Wie erwartet… und Reunion

Heute Nachmittag wollte ich einfach nicht in der WG bleiben… wer will auch irgendwo bleiben, wo er scheinbar ein Störenfried ist? Lena hatte eigentlich Therapie aber sie hat sich danach Zeit genommen und wir sind zusammen in unser Lieblingscafé spaziert. Zufällig haben wir dort auch Toni getroffen und die beiden haben uns den Tag wirklich erleichtert und etwas schöner gemacht, aber die Enttäuschung sitzt irgendwie echt extrem tief… was mich wirklich wundert… normalerweise hat sich sowas bei uns einfach in Wut verwandelt und wir sind ignorant und auch wirklich abweisend geworden zu solchen Personen… aber es verändert sich nicht… wir fühlen uns nach wie vor verletzt und hintergangen und sowas wie Wut spüren wir einfach nicht… nur Traurigkeit… und sowas wie… einfach total Fehl am Platz zu sein. Wir wollen nicht einmal mehr im Wohnzimmer uns aufhalten… wer weiß, was die alle noch an uns stört und sie sagen es uns einfach nicht?… Eigentlich hatten wir Lena angeboten, dass sie rüberkommen kann… sie wollte eigentlich nicht absagen aber wir haben an ihrem Blick gemerkt… ja.. und ehrlich gesagt hatten wir sogar ein schlechtes Gewissen sie zu fragen… und letztendlich meinte sie, eigentlich ja und eigentlich nein… und ich meinte… ja, kann ich verstehen.. wenn wir uns jetzt schon nicht willkommen fühlen in der WG, wie wird sie sich dann wohl fühlen? Ich hätte auch keine Lust jemanden irgendwo zu besuchen, wo ich weiß, dass die anderen Mitbewohner sich hinter meinem Rücken darüber beschweren, dass ich störe… Ja… ich kann es Lena nicht einmal übel nehmen, dass sie nicht mehr kommen möchte und komischerweise hätte ich mich nicht einmal mehr wohl gefühlt, wenn wir zusammen unten gesessen wären…

Das wars wohl mit den gemeinsamen Abenden… naja… aber wenigstens konnten wir uns heute auf einen Kaffee treffen…

Ja naja… was mich aber jetzt irgendwie … noch viel mehr belastet ist eher… ja… dass wir wieder Freundschaft mit der Toilette geschlossen haben… ich weiß nicht…. vorhin als wir ankamen, waren alle unten… brh war da, alle Mitbewohner im Wohnzimmer… wir haben Jimmy gleich ins Zimmer gebracht und hatten uns eigentlich Zitronenkuchen von Bahlsen mitgenommen (wir lieben den). Brh war in der Küche, als wir uns Kaffee gemacht haben… und dann meinte sie: „Ich habe die E-Mail bekommen… und ich war um halb drei trotzdem da, weil ich dachte, vielleicht ist ja ein Anteil da, der doch reden möchte.“ Bei dem Satz hätte ich am liebsten irgendwas zerschlagen. Eigentlich hatte ich ein schlechtes Gewissen, so zu reagieren, wie ich reagiert habe, weil ich weiß, dass brh es eigentlich gut meint, aber auch sie schiebt die ganze Schuld auf uns und macht es sich einfach … und obwohl ich zu ihr nicht abweisend sein wollte, habe ich trotzdem gesagt: „Ich möchte keine Gespräche mehr… ich bin enttäuscht.“ Und dann meinte brh: „Auch von mir?“ (und sie hat schon lieb mit uns geredet)… und echt… innerlich war so ne Hoffnung: Ach komm, versuchs nochmal. Aber diese Hoffnung und dieses „Ach komm, versuchs nochmal“… haben wir Billionen Mal mit ihr versucht und es hat nie geklappt. Und deswegen, obwohl wir ein echt schlechtes Gewissen hatten, sind wir unserer Enttäuschung treu geblieben und haben gesagt: „Es geht nicht um irgendwelche Anteile! Sondern darum dass wir insgesamt enttäuscht sind. Und dann heißt es in den Hilfeplanbögen: Versuchen Vertrauen aufzubauen – und dann wird man aber so behandelt und hintergangen.“ Und sie fragte eben: „Von mir auch?“.. ich weiß nicht mehr, ob wir darauf geantwortet haben. Ich weiß nur, wir haben ihr kein einziges Mal ins Gesicht gesehen… keinem von denen heute. Wir haben Jimmys Futternapf gepackt, unseren Kuchen und unseren Laptop und haben uns in unserem Zimmer verzogen. Dort habe ich dann den Kuchen erst genüsslich gegessen, aber irgendwie habe ich gemerkt… der Genuss war verdammt schnell weg und es war nur noch ein: „Eigentlich hast du gar keine Lust auf ihn“ und ein „Aber eigentlich schmeckt er dir doch sonst immer!“ und dann ein „eigentlich fühle ich mich voll… jjetzt ist es auch schon egal.“…. und zehn Minuten später war alles in der Toilette… und obwohl wir so Angst hatten da wieder reinzurutschen und so glücklich waren, dass diese Bulimie von einem Tag auf den anderen irgendwie scheinbar aufgehört hat… (also in der Klinik war es noch manchmal, aber dann war Mia weg… und schlagartig auch die Bulimie)…. und jetzt bin ich zwar nicht Mia, aber trotzdem ist plötzlich die Bulimie wieder da… naja, ich weiß nicht ob man es schon so nennen kann, weil es ist ja jetzt das erste Mal nach echt langer Zeit wieder passiert… und ich hatte riesen Angst davor weil ich kann mich gut erinnern wie furchtbar das in der „Endphase“ war… aber gleichzeitig… hat sich das so befreiend und vertraut angefühlt… und ich weiß ganz genau, dass es nicht fürs Erste nicht bei diesem einen Mal bleibt… ein Teil von mir… ach… ach egal.

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