohnt, krank zu sein?“

Ha.ha.

Nebelige Tage. Ja, die begleiten mich, seit ich denken kann. Wieso sollte mir das Angst machen? Wieso fragt mich das mein Interview-Unterbewusstsein?

Hm…

Mittwoch, 06.11.19
Ich bin zum Arzt gefahren. Ich bin aufgewacht und habe mich gewundert, dass ich noch lebe. Es ist doch schon seltsam, oder? Diese Macht der Gedanken. Ich fühle mich innerlich schon so tot und ich bin so bereit zu sterben, dass ich gar nicht verstehen kann, dass ich jeden nächsten Morgen noch wach werde. Als wäre es ein Gesetz, dass wenn ein Mensch innerlich tot und bereit ist für was auch immer, einfach nicht mehr aufwacht. Schade, dass es nicht so ist.
Ich wollte mit Frau Dr. K. reden. Ich wollte ihr irgendwie sowas sagen wie: „Ich bin so erschöpft vom Leben. Ich kann mich von diesen Gedanken nicht distanzieren. Ich brauche eine Woche Durchschnaufpause. Bitte.“ Vielleicht hätte sie gefragt: „Welche Gedanken?“ Und ich hätte dann gesagt: „Ich will über diese Gedanken nicht reden.“ Aber es hätte gutgetan, wenn Sie es wüssten. Wenn es irgendjemand weiß. Ich will ja nicht gerettet werden. Aber das Gefühl das alleine durchzustehen, ist grausam. Es ist grausam, dass Worte, die man nicht aussprechen oder teilen darf, einen innerlich zerfressen. Es hätte gutgetan, hätte ich es einfach sagen können. Oder nur andeuten. Wenn nur ein Mensch wüsste, dass … ach, was auch immer. Wenn da nur ein Mensch an mich denken würde und mit mir das aushalten würde. Und wenn es nur meine Hausärztin ist, die mich seit fünf Jahren kennt. Sie ist ein guter Mensch.
Aber ich konnte nicht mit ihr reden. Eine Praktikantin war bei ihr, vielleicht ungefähr in meinem Alter. Mich hat nicht einmal die Tatsache an sich gestört, dass da eine Praktikantin ist, sondern tatsächlich eher das Alter. Ich kann mit Menschen die so jung sind nicht reden. Ich kann vor ihnen nicht reden. Nicht in ihrer Anwesenheit. Ich habe Angst vor Vorurteilen und schrägen Blicken. Und dass sie Zuhause oder in der Clique dann alles weiter tratschen. Ich weiß, dass man in meinem Alter so ist. Vermutlich wäre ich auch so, wenn ich so einen Freundeskreis oder so eine Familie hätte.

Und wie ist dein Praktikum so?“, würde sie bestimmt eine Freundin fragen, während sie zu fünft im Subway sitzen.

Super krass. Da war so ein Mädchen, das hat gesagt, dass es nicht mehr leben will.“

OMG, was für ein Freak.“

Ja, die gehört in die Klapse.“
Oder.
Vielleicht hätte sie mich verstanden. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass in meinem Alter viele Menschen nicht mehr leben wollen. Das ist nicht so ernst zu nehmen, weil das ist meistens nur eine Phase. Vielleicht hätte sie mich auch verstanden. Ich hätte es so oder so nie erfahren.
Auf jeden Fall ging es dann doch nur um meinen Fuß. Dabei stellte sie mir so eine seltsame Frage. Ob ich wirklich umgeknickt sei. Ob ich nicht doch getreten wurde oder so. Wie? Ich und getreten? Von wem denn? Wer sollte mich schon treten? Ihre Frage hat mich trotzdem aus irgendeinem Grund verunsichert. Ich habe trotzdem gesagt: „Nein. Ich bin umgeknickt.“
Ich habe nach dem Arztbesuch noch viel nachgedacht. Über —-zensiert—-, was ich tun kann, um es mir auch bis dahin leichter zu machen. Um nicht so in meinem inneren Dreck zu ersticken. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen. Mein Tagebuch ist irgendwie gerade kein Trost. Ich fühle mich trotzdem noch voll mit Schutt. Aber egal.—-zensiert—- Das macht es erträglicher.
Donnerstag, 07.11.19
Heute wollte mich doch tatsächlich Frau G- sehen. Ich bin hingegangen. Ich war neugierig, was sie zu sagen hatte, obwohl ich schon ahnte, dass es um die Einlieferung von Sonntag auf Montag ging. Natürlich ging es darum und – wie zu erwarten hatte ich kein Bedürfnis darüber zu reden. Denn ich weiß, dass es in Wirklichkeit keiner wissen will. Höchstens, um mir einen Strich in die Rechnung zu machen. Aber es ist mein Leben.
Sie hat die ganze Zeit darauf herumgestochert und meinte irgendwann:
„Ihr zuckt mit den Schultern. Also alles egal gerade?“
Ich zucke wieder mit den Schultern und sie fragt: „Das heißt, das Thema ist egal?“

Das heißt, ich will nicht darüber reden.“

Wieso nicht?“

Weil das mein Ding ist.“

So. Aber wenn das andere Menschen mitkriegen, ist das nicht mehr nur noch Euer Ding.“
So. Ja, Frau G., so! Da fing die erste Provokation an, obwohl es nicht einmal ihre Absicht war. Ich konnte mich nicht zurückhalten und provozierte zurück:

Ja, deshalb bin ich jetzt klüger. Vielleicht sterbe ich morgen, vielleicht in einer Woche, vielleicht auch nicht. Man wird es nicht wissen, weil ich darüber nie wieder ein Wort verlieren werde.“
Damit kann sie jetzt machen was sie will, dachte ich. Aber dass sie den Rest der Stunde nur noch ihr trotzig-provokantes Gesicht zeigen musste, hat mich wütend gemacht. Keine Sorge, ich habe mich auf ihre Psycho-Spielchen nicht eingelassen. Ich habe mich nicht provozieren lassen. Ich habe zwar auch ihre provokativen Anschuldigungen nicht berichtigt, weil sie sonst sowieso wieder jedes Wort in meinem Mund verdreht hätte, aber so hat sie wenigstens irgendwann endlich aufgegeben und ist mal sachlich geblieben. Na klar, innerlich hat es in mir gebrodelt. Aber sie war meine Energie nicht wert. Niemand ist mehr irgendeine Energie wert. Ich muss die für etwas anderes sammeln. Nicht, dass ich am Ende noch so depressiv bin, dass ich nicht einmal mehr aus dem Bett aufstehen kann. Die Macht der Gedanken funktioniert nämlich nicht immer.
Ich bin also nach Hause gegangen und da war der Ärger schon verpufft. Ich bin mit Jimmy in den Garten, habe einen kalten Cappuccino in der Hängeschaukel genossen, während ich Nebel im August angefangen habe zu lesen. Dann kam irgendwann auch schon Mona und wir aßen zusammen Hähnchencurry. Ich weiß, ich habe gesagt ich passe auf meine Ernährung auf. Ich habe mich heute früh auch nochmal auf die Waage gestellt. Ich möchte erstmal nur noch einmal am Tag eine kleine Portion Warmes essen. Frühstück und Abendessen oder Frühstück und Mittagessen bleiben nur noch Kaffee. Irgendwann tausche ich das warme Essen durch Salat. So habe ich schon einmal sehr viel abgenommen. Ich will diese Zahl auf der Waage nicht mehr sehen und erst, wenn ich sie runter bekommen habe… Ich meine, ich will nicht, dass man so einen schweren Körper zu Grabe tragen muss. Ha. ha. (Kennst du diesen Punkt, an dem die Verzweiflung nur noch ein Lachen übrighat?)
Verzeih‘ meinen schwarzen Humor.
Ich weiß nicht, was wir heute noch machen werden. B. ist vorhin gegangen, vermutlich schauen wir heute wieder Orphan Black und dann muss ich mich noch bei Anna melden, weil ihr Chef einfach ein Arschloch ist und ich sie ein bisschen aufmuntern möchte, in dem ich ihr einfach ein bisschen zuhöre. Ja, weißt du. Manchmal braucht es nicht mehr. Manchmal braucht man nur jemanden, der einem zuhört und von dem man solange gehalten wird. Eigentlich so einfach. Wenn es Worte wären, die gesprochen werden dürften.
Ich seufze.
Was soll‘s. Ich rege mich nicht darüber auf. Eigentlich hat es auch etwas Gutes. Das macht mir die ganzen Schritte nur noch leichter.
Freitag, 08.11.19

Wenn Sie im Traum Zähne verlieren, kann das auch bedeuten, dass Sie die Angst vor drohendem Unheil umtreibt oder dass Sie sich mit Problemen konfrontiert sehen. … Ist der Verlust Ihrer Zähne im Traum mit großen Schmerzen verbunden, fürchten Sie sich vielleicht davor, einen Ihnen nahestehenden Menschen zuverlieren.03.04.2019“ – (Quelle)
Oh Gott, ich lebe ja immer noch! Was für ein Zufall. Und was für eine Tragödie.
Ja, in meinem Traum verlor ich ein Zahn. Langsam und quälend. Es löste sich die eine Wurzel und ich konnte ihn ziehen… aber die andere Wurzel hing noch im Zahnfleisch. Sehr locker, denn wenn ich den Zahn anzog, kam die Wurzel zwar ein ganzes Stück mit raus, aber ganz am Ende der Wurzel schien irgendwas zu „hängen“. Ich war verzweifelt. Ich wollte endlich diesen schmerzhaften Zahn loswerden!!! Ich schob ihn wieder zurück, wurde wach und schlief dann nochmal ein.
Irgendwann werde ich wach, weil Jimmy winselt. Ich quäle mich, ich will das Bett nicht verlassen. Will ich einfach nicht. Ich will mich unter der Bettdecke verkriechen und auf den Tod warten, aber… Hunde sind toll. Für Hunde hat man Verantwortung. Ich bin aufgestanden und war mit ihm eine keine Runde im Wald.
Jetzt sitze ich auf dem Sofa und schreibe schon meine ersten Zeilen, während der grüne Tee auf dem Tisch vor mir zieht, damit ich meinen Magen ein bisschen füllen kann. Ich werde morgen einen Großeinkauf für Salatzutaten machen. Ich habe mich heute nicht gewogen, allerdings nur, weil mein Kopf so voll ist mit dem Dilemma, dass ich schon wieder lebend aufgewacht bin, dass ich gar nicht daran gedacht habe. Das Gute ist: Der Hunger lenkt mich ein bisschen ab und erinnert mich mal an was Anderes. Zum Beispiel an die Idee, Essenspläne zu machen. Oder vielleicht auch nicht. In Essensplänen bin ich nicht gut. Die Idee mit morgens, mittags Kaffee, Abends Salat passt. Ich brauche dafür keinen Plan.
Ich fühle mich irgendwie so ruhig. Das ist seltsam. In mir tobt es nicht mehr und in mir ist es auch nicht mehr so durcheinander. Ja, ich weiß, den Dreck in mir drinnen muss ich immer noch irgendwie aushalten. Irgendwie schlucken (Ich finde immer noch schade, dass er nicht meine Lungen füllen kann, um daran zu sterben). Ich fühle mich so voller Dreck, dass ich auf nichts mehr Lust habe. Ich werde den Arzttermin für nächste Woche absagen und ich werde heute auch Frau Brh sagen, dass ich nicht zum Photostudio möchte. Ich will keine Passbilder machen. Zumindest nicht heute. Vielleicht auch nie. Das wäre vergeudete Zeit für etwas, das ich sowieso nicht mehr brauchen werde. Außerdem saß ich gestern auf dem Klo (ja, lach ruhig), aber beim Klopapier abreißen habe ich mir gedacht: Oh Gott, ich habe keine Lust morgen Passfotos für einen Schwerbehindertenausweis zu machen! Wie soll ich mich da überhaupt anziehen? Dabei habe ich die Spülung betätigt und habe mich vor den Spiegel gestellt. Ich sehe furchtbar aus. Aber was erwartet man? Ich bin blass. Und ich sollte mal wieder meine Augenbrauen zupfen. Aber irgendwie ist mir das egal. Es ist mir soooo egal, wie ich aussehe. Und dann dachte ich mir: Muss man auf einem Schwerbehindertenausweis überhaupt vernünftig aussehen? Ist doch scheißegal, wie ich da aussehe. Hey! Vielleicht kann ich meine Krücken mit auf das Bild nehmen, das würde dem Ganzen noch das gewisse Etwas geben.
Schwerbehindertenausweis!
Tja, und nächste Woche möchte Frau bK kommen. Ich fasse es nicht, dass ich sie seit dem letzten Klinikaufenthalt immer noch an der Backe habe. Na ja, sie hat mir gut zu geredet. Weil ich ja mit so Papierkram gar nicht durchblicke und sie da ja super fit wäre. Ja, das stimmt. Ich komme mit Anträgen und all dem anderen bürokratischen Zeug im Alltag nicht klar. Aber ich will sie nicht. Und ich brauche sie auch nicht. Ich melde mich nie bei ihr. Habe ich auch noch nie. Und sehen tun wir uns vielleicht jedes viertel Jahr nur einmal. Ihre Besuche nerven mich. Ich werde den Termin nächste Woche auch verpassen. Wer weiß, vielleicht bin ich zu dem Zeitpunkt aus Versehen in der Stadt und habe leider den Termin vergessen.
Mit dem Geld komme ich diesen Monat auch schon wieder nicht hin.
Heute wird es ein langer Eintrag, wie ich merke. Aber es beschäftigt mich auch so viel. Mir kommen schubweise Bilder in den Kopf, die ich nicht im Kopf haben will. Soll ich es ausschreiben? Ich traue mich nicht, aber ich will. Wenigstens diese Sachen will ich nicht in mir behalten.
Ich sehe ein Mädchen, das aussieht wie ich. Es liegt auf einem Bett und ich glaube es ist bewusstlos. Dann höre ich Streit vor der Zimmertür. Das Zimmer ist mir fremd und auch der Mann der reinkommt, ist mir fremd. Er … macht etwas wirklich Dummes. Und das Mädchen, das schläft einfach. Oder ist bewusstlos, ich weiß es nicht. Der Körper bewegt sich nicht, eigentlich ist er wie eine Puppe, weil der Mann machen kann mit ihm, was er will.

Dann sehe ich Männer in teuren Klamotten und drohende Worte, die sie mir ins Ohr flüstern und alles macht mir irgendwie Angst. Ich versuche Serien zu schauen, Bücher zu lesen, aber irgendwie fühle ich mich in mir drinnen so … mir fällt nicht einmal ein Wort dafür ein.
Ich vermisse die alten Zeiten. Als ich ein Kind war, war noch alles gut. Okay, vielleicht nicht perfekt und okay, vielleicht sind oft komische Sachen passiert, aber… jetzt plötzlich ist alles so anstrengend und es ist für mich ein Rätsel, wie Menschen in meinem Alter sich sicher sein können, dass sie die nächsten … ja, wie viel? Sechzig? Siebzig? Jahre überleben wollen. Für mich klingt das wie ein endloses Grauen.
Frau Brh war übrigens um halb drei hier drüben. Ich sitze in einem grauen, großen Pulli auf die Couch gelümmelt, die Kapuze habe ich mir tief in das Gesicht gezogen. Außer Zähneputzen habe ich heute Früh nichts gemacht. Haare kämmen? Wozu denn. Dafür ja die Kapuze. Ich habe das Haus auch nicht verlassen heute. Ach so, doch. Ich war ja kurz mit Jimmy im Wald, schon fast vergessen.
Sie setzte sich zu mir auf die Couch, nachdem sie Jimmy begrüßt hat und gefragt, ob alles gut wäre. Habe sie angelächelt und genickt, weiter in mein Handy geschaut, als würde mich der Film da total mitreißen. Ich wollte nicht mit ihr reden. Außerdem war es so anstrengend, sie anzulächeln. Auch wenn es sorglos und versichernd aussah, weil ich ja jetzt weiß, dass sie nach Sonntagnacht nachfragen müssen – es hat mich genervt lächeln zu müssen. Ich wollte einfach meine Ruhe.
Sie war noch eine Weile neben mir gesessen. So… fünf Minuten vielleicht. Ich war irgendwie nicht mehr ganz „da“. Sie hat aber irgendwie nochmal gefragt, ob alles okay sei und mir die Schulter gerieben, hab irgendwas darauf geantwortet wieder. Ich kann wirklich nicht mehr holen, was. Aber ich sehe mich mit der langen Spielangel von der Katze spielen, was auch „locker“ aussieht. Ich weiß nicht, was ich gesagt habe, aber sie hat dann nur noch gemeint: „Ich würde gerne helfen, aber wenn ihr nicht reden wollt, kann ich nichts machen.“
Das weiß ich doch. Ich habe ihr zugesehen, wie sie von der Couch aufsteht… Ich weiß doch, dass sie dann nichts machen kann. Aber vielleicht will ich das auch nicht. Genauso wenig wie das Reden.
Tja… und dann schrieb mir Anna. Ich kann sie gerade nicht sehen. Ich kann gerade niemanden sehen. Will ich nicht. Mir sind menschliche Kontakte so anstrengend und in einer Beziehung so funktionieren zu müssen, wie andere Menschen in einer Beziehung sind… dafür fehlt mir echt jede Kraft. Ich habe ihr gesagt, dass ich erst die erste Dezemberwoche wieder Zeit habe. Da möchte sie kommen. Ich will es eigentlich nicht, aber… mein Gott, wir sind in einer Beziehung. Verdammt, wieso sind wir in einer Beziehung? Wieso?! Ich würde es so gerne beenden. Ich würde so gerne zu ihr sagen: Du, Anna… ich weiß, du wirst mich für die größte Heuchlerin der Weltgeschichte halten, ich weiß, dass ich vor drei, vier Wochen noch auf Wolke 7 war (war ich das? Den Texten zufolge schon) Aber gerade geht es mir echt schlecht und ich habe keine Energie für Menschen in meinem Leben. Ich brauche meine Ruhe. Es liegt nicht an dir, du bist echt ein toller Mensch und bist bildhübsch, aber ich liebe dich einfach nicht. Ich habe noch nie jemanden geliebt. Außer vielleicht meinen Hund. Ich weiß, wie sind grad erst zusammengekommen, aber ich würde es gerne beenden.
Sowas kann ich nicht machen. Nicht einmal als… dissoziative Identitäts-Verwirrte. Diese blöde Diagnose kann keine Entschuldigung für alles sein. Ich denke mir: Ich-wir habe mir/haben uns diese Beziehung eingebrockt und jetzt sitzen zwei im Boot. Ich kann nicht so selbstsüchtig sein und Menschen verletzen – und wenn man verliebt ist, gleicht es ja einem Tod, wenn ich Liebeskummer so als Liebeskummer-Unerfahrene richtig verstehe. Ich würde einem Menschen, dem sowieso schon oft das Herz gebrochen wurde, das Herz vielleicht in tausend Stücke reißen.
Ich bin furchtbar.
Wenn ich an Anna denke, würde ich am liebsten meine Sachen packen und einfach abhauen, um mich aus dieser Situation einfach zu befreien. Nicht noch zusätzlichen Stress. Bitte nicht auch noch den! Und: Der Besuch von ihr löst schon Stress aus. Ich will sie nicht hier haben. Hier in der WG kann ich wenigstens noch sein wie ich bin. Das wird es mir kaputtmachen. Ufz… vielleicht lasse ich mich einfach krankschreiben und fahre dann lieber eine Woche zu ihr. Wenn ich das richtig verstehe – diese ganze Multiplen-Sache – dann triggert das eh andere in mir nach vorne und verschafft mir eine willkommene Amnesie. Hier in der WG… hier kann ich nicht zwei gleichzeitig sein.
Ich will verschwinden.
Na ja, Anna fragte mich auch, ob es für mich okay so sei, dass wir uns erst im Dezember wiedersehen. Habe gesagt, natürlich ist das doof, aber dass ich viel Stress hätte und alles andere auch doof wäre. Und wie es für sie wäre. Sie sagte, sie findet das nicht gut und kann zwar verstehen, dass ich Stress habe, aber sie nicht so ganz nachvollziehen könne, was ich dagegen hätte, wenn sie in der Zeit zu Besuch kommt. Und dass sie da andere Vorstellungen von einer Beziehung hat.
Ja, ich kann ja schlecht sagen, dass sie nur ein zusätzlicher Stressfaktor wäre.
Ich habe ihr noch nicht geantwortet.

Ich finde es furchtbar, dass wir eine Beziehung eingegangen sind. Wer von mir, welcher Teil in mir, war denn bitte so verblendet nicht zu sehen, dass in unserem Leben kein Platz für sowas ist? 95 % meines Ich‘s (nennen wir es jetzt Anteile oder sonstwas), sind viel glücklicher und entspannter als Single.
Ich hasse mein Leben. Aber das ist ja nichts Neues.
Immer tauchen neue Probleme auf, dort, wo ich echt nicht noch welche gebrauchen könnte. Ich wünschte, wie hätten Anna nie kennengelernt (auch wenn das einige von uns anders sehen). Ich weiß noch nicht, wie ich aus der Sache wieder rauskommen soll. Ich würde es gerne beenden, ich weiß nur noch nicht wie.
Für heute war es das glaube ich. Es war ein langer Tag. Kräftezehrend, obwohl ich nichts gemacht habe, außer auf der Couch zu sitzen, Serien zu schauen und zu lesen. Und jetzt zu schreiben. Die Zeit um mich herum dreht sich und eigentlich bekomme ich sie gar nicht wirklich mit. Es ist halb sechs. Wirklich schon halb sechs. Ich rieche das Essen in der Küche, das Mona macht und ich… ich wünschte einfach, mein Leben wäre vorbei.

Samstag, 09.11.19
Ich weiß nicht, was schon wieder los ist. Ich weiß auch gar nicht ob ich versuchen will, es zu verstehen. Es ist doch alles hoffnungslos. Meine Erinnerung setzt erst jetzt ein. Also „jetzt“, damit ist so das Einkaufen gemeint. Frau Brh hat Mona und mich an der WG abgeholt und wir sind in die Stadt gefahren. Ich muss sehr auf das Geld achten, gerade. Es ist erst der neunte November und ich habe nur noch 120 Euro auf dem Konto, von denen ich noch zwei Mal mit dem Zug nach *** zu Frau Honig muss. Das sind jeweils 25 Euro. Am besten hebe ich die morgen gleich ab und lege sie auf die Seite. Dann habe ich mir einen Pack Tomaten und drei Tüten Mozzarella gekauft. Komisch, eigentlich brenn ich gar nicht so drauf, aber ich hatte plötzlich den Einfall, als wir aus dem Fressnapf kamen und ich nebenan den Penny sah. Als hätte ich es geplant, aber vergessen; kann mich aber nicht erinnern geplant zu haben Tomaten und Mozzarella zu kaufen.
Ich kann mich weder an die Nacht erinnern, noch so richtig an die ganze letzte Woche. Ich war phasenweise irgendwie mal hier, mal da, habe auch immer wieder in unser Kommunikationsheft geschrieben und die Gedanken, dass ich das alles einfach beenden möchte sind immer noch da. Sowas geht ja auch nicht einfach so weg. Oder? Ich fühle mich neutral. Na ja, vielleicht eher in Richtung neutral-schlecht. Ich empfinde keine große Freude gerade und ich habe gemerkt, umso mehr ich versuche zu verstehen, was mein Leben bedeutet, desto verwirrter werde ich und diese Verwirrung halte ich nicht aus. Ich versuche einfach weiter irgendwie dieses komische Leben zu leben, habe ein „fremdes“ Zimmer geputzt, in dem ich aber offiziell schon seit einem halben Jahr lebe und habe mir vorhin Tomaten und Mozzarella aufgeschnitten, mit Balsamico beträufelt und mit Kräutern und Salz gewürzt. Komisch, eigentlich habe ich echt nicht viel gegessen heute, fühle aber nicht den geringsten Hunger.
Ich kann lesen, dass Frau Brh gestern da war und natürlich auch die Einträge im Blog: Das mit den Zügen vor der Haustür. Das klingt schrecklich, finde ich, aber ich habe daran keine Erinnerungen. Was auch immer da war, ich habe zu dem Zeitpunkt tief und fest „geschlafen“. Ich weiß ja nicht einmal, wann ich heute aufgewacht bin oder was ich bis zur Einkaufsfahrt um 14 Uhr gemacht habe. Keine Erinnerungen. Nichts. Nicht einmal, wenn ich mich anstrenge.
Was mich heute beschäftigt ist dieser Besuch beim Arzt die Woche, wo ich ja war. Der Blick von Frau Dr. K. geht mir nicht aus dem Kopf, als sie fragte, ob ich getreten wurde. Wenn ich an diese Situation zurückdenke, verwirren mich auch diese Emotionen, die mich damit überholt hatten. Das Gefühl bei etwas erwischt worden zu sein, die panische Angst, plötzlich irgendwas zu bestätigen und gleichzeitig aber eine Scham, weil mir irgendwas im Kopf sagt, das wäre eine Lüge. Was es ja auch ist. Ich bin umgeknickt. Ganz sicher. Denke ich zumindest. So genau weiß ich jetzt auch nicht mehr, wie das passiert ist, weil das ja so schnell ging. Aber ich habe Anna auf ihre Frage ja auch erzählt, dass ich bloß umgeknickt bin, nachdem dieser fremde Mann mit der Zeitung in der Hand in der Straße auf meinem Heimweg irgendwas zu mir gesagt hat. Ich weiß nicht einmal mehr was das war. Wichtig wird es vermutlich nicht gewesen sein, sonst hätte ich es ja nicht vergessen. Aber dieser Blick von Frau Dr. K. … ich frage mich, wieso sie so skeptisch war. War ich etwa schon einmal bei ihr wegen so etwas? Ich kann einfach keine Erklärung finden.
Ich fühle mich gerade sehr ruhig. In meinem Kopf sind ständig diese Gedanken dabei. Sie begleiten mich überall. Egal ob ich einkaufe und für Jimmy leckere Pansen einstecke: „Wird er wohl in Zukunft auch so was Leckeres kriegen zur Abwechslung?“ oder ob ich in den Himmel sehe und dieses weiße Loch im grauen Horizont entdecke, das vermutlich die Sonne sein soll und mich frage, ob das ungefähr so ist, wenn man stirbt. Einem Licht näherkommen. Gleichzeitig kam mir dieser Blick in das „helle Loch an der Decke“ so bekannt vor und innerlich habe ich ein Vibrieren gespürt. Das habe ich in der letzten Woche jetzt verstanden: Wenn es vibriert, verschwinde ich. Danach weiß ich wieder für ne Zeit lang nichts. Ein paar Minuten, ein paar Stunden… aber ich habe schnell den Blick von Himmel gerissen und hab versucht mich auf die Straße und Mona neben mir zu konzentrieren. Ich will gerade nicht irgendwo im Innern verschwinden. Das war so anstrengend die letzten Tage. Das „mal da sein“ und mal nicht. Das ist nicht auszuhalten, wenn die ganzen Erinnerungen durcheinander gewürfelt werden, sie irgendwie ineinander übergehen aber grundlegende, zusammenhängende Logiken fehlen. Wie bin ich von hier nach da gekommen? Wieso stehe ich plötzlich in der Küche, ich saß doch gerade auf der Couch? Was wollte ich hier nochmal? War ich mit Jimmy schon draußen? Wieso bin ich jetzt mit ihm so weit gelaufen? Mein Fuß tut schon wieder weh. Es ist alles so anstrengend gerade.
-Lora.
Ach ja, was ich noch schreiben wollte. Hin und wieder dissoziiere ich jetzt manchmal und merke es sogar. Wie schnell man lernt, nicht war? Ich habe es immer „Glotzer“ genannt. Gekannt habe ich es also wohl schon immer, ich wusste nur nicht, dass das auch … ja, du weißt schon. Ich habe übrigens nochmal nachgedacht was ich tun könnte, um Ordnung in mein Chaos zu bringen… ich meine, ein Grundstein ist ja im Heft schon gelegt. In dem Blauen, glaube ich. Auf einer Seite ist eine Skizze. Ich denke mal das ist das mit den „Systemen“. Auf der anderen Seite sind sehr viele Namen und Alter aufgelistet, mit denen ich allen nichts anfangen kann. Absolut gar nichts. Meiner und der Name von meinen Homies steht da nicht dabei. Die Einzigen Namen die mir etwas sagen, sind Lou und Lämmchen, das allerdings nur, weil es da kurz bevor ich plötzlich da war, einen Eintrag von Lou gab. Außerdem habe ich heute beim Schreiben ins Kommunikationsheft einen Eintrag von Lämmchen gefunden, der über die fehlende Zeit in der Therapiestunde berichtet. Ich habe nur die letzten paar Zeilen überflogen und mich entschieden, dass ich dafür gerade keine Kraft habe. Vielleicht ein andermal, wenn es mir etwas besser geht. Auf jeden Fall habe ich überlegt, einen Ordner anzulegen – vielleicht da, wo ich auch dieses Dokument hier abspeichere. Ich finde es wäre ganz gut, wenn hier auch einfach jeder schreiben kann, der will. Ganz im Ernst: Die Einträge von Montag bis gestern stammen nicht von mir. Einige Absätze kenne ich. Also, ich kann sie erinnern, als hätte ich sie geschrieben. Das ist aber eher die Stelle mit dem Interview. Es war, als hätte ich das „im Schlaf“ mitgehört. War das eine Unterhaltung im Kopf? Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Bezugsbetreuerin gestern da war, aber ich sehe ein kurzes Bild, wie ich diesen Spielstab der Katze mit der Feder an der Schnur in der Hand halte und sie hoch und runter schwinge. Im Eintrag steht, dass in der Zeit Frau Brh neben mir saß, aber ich sehe nur diese kurze Sequenz mit der Schnur. Das ist interessant. Als hätte ich kurz aus einem Fenster geschaut, das meine Augen waren. Genauso wie ich durch die Einträge feststelle, dass ich selbst Dinge, bei denen ich meine alleine zu erleben, doch irgendwie nie alleine erlebe, denn es gibt auch zwei verschiedene Versionen vom Arztbesuch am Dienstag, neben meiner. Das ist alles ziemlich verrückt und das meinte ich mit: Die Verwirrung wird nur größer.
Vermutlich erwartet man von mir jetzt – okay, und eigentlich erwarte ich das von mir auch – dass ich auf diese Erinnerungen eingehe, wie ein Mann und eine Frau mich schlagen. Das mit der Veet Enthaarungscreme stimmt übrigens. Daher kann ich nicht abstreiten, dass das Humbug ist, auch wenn ich es gerne würde. Denn das mit der Veet-Sache, das weiß ich noch ziemlich genau. Ich war vierzehn und wollte das erste Mal enthaaren. An den Rasierer habe ich mich nicht getraut… Also habe ich diese Enthaarungscreme versucht… auf der stand ja auch dick und fett: Nicht an die Schleimheute oder so (vermutlich eher in Doktorsprache: Kontakt mit Schleimhäuten unbedingt verhindern!) so genau weiß ich das natürlich nicht mehr. Aber ich erinnere mich an den Geruch, den vergesse ich nie. Der hat mir schon immer ein Würgen und komische Gefühle hoch gerufen, aber ich kann mich nicht an einen folgenden Zusammenbruch erinnern, nachdem ich die Packung öffnete. Wenn ich ehrlich bin, kann ich aber auch nicht mehr sagen, was dann da noch war. Habe ich es dann versucht? Habe ich es nicht versucht? Keine Ahnung, ich habe mir nie Gedanken über den Moment gemacht, an dem ich mich das erste Mal enthaart habe 😀 Aber es stimmt absolut, den Geruch von Veet ertrage ich kein bisschen. Ich habe es glaube ich auch nie wieder benutzt. Glaube ich zumindest.
Das was ich also in dem Eintrag in meinem Blog gelesen habe, hat mich schon erschreckt. Während ich das gelesen habe war mein ganzer Körper auch sehr angespannt und am Ende habe ich gemerkt, dass meine ganze Hand verkrampfte, weil ich so feste Fäuste ballte und mein ganzer Oberkörper schmerzte. Ich musste durchatmen, weil ich das alles so real vor mir sehen konnte. Aus irgendeinem Grund wusste ich sogar, dass dieses Kleinkind (was ja wohl ich war), noch keine fünf Jahre alt war und dass es schon vorher in einem Zimmer geschlagen und missbraucht wurde. Ich weiß aus irgendeinem Grund sogar, dass es die Treppen stürzte in der Panik und Hektik. War ich das? Ich sehe diesen kurzen Bruchteil. Nicht die Gewalt im Zimmer, aber ich sehe in Erinnerungen, dass der Körper schon verletzt war. Und dass das Kind auf der Flucht war. Das verwirrt mich alles, weil ich eigentlich sicher war, dass ich bis zu meinem zehnten Lebensjahr nichts aus meinem Leben weiß. Aber ich war mir, nachdem ich das gelesen habe, sehr sicher, dass es genauso passiert ist. Also die Flucht und der Sturz von der Treppe. Mehr sehe ich nicht, aber da lese ich ja, wie das Kind wohl nach einem Ausweg gesucht hat, aber alles versperrt war. Es war wie eine… Fortsetzung einer verlorenen Erinnerung von mir… und die Fortsetzung hat mich erst an diesen Teil aus meiner Kindheit erinnert. Nur weiß ich nicht wer diese Menschen waren. Ich kann die Gesichter in meiner Erinnerung nicht sehen. Was ich erkenne, ist aber die Umgebung. Ich sehe die Treppe und den Raum, in den das Kind stolpert, als es von der Treppe fällt. Es kommt mir so wahnsinnig bekannt vor, obwohl ich schwören könnte, nie dort gewesen zu sein.
Ich kann weiter nicht auf diesen Eintrag eingehen, weil er mich anspannt. Das merke ich aber erst im Nachhinein. Also erst, nachdem ich den Eintrag gelesen habe, habe ich gemerkt dass mein ganzer Körper verkrampft war und in meinem Kopf hörte ich die ganze Zeit eine riesengroße Abwehr: Das ist nicht wahr, das ist nicht wahr, das kann nicht sein!
Und das erinnert mich wiederum an den Eintrag „Neuerung“. Den übrigens auch nicht ich geschrieben habe.
-Lora.

Sonntag, 10.11.19
hey hier ist kayla. Hab gerade das bearbeitet wo wir schreiben sollen wie wir heißen und was wir mögen (das hier alles habe ich nicht durchgelesen, ich les nicht so gern, das ist einfach viel zu viiieeeeeeel). Ich bin heute aufgewacht und hab geträumt das ich bei meinen eltern war und da wo mein bett ist an der zimmerwand, da konnte man die wand eindrücken und dann ging da mein zimmer ein stück weiter und da waren ganz vieele viele alte sachen von mir. Also das sah so aus als hätten meine eltern da noch ne extra wand hingebaut. Und da war viel blut in diesem abgetrennten stück. Das hat mir angst gemacht. Dann bin ich da reingestiegen, weil ich mich umschauen wollte, bin da lang vor wo es eigentlich zur tür geht dann war ich aber plötzlich wieder außerhalb der wand… und stand vor der zimmertür. Naja voll komisch. War auf jeden fall ein komischer traum. Dann bin ich aufgewacht. Und dann bin ich ins bad, hab haare gewaschen und bin mit jimmy in den garten und jetzt sitz ich hier und schreibe und werde aber jetzt dann start stable spielen. Später kommen b. und mia zu besuch und dann gehen wir mit mona zusammen zu a. und backen plätzchen 🙂 bb kayla
Hmm… Mia ist noch bei uns drüben. Es ist ziemlich spät, halb elf. Mia wird hier schlafen. Morgen bin ich noch krankgeschrieben, irgendwie bin ich darüber ganz froh. Der Tag ist ziemlich an mir vorbeigeflogen. Ich hab zwar keine so extreme Erinnerungslücke, aber so richtig vollständig ist mein Tag auch nicht. Das ist sehr schwer zu erklären für mich. Wir waren bei A., wie Kayla ja geschrieben hat. Wir haben Vanillekipferl gemacht und es wurde auch viel gelacht, ich hab das aber alles nur so… wie einen Traum in Erinnerungen. Das ist fast ein bisschen schade. Deswegen kann ich auch gar nicht viel darüber berichten.
Heute ist es für mich (zumindest gerade) wieder ziemlich schwer mit den Situationen hier umzugehen denn immer wieder fehlt mir mein Kinderzimmer, dass ich meine Oma oder meine Mutter quer über den Flur durch die leicht geöffnete Tür in der Küche kochen oder räumen oder vom Wohnzimmer zur Küche hin und her laufen höre und sehe. Ich weiß, ich sollte das alles komisch finden, aber ich habe nun einmal keine schlechten Erinnerungen an zu Hause. Ich habe mich wirklich wohl gefühlt, irgendwie. Hin und wieder gab es Streit, aber an die erinnere ich mich auch nur vage. Worüber ich heute hin und wieder nachgedacht habe war wie ich mich plötzlich an diesen kurzen Ausschnitt aus meinem Leben erinnert habe. Wie ich in diesem Haus die Treppen verletzt runterstürze. Das war ja nicht bei meinen Eltern. Meine Eltern wohnen in einer Wohnung und in keinem Haus. Wir haben keine Treppen. Aber trotzdem kommen mir die Zimmer in diesem Haus aus der Erinnerung so extrem bekannt vor. Ich komme nicht drauf, bei wem das gewesen sein könnte. Und natürlich will ich nicht glauben, dass man mir da etwas angetan hat. Das ist so realitätsfern von meiner Welt. Mh… ich habe heute Schwierigkeiten bei mir zu bleiben.

Ich merke, dass viel in meinem Kopf los ist, als liefen mehrere Gedanken gleichzeitig und manchmal sind sie so „nah“, dass ich kurz… dass ich merke, dass ich dissoziiere und es fällt mir schwer mich da wieder rauszuholen. Es ist kein negatives Dissoziieren, aber es ist anstrengend, weil … ja. Ich krieg halt dann eben nicht so wirklich alles um mich herum mit. Es ist wie Nachdenken ohne mitzukriegen dass man nachdenkt. Schwer zu erklären. Ich bin heute auch ziemlich müde und fühle mich überfahren. Ich kann zu heute echt nichts mehr schreiben. Woche Eins wäre also mal fertig. Meinerseits zumindest.
(Am Samstag kam noch ein Eintrag, den ich hier nicht veröffentlichen will, darauf ist aber diese Stelle hier bezogen, in dem Eintrag hat die oder derjenige von uns aber auch mit J. unterschrieben, also ich zensiere den Namen hier nicht selbst, der wollte sich selbst bei uns privat im Dokument nicht zeigen) Ach so… vielleicht sollte ich noch auf J. eingehen. Ich weiß aber ehrlich gesagt überhaupt nicht wie. Das was da steht ist einfach… gerade zu viel für mich. Ich weiß, wer du bist, auch wenn du deinen Namen nicht sagen wolltest, aber ich hab den Ordner gelesen, auf dem der Steckbrief ausgefüllt war und es kannst nur du sein, J. Das passt einfach wie die Faust aufs Auge. Ich glaube also, ich weiß wer du bist, aber ich werde es nicht ausschreiben und aussprechen, solange du es nicht möchtest… ich weiß gerade leider nur wirklich nicht, was ich zu dem allen schreiben soll. Eine Seite in mir wollte mich selbst einliefern, ein anderer Teil von mir will es ja selbst… es beenden. Aber… puh, mir fehlen gerade wirklich die Worte, weil ich einfach so schon sehr müde bin und eben nicht ganz bei mir. Das war irgendwie echt schwer zu lesen… was soll ich damit jetzt tun, J.? Keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht… ich meine, du kannst gerne hier immer reinschreiben und dich mitteilen, aber ich bin wirklich überfordert damit. Ich weiß wirklich nicht was ich damit tun soll… ich lese es halt. Reicht das? Puh…
Ich werde jetzt auf jeden Fall das Dokument schließen und den Laptop für heute weglegen. Ich habe das Gefühl, dass mich heute noch jemand beiseite drängt.
– Lora.