Wie regeln Menschen ihre Finanzen? (K)

In meiner Pause musste ich mich mal hinsetzen und auflisten, wie die nächsten Monate für uns aussehen. Da wir für die Küche noch ein Spülbecken brauchten und für die Jacken einen Garderobenhänger, habe ich die bestellt und kann sie auf 3 Monatsraten bezahlen. Obwohl ich die günstigsten Sachen rausgesucht habe (Spülbecken + Wasserhahn 140 Euro!!!) und auch den günstigsten Garderoben-Haken-was auch immer (20 Euro), ist das trotzdem noch verflucht teuer. Irgendwie finde ich es dreist, für z.b. einen Spülbecken und Wasserhahn so viel mehr zu verlangen als für eine kleine Wandgarderobe, die eigentlich nicht existenziell wichtiger als ein Spülbecken wäre…

Solange die drei Monatsraten laufen, sind wir sowieso ziemlich im Schwanken, aber im Dezember sind wir wenigstens für fast drei Wochen bei den Eltern, da können wir dann mit den Ausgaben für Essen und Hygiene Zeug sparen und das evtl für März weglegen. Im März habe ich nämlich nicht den geringsten Schimmer, wie wir das wuppen sollen. Ich frage mich wirklich wie andere Menschen, die jetzt zum Beispiel von Hartz IV leben, überhaupt überleben? Und die haben ja meistens auch noch Kinder PLUS Haustiere. Ich weiß, dass Jimmy uns viel kostet, aber es gibt gar nichts daran zu rütteln, wir können weder die OP-Versicherung, noch sein Tierarzt-Konto einfach auflösen, das wäre absolut verantwortungslos und dann müssten wir ihn abgeben, weil solche Menschen keine Haustiere halten sollten – meiner Meinung nach. Und ihn abgeben ist immerhin keine Option.

Dann haben wir überlegt, ob wir das Fitnessstudio doch streichen. Das würde uns 30 Euro einsparen, aber ich denke mir die ganze Zeit, dass das doch nicht wahr sein kann… dass wir nicht einmal einem einzigen Hobby nachgehen können-dürfen, weil wir kein Geld haben? Ich weiß, wir dürfen uns nicht beschweren, einen Hund zu halten war unsere freie Entscheidung und wir bereuen es nicht – allerdings hatten wir damals auch noch 10 Stunden mehr arbeiten, und somit auch mehr verdienen dürfen. Da hatten wir nie so gravierende finanzielle Sorgen. Ich kann einfach gar nicht verstehen, wie wir das die letzten zwei Jahre so durchgestanden haben (bevor wir unseren „Nebenverdienst“ hatten) – aber das wollen wir ja eigentlich auch nicht mehr. Aber haben wir eine andere Wahl? Die Entscheidung wäre ja: Entweder Jimmy abgeben oder prostituieren. Über diese Frage müssen wir aber nicht einmal nachdenken. Oder wir lassen es, wie es ist, aber wie zum Teufel lebt man dann? Vom JobCenter kriegen wie ja schon einen Zuschuss. Und wir werden hoffentlich auch noch fünf Stunden aufstocken dürfen in der Woche, aber das wird uns auch nicht viel helfen. Dann denke ich mir jedes Mal: In dieser Welt darf man nicht krank sein (psychisch), wenn man überleben möchte (existenziell – ohne auf Freunde, Freizeit und Familie verzichten zu müssen). Sollen wir vielleicht doch die Therapie beenden und 40 Stunden arbeiten – so tun, als wäre nie etwas gewesen? Ich denke schon, dass so etwas möglich ist. Millionen von Menschen schaffen es, sich zu überarbeiten und merken den Leistungsdruck gar nicht mehr. Das ist ja alles im Prinzip nur ein Gewöhnungseffekt. Aber unsere Chefin möchte ja gar nicht mehr als 15 Stunden in der Woche – wir seien in der Hinsicht arbeitstechnisch ausgelastet. Aber vielleicht könnte ich im Direktorat aushelfen. Dort hatte ich gestern helfen dürfen, weil Billy zu viel zu tun hatte, weil sie viele Leute vertreten musste, und ich muss zugeben, das hat mir Spaß gemacht. Das war eine angenehme Überforderung. Also keine negative… sondern genau richtig. Genau genug, um über nichts außer Arbeit nachdenken zu können, aber nicht so viel, dass wir in Stress geraten wären…

Vermutlich wird das unsere einzige Option sein… falls wir im Spendenreferat die 5 Stunden kriegen, könnten wir evtl. fragen, ob wir dann noch 10 oder 15 Stunden im Direktorat arbeiten dürften. Gut, dann hätten wir drei Jobs, aber zumindest hätten wir dann auch mehr Geld. Ist besser als mit irgendwelchen widerlichen Männern schlafen zu müssen. Selbst wenn das weitaus mehr Geld bringt – ich kann das nicht mehr… ich kann mich aktuell nicht dazu überwinden, obwohl mir täglich noch mehrere Männer schreiben, mit denen wir schon etwas hatten. Aber ich entschuldige mich jedes Mal mit „zu viel um die Ohren“, „keine Zeit“, „ich bin krank geworden“. Was ja nicht einmal gelogen ist, aber trotzdem keine Ausrede, denn in einer Stunde am Tag könnte ich 200 Euro einstecken. Nur 60 Minuten, in denen wir abstellen müssten… bewusst dissoziieren. Oder bzw. automatisch, denn bewusst eingesetzt haben wir das ja nicht. Ich kann mir zum Beispiel beim besten Willen nicht erklären, wie wir das mit dem einen dicken Österreicher in seinem BMW damals ausgehalten haben, denn dieser Geruch der uns direkt danach noch in der Nase hing… das war so grauenvoll, nur der Gedanke daran triggert schon irgendwas und lässt mich vorstellen, wie wir uns die Haut abreißen und unter heißes Wasser stellen müssen, um das auszuhalten – oder nicht aushalten zu müssen. Aber während dieser einen Stunde haben wir nichts dabei gefühlt. Es lief einfach wie in einem schlechten Film, als hätte ich mich} aus irgendeiner Ecke im Auto beobachtet. Ich} habe mir nicht den geringsten Ekel ansehen lassen. Wie zum Teufel ist so etwas möglich? Ich frage mich, ob wir uns einfach zu viele Gedanken darum machen im vornerein – und es nicht einfach tun sollten, ohne nachzudenken. Denn damit leben können wir ja. Es hat nichts verändert psychisch. Wir fühlen uns dadurch nicht schlechter – aber dafür konnten wir über den Monat kommen. Und uns sogar Kaffee und Kuchen und Besuche bei Freunden leisten…

Ich bin echt total verwirrt weil ich mir nicht erklären kann, wie Menschen, die kein Geld haben und an Traumafolgen leiden, überhaupt leben können. Man darf doch gar nicht eine Traumafolge haben, sowas gibt es doch gar nicht, wenn man existenziell irgendwie über die Runden kommen möchte, oder?… aaaah…

Ganz schön paradox diese Jahreszeit… (K)

Ich bin durcheinander. Als ich gestern einkaufen gegangen bin nach der Arbeit, ist mir aufgefallen, dass es mir sehr gut geht. Der Geruch von Winter, der erste Schnee der liegen geblieben ist, das Rutschen auf dem eisigen Boden, die Kälte, das alles hat mich irgendwie aufgemuntert. Dabei habe ich darüber nachgedacht, wie schräg das eigentlich ist, wo eine Woche vorher noch alle erdenklichen PTBS-Symptome den ganzen Tag da waren. Die sind wie ausgelöscht. Ich habe zwar aktuell noch Erinnerungen an so vereinzelte Sachen (die „Pop-Up-Benachrichtigungen“ im Frontallappen), aber die sind nicht mehr belastend, höchstens merkwürdig.

Gestern, als wir mit Toni abends dann noch einmal einkaufen gegangen sind, waren plötzlich sogar Lou und Max im außen, so wie wir es normalerweise eben kennen – und sind den ganzen Weg bis zum Rewe an der Straße entlang geschlittert (sie war gefroren). So, dass Toni uns die ganze Zeit am Rucksack festgehalten hat, aus Angst, dass wir auf die Straße fallen, die ausgerechnet auch noch die Hauptstraße ist. An den Einkauf selber kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Im Kontakt mit Lou und Max kann ich mich darüber austauschen, aber ich war ab dem Punkt, wo man zum Müller einbiegt, nicht mehr im Co-Bewusstsein.

Letzte Woche hatten wir übrigens eine Video-Sitzung mit Frau Blume, die sehr gut war. Ich bin nur überrascht, wie wir letzte Woche hinbekommen haben. Eigentlich waren wir sehr krank (erkältet) und hatten uns am Montag krankschreiben müssen, weil wir Samstag vor einer Woche nicht einmal aus dem Bett raus konnten. Wir hatten allerdings für Montag einen Hautarzt Termin ausgemacht, auf den wir über einen Monat gewartet hatten und den wir auf keinen Fall absagen wollten. Also sind wir nach dem Hausarzt Besuch noch zum Haut-Arzt gefahren und waren somit den ganzen Tag unterwegs (Zugfahrt). Am Dienstag kann ich mich nicht erinnern, was wir genau gemacht haben. Ich glaube, da haben Toni und ich die ganze Wohnung „leer“ geräumt, und wir haben den ganzen Tag damit verbracht mit sieben verschiedenen Leuten aus E-Bay einen Zeitpunkt zu vereinbaren und die Abholung von 16:30 – 19:00 Uhr zu organisieren, was gar nicht so einfach war, weil Toni zwar einen Führerschein, aber kein Auto – und schon gar keinen Hänger – hat und wir beide nicht das Geld, um uns so etwas zu mieten. Also mussten wir doppelt organisieren und das war echt aufwendig und nervenzerreibend, weil wir das schon eine Woche lang versucht hatten. Erst wollte Mona uns helfen, aber dann hat sie Dienstag ihren Impftermin bekommen, dann fragten wir beim Fuhrpark unserer Einrichtung an, da wäre das Mieten eines Busses günstiger als irgendwo anders, aber dann bekamen wir Freitag, also am 19.11. einen Anruf, dass der Bus defekt ist und wir mussten wieder etwas neus organisieren und wieder allen Menschen bei Ebay absagen… dann riefen wir bei einem anderen Unternehmen an, das auch eine Tochterfirma unserer Arbeitgebers ist, die hätten einen passenden (und auch günstigen) Transporter gehabt, wofür wir dann zwar auf Jimmys Tierarztkonto hätten zugreifen müssen, für die 150 Euro Kaution, aber die wären ja wieder zurück gekommen. Nur war dann das Problem, dass dieses Unternehmen 15 km entfernt war und, nach wie vor, Toni kein Auto hat und wir niemanden gefunden haben, der uns hätte fahren können, um diesen Transporter abzuholen… letzten Endes hat dann der Chef von Toni gesagt, dass er nach der Arbeit ab 16 Uhr mit uns die Sachen abholt, weil er einen Transporter hat. Die E-Bay Leute waren schon entnervt von dem ganzen hin und her. Fragt mich} mal. Ich hatte gar keine Lust mehr. Am Mittwoch waren wir dann also unterwegs, einen Haufen Möbel abholen. Bis 19:30 Uhr hatten wir es geschafft und das war auch stressig, da wir erst bei einer Familie vorbei mussten, die Kleinkinder hat, eine andere Frau aber die ganze Zeit gestresst hat, wir sollten doch bitte bis spätestens 19 Uhr da sein. Ich war soooo entnervt. Wir sind den ganzen Nachmittag von A nach B gefahren, ohne Pause und waren am Ende (mit Möbel abladen), erst um 22:00 Uhr fertig. Wir sind um 22:30 Uhr tot ins Bett gefallen. Donnerstag sollten dann Leute von Hermes zwischen 7 und 11 Uhr kommen, um unseren Schrank zu bringen und aufzubauen. Wir konnten die Nacht nicht schlafen und ab 3:30 Uhr konnten wir nihct mehr einschlafen, also sind wir wach geblieben – todmüde. Die Hermes Leute waren dann aber erst um 14 Uhr da. Alles okay, wir regen uns über solche Sachen nicht wirklich auf. Um 16 Uhr waren sie mit dem Aufbau fertig und wir mussten unseren Schrank erst einmal einräumen, um 16:30 Uhr hatten wir dann aber die Videotherapie mit Frau Blume, in der wir über die Beziehung zu Severin gesprochen haben. Danach haben wir den Schrank weiter eingeräumt und waren um 20 Uhr ca. fertig.

Am Freitag hat es uns dann noch einmal komplett zerlegt. Wir sind wieder richtig krank geworden und haben uns dann mit Müller-Produkten zugedeckt Vitamine, Erkältungs-Syrups, Tee’s, usw. Toni und unser Vermieter haben währenddessen den ganzen Tag die Küche eingebaut, wo sie hin und wieder unsere Hilfe gebraucht haben, also da konnten wir auch nicht so wirklich kurieren, aber irgendwie sind wir dann doch gesund geworden. Am Samstag kam dann Severin.

Es war ein außerordentlich seltsames Wochenende mit ihm. Wir hatten uns fünf Wochen nicht gesehen, dazwischen war dieses furchtbare „Gespräch“ über Signal und eine emotionale Distanz… Wir waren letzte Woche auch sehr entschlossen uns zu trennen, vor allem nach dem Gespräch mit Frau Blume, das uns viel Klarheit geschafft hat. Wir möchten uns in einer Beziehung nicht klein fühlen. Am Wochenende war es dann seltsam, weil mich einiges an Severin gestört hat. Seine Wut und Gehässigkeit gegen die *ona-Politik und die Deutschen, die nichts gegen die offene Diskriminierung unternehmen. Toni und Severin haben sich lange darüber unterhalten, wir saßen nur daneben und haben zugehört. Uns ärgert das auch alles und macht sehr vieles wütend, aber es bringt nichts, das tot zu diskutieren. Ich sehe vieles wie Severin, aber Gehässigkeit bringt nichts. Es kostet nur Energie. Er verstand nicht, wieso die Deutschen keine Sammelklage verfassen, wie in anderen Ländern auch, wo dann viele Maßnahmen nicht greifen können, weil sie eben nicht in Ordnung sind. Als wir uns, während Toni und Severin darüber diskutierten, informierten, lasen wir wie viele Klagen es eigentlich schon gab und als ich das alles las, hat mich mein Gefühl, was den Deutschen Staat angeht, noch viel mehr frustriert, beängstigt und verärgert. Zum Beispiel:

(…) Dazu kamen seit Ausbruch der Pandemie 468 Verfassungsbeschwerden, die zusammen mit einem Eilantrag eingereicht wurden. Hier sind 372 bereits entschieden – lediglich ein Eilantrag hatte Erfolg. Aus dem Jahr 2020 sind nur noch drei Verfahren offen, aus 2021 sind es 93. Insgesamt waren beim Gericht Ende Juli noch 178 von ursprünglich einmal 696 Verfassungsklagen anhängig. Hier sind sämtliche Verfahren mitgerechnet, unabhängig davon ob es einen Eilantrag gab oder nicht. (…)

Mir hat das als Leser das Gefühl gegeben: Dem Deutschen Staat sind die Anliegen ihrer Bürger sch*egal, sie nehmen sich nur raus, was in IHR Gesetz passt – das sie biegen wie sie wollen.

Ich habe die Seiten geschlossen und gar nicht weiter gelesen. Ich will mich mit der Politik (egal welches Land und welches Thema) nicht befassen. Seit es *ona gibt, fühlt sich für mich nichts mehr nach „Freistaat“ an. Aber darüber haben wir hier im Blog noch nie geschrieben und wollen auch gar nicht damit anfangen. Wir haben genug andere Probleme, auch wenn die Diskriminierung nicht gerade hilfreich ist – u.a. dass wir aktuell nicht einmal mehr zur Therapie fahren können/dürfen.

Jedenfalls, abgesehen davon, fanden wir auch blöd, wie er manchmal Bemerkungen über Jimmy gemacht hat. Er zeigt ganz deutlich, dass er nicht sein bester Freund wird. Aber seis drum. Wir stehen hinter unserem Hund und der ist und bleibt auf Platz 1. Tagsüber hatten wir die ganze Zeit das Gefühl, ihn unterhalten zu müssen und ich glaube, das ist ein Problem an Fernbeziehungen. Ich möchte meinen Partner nicht unterhalten und beschäftigen und jedes Mal „tolle Sachen planen“ (was aktuell eh nicht möglich ist) – sondern auch mal einen Alltag einkehren lassen. Und ich habe gemerkt, diese Routine-Sachen haben sich dann wiederum sehr richtig und gut mit ihm angefühlt. Das Abendessen, das Frühstücken, das Kuscheln und gemeinsame Lesen. Wir gehen mittlerweile sogar zusammen duschen, er hat uns, als wir dann zitternd im Handtuch standen nach dem Waschen, die Zähne geputzt, was auch wieder witzig und irgendwie total die Couple-Vibes waren und wir haben schon auch sehr schöne Momente mit ihm. Besonders eben das zu Bett gehen und Aufwachen sind sehr schön. Auch wenn wir uns 5 Wochen nicht gesehen haben, unsere Körper sind wie Puzzleteilchen, die sich schon total aneinander gepasst haben. Egal in welcher Position wir liegen, es ist gemütlich und fühlt sich geborgen an und in solchen Momenten vergessen wir dann, dass der Tag eigentlich eher blöd und unangenehm oder schräg war.

Wir haben uns also nicht getrennt und ich habe keine Ahnung, was ich von der Beziehung halten soll, weil ich faktisch sehe, dass wir eigentlich „nur“ körperlich extrem abhängig von ihm sind. Diese Momente die diese Routinen im Alltag unterstreichen, die fühlen sich einfach zu gut an, als dass wir sie aufgeben wollen… ach, ist das seltsam. Ich habe keine Ahnung… und will auch dazu aktuell keine Entscheidung treffen.

Alles in Allem ist alles aktuell irgendwie ziemlich schräg. Ach so, und gestern sind wir dann beim Einkaufen einem ehemaligen Betreuer aus der Jugendhilfe über den Weg gelaufen, mit dem wir früher auch Lieder aufgenommen haben. Wir sind zu ihm und haben kurz gequatscht und dann meinte er, dass wir uns in der Arbeit einen ganz schönen Namen gemacht hätten. Mir hat sich da sofort der Magen zusammengezogen, weil nach allem, was passiert ist und was man über mich weiß, es bestimmt nichts Gutes ist und ich eher mit Geläster gerechnet hätte, wie: „Die ultra-gestörte, die niemals ihr Leben auf die Reihe bekommt“ etc. Aber sattdessen meinte er im selben Satz, dass man mich in den Gesprächskreisen (= zum Beispiel Versammlungen von PR-Beauftragten usw) in hohen Tönen loben würde und er klang dabei ganz stolz. So wie: „Ja, das war mal meine Jugendliche“. Und ich meinte zu ihm, das würde mich sehr überraschen, weil ich nicht wusste, dass man so über mich sprechen würde, lediglich weiß ich von meiner Chefin, weil sie das oft sagt dass sie mich} nicht hergeben wolle. Wenn in Gesprächskreisen wirklich über mich gesprochen werden sollte, dann könnte ich ihre Äußerungen dazu jetzt auch mehr verstehen, aber ich bin überrascht, weil der Direktor so oft Andeutungen macht, wir seien zu oft krank, nicht leistungsfähig genug, etc. pp. – wenn wir mehr Stunden wollten, müsse er sich auf eine verlässliche Mitarbeiterin einstellen können…. Das klingt jetzt alles sehr negativ für ihn, er meint es eigentlich sehr gut mit uns und er hilft uns verdammt oft aus der Patsche. Aber mich wundert einfach diese Ambivalenz unsere Umfelds. Oder wir nehmen uns einfach viel furchtbarer wahr, als wie wir wirklich sind. Ich hab keine Ahnung. Auch darüber kann ich aktuell nicht nachdenken und Gott sei Dank müssen wir in dem Fall auch keine Entscheidungen treffen.

Trennungen planen

Ich kann einfach nicht glauben, dass uns das wirklich passiert ist und wir das jetzt erst merken. Ich denke, der Chatverlauf vor eineinhalb Wochen mit Severin hat uns sehr geprägt. Wir hatten zwar vorletztes Wochenende sogar telefoniert und darüber diskutiert/gesprochen, aber am Ende des Gesprächs merkte ich, ich war nicht mehr wütend, weil er alles irgendwie erklären konnte. So, dass ich mir klar wurde: Hey, wir haben wohl wirklich überreagiert. Seine Begründungen sind total logisch, etc. pp.

Paar Tage später, und selbst heute noch, denke ich über den Chatverlauf nach und immer wieder kam mir irgendwas bitter vor. Auch, wenn seine Erklärungen alle plausibel waren und er am Telefon wie ein Unschuldslamm gesprochen hat, der nur das Beste möchte und nur Lösungen, keinen Streit will und ja alles nicht böse meint und ich alles nur falsch verstanden hätte… einige Aussagen von ihm sind doch irgendwie unverzeihlich gewesen. Wir konnten irgendwie unserer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen. Das ist ja nichts Neues. Seit wir ihn kennen zweifeln wir ja an vielem, was wir denken oder wie wir denken, weil er alles so logisch und unkompliziert erklärt, bis wir uns überhaupt fragen, was überhaupt unser Problem ist. Die ersten Wochen war das traumhaft für uns, weil wir ja dadurch auch etwas losgelöster waren – nur klar, die Probleme verschwinden nicht, denn ganz offensichtlich existieren sie, selbst wenn Sev es schafft sie super einfach aussehen zu lassen. Oder als gar nicht vorhanden.

Gemerkt haben wir das aber erst in der letzten Woche. Ich kann nicht verstehen, dass wir so verliebt waren, dass wir diese Manipulation nicht erkennen konnten. Viel, viel, viel erschreckender finden wir aber, dass jeder mit dem wir geschrieben und bei dem wir nach Rat gefragt haben, zu uns sagten, wir sollen die Beine in die Hand nehmen und uns auf der Stelle trennen, weil er Gaslighting betreiben würde und er ganz offensichtlich ein Narzisst ist. Das würde sich immer so weiterdrehen.

Ich habe keine Ahnung, was jetzt auf uns zukommen wird. Dadurch, wie er uns im Chat vor eineinhalb Wochen behandelt hat, haben wir wirklich sehr viel an Gefühlen für ihn verloren. Es ist eher ein kleiner Schock, aber vor allem Traurigkeit darüber da, dass er überhaupt nicht das ist, was er zu sein scheint. WIr können zwar nicht wirklich glauben, dass er wirklich ein Narzisst ist… aber nachdem wir viel recherchiert und uns informiert haben, steht auf jeden Fall außer Frage, dass er Gaslighting mit uns betreibt. Es ist echt komisch, denn bei jedem Konflikt haben wir tief in uns drinnen gespürt, dass irgendwas gerade falsch läuft und wir sehr wohl richtig empfinden und denken, aber immer im Laufe einer Diskussion mit ihm, haben wir plötzlich den Fehler nicht mehr bei ihm, sondern bei uns gefunden und immer haben wir uns am Ende entschuldigt oder um Verzeihung gebeten, obwohl wir, wenn ich darüber nachdenke, dafür gar keinen Grund gehabt hätten, außer dem, dass, falls er Recht hätte, wir überreagieren oder überempfindlich seien oder so etwas. Dabei frage ich mich, was das nun genau bedeutet. Unseren Freunden haben wir allen den Chatverlauf gezeigt und die sagten alle, die hätten nicht im Leben so ruhig bleiben können wie wir. Besonders bei Cias Gesichtszügen war deutlich zu lesen, dass sie schon während dem Chat die Beziehung beendet hätte. Und wir haben noch so oft versucht ihn in Schutz zu nehmen, weil das ja eben seine Eigenarten seien… aber nö- Von Anfang an hatte er es einfach total gekonnt raus uns so zu biegen und denken zu lassen, wie es für ihn bequem ist. Und komischerweise ist er NIE Schuld an irgendwas. Immer liegt der Denkfehler oder der Fehler in der Wahrnehmung oder an dem was wir fühlen oder empfinden oder verstehen an uns.

Das kann unmöglich stimmen. Und eben seit dem letzten Chat ist da etwas, das uns seit eineinhalb Wochen nicht mehr loslässt. Obwohl es wieder oberflächlich freundlich scheint, in uns spüre ich irgendwo eine ganze tiefe Missachtung ihm Gegenüber. Weil uns auffällt, dass noch nie eine Entschuldigung oder ein Einsehen von ihm kam, dass gewisse Sätze die ihr er schrieb, überhaupt nicht okay waren. Ich musste gerade echt nochmal den Chat durchlesen, weil ich mich gerade gefragt habe, was genau eigentlich nicht okay war und dabei merke ich schon, wie krass er uns eigentlich an der Angel hat… aber nicht nur in seinem Kontakt… ich merke das gerade immer häufiger, dass wir unsere eigene Wahrnehmung total in Frage stellen und viel öfter ganz viele Leute fragen, weil wir uns einfach nicht mehr sicher sind. Dass sich das erst in der Beziehung mit Severin eingeschlichen hat, das ist mir nie wirklich aufgefallen…

Und als ich gerade den Chat nochmal überflogen habe, ist mir soooo unwohl geworden. So richtig end in der Brust und wie in die Ecke gedrängt. Jedes einzelne Wort, das wir geschrieben haben bzw. jeden Satz, hat er irgendwie so umgedreht, dass sie zu seinem Vorteil sind und in die Richtung führen, in die er uns haben möchte. Oder hat Dinge geschrieben/umgeschrieben, die wir so NIE gesagt oder geschrieben haben… Ich kann mich gut erinnern wie wir an dem Abend fast bei jedem seiner Antworten total verwirrt auf das Handy gestarrt und gedacht haben: „WTF?“ Weil das irgendwie gar nicht die Ausgangsfrage von uns war. Oder unser Anliegen. Am Ende hat er nur noch gefragt, wie es weiter gehen soll. Und wir schrieben, wir wüssten es nicht, wir wünschten uns einfach in einer Beziehung respektvoll behandelt zu werden. Darauf schrieb er: Ich habe dich nicht nach deinen Wünschen gefragt, sondern wie es weitergehen soll. Und das hat er ungefähr noch zehnmal wiederholt. Genau so: „Und ich frage dich wieder: Wie soll es weitergehen?“ Irgendwann wusste ich nicht mehr, wo oben und unten ist und was er überhaupt von uns möchte.

Es war so eine Horrordiskussion, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen, wir sind fast irre geworden. In einem Teil, wo wir ihm sogar gesagt haben, dass wir nicht blöd sind und merken, dass er uns manipuliert und wir es satt sind, dass er ständig unsere Worte im Mund herumdreht, schrieb er im O Ton: „Und hier bin ich neugierig: Kannst du mir ein Beispiel geben, wie manipulierend ich war? Wenn es tatsächlich so ist, möchte ich das selber erkennen können. Und der Rest… ich frage nochmals… wie läuft es weiter? Wenn schlecht, macht es keinen Sinn weiter zu reagieren.“

Wir schrieben darauf: „Ja, habe ich mir gedacht, dass du das nicht mal merkst (…)“ und er wieder: „Mii, ich muss bald schlafen gehen. Ich bitte dich, beantworte diese Frage: Wie läuft es weiter?“

Dann haben wir ihm eben erzählt, was wir uns wünschen, wie wir in einer Beziehung behandelt werden wollen. Eben nicht nur als Freizeitspaß und als „mit dir zusammen gehts mir weniger beschissen“ und dass wir uns etwas mehr Respekt und Wertschätzung wünschen, bzw. dass er nicht alle Entscheidungen uns zuschieben soll.

Darauf schrieb er: „Okay. Also eine Liste von Aufgaben, damit wir uns weiter treffen können? Und bis dahin kein Kontakt? Wenn ich das falsch verstanden habe, korrigiere mich bitte: Ich will dir nicht die Worte im Mund herumdrehen.“

Da meinten wir: „Keine Liste, das sind Dinge die wir uns wünschen in einer Beziehung.“

Wir waren bei dem Punkt dann erst so richtig sauer (und da ging das Gespräch schon über eine Stunde).

Dann kam von ihm eine Audio, wo er halblachend sagte, wenn er Bedingungen hört, braucht er gar nicht weiter zu lesen, was ich sage, weil da lautet seine Antwort einfach „nein“. Und dass wenn wir von ihm verlangen, er soll zu uns sagen, dass er uns liebt, er das auch nicht tun würde.

Da konnten wir uns dann echt nicht mehr zurückhalten und waren wirklich sauer, weil er wieder Dinge gegriffen hat, die wir NULL gesagt hatten. In dem ganzen Verlauf war nie davon die Rede, dass wir von ihm verlangen, er würde zu uns sagen, dass er uns liebt. Im Endeffekt war die Ausgangssituation, dass wir uns von ihm eine Stellungnahme gewünscht haben, wie er sich das weiter vorstellt, weil er nach wie vor eben einfach zu nichts Ja oder Nein sagen kann… (mir fällt gerade erst auf, dass nach über einer Stunde diskutieren, genau das Gegenteil dabei rauskam, dass er auf einmal von UNS ne Stellungnahme bzw. Entscheidung wollte)… und ich denke mir gerade schon wieder im NAchhinein, wie unglaublich verwirrt ich über diesen Gesprächsverlauf bin, weil wir eigentlich so eine simple und klare Botschaft an ihn gestellt haben und er stundenlang alles so hin und her gedreht hat, dass am Ende irgendwie wir die Idioten waren… Ufz,,,

und das Gespräche fast alle so verliefen, fällt mir erst JETZT auf? Wie können wir eigentlich so blöd gewesen sein? Aber was mich viel mehr verunsichert ist, dass wir ja nun seit einer Woche klar sehen, wie er uns manipuliert/verwirrt hat und trotzdem ändert das nichts mehr an unserer Verstörtheit bzw an unserem schlechter werdenden Selbstbewusstsein… es ist so verrückt! Und es ärgert uns, weil wir es kognitiv doch WISSEN und während ich das schreibe, frage ich mich schon weider die ganze Zeit pausenlos: Stimmt das? Ist er wirklich manipulierend oder nehmen wir das bloß so wahr? Sind seine Fragen und Texte nicht einfach nur total logisch und auf den Punkt usw.? Und in mir drinnen schreit irgendwas so: „Nein, nein, nein! Wir nehmen das nicht falsch wahr! ES. IST. SO!“ Aber… ich wenn ich versuche so zu denken wie er, dann verstehe ich wieso er so schreibt und dann denke ich, wenn er nicht weiß, dass er manipuliert, ist es doch kein Manipulieren?

Er verwirrt uns total. Wenn er bei uns ist, verhält er sich so höflich und zuvorkommend, er rückt uns Stühle zurecht, hilft uns in die Jacke, trägt unsere Tasche, hält die Autotür auf, und in der Öffentlichkeit ist er wie der reinste Gentleman. Aber dann im Chat ist er wie das letzte Arschloch. Ich kapiere es einfach nicht.

Am Wochenende will er zu Besuch kommen und eigentlich wollen wir die Beziehung beenden. Es gibt nichts mehr, was für uns dagegen sprechen würde, außer unserer Wunschvorstellungen, die aber ja ganz offensichtlich nur Illusionen sind. Und ich glaub genau das tut weh. Dass wir einfach etwas ganz anderes in ihm gesehen haben, als was er wirklich ist. Ich habe nur keine Ahnung, wie wir die Beziehung beenden sollen, ohne dass wir uns danach wie die schlechtesten Menschen der Welt fühlen. Denn er wird es wieder so hinkriegen, dass wir uns schuldig fühlen, dass er alles richtig gemacht hat und er der gutmütigste Mensch der Welt ist. Dass wir ihn wegen seines respektlosen und gemeinen Verhaltens, die wir ihm schwarz auf weiß im Chatverlauf zeigen könnten, verlassen, würde er nicht verstehen. Denn selbst wenn wir versuchen es ins kleinste Detail zu zerlegen und so zu erklären, als müssten wir es einem Kindergartenkind erklären, er versteht es einfach nicht. In seinen Augen macht alles was er sagt und tut SINN und ist absolut nicht böse oder gemein oder respektlos, sondern einfach nur eine Tatsache. Klar, kann man schon so sehen… da hat er auch Recht, aber…. ach, keine AHnung, ich merke doch gerade selber, dass ich mich sogar OHNE seine Hilfe schon im Kreis damit drehe. Ich fürchte, das wird uns sehr lange begleiten und

da ist eine klitzeklitzekleine Sache, bei der ich weiß, wieso er minimal Angst in uns auslöst. Und das ist die Überlegenheit in seiner Stimme und in seinen Texten, mit der er mit uns in KOmmunikation geht. Selbst in GEsprächen ist es mir schon aufgefallen. Da schaut er uns so direkt in die Augen, wirklich fast von oben herab, als würde er fast spöttisch sagen: Versuch doch gar nicht erst zu diskutieren, du weißt doch sowieso, dass ich recht habe und du immer Denkfehler hast. Und dummerweise stimmt es irgendwie auch. Egal in welchem Themenbereich wir uns bewegt haben, am Ende habe ich immer eingesehen, dass seine Denkstruktur einfach logischer ist. Ich kapiere es einfach nicht… aber egal, dieses angsteinflößende ist wirklich eher diese Art und Weise, wie er kommuniziert… die Überlegenheit eben, die er ausstrahtlt…

Ich denke, es macht echt vorn eund hinten keinen Sinn… er ist total toxisch, auf sooooo eine subtile Art und Weise, dass wir es kaum erkannt haben oder… sogar so sehr, dass wir uns immer noch fragen, ob es überhaupt wirklich so ist… aber allein doch diese tatsache, dass er uns so verwirrt und uns so fühlen lässt wie wir uns fühlen,, SOLLTE doch schon ein Zeichen für ne toxische Beziehung sein oder bin ich jetzt total bescheuert und sehe einfach nicht, dass ich es mit einem total normalen, psychisch „gesunden“ MEnschen zu tun habe und am Ende bin ich die extreme Toxikerin von uns beiden? Klar spielen beide seiten eine Rolle und mir ist klar, dass wir so oder so keinen FReifahrtsschein haben, weil wir in jede Beziehung irgendein „Gift“ reinbringen, schon allein wegen unserer dummen Traumafolgestörung, aber wir können das doch wenigstens noch reflektieren und daran arbeiten.. aber er sieht ja gar keine Fehler bei sich. Die sind ja nur bei uns… aber wie gesagt… am Ende ist es vielleicht sogar wirklich so… boah ich habe keine Ahnung… jetzt bin ich verwirrter und unsicherer als zuvor…. eigentlich will ich ihn am Wochenende gar nicht sehen…

Ufz – komplett vergessen (TW!)

Als ob man so etwas „vergessen“ könnnte… ich habe mich bloß daran erinnert, weil ich gerade ein Stichwort gelesen habe… vor ein paar Tagen haben wir Fotos von uns geschickt bekommen, auf denen wir gefesselt und mit Augenbinde in so … zerrissenen Netz-Bodys stecken… Und in der Nachricht dazu stand: „Ja, das Video existiert (…) 9GB sprengt jeden Rahmen, ist in 4k gedreh (…)“ Es ist absolut, absolut… ich habe einfach gar keine Ahnung was ich dazu sagen oder wie ich mich dazu äußern soll. Achso… es waren nicht nur Fotos dabei, sondern auch Video-Ausschnitte… wie ein Teaser… aber den Typen, der da mit uns drauf ist, sieht man nicht. Die Videos sind so zugeshcnitten, dass man nur uns sieht… es ist widerlich und peinlich und beschämend und entwürdigend und ich will gar nciht weiter darüber nachdenken, sonst leben wir nicht mehr lange… for sure.

Wie die Zeit vergeht (K) TW

Mein Körper ist immer noch fix und alle. Habe überall Schmerzen und kann mir nicht erklären, wo es herkommt. Dann kommen diese seltsamen Träume hinzu, die irgendwie in so einem wach-schlaf-Zustand sind. D.h. ich schlafe nicht mehr wirklich und weiß, dass ich träume, aber es ist noch sehr real und wache dann in einer Schlafparalyse auf, die ganz furchtbar ist. Heute träumte ich davon, dass ich} ein Baby namens Maggy habe, das gerade ca. 10 – 12 Monate jung ist… Ich schlief mit einem Mann in meinem aktuellen Zimmer, das Babybett stand direkt vor meinem Zimmer neben der Tür. Ich sagte jedes Mal: „Holt Maggy rein“… und hatte ein komisches Gefühl. Als ich aufstand, um nach ihr zu sehen, war sie auf einmal nicht mehr in ihrem Bett, aber ich habe ihr weinen gehört. In anderen Nächten träume ich davon, wie ich mein eigenes Baby töte, ohne es zu wissen. In diesen Träumen stecke ich in einem Flashback und kämpfe gegen irgendjemanden… mal schubse ich denjenigen von einer Brücke, mal stoße ich ihn gegen eine Wand in ein Metallpfahl, mal schlage ich ihm den Kopf mit einer Glasflasche ein – und jedes Mal, wenn ich aus dem Flashback „zurückkehre“, sehe ich, dass ich auf mein eigenes Baby losgegangen bin… Nach solchen Träumen bin ich stundenlang danach noch in einer emotionalen Schockstarre und stelle meine ganze Umwelt in Frage. Manchmal frage ich mich sogar, ob ich mir das alles hier nur einbilde – dass ich} in meinem Zimmer wach werde, dass ich} zur Arbeit gehe, dass ich} Freunde gefunden habe, dass ich} in einer Beziehung bin… und stattdessen noch irgendwo in einem Raum gefangen bin, wo ich in Wirklichkeit regelmäßig noch … was auch immer.

Die Zeit fühlt sich auch ganz merkwürdig an… es ist immer „plötzlich“ Abend und ich weiß nicht, was mit meinen Kontakten passiert. Es schreiben mir so viele Leute und am Abend sind es dann so viele Nachrichten (Whatsapp), dass es mich überfordert und ich keine Kraft und Lust habe zu antworten. Kenai schrieb gestern, er würde sich langsam Sorgen machen und ich solle doch bitte Mal ein Lebenszeichen geben und ich kann nicht erklären, wieso mich diese Nachricht so sauer macht und unter Druck setzt. Ich} hatte ihm vor ein paar Tagen gesagt, dass ich kein gute Laune habe seit ein paar Tagen und ich mich da auch selten melde und auch nicht wirklich viel Lust auf Kontakte habe. Wieso muss er dann diese „ich mach mir Sorgen, gib ein Lebenszeichen-Karte“ ziehen? Finde ich irgendwie nicht fair und ich will erst recht nicht zurückschreiben weil ich nicht will, dass er denkt, dass er das jedes Mal schreiben kann, um dann etwas von mir zu hören. Es setzt mich enorm unter Druck wenn Leute sagen, sie machen sich Sorgen. Vermutlich sollte ich Mitgefühl haben, aber das habe ich nicht, es löst genau das Gegenteil in uns aus: Nicht etwa Nähe und Verbundenheit und die Tatsache, dass wir Menschen am Herzen liegen, sondern viel eher Ablehnung und Wut und Einengung.

Frau Blume finde ich aktuell auch nicht sehr tröstlich. Ich verstehe ihren Ansatz, dadurch, dass wir unser Leben lang manipuliert wurden und nicht auf unser eigenes Bauchgefühl usw. hören konnten/durften/sollten, versucht sie komplett unparteiisch zu sein. In keinem einzigen der Sitzungen kann ich mich erinnern, ihre Meinung zu irgendwas gehört zu haben. Klar kann es sein, dass das vorkam und ich es nur nicht weiß, weil unser System da einfach nicht aktiv war, aber mir} persönlich fällt keine Stunde ein, in der das der Fall war. Mit Ausnahme der Aussage, sie hätte logischerweise ihre Werte die das… uff… Blablabla-der Menschenwürde usw. beinhaltet… aber allem anderen enthält sie sich. Egal was wir erzählen, sie fragt uns immer, was wir selbst dazu denken und wie wir es empfinden. Nun, das wissen wir. Was wir denken und was wir empfinden. Aber man braucht doch, um zu reflektieren, auch noch die Meinung und Reaktion anderer Personen. Ich verstehe, dass sie insbesondere was unser System angeht, da keine eigene Meinung vertritt, weil das ja nur uns etwas angeht und wir ja damit in Zukunft alleine leben können müssen. Aber ich verstehe nicht, wieso sie sich in unseren Beziehungen enthält. Dass sie da so überhaupt keine Reaktionen zeigt. Ich finde das wirklich schwierig und umso sinnloser kommt uns auch die Therapie vor. Das hilft uns ja nicht weiter. Da gäbe es so viele Beziehungsfragen aktuell. Aber die Fragen, die wir ihr stellen würden, würde sie uns nur zurückwerfen.

Ich weiß aktuell überhaupt nicht, wie wir weiter machen sollen. Ich} wünsche mir aktuell nichts sehnlicher, als dass ich ein Stinktier wäre, das Winterschlaf halten kann, bis ich} im Frühling wieder erwache und alles wieder blüht und sonnig und okay ist. Es ist jede Stunde zurzeit ein Kampf und anstrengend und ermüdend.

Heute haben wir bei Frau Blume Therapie. Wir sollten eine Liste führen mit Stichpunkten, Themen, die wichtig sind. Haben wir. Aber wir haben gar keine große Lust auf diese Stunde und die Themen anzusprechen, da wir gefühlt sowieso mit uns alleine Therapie machen. sie wird ja sowieso wieder keine Stellung dazu beziehen und uns den Ball zurückwerfen. Klar, unsere Therapie, unsere Themen, unser Leben. Aber so kommen wir doch nicht weiter… Wir sind zwar sehr froh über ihre Neutralität… aber aktuell fehlt uns Frau Honig mehr denn je. An ihren Reaktionen konnten wir wenigstens Dinge erkennen, die unsere Welt bzw unsere Erfahrungen eher in ein anderes Licht gerückt und ein bisschen einen „Aha-Effekt“ ausgelöst haben. Und wir hatten zwar nicht viel Zeit mit ihr, aber die Dinge, die wir mitnehmen konnten, haben wir bis heute abgespeichert. Wenn man uns berührt, passiert nichts, wenn wir über Gewalt sprachen, wurde sie wütend. Wenn wir über unsere Ängste sprachen, war sie betroffen. Das hat uns wirklich viel lehren können und mittlerweile geht alles wieder so ein bisschen verloren. Wir fragen uns allmählich wieder, wie schlimm das alles wirklich ist, was wir wahrnehmen und ob wir nicht über reagieren, wenn da von unseren Gegenüber keine Reaktionen kommen. Wenn man vom Tod, von Angst oder Gewalt spricht und man sieht den Menschen in ein abgeklärtes, nickendes, „mhm-Gesicht“, fühlt sich das alles falsch an. Dann fühlt sich das an, als wäre Tod und Angst und Gewalt nicht schlimm. Sondern einfach nur Sätze und Wörter, die keine Realität beinhalten.

Ach, ist das anstrengend. Ich wünschte ich wäre ein Stinktier.

Es wirkt alles sehr düster (K)

Ps: Ich habe vorhin einen Eintrag von uns gelesen, bei dem jemand dieses } Zeichen hier verwendet, wenn er/sie „ich + andere“ miteinschließt. Das finde ich eine so tolle und unkomplizierte Idee, dass ich es auch versuchen werde.

Die Tage werden irgendwie nicht besser. Wir fühlen uns sehr erschöpft, körperlich und geistig. Es ist ständig eine Müdigkeit da und nach wie vor ist unsere Konzentrationsspanne nicht besonders hoch. Arbeiten klappt gut. Das ist Routine, wo wir gerade nicht viel nachdenken müssen und durch unseren aktuellen Zustand arbeiten wir gerade auch sehr effizient. Aber es geht uns nicht gut.

Ich bin dann gestern mit A. mit ins Fitnessstudio gefahren. Wir schließen dort Kontakte. Eine 42-Jährige, ich nenne sie mal *Vanni, hat uns schon ein paar Mal mitgenommen. Am Freitag auf Samstag waren Toni und ich von halb ein Uhr nachts bis zwei Uhr nachts im Fitnessstudio. Wir sind fast jeden Tag dort, essen normal, 1500 bis 2.000 Kalorien, verbrennen rund 1.100 durch Sport und Bewegung, aber unser Gewicht bleibt stehen, was uns}Mia nur weiter in die Essstörung gerade reinschiebt. In der Whatsappgruppe ist hauptsächlich Mia aktiv.

Ansonsten, was mich nicht loslässt… vor einer Woche war brh zu Besuch und sie hat uns eine riesige Tüte mit unendlich vielen Tagebüchern gegeben. Die hatten wir wohl mal vor ein paar Jahren bei den Betreuern abgegeben, weil wir angefangen hatten darin zu lesen und uns selbst getriggert hatten. War wohl ein guter Grund, sie die letzten Jahre nicht bei uns zu haben, denn irgendwie haben sie eine Art „magische Anziehungskraft“ auf mich}. Ich habe mir die rausgeholt, die mir nicht mehr so bekannt vorkamen. Und eines meiner Ältesten… und, was soll ich sagen? Zwei Einträge kamen mir bekannt vor – aber nicht, dass wir sie geschrieben haben, sondern die Erinnerung an den Inhalt. Der Rest war mir komplett fremd und ich bin immer noch schockiert… ich fühle mich wie in einer Plastiktasche, aus der die Luft abgesaugt wird. Seit ich diese Einträge gelesen habe, ist mir zum Heulen zu mute. Ich fühle mich unendlich verzweifelt und einsam, obwohl ich weiß, dass es in der Vergangenheit war, macht es mich fassungslos zu lesen, bei wie vielen Menschen wir versucht haben Hilfe zu holen. Ich verstehe nicht, woran es scheitern konnte. Und es überkommt mich Wut, wenn ich lese, wie wir sogar in der KJP schon erzählt hatten, dass wir uns an Wochenenden nicht erinnern, und die Betreuer und Ärzte das nicht glaubten. Ich} kann mich nicht erinnern, dass wir damals schon Zeitverluste bemerkt hatten. Mich macht das alles unendlich traurig… Ich kann mich an all das kaum bis gar nicht erinnern und es ist fast, als wäre ich in diese Zeit emotional zurückbefördert worden. Als würde ich wieder herumlaufen, bei unendlich vielen Menschen um Hilfe bitten wollen, aber kein Gehör oder Glauben geschenkt bekommen. Ich dachte bis heute immer, dass man es vielleicht nicht offensichtlich sehen konnte – dass, klar, wenn wir gespalten sind, man uns nicht ansieht, was passiert. Aber ganz offensichtlich hat jemand von uns immer, über Jahre hinweg, nach Hilfe gesucht, aktiv. Als KIND! Und keiner, einfach absolut keiner war für uns wirklich da. Was ist denn bitte aus dem Sozial“futzi“ geworden, der uns in der Schule besucht hat, nachdem wir Frau R. die Beweise (an die erinnere ich mich sogar noch), gegeben hatten? Wieso hat sich niemand mehr nach uns erkundigt? Wie kann so etwas im Sand verlaufen? In den Chatverläufen mit J. war eindeutig herauszulesen, dass es im Kinderpornographie geht. Wir hatten sogar zwei Fotos von uns mit ausgedruckt. Bitte fragt mich nicht, wie wir es geschafft haben, an diese Sachen ranzukommen, daran erinnere ich mich nicht. Aber, was das alles in mir auslöst – das alles zu lesen…

Ich kann nicht sagen, ob ich mich gerade in einer Art Schock-Zustand befinde, weil alles eher innen abläuft, aber meine Stirn zieht sich zu, meine Augen fühlen sich fiebrig an, mein Körper ist total schwach und dumpf, ich höre nicht wirklich etwas, aber in meinem Brustbereich spüre ich so einen Druck (emotional) und kann ihn nicht greifen. Eigentlich fühle ich mich, als wollte ich einfach nur schlafen. Wie kann ein Kind so im Stich gelassen werden, von einem Dutzend Erwachsenen, bei denen es quasi um Hilfe gebettelt hat? Ich will nicht in Selbstmitleid versinken. Immerhin ist es ja Vergangenheit und jetzt sind wir bei Frau Blume endlich mal in guten Händen… aber… irgendwie haben die Tagebucheinträge etwas in mir} ausgelöst, was ich nicht stoppen kann.

Oder vielleicht ist es die Pille, die wir jetzt angefangen haben zu nehmen. Wer weiß das schon?

-Kara

Beim Lesen der Einträge bitte TW beachten. Das sind bloß Einträge aus drei verschiedenen Tagebüchern (von knapp 20)… ich will nicht wissen, wie oft wir noch bei Leuten Hilfe gesucht haben… aber ich frage mich, ab welchem Zeitpunkt das aufgehört hat. Um das herauszufinden, werde ich wohl doch alle mal überfliegen müssen. Andererseits frage ich mich, wieso das wichtig wäre. Ich weiß, dass es ein, zwei Tagebücher gibt, die furchteinflößend sind. Wirklich, richtig furchteinflößend… zum Einen erinnere ich mich, dass ich vor ein paar Jahren mal eines in der Hand hielt, das auf ein paar Seiten blut-besudelt ist… richtig braunes, altes Blut, und auf dem jemand von uns aufgeschrieben hat, was kurz vorher passiert ist (Gewalt)… an die blutigen Seiten erinnere ich mich, der Inhalt ist komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht. Ich weiß nur, dass es ziemlich unmittelbar nach irgendeiner Gewalt geschrieben wurde, weil der Anfang des Eintrags war „bevor ich verschwinde…“ das war so unheimlich und dieses Buch möchte ich nie wieder in die Hände nehmen. Aber ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, welches von den 20 Tagebüchern es war. Ich meine, es wäre ein braunes gewesen… ich bin hin und her gerissen, was ich mit den Sachen machen soll. Wegwerfen? Behalten? Aber wenn ich sie behalte, was soll ich damit? Aber wegwerfen fühlt sich absolut unmöglich an. Ich habe das Gefühl, dass da noch Sachen drinnen stehen könnten, die verdammt wichtig sein und uns weiterhelfen könnten….

Antwort an Frau Blume

Weil das gerade unsere Situation kurz zusammenfasst und mir für mehr Erklärungen die Energie fehlt…das war eine Antwort auf eine Mail von Fr. Blume.

Ich habe überhaupt gar keine Ahnung, ob wir uns mit so etwas auseinandersetzen können. Wir haben aktuell täglich irgendwelche Schmerzen… soooo extrem, dass wir manchmal kaum aufrecht gehen können (heute ist es der Magen/Bauch, gestern waren es die Finger, einige Tage vorher der komplette Unterkörper)… wir schirmen uns gerade komplett von Verantwortungen ab, verziehen uns Zuhause und lesen am liebsten extreme Fantasy Bücher von Walter Moers, um komplett aus der Realität zu verschwinden, weil uns sonst permanent Flashbacks oder Intrusionen einholen. Wir wollen uns um die Wohnung kümmern, aber die finanziell aussichtslose Situation löst dann so einen gewaltigen, inneren Stress aus, dass kurz sowas wie eine … „Minuten Depression“ hereinbricht und bevor sie komplett kommt, entziehen wir uns grad eben irgendwie der Realität. Wenn wir versuchen uns mit uns auseinander zu setzen, also in Kontakt zu gehen oder die Intrusionen „festzuhalten“ oder zu hinterfragen, werden sie nur noch 10x schlimmer und wenn wir sie versuchen zu ignorieren, schlägt sowas von urplötzlich ein richtiger Flashback in uns ein, dass es sich anfühlt, als hätten wir irgendwelche Drogen genommen. Manchmal ist das dann, als würde der Boden zu Gummi werden, wir fallen durch ihn durch und sind plötzlich „dort“ (wo auch immer, gerade kommen alle möglichen Erinnerungen hoch). Funktionieren können wir im Alltag ganz gut, aber wir merken auch zunehmend, dass wir wieder mehr gereizt sind von Menschen, die aufmerksamkeitsspanne echt gering ist und wir so „teildissoziieren“ (ich musste gerade 15 Mal das Wort „Dissoziieren“ lesen, löschen, lesen, weil es mir so fremd vorkam und ich plötzlich nicht mehr wusste, wie man es schreibt. 
Ich habe überlegt, ab dem Wochenende doch die Medikamente wieder zu nehmen, die wir vor ca. 2 Monaten einfach abgesetzt haben. Wenn es uns dann besser geht, glaube ich an ihre Wirkung. Aber wir haben eigentlich keinerlei „Entzugserscheinungen“ gespürt. So, wie es uns gerade geht, kam von einem Tag auf den Anderen. Nicht etwa schleichend. Deshalb glaube ich eher weniger, dass es an den abgesetzten Medis, als viel eher irgendwie an der ptbs liegt…. ich kann nict weiter schreiben… disso.
bis donnerstag

Jetzt fängt alles wieder an (K)TW

Ich bin total erschöpft. Es läuft nichts so wirklich super gut. Nur Kenai gibt mir ein bisschen Hoffnung und Aufmunterung. Gestern habe ich während dem Nach Hause Weg vom Einkaufen fast die ganze Strecke nur geweint, weil die ganze Lage so aussichtslos scheint. Ich weiß, dass es nicht so ist, aber es fühlt sich momentan so an. Es fängt bei der Wohnung an. Wir sind super glücklich, unabhängig zu sein und alleine zu wohnen und nach wie vor würden wir diese Wohnung für nichts auf der Welt eintauschen. Aber wir haben genau 8 Möbel dort stehen. Mein Bett, ein Bücherregal, ein Esstisch, ne Mini kleine und durchgesessene Couch, ein Fernseher und ein Badschrank und Stühle. Der Kauf mit der Küche aus Ebay hat auch nicht funktioniert, wir wurden total über den Tisch gezogen und hätten um ein Haar unser Geld nicht zurückbekommen. Das hat mich so verdammt traurig gemacht – nicht der Betrug an sich, sondern, dass wir vermutlich weitere Wochen ohne Küche auskommen müssen. Ich halte es kaum aus, jeden Tag diese unzähligen Tüten und Kisten überall bei uns stehen zu sehen. Es sieht verdammt unordentlich und messi-haft aus und ich ertrage das psychisch wirklich kaum. Wir bräuchten noch so verdammt viele Möbel und wir haben einfach nicht die Mittel, welche zu besorgen. Als ich mit Kenai eben telefoniert habe… ja, da liefen dann fast die Tränen. Aber erst, als er sagte, wir sollen nicht den Kopf hängen lassen, alles käme mit der Zeit und wegen unserem Zimmer hätte er für unseren Geburtstag ein „Schreiner-Gutschein“ geplant. D.h. wir sollen uns ausdenken, was wir wie haben möchten, und er setzt das dann genau so um. Er hat ja eine Schreiner Ausbildung gemacht, bevor er freiberuflicher Fotograf geworden ist.

Außerdem geht es uns auch mit Severin gerade wahnsinnig schlecht. Wir sind regelrecht entsetzt über sein Verhalten. Er behandelt uns außerordentlich respektlos und merkt es nicht einmal. Er schiebt Entscheidungen uns zu, kann selbst aber zu nichts stehen oder sich über etwas klar werden. Er ist schon wieder so ein Erwachsener, bei dem wir uns denken, dass wir reifer sind, trotz weniger Lebenserfahrung. Selbst mit 20 wusste ich schon mehr, wie oder wo unser Leben sein soll, als wie er mit 28. Das ist aber gar nicht das, was mich entsetzt. Sondern wirklich eher die Respektlosigkeiten. So behandle ich keine Menschen, die ich mag. Die Spannbreite ist übrigens riesig. Von Fehlinterpretationen, die wir nie gesagt, geschweige denn angedeutet hatten (ich fürchte aber, das ist eine Altlast aus früheren Beziehungen, die er jetzt auf uns überträgt), bis dahin, dass er uns für „dramatisch“ oder „übertrieben“ empfindet, wenn wir uns ihm öffnen, was wir verunsichernd oder verletzend finden. Alle Menschen, mit denen wir bisher darüber geredet haben (das waren nicht wenige), haben gemeint, dass bei der Aktion, die er sich vor 3 Wochen geleistet hat, sie ihn sitzen gelassen hätten.

Wir sind aber sehr unschlüssig, aber ich fürchte, das hat keine Zukunft, wenn das schon nach 5 Monaten so läuft und er in diesen 5 Monaten keinen einzigen Schritt auf uns zumachen konnte, sondern wir diese Schritte jedes Mal tun mussten. Ich denke, es wäre nur vernünftig das zu beenden. Aber ich bin mir nicht sicher. Außerdem wäre es mir super wichtig, mit Frau Blume darüber zu reden und ihr mal die Chatverläufe zu zeigen. Was sie von ihnen hält. Mir erscheinen sie extrem, extrem manipulierend und respektlos und an anderen Stellen sogar angreifend. Hin und wieder sind wir dann auch aus unserer Haut gekommen, zum Beispiel mit Sätzen: Entweder du verstehst es wirklich nicht, dann bist du blöder, als ich bisher dachte, oder du tust nur so, als würdest du es nicht verstehen . dann wärst du ein Arschloch.

Ich will das Thema nicht ausbreiten, aber es ging um eine so simple, logische, zwischenmenschliche Sache, bei der jeder Mensch merken würde, dass sein Verhalten verletzend bzw nicht wertschätzend ist… und wir haben es auch noch so zu erklären versucht, wie wir uns fühlen, dass es eine Dreijährige verstanden hätte. Er schrieb darauf, dass er dann wohl blöder sei, als wir dachten. Aber das bezweifle ich mittlerweile. Denn wir hatten beide zusammen vor zwei Wochen einen Test für Asperger gemacht und es auch noch richtig detailliert ausdiskutiert. Er spürt und merkt viel mehr Dinge, als er zeigt. Aus dem Grund, kommen wir uns seit einiger Zeit sehr, sehr verarscht von ihm vor. Wir wollen nicht mehr miteinander schreiben, bis wir uns persönlich für ein Gespräch treffen können. Uns ist es finanziell und zeitlich die nächsten zwei Wochen nicht möglich und wir schrieben, wenn es ihm so wichtig wäre, könnte er ja auch zu uns kommen. Denn er schob uns in jedem zweiten Text die Aufforderung zu, zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Dazu gehören eigentlich zwei Personen, vor allem in einer Beziehung. Von ihm kommt nicht die geringste Initiative. Nicht einmal, wenn wir sie ihm in den Schoß legen. Daraufhin wurde er auf einmal zickig wie ne Klassenkameradin: „Schön zu wissen wie du reagierst, wenn mir etwas wichtig ist.“ Mir war der Kindergarten zu doof und darauf bin ich gar nicht mehr weiter eingegangen. (Ich muss gerade lachen weil ich gemerkt habe, dass ich dachte, ich bin noch in der Schule – klar, die Klassenkameradin ist in der Vergangenheit.:D)

Neben all diesem Beziehungschaos und existenziellen Chaos/Stress, ist bei uns aber eben selber wieder verdammt viel los. Ganz viele Erinnerungen kommen hoch, aber die wirken eher wie „Reminder“ aus einem Kalender. Sie ploppen immer wieder auf. Meistens kommt als erstes ein Chatverlauf mit jenem Frater… immer wieder Dinge über die Initiation, Bilder und Fragen, ob diese Bilder, die wir erinnern, wirklich stattgefunden haben und wenn ja, dann wann. Körperschmerzen sind zurzeit sehr stark. Gestern sind wir zum Beispiel aufgewacht und konnten kaum unsere Beine (ab der Hüfte abwärts) vor Schmerzen bewegen. Es war, als wäre alles steif, als hätte man uns irgendetwas Muskellähmendes gespritzt. Wir waren im Bad, machten uns frisch und als wir aus dem Bad herauskamen, merkten wir auf einmal, dass die Schmerzen wie weggezaubert waren. Dafür kamen sie dann sehr plötzlich am Abend wieder. Es war also kein Muskelkater oder ähnliches, nichts wirklich physisches. Es müssen Körperflashbacks gewesen sein. Außerdem ploppen immer wieder Szenen von 2018 auf, im Oktober. Ich denke, es sind keine Flashbacks, weil wir noch wissen, dass wir im Hier und Jetzt sind, aber die Emotionen. die Ängste, das Herzrasen, der Schwindel und alles, knallen mit diesen Erinnerungen total auf uns ein. (Ich rede von dem Moment, als wir in der 9 oder 10 SSW auf der Toilette saßen und plötzlich nur noch ein Schwall Blut aus uns herauskam)… der Abgang… Und nach dieser Erinnerung kommt die Erinnerung, wie wir einen Monat später meinten, über den Verlust längst hinweg sein zu müssen (aus diversen Gründen), wir aber dann aus heiterem Himmel bei einem Spaziergang mit Jimmy im Wald auf dem Boden zusammengebrochen sind, weil uns der emotionale Schmerz so extrem in die Knie gezwungen hat, und wie sehr wir da geheult haben und dachten, dieses Loch, das das Baby hinterlassen hat, niemals im Leben wieder gefüllt werden kann, als wäre ein lebenswichtiger Teil von uns amputiert worden.

Und dann erinnere ich mich, wie wir noch viele Wochen später Kleinkinder oder Babys gesehen haben, und erst nur Schmerzen, und irgendwann Hass auf alle Kleinkinder und Babys hatten weil wir dachten, wenn unser Baby nicht leben durfte, dann haben es alle anderen Eltern auch nicht verdient, ihre Kleinen im Arm zu halten und aufwachsen zu sehen. Diese Gedanken kamen selbstverständlich nur von den krassen emotionalen Schmerzen… aber sie waren da. Ohne Betrachtung der Absurdität, dass wir sogar selbst überlegt hatten das Baby abzutreiben und dafür sogar bei Wildwasser und dann für einen Schein bei pro Familia waren…

In Wirklichkeit hat sich dieses Loch nicht gefüllt. Bis heute nicht. Aber der Schmerz ist extrem viel weniger geworden. Allerdings merke ich, seitdem, dass wir immer gewisse Phasen im Jahr haben, wo wir uns auf einmal so intensiv wünschen Mama zu werden, dass es kaum aushaltbar ist. Unvernünftiges tun wir nur deshalb nicht, weil wir für das Kind, das wir irgendwann kriegen werden, 100 % eine stabile und sichere Umgebung möchten. Die könnten wir ihm allein finanziell schon nicht bieten. Umso schwerer fällt es uns aber zurzeit wieder, Kleinkinder oder Babys zu sehen, ohne sehnsüchtig und traurig zu werden. Manchmal liegen wir dann noch mit dem Foto vom Ultraschall damals in der Hand und reden mit ihm, als könnte es uns hören – dabei kommen wir uns zwar total gestört vor, aber manchmal denken wir, wir sind ohnehin verrückt.

Zu der Zeit merke ich auch, dass unser Kontakt wieder „wärmer“ wir. Wir bemerken Wechsel, können kommunizieren, Erlebnisse austauschen. Ich finde es langsam merkwürdig und unlogisch, dass im Sommer, wo eigentlich kaum etwas passiert, genau dieser Kontakt völlig verloren geht. Und in den Herst/-Wintermonaten er wieder besser wird, obwohl genau das die Monate sind, an die wir die traumatischsten Erinnerungen haben. Sollte es nicht genau andersherum sein? Ich frage mich da jedes Mal, wenn wir wirklich aus einer Gruppierung kommen, die Wert auf Konditionierung gelegt hat, warum lassen sie zu, dass genau in diesen Monaten der Kontakt so viel besser wird?

Wir haben keine Verletzungen, die verdächtig wären. Einige haben wir, aber die sind nicht von Täterkontakten. Da bin ich mir sicher, denn mittlerweile weiß ich, wie diese aussehen. Auch wenn sie selbstverständlich unterschiedlich sind, erkenne ich ein Muster… Also anhand der Aneinanderreihung von den Hämatomen und es gibt gewisse Stellen, die fast immer Schmerzen oder blaue Flecken aufweisen, an denen man sich unmöglich immer wieder stoßen kann.

Ich bin auch wieder bereit, dieses Selbsthilfebuch von Allison Miller in die Hand zu nehmen, obwohl wir es nach paar Tagen und Versuchen sofort wieder aufgeben, weil es für uns alles wirkt, als stünde es auf Spanisch. Wir lesen, aber verstehen es nicht. Als wäre es nicht unsere Sprache. Oder wir lesen es, bearbeiten einiges, und es ist im nächsten Moment wie mit einem Radiergummi aus dem Hausaufgabenheft gelöscht. Das löst so viel Frustration aus, dass es kaum auszuhalten ist.

Ich habe keine Ahnung, wie wir gerade das ganze Chaos, das losgeht, managen sollen. Ich bin einfach nur wahnsinnig froh, die anderen wieder zu hören und zu spüren. Das gibt uns nicht das Gefühl, so alleine zu sein und diese Monate irgendwie zu überstehen.

-Kara

Umbrüche (K) Dickes TW (kursiv)

Ups, mich überrascht es ein bisschen, den Eintrag von gestern zu lesen. Ich kann mich dazu einfach nicht äußern, weil ich dafür emotional zu entfernt bin. Eigentlich wollte ich über die aktuelle Lage schreiben, bis ich das gelesen habe und jetzt frage ich mich, wer von uns gestern den Eintrag verfasst hat. Dafür müsste ich jetzt in Kontakt gehen, aber das ist zu anstrengend und ich habe auch keine Zeit dafür. Später vielleicht.

Wir sind diesen Monat wieder mal extrem knapp bei Kasse. Da wir seit Wochen keine Küche haben, nicht mal einen Kühlschrank o.ä. ist das Leben/Ernähren wirklich sehr grenzwertig. 1. müssen wir Toni noch ein bisschen erziehen, wie man mit Geld/Lebensmitteln umgeht. Er kocht immer Monsterportionen, von denen dann entweder ein viertel, aber mindestes die Hälfte weg geschmissen werden muss, weil wir den Rest nirgendwo aufbewahren können -> kein Kühlschrank. Knäckebrote oder Brote essen wir seit 2,5 Wochen auch trocken, weil – keine Lagermöglichkeiten für Butter/Aufstriche oder Käse/Wurst etc.

Jetzt haben wir bei Ebay eine sehr gute Küche für 350 Euro gefunden, die sogar geliefert wird. Eine Gebrauchte. Was uns skeptisch gemacht hat, war der Versand für 5 Euro. Das ist logisch betrachtet kaum möglich, aber wir haben den Kauf mit den 355 Euro schon bestätigt bekommen (mit Käuferschutz). Ich bin echt gespannt, was am Donnerstag ankommt.

Wir haben es immer noch nicht geschafft, uns umzumelden, weil die blöden Ämter jeden Tag (außer Donnerstag) nur bis 12 offen haben, was genau in unsere Arbeitszeit fällt. Außerdem haben wir unseren Vermieter schon ewig nicht mehr gesehen. Wenn wir ihm heute nicht begegnen, legen wir ihm die Vorlage auf den Tisch. Denn solange wir nicht umgemeldet sind, zahlt uns das Jobcenter kein Geld. Diesen Monat und letzten mussten wir also selber stemmen und somit stehen wir heute, Anfang des Monats, schon nur noch mit 14 Euro auf dem Konto da. Und wir haben kein Dispo. Was bedeutet: Wenn wir ins Minus rutschen, was passieren wird, weil wir noch ein paar laufende Rechnungen haben, kriegen wir Zinsen auch noch drauf. Richtig Autsch. Wir hatten uns eigentlich jetzt schon wieder – sogar für heute Abend – mit einem richtig widerlichen Typen verabredet. Es ist komisch, denn selbst wenn wir nur gerade so über die Runden kommen (sagen wir mal mit 50 Euro im Monat), wäre es uns das niemals wert, mit einem zu schlafen. Aber diesen Monat geht es gar nicht – wir wüssten nicht einmal, wie wir zur Arbeit kommen sollen (Fahrtkosten, 4x die Woche 6 Euro). Aber… irgendwie passieren gerade komische Sachen. Zwei unserer Freunde… haben uns einfach so Geld geschenkt. Einfach so. Mona hat uns gestern Geld in die Hand gedrückt. Und wir meinten total erschrocken, dass wir das nicht annehmen können und wollen. Sie meinte, das sei kein Geschenk von ihr, sondern von Gott. Sie hätte ihn gefragt, wie sie mir helfen kann und er sagte: Gib ihr 50 Euro. Wie gesagt, wir sind nicht die gläubigsten Menschen auf dieser Erde… aber heute kam noch jemand auf uns zu uns hat uns so viel Geld gegeben, dass wir damit locker den Monat durchkommen. Das macht mich sehr glücklich, denn – ja, eigentlich sollte ich als aller erstes an Lebensmittel denken, aber ich war niedergeschlagen, weil unser Patenkind am 15. November ihren 1. Geburtstag feiert und wir ihr unbedingt eine Kleinigkeit schicken wollten. Das kam ja nach dem Küchenkauf nicht in Frage… jetzt kann ich diesen Wunsch von uns wenigstens erfüllen und das macht mich sehr, sehr glücklich. Wir haben den Männern alle Treffen abgesagt.

Es ist übrigens erschreckend, wie man als Frau dort behandelt wird. Auf dieser Plattform tauschen sich die Männer über die Frauen aus, wie über Ware. Haben wir schon von einigen, mit denen wir uns eher regelmäßiger getroffen haben, erfahren. Nicht selten wird man sehr respektlos angeschrieben, oder wenn man Angebote ablehnt, z.b. 30 Euro für einmal blasen ohne Gummi, dann wird man als „Schlampe“ bezeichnet oder am erschreckendsten war ein Typ, der immer wieder neue Profile erstellt hat, nachdem wir ihm abgesagt hatten, und Nachrichten schrieb wie: Du schreist doch danach, vergewaltigt zu werden – Ich rufe meine Kumpels, wir finden dich, und dann kriegst du, was du willst/verdienst – etc. pp. Seit einigen Wochen ist da wenigstens Ruhe, unheimlich war das dennoch.

Wir sind sehr froh, dass wir uns nicht mit jemandem treffen müssen, denn aktuell haben wir gar keine Lust auf Sex und sowieso ist unser Körpergefühl gerade sehr schlecht. Unsere Periode ist seit 5 Tagen verspätet und aus Angst haben wir auch einen Schwangerschaftstest gemacht. Der war negativ. Trotzdem spüre ich eine innerliche, große Unruhe, denn wir nehmen gerade stetig zu (ohne Fressanfälle oder übermäßigem Esskonsum, im Gegenteil, wir sind jeden Tag bei ca. 1.500 Kalorien). Unsere Brüste fühlen sich irgendwie… größer an…. und auch schmerzempfindlich und unser Unterbauch erinnert mich an die Zeit, als wir 2018 in der 9 SSW waren…Allerdings bleibt die Übelkeit usw. aus. Also könnten das auch nur Vorzeichen für die Periode sein (wir haben keine emotionale PMS… oder so etwas). Ich weiß, dass das nicht immer ein Kriterium sein muss und ich weiß, dass Schwangerschaftstests nicht immer stimmen müssen, und deshalb ist mir klar, dass wir das dringend beim Frauenarzt nochmal anschauen lassen müssten, aber die Angst davor, dass da wirklich ein Unfall passiert sein könnte (was mir unerklärlich wäre!), ist viel größer. Diese Angst treibt mich fast in den Wahnsinn, weil die Erinnerungen daran, was da im Oktober 2018 los war… die Entscheidungen… und als es dann passiert ist… das war so entsetzlich, das ich bis heute nicht weiß, wie wir das überlebt/überstanden haben. Und zwar so, dass wir damit scheinbar relativ gut leben können.

Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass wir wirklich schwanger sind. Einerseits denke ich: Das müssten wir doch fühlen! Andererseits hatte ich keinen ungeschützten Sex. Nicht einmal mit Severin.

Ein anderer Punkt ist, dass wir endlich die Stunden erhöhen können zum Arbeiten. Oder gerne würden. Aber es werden einem immer ein bisschen die Steine in den Weg gestellt. Der Direktor hatte eine gute Idee damit, dass wir ca. 5 Stunden in der Woche noch beim Spendenreferat aushelfen könnten, weil jetzt vor allem zu der Zeit massenweise (75 %) der Spenden einfließen und sie zu zweit einfach zu ausgelastet und mittlerweile auch überlastet sind. Ich habe mit den Spendenreferentin gesprochen, sie wollte mir Aufgaben anbieten… aber da ist jetzt meine Chefin nicht glücklich damit. Was ich einerseits verstehen kann, andererseits brauche ich dringend das Geld. Meine Chefin möchte, dass das Öffentlichkeitsreferat und Spendenreferat 100 % getrennt bleiben. Die Aufgaben, die ich beim Spendenref machen müsste, wären aber Aufgaben für in der Früh. Genauso wie die Aufgabe des Pressespiegels für das Öff.Ref. Ich muss also nochmal mit der Spendenreferentin reden, ob wir das irgendwie ganz klar trennen können. Ansonsten werde ich mal in einem Kaffee fragen, ob ich kellnern darf, aber ob das als Ungeimpfter so einfach ist, bezweifle ich.

Jetzt bin ich aber erst einmal so so dankbar und froh, dass wir den Monat über die Runden kommen können! Das nimmt so einen Druck raus und ich muss sagen… finanziell jeden Monat seit so viel Jahren so am Limit zu sein, macht psychisch schon auch ein bisschen etwas aus… Ich hoffe das ändert sich sehr bald.

-Kara

Jetzt haben wir wirklich ein Dilemma

In den letzten zwei Wochen haben wir sehr viel mit Kenai unternommen. Am Samstag waren wir Fotos schießen mit seiner Profi-Kamera und es hat super viel Spaß gemacht. Es sind auch eeecht gute Fotos entstanden. Wir hatten noch nie eine Profi-Kamera in der Hand und es war großartig, mit ihr zu schießen. Am Abend waren wir wieder bei seiner Schwester *Sunny. Ihr Freund Tim und sein Bruder Sinan waren auch da. Wir haben gemeinsam Wraps gegessen, Arschloch gespielt und später saßen wir einfach beisammen auf der Couch und haben geplaudert und entspannt. Und sie sind großartig. Sie geben uns ein wahnsinnig gutes Gefühl – sie nehmen uns so herzlich auf, als wären wir schon lange ein Teil ihrer Familie. Kenai inspiriert mich extrem und vieles an ihm finden wir sehr, sehr süß. Am Abend fragte er, ob wir nochmal spazieren gehen wollten und wir sagten: Ja. Ziemlich zu Beginn des Gesprächs gestand er uns, dass er sich verliebt hätte, und dass es vermutlich total schräg klingt, weil wir uns ja noch nicht so lange kennen. Aber wir fanden das kein bisschen schräg. Letztendlich war es bei Severin für uns ja auch „Liebe auf den ersten Blick“. Oder zumindest die Anziehung war genau in der Sekunde da, in der wir ihm das aller erste Mal auf der Treppe begegnet sind. Und ziemlich schnell war uns klar, dass wir uns verknallt hatten. Das ging bei uns viel schneller als bei Kenai uns gegenüber. Wir waren bisschen… wir haben Angst bekommen. Oder besser gesagt: Ich habe Angst gespürt. Denn ich weiß, ich kann diese Gefühle für ihn nicht erwidern. Wir mögen ihn unheimlich gerne und wir haben mit ihm zwar auch schon über die Zukunftswünsche gesprochen – also, was wir uns vorstellen und was er sich so vorstellt und kognitiv (sagen selbst unsere Freunde), was die Persönlichkeit und unsere Ziele betrifft, würden Kenai und ich 100 % matchen. Er hat genau dieselbe Vorstellung einer Familie und wie es den Kindern gehen soll und wie sie aufwachsen sollten – mehrere Bezugspersonen, geschützt werden von beiden Familienseiten (väterlicher und mütterlicherseits), wo es aufwachsen soll. Dass wir beide eigentlich einem Kind eine Großstadt nicht antun möchten und wir pädagogisch betrachtet klar sehen: Eine Kleinstadt wäre viel sicherer. Somit würden sich auch unsere Vorstellungen vom zukünftigen Leben decken. Der Wunsch eines kleinen Häuschens in einer Kleinstadt. Wir haben sogar über Krisenzeiten gesprochen. Ganz unabhängig voneinander, übrigens. Also da hatten wir nicht darüber spekuliert, dass wir beide die Zukunft gemeinsam verbringen, sondern unabhängig eben. Ich hatte auch schon von Severin erzählt. Also, er ist jetzt nicht so unbelehrt. Allerdings weiß er nicht, glaube ich, dass ich mit Severin noch zusammen bin. Ich hatte ihm eher so allgemein etwas erzählt. Wie zum Beispiel die Situation mit der Einseitigkeít in einer Beziehung und was ich sehr ungesund finde und was mich sehr unglücklich macht und ich glaube, er hat nicht wirklich begriffen, dass das alles noch aktuell ist. Also, dass es Severin an meiner Seite noch gibt.

Jedenfalls kamen wir dann auch auf das Thema, wenn man Kinder haben möchte, muss man auch mit der Angst leben bzw der Tatsache konfrontiert sein, dass man das Kind nicht vor allem auf dieser Welt beschützen kann und das Sprichwort mit den Flügeln geben absolut wichtig ist und ich zum Beispiel auch keine überbehütete Mutti sein will, aber dass mir wichtig ist, dass das Kind, wenn es wirklich etwas traumatisches erleben sollte, weiß, dass es in der ganzen Familie einen Halt hat. Und sprachen wir darüber, wie schrecklich ess ein muss, wenn man ein Kind durch eine Krankheit oder einen Unfall verliert – und solche Sachen kann man nicht ausschließen. Und dass Beziehungen in solchen Fällen häufiger auseinander gehen, als zusammenschweißen.

Kenai ist übrigens ein richtiger Weltenerfinder. Wenn ich ihm erzähle, dass ich so gerne mal ein Fantasy-Buch schreiben würde, weil meine Träume wirklich Material dafür hätten, ich aber schlecht darin bin, mir gewisse Dinge auszudenken, dann fängt er mit Brainstorming an und bringt mich doch auf grandiose Ideen. Gestern zum Beispiel über ein Institut für Kinder mit einer übernatürlichen Fähigkeit (davon hatte ich geträumt), in dem sie trainiert werden, diese Fähigkeiten zu kontrollieren, weil sie zum Beispiel durch Kontrollverluste schon oft Menschen verletzt oder sogar getötet haben. Aber ich fragte mich dann, wie soll das gehen, ohne das „normale Menschen“ davon mitkriegen und wie würde die Polizei bei so etwas ermitteln? Bei solchen Fragen hört bei mir der Spaß an Fantasy-Romanen auf, weil ich dann entweder ne komplett eigene Welt schaffen müsste (dafür fehlt mir dann doch die Vorstellungskraft) oder gut recherchieren. Weil ich hasse nichts mehr als Romane, die rechtlich total sinnlos sind. Also zb.: Die Polizei findet eine verbrannte Leiche und dann wird da nicht weiter drauf eingegangen oder nicht nach dem Mörder ermittelt.

Durch Kenais Brainstorming kamen wir dann aber eben auf die Idee, dass die Polizei solche Fälle an eine Spezialeinheit leitet „mysteriöse Todesfälle“ – und diese Spezialeinheit eine Abteilung im Institut ist, um diese Kinder ausfindig zu machen. Ohne, dass die Polizei das weiß. So könnte man mühsame Recherchearbeit ersparen und wie das bürokratisch zwischen den zwei Polizeistellen geregelt wird, interessiert Leser ja in der Regel nicht. Egal 😀 Auf jeden Fall wären wir ohne Kenai nie auf solche weitere Ideen gekommen. Und wir teilen eben auch sehr viele Hobbys.

Aber seit er eben uns gestanden hat, dass er sich verliebt hat, haben wir Angst. Wir haben ihm ehrlich gesagt, dass wir zwar kognitiv sehen, dass das vermutlich eine schöne Zukunft sein könnte mit ihm. Eine sichere und schöne. Aber das wir einfach keine Gefühle für ihn entwickelt haben und wir nicht wissen, ob das noch passieren wird.

Severin haben wir nicht erwähnt, weil was ihn angeht, steht gerade alles in den Sternen. Er behandelt uns nicht besonders ehrenvoll… zumindest raten uns alle Freundinnen, mit denen wir gesprochen haben und wo wir auch anonym auf unserem Insta Account (wo wir grad wieder regelmäßig das Essen notieren usw.), dass er uns doch nur warmhält und ein Mann, dem eine Frau wichtig wäre, alles dafür tun würde um ihr ein gutes Gefühl zu geben oder ihr zu zeigen, dass sie etwas besonderes und wichtiges für ihn ist. Severin hat das in den letzten fünf Monaten, die wir bereits zusammen sind, nicht geschafft. Im Gegenteil. Eher sagt er uns ins Gesicht, dass er nicht weiß ob er uns liebt, dass er sich nicht sicher ist mit uns, dass er nicht versprechen kann, dass sich das ändert, dass er es zwar „schade“ fände, wenn wir Schluss machen würden, aber „dann wäre das halt so“. Er gibt sich kein bisschen Mühe, uns irgendwie zu beruhigen, uns zu trösten oder so etwas. Es scheint ihm scheißegal zu sein, wie sehr er uns verunsichert – in seinen Augen ist das unser Problem und wir dürfen entscheiden, ob wir das so weiter machen wollen oder nicht. Ein Mann, der eine Frau wertschätzt, würde sie so nicht behandeln. Und wir kommen uns von ihm zunehmend verarscht vor. Das Einzige was er sagte war, dass er nur noch angepisst ist von der ganzen Corona-Situation und dass wenn wir zusammen sind, er das weniger ist. Aber als wir fragten, ob er sich mit uns sicher wäre und ob er glücklich wäre, schrieb er im O-Ton: Nein und sowas von nein.

Wie kann man jemandem, der einem wichtig ist und den man nicht verletzen will, so etwas ins Gesicht schmettern, wenn man weiß, dass derjenige verliebt ist? Ich fand diese Aussage von ihm besonders ekelhaft und unschön und abwertend, dass ich ihm am liebsten gesagt hätte, er soll sich zum Teufel scheren und sich nie wieder bei uns melden. Ich bin immer noch wütend über seine Rücksichtslosigkeit und ich komme mir immer mehr vor wie eine dumme Sexpuppe mit der er Spaß hat und die er dafür nutzt, seinen „beschissenen Zustand“ weniger beschissen zu machen. Danke. Mit Cia und Belinda haben wir darüber auch gesprochen, weil wir eigentlich wegen Sevrein nur noch super viel weinen. Unser Selbstwertgefühl war nie besonders super, aber es war auch noch nie so schlecht, wie seitdem er uns immer wieder sagt, dass wir eigentlich nur ne Bespaßung für ihn sind.

Er kann genauso gut einfach eine Freundin fragen, ob sie regelmäßig Zeit für ihn hat und mit ihr vögeln und er hätte seine Ablenkung von Corona ebenfalls. Ich denke mittlerweile, er will hier für Deutschland, während er seinen Doktor macht, einfach nur eine Überbrückung haben, die ihm das ganze bisschen leichter macht. Und wir Vollidioten sind es, die sich in ihn verknallt haben. Aber ich muss sagen: So wie er mit uns umgeht, gehen die Gefühle aktuell immer weiter zurück. Er ist super gut darin, uns zu verletzen. In keiner Beziehung wurden wir systematisch so verletzt wie von ihm. Kora ausgenommen, aber selbst sie hat es geschafft im ersten halben Jahr wertschätzend und liebend mit uns umzugehen, bis ihr Borderline halt total gekickt hat und wir bei ihrer nächsten Suiziddrohung am liebsten gesagt hätten: DANN MACH DOCH DU BLÖDE KUH! (haben wir nicht).

Wenn Severin da ist, ist er zwar nett zu uns. Und aufmerksam und höflich. Aber das ist er halt eben zu allen anderen Menschen auch. Er sagte ja selber: Er hat noch nie etwas exklusiv mit seiner Freundin gemacht, außer Sex. Und ich finde irgendwie diese Einstellung zu Beziehungen von ihm, extrem unreif. Mit 28 sollte man doch – Corona hin oder her – wissen was man möchte und auch wissen, was eine Beziehung ausmacht.

Das Traurige an der Sache ist: Wir lieben ihn wirklich und von ihm fühlen wir uns auch wirklich hingezogen. Aber wenn er uns weiter so behandelt, machen wir das nicht länger mit. Er würde ja nicht einmal Kompromisse für uns eingehen. Alles muss so sein, dass ER glücklich ist und sich damit gut fühlt. Das ist sowas von toxisch. Und wenn wir sagen, wir fühlen uns mit etwas nicht wohl, „dann hat das halt keine Zukunft“, sagt er. Aber einen Schritt auf uns zu machen? Hat er in den letzten Monaten noch kein einziges Mal. Und was noch viel trauriger ist, als von jemandem, den man liebt, so behandelt zu werden, ist zu wissen, dass er, wenn er an seinem Verhalten nichts ändert, es wirklich schwer haben wird in der Zukunft, eine Frau zu finden, die das mit ihm mitmacht.

Ich meine, bestimmt gibt es Frauen, die dann einfach sagen: Ach egal, er sieht gut aus, macht mit hübsche Kinder, wir sind ein Image-Pärchen- und mehr ist ihnen nicht wichtig. Aber, und das ist das, was mir für IHN wirklich leidtut, er wird auf diese Art und Weise niemals eine tiefe, innige und vertraute Beziehung und Liebe erfahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Frau, mit der er so umgeht, wie er mit uns umgeht, ihm die Liebe und Zuneigung geben kann, die er eigentlich verdient hätte zu erfahren. Denn eigentlich ist er ein gutes Mensch. Er meint es nicht böse und er will mich nicht verletzen, das weiß ich. Aber er tut es. Weil er denkt, die ganze Welt muss sich ihm anpassen. Zumindest macht er genau diesen Eindruck.

Es tut uns wirklich weh, das zu realisieren. Denn wenn er bei uns ist, und wir mit ihm kuscheln oder mit ihm schlafen, fühlen wir uns gut. Oder wenn wir mit ihm plaudern… dann ist das Leben plötzlich so unkompliziert. (Andererseits stößt es uns langsam bei gewissen Themen auch echt auf, dass er alles so unkompliziert sehen will und wen er es nicht versteht, ist es für ihn „dumm“ oder jene Menschen sind „bescheuert“). Zum Beispiel das Thema Astralreisen. Wenn Menschen an Gott glauben, ist das für ihn voll ok und er fände es dumm von mir, würde ich es verurteilen. Aber beim Thema Astralreisen sagt er: Menschen die an so etwas glauben sind „psychisch krank“ oder „bescheuert“ – dabei hat er sich noch nie wirklich damit auseinander gesetzt und in meinen Augen ist er dann genauso dumm wie Menschen, die Menschen verurteilen, weil sie an Gott glauben. Er kann einerseits so intelligent sein, andererseits schreckt mich sein Verhalten was Verurteilen von Dingen, die er nicht versteht, sehr ab. Genauso wie seine Gleichgültigkeit in solchen Sachen. Aber nur manchmal. Oft schafft er es eigentlich eher unsere Gedanken zu entwirren.

Aber was ist das bitte für eine Beziehung? Ein Mann, der uns kein bisschen das Gefühl geben kann, wertvoll zu sein? Aber mit uns in einer Beziehung ist und regelmäßig Sex hat? Eine Freundin (*Kim) ist einmal total eskaliert, sie hat uns regelrecht darum gebeten, mit ihm Schluss zu machen und uns selbst mehr wert zu sein, egal wie weh das tut. Sie sagte O-Ton: Ein Mann, der einer Frau kein gutes Gefühl geben kann, ist in meinen Augen kein richtiger Mann, sondern ein Bastard.

Kim ist eine die wir vor über einem Jahr auf Insta kennen gelernt haben. Sie meinte, sie erkennt in Severin und mir extrem ihre Beziehung zu T. wieder und fragte aus Spaß: „Schreibst du mit ihm?“. Ich muss sagen, Kim ist sehr impulsiv und nimmt kein Blatt vor den Mund – aber ich liebe ihren Hass. Es ist zu witzig ihr zuzuhören, wenn sie sich über jemanden aufregt. Eine ihrer Sprachnachrichten war zum Beispiel: „Alter, du machst dich da vor ihm NACKt, öffnest dich ihm, schüttest ihm dein Herz aus, wie scheiße du dich fühlst und er schreibt tut mir leid, ich weiß ich mach es dir nicht einfach.? Das kann er sich so tief in sein Maul schieben, bis es beim nächsten Schiss wieder hinten rauskommt. Aber hart! BITTE sei dir einfach selbst mehr wert und mach mit ihm schluss. Da draußen gibt es tausend andere Männer die wissen, wie man Frauen behandelt!“ Ca. 9 solcher Sprachnachrichten hatte sie mir hintereinander geschickt und da wurde mir gleich leichter ums Herz, weil ich einfach lachen musste und ich es irgendwie… es hat un sirgendwie gerührt, dass so viele Freundinnen von uns den Wert in uns sehen, den er scheinbar nie sehen wird und den wir durch seinen Umgang mit uns selbst auch schon irgendwie verloren haben.

Na ja… wir haben aktuell noch keine Ahnung wie wir damit umgehen sollen. Ich glaube, eigentlich haben wir emotional schon mit ihm abgeschlossen. Wir spüren keine Verliebtheit mehr. Aber wir fühlen uns noch extrem zu ihm hingezogen. Bei uns ist noch so die Hoffnung da, er könnte sich ändern. Aber eigentlich hatte er selber geschrieben, dass wenn wir von dem genervt sind, würde es sich wahrschienlich in der nächsten Zukunft nicht ändern, weil er merkt, es ginge eher bergab mit ihm in den letzten Wochen und seit es diese Lockdowns usw gibt, würde es sich nicht ändern.

Außerdem hatten wir ihn ja auch gefragt, ob er sich 100% sicher sei mit uns und er meintedarauf auch, dass wenn wir erwarten, dass er sich irgendwann mit uns 100 % sicher wäre, dass das nie passieren würde. Er denke, es würde gar nicht gehen, weil wenn er sich 100 % sicher wäre, gäbe es nichts, womit wir ihn überraschen könnte und das mache keine Sinn, das wäre wie sich selbst zu daten.

Das klingt so auf den ersten Blick logisch, aber eigentlich ist das absoluter Bullshit. Und das haben meine Freundinnen mir auch bestätigt. (ja, mittlerweile bespreche ich alles mit verschiedenen Freundinnen oder auch nicht Freundinnen, denn wenn ich anderer Meinung bin als er, versteht er es ja nicht oder meint, ich übertreibe oder ICH sei unlogisch – durch meinen Kontakt mit anderen und den Austausch weiß ich wenigstens, dass diese Denkfehler NICHT bei uns liegen, sondern allein bei ihm. Scheinbar hat er einfach keine Ahnung, wie Liebesbeziehungen funktioniert – außer der exklusiven Sache, mit der Partnerin Sex zu haben. Das ist wirklich traurig). Wenn ich mir nämlich z.B. nicht zu 100 % mit jemandem sicher bin, gehe ich mit so einer Person auch keine Beziehung ein, das ergäbe nämlich überhaupt gar keinen Sinn. Seine Argumentation finde ich ziemlich schwach und ohnehin total fehldenkend. Aber slebst wenn ich ihm das erklären würde, würde er das nicht verstehen, denn irgendwie gibt es für ihn nur seine kleine Welt, in der alles seine Reih‘ und Ordnung hat. Ich frage mich zunehmend, wieso zur Hölle wir in ihn verknallt sind! Eigentlich können wir Menschen, die nicht weiter als von der Wand bis zur Tapete denken können und vorverurteilen und selbstbezogen sind, überhaupt nicht leiden.

Wir müssen jetzt erst Mal aufhören… aber schreiben dann später noch zu dem Abend bei Cia weiter, die wir am Freitag besucht haben