Hey, wer bist’n du?

Die Klammer } hinter ich/mein bedeutet: alle im Co-Bewusstsein mit inbegriffen


Heute stehe ich auf und merke, dass ich eigentlich nur im Co-Bewusstsein bin. Ich habe keine Kontrolle über meinen Körper, beobachte nur die gute Laune, die im Vordergrund herrscht, das „sich-entspannt“ fühlen. Dabei fühle ich mich nicht so entspannt. Gestern hatte Nikki zurückgeschrieben und geantwortet, sie brauche Zeit, um das zu verarbeiten und das zu verstehen, aber dass sich nichts zwischen uns geändert hätte und sie wolle uns am Wochenende trotzdem sehen. Aber dennoch merken wir, dass der Kontakt irgendwie anders ist. Sie ist bisschen zurückhaltender. Okay, irgendwie verstehe ich das. Nur nervös macht es mich trotzdem. Nicht scheinbar jene, die heute mit mir im Co aufgewacht ist. Sie war völlig sorglos. Ich dachte die ganze Zeit: Wie? Wie kannst du so unbesorgt sein, wenn du nicht sicher sein kannst, ob wir mit der Ehrlichkeit jetzt das ganze Schöne vom WE kaputtgemacht haben?

Ich habe übrigens keine Ahnung, ob sie mich im Co-Bewusstsein gespürt hat, ob ihr das Vielesein überhaupt klar ist. Sie wirkte so im Reinen, so als gäbe es nur sie und genau dieses Leben, das wir gerade leben. Spätestens, als wir aus dem Bad rauskamen und ich beobachtete, dass die Morgenroutine eine völlig andere ist wie sonst, war mir klar – die kenn ich noch nicht, und dachte mir: Wer bist du?! Und wieso tauchst du auf einmal auf? Und wieso kann ich dich so gut beobachten?

Ich sehe, wie unsere Hand im Kühlschrank nach einem Orangensaft greift. Wo kommt denn der her? Also warst du schon einmal da, als ich das nicht mitbekommen habe? Ich mag keinen Orangensaft. Überhaupt kann ich mich nicht entsinnen, dass irgendjemand von uns Orangensaft mag. Kann mich auch nicht erinnern, so etwas je im Kühlschrank gehabt zu haben. Sie scheint mich nicht wahrzunehmen. Sie wirkt soooooo ruhig, dass es für mich total verrückt wirkt. Ich bin total im Stress. Schon beim Aufstehen war ich ja im Co. Der Wecker klingelte um 6:00 Uhr, aber unsere Hand stellte ihn immer wieder auf schlummern, obwohl ich aufstehen wollte und immer mehr innerlichen Stress fühlte, weil wir zu spät zur Arbeit kämen – plus Jimmy füttern und fertig machen und anziehen… Aber die Orangensaft-Trinkerin stand erst um 7:45 aus dem Bett auf! Ich dachte mir, das schaffen wir niemals. Viel zu spät. Aber sie war in aller Ruhe, nicht die geringste Hektik. Innerlich dachte ich fast durchzudrehen. Sie stand um 7:56 fertig in der Küche, trank in Ruhe den Orangensaft leer, während Jimmy sein Futter fraß und machte sich um 8:05 Uhr auf den Weg zur Arbeit.

Das alles war schon verrückt genug. Noch verrückter war dann aber mitzukriegen, wie sie Sprachnachrichten an unsere Freundesgruppe (Cia, Belinda und Bahira) schickte. „Hey Mädels“ (oder so), sagte sie, „Ich muss euch was erzählen… ich habe Nikki von der DIS gebeichtet… Sie meinte, es hätte sich für sie nichts zwischen uns geändert und sie will mich am Wochenende trotzdem sehen, aber ich bin mir der Sache nicht mehr sicher. Trotzdem… bin ich irgendwie glücklich, weil wisst ihr… ich habe einfach keine Lust mehr mich für irgendwen zu verstellen und selbst, wenn das jetzt das Aus bedeutet, weiß ich wenigstens, dass ich ehrlich war und es nicht aus Unehrlichkeit keine Chance hatte. Und ich werde die Erfahrung vom Wochenende nie vergessen. Es war eines der schönsten und wertvollsten Dinge, die mir seit sehr langem passiert ist. Neben euch…“

Daraus filterte ich erst einmal einige Informationen über sie für mich}. Nämlich: Sie weiß also vom Vielesein. Sie hat Cia, Belinda und Bahira kennengelernt, sie ist scheinbar Optimistin und weiß, dass wir uns in Beziehungen bisher immer verstellt hatten. Wer zum Teufel bist du? Ich} habe noch nie von ihr gehört! Oder sie mitbekommen. Sie wiederum scheint unser Leben irgendwie mitzu(er)leben.

Das Verrückte ist, dadurch, dass ich ihr zugehört habe/zuhören konnte, kann ich mich wenigstens auch ein wenig beruhigen. Ich spüre zwar scheinbar mehr Traurigkeit als „Orangensaft“, (ich nenn sie jetzt einfach mal „Juice“), aber irgendwo dachte ich mir, sie hat Recht. Wir haben gerade wirklich nichts zu meckern. Wir sind mit allem gerade rundum zufrieden. Mit unserer Arbeit, mit der Wohnung, mit dem alleine leben, mit unseren Freunden und der Therapie. Besser kann es eigentlich gerade nicht laufen. Hatte ich ja gestern schon geschrieben, dass dieses Jahr besser nicht anfangen könnte. Aber ich spüre in mir drinnen schon den Wunsch, diesen Anfang und dieses Jahr mit Nikki teilen zu können. Juice wohl nicht so? Weiß ich nicht, denn seit sie nicht mehr im Außen ist, höre/spüre ich auch gar nichts mehr von ihr. Als hätte es sie nie gegeben. Einfach weg. Schlagartig.

Ich bin wirklich ein wenig… „weiß ich nicht“ über diesen Morgen. Ich würde gerne mehr erfahren. Also, wieso sie im Außen war, was sie bei uns sucht, wo sie hingehört, was sie alles weiß… etc. pp.

Ehrlichkeit die fertig macht

Oh Gott, mir geht der A* auf Grundeis! >.< Wir hatten Nikki eigentlich ja schon am Sonntag gebeichtet, dass wir eine DIS haben, das aber nicht genau genug erklärt. Wir haben ehrlich gesagt verdammt viel ausgelassen, es verharmlost und naja. Im Grunde haben wir das so gesagt (ich versuche unseren Wortlaut wieder herzustellen):

„Also es ist so, ein Mensch entwickelt ja bis zu seinem sechsten Lebensjahr eine eigene Persönlichkeit. Wenn jetzt zum Beispiel vor diesem Lebensjahr, also in ganz ganz früher Kindheit sehr schlimme Dinge passieren, dann kann es passieren, dass das Gehirn diese Erfahrung abspaltet, damit es im Alltag noch funktionsfähig ist. Also, … hm.. bzw… wie gut kennst du dich mit Gehirnen aus? Ich bin zwar kein Arzt aber ich versuche es dir eher so zu erklären, das klingt logischer. Also, manchmal habe ich Amnesien und kann mich an gewisse Dinge nicht erinnern. Also auch nicht, wenn man sie mir erzählt und ich angestrengt versuche mich zu erinnern. Aber das ist dann nicht so, dass es wirklich weg ist. Es ist nur wie wenn ein anderer Teil meines Gehirns aktiv ist. Als würden sich neue Synapsen verbinden. Aber das sind eben welche, die damals entstanden sind, also stell dir vor, während diese Gerhirnregion aktiv ist, habe ich zum Beispiel gelernt Fahrrad zu fahren. Und immer wenn ich auf ein Fahrrad gestiegen bin, ist diese Gehirnregion aktiv geworden und die andere hat sich wie ausgeschaltet oder „schlafen gelegt“. So hat nur dieser eine Teil meines Gehirns das Fahrradfahren gelernt. Also kann es sein, dass ich dir vielleicht sage, ich kann nicht Fahrrad fahren, dann setzen wir uns aber vielleicht mal auf ein Fahrrad, weil wir eine Tour machen wollen, und ich kann es einwandfrei. Vielleicht hat die Gehirnregion die das Fahren gelernt hat, nach dem Lernen als Belohnung ne Pizza Hawaii bekommen und LIEBT Pizza Hawaii. Aber wenn ich vielleicht am Abend vorm Fernseher etwas zum Essen bestellen würde, würde ich Pizza Salami nehmen, weil ich den Kotz kriege, wenn man Ananas auf Pizza tut. Aber eben, weil das ne andere Gehirnregion ist. Verstehst du wie ich das meine? Und es kann eben sein, dass manchmal verschiedene Gehirnregionen von mir aktiv sind, und mein „Gehirn A“ nicht mehr weiß, was „Gehirn B“ gesagt hat und sowieso komplett anderer Meinung ist, weil der auch andere Erfahrungen gemacht hat. Aber eigentlich sieht man das im Alltag nicht wirklich. Also du würdest es jetzt nicht großartig merken, dass ich gestört bin oder so etwas. Also vielleicht wenn man es weiß, merken oder wissen es Freunde natürlich und meine Therapeutin aber ja…“

Also ihr merkt, wir haben extrem um den heißen Brei geredet. Und es war eigentlich Bullshit und verdammt schlechte Vergleiche. Aber wir hatten so abnormale Angst. Wir haben so Angst, weil wir verstehen und nachvollziehen können, dass Menschen, die NIE mit irgendwie sowas in der Art in Berührung gekommen sind, sich bei Wörtern wie: „Anteile, Kult, Persönlichkeiten, Programmierung, Wechsel“ usw denken, wir hätten einen psychotischen Schub oder hätten zu viele Filme gesehen oder was auch immer. Deswegen haben wir, als sie fragte, was das bei uns ausgelöst hat, auch nicht gesagt: „Ja, da sind so Menschen in schwarzen Umhängen um Feuer rumgesprungen und haben Experimente mit uns gemacht“ (überspitzt formuliert, ihr wisst schon, also so, wie sich das für sie wahrscheinlich anhören würde, wenn ich eigentlich sagen würde: Ein okkulter Kult hat seine Ideologie dazu missbraucht mit uns zu machen, was sie wollen). Sondern wir haben gesagt: „Naja… es hatte sozusagen mit Kinderprostitution zu tun.“ … alles andere mit der Folter und was da drumherum noch dazugehört haben wir ausgelassen.

Deshalb hatten wir auch so gestockt, als sie tatsächlich zur Therapie mitwollte, weil eben als wir dann nachdachten fiel uns ein, dass Frau Blume uns ja IMMER im Plural anspricht und wenn Nikki das hört, würde sie … oh Gott… ich will gar nicht wissen, was sie dann denken würde. Und dann haben wir weiterüberlegt und eigentlich sind wir es sooooo satt immer Umformulierungen zu finden und uns zu verstellen und etwas zu verstecken und blablabla und wenn man mit einer Person irgendwann ein Leben teilt, dann wird das ja quasi unmöglich, es sei denn, man kreiert einen völlig neuen Menschen aus sich selbst und führt dann ein Doppelleben, aber das wollen wir nicht. Wir wollen weiterhin sein dürfen wie wir sind. Besondern Lou & Co., die uns so viel Leichtigkeit noch in unser Leben bringen usw. Und wann sagt man sowas dann aber? Und wie? Na ja, wir dachten… es wäre furchtbar, wenn sie das erst viel später erfährt und dann so überfordert ist, dass sie das erst dann beendet… und wir autsch. Und deshalb dachten wir… okay. Erkläre es ihr jetzt genauer. So Häppchen für Häppchen, nicht alles auf einmal, aber einfach, dass sie weiß, woran sie ist. Nur das ist fair und nur so kann sie entscheiden ob sie das mitmachen will. Und wenn nicht, dann wissen wir es wenigstens jetzt schon und dann ist die Enttäuschung und evtl der Schmerz nicht so groß.

Also haben wir ihr erst einmal das mit dem „in Mehrzahl-angesprochen werden“ erklärt. Dass wir zum Beispiel in der Therapie oft von „wir“ reden und sie uns auch immer mit „ihr“ anspricht. Oder mit einer Freundin oder manchmal in Tagebüchern usw eben auch so schreiben. Aber dass wir das im Alltag halt niemals tun würden. Und wir haben ihr erklärt, dass sich bei einem Wechsel eben auch die Mimik und Gestik und manchmal sogar Stimmlage ändert. (Wobei sie das vermutlich nicht mehr wahrnehmen würde, weil das ja am Samstag & Sonntag bei den Rapid Switches wirklich ständig der Fall war. Wir hatten da nicht durchgehen eine Tonlage und Tonhöhe, es wechselte gefühlt alle paar Minuten. Ich denke, sie wird das mit unseren Stimmungen verbunden haben. Oder vielleicht ist ihr das gar nicht aufgefallen, wer weiß).

Ja naja… wir haben extrem Angst wie sie darauf reagieren wird… und wir hoffen so sehr, dass sie ehrlich ist und nicht sagt „es ist okay“, obwohl sie es dann doch komisch findet. Denn … wwovor wir Angst haben ist eigentlich nicht unbedingt, wie sie reagiert. Sondern viel mehr, dass SIE sich dann vielleicht unangenehm oder peinlich berührt fühlt, sollte sie mal einen krassen Wechsel (zb von Lou zu Mia oder von Lämmchen zu Penny) miterleben. Oder von Kim zu Theo, und wir auf einmal das Stottern anfangen. Ich kann mir mega gut vorstellen, dass Menschen die das nicht kennen, dann irgendwie peinlich berührt sind und ihnen das extrem unangenehm ist, wie als würde man das erste Mal mit einem schwerbehinderten Menschen in Kontakt treten, der nicht reden und sich kaum bewegen kann und man einfach nicht weiß, wie man in Kontakt gehen soll. Wisst ihr wie ich meine? Und dass sie dann auch so reagieren, wie Menschen die dann mit solchen Pflegefällen reden… das wäre das grausamste. Also, dass SIE sich dabei unwohl fühlt. 😦 Und ja… naja, keine Ahnung…

Sie bedankte sich und meinte, ich soll bitte nicht verunsichert sein, dass sie jetzt nicht drauf eingeht, das müsse sie in Ruhe machen und die hat sie gerade logischerweise nicht (Arbeit). Aber dass sie darauf eingehen würde, versprochen.

Wir schrieben zurück, dass das in Ordnung ist und wir ja wüssten dass sie dafür grad keine Zeit hat. Wir waren ohnehin nicht davon ausgegangen, dass sie sofort darauf eingeht, ich denke mal, sowas muss auch erst einmal sacken. Und ich meine, das ist ja erst einmal „nur“ die Tatsache, dass die „DIS“ eigentlich Vielesein bedeutet. Bzw. haben wir ihr versucht ihr das näher zu bringen. Wir sind ja nicht einmal in der Lage einfach im Klartext zu sagen: „Es gibt verschiedene Anteile mit verschiedenen Namen und Erinnerungen“. Und ich glaube, das werden wir auch nie können.

Aber wenn das schon so schwer ist zu sagen, wie sollen wir ihr dann ja ehrlich sagen, woher das kommt und was wir erlebt haben? Und dann sind da noch so viele Sorgen… natürlich wünschen wir uns, dass unsere Partner unsere Eltern kennen lernen. Weil wie gesagt, wir haben ja grundsätzlich ein gutes Verhältnis zu unseren Eltern und viele Menschen mögen zum Beispiel meine Mutter total gerne. Bzw. „lieben“ sie sogar weil sie einfach ein sehr sympathischer und herzlicher Mensch ist…Jeder Mensch macht Fehler in seinem Leben und sie liebt uns trotzdem über alles, das wissen wir und spüren es und es hat ja seinen Grund, wenn sie das alles so sehr verdrängt, wir geben ihr keine Schuld. Und manchmal denken wir, wenn sie so wenigstens „überleben“ (existentiell und Geldsorgen mäßig) konnten, dann haben wir das sogar GERN gemacht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! aber… egal moment hab grad eewig den faden verloren und weiß grad nimmer was ich schrieben wollte… egal. auf jeden fall stellen wir unsere eltern freunden usw mega mega gerne vor weilwir wissen dass sich menschen sehr wohl fühlen bei uns in der familie weil unsere family wirklich extrem herzlich ist und alle mega lieb empfängt und in der familie aufnimmt und natürlich wollen wir dass nikki sich auch so wohlfühlen kann in unsere familie und mal mitkommen kann zu einem familienessen oder whatever. und wenn wir ihr dann erzählen wie das alles wirklich passiert ist, wird sie bestimmt wie alle unseren eltern vorwerfen nicht genug auf uns aufgepasst zu haben und sie sicher nicht mögen usw. und sich bestimmt nicht wohl fühlen mit ihnen an einem tisch zu sitzen… dabei sind unsere eltern in unsern augen selber opfer und sie hätten es ja nicht getan wenn es nicht evtl überlebensnotwendig gewesen wäre und deswegen finde ich es nur falsch sie als täter zu betitelt. SIE haben uns ja im grunde nie etwas angetan in dem sinne. wist sihr wie ich meine? und das will ich auch nicht dass das irgendwer von unseren freunden oder sowas denkt…

Frau Blume half uns zu erinnern & Das Verarbeiten vom Wochenende

Gestern Abend hatte ich} um 17 Uhr Videotherapie mit Frau Blume. Letzte Woche war ja das Problem, dass wir uns einfach nicht erinnern konnten, um was es in der Stunde ging. Und mit dem Kontakt und blabla. Hier ist nochmal der Eintrag dazu: https://gezaehltetage.wordpress.com/2022/01/11/mail-an-frau-blume-k-m-l/

Gestern gingen wir gleich darauf ein. Sie fragte wie das mit dem Anteil wäre und wir erzählten ihr dann, dass das zurückgegangen wäre. Aber Erinnerungen an die Stunde wären nach wie vor einfach im Treibsand verloren. Mit ihrer Hilfe und ein wenig Anstrengung, hat es dann aber tatsächlich geklappt, zumindest „Überschriften-mäßig“ zu erfahren, was die Themen in der Stunde waren. Sie fragte halt eben, ob wir nochmal versuchen wollten, in Kontakt zu gehen und fragte, ob diejenige, die an dem Montag mit ihr gesprochen hatte, gerade auch anwesend sei. Ich kann zwar nicht erklären woher wir das wissen, aber sie war anwesend. Wir konnten es spüren. Und als wir in den Kontakt gingen, sahen wir wieder nur die Bilder wie von letzter Woche auch. Das Kuscheltier und das Buch. Aber hören konnten wir nichts. Frau Blume fragte dann, ob wir nicht vielleicht den Fuchs holen wollten, vielleicht könnte das ja helfen. Dann haben wir den Kopf geschüttelt und gemeint: Nein. Wenn sie dann rausgetriggert wird, erinnern wir uns ja dann wieder nicht. Und solche haptischen/visuellen Trigger sind oft die stärksten, so, dass wir da nicht kontrollieren können, dass eben kein Wechsel passiert. Beim in den Kontakt gehen (weil wir weiter versucht haben dran zu bleiben), kommen wir immer in so eine leichte Disso, was Frau Blume immer sofort merkt und sie redete ja weiter (wir konnten nicht gleichzeitig zu hören) und als sie die Disso merkte, fragte sie „seid ihr noch da?“, aber wir haben nicht geantwortet, weil … kennt ihr das, wenn ihr spürt, ihr kommt da irgendeiner Barriere näher und seid gleich dabei etwas zu hören/erfahren? Also haben wir nur kurz den Kopf geschüttelt, damit sie weiß, wir hören sie aber sie soll uns da jetzt bitte bloß nicht rausbringen. Und dann ZACK, war ein Stichpunkt da.

„Es ging um eine Anwältin!“ meinte ich dann total aufgeregt wegen der Erinnerung. Frau Blume sah uns so an, als würde sie noch warten, das noch etwas kommt, aber sie nickte. Sie sprach dann wieder weiter, aber wir waren ja immer noch in so einem „Kontakt-Modus“ und diese „Anwältin“ hat etwas ins Rollen gebracht und wir redeten in so einem „Brainstorm-Stil“ weiter.

„Da war eine Anwältin… aber wieso? Die Anwältin.. und die Polizei. Und es ging um Gefängnis.. aber warum..?“ Und wir verloren uns wieder in einer Disso, gingen tiefer in den Kontakt und dann war das Thema da. MEGA aufgeregt und überrascht und „krass, es hat geklappt!“ Haben wir Frau Blume so :O angeschaut, als hätten wir eine Prüfungsfrage, von der wir ganz genau wissen sie ist richtig und warten nun auf die Reaktion vom Lehrer, als wir sagten: „Es ging darum, dass wir angst haben ins Gefängnis zu kommen, wenn wir dies und jenes nicht tun und mit Drohungen, uns behindert zu machen!“ Auch wenn das Thema krass ist, wie gesagt, hat sich das angefühlt wie die Antwort auf eine Prüfungsfrage, weshalb wir so gestrahlt haben dabei….

An mehr kamen wir nicht dran und als Frau Blume darauf einging, fing die andere Art von Disso an. Nicht die „In-den-Kontakt-gehen-Dissoziation“ sondern … diese unangenehme, „keine-Ahnung-wieso-ich-jetzt-schon-wieder-dissoziieren-muss-Disso“… so dass der Kopf ganz eng wurde, als würde so ein Drahtseil um die Stirn gewickelt sein und zugezogen werden und alles. Frau Blume bemerkte das und wir meinetn noch ganz bemüht: „Ich glaub lieber nicht mehr weiter reden…“ da nickte sie und meinte: „Ihr hattet mir eine Mail geschrieben. Eine sehr lange. Über das Wochenende.“ Sie zeigte uns in ihrem Handy und scollte und scrollte und scrollte, bis wir lachen mussten, weil das Scrollen kaum aufhörte. Ich konnte mich kaum erinnern, dass wir gestern SO viel geschrieben hatten darüber. Wir haben ihr ja einfach den Eintrag kopiert und geschickt. Also sprachen wir dann kurz über die Trennung zu Severin. Dann sprachen wir über ein anderes Thema. Und ja… so ging dann die Stunde rum. Es war also sehr gut 🙂 Und sie meinte, wir machen da nächste Woche weiter.

Was Nikki angeht. Oh man. Ich kann es einfach immer noch nicht glauben. Gestern kam mir das alles wie in einem Traum vor. Ich kann noch nicht realisieren, dass das wirklich passiert sein soll am Wochenende. Ich muss an sie denken, und der Gedanke an sie bringt mich} zum Strahlen und macht mich glücklich. Ich glaube, so sollte sich etwas anfühlen, das richtig ist. Nicht wie die letzten Monate mit Angst und Unsicherheit verbunden sein. Und ich kann aber gleichzeitig nicht glauben, dass es wahr ist. Es ist wirklich wie im Traum. Gestern beim Einschlafen, hat mein Gehirn langsam angefangen zu verarbeiten und ich habe mich noch an ein paar Sachen erinnert. Eine Blamage hatte ich total verdrängt und musste sooo lachen, als ich beim Einschlafen mich wieder erinnerte. Sonntagfrüh, als wir spazieren gehen wollten mit Jimmy, hat sich Nikki einen Apfel von der Schale genommen. Wir hatten diese Äpfel erst am Freitag gekauft. Sie beißt rein, zieht ein komisches Gesicht, schaut mich an und der war einfach innen komplett verfault. Zugegeben, ich musste mich erst totlachen. Aber dann kam die Scham und ich dachte mir: Was kann eigentlich noch alles schief gehen? Sie nahm sich einen neuen Apfel. Ich fragte: „Soll ich einen Testbiss machen?“ Sie meinte: „Nein.“ und legte den Apfel auf die Kommode ab, weil sie noch aufs Klo gehen wollte. Sie sah mich mit „strengem“ Blick an und meinte noch, bevor sie die Toilettentür schloss: „Finger weg!“

Wir}Lou griffen nach dem Apfel, bissen hinein, und legten ihn wieder so hin wie er dort lag. Toni stand in der Tür vom Wohnzimmer und schüttelte grinsend den Kopf. Wir}Lou meinten leise: „Der ist noch gut.“ Und zogen grinsend unsere Schuhe an. Sie kam wieder von der Toilette, schielte direkt zum Apfel, sah uns an und schüttelte den Kopf: „Unglaublich!“ Wir mit einem stolzen grinsend: „Jetzt weißt du wenigstens, dass er noch gut ist.“ Draußen: „Da wagt sie es tatsächlich, in meinen Apfel zu beißen!“ Ich}Kara meinte dazu: „Hey, du hast mir aber auch wirklich eine Vorlage dafür geboten.“ Ich erinnerte sie an die Fotos, die wir uns letzte Woche zugeschickt hatten. Auf dem einen drückten wir unsere Flache Hand auf ein mit Absperrband umwickelten Pfosten auf dem stand: „Frisch gestrichen!“, oder wo wir vor einem „Tauben füttern verboten“ Schild standen und Tauben fütterten und sie uns ein Foto schickte, auf dem sie rückwärts eingeparkt war, wo direkt dahinter stand: „bitte vorwärts einparken“. Das sind Dinge, über die können wir uns immer nur totlachen. Das ist genau unser Humor.

„Hättest du gesagt, ich soll auf jeden Fall reinbeißen, hätte ich es vermutlich eher nicht getan.“

Sie schüttelte den Kopf und küsste uns.

Naja… und gestern bekam ich dann Schiss. Ich hatte Angst, sie würde vielleicht denken, dass es doch alles viel zu schnell ging. Sie ist halt doch auch pragmatischer als ich} und dann kamen auch Ängste wie, was wäre wenn wir anfangen sie zu langweilen, wie sollen wir sie unterhalten, was können wir ihr bieten? Wir haben gar keine spannenden Hobbies. Alle machen Sport. Ski, Snowboard, Wandern, Tennis, usw.usw. Und wir sind diese Stubenhocker, die mal reiten und spazieren gehen, zeichnen, lesen, schreiben. Nichts Aktives. Sie wird sich früher oder später langweilen…

Darüber sprach ich dann auch mit Mona am Nachmittag und dann fiel mir auf, dass das alles Gedanken sind, die wir während der Beziehung mit Severin entwickelt haben. Er hat nämlich immer ein Programm von uns erwartet, wenn er zu Besuch kam oder wir zu Besuch kamen. Entweder joggen, wandern, gemeinsam Sport machen, etc. pp. Er gab uns immer das Gefühl, ihm nicht zu genügen. Nicht genug zu sein. Und als wir das feststellten, wurden wir wieder extrem traurig… wir meinten zu Mona: „Kennst du den Film „Alles steht Kopf“?“

Sie nickte.

„Es fühlt sich so an, als wäre eine Persönlichkeitsinsel zerstört..“

Es fühlt sich wirklich so an. Als wäre irgendwas grundliegendes an unserer Art während der Beziehung total kaputt gegangen. Nicht einmal die Erkenntnis, woher diese Ängste mit dem „nicht zu genügen“ herkommen, reicht aus, damit wir uns besser fühlen. Die Ängste sind trotzdem noch da. Und wir fühlen uns, unter Druck, wenn wir wissen, Nikki kommt am Wochenende wieder, weil wir nicht wissen, wie wir sie „unterhalten“ sollen… dabei wollen wir sie am liebsten die ganze Zeit um uns haben und können kaum aufhören uns zu freuen bei dem Gedanken, sie wieder zu sehen. Aber wir haben solche Angst, dass sie von unserem Alltag oder uns als Person irgendwann zu Tode gelangweilt ist…

Ich wünsche mir immer mehr, wir hätten Severin nie kennengelernt, oder wenigstens viel, viel früher auf unsere Freunde gehört…

Eine Woche single… das kam unerwartet. (Co. wg. Rapid.

Ich weiß überhaupt nicht was ich denken soll. Wir haben am Montag mit Severin Schluss gemacht. Wir haben einfach keine Kraft mehr gehabt. Wir haben ihm auch gesagt, dass wir Nikki im Internet kennengelernt haben und dass wir seit ca. einer Woche vor Weihnachten mit ihr chatten und sich eine Woche nach Weihnachten unser Kontakt extrem intensiviert hat. Wir haben aber alle möglichen anderen Gründe genannt, wieso wir einen Schlussstrich wollten. Wir sagten ihm, dass wir das so für uns nicht mitmachen können und wollen, dass er sich tagelang nicht meldet und kein Interesse und keine Bemühungen gezeigt hat. Dass wir uns eigentlich nie wirklich wie in einer Beziehung gefühlt haben weil wir bis zuletzt nie von ihm wussten, woran wir sind. Und wir haben so viel wegen ihm geweint. Das haben wir ihm zwar nicht gesagt, aber das wurde uns nach und nach immer mehr bewusst, während wir die Pause hatten. Wir sind wieder viel mehr wir selbst gewesen, sind uns wieder treu geblieben, waren nicht unter dem Druck etwas sein zu müssen, was wir nicht sind.

Eine Woche lang waren wir also single. Und waren überrascht wie gut sich das angefühlt hat, zu sich selbst zu stehen und der Person, die unseren Wert nicht schätzen wollte, das auch so zu sagen: Wir möchten wertgeschätzt werden, besonders von dem Menschen, mit dem wir unser Leben teilen. Und das fühle ich mich bei dir nicht. Dann erklärte ich ihm noch, dass es für mich} ausgeschlossen sei, jemals mit ihm auszuwandern, nachdem wie die Beziehung in den letzten Wochen gelaufen ist und wie wenig er sich überhaupt – im Grunde gar keine – Gedanken darum gemacht hatte.

Am Montag wollte ich eigentlich mit ihm telefonieren, weil ich nicht eine Woche lang so tun wollte, als wäre bei mir} alles beim Alten, während ich mich innerlich längst von ihm verabschiedet hatte und mir klar war, das hat keine Zukunft, ich} bin nicht mehr glücklich. Ganz und gar nicht.

Also schrieb ich ihm, dass es mir leidtun würde, und ich ihm nicht noch mehr Stress aufbrummen wolle, da er sagte, er habe enorm viel zu tun, seit er wieder hier ist und gestresst sei. Aber ich meinte, es wäre mir wichtig mit ihm zu reden wegen unserer Beziehung. Dazu schrieb er nur zurück. „Es tut mir sehr leid, Mii, aber dafür habe ich jetzt wirklich keine Zeit.“ Und dann war es für mich} ab dem Punkt zu blöd. Ich} hatte keine Lust mehr auf ihn einzugehen. Also schrieb ich in einem einzigen knappen Satz, dass es MIR leid tue, aber dann müsse ich es ihm so sagen: Ich fände es besser und wäre froh, wenn wir einen Schlussstrich ziehen würden. Und seine Reaktion hätte mich nur noch mehr darin bestätigt.

Dazu schrieb er dann: „Oh Mist. Das tut mir leid, ist etwas passiert? Ach, verdammt, dann muss ich mich wohl doch damit auseinandersetzen. Eine Sache mehr, die mich stresst 😦 Was ist los, Mii?“

Ich} antworteten mit einer Sprachnacht wo ich} eben aufzählte, was die Gründe wären. Am Nachmittag rief er noch einmal an. Fragte, wie es mir ginge und ich} meinten: „Gut.“ Er klang nicht traurig oder verletzt o.ä. Habe ich} auch nicht erwartet, denn wie gesagt glaube ich immer noch, dass er mich} nie geliebt hat. Ja, dass er mich} sehr gerne mochte. Aber das ist kein Grund mit jemandem eine Beziehung zu führen… Und er meinte: „Und was machst du jetzt?“

„Meinst du gerade? Oder allgemein, oder wie?“

„Na, allgemein. Du hast immerhin eine Beziehung beendet.“ In seinem Unterton klang dieses Schelmische, in das ich} mich am Anfang verliebt hatte, und das ich} zum Ende hin immer mehr gehasst habe. Dieser Unterton, dass er mich} in meinen} Entscheidungen und Weltansichten ohnehin nicht ernst nimmt.

„Was sollte ich machen“, meinte ich dann lachend, „Gar nichts. Ich lebe mein Leben ganz normal weiter…“

Das Telefonat war nicht lang, es war freundlich, nicht dramatisch, aber meinerseits kühl.

Nikki wollte mich} am Wochenende ja dann besuchen und ich} war uns nicht mehr sicher, ob ich} ihr absagen sollte. Als ich} in der Beziehungspause so intensiv auf den Dating-Apps unterwegs war, war das ja wirklich nur, um mich} über Sev hinwegzutrösten, und ich} habe aber einfach jeden mit ihm verglichen. Das war für mich} ein Zeichen, dass ich} nicht über ihn hinweg war. Bis Montag eben. Da war es mir} auf einmal völlig klar. Und ich} war froh und dankbar, endlich diesen Schritt gemacht zu haben. Ich} habe gemerkt, wie wohl ich} mich gefühlt habe, als ich} mich} die letzten Wochen einfach für nichts und niemanden verstellen musste. Wie oft unsere Innenkinder da sein durften, andere Teenies, die schon länger nicht mehr aktiv waren und wiir auch mehr in der Therapie mal auf ein Thema eingehen konnten und uns mit der Stunde auseinander gesetzt haben. Ich} hatten kein Interesse mehr daran, mich} über ihn hinwegzutrösten und war irgendwie drauf und dran alle Apps zu deinstallieren. Ich} hatten auf Bumble extrem viele Chats mit Männern, sie sahen alle sympathisch aus, waren nett, blabla. Aber so wirklich den Reiz und die Motivation sie zu treffen, hatte ich nie. Mit vier Männern hatte ich} mich} getroffen. Bis auf einer war ein katastrophaler Reinfall. Der eine in den Ferien war super nett und die Gespräche haben zwar Spaß gemacht und er hat mich} dann am Zug auch geküsst, aber das war schräg. Ich verstehe nicht, warum Männer einfach zu dumm sind dafür, Vibes richtig zu verstehen. Und zwar jeder einzelne von denen, die ich gedatet hatte. Und die über Chat ohnehin. Furchtbar. Man kann mich jetzt unsympathisch finden, aber ab heute sind für mich (hetero) Männer endgültig in einer Schublade, in der sie nie waren, bevor ich mich auf so ein dummes Hetero-Abenteuer eingelassen habe. Die sind einfach alle gleich. Sex, rein raus, unbefriedigend, langweilig. Es ist einfach nur wie ein Abarbeiten. Bah. Und dann diese fehlende Feinfühligkeit und puh. Ich merke, wie ich grade so eine „Männer-Hass-Phase“ schiebe. Ohne es verallgemeinern zu wollen. Hab ja auch gute Kumpels, aber sorry. Redet mal mit euren Männern, da ist so verdammt viel Aufklärungsarbeit nötig, wie man mit Frauen umgeht und was Sex überhaupt bedeutet.

Egal.. genug über Männer abgekotzt.

Jedenfalls hatte ich} dann überlegt, auch Nikki abzusagen weil ich} mir} sicher war, da wird auch nichts daraus werden. Seit Carmen habe ich} nie wieder zu jemandem so eine enge Verbindung gespürt und vermutlich, dachte ich in dieser Woche, wird das nie wieder passieren und dann ist das auch nicht schlimm. Ich} war noch nie unglücklich als Single und haben nie nach Partnerschaften gesucht und war erschrocken, was für eine komische „Tinder-Tunte“ ein einziger Mann aus mir} machen konnte. Wir waren NIE auf solchen Apps unterwegs.

Nun ja… aber dann waren da diese Vorlese-Abende mit Nikki und irgendwie merkte ich} schon, eigentlich würde ich} mich} freuen, sie jetzt einfach mal zu treffen. Das wird eh nichts, sie wohnt in einem anderen Bundesland, wir wären mit dem Zug über drei Stunden unterwegs und so wirklich motiviert auf einen neuen Menschen war ich} nivht. Aber ich} merkte einfach, dass wir wirklich sehr fleißig mit ihr im Kontakt waren, was ja schon ungewöhnlich ist und dass wir abends auf ihre Sprachnachrichten warteten und uns freuten, wenn sie von der Arbeit ins Auto stieg, um nach Hause oder ins Fitnessstudio zu fahren. Da dachten ich},… okay, komm. Es kann eigentlich nur ein total angenehmer Samstag werden. Wir kochen zusammen eine Kürbisssuppe a la Mona, die uns vorher noch das Rezept geschrieben hatte, puzzeln zusammen und spielen ein Kennenlern-Kartenspiel.

Zwei, drei Tage bevor sie kam merkte ich} aber, dass wir uns unerwartet sehr freuten. Am Samstag war das dann komplett weg und ich} sagte einigen Freunden bescheid, dass ich} jetzt doch plötzlich Zweifel habe und das Treffen wieder so Scheiße wird wie die letzten Dating-App Treffen mit den Männern. Aber dann kam sie an. Mit dem Auto gerade mal 1,5 Stunden unterwegs… und uff… hat es uns da umgehauen. Sie sah 1. schon mal in echt besser aus als auf den Fotos, obwohl sie uns dort schon gefallen hat, aber 2. diese Augen…. die sieht man vielleicht maximal … keine Ahnung wo. Einfach der absolute Wahnsinn. Ja gut, wir gingen rein, wir zeigten ihr unsre Wohnung und sie hatte uns einen Tag vorher schon gesteckt, dass sie „sehr mutig war, weil sie etwas gegen unsere Aufforderung getan hätte“. Ich ahnte schon was. Und dachten „oh nein“… sie sagte: „In deinem Profil steht zwar, swipe nach links, wenn du keine Hunde magst, aber ich habe trotzdem nach rechts geswiped“ und ich} meinte: „Oh ja. Das ist wirklich mutig.“

Sie sagte, es wäre nicht, dass sie Hunde nicht möge, aber sie könne nichts mit ihnen anfangen und hätte Respekt vor ihnen. Also kümmerte ich mich erst einmal darum, dass NIkki und Jimmy sich kennenlernen konnten, indem ich versuchte Jimmy so ruhig wie möglich sie begrüßen zu lassen. Durch Severin habe ich} ja gesagt: Nie wieder jemand, der keine Hunde mag. Ich habe es gehasst, wie er über ihn geredet oder mit ihm umgegangen ist. Das wäre nach ihm ein sofortiges Ausschlusskriterium.

Der Tag war einfach… wir waren nervös. Wir waren wirklich nervös. Allein schon, weil sie ja gesagt hatte, sie hätte eigentlich niemals bei jemandem in meinem} (biologischen) Alter nach rechts geswiped und wenn ich} sie nicht angeschrieben hätte, hätte sie es auch nicht getan. Ihr Filter läge bei 29 – 35. Also fühlte ich} mich} eh schon wieder sehr unter Druck, „erwachsener“ wirken. Naja…. unser Einstieg war… charmant…

Ich} zeigte ihr unsere WG, und dann eben unser Zimmer, wo ich} seit einer Woche puzzele. Ich} hatte ihr vor zwei Tagen gesagt gehabt, dass da Teile fehlen und als sie ins Zimmer kam, zeigte ich} ihr das Puzzle, wo wir die Randstücke schon ausgelegt hatten, aber rechts und links wirklich nicht wenige Randteile fehlten. Ich} meinte noch: „Ja, naja, ich werde wohl ein paar nachbestellen müssen…“ Aber kaum hatte ich} den Satz ausgesprochen, da standen wir nicht einmal eine Minute im Raum, meinte Nikki: „Vielleicht kann es aber auch sein, dass die Teile an die andere Seite gehören?“ Sie nahm die vier Puzzleteile, legte sie auf die andere Seite und zack – der Rahmen war fertig und das Puzzle ein Viertel kleiner, als ich} gedacht hatte. Mir} war das so peinlich, aber wenigstens hatte ich} sofort einen Lacher. Nikki meinte dann: „Oh man, okay komm. Das war jetzt ein sehr unangenehmer Anfang, oder? Schau, ich lege die jetzt wieder auf die andere Seite, und dann kannst du später so tun, als hättest du sie gefunden und hast ein Erfolgserlebnis.“ Ab da war sie uns absolut sympathisch.

Aber der Tag wurde irgendwie nicht besser für mich}. Beim Kochen lief so viel naja… erstens hatte sie gemeint: „Auweia, wenn du das mit meinen Messern machen würdest…“ und hat mir} das Messer aus der Hand und mir} gezeigt, dass man das Geschnittene mit dem Messerrücken in den Topf schiebt. Sie hat mich} immer so ein wenig geneckt, aber es war immer liebevoll, nie unangenehm. Dann meinte ich} noch: „Ich bin so nervös, ich würde mich nicht wundern, wenn ich mir heute in den Finger schnei-“ und prompt in dem Moment ist mir} das Messer abgerutscht und mir sind die Gesichtszüge entgleist. Ich kenne, wenn eine krasse Verletzung sehr plötzlich entsteht, man erst einmal nichts fühlt und ich} haben schon auf den Knoblauch gestarrt, ob da plötzlich eine Blutlache auftaucht, während NIkki schon lachend den Kopf geschüttelt hat und ich} festgestellt habe, dass ich} bloß im Fingernagel (nicht in der Haut) einen Schnitt hatte. Dazu sagte ich: „Tja, da hätte ich wohl eher auf Holz klopfen sollen…“

Als nächstes wollte ich} die Kokosmilch öffnen. Nikki stand mit dem Rücken an der Anrichte, schaute uns zu und auf einmal riss dieser Deckel so plötzlich, so einfach auf, dass einfach fast alles herumspritzte. Im ersten Augenblick sah es aus, als wäre alles auf dem Rücken von Nikkis Pulli gelandet, meine} Gesichtszüge entgleisten schon wieder und ich} hätte im Boden versinken können. Klar, habe ich} das immer mit Lachern überspielt, aber im Endeffekt war es mir} ungeheuer peinlich. Wir wollten uns erwachsener verhalten als wir sind, und wir verhielten uns wie als wären wir noch zehnmal jünger. Nikki hat aber auch nur darüber gelacht und während die Suppe köchelte, setzten wir uns ins Wohnzimmer und spielten das Kennenlern-Kartenspiel und da merkte ich} erst, als ich} ihr so wirklich gegenüber saß, dass sie uns wirklich gefällt. Es war nicht dieser „wow-Effekt“ wie ich} ihn sonst kannte, bei Kora oder Carmen (zuletzt 2016/2017)… Da war es ja wirklich dieses „Liebe/Anziehung auf den 1. Blick“. Bei Nikki schlich sich das irgendwie über den Tag hinweg ein. Ich} wurde immer nervöser. Obwohl sie sehr unkompliziert war und wir viel miteinander lachten, war sie so extrem unnahbar. Der erste Mensch, den ich} nicht im geringsten – wirklich nullkommanicht im g e r i n g s t e n – durchschauen konnte!!!

Beim Suppe pürieren kam dann das nächste Dilemma. Ich} stellte mich} einfach den ganzen Tag an wie der größte Vollidiot, der einfach niemals in der Lage wäre, schon einen eigenen Haushalt zu führen. Ich pürierte das Zitronengras mit. Klar. Natürlich hat das super funktioniert. Nicht. Die Suppe war dann zwar extrem lecker, aber das gestückelte, fädige Zitronengras da drinnen hat das Essen wirklich erschwert und nicht unbedingt zu einem großen Spaß gemacht.

Nun ja… ich} hatte dann irgendwie langsam das Gefühl, dass Nikki eigentlich gehen möchte und nicht so angetan war von dem Treffen… als wir also mit Jimmy spazieren waren (Dafür, dass sie Hunde nicht besonders mag, hat sie ihm ausgesprochen häufig liebevolle Beachtung geschenkt)… da meinte ich} dann zu ihr, wann sie denn fahren wolle… weil ich} dachten, vermutlich wüsste sie nicht, wie sie dieses unangenehme Thema ansprechen soll, dass sie eigentlich gehen will und ja… da lachte sie plötzlich auf und sah mich} aus entgeisterten Augen an: „Also, das musst du wirklich üben! Aber wenn du so fragst, meine Autoschlüssel habe ich in der Hosentasche, eigentlich wäre ich jetzt nach dem Spaziergang gleich losgefahren!“ Das war ein Scherz und ich} kam schon wieder ins Rudern und meinte dann, das wäre nicht so gemeint gewesen, ich} würde mich freuen, wenn sie noch bleiben würde. Und sie gefiel uns von Minute zu Minute mehr. Als wir dann zum Abend wieder gemeinsam am Puzzeln saßen und quatschten oder gemeinsam Puzzleteile suchten, machte sie Andeutungen, wenn sie das Fahrradmotiv fertig habe, würde sie gehen. Also warf ich} immer ein, dass da und hier noch ein Puzzleteil fehle. Man muss dazu sagen, während ich} fünf Puzzleteile fand, hatte sie ein ganzes Motiv fast fertig…. Irgendwann suchte sie schon ewig nach einem Teil und da fand ich} es auf einmal. Es fiel mir} direkt in den Blick und ich} meinten total begeistert: „Ich habs!“ Und sie sah mir} forschend in die Augen und meinte: „Das glaube ich dir nicht. Du bluffst!“ Sie schaute skeptisch von meinen} Augen in das Puzzle-Meer und wieder zurück und meinte: „Sags mir.“ Und ich} schüttelten den Kopf. „Was jetzt? Vorhin wolltest du doch noch, dass ich fahre.“

„Nein. Das war nur eine Frage, weil ich dachte, dass du fahren WILLST.“

„Ja, wenn ich dieses eine Teil habe, dann fahre ich auch! Also? Wo ist es?“ Sie hatte diesen Joker in den Augen, aber ich hätte nicht sagen können, was er zu bedeuten hatte. Der Joker wirkte nicht wie „ich will nicht nach Hause fahren“ sondern eher wie: „Ich mag die Zeit mit dir zwar, aber ich würde mich freuen, wenn ich Zuhause schlafen kann.“

Ich} hatte einen Deal im Kopf und sagte: „Okay, wenn ich dir das Teil verrate… würde ich mir wünschen, dass du noch ein paar Stunden…“ und bei „bleibst“, grinste sie total breit und fand das Teil selber. „Ha!“ meinte sie.

Aber sie blieb noch. Sie meinte nach ca. zwei Stunden puzzeln: „Vorlesen?“ Und ich} war natürlich absolut dabei. Sie hatte eigentlich schon ein paar Mal angedeutet, dass sie nicht so der Fan von Kuscheln ist usw., und als wir uns auf das Bett legten, war ich} auch total unbehaglich. Ich} suchte ihre Nähe, aber wussten nicht, wie nah ich} ihr kommen durfte, wie gesagt, sie war so unnahbar… aber während sie vorlas, kam ich} ihr Millimeter um Millimeter näher. Irgendwo kam eine Stelle, wo ich} einen kleinen schlechten Joke abließ und allgemein war ich} eigentlich wegen unserer Nervosität immer wieder ein bisschen kinky, um das zu überspielen. Besonders unser Unselbstbewusstsein, das ja noch schlimmer wurde, nachdem wir sie so gar nicht durchblicken konnten. Bei diesem Joke musste sie lachen und strich mich} dann mit der Hand über den Rücken und dann merkte ich}, dass auch sie irgendwie die Nähe suchte, bzw eher zu ließ. Als ich} mit unserem Kopf auf ihrer Schulter lag, legte sie ihren Kopf an unserem ab und in diesem Vorlese Moment merkte ich, wie extrem unser Herz raste. Tja,… und was soll ich sagen.. nach zwei Kapiteln legte sie das Buch weg, sie sah uns ewig in die Augen… und dann küssten wir uns. Tja… keine Ahnung…es kam nicht extrem überraschend aber wirklich erwartet hätten wir das auch nicht.

Dann lagen wir ewig einfach nur kuschelnd im Bett und dann erinnerte ich mich an die Frage, die wir ihr gestellt hatten, ob sie kuscheln möge. Darauf hatte sie nicht geantwortet und deswegen hatten wir interpretiert, dass sie das wohl eher nicht mag. Abgesehen davon, dass sie sowieso schon erwähnt hatte, dass sie nicht so der „touchy“ Mensch ist. Und dann meinte ich} zu ihr: „Du hattest die Frage, ob du gerne kuschelst, gar nicht beantwortet.“ Und sie dachte kurz nach und meinte: „Hm, wahrscheinlich nicht.“

Sie war so zärtlich… streichelte unseren Arm, unser Gesicht, das Haar… und es war so krass zu realisieren, wie anders das ist in den Armen einer Frau zu liegen. Es ist so viel mehr Intensität und Zärtlichkeit da drinnen. Scheiß auf den Halt und die „Kraft“, die wir damals bei Sev gespürt hatten. Dieses ungeheuer Zärtliche und „Weiche“ einer Frau, kann einfach kein Halt der Welt ersetzen. Das ist wie auf Wolken liegen. Ja, schon. Frauen fühlen sich an wie Wolken. Und wir genossen es. Wir genossen es einfach und dachten keine Sekunde lang darüber nach, dass uns sowas eigentlich auch eher unangenehm ist, besonders wenn die Person eigentlich sooo „fremd“ ist!!! Sie meinte dann in unseren Gedanken irgendwann hinein: „Was glaubst du denn, ob ich gerne kuschele?“ Ich sah sie an und meinte: „Na, offensichtlich schon.“

Sie schüttelte den Kopf mit einem ruhigen und klaren Gesicht, das sie fast immer hatte (abgesehen von den tausendmalen bei denen wir miteinander lachten) und das ich} nicht durchschauen konnte, weil es eben so „klar“ ist. Ich} meinte: „Was?“ Und musste lachen. Sie verzog kurz ihre Lippen, runzelte die Stirn und meinte dann: „Tatsächlich mag ich das eigentlich überhaupt nicht, es wundert mich selber, dass ich das gerade so genießen kann…“ und dann küsste sie uns immer wieder und wir sie… und dann fing sie an uns zu sagen, wir hätten sie vom ersten Moment an „gehabt“ und sie wäre sich sicher gewesen, dass sie länger bleiben wolle… Was uns soooo überrascht hat, weil wie gesagt, nicht einen einzigen Moment im ganzen Tag, bis auf wo ich} mich beim Lesen an sie kuscheln „durfte“, hatten wir je gedacht, dass sie uns auch nur ansatzweise so mag, wie wir sie plötzlich immer mehr mochten.

Und umso älter der Abend wurde, desto nervöser wurde ich}. Eigentlich, wenn wir jemandem gefallen wollen, versuchen wir erst recht cool und gelassen zu wirken und gefasst und vernünftig und reif usw. Aber bei ihr passierte gestern am laufenden Band genau das Gegenteil. Ich} laberte und laberte, fast ohne Punkt und Komma, war tottaaaaal aufgeregt und immer wieder legte sie uns eine Hand auf das Herz, sie sah uns fast 90 % der Zeit einfach nur lächelnd in die Augen, während wir „blablablablablabla“, wie ein Wasserfall waren.. und manchmal, wenn sie ihre Hand auf unserem Herzen hatte, meinte sie: „Da ist aber jemand wahnsinnig aufgeregt…“ Aber während wir redeten und redeten und ich teilweise Sätze aus unserem Mund hörte wo ich mir dachte: HALT EINFACH DIE KLAPPE DU VERHÄLTST DICH WIE EIN KLEINKIND DAS SICH AUF WEIHNACHTEN FREUT UND NICHT WIE EINE FÜNFUNDZWANZIGJÄHRIGE! dieser Redefluss und dieses verdammt aufgeregte Herzschlagen wollte nicht aufhören. Irgendwann rieb sie uns sanft die Stelle, wo unser Herz so donnerte und meinte dann, als sie unser Gesicht in die Hände nahm, wieso ich denn so aufgeregt sei. Wir hielten den Mund, versuchten zu atmen, und meinten dann: „Na ja… den ganzen Abend über war ich so unsicher… du bist soooo undurchschaubar…“

„Aber jetzt brauchst du doch nicht mehr unsicher sein. Ich finde dich total hinreißend und du gefällst mir so sehr, wie du bist. Du brauchst nicht aufgeregt sein.“ Weil wir das nicht im GERINGSTEN einsortieren konnten, machten wir gleich mit der nächsten Quatschparade weiter und meinten genauso ruhig, wie sie gesagt hatte: „Na ja,…. aber Sokrates sagte einmal: Man solllte sich seiner Sache nie so sicher sein.“ sie machte schon so ein mega beeindrucktes Gesicht (aber demonstriert) und währenddessen meinten wir schon grinsend: „Spaß, der ist von mir.“ Und da musste sie wieder total lachen. Im Endeffekt merkte ich} im Laufe des Abends, dass sie uns wirklich toll fand, so wie wir waren, obwohl wir uns so, wie wir in dem Moment waren, absolut schämten, nicht anders und vernünftiger sein zu können und ehrlich redeten wie ein total irres Kind unter Zuckerschock. Manchmal sagten wir Sachen wo wir dachten: „Sowas kannst du nicht sagen“ und dann rieben wir uns über das Gesicht, als hätten wir total den Verstand verloren und entschuldigten uns und manchmal streichelte sie uns über die Schläfe oder die Stirn und hielt dann unser Gesicht in ihrer Hand und meinte, ich solle mir doch nicht so einen Kopf machen. Es wäre alles gut. Wir merkten nicht, dass umso mehr wir versuchten uns anzustrengend uns endlich zu beruhigen und vernünftig und uns erwachsen zu verhalten, desto mehr gerieten wir in so einen Redefluss und sie lag einfach da und beobachtete uns wirklich mit so einem Blick, den wir kaum ertragen konnten. Vermutlich war da der Teufelskreis. Sie fand es „bezaubernd“ wie wir in dem Moment waren, wir fanden es aber ganz arg peinlich und unreif und ihr Blick machte uns hingegen immer ein Ticken nervöser, so, dass es immer wieder in einem Redeschwall endete.

Irgendwann rastete es bei uns ein… sie mag uns wie wir sind. Sie mag uns wirklich einfach wie wir sind. Und in dem Sinne meine ich wirklich WIR. An diesem Abend wechselten wir SO verdammt oft (natürlich nicht in auffällige Anteile, aber ich denke die Wechsel waren auch so verdammt schnell manchmal, dass das nicht einmal Frau Blume alle mitbekommen hätte, obwohl sie schon sehr gut darin ist, rapid-switches zu erkennen)… Naja irgendwann wurde es immer später und unser Herz wurde immer größer für sie und wir verloren uns immer mehr in ihren Augen und ihren Armen und ihren Zärtlichkeiten und hin und wieder den Küssen und manchmal „kuschelten“ wir schon sehr arg miteinander, doch manchmal nahm sie dann sanft unsere Hand weg. Es ist soooooo lange her, dass wir jemanden auf diese Art begehrt hatten. Dass sich die Haut von jemandem so wunderbar angefühlt hat und wir einfach alles von einer Person spüren wollten. Ich hatte keine Ahnung, was da mit uns los war. Manchmal waren es schon sehr… war es schon sehr intim und es wäre fast zum miteinander schlafen gekommen, aber sie war immer die Vernünftigere von uns beiden, hat letzten Endes die Notbremse gezogen und nahm uns fest in den Arm und meinte, nein… wir seien zu wertvoll, um es schon beim ersten Date zu tun, sie würde lieber damit warten und es genießen. Wir waren so verwirrt. Obwohl wir bei Frauen nie das Gefühl von „Arbeit “ und „Leistung“ haben, wenn es da zum Sex kommt, war DAS doch noch etwas ganz anderes und wir waren total… wir wussten überhaupt nicht was wir sagen sollten.

Sie blieb bis heute Früh um 5:30 Uhr (Montag). Eigentlich wollte sie Samstagabend wieder abreißen… aber es ist wohl um uns beide geschehen…. und sie gab uns so viel Sicherheit und Mut, sagte immer wieder, dass sie es bezaubernd fände, wie wir seien und irgendwie „hing“ uns das immer auf, weil genau das, wie wir uns verhielten, das war, was wir immer in jeder Beziehung verstecken wollten. Weil doch jeder jemand reifes und vernünftiges haben möchte. Immer wieder küsste sie uns mal sanft auf die Stirn oder auf die Lippen und meinte kopfschüttelnd, wie man nur so viel Energie haben kann und ich meinte, ich wäre jetzt noch nervöser, weil ich wüsste, eigentlich bin ich} nicht immer so, und nicht, dass ihr dann etwas an uns gefällt, wie wir eigentlich nicht regelmäßig sind. Da nahm sie uns wieder einfach halblachend in den Arm und meinte, ich} solle nicht so viel denken, es sei alles gut. Immer und immer wieder hat sie mir gesagt, wenn wir wieder redeten und redeten, dass sie mich} mag und ich} nicht verunsichert sein müsste und blabla… außerdem konnte sie uns lesen wie ein Buch. Sie hat ALLES in unseren Augen gesehen und merkte das auch an. Irgendwann meinte sie gestern Nachmittag, als wir so auf ihrem Bauch lagen: „Das ist der Wahnsinn. Man sieht in deinen Augen so extrem, wann es bei dir gedanklich rattert und abgeht wie auf einem Bahnhof, und du dann wieder total den Mind-Blow hast.“ Und ja, sie wusste IMMER: So, und jetzt wolltest du etwas sagen… und jetzt bist du wieder aufgeregt…etc. Immer wieder legte sie ihre Hand auf unser Herz und einmal, als wir total aufgeregt waren, zeigte sie uns eine Geste, mit der sie mit dem Daumen immer wieder zwischen den Augenbrauen am Nasenbein herunterstreichelte. Das beruhigte uns sooo extrem und wir schlossen die Augen und kamen total runter.

Außerdem sagte sie, dass sie das beim Einschlafen total beruhigt hätte, als sie ihre Hand auf unserem Bauch liegen hatte und sie unseren Atemrhythmus gespürt habe. Das sei gut, dann sei ich} Bauchatmer. Und ich} meinte, was das sei und sie sagte, man könne auch in die Lunge atmen. Als Test versuchte ich} es und auch DAS war total der Mind-Blow. Ich} sagte: „KRASS! Ich glaube ich habe durch dich gerade total die Erkenntnis gewonnen!“ Denn!!!: Wenn wir unsere Panikattacken haben, fiel mir gestern auf, fühlt es sich beim Atmen immer EXAKT so an! EXAKT SO! Dieses „keine Luft kriegen, zu eng“…. und sie nickte nur ruhig, legte eine Hand auf unseren Bauch und meinte, wenn ich eine Panikattacke haben sollte, müsse ich mich darauf konzentrieren, wieder in den Bauch zu atmen. Und nein, sie hat nichts mit Psychologie oder so Zeug am Hut. Sie ist eine Abteilungsleiterin in der Pharmaindustrie… also mal eine ganze andere Rubrik…

Wir erzählten ihr sogar von unserer DIS. Am zweiten Tag. Weil uns klar war… das wird kein einmaliges Treffen bleiben. Und wir sagten ihr, dass sie etwas wissen müsse und wir hatten Angst. Wir hatten eine Scheißangst. Aber wiiiee immer merkte sie sofort unsere Aufregung und legte uns wieder eine Hand auf das Herz und ja… jedenfalls… um den heißen Brei herum haben wir es ihr erzählt. Ich glaube wir haben alle dramatischen Aspekte ausgelassen, aber grob, was das für Menschen im Umfeld bedeuten könnte, haben wir ihr versucht zu erklären.

Sie fragte, woher das käme, also haben wir ihr auch offen den Hintergrund, also… nicht so offen, aber halt gesagt… ja. Kinderprostitution und bla. Und sie war… es war ihr egal. Sie meinte „Ich nehme dich trotzdem“…. als wir meinten „Na ja, peace! Ich bin ein totaler Psycho.“ Und sie meinte: „Zur Not müssen wir eben Protokoll schreiben.“ Und ich meinte: „Oooh das wird aber extrem viel Orga-kram.“ und sie meinte: „Macht nichts. Das kriegen wir schon hin…“

Lauter so Sachen… als wir dann Sonntag wieder im Bett lagen und aneinander gekuschelt schliefen, rastete plötzlich etwas in uns ein, das wie ein Schlag war. Wir merkten, dass wir wirklich WIR waren. Die ganzen zwei Tage lang, waren wir einfach wie wir selbst. Wir haben uns nicht EINE EINZIGE Sekunde verstellt. Und genau das hatte sie scheinbar „erwischt“…. genau das, genau so, wie wir seien, seien wir wundervoll, sagte sie. (immer im Singular natürlich)… und als das so bei uns einrastete, diese Erkenntnis, dass wir bei ihr waren und sind, wie wir sind… hat plötzlich SO was Heftiges in uns geöffnet, das soooo unerwartet schnell Tränen aus meinen Augen schossen. Sie schlief noch nicht und spürte es irgendwo. Vermutlich ne Träne oder so, weil eigentlich haben wir nicht den geringsten Ton beim Weinen gemacht. Heute Früh meinte sie, in dem Moment hatte sie kurz das Gefühl, da sei die Stimmung nun gekippt, als sie mich darauf angesprochen hatte… ja, wir hatten auch ein wenig awkward reagiert… uns von ihr weggelehnt, und es so bisschen lachend runtersgespielt und dass das blöd ist und wir das nicht mögen und blabla…. btw… nahm sie uns dann einfach in den Arm… und wir hörten ihren Herzschlag, sie hatte ihre Arme um uns geschlungen und streichelte mit einer Hand unsren Rücken und hatte ihre Lippen auf unserem Kopf und sagte in unsere Haare: „Lass es doch einfach raus. Es ist dein Zimmer, dein Bett, dein sicherer Ort. Wenn nicht hier, wo dann?“ Wir haben es nicht rausgelassen, aber als sie das gesagt hat, haben wir SOOOOO Krass ausgeatmet.. so ausgeatmet und uns so entspannt und richtig gemerkt, wie wir… in ihren Armen… wie wir uns da noch „mehr“ haben fallen lassen und zur Ruhe kamen und … ja, krass… es war einfach die krasseste Erfahrung, die ich seit Langem gemacht habe.

Ja und dann erzählten wir ihr halt von Severin und vom letzten Halbjahr, wie wir uns mit Männern „ausprobiert“ hatten und wir sagten ihr, wie wir uns mit Severin gefühlt hatten.. wie das anfing mit dem sich so sicher fühlen bei ihm, weil er so eine Ruhe ausstrahlte und er uns immer weil wir so verkopft waren wieder entwirrt hat… und wie sich das entwickelt hat und wir immer mehr an unserem Selbstwert gezweifelt haben und eigentlich gar nie so wirklich, wirklich glücklich waren, weil wir eigentlich immer unsicher waren. Immer. Und wir erzählten ihr wie es sich dann auch angefühlt hatte mit den Männern zu schlafen. Wir erzählten ihr außerdem, wieso es uns an dem Abend, als sie uns das erste Mal etwas vorlas, so schlecht ging. Nämlich, dass wir ein schlechtes Gewissen hatten, dass sie uns eine Geschichte vorliest, obwohl wir vorher bei einem Date waren, wo wir mit einem Mann geschlafen hatten und da nahm sie dann wieder meinen} Kopf in ihre Hände, küsste uns auf die Stirn und meinte: „Ach Mensch, zerdenk doch nicht immer alles. Es ist alles gut. Ich habe das gerne gemacht und ich war so erstaunt, wie einfach Kommunikation sein kann“ (weil wir ihr ja an dem Abend ganz direkt geschrieben hatte, dass, falls wir uns seltsam oder nur spröde melden, solle sie sich keine Gedanken machen, wir hätten am Vorabend ne unschöne Erfahrung gehabt und seitdem ginge es uns überhaupt nicht gut. (Woraufhin sie ja dann eben das erste Mal für uns vorlas, um uns auf andere Gedanken zu bringen) Wir erzählten ihr wie ekelhaft und furchtbar wir uns gefühlt hatten, als wir in dieser Nacht mit dem Typen geschlafen hatten, dass es sich wie Prostitution angefühlt hätte und wir um halb 1 nach Hause fuhren, dann im Innenhof noch auf der Schaukel waren und uns ausheulten, aber nicht wussten, wieso wir heulten.

Und… wenn ich wieder redete und redete und merkte, ich} denke wieder nicht vorher nach, was wir sagen, habe ich wieder angefangen darüber nachzudenken und mich} darüber geärgert und ihr ständig versucht zu erklären, so sei ich} eigentlich nicht, ich würde mich nicht wiedererkennen, eigentlich sollte man sowas nicht sagen usw. Dann küsste sie uns immer, damit wir still sind kurz und meinte dann immer und immer wieder, genau in der Sekunde wo ich} anfangen wollte daran zu zweifeln, ob etwas, was ich gesagt oder getan hatte gut oder schlecht war, ich solle aufhören zu denken und einfach weiterreden, sie höre mir} gerne zu und sie sei ja hiergeblieben, weil ich} so bin wie ich bin und sie genau das in mir} so „erwischt“ hätte und den ganzen Abend, die ganze Nacht, war ich} jedes Mal wenn ich} sie ansah oder sie wieder Sätze sagte, so fassungslos. Ich konnte einfach nicht realisieren, dass das wirklich echt ist. Dass es so einen Menschen wie sie gibt und sie sogar neben uns im Bett liegt und sich da irgendwas zwischen uns aufbaut.

Sie erzählte uns auch ganz viel von sich und zeigte uns auch sehr verletzliche Seiten von sich, was sie uns noch viel nahbarer machte, was wir niemals gedacht hätten weil sie wirklich so, so so unerreichbar wirkte

Sie fragte übrigens, wann ich} immer Therapie hätte und ihre Frage… obwohl sie das nicht aussprach, hatte ich das Gefühl, sie fragt, ob sie mal mitkommen dürfe. Also fragte ich sie, ob sie mitkommen wolle und sie meinte: „Nur, wenn du das möchtest. Es ist deine Therapie.“ Ich dachte mir in dem Moment, es sei so verdammt früh darüber nachzudenken, wir kennen sie erst seit fünf Wochen und bis vor zwei Tagen hatten wir nicht im Geringsten das Interesse, dass dieses Treffen in irgendeine Richtung gehen sollte… aber auch darüber sprachen wir ehrlich… sie erzählte, dass meine Nachricht ja eigentlich so extrem plump war, mit der ich sie angeschrieben hätte, dass sie niemals geantwortet hätte, wenn sie keinen Urlaub gehabt hätte. Da sie als Abteilungsleiterin irgendwie jeden Tag extrem viele SMS und Mails beantwortet, wo ihr manche Fragen oder Anliegen schon zum Hals raushängen, hätte sie, wäre sie nach so einem Arbeitstag nach Hause und hätte diese Nachricht von mir gesehen, sie sowieso sofort gelöscht, weil ihr die viel zu blöd war + das Alter… ich fragte entsetzt aber irgendwie amüsiert, was ich denn bitte geschrieben hätte uns sie meinte, ich hätte in der allerersten Nachricht schon geschrieben, dass ich eigentlich an diesen Apps zweifle, und *** ohnehin sehr weit weg wäre. Sie hätte sich gedacht „Oh mein Gott“ und hat eigentlich nur geantwortet, weil sie einen guten Tag hatte… und dann hatte ich} ja gleich eine Sprachnachricht geschickt gehabt, weil ich} mit Jimmy spazieren war (da schicken wir ausschließlich Memos, weil wir nicht gleichzeitig tippen und laufen können) und sie meinte, ab der ersten Sprachnachricht wäre da etwas gewesen, was sie dann plötzlich sofort erwischt hätte und sie mich} unbedingt kennenlernen wollte. Dabei wollte sie am Donnerstag schon absagen, weil sie immer wieder an den Altersunterschied dachte usw. Naja irgendwie fragte ich mich innerlich, obwohl ich in der Hinsicht dann doch auch eher pragmatisch und realistisch bin, ob das nicht doch irgendwie Schicksal war… ich hatte nicht in einer Sekunde an Nikki gedacht, als ich mit Severin Schluss gemacht hatte. Also sie war niemals der Grund gewesen. Ich merkte nur: Okay, sie und ich} schreiben und guten Morgen und gute Nacht und ihre Nachrichten interessieren mich mehr als Sev’s, (falls überhaupt mal etwas von ihm kam) und irgendwie interessierte er mich kaum noch. Es war irgendwie, als hätte ich mich von sämtlichem, belastenden Scheiß von letztem Jahr befreit (WG, kein Geld, weil zu wenig Stunden, festgestellt, dass mir eine Beziehung von der ich unbedingt wollte dass sie toll ist, mir NULL gut getan hat und mich davon losgemacht)… und dafür direkt ins neue Jahr so einen Lauf… Zum Ende des Jahres (Oktober eben) die neue Wohnung, zum Anfang diesen Jahres mehr Stunden, zwischen den Jahren das emotionale Loslassen von Severin und da sogar letzte Woche die klare Trennung und das zu uns stehen und dann taucht da völlig unerwartet und eigentlich sogar ungewollt Nikki auf und wir fühlen uns in ihren Armen wie vor einem warmen Kamin in eine Decke gehüllt und ja…

Und eigentlich… eigentlich ist es klar… wir werden uns wieder sehen. Nächstes Wochenende schon. Und eigentlich ist für uns beide auch schon klar… ich weiß nicht, haben wir schon kommuniziert… ich habe nicht das Gefühl, jemandem suchen zu wollen oder dass jemand auf „mich wartet“ sondern… wir fühlten uns am Wochenende einfach genau dort, wo wir hätten die ganze Zeit sein sollen. Und das ist alles noch bisschen komisch und so … es ging einfach so schnell, dass wir es nicht wirklich glauben können und unsere Rationalität die ganze Zeit sagt: Pass auf. So schnell kann sowas nicht gehen. Ja, sagen wir die ganze Zeit. Aber das Problem ist, dass wir merkten, dass es wäre, als wären wir schon seit zehn Jahren ein Paar, und ich} sagte ihr, das klänge verrückt, aber ich} sei mir sicher, das sei Verliebtsein was ich} spüre, aber nicht so ein unsicheres Verliebtsein… bei Kora, Carmen (obwohl das ohne Weiteres einfach sehr besonders war und ich immer noch überzeugt bin, dass wir durch sie sehr viel gelernt haben, was Liebe [wirklich] bedeutet) und Severin… (wie wir ja alles festgehalten haben), war immer eine krasse unsichere Verliebtheit und es hat sich immer wie ein „Kampf“ angefühlt. Wobei das nicht bei allen Dreien stimmt. Aber auf alle Fälle haben wir Verliebtheit NIE mit Ruhe und „Angekommen“ sein verbunden, sondern immer, immer, immer mit Unsicherheit. Liebe verbinden wir mit sowas. Aber nicht Verliebtsein. Nicht gleichzeitig Herzrasen des Todes zu haben und sich trotzdem angekommen und sicher fühlen. Sowas habe ich} noch nie in meinem ganzen Leben gehabt. Und das, obwohl wir so nervös waren und die ganze Zeit so extremes Herzrasen hatten (oder eher phasenweise), war es so.. unkompliziert und leicht. Und ich glaube, das hat es so intensiv gemacht.

Ich bin schon vorsichtig und gespannt, wie es nächstes Wochenende sein wird… Aber ich habe keine Angst. Ich} habe nicht die geringste Angst oder Befürchtung, was sie angeht, die Art wie sie mit uns umgeht oder spricht.

Eigentlich sagt unser Kopf: Oh Gott, Mii, es ist so anstrengend, du bist doch gerade erst aus einer Beziehung raus und hast gemerkt, wie frei man sich single fühlt und jetzt bist du plötzlich wieder in einer Beziehung? Und ich so: Ja. Scheinbar ist das so. Kann nichts dafür, es fühlt sich richtig an.

Und es fühlt sich wirklich so an. Immer wenn wir mit Severin zusammen waren, haben wir trotzdem immer gedacht, dass eigentlich eine andere Frau wartet, die an seine Seite gehört (klar, er hat uns auch ein bisschen das Gefühl gegeben), aber auch als er noch liebevoller war, hatten wir von ANFANG an das Gefühl, wir sind nicht die, die an seiner Seite gehört, aber wir wollten es unbedingt sein. Und deswegen haben wir uns auch so lange gefragt, wieso wir keine Gefühle zb für Cia entwickeln können, weil sie uns so behandelt hatte, wie wir es uns eher gewünscht hätten und haben immer Vergleiche in anderen Männern und Beziehungen gesucht. Also irgendwo, obwohl wir es SO sehr wollten, haben wir unterbewusst gespürt, dass auch Severin nicht der Mensch an unserer Seite ist. Aber wir wollten es so sehr. Wir wollten so sehr eine Familie mit ihm gründen… Und wir haben sogar gedacht, Frauen werden wir nie wieder in Erwägung ziehen, weil als homosexuelles Paar es einem EXTREM schwer gemacht wird, eine Familie zu gründen. Und wir haben gemerkt, mit Männern geht ja auch… (irgendwie ._.)

Naja… aber nach den ganzen Vollidioten haben wir die Nase so sackenrotzevoll von diesen widerwerten, oberflächlichen, flachdenkend Männern, die nicht das leisesten Feingefühl haben! (ich spreche die an, die ich bisher kennengelernt habe, und bis auf extrem wenige, fallen leider alle darhunter, also falls du ein Mann bist und das liest, fühl dich nicht direkt angesprochen, es ei denn, du bist auch so einer, dann fühl dich angesprochen. Bitte. Dankeschön. Ich habe „Beziehungs-“ aka „Sex-suchende“ Männer noch nie so gehasst wie aktuell. Und noch nie habe ich mich so sehr vor ihnen geekelt wie aktuell).

Jetzt habe ich den Faden verloren, aber ich glaube, wir schreiben sowieso schon lange genug.

Das Geheimnis meines Vaters

…ist wohl nun kein Geheimnis mehr, weil ich böses, böses Kind es nun öffentlich in einem Blog schreibe. Aber ich kann es nicht für mich behalten. Es ist zu groß und zu erschreckend. Er hat es mir zwei Wochen vor Weihnachten erzählt.

Wir haben mit Severin diese Beziehungspause eingelegt und hatten an diesem einen Samstag so irren Kummer. Haben so viel geweint, uns so traurig gefühlt und so allein und wussten nicht wohin mit unserem Schmerz. Es war nur unser Vater zuhause und notgedrungen sprachen wir mit ihm. Er wäre eigentlich der Letzte, mit dem wir sprechen würden. Und es fühlte sich nicht gut an, aber es musste raus. Einfach irgendwohin raus. Lieber hätten wir mit Mama gesprochen, aber sie war noch arbeiten… also haben wir uns zu Papa gesetzt und geredet. Was zwischen Severin und uns passiert ist. Aber mein} Vater ist selbstbezogen. Ich denke, er hat mir nicht zugehört und beim Hören meiner Worte, hat er eher sich selbst zugehört, den Gedanken, die dazu in seinem Kopf abliefen. Denn es ging eigentlich dann um ihn. Er fing an zu weinen, sagte, er wäre dankbar und würde ihm viel bedeuten, dass ich} mich ihm öffne. Ich setzte ein unbekümmertes Lächeln auf, obwohl unsere Augen noch unter Tränen standen und sie immer noch liefen und liefen, ohne dass wir richtig weinten. Zog die Schultern in die Höhe und meinte: „Das ist doch selbstverständlich Papa. Ihr seid doch meine Eltern“. Parallel in meinem Kopf: „Ich fühle mich so angeekelt und ätzend dabei, mit dir zu reden und vor dir zu weinen, aber ich kanns grad nicht stopppen, das Heulen.“

Und er: „Ich dachte immer, du willst mit mir nicht reden. Ich habe ja immer alles nur über deine Mutter erfahren. Ich dachte, du vertraust mir nicht aber ich wusste nie, was ich falsch gemacht habe. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe.“ Und er weint immer noch, er setzt sich in Schneidersitz vor mich, ich sitze neben ihm. Er wirkt auf mich plötzlich wie ein Kind.

„Natürlich vertraue ich euch. Wenn ich euch nicht vertrauen kann, wem sonst? Ihr seid meine Eltern. Natürlich rede ich mit euch.“ – „Ich hasse es mit euch zu reden. Es ekelt mich an. Du ekelst mich an. Und und stinkst. Du solltest mal wieder duschen gehen.“ Ich fühle mich schlecht für den Parallelgedanken und will erst recht freundlich und lieb zu meinem Papa sein, denn er sitzt weinend vor mir und erinnert mich an ein Kind und er tut mir leid und ich fühle mich wie ein Monster. Ich beuge mich vor und umarme ihn. Was tue ich da, frage ich mit unisono zu „so machen das Kinder“.

Und dann: „Habe ich dir je erzählt, warum ich so viel trinke?“, fragte er.

Ich sah ihn an, schüttele den Kopf und fühle auf einmal alle Emotionen aus mir weichen. Da ist nichts mehr und jetzt werde ich angespannt, weil ich mich auf mein Gesicht konzentrieren muss. Dass es so aussieht, wie es aussehen sollte, wenn Menschen anfangen schlimme Dinge zu erzählen.

„Ich habe doch schon einmal erwähnt, dass mein leiblicher Vater als ich sechs Jahre alt war, Suizid begangen hat. Und als mein Stiefvater zu meiner Mutter kam, meine Hölle erst angefangen hat.“

Ich nicke. Die Geschichte hatte er uns mal am Lagerfeuer in Ungarn erzählt, als wir zwölf Jahre alt waren.

„Das war aber nicht die Wahrheit. Das, was passiert ist, war viel schlimmer… aber…“ Er druckst herum, stemmt seinen mageren Arm auf seinem Knie ab, atmet aus, „Ich weiß nicht. Nein… nein, das kann ich dir nicht erzählen…“ Aber ich sehe in seinem Gesicht, dass er mir das erzählen will und sich schon längst entschieden hat. Ich werde immer emotionsleerer, wie ein Toter. Und mein Gesicht fühlt sich immer steifer an, weil ich mich auf alles konzentrieren muss. Deine Augen sind schon viel zu lange starr geweitet. Jetzt müsstest du traurig die Brauen zusammenziehen. Vergiss die Mundwinkel nicht. Blinzle. Ich blinzele und ziehe die Augenbrauen traurig zusammen.

„Okay, ich erzähle es dir, Kicsim (meine Kleine), aber ich habe das noch nie jemandem erzählt. Nicht einmal deiner Mutter. Aber wo soll ich anfangen? Weißt du, wie deine Mutter und ich uns kennengelernt haben?“

Und dann erzählte er mir seine Geschichte. Als er fünfzehn war, schmiss seine Mutter ihn aus dem Haus. Sie lebten auf einem Grundstück mit zwei Gebäuden. Eines der Häuser war einfach nur ein Zimmer und alt und leer. Kein Bett, kein Waschbecken, nichts. Einfach nur ein leerer Raum. Dort durfte er nur noch leben, seit sein Stiefvater bei ihnen eingezogen war. Seine jüngeren Geschwister, die wir kaum kennen, hatten für ihn heimlich Essen oder trinken oder Decken gebracht. Er schlief auf dem Boden, bei Dunkelheit, Kälte, Nässe, Hitze. Er musste oft klauen, um sich ernähren zu können. Und das ganze fünf Jahre. Bis er zwanzig Jahre alt wurde und meine Mutter kennenlernte. Sie verliebten sich. Er fing fast schrecklich zu weinen an, als er sagte: „Und weißt du, was deine Mutter gemacht hat? Sie ist mit mir dort in diesen Kerker eingezogen. Sie hat ein Jahr lang alles mit mir mitgemacht, Kicsim. DAS ist Liebe. Nicht das, wie dich Severin behandelt. Ich will dich nicht verletzen aber meiner Meinung nach hat er dich nur zum Spaß haben ausgenutzt.“

Ich sagte dazu nichts.

„Naja… und für deine Mutter bin ich da rausgekommen. Sie hat nach zwei Jahren gesagt, wenn ich weiter trinke und klaue, verlässt sie mich, weil sie das nicht länger mitmachen kann und nicht sehen will, wie ich zugrunde gehe. Und für sie habe ich es geschafft da rauszukommen.“

Naja, trinken tust du immer noch. Nicht gerade wenig“, bemerkte ein Gedanke in meinem Kopf.

Und dann kam die Geschichte, die ich nicht glauben kann… seine Mutter war eine Mörderin. Wenn seine GEschichte die Wahrheit ist.

Er erzählte, dass als er sechs Jahre alt war, sein Vater mit ihm und seiner Frau flüchten wollte. Das war aber nicht so einfach. Er und sein Vater mussten vorgehen, aber die Frau blieb dann irgendwie hängen (ich erinnere mich nicht mehr sehr genau an die Geschichte mit der Flucht). Er erzählte uns, dass ein Vater seine Mutter so sehr geliebt hatte, dass er seinen lang geschmiedeten Plan sausen ließ, um zu seiner Frau zurückzugehen. Er organisierte einen Zirkuswagon (so ein Wanderzirkus), weil er dort Bekannte hatte und wollte seine Frau und meinen Vater so in ein anderes Land schleußen. Aber dazu kam es nie. Er erzählte, dass seine Mutter zu der Zeit schon lange ein Verhältnis mit einem anderen Mann hatte und seinen Vater gar nicht mehr liebte. Sie hätte ihn umgebracht. Mein Vater erzählte uns, er wäre an einem Morgen, bevor sie fliehen wollten, in die Küche runter und dort waren schon seine Mutter und sein Vater. Aber sein Vater lag tot über dem Esstisch. Die Mutter hätte ihn vergiftet.

Unsere Emotionen waren immer noch nicht da und wir hatten nicht die geringste Ahnung, wie ein Mensch auf solche Geschichten reagiert. Wir klappten unseren Mund auf, sahen ihn aus „echt jetzt“ Augen an, aber ich spürte, dass unsere Mundwinkel nach oben zuckten, als müssten wir lachen. Wieso verhielt sich unser Gesicht so? Wir zwangen uns ernst auszusehen, aber wussten nicht, was wir sagen sollten. Also fragten wir „Ist das wirklich passiert?“ Und dann fing unser Vater richtig, richtig an zu weinen und seine Stimme brach sogar: „Ja. Ja, Mii. Meine Mutter hat meinen Vater umgebracht.“ Wir fühlten uns nicht in der Lage, ihn in den Arm zu nehmen, obwohl wir wussten, wir hätten es tun müssen, um ihn zu trösten.

Da hört meine Erinnerung auf. Ich weiß nur, dass wir bis heute nicht wissen, was wir mit dieser Geschichte anfangen sollen. Wieso er sie uns erzählt hat. Ob das irgendeine Auswirkung auf uns hatte. Wir können es nach wie vor nicht glauben. Können es uns nicht vorstellen. Wir kannten zwar unsere Oma väterlicherseits kaum… aber die paar Male wo wir sie sahen. Kann das wirklich wahr sein? Immer wieder wenn wir darüber nachdenken, sind wir einfach nur verwirrt. Das war etwas, das nicht einmal meine Mutter wissen soll. Und meine Mum hatte zu uns mal gesagt „Ach Mii, wenn du wüsstest, wie viele schreckliche Familiengeheimnisse wir noch haben…“. Sie wollte es uns nicht erzählen. „Wenn wir reif/alt genug dafür sind“, sagte sie. Bitte? Wie alt sollen wir denn noch werden? Wir sind doch keine Kinder mehr, die das nicht verkraften würden. Und noch schrecklicher als die Geschichten mit der kranken Sekte, in der ihre Cousine war, deren Tochter als Baby starb und sie deshalb denkt, weil wir exakt neun Monate danach auf die Welt kamen, dass der Geist ihrer Tochter in uns drinnen ist? Noch kranker als der pädophile Filmemacher, der meine Mum als Kind in dem Dorf belästigt hatte? Ich kann mir kaum schlimmeres vorstellen. Wie schlimm kann das schon sein, dass man das in den seinen Zwanzigern nicht verkraften würde?

Umso älter wir werden, desto mehr Fragezeichen kriegen wir in Hinsicht unserer Familie… wir können überhaupt nicht mehr unterscheiden, was wahr oder falsch ist… deshalb haben wir es aufgegeben, es zu bewerten.

Vorlesen tut gut!

Seit ca. zwei Wochen haben wir Kontakt mit *Nikki. Wir haben sie tatsächlich über ne Dating App kennen gelernt. „Tatsächlich“ … weil das irgendwie nicht so ganz unsere Welt ist. Ich denke, wir haben uns da angemeldet, um uns über Severin hinwegzutrösten. Hatten ein paar Männer getroffen und kennengelernt und festgestellt: Wir bleiben doch eher bei den Frauen. Männer haben einfach kein Feingefühl und gefühlt muss man ihnen allen einen Wink mit einem ganzen Baum geben, damit sie etwas verstehen oder mal ein bisschen aufmerksam sind. Das ist nicht unsere Welt. Oder vielleicht liegt es daran, dass wir ein anderes System sind, aber so weit will ich jetzt nicht spekulieren. Es ist grad einfach wie es ist. Seit ca. Weihnachten haben wir diese App kaum noch benutzt und wir haben das vorher auch nie gemacht. D.h, wir waren in unserem ganzen Leben noch nie auf Bumble & co. Haben unsere PartnerInnen ja immer im RL kennengelernt und mal ehrlich – diese Plattformen sind mit Oberflächlichkeit ja kaum zu überbieten.

Jedenfalls kam der Match mit Nikki wirklich nur durch Zufall zustande. Sie ist 34 und wohnt leider zwei Stunden entfernt in einem anderen Bundesland. Aber unser Kontakt war von Anfang an sehr intensiv im Sinne von – uns gingen die Gesprächsthemen nicht aus, obwohl es nur Alltagsthemen und keine Deeptalks waren. Wir schicken uns seitdem jeden Tag Sprachnachrichten und wünschen und neuerdings ne gute Nacht und nen guten Morgen und freuen uns irgendwie, wenn wir abends nach ihrem Feierabend wieder Kontakt haben können. Das ist komisch, eigentlich haben wir nie derartig Interesse an Menschen, die wir noch nie in echt getroffen haben und wir machen uns da auch keine Illusion – es könnte sein, dass wir sie am Ende total doof finden. Aber so viel mehr schief kann da nicht gehen. Wir mögen ihre Stimme, ihre Wortwahl und auch die Art wie sie denkt. Zumindest bis jetzt. Aber was wir eigentlich am allerschönsten finden, ist, dass… nun ja, wie soll ich sagen… wir hatten einmal ein Date mit nem Typen und, ich weiß nicht ob wir darüber geschrieben haben, aber wir hatten mit ihm geschlafen, fühlten uns in der Rolle einer Prostituierten und danach gings uns (auch noch nen Tag später) extrem beschissen. Wir hatten Nikki dann eben gesagt, falls wir heute etwas seltsam schreiben oder halt sehr wenig, solle sie sich keine Gedanken machen, uns seginge es nicht gut, weil etwas vorgefallen sei. An diesem Abend hat sie dann, um uns aufzumuntern eine Geschichte vorgelesen… und seitdem hat sich das so eingespielt. Mal liest sie uns etwas vor, mal wir ihr… un dirgendwie ist das wirklich total schön. Vorlesen ist für uns ja eh etwas sehr „normales“. Also, wir lesen uns selbst ja auch für die Innenkinder manchmal vor, wenn sie vor Zu-Bett-Gehen unruhig oder ängstlich sind (kommt irgendwie aktuell echt häufig vor). Und es ist echt verrückt, wie krass das beruhigt. Es ist anders, als sich ein Hörbuch anzuhören oder einfach nur ein Buch leise zu lesen.

Nikki will uns am Wochenende besuchen kommen und wir freuen uns sehr. Eigentlich, meinte sie, war sie ein wenig überrascht, dass wir gematcht haben, weil wir ihr i.d.R viel zu jung wären und ehrlichgesagt hätte sie uns gar nicht angeschrieben, wenn wir ihr nicht geschrieben hätten. Aber sollte wohl so sein. Ich würde nicht behaupten, dass ich auf der Suche nach ner Beziehung oder sowas bin, das fehlt mir gar nicht, und schon gar nicht würde ich behaupten, dass wir uns verknallt hätten. Besonders nicht wo wir sie ja noch nie getroffen haben. Aber ich muss schon zugeben, dass wir uns immer sehr über die Vorlese-Abende freuen und es irgendwie in wohliges Gefühl auslöst, wenn wir ihre Sprachnachrichten anhören.

Wegen Severin haben wir glaube ich gar kein Update gegeben. Das isit irgendwie seltsam. Er hatte hin und wieder angerufen, also eigentlich ca. 4x haben wir telefoniert in den 5 Wochen. Und wir haben gemerkt, dass wir ihn gar nicht vermissen. Wenn er anrief, haben wir uns nicht gefreut, sondern uns eher vor dem Gespräch gewappnet und fühlten und beklemmt und oft hat er uns schon nach dem zweiten Satz verärgert oder gelangweilt. Wir haben durch den Abstand bemerkt, wie viel eigentlich nicht gut lief in der Beziehung und die Beziehungspause wohl das Beste war um festzustellen, dass wir nicht nur eine Pause, sondern einen klaren Schluss wollen. Das haben wir ihm noch nicht gesagt, weil wir nicht wissen wie. Aber sobald wir ihn sehen, werden wir darüber ganz offen reden. Aktuell ist es ja noch eine „Pause“. Wir merken auch, wie wir uns wieder viel mehr wie „ich selber“ fühlen und wie sehr wir uns in seiner Gegenwart verstellen mussten, weil er das Vielesein ja komisch fand. Und wie wir auch wieder mehr uns selbst vertrauen und darin, dass wir absolut gut so sind wie wir sind, auch ganz ohne ihn. Das Gefühl dafür hatten wir ja mega verloren. Haben uns ja so extrem davon beeinflussen lassen, was seine Meinung über uns ist. Außerdem ist uns aufgefallen, dass er jedesmal wenn wir uns trafen, eine totale Unterhaltung erwartet hatte. Das ist aber nicht das, was wir wollen. Es hat uns einfach nur genervt und unter Druck gesetzt. Wir sind nicht sein Freizeitobjekt.

Ein bisschen Angst habe ich schon davor, wenn wir ihm gegenüber stehen. Bekanntlich war uns ja schon oft klar, wir wollen das beenden und kaum stand er vor uns, wurden wir weich wie butter und dumm wie Brot. Tolle Kombi. Schmecken tuts ihm scheinbar, denn für den Sex waren wir noch gut genug.

Ach, eigentlich hat mir die Beziehung mit ihm nur gezeigt, dass ich als Kind schon klug war und wusste, Frauen sind einfach die bessere Wahl 😀 Sie können zwar anstrengender sein, eben weil sie emotionaler und feinfühliger sind, aber das nehm ich nach der Erfahrung doch lieber in den Kauf, als so stumpfinnige, schwanzgesteuerte Männer. Ich rede nicht nur von Severin. So waren sie alle, die ich in den letzten Wochen kennengelernt habe. Männer sind bei mir jetzt irgendwie mit „Mathe und F*cken“ assoziiert. Das ist alles, was ich im Kopf sehe, wenn ich an Männer denke. Klar, totales Schubladendenken, aber heißt ja nicht, dass ich die Schublade schließe. Andererseits haben ja genug Männer dazu beigetragen, dass ich diese zwei Sachen mit ihnen kombiniere. Kommt also nicht irgendwoher. Wenn da mal einer käme, der mir das Gegenteil beweist, bitte. Aber einmal eine Erfahrung in Beziehung mit einem Mann und es hat mir sowas von gereicht. Das war meine dritte und kürzeste Beziehung. Fünf Monate. Eigentlich dürfte man das nicht einmal Beziehung nennen.

Severin ist echt ein toller Mann und ich mag ihn nach wie vor sehr gerne. Er ist irgendwie besonders und besonders süß und irgendwo wird er immer nen Platz in meinem Herzen haben, aber sicher ist er nicht der Mensch, mit dem ich mein Leben verbringen will, auch wenn wir uns das am Anfang so sehr gewünscht und total gesehen haben. Es war nur eine Wunschvorstellung, aber das war uns irgendwie schon sehr früh klar, dass das, was wir uns wünschen, nicht unbedingt dem „Realitäts-Severin“ entspricht.

Wie auch immer Seit Sonntag ist er wieder in DE und wir haben uns immer noch nicht bei ihm gemeldet. Das sollten wir tun und ihm reinen Wein einschenken, wie wir über das alles denken. Nicht dass er jetzt dann in der Position ist, in der wir uns vor vier/fünf Wochen befürchtet hatten: nämlich, dass er sich nun Hoffnungen macht, es könnte noch funktionieren.

Witzig. Als wir so einen krassen Liebeskummer hatten nachdem er ja quasi die Beziehungspause wollte und den Film „How to be single“ angesehen haben, war es ja genauso. Der Part, der eine Beziehungspause wollte, hat im Endeffekt seinen Partner verloren, obwohl er zurück wollte.

Wie das Leben manchmal spielt. Irgendwie witzig.

Severin wird mir auch gar nicht leidtun, denn nach wie vor bin ich mir zu 100% sicher, dass er uns nie geliebt hat. Er mochte uns und wir waren eine tolle Beschäftigung für ihn, aber es war seinerseits nie dieses Gefühl da, das wir für ihn hatten. Und ich bin froh, dass das jetzt auch unsererseits vorbei ist (hoffentlich auch für die, die es halt am meisten erwischt hat).

Mail an Frau Blume (K, M, L)

Seit der Therapiestunde gestern sind wir total verloren. Also, wir sind zwar funktionsfähig, aber mit ständigem Kopfstechen und haben keine Ruhe mehr seitdem… aber ich will nicht nochmal alles schreiben. Die Mail haben wir an Frau Blume geschickt, weil wir grad echt gefühlt kirre werden, wenn es nicht ruhig wird bei uns…

Bitte mit Vorsicht lesen wegen Gewaltinhalten..

Frau Blume

😩

wir können uns an ganz und gar nichts erinnern von der letzten Stunde… also nur vage und das macht uns kirre. Egal wie wir versuchen in Kontakt zu gehen es klappt nicht, sondern eskaliert dann eher. So Bruchstücke weiß ich, dass jemand Junges da war und Dinge mit dem, dass man uns behindert machen kann wenn man will – weil diese Drohung habe ich selbst auch schon bekommen vor drei Jahren. Aber der Inhalt kommt nicht durch und wenn ich versuch in Kontakt zu gehen, was so halbwegs klappt, dann kommt von der oder demjenigen nur ein richtig wütendes oder trotziges „nein nein nein“ und das macht mich wirklich fertig weil wie soll eine Therapie helfen wenn nur einer mit Ihnen redet und die anderen davon nichts wissen dürfen, selbst wenn es zu einem „Schutz“ sein soll, es ändert ja nichts daran dass man da bleibt wo vorher auch… und ich kann zwar sehen wie die Person mit Ihnen geredet hat weil wir ja eine Videositzung hatten uns wir uns selber unten im Kasten sehen konnten, deswegen weiß ich ganz genau wie die oder derjenige aussah und ein Buch und ein Plüschtier in der Hand hatte aber ich HÖRE nichts, der Inhalt kommt null durch. Nur so Bilder von dem Holzrad, an den damals ne Frau gekettet war und aussah, als wäre sie einmal durch Mckamey Manor gelaufen, nur nicht mehr bei bewusstsein. Die hing da damals echt bewusstlos an dem Rad und ihr haben zwei Finger gefehlt. Das klingt gruslig wie aus einem Horrorfilm, aber es löst null und nix in mir aus, aber diese Erinnerung als Bild kommt allllleee paar Minuten bzw. jedesmal, wenn ich wissen will, worüber wir gestern mit Ihnen geredet haben. Und das wo der Direktor die Kripo informiert hat weil uns wieder was angetan wurde bzw. halt sehe ich dann WAS da passiert ist. Lauter so Sachen, ich CHECKS nicht, das ist doch nicht das, was ich wissen will bzw. was mich interessiert, sondern worüber wir in der Therapie geredet haben… können Sie uns irgendwie helfen bitte? Ich dreh durch ich hasse es wenn wir einfach auf Gespräche nicht den geringsten Zugriff mehr haben 😭😩 hat die Person die gestern mit Ihnen geredet hat gesagt wer sie war? Uns sagt sie nichts, wie gesagt in Kontakt gehen klappt, aber dann kommt nur ein „nein, nein, nein“ und „lass mich“ „halt die klappe“ aber in so einem Trotzton, nicht als wäre das wer Erwachsenes… aber mehr Zugang hab ich nicht und das schießt uns gerade total raus… also so im Alltag. Es ist wie… als würde sie WOLLEN, dass wir uns mit ihr/ihm beschäftigen, aber wenn wir dann in Kontakt gehen, ist sie beleidigt/trotzig. Aber wenn wir dann versuchen uns auf was anderes zu konzentrieren oder sagen „okay, dann mach ich halt was anderes“, dann kommentiert sie gefühlt alles ständig im Hintergrund. „Das ist doof, dies ist doof, das hätten xy anders gemacht, so macht man das nicht, ich will das anders“ blablabla. Wir haben keine Ruhe mehr seit gestern 😩

Das Ding ist, wir machen ja nicht erst seit gestern Therapie und unsere Therapeutin ist ja spezialisiert auf sowas, die ist sogar Dozentin oder wie mand as auch nennt. Sie kennt Anwälte und Ärzte die mit Menschen mit so einem Hintergrund arbeiten und die DIS-Erfahrung haben, sie ist also gut connacted und wir vertrauen ihr … und wir wissen genau, wenn so etwas passiert, also dass unser ganzes System geschrottet wird, dass dann irgendwas war, was nicht hätte sein dürfen, es ist irgendeine Aufregung im Innern, als hätte jemand Angst, es könnte etwas furchtbares passieren und muss alles daran setzen, dass es NIHCT passiert, und wenn das dann eben die Folge ist, dass unser ganzes System durcheinander und zersttreut ist und wir gefühlt in Therapien dann nochmal bei 0 anfangen müssen Foot in mouth Davor habe ich gerade wirklich angst.

Initiationsgebühren im Kinderbuch (K)

Eigentlich war unser erster Abend wieder Zuhause recht schön. Tino musste arbeiten und so haben wir Zeit für die Weihnachtsgeschenke unserer Innens genommen. Ich weiß übrigens nicht, wo die herkommen, aber sie waren mit Namen einiger Anteile beschriftet. Während wir so gut wie möglich im Co-Bewusstsein Geschenke auspackten, versuchten wir auch gezielt in verschiedene Systeme zu wechseln, weil einige Geschenke eben für Anteile aus anderen Systemen waren. Zwischen unserem System, System 1 und System 3 lief es relativ gut. Zu 4 und 5 konnten wir keinen Wechsel verursachen, diese Geschenke legten wir dann einfach auf die Seite.

Während dem Geschenke Auspacken haben Innenkinder irgendeinen Film mit einem Wunschdrachen angesehen. Ich weiß nicht (mehr) wie der hieß. Relativ bald nach dem Auspacken sind wir auch schon ins Bett gegangen. Das war so gegen 22:30 Uhr. Irgendwann um kurz nach Mitternacht wurden wir wieder wach, weil uns irgendwie sehr schlecht war. Wir konnten nicht mehr einschlafen und es war besonders bei den Kindern total die Unruhe da, also haben wir eines der Bücher, die wir vorhin beim Geschenke Auspacken für Lou und Max bekommen hatten, in die Hand genommen, und für die Kinder vorgelesen. Das machen wir hin und wieder, aber ich glaube, das haben wir schon länger nicht mehr gemacht. Beim Vorlesen des ersten Kapitels, rutschte irgendwo relativ mittig ein gefaltetes DIN A4 Blatt heraus. Wir waren verwundert, klappten es kurz auf und sahen auf den ersten Blick nur einen roten Stempel von der Sparkasse. Also, das war halt das erste, was wir registrierten. Also schlussfolgerten wir, dass das vermutlich die Rechnung von dem Buch war und legten es erst einmal auf die Seite, um das Kapitel fertig zu lesen. Als wir dann fertig waren, nahm ich den Zettel noch einmal in die Hand und dann war ich einfach nur… erst einmal nur verwirrt. Ich sah mir genauer an was da stand und es war wirklich eine Rechnung… Aber nicht etwa für das Buch… der Empfänger war „Frater R*“ (ich will den Namen hier nicht ausschreiben, aus irgendeinem Grund habe ich das Gefühl, das lieber nicht zu tun). Ab da kann ich mich nur noch erinnern, dass ich dachte „das kann nicht wahr sein, ich bin mir sicher, dass wir uns dieses ganze Ordens-Zeug nur eingebildet haben!“… und ich wanderte mit meinem Blick weiter runter, wo allerdings auch die IBAN jenes Fraters draufstand und dann der Verwendungszweck „Jahresgebühr *** (Name des Ordens) und Initiationsgebühr“. Zahldatum war der 16.01.2020. Und ab da, wo die Verwirrung eigentlich erst richtig anfing, weil ich mich fragte, wie dieser Zettel in ein verpacktes Buch kommt, kann ich mich an nichts mehr erinnern.

Heute früh… ich fasse es einfach nicht… Hatten wir eine Nachricht von jemandem. Es war ein Frauenname, aber das Profilbild ist ein Mann. Wir sahen sofort, dass wir es waren, die sich gestern Nacht noch bei ihm gemeldet hatten und in seiner Sprachnachricht sagte er, … irgendwas über Weihnachten und dass er sich sehr freut, dass wir uns endlich wieder melden… irgendwas mit… absolute Ehrlichkeit, was sind unsere Ängste, Begierden, Sünden, etc… und dass er seit einem gewissen Zeitraum ne sehr starke Energie spürt, wenn sie gewisse „Rituale“ in meinem Namen machen (keine Ahnung wer „sie“ sind) und er mittlerweile davon überzeugt wäre, dass ich ein Medium sei. Mehr kann ich beim besten Willen nicht schreiben, weil egal wie oft ich mir die Nachrichten anhöre, entgeht mir der Rest einfach wieder. Das war jetzt nur ein Bruchteil von dem Inhalt eigentlich, aber der Rest löscht sich immer sofort wieder aus meinem Kopf, es ist einfach nur lästig.

Ich bin ja nicht blöd… neben meiner Verwirrung habe ich auch sowas wie Alarmglocken gespürt und wollte Frau Blume schreiben, und da kam die nächste Verwirrung und dann war ich sowas von beschämt, weil ich gesehen habe, dass wir sie ca. um 2 Uhr nachts extrem zugespamt haben. Ich schreibe hier jetzt im O-Ton was da für Nachrichten an sie gingen…

01:40: Wir sind grad bisschen geschockt oder eher verwirrt… wir lesen aktuell Innenkindern son Märchenbuch vor… da ist und dann vorhin ein DIN A4 bLatt rausgefalle
Das ist eine Überweisung vom 16.01.202
2020

01:41: An „Frater R*“ …(ihr haben wir den Namen ausgeschrieben) mit dem Verwendungszweck „Jahresgebühr und Initiationsgebühr“ von 80 €
Bin total durcheinander

01:42: Hab dann überlegt wo dieses Buch eig herkommt, weil eig dachte ich, wir hätten das mal zu weihnachten bekomme… aber wir haben es ganz sicher noch nie gelesen. Wie also kommt diese Überweisung da rein?? (Merkt ihr, wie dieser Anteil und ich denselben Gedanken haben, mit dem Unterschied, dass ich wusste, dass wir dieses Buch erst paar Stunden vorher aufgemacht haben, weil es unter den Geschenken dieses Jahres dabei war? Das scheint jener Anteil nicht gewusst zu haben bzw nicht mitbekommen zu haben)

01:43: Und vor allem bin/War ich mir sicher, dass wir das Buch noch gar nicht so lange haben.
Aber dann würde meine Erinnerung zu Weihnachten nicht stimmen.
Uff ich bin einfach total verwirrt jetzt.

01:44: Und ich fühle mich wie… gezwungen im zu schreiben. Also dem Frater.. ich weiß wer damit gemeint ist, wir haben ih unter nem anderen Namen als ***
in unserem Handy abgespeichert
Warum weiß ich nicht mehr sicher. Ich laube damals als die Kripo uns zu einem Fall befragt hat.
Weil sie da auch seine Nummer wollten und unser Handy anschauen wollten.

01:45: Und seitdem haben wir kaum noch kontakt zu ihm gehabt.
Also zu frater r*.. auf auf FB reagiert er auf fast alle unsere posts… und bei einigen anderen Mitgliedern sehen wir, wenn sie Initiationen oder Rituale teilen. Das ist nicht öffentlich, nur für freunde einsehbar.

01:48: Die haben üble Methoden.

01:49: Der Körperschaftsmeisterhier hat sogar so ein Foltergerät in seinem Keller stehen… es ist wie s ein riesiges Nudelholz mit Holznadeln
Und anderes Zeug

01:51: Und wussten sie, dass wir sogar irgendwo noch den Original Vertrag von dem orden haben??? den hatten wir neu unterschrieben und mit unserem namen unterzeichnen müssen

01:52: Die Ini wollten sie machen weil Senta sich 2019 ja aus dem Staub gemacht hat um „uns zu schützen“. Wir hatten bis dahin nicht gewusst, dass Senta und ihr Mann sichfür uns verbürgt hatten und unsere Sponsoren waren und als sie eben gegangen sind mussten neue Sponsoren und durch die Ini gefunden werden.
Aber da wir nicht dort waren hatten wir die Jahresgebühren selber zahlen müssen

01:53: Eig sind die gebühren viel höher. Sponsoren sind extrem wichtig weil man sich selber sowas gar nicht leisten kann. Die ganzen Gewänder u d Utensilien und sowas die extre für einen gemacht und organsiert werden

01:54: Aber das hatte Frau Honig ja mitbekommen und hat alles damals mit Ari und dem Direktor daran gesetzt uns zu schützen bzw. hat Frau Honig uns ja damals echt an der Hand genommen und ist mit uns in die *** weil wir geschlottert haben vor angst wieder in ne geschlossene zu gehen

01:55: Aber sie war die ganze Zeit dabei und saß neben uns und war für uns da und obwohl wir dachten vor angst zu krepieren a, weil wir nicht gemacht haben was man von uns wollte und b, weil wir eben wieder in ne geschlossene solllten habn wirs irgendwie überstanden.

01:56: aber nach der geschlossenen gings dann ja auf und ab. ari und der direktor hatten uns abgeholt aber der abholtag war seltsam. der arzt verhielt sich komisch und hat uns durch den hintereingang geschleust und er wirkte so hektisch und ari auch.

01:57: und als wir beim hintereingang waren, kam der direktr wie im film mit so quietschenden reifen in den hinterhof gefahren und wir sind mega eilig abgedüst und ari hat gefragt ob wir uns nicht hinlegen wolltenn
Wir haben zwar gemerkt das irgendwas komisch ist aber irgendwie wussten wir auch nicht ob wirs uns nur einbilden aber die fahrt kam uns so lange vor

01:58: paar tage oder wochen später haben uns ari und der direktor erzählt, dass vor dem haupteingang bei der klink leute standen und gewartet hatten.
Und als sie gemerkt haben ddas wir hinten abgeholt wurden haben sie den direktor den ganzen weg über hinterhergefahren. obwohl er tausendmal abgebogen und sonstwas ist.
Also so wie er gar nicht hätte fahren müssen

01:59: Und Ari und der direktor ich weiß nicht mehr wer von den beiden, haben erzählt dass sogar manchmal autos mit fremden kennzeichen an denen ihren häusern vorbeigefahren issind.
Das fand ich alles sehr gruslig
weil wir wollten uns ja selber nie glauben dass das alles wahr ist

02:00: Aber wieso sollten der direktor und ari uns anlügen oder sich sowas einbilden

02:02: aber wir haben es nicht gechcekt… wir haben allgemein nie kapiert was los ist es ging immer alles wi fach so schnll … 2020 waren wir eig gefühlt ständig auf der flucht. Hier in einem Ferienaprartment und unter ständiger „bewachung“… wenn ari joggen gehen wollte haben der direktor und sie sogar eine betreuerin von der jugendholfe gefragt ob sie solnag bei uns bleibt.

02:05: dieses ganze jahr war so komisch einfach… wir waren sogar in so nem kloster mal untergetaucht und sowas..

02:07: das war alles so komisch dieses jahr

02:08: Irgendwie in meiner zählung wnen wir zählen fehlt 2020 auch ständig. Als wäre es so puff nicht existenzt. Wie bei nem zaubertrick der „puff“ und es löst sich auf wissen Sie wie ich meine

Darauf hatte Frau Blume heute Früh geantwortet: Vielleicht wollt ihr heute Nachmittag darüber reden, was es in euch auslöst, darüber zu schreiben? Es scheint wichtig zu sein und es scheint Konflikte auszulösen… Liebe Grüße und bis später *** Blume

Das heißt, wir werden heute mit ihr über Dinge reden, die… ich weiß gar nicht. Uns zerstreuen, Angst auslösen, uns verwirren. Auch das mit dem Vertrag vom Orden… als ich das gelesen habe… ich kann mich vage erinnern, dass Frau Honig eine Kopie von diesem Vertrag gemacht hat, weil da ja auch die Namen der Gründer stehen (die in den USA allerdings sitzen) usw. Aber ich meine, den originalen Vertrag seitdem nie wieder gesehen zu haben. Ich weiß nicht, ob wir den diesem Frater zurück geschickt hatten. Weil er hatte es ja mit der Post an uns geschickt, wo sein Name und seine Postadresse stand. Und ich weiß noch, wie komisch wir das fanden, weil er ja eigentlich aus einer Körperschaft hier aus der Umgebung stammt, aber seine Absendeadresse war bei Berlin (ca, ich will nicht den genauen Standort nennen)… diesen Umschlag haben wir auf jeden Fall noch. Das weiß ich. Aber nicht den Originalvertrag, glaube ich…

Ich bin total verwirrt über das alles gerade…

Neujahrsvorsätze #1

Hier haben wir versucht über Neujahrsvorsätze zu reden und eigentlich hatten wir nicht geplant, dieses Video zu veröffentlichen, aaaaber da ist uns das erste Mal etwas auf Kamera passiert, was wir sonst noch nie aufgezeichnet haben. Manchmal merkt Frau Blume irgendwas in unserem Gesicht, was wir selber gar nicht merken, dass da grad was passiert äußerlich. Und genau das haben wir diesmal auf dem Video gesehen und sind total schockiert, weil da für ca. eine Sekunde unser Gesicht aussieht, als würde null Leben in dem Hirn stecken, als wäre da keine Intelligenz vorhanden, keiner Zuhause, nichts, einfach ciao. Das sah für uns selbst beim Anschauen sooo verstörend und komisch aus, dass wir das teilen wollten. EIgentlich wollten wir über die Neujahrsvorsätze die wir haben noch schreiben. Dieses Video hätte eigentlich für uns selbst als Vorlage gedient um Anhaltspunkte zu haben. Deshalb werden wir noch nen Eintrag darüber verfassen, was wir für kommendes Jahr in der Therapie bzw in unserem Innenleben planen oder vorhaben. Etwas genauer als im Video angeschnitten. Am Anfnag ist btw. irgendein Anteil im Außen, den wir nicht erkennen konnten und wo wir gerade so spontan auch keine Antwort kriegen. Aber wir haben das Video bisschen beschriftet damit man versteht was wir meinen. Ein Eintrag wegen der Vorsätze folgt dann noch. Wir müssen uns das inhaltlich noch im Kopf bisschen struktuieren, wie wir das erzählen wollen/können 🙂