Es geht eher bergauf (K)

Ich bin zurzeit, was mein äußerliches Umfeld angeht, ziemlich zufrieden. Gestern war meine Mum zu Besuch und irgendwie hatten wir eine echt schöne Zeit. Ich merke zunehmend, dass ich den Besuch meiner Eltern nur dann nicht genießen kann, wenn mein Vater mit dabei ist und habe dafür ein schlechtes Gewissen…

Meine Mutter und ich haben gestern zusammen gekocht. Das erste Mal in unserer eigenen Küche. Die ist zwar noch nicht ganz fertig, weil das Waschbecken fehlt und uns einige Standard Kleinigkeiten noch fehlen, aber es war möglich und irgendwie schön! Währenddessen haben wir nochmal die Wohnung umgeräumt. Die Couch an eine andere Wand geschoben, einige Schränke in Räumen ausgetauscht, etc. Es wird immer gemütlicher und ich} fühle mich immer mehr Zuhause, das ist wirklich schön!

Besonders als Lena am Samstag zu Besuch war, war ich wirklich so glücklich zu merken wie es sein wird oder sein könnte, wenn sie wirklich irgendwann hinterher zieht. Es ist wie wenn ein Kindheitstraum in Erfüllung geht. Mit einer „BFF“ zusammenziehen. Und die Freude ist wirklich so groß …

Außerdem haben wir letzte Woche im Direktorat aushelfen dürfen und das hat uns so gut getan. Auch die Probezeit im Spendenreferat ist gut. Wir haben einfach wirklich viel zu tun und ich finde es absolut großartig. Vermutlich setzen wir uns nächste Woche zusammen um zu besprechen, dass ich auch noch im Direktorat Stunden bekommen kann. Das würde mich überdimensional freuen.

Umso länger wir aus dieser WG raus sind, desto mehr blühen wir irgendwie auf. Unser Leben nimmt endlich wieder Fahrt auf, es geschehen Dinge, wir lernen Menschen kennen, wir haben wieder Inspiration zum Zeichnen, Malen, Musik machen, gehen wieder gerne spazieren und sind nicht mehr gereizt von Begegnungen. Ich denke, das Leben in dieser Einrichtung hat uns ganz und gar nicht gut getan. Freiheit ist ganz offensichtlich viel gesünder und wichtiger als Sicherheit. Klar waren wir vielleicht „beschützter“, aber ein Vogel, der in einem Käfig gefangen gehalten wird, nur damit er von keiner Katze gefressen werden soll, würde glaube ich auch lieber in Freiheit leben und riskieren von einer Katze gefressen zu werden, als ein Leben lang nicht fliegen zu dürfen.

Ein Teil von mir trauert sogar ein wenig den vielen Jahren hinterher, die wir so „weggesperrt“ waren. Es ist genau wie mit der Kindheit. Man kann Dinge nicht nachholen. Freunde die in unserem Alter sind haben ganz andere Dinge erlebt und unternehmen können als wird. Klar sind sie unter anderen Umständen aufgewachsen, aber wären wir nicht so von diesem „Helfersystem“ gefangen gewesen, hätten wir mit 18, 19, 20, 21 viel mehr auf unseren Beruf aufbauen können um Geld zu verdienen, wir hätten vielleicht reisen und gesunde Beziehungen aufbauen können (was in einem Umfeld mit ausschließlich psychisch Erkrankten nun einmal kaum bis gar nicht möglich ist). Es klingt diskriminierend, ist aber leider Fakt. Es ärgert mich. Jetzt sind wir bald Mitte Zwanzig und haben gefühlt die wertvollsten Jahre unseres Lebens… sie sind einfach weg. Und nichts kann sie uns zurückgeben.

Deshalb wollen wir jetzt aufholen. Wir wollen so gut wie alles aufholen, was wir nicht haben aufholen können/dürfen und irgendwie… macht das ziemlich Lust zum Leben…

Außerdem haben wir auch die Therapiezeiten geändert, so dass wir jetzt Freitags frei haben. Das ist in der Hinsicht gut, dass wir merken, dass wir uns Donnerstag viel mehr auf die Themen einlassen können, weil wir nicht das Gefühl haben am nächsten Tag funktionsfähig sein zu müssen, sondern drei Tage erholen können, sollten die Themen mal sehr tief/traumatisch werden.

Ich glaube, dass wir aus der WG raus sind, ist das Beste was uns je passieren konnte.

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