Ganz schön paradox diese Jahreszeit… (K)

Ich bin durcheinander. Als ich gestern einkaufen gegangen bin nach der Arbeit, ist mir aufgefallen, dass es mir sehr gut geht. Der Geruch von Winter, der erste Schnee der liegen geblieben ist, das Rutschen auf dem eisigen Boden, die Kälte, das alles hat mich irgendwie aufgemuntert. Dabei habe ich darüber nachgedacht, wie schräg das eigentlich ist, wo eine Woche vorher noch alle erdenklichen PTBS-Symptome den ganzen Tag da waren. Die sind wie ausgelöscht. Ich habe zwar aktuell noch Erinnerungen an so vereinzelte Sachen (die „Pop-Up-Benachrichtigungen“ im Frontallappen), aber die sind nicht mehr belastend, höchstens merkwürdig.

Gestern, als wir mit Toni abends dann noch einmal einkaufen gegangen sind, waren plötzlich sogar Lou und Max im außen, so wie wir es normalerweise eben kennen – und sind den ganzen Weg bis zum Rewe an der Straße entlang geschlittert (sie war gefroren). So, dass Toni uns die ganze Zeit am Rucksack festgehalten hat, aus Angst, dass wir auf die Straße fallen, die ausgerechnet auch noch die Hauptstraße ist. An den Einkauf selber kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Im Kontakt mit Lou und Max kann ich mich darüber austauschen, aber ich war ab dem Punkt, wo man zum Müller einbiegt, nicht mehr im Co-Bewusstsein.

Letzte Woche hatten wir übrigens eine Video-Sitzung mit Frau Blume, die sehr gut war. Ich bin nur überrascht, wie wir letzte Woche hinbekommen haben. Eigentlich waren wir sehr krank (erkältet) und hatten uns am Montag krankschreiben müssen, weil wir Samstag vor einer Woche nicht einmal aus dem Bett raus konnten. Wir hatten allerdings für Montag einen Hautarzt Termin ausgemacht, auf den wir über einen Monat gewartet hatten und den wir auf keinen Fall absagen wollten. Also sind wir nach dem Hausarzt Besuch noch zum Haut-Arzt gefahren und waren somit den ganzen Tag unterwegs (Zugfahrt). Am Dienstag kann ich mich nicht erinnern, was wir genau gemacht haben. Ich glaube, da haben Toni und ich die ganze Wohnung „leer“ geräumt, und wir haben den ganzen Tag damit verbracht mit sieben verschiedenen Leuten aus E-Bay einen Zeitpunkt zu vereinbaren und die Abholung von 16:30 – 19:00 Uhr zu organisieren, was gar nicht so einfach war, weil Toni zwar einen Führerschein, aber kein Auto – und schon gar keinen Hänger – hat und wir beide nicht das Geld, um uns so etwas zu mieten. Also mussten wir doppelt organisieren und das war echt aufwendig und nervenzerreibend, weil wir das schon eine Woche lang versucht hatten. Erst wollte Mona uns helfen, aber dann hat sie Dienstag ihren Impftermin bekommen, dann fragten wir beim Fuhrpark unserer Einrichtung an, da wäre das Mieten eines Busses günstiger als irgendwo anders, aber dann bekamen wir Freitag, also am 19.11. einen Anruf, dass der Bus defekt ist und wir mussten wieder etwas neus organisieren und wieder allen Menschen bei Ebay absagen… dann riefen wir bei einem anderen Unternehmen an, das auch eine Tochterfirma unserer Arbeitgebers ist, die hätten einen passenden (und auch günstigen) Transporter gehabt, wofür wir dann zwar auf Jimmys Tierarztkonto hätten zugreifen müssen, für die 150 Euro Kaution, aber die wären ja wieder zurück gekommen. Nur war dann das Problem, dass dieses Unternehmen 15 km entfernt war und, nach wie vor, Toni kein Auto hat und wir niemanden gefunden haben, der uns hätte fahren können, um diesen Transporter abzuholen… letzten Endes hat dann der Chef von Toni gesagt, dass er nach der Arbeit ab 16 Uhr mit uns die Sachen abholt, weil er einen Transporter hat. Die E-Bay Leute waren schon entnervt von dem ganzen hin und her. Fragt mich} mal. Ich hatte gar keine Lust mehr. Am Mittwoch waren wir dann also unterwegs, einen Haufen Möbel abholen. Bis 19:30 Uhr hatten wir es geschafft und das war auch stressig, da wir erst bei einer Familie vorbei mussten, die Kleinkinder hat, eine andere Frau aber die ganze Zeit gestresst hat, wir sollten doch bitte bis spätestens 19 Uhr da sein. Ich war soooo entnervt. Wir sind den ganzen Nachmittag von A nach B gefahren, ohne Pause und waren am Ende (mit Möbel abladen), erst um 22:00 Uhr fertig. Wir sind um 22:30 Uhr tot ins Bett gefallen. Donnerstag sollten dann Leute von Hermes zwischen 7 und 11 Uhr kommen, um unseren Schrank zu bringen und aufzubauen. Wir konnten die Nacht nicht schlafen und ab 3:30 Uhr konnten wir nihct mehr einschlafen, also sind wir wach geblieben – todmüde. Die Hermes Leute waren dann aber erst um 14 Uhr da. Alles okay, wir regen uns über solche Sachen nicht wirklich auf. Um 16 Uhr waren sie mit dem Aufbau fertig und wir mussten unseren Schrank erst einmal einräumen, um 16:30 Uhr hatten wir dann aber die Videotherapie mit Frau Blume, in der wir über die Beziehung zu Severin gesprochen haben. Danach haben wir den Schrank weiter eingeräumt und waren um 20 Uhr ca. fertig.

Am Freitag hat es uns dann noch einmal komplett zerlegt. Wir sind wieder richtig krank geworden und haben uns dann mit Müller-Produkten zugedeckt Vitamine, Erkältungs-Syrups, Tee’s, usw. Toni und unser Vermieter haben währenddessen den ganzen Tag die Küche eingebaut, wo sie hin und wieder unsere Hilfe gebraucht haben, also da konnten wir auch nicht so wirklich kurieren, aber irgendwie sind wir dann doch gesund geworden. Am Samstag kam dann Severin.

Es war ein außerordentlich seltsames Wochenende mit ihm. Wir hatten uns fünf Wochen nicht gesehen, dazwischen war dieses furchtbare „Gespräch“ über Signal und eine emotionale Distanz… Wir waren letzte Woche auch sehr entschlossen uns zu trennen, vor allem nach dem Gespräch mit Frau Blume, das uns viel Klarheit geschafft hat. Wir möchten uns in einer Beziehung nicht klein fühlen. Am Wochenende war es dann seltsam, weil mich einiges an Severin gestört hat. Seine Wut und Gehässigkeit gegen die *ona-Politik und die Deutschen, die nichts gegen die offene Diskriminierung unternehmen. Toni und Severin haben sich lange darüber unterhalten, wir saßen nur daneben und haben zugehört. Uns ärgert das auch alles und macht sehr vieles wütend, aber es bringt nichts, das tot zu diskutieren. Ich sehe vieles wie Severin, aber Gehässigkeit bringt nichts. Es kostet nur Energie. Er verstand nicht, wieso die Deutschen keine Sammelklage verfassen, wie in anderen Ländern auch, wo dann viele Maßnahmen nicht greifen können, weil sie eben nicht in Ordnung sind. Als wir uns, während Toni und Severin darüber diskutierten, informierten, lasen wir wie viele Klagen es eigentlich schon gab und als ich das alles las, hat mich mein Gefühl, was den Deutschen Staat angeht, noch viel mehr frustriert, beängstigt und verärgert. Zum Beispiel:

(…) Dazu kamen seit Ausbruch der Pandemie 468 Verfassungsbeschwerden, die zusammen mit einem Eilantrag eingereicht wurden. Hier sind 372 bereits entschieden – lediglich ein Eilantrag hatte Erfolg. Aus dem Jahr 2020 sind nur noch drei Verfahren offen, aus 2021 sind es 93. Insgesamt waren beim Gericht Ende Juli noch 178 von ursprünglich einmal 696 Verfassungsklagen anhängig. Hier sind sämtliche Verfahren mitgerechnet, unabhängig davon ob es einen Eilantrag gab oder nicht. (…)

Mir hat das als Leser das Gefühl gegeben: Dem Deutschen Staat sind die Anliegen ihrer Bürger sch*egal, sie nehmen sich nur raus, was in IHR Gesetz passt – das sie biegen wie sie wollen.

Ich habe die Seiten geschlossen und gar nicht weiter gelesen. Ich will mich mit der Politik (egal welches Land und welches Thema) nicht befassen. Seit es *ona gibt, fühlt sich für mich nichts mehr nach „Freistaat“ an. Aber darüber haben wir hier im Blog noch nie geschrieben und wollen auch gar nicht damit anfangen. Wir haben genug andere Probleme, auch wenn die Diskriminierung nicht gerade hilfreich ist – u.a. dass wir aktuell nicht einmal mehr zur Therapie fahren können/dürfen.

Jedenfalls, abgesehen davon, fanden wir auch blöd, wie er manchmal Bemerkungen über Jimmy gemacht hat. Er zeigt ganz deutlich, dass er nicht sein bester Freund wird. Aber seis drum. Wir stehen hinter unserem Hund und der ist und bleibt auf Platz 1. Tagsüber hatten wir die ganze Zeit das Gefühl, ihn unterhalten zu müssen und ich glaube, das ist ein Problem an Fernbeziehungen. Ich möchte meinen Partner nicht unterhalten und beschäftigen und jedes Mal „tolle Sachen planen“ (was aktuell eh nicht möglich ist) – sondern auch mal einen Alltag einkehren lassen. Und ich habe gemerkt, diese Routine-Sachen haben sich dann wiederum sehr richtig und gut mit ihm angefühlt. Das Abendessen, das Frühstücken, das Kuscheln und gemeinsame Lesen. Wir gehen mittlerweile sogar zusammen duschen, er hat uns, als wir dann zitternd im Handtuch standen nach dem Waschen, die Zähne geputzt, was auch wieder witzig und irgendwie total die Couple-Vibes waren und wir haben schon auch sehr schöne Momente mit ihm. Besonders eben das zu Bett gehen und Aufwachen sind sehr schön. Auch wenn wir uns 5 Wochen nicht gesehen haben, unsere Körper sind wie Puzzleteilchen, die sich schon total aneinander gepasst haben. Egal in welcher Position wir liegen, es ist gemütlich und fühlt sich geborgen an und in solchen Momenten vergessen wir dann, dass der Tag eigentlich eher blöd und unangenehm oder schräg war.

Wir haben uns also nicht getrennt und ich habe keine Ahnung, was ich von der Beziehung halten soll, weil ich faktisch sehe, dass wir eigentlich „nur“ körperlich extrem abhängig von ihm sind. Diese Momente die diese Routinen im Alltag unterstreichen, die fühlen sich einfach zu gut an, als dass wir sie aufgeben wollen… ach, ist das seltsam. Ich habe keine Ahnung… und will auch dazu aktuell keine Entscheidung treffen.

Alles in Allem ist alles aktuell irgendwie ziemlich schräg. Ach so, und gestern sind wir dann beim Einkaufen einem ehemaligen Betreuer aus der Jugendhilfe über den Weg gelaufen, mit dem wir früher auch Lieder aufgenommen haben. Wir sind zu ihm und haben kurz gequatscht und dann meinte er, dass wir uns in der Arbeit einen ganz schönen Namen gemacht hätten. Mir hat sich da sofort der Magen zusammengezogen, weil nach allem, was passiert ist und was man über mich weiß, es bestimmt nichts Gutes ist und ich eher mit Geläster gerechnet hätte, wie: „Die ultra-gestörte, die niemals ihr Leben auf die Reihe bekommt“ etc. Aber sattdessen meinte er im selben Satz, dass man mich in den Gesprächskreisen (= zum Beispiel Versammlungen von PR-Beauftragten usw) in hohen Tönen loben würde und er klang dabei ganz stolz. So wie: „Ja, das war mal meine Jugendliche“. Und ich meinte zu ihm, das würde mich sehr überraschen, weil ich nicht wusste, dass man so über mich sprechen würde, lediglich weiß ich von meiner Chefin, weil sie das oft sagt dass sie mich} nicht hergeben wolle. Wenn in Gesprächskreisen wirklich über mich gesprochen werden sollte, dann könnte ich ihre Äußerungen dazu jetzt auch mehr verstehen, aber ich bin überrascht, weil der Direktor so oft Andeutungen macht, wir seien zu oft krank, nicht leistungsfähig genug, etc. pp. – wenn wir mehr Stunden wollten, müsse er sich auf eine verlässliche Mitarbeiterin einstellen können…. Das klingt jetzt alles sehr negativ für ihn, er meint es eigentlich sehr gut mit uns und er hilft uns verdammt oft aus der Patsche. Aber mich wundert einfach diese Ambivalenz unsere Umfelds. Oder wir nehmen uns einfach viel furchtbarer wahr, als wie wir wirklich sind. Ich hab keine Ahnung. Auch darüber kann ich aktuell nicht nachdenken und Gott sei Dank müssen wir in dem Fall auch keine Entscheidungen treffen.

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