Wie regeln Menschen ihre Finanzen? (K)

In meiner Pause musste ich mich mal hinsetzen und auflisten, wie die nächsten Monate für uns aussehen. Da wir für die Küche noch ein Spülbecken brauchten und für die Jacken einen Garderobenhänger, habe ich die bestellt und kann sie auf 3 Monatsraten bezahlen. Obwohl ich die günstigsten Sachen rausgesucht habe (Spülbecken + Wasserhahn 140 Euro!!!) und auch den günstigsten Garderoben-Haken-was auch immer (20 Euro), ist das trotzdem noch verflucht teuer. Irgendwie finde ich es dreist, für z.b. einen Spülbecken und Wasserhahn so viel mehr zu verlangen als für eine kleine Wandgarderobe, die eigentlich nicht existenziell wichtiger als ein Spülbecken wäre…

Solange die drei Monatsraten laufen, sind wir sowieso ziemlich im Schwanken, aber im Dezember sind wir wenigstens für fast drei Wochen bei den Eltern, da können wir dann mit den Ausgaben für Essen und Hygiene Zeug sparen und das evtl für März weglegen. Im März habe ich nämlich nicht den geringsten Schimmer, wie wir das wuppen sollen. Ich frage mich wirklich wie andere Menschen, die jetzt zum Beispiel von Hartz IV leben, überhaupt überleben? Und die haben ja meistens auch noch Kinder PLUS Haustiere. Ich weiß, dass Jimmy uns viel kostet, aber es gibt gar nichts daran zu rütteln, wir können weder die OP-Versicherung, noch sein Tierarzt-Konto einfach auflösen, das wäre absolut verantwortungslos und dann müssten wir ihn abgeben, weil solche Menschen keine Haustiere halten sollten – meiner Meinung nach. Und ihn abgeben ist immerhin keine Option.

Dann haben wir überlegt, ob wir das Fitnessstudio doch streichen. Das würde uns 30 Euro einsparen, aber ich denke mir die ganze Zeit, dass das doch nicht wahr sein kann… dass wir nicht einmal einem einzigen Hobby nachgehen können-dürfen, weil wir kein Geld haben? Ich weiß, wir dürfen uns nicht beschweren, einen Hund zu halten war unsere freie Entscheidung und wir bereuen es nicht – allerdings hatten wir damals auch noch 10 Stunden mehr arbeiten, und somit auch mehr verdienen dürfen. Da hatten wir nie so gravierende finanzielle Sorgen. Ich kann einfach gar nicht verstehen, wie wir das die letzten zwei Jahre so durchgestanden haben (bevor wir unseren „Nebenverdienst“ hatten) – aber das wollen wir ja eigentlich auch nicht mehr. Aber haben wir eine andere Wahl? Die Entscheidung wäre ja: Entweder Jimmy abgeben oder prostituieren. Über diese Frage müssen wir aber nicht einmal nachdenken. Oder wir lassen es, wie es ist, aber wie zum Teufel lebt man dann? Vom JobCenter kriegen wie ja schon einen Zuschuss. Und wir werden hoffentlich auch noch fünf Stunden aufstocken dürfen in der Woche, aber das wird uns auch nicht viel helfen. Dann denke ich mir jedes Mal: In dieser Welt darf man nicht krank sein (psychisch), wenn man überleben möchte (existenziell – ohne auf Freunde, Freizeit und Familie verzichten zu müssen). Sollen wir vielleicht doch die Therapie beenden und 40 Stunden arbeiten – so tun, als wäre nie etwas gewesen? Ich denke schon, dass so etwas möglich ist. Millionen von Menschen schaffen es, sich zu überarbeiten und merken den Leistungsdruck gar nicht mehr. Das ist ja alles im Prinzip nur ein Gewöhnungseffekt. Aber unsere Chefin möchte ja gar nicht mehr als 15 Stunden in der Woche – wir seien in der Hinsicht arbeitstechnisch ausgelastet. Aber vielleicht könnte ich im Direktorat aushelfen. Dort hatte ich gestern helfen dürfen, weil Billy zu viel zu tun hatte, weil sie viele Leute vertreten musste, und ich muss zugeben, das hat mir Spaß gemacht. Das war eine angenehme Überforderung. Also keine negative… sondern genau richtig. Genau genug, um über nichts außer Arbeit nachdenken zu können, aber nicht so viel, dass wir in Stress geraten wären…

Vermutlich wird das unsere einzige Option sein… falls wir im Spendenreferat die 5 Stunden kriegen, könnten wir evtl. fragen, ob wir dann noch 10 oder 15 Stunden im Direktorat arbeiten dürften. Gut, dann hätten wir drei Jobs, aber zumindest hätten wir dann auch mehr Geld. Ist besser als mit irgendwelchen widerlichen Männern schlafen zu müssen. Selbst wenn das weitaus mehr Geld bringt – ich kann das nicht mehr… ich kann mich aktuell nicht dazu überwinden, obwohl mir täglich noch mehrere Männer schreiben, mit denen wir schon etwas hatten. Aber ich entschuldige mich jedes Mal mit „zu viel um die Ohren“, „keine Zeit“, „ich bin krank geworden“. Was ja nicht einmal gelogen ist, aber trotzdem keine Ausrede, denn in einer Stunde am Tag könnte ich 200 Euro einstecken. Nur 60 Minuten, in denen wir abstellen müssten… bewusst dissoziieren. Oder bzw. automatisch, denn bewusst eingesetzt haben wir das ja nicht. Ich kann mir zum Beispiel beim besten Willen nicht erklären, wie wir das mit dem einen dicken Österreicher in seinem BMW damals ausgehalten haben, denn dieser Geruch der uns direkt danach noch in der Nase hing… das war so grauenvoll, nur der Gedanke daran triggert schon irgendwas und lässt mich vorstellen, wie wir uns die Haut abreißen und unter heißes Wasser stellen müssen, um das auszuhalten – oder nicht aushalten zu müssen. Aber während dieser einen Stunde haben wir nichts dabei gefühlt. Es lief einfach wie in einem schlechten Film, als hätte ich mich} aus irgendeiner Ecke im Auto beobachtet. Ich} habe mir nicht den geringsten Ekel ansehen lassen. Wie zum Teufel ist so etwas möglich? Ich frage mich, ob wir uns einfach zu viele Gedanken darum machen im vornerein – und es nicht einfach tun sollten, ohne nachzudenken. Denn damit leben können wir ja. Es hat nichts verändert psychisch. Wir fühlen uns dadurch nicht schlechter – aber dafür konnten wir über den Monat kommen. Und uns sogar Kaffee und Kuchen und Besuche bei Freunden leisten…

Ich bin echt total verwirrt weil ich mir nicht erklären kann, wie Menschen, die kein Geld haben und an Traumafolgen leiden, überhaupt leben können. Man darf doch gar nicht eine Traumafolge haben, sowas gibt es doch gar nicht, wenn man existenziell irgendwie über die Runden kommen möchte, oder?… aaaah…

Ein Kommentar zu „Wie regeln Menschen ihre Finanzen? (K)

  1. *umärmel* wenn gemocht.
    das liegt nicht an euch. wir haben ja unseren mann, sonst wären wir auch ziemlich gefickt. und ich seh auf twitter regelmäßig, dass menschen hart kämpfen und unfassbar sparen und so luxus wie soz teilhabe und kram einfach nicht drin sind. es ist zum kotzen.

    Gefällt 2 Personen

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