Untereinander helfen (K)

Gefühlt bin ich total ausgeruht. Als hätte ich ewig geschlafen. Ich war letzte Woche mal im Außen und war ein wenig verzweifelt, weil ich nicht wusste wo wir sind, was ich mache, wer wer ist. Jetzt war ich eine Woche lang ca. wieder „weg“, bin wieder da und habe aber lauter Randinfos. Das ist jetzt nichts Ungewöhnliches, wenn mir viel Zeit fehlt, dann habe ich und wir meistens die Eckdaten vorhanden. Details kriegen wir dann durch inneren Kontakt oder über das Kommunikationsheft oder im blödsten Fall erst durch unsere Mitmenschen.

Aktuell weiß ich, dass wir hier sind, weil es uns immer schlechter ging. Das steht sogar auch in unserem Interesse, weil Mia ja schon ewig versucht hat in eine Klinik zu kommen. Wer das von uns letztendlich geschafft hat, weiß ich nicht, aber ich bin unendlich dankbar, dass uns das jemand abgenommen hat, also Mia, mir und Kim (die uns ja dann abgelöst hatte, weil Frau Blume darum gebeten hatte, als Mia und ich einfach überhaupt nicht mehr in der Lage waren zu arbeiten).

Für mich fühlt sich im Moment alles sehr neutral an. Ich fühle mich weder sehr depressiv, noch sehr glücklich. Einfach neutral gut. Und ich versuche da anzuknüpfen, wo wir in der Therapie stehen. Zum Beispiel habe ich erfahren, dass wir in der Gartentherapie immer dissoziieren. Die eine Patientin, ich glaube wir haben sie Paula genannt, fragte mich heute, wieso wir denn noch in die Gartentherapie gehen. Ich meinte zu ihr, ich möchte den Auslöser finden. Die Menschen sind es ja nicht. Woher wusste das der Mann eigentlich? Sicher habe ich mit ihm darüber geredet? Ich weiß es nicht, das ist zum Beispiel eine Info die mir fehlt, ich weiß nämlich nicht einmal, wie er heißt… irgendein älterer Mann, er ist vielleicht so um die 40, meinte nämlich: „es liegt aber nicht an den Menschen, oder?“ ….. hm. Wie auch immer. Jedenfalls meinte ich „Nein, es liegt nicht an den Menschen. Ich arbeite ja alleine.“ Zumindest ist das die Info, die ich habe. Bildlich sehe ich nämlich nur ein paar Sequenzen, wie wir an einem Beet Blätter wegräumen oder Pflanzen gießen.

Ich war in den Situationen überhaupt nicht im Co, sonst hätte ich vielleicht reflektieren können, was der Auslöser ist für die Dissoziationen. Aber so habe ich nur diese drei Erinnerungsbilder im Kopf. Zwei Mal Blätter wegräumen, einmal gießen. Und mir ist klar, dass das nicht alles sein kann, was wir in der Gartentherapie gemacht haben, denn… wenn ich mich nicht verrechne, sind wir jetzt 4 Wochen hier und jeden Tag unter der Woche ist Gartentherapie.

Ich weiß natürlich nicht, ob ich bzw. unser System auch dissoziieren wird heute, aber dennoch kann ich ja gucken und analysieren, was potentielle Auslöser sein könnten. Ich meine, es ist nicht so, dass ich schon Ahnungen habe, aber sie scheinen mir nicht logisch.

In System 1 weiß ich von Summer, einer mittlerweile ausschließlichen Innenperson. Und Summer war jener Teil von uns, der bei Senta sehr viel im Garten gelernt hat. Wie und wann man Gemüse und Obst anpflanzt und erntet. Aber aus den Erinnerungen, die sie mit uns geteilt hat, gibt es keine traumatischen Ereignisse. Es sei denn, sie weiß selber nichts davon und es sind wirklich noch komplett verschüttete Erinnerungen. Denn von irgendwo müssen die Dissoziationen ja herkommen. Man dissoziiert nicht einfach so. Und nicht in diesem Ausmaß.

Mein Ziel ist jetzt auf jeden Fall, dass wir uns untereinander im Kontakt helfen und vielleicht schaffen wir es hier sogar das Neueste und „Letzte“ System unserer Außenschale kennenzulernen. Aber die Priorität ist wirklich, dass wir versuchen an einem Strang zu ziehen und wir nicht einfach den Aufenthalt jetzt abbrechen, „nur“ weil ich wieder im Außen bin und es mir gut geht. Ich hoffe, dass diejenigen die es so schwer hatten, sich weiter zeigen und im Außen sein können… ist bestimmt ein großes Wunschdenken, aber im Endeffekt wäre das großartig, wenn sie weiter außen sind und wir es schaffen im Co-Bewusstsein zu bleiben. Wenn sie überfordert wären, könnten wir dann nämlich beobachten, was der Auslöser war oder was die Auslöser sind. Aber ich weiß, dass das vermutlich nicht so funktionieren wird. Ich habe nicht einmal eine Ahnung, wer die Person(en) ist(sind) die die letzten Wochen im Außen waren….

Mal sehen, wie das jetzt weitergeht. Frau Blume und Frau *Piller, also die Psychologin hier, stehen ab jetzt in regelmäßigem Austausch, damit sie zusammen arbeiten können. Frau Piller meinte vorhin zu mir, Frau Blume fände es besser, wenn wir jetzt noch eine Weile hier bleiben und das Ärzteteam sähe das auch so. Frau Piller meinte, dass es sein kann, dass sie irgendwann Druck vom Klinikdirektor bekämen, dann müssten sie uns entlassen, aber wir dann wieder aufgenommen werden könnten. Ich glaube nicht, dass wir hier noch unendlich lange Zeit brauchen, ich habe schon im Gefühl, dass es jetzt bergauf geht (und ich hoffe, das empfinde ich nur so, weil unser System jetzt lange ausgeruht war und wieder aktiv ist…?). 

Außerdem sollen wir ab Montag versuchen Naltrexon zu nehmen. Das ist eigentlich ein Medi für Suchterkrankte und Frau Katze erklärte mir vorhin, dass man durch Zufall dabei festgestellt hatte, dass dieses Medi bei einigen Patienten auch gegen Dissoziationen helfe. Ich habe mir das mal durchgelesen und wäre auch einverstanden, das auszuprobieren. Seltsamerweise hat uns der Zustand dauerhaft dissoziiert durch den Tag zu laufen nie gestört. Aber wenn offensichtlich ein, zwei Systeme gibt, die das sehr quält, wie unser unbekanntes 5. Außensystem, dann bin ich wirklich bereit auch durch ein Medikament versuchen „nachzuhelfen“. Letztendlich haben Hanna & Co. ja scheinbar seit vier Wochen jeden Tag versucht gegen diesen dissoziierten Zustand anzukämpfen. Und klar, jetzt ist unser System aktiv und ich habe keine Ahnung, ob unser Stoffwechsel so reagiert wie der von Hanna & Co., aber … ich werde auch im Kommunikationsheft darum bitten, dass wir versuchen Kontakt und ein Co-Bewusstsein zueinander zu entwickeln. Ich weiß, Zweiteres ist vielleicht für den Anfang zu viel verlangt… aber ein Versuch ist es wert. Ich empfinde es als unrealistisch, weil wir ja selbst zu den anderen Systemen in den letzten drei Jahren erst schleichend den Kontakt und nur bei sehr wenigen das Co-Bewusstsein entwickelt haben (Lou -> Lämmchen, Lämmchen -> Theo, etc. pp. versteht ihr?) aaaber, vielleicht ist es möglich wenigstens zu dem ein bisschen, nur ein klitzekleinesbisschen, eine Verbindung herzustellen, der sich mit diesem Dissoziationszustand so unheimlich quält. Es ist doch eigentlich nur zu unserem Besten, oder?

-Kara

Wenn Männer gucken

 

Es ist so, seit ein paar Tagen ist ein neuer Typ hier auf der Station. Er kommt aus Prag, ist ziemlich attraktiv und sehr charmant. Wir sind auch schon ins Gespräch gekommen. Er ist 28, also schon älter als ich… aber jetzt nicht so dramatisch wie dreißig oder so etwas. Ja, ich finde schon, dass das ein Unterschied ist. Na ja, egal. Ich finde ihn auf jeden Fall sympathisch, aber ich habe auch gemerkt, dass er mir sehr besondere Blicke zuwirft und ich habe auch schon gesehen, dass er mir hinterherschaut, weil ich das im Fenster in der Reflektion gesehen habe. Irgendwas triggert das in mir an. Nichts Unangenehmes, aber auch nichts Angenehmes. Es ist schwer zu beschreiben. Einerseits ist es ein „bitte nicht, so etwas brauche ich hier gerade wirklich nicht“ und andererseits ein „Ist doch aufregend!“ Ich weiß zwar nicht, was daran aufregend sein soll, aber irgendein Teil von mir wird das denken. Ich meine, er ist wirklich nicht hässlich. Und wie gesagt, auch ziemlich charmant. Und trotzdem ist irgendwas an seiner Art, was mich… vorsichtig sein lässt. 

Jedenfalls sprach mich *Paula gestern darauf an. Sie ist eine alte Frau, also so ca. vielleicht 55 bis 60 würde ich jetzt schätzen, aber sie lässt sich wegen ihrer Depression sehr gehen, ich denke, vielleicht ist sie noch bisschen jünger? Ich habe keine Ahnung. Auf jeden Fall kenne ich sie auch schon, seit ich hier bin und sie mag mich glaube ich sehr gerne. Zumindest sagt sie das immer wieder mal. Ich mag jeden gerne, übrigens. Vorgestern habe ich Joachim umarmt. Ich lehne mich total gerne an ihn und necke ihn auch gerne, indem ich ihn pieks oder mit ihm ein bisschen rangel. Er ist leider nur noch in der Tag Klinik gewesen und morgen ist sein letzter Tag. Ich weiß nicht, was ich an ihm so mag. Aber irgendwas an ihm mag ich wirklich sehr, sehr gerne. Meine ehemalige Zimmernachbarin *Inge, die ist ja auch seit einer Woche in der Tag Klinik, und als es mir diese Woche nicht so gut ging, hat sie mit Betty, ihr Plüsch-Schwein da gelassen, das auf mich aufpassen soll. Es ist eins ihrer Töchter. Den kriegt sie natürlich zurück. Weil ich weiß, dass ihre Töchter ihr sehr am Herz liegen. Inge ist übrigens eigentlich echt wahnsinnig attraktiv, aber sie hat total versteifte Gelenke von den Medis und sie wirkt manchmal bisschen verwirrt. Aber sonst ist sie schon recht klar. Und ja, ich mag wirklich eigentlich jeden hier. Es gibt keinen Patienten, der mich zurzeit abschreckt oder der mich nervt oder von dem ich sagen würde, den mag ich nicht. Von den Pflegern gibt es da übrigens auch sehr wenige. Ich glaube nur zwei. Und zwar nur manchmal. Wenn sie einen schlechten Tag haben. Und die Psychologinnen mag ich auch alle (jap, sind alles nur Frauen). Und die Ärzte mag ich auch sehr. Bis auf den Oberarzt, den kenne ich einfach zu wenig und ich habe Angst vor ihm. Vor meiner behandelnden Ärztin habe ich gar keine Angst mehr. Aber das lässt erst seit dieser Woche nach. Von dem anderen Arzt habe ich mich ja sogar untersuchen lassen. Also er hat mich an den Rippen abtasten dürfen. Das wäre früher nie möglich gewesen. Nie. Aber es ging voll. Es hat keine Sekunde getriggert. Frau Soley stand zwar mit im Raum, aber trotzdem. Vor ihm haben wir keine Angst. Und vor Frau Dr. Katze schon gar nicht. Ich fange sogar an sie zu mögen. 

Ja, jedenfalls meinte Paula, wenn er mir gefällt, würde sie ihn für mich abchecken. Ich musste total lachen und meinte: „Wieso, mache ich den Eindruck?“ und sie meinte: „Ja, bei dem Gespräch vorhin hatte ich schon den Eindruck, dass er dir gefällt.“ Sie grinste dabei so neckisch. Ich musste noch mehr lachen, weil ich sie so nie erlebt habe. Ich meinte aber, dass ich überhaupt gar kein romantisches oder sexuelles Bedürfnis (mehr) an anderen Menschen habe, aber ja, dass ich ihn attraktiv und interessant finde. Aber eben weil er sehr viele Eigenarten hat. Sich auszudrücken, sich zu bewegen oder seine Mimik. Es ist eigenartig aber das macht ihn charismatisch. Irgendwie. Seine Ausstrahlung erinnert mich immer ei bisschen an Eddie Redmayne… Oder vielleicht sogar die Mimik von Scamander aus Fantastische Tierwesen. Nur finden wir den eigentlich nicht im geringsten attraktiv. Aber der Patient hier eben, der sieht wirklich attraktiv aus. 

Jaaa, egal. Jedenfalls sagte ich, sie müsse das nicht tun, weil ich wirklich kein weiteres Interesse an ihm habe. Schon gar nicht, wenn er in der Klinik ist. 

Ja, heute zog sie mich auf jeden Fall noch mal zur Seite und meinte, ich solle bei ihm aufpassen. Er würde mir hinterherschauen, als würde er mich zurück und auf sein Schoß ziehen wollen. Ich meinte, ich weiß, dass er mir hinterherschaut und mir sind seine Blicke schon aufgefallen, deswegen war ich gestern auch nicht mehr so aufgeschlossen ihm gegenüber, also zwar freundlich, aber distanziert. Paula gab mir zu bedenken, dass er das dann vielleicht noch anziehender fände, weil er nicht so wirkt, als würde er Zurückweisungen kennen. Ich meinte dann halblachend, dann würde er das hier kennenlernen. 

Es juckt mich wirklich nicht. Er macht mir keine Angst und ich fühle mich hier sicher. Dank den Pflegern. Und auch Dank der Psychologin. Oder Frau Felly? Irgendeine der beiden hatte gefragt, ob mir hier so etwas auch passiert ist, wie in der Geschlossenen (ich hatte von den fast täglichen Übergriffen irgendwann erzählt… das war echt scheiße, weil mich das selber irgendwie bisschen getriggert hat, aber egal, wenigstens ist es endlich mal draußen… ich habe darüber noch nie erzählt… also so… richtig geredet … also auch wie die Pfleger und Ärzte da reagiert haben. Also quasi so gar nicht., außer hier halt im Blog mal angedeutet… ) Ja jedenfalls meinte da eben, ich glaube die Psychologin, ob das hier auch passiert sei und ich meinte nein. Aber sie sagte, wenn das der Fall wäre, sollen wir das bitte ansprechen, weil es hier wegen solcher Sachen auch schon Entlassungen gab und sie da sehr streng damit umgehen und es sensibel behandeln. Keine Ahnung, was ich dazu sagen sollte. Ich glaube, ich meinte infach nur „okay“… weil irgendwie… sie hat es zwar gesagt, aber es kam nicht wirklich an. Zumindest in dem Moment nicht. Aber jetzt gerade in der aktuellen Situation glaube ich eben schon, dass es angekommen ist, denn wie gesagt fühle ich mich irgendwie sicher… durch das Pflegeteam hier. Und nicht nur deshalb. Ich weiß auch, dass Joachim, Inge, Cia, Paula und Martin mich beschützen würden, wenn irgendwas passieren würde. Ich vertraue denen total. Sie haben zwar alle ihre Päckchen und sie haben alle auch mal ihre schlechten Tage, aber selbst in ihren schlechten Tagen hatten sie die Energie, mich aufzumuntern, wenn ich total am Boden war. Joachim ging es die letzten Tage super super schlecht und trotzdem hat er mich liebevoll neckend aufgemuntert, als ich mit hängenden Schultern die Treppen hochgekommen war. So ein bisschen zumindest. Und dann kam heute von Belinda, also der Amerikanerin, ganz unerwartet eine Whatsapp Nachricht, über die ich wirklich richtig lachen musste:

Ich musste wiiiiiiirklich lachen darüber, auch wenn ich weiß, dass sie das so ein bisschen ernst meint. Nur hat es mich gewundert, woher sie das wusste. Bis Paula mir vorhin nochmal selber gesagt hat, dass sie Belinda auch vor ihm gewarnt und ihr gesagt hat, sie solle ein Auge auf mich und den Typen haben. Ich finde das so mega … ich weiß nicht… lieb. Es ist komisch wenn sich plötzlich so viele Menschen wirklich um einen Sorgen oder kümmern und irgendwie fühlt sich das gut an. Aber gleichzeitig denke ich mir auch so,… sie übertreiben ein bisschen. Es ist nichts passiert und er kam mir auch noch nicht zu Nahe und seine Blicke finde ich auch (noch) nicht übergriffig oder unangenehm. Ich gucke Frauen, die mir sehr gefallen, auch gerne hinterher und würde mich echt blöd fühlen, wenn ich dafür verurteilt werden würde. Ich verstehe nicht, wieso Männern dieses Urteil so anhaftet, dass sie jemanden „anschauen, als würden sie einen mit den Blicken ausziehen“. Ja und? Frauen, die mir über den Weg laufen und die mir sehr, sehr gut gefallen, ziehe ich auch gedanklich manchmal aus. Na ja, zumindest wenn ich kurz vor meiner Periode und ein bisschen horny bin, aber das ist ziemlich selten der Fall. Aber trotzdem schaue ich Frauen auch wirklich gerne hinterher, wenn denn (endlich) mal wieder eine käme, die mir gefällt (manchmal ist das Leben echt langweilig, ohne diese Verliebtheitsgefühle oder für jemanden zu schwärmen). 

Also finde ich das wirklich ein bisschen sexistisch, dass er hier wegen seiner Blicke schon als „Gefahr“ für mich gesehen wird. Ich habe Paula und Belinda das auch klargemacht, dass sie mich nicht beschützen brauchen, weil ich nicht das Gefühl habe, als würde er sich wagen mir anderweitig zu nahe zu kommen. Und wenn er sich das vorstellt, dann tut er das halt. Die Gedanken sind nun einmal frei, da könnte ich so oder so nichts daran ändern und ehrlich gesagt juckt mich das auch nicht so. Was mich ekeln würde wäre, wenn ich wüsste er würde ein Foto von mir als W***svorlage nutzen. Aber wieso bin ich jetzt plötzlich bei dem Thema? 

Ja, egal. Lange rede kurzer Sinn: Solange er nur guckt – und zwar nicht wie ein Perverser, sondern einfach nur guckt, so wie ich halt auch gerne gucke, wenn mir mal wer gefällt, stört mich das nicht. Und das wollte ich Paula und Belinda auch klarmachen. Und ich hoffe, dass Paula das Joachim usw. nicht weitersagt. Oder Belinda es nicht Inge verrät (Paula und Inge können sich nicht ausstehen, deshalb würde Inge das von Paula nie erfahren). Ich weiß, wenn er übergriffig werden würde, stünden sie alle hinter mir und das tut wirklich gut, das zu wissen. Aber ich finde es einfach sehr sehr krass nur anhand seiner Blicke ihn so zu verurteilen. Und ja, irgendwas an ihm triggert mich, habe ich ja auch gesagt. Aber nicht unangenehm und nicht angenehm. Es ist irgendwas Neutrales, irgendwas wo ich neugierig werde, weil ich noch nicht genau weiß was er in mir auslöst. Oder ob einfach nur irgendwas in mir in Resonanz geht, weil ich so charmante Männer noch nicht kennengelernt habe. Er wirkt wirklich wie aus einer anderen Zeit. Höflich, freundlich, aber irgendwie aalglatt. Und ja, ich bin vorsichtig, aber das alles heißt nicht, dass ich mich schon von seinen Blicken bedrängt fühlen würde oder was auch immer.

Sorry, das wollte ich einfach loswerden, weil ich diesen Gedanken irgendwo Luft machen wollte.

 

Was ich vergessen will (TW)

Es geht gar nichts mehr. Ich. bin. plötzlich. da. HÄ? Fast drei Jahre lang keine Alltagsperson mehr und nur noch im Innen gewesen, also, hauptsächlich…. und seit einer Woche ist alles wie der reinste Albtraum. Wie 2017, als ich noch nicht einmal etwas von der DIS wusste. Kein Co-Bewusstsein, kein innerer Kontakt, kein Wir-Gefühl… aber die Pfleger und die Psychologin schildern Wechsel, ja, vermutlich meine Zeitlücken. Die Anteile und die ganze „Geschichte“ habe ich mir also nicht ausgedacht, aber… ich bin verzweifelt.

In der VT Gruppe kann ich mich erinnern, ging es um das Thema Selbstliebe, und in einem Kontext kam auf einmal eine Assoziationskette oder… auch das Thema. Ich weiß es nicht mehr, mein Hirn war wohl schon zu erschöpft, um sich das zu merken. Stichwörter. Wert (durch) Leistung. Oder eben (kein) Wert (durch) Leistung. Und eine Szene, eine so superschöne Regenbogen-Glitzer Szene. Nicht.

Der Satz „du bist so wertvoll“… in Dauerschleife ging der in meinem Kopf los. Zittern. Inneres Zittern, so sehr, dass mir fast schlecht wurde und ich konnte die Anderen und die Stimme der Psychologin und der Teilnehmer eben, die angeregt weiterdiskutierten, nicht mehr wahrnehmen, weil ich war… wuuusschh – weg. Hmmm… ? Wo ich war? Ich will es vergessen. Ich traue mich nicht es auszusprechen oder zu denken. Ich habe Angst, dass es dann wieder wahr wird. Naja, nein…Letzten Dienstag oder Donnerstag hatte ich Angst, dass es wahr wird. Ich konnte nicht darüber reden. Ich konnte einfach nicht. Mein Puls war im Jenseits, mein Herz hat so schnell geschlagen, dass ich dachte, es bleibt gleich stehen. Ja, auf der Uhr war 136 angezeigt. Als wäre ich mehrmals Treppen rauf und runter gelaufen. Und als ich angefangen habe Angst zu bekommen, eine Panikattacke zu bekommen, von einer Sekunde auf die Andere,, schlug mein Herz plötzlich so langsam… als würde man auf einmal ein ICE bei der Höchstgeschwindigkeit nur noch in Zeitlupe sehen. Mein Herz nur noch so… womm, 1, 2, womm, 1, 2, womm, 1, 2… Mein Kreislauf ging richtig flöten, mein Blick auf die Uhr, der Puls zeigte 56 an. Mein letzter Gedanke war noch: Oh nein, Frau Blume sagte mal, beim Dissoziieren fährt der Puls runter. Und zack. Im nächsten Augenblick liege ich im Aufenthaltsraum auf den gepolsterten Bänken, lese einen Komik. Draußen ist es dunkel und ich wundere mich nicht einmal darüber, dass ich mich vom Stuhl im Stützpunkt auf die Bank im Aufenthaltsraum gebeamt habe. Und dafür augenscheinlich einige Stunden gebraucht habe. Es sei denn, es wird mittlerweile binnen einem Augenschlag dunkel.

Und dann war heute Depressionsgruppe. Aaaach, mir geht es seit Tagen… furchtbar. Es ist so seltsam. Ich empfinde nichts mehr, außer Antriebs- und Energielosigkeit. Eigentlich sollte Fluoxetin doch das Gegenteil bewirken? Stimmungsaufhellend? Ja, ja, das denke ich schon und wir haben einen richtigen Crash-Kurs in einer Gruppe in Sachen Medikamente und ihrer Wirkung im Gehirn bekommen. Das haben wir uns sehr gut gemerkt und es war interessant und logisch. Aber wieso ist mein Gehirn so anders? Fluoxetin… sollte meine Stimmung aufhellen. Jetzt spüre ich gar nichts mehr, außer, dass ich keine Energie mehr habe. Sobald ich aufstehe… bin ich auf der Disso-Skala schon bei 40. Wenn es gut läuft bei 30, aber sobald der Tag „richtig“ startet, fast durchgehen zwischen 50 und 70. Und 70 ist ja schon dieser „Streifen“, von „Kontrolle verlieren“. Also so sagt man hier. Aber die verliere ich nicht, ich bin nur krass, krass, krass am dissoziieren. Oder ich weiß nicht einmal, ob das noch dissoziieren ist. Ich merke dass ich noch alles mache. Reden, essen, leben, aber es kommt nichts mehr bei mir an, ich nehme es nicht wirklich wahr. Und nein, Fluoxetin ist kein sedierendes Medikament. Es ist ein Blocker. Das heißt, es soll einfach die Hormone daran hindern zurück in dieses Prädingsbums zu gehen, damit sich diese „Andockstelle“ im Postdingsbums wieder bildet, damit das Hormon da wieder weitergeleitet werden kann. Es gibt noch Medikamente, die nicht Blocken, sondern .verhindern, dass das Hormon in diesem Zwischenraum von dem Prädingsbums und Postdingsbums aufgelöst wird, und die haben halt viel mehr Nebenwirkungen, wirken dafür aber schnell. Ist uns aber wurscht, weil wir nicht fett werden wollen und deshalb kommt für uns nur der Blocker in Frage. Und dann gibt es noch so Medis für irgend so einen GABA Rezeptor (so ne Andockstelle im Postdingsbums) und der ist für das Sedierende Zeug wie Tavor, Benzos etc. Also ja, ja, ich habe schon einiges gelernt und ich kenne zwar die Fachausdrücke nicht, aber ich habe es mir gemerkt und verstanden. Fluoxetin sollte nicht so wirken wie es bei mir wirkt.

Aber es kann theoretisch noch gar nicht wirklich wirken, weil ich es ja auch erst seit einer Woche nehme… ich will dem Zeit geben… Ja und außerdem… Frau *Zypresse (also die Gartentherapeutin) meinte zu mir, sie würde mir sofort im Blick ansehen, wenn ich dissoziiert bin und wie ich halt in die Therapie komme und gestern oder vorgestern meinte ich zur Psychologin hier, ich wüsste nicht woran das im Garten liegt, dass es mich immer da am meisten „wegkickt“. Ich mag Frau Zypresse und die Arbeit total gerne, aber genau da bin ich immer am unbelastbarsten und am meisten am Dissoziieren. Ich bin da aber irgendwie auch nicht. Mein Körper macht die Arbeit, aber alles mit einer extremen Portion Anstrengung und völlig entkräftet/energielos, und eben ständig gedanklich in die Leere abdriftend. Ich will die Therapie aber nicht wechseln, weil ich das eigentlich auch als Chance sehe, herauszufinden was der Auslöser ist. Heute habe ich keinen gefunden… ich sollte Blumen gießen im Schatten und das habe ich gemacht. Keine Flashbacks, keine Intrusionen, ich gehe also nicht von einem Trigger aus, und trotzdem war ich wieder eigentlich null anwesend bei der Therapie.

Heute nach der GT (Gartentherapie) war dann wieder die Psychoedukation Depression. Es war einfach Aus mit mir. Es ging um biologische Behandlungsmöglichkeiten… erst kam schon irgendwas mit Licht. Ich weiß nicht, wieso ich soooo triggerbar bin zurzeit. Sonst hatte ich immer ein Pelz aus Stahl und seit einiger Zeit reicht es, Wörter zu hören und es triggert mich weg wie sonst etwas. Als sie eingingen auf diese Lichttherapie, habe ich schon gar nichts mehr wirklich mitbekommen, weil ich nur noch so Lichtblitze vor den Augen gesehen habe, und ich musste immer wieder die Maske mal vom Mund nehmen, weil ich schwerer Luft bekam, aber ich habe es nicht einmal als Trigger erkannt… so, erst im Nachhinein dann… also Stunden später. Also jetzt. In der Stunde selber habe ich gar nicht kapiert, dass allein diese Beschreibung von einem hellen Licht und ja… man setzt sich einfach nur vor so ein helles Licht und es ist im Grunde nicht einmal das, was ich dann als Trigger wahrnehme. Also so wie sie es erklärt haben… ich habe keine Ahnung aber es ist wohl so etwas wie eine riesige Lampe (wie ne Mini-Wand) die halt Tageslicht ausstrahlt und man setzt sich davor und fertig. Das soll halt wirken. Und mich triggert nicht die Vorstellung von dieser Licht Therapie, sonder bei mir kamen da ganz andere Sachen ins Hirn und haben angefangen in so alte Wunden zu bohren. Eben so Lichtblitze. Als wenn man auf einer Bühne steht und das Scheinwerferlicht auf einen gerichtet wird. Es blendet zum Teufel und irgendwann wirds darunter ganz heiß und man sieht auch eigentlich so gut wie nichts mehr. Zumindest nicht das Publikum… das waren diese Intrusionen die im Zusammenhang mit der „Lichttherapie“ bei mir dann richtig gekickt haben… aber wie gesagt, das ging noch. Sie hatten irgendwie schon ein ganz anderes Therapiemodell angesprochen, das weiß ich aber gar nicht mehr, weil ich so an diesem Verwirrt sein hängen geblieben bin, ständig dieses „Scheinwerferlicht“ bzw. diese Lichtblitze sehen, dann eben, dass ich immer die Maske abnehmen musste… Tja und dann kam das Wort… erst haben sie irgendein ganz anderes Wort gesagt. EKT? Stimmt das? Ich weiß es nicht. Ich kann mich nur erinnern, dass ich schon total versteinert am Tisch saß und dann war ich völlig im Arsch. Da war einfach nur noch Ciao. Ich bin wirklich regelrecht aufgesprungen, habe mich entschuldigt, dass ich gehen muss… Meine Beine sind extrem schwammig geworden, mein Herz so „womm, womm, womm, wommwommwommwommWOMMWOMMWOMM“ und zweite Etage, keine Luft, Maske fast im Rachen, so fest eingeatmet, Schweißausbruch und mein Körper am Beben und Zittern und Schmerzen und Angst und Panik und ich konnte nichts meh rhören und ich wollte eigentlich hoch. Ich wollte noch rechtzeitig hoch aber es war sowas von zu Ciao… ich habe nur so das Fenster gesehen und dachte so „Luft, Luft, Luft!“ und reiße die Maske vom Gesicht, hänge meine Fresse aus dem Fenster… und Panikattacke Helloo again. Ich hing da, nicht fähig obwohl ich gehört habe, dass meine ehemalige Zimmernachbarin mich ansprechen wollte. Ich konnte nicht. Keine Worte. Ich wollte nur Luft und so viel Angst und soooo viel Angst… mein Körper hat so gezittert, dass meine Brust(knochen) und Schlüsselbeine richtig gegen das Fensterbrett geschlagen sind… oder vielleicht war das auch nur mein Herz, ich habe keine Ahnung. Die Pflegerin die dann plötzlich da war, dachte ich dissoziiere. Hat es versucht mit Schnipsen und Klatschen und das Lautwerden durch diese Geräusche hat es nur schlimmer gemacht. Ich bin irgendwie noch auf mein Zimmer geflüchtet, ich wollte einfach weg von dort und alleine und Ruhe… und im Bett habe ich meinen Hasen und den Drachen an mich gedrückt und zitter,zitter,zitter und Luft Luft Luft. Die Pflegerin kam rein und kapierte dann Panikattacke und nicht Disso… sie fing mit mir das Atmen an. Es tat so weh. Tat soooo weh. Diese Enge in der Brust, das Atem kontrollieren müssen. Auf ihren Atem fokussieren… ich bin dankbar, dass sie dann noch gemerkt hat, was gerade hilft. Ich hätte keinen Ton rausgebracht zwischen diesen Luftschnapp-Japsern. NAch ein paar Mal… konnte ich endlich wieder normal Atmen.. und dann Tränen… ich habe einfach geweint. Und dachte mir nur, dass ich das alles nicht will. Dass ich das doch einfach vergessen will. Diese Bilder, wie mir ein Mensch dem ich mein Leben anvertraut hätte/habe/würde… diese komischen runden Klebeteile an meine Schläfen bappt. Und dieses Geräusch… und sein Gesicht und die Hände und die Blicke die sie getauscht haben und meine HOFFNUNG, dass das genau das ist, was richtig ist und dann Schmerzen und völlig Schwärze weil weg und weil ich nicht mehr wusste, was um mich geschieht. Und ich saß auf diesem Bett und habe Blut im Mund geschmeckt .. also hier in dieser Klinik. Ich kann mich nicht erinnern, damals im Mund (???) geblutet zu haben, aber ich habe Blut oder zumindest Eisen geschmeckt im Mund, im Rachen… meine Nasenlöcher… die Luft hat sich so fiebrig angefühlt, als wäre man krnak.. beim Ausatmen… und nur Tränen und ich wäre am liebsten richtig zusammengebrochen. Aber ich wollte nicht weil ich wollte ja doch einfach, dass diese Bilder weggehen. Die Pflegerin bat mich, dass ich die nächste Zeit erst einmal oben im Aufenthaltsam bleibe. Bin ich. Habe Haku und Chihiro gemalt. Ein Brausepulver genascht. Es war noch viel Traurigkeit da und ein paar Tränen und dann war da nur noch Erschöpfung. Die Bilder sind dann nach und nach davon… gezogen. Sind für mich zwar jetzt so ganz abgeschwacht noch erreichbar, zumindest so, dass ich es aufschreiben kann… aber nicht mehr wirklich greifbar. Nicht so als würden sie vor mir sitzen und mich angreifen.

Mir ging es stündlich wieder besser. Und jetzt geht es mir einigermaßen okay. Ich fühle mich seltsam allein, ohne Innenkontakt, ohne Co-Bewustssein, so ganz ohne alles… vielleicht empfinde ich deshalb auch nichts mehr, außer Antriebslosigkeit und Energielosigkeit? Könnte echt sein, dass es eher daran liegt, als an den Medis. Ich weiß es nicht.

Frau Soley und die andere Pflegerin haben immer wieder nachgefragt wie es uns geht. Sie sehen es uns an. Wir müssen nicht einmal etwas sagen, sie sehen es einfach. Aber wir machen das. Wir schaffen das. Wir skillen und arbeiten mit. Das hat die Psychologin gestern auch angesprochen. Das sagen viele Pfleger zu uns. Dass sie es gut fänden, wie sehr ich mich bemühe und sie meine Mitarbeit auch sehen… ich hoffe. Ich meine, dafür bin ich ja schließlich da. Ich will auf keinen Fall in dem Zustand wieder nach Hause, wie ich her gekommen bin. Und wer weiß, wie viel Zeit mir da noch bleibt.  Und in dem Zustand wie ich im Moment bin nach Hause, wäre die absolute Katastrophe also muss ich versuchen und einfach wirklich alles alles alles versuchen, bevor ich entlassen werde. Die Psychologin will auch noch mit Frau Blume telefonieren, um sich abzusprechen, wie sie mir helfen können. Und ja… das fand ich von Frau… Katze? also unserer behandelnden Ärztin auch sehr… es ist irgendwie hängen geblieben. Sie wollen uns helfen. Sie sagte, sie wollen uns helfen. Es ist Ihnen wirklich ernst. Und man merkt es auch. Weil sie sehr schnell und sehr gut kommunizieren. Als ich gestern um 11 den Termin bei der Psychologin hatte wo ich ihr das mit dem Garten erzählt habe, dass es da immer am schlimmsten wird (ohne zu wissen woran es liegt und ob es wirklich ein Trigger ist oder nicht einfach die Uhrzeit, weil es halt „schon“ um 13:30 Uhr ist, also quasi Energielevel noch niedriger als eh schon, weil morgens Frühsport, dann Kunst… und danach Garten)… naja und am selben Tag in der GT kam Frau Zypresse schon auf mich zu und wusste bereits bescheid. Innerhalb von nicht einmal zwei Stunden müssen sie sich schon ausgetauscht haben. Und sie sind alle sehr verständnisvoll und erzwingen nichts. Frau Zypresse fragt jeden Tag bevor es losgeht, wie es mir heute geht. Und „wir schauen mal, was heute machbar ist“…. und sie geht auf meine Wünsche ein. Wie zum Beispiel… bitte nicht in der Sonne. Und sie merkt auch schon bevor ich es überhaupt merke (aber ich kann mir ja schlecht selber in die Augen sehen), dass ich dissoziiere und bittet mich dann zu einer kleinen Pause. In der ich dann zum Beispiel versuchen kann zu skillen, falls ich nicht vergesse Skills mitzunehmen. Ich habe immer noch nichts gefunden, was wirklich hilft, aber zumindest weiß ich dass es in Richtung kognitives Zeug geht. Wie die Dobble Karten, Sodoku… jonglieren oder Klavier spielen (wo halt bestimmte Gehirnregionen aktiviert werden müssen). Die Dobble Karten funktionieren am Schlechtesten… weil unsere Augen einfach sehr schnell sehr viel abscannen und die Paare finden können… aber das ist meistens am schnellsten zur Hand. Klavier geht immer nur ab 20 Uhr, falls da kein Arzt mehr in der Tagklinik unten ist (Demenzkranke). Oder eben am Wochenende, falls da nicht auch der Arzt keine anderen Hobbys hat als zu Arbeiten. (Nein Spaß, Chapeau für seine leidschaftliche Arbeit)… aber ja.. und Jonglierbälle müsste ich halt immer erst abholen von den Pflegern und manchmal ist dann die Disso schon so stark… also entweder… liege ich von einem Augenblick auf den anderen plötzlich auf einer Bank und lese…(Insider weiter oben)… oder … keine Ahnung, ich falle von Treppen weil mir gefühlt plötzlich Gliedmaße fehlen. Aber Frau Felly hat gestern mal etwas von „Skillsketten“ erwähnt. Das wollte sie uns in unserer nächsten Einzelstunde mal erklären, was genau das ist. Wann wir das nächste Einzel mit unserer Bezugspflegerin haben weiß ich nicht, weil sie die letzten vier Nächte Nachtschicht hatte und ich denke, sie wird ie nächsten Tage erst einmal frei haben.

Aber naja… im Moment habe ich anderes womit ich mich beschäftigen muss… eben, wie ich aus diesem elendigen Zustand der Antriebslosigkeit rauskomme…. und nicht schon nach einer Stunde nach dem Aufwachen in einem Dauer-Disso-Zustand bin.

Symptomschleuder

Wir wollten eigentlich schon viel früher schreiben, aber irgendwie ist diese Woche komplette Katastrophe. Es geht komplett „bergab“, wenn man es so sehen will. Am Wochenende fing es ca. an… vielleicht schon etwas früher, ich bin mir gerade nicht sicher… ich glaube, man kann den Zustand fast schon „chronische Dissoziation“ nennen? Erst einmal: Seit Samstag nehmen wir Antidepressiva. Wir haben uns darauf eingelassen, einfach um zumindest dort mal eine Entlastung zu haben. Es sind „harmlose“ Medis, wir kennen die auch von der Jugendhilfe, nur haben wir sie damals abgesetzt, weil sie keine Wirkung gezeigt hatten. Da wir sie ja erst seit einer Woche nehmen, können wir noch nicht sagen, ob sie wirken oder nicht. Aber die Nebenwirkungen sind definitiv schon da, denn ca. seit Montag haben wir nicht den geringsten Appetit mehr. Hunger ist da. Aber nicht der leiseste Appetit. Auf nichts. Nicht einmal auf unsere gefährlichsten „Essattacken-Nahrungsmittel“ also.. die sogenannten „Fear-Foods“. Ein Teil von uns ist super glücklich darüber, weil wir seit dem Tag keine Fressattacken mehr hatten und noch dazu wieder sehr, sehr wenig essen (können). Ein anderer Teil ist ein bisschen panisch, weil wir deshalb den Platz hier nicht riskieren wollen. Also den Aufenthalt. Weil die ja meinten, wenn die Essstörung zu sehr in den Fokus gerät, wir erst die behandeln müss(t)en/sollten.

Aber egal. So viel erst einmal dazu. Das Nächste ist… dass einfach irgendwas nicht mehr stimmt. Wir hoppen wir zu Beginn unserer Diagnose. Klar, bestimmt nciht ganz so schlimm, weil wir bereits viel Wissen haben usw. Aber vom Gefühl und der Schnelligkeit und vom Durcheinander her wirklich wie zu Beginn der Arbeit mit dem inneren Kontakt. Wir haben krasse Zeitsprünge, Lücken, Orientierungslosigkeit. Es fällt uns schwer und meistens kriegen wir es ga rnicht einmal mehr hin, diese Lücken dann auch irgendwie mit Kommunikation oder inneren Bildern zu füllen. Es fehlt einfach.

Heute zum Beispiel… ufz. Ich saß im Stützpunkt, Frau Soley und Herr Groß vor uns. Im ersten Augenblick war ich extrem verwirrt, weil Frau Soley „vorhin“ noch ein ganz anderes T-Shirt anhatte. Ich hatte auch keinen Plan, wieso ich so einen komischen Ball und irgendwas anderes in der Hand hatte. Sie fragte mich: „Wissen Sie worüber wir gerade geredet haben?“ Ich schüttelte den Kopf. Sie ging ganz cool damit um, hat uns nicht in Verlegenheit gebracht oder uns gefragt usw. Wir mussten uns sogar in der Zeit orientieren. Wir hatten nicht das leiseste Zeitgefühl. Sie meinte dann, wir hätten jetzt VT Gruppe (Verhaltenstherapie) und wir seien da raus gekommen, weil uns etwas getriggert hätte. Na gut, ich habe keine Ahnung… ich bedankte mich jedenfalls und wir gingen wieder nach unten… klopften… alle saßen schon, ich fragte, ob ich überhaupt richtig bin und ja… an das Thema erinnere ich mich ehrlich gesagt auch nicht mehr. Also, ich musste die Psychologin die neben mir saß auch fragen und sie sagte, es ginge um Selbstliebe. Und sie waren bei den Strategien.. was auch immer, uns fehlte zumindest echt viel Kontext. Uns ging es soweit gut… wir fühlten uns ausgelassen, bisschen hibbelig vielleicht, aber soweit gut. Wie wir die Gruppe verlassen haben, weiß ich auch schon nicht mehr. Die nächste Erinnerung ist, wie ich oben im Gemeinschaftsraum sitze und einen Babybrei esse. Danach waren wir in der Gartentherapie. Wir waren irgendwie auf die VT Gruppe gekommen, während Belinda und Cia mit am Gartentisch saßen. Belinda war in der Gruppe mit dabei und dann meinte sie zu Cia, dass ich heute ja die Gruppe verlassen musste, weil es mir so schlecht gegangen wäre… ich meinte, ja, ich war auch einfach nur unendlich verwirrt, weil ich plötzlich einfach dort im Stützpunkt saß. Ich/wir können uns eigentlich nur daran erinnern, wie wir Cia noch schrieben auf Whatsapp, dass wir jetzt dann Gruppe haben… aber nicht, wie wir da wirklich hingegangen sind. Als ich da plötzlich im Stützpunkt saß, hab ich das auch gar nicht  hinterfragt. In meinem Kopf war das halt… logisch… bis ich mich halt einfach über diesen Ortswechsel so gewundert habe. Also… ich wäre nicht auf die IDee gekommen, dass wir schon in der Gruppe WAREN…. sondern, dass sie vielleicht einfach noch nicht begonnen hat oder so etwas.

Am Nachmittag in der Depressionsgruppe… haben die Psychologinnen gefragt ob wir (also die Gruppenteilnehmer) noch wüssten, was das Thema der letzten Stunde war und wir haben uns gemeldet und dieses Gefühlsdreieck angesprochen… Dann meinten sie, nein, das wäre eine Woche davor gewesen. Am Dienstag. Ja, hä… wir waren völlig irritiert… und wir meinten: „Aber Donnerstag war doch Feiertag, da ist die Gruppe doch ausgefallen“ und dann waren kurz die Psychologinnen verwirrt und meinten, genau. Letzten Dienstag. Und DA haben wir dann erst, also wirklich erst am Nachmittag kapiert, dass heute Donnerstag und nicht Dienstag ist. Und klar… deshalb waren wir sooo verwirrt. Also nicht nur wegen dem Ortswechsel, von unserem Zimmer in den Stützpunkt… sondern auch, dass Frau Soley „plötzlich“ ein anderes T-Shirt anhatte. Und dass Herr Groß da war. Denn der ist auch gefühlt „plötzlich“ aufgetaucht. Und für uns war eben noch Dienstagnachmittag. Omg. Echt so verwirrend…

Und durch diesen Denkanstoß ist uns dann eingefallen, was Dienstag alles passiert ist… uuuuuhhhhhf. Uns ging es den ganzen Tag nicht gut Dienstags. Bei der Oberarztvisite sagte uns der Oberarzt, dass die Einrichtung bei der Sozialpädagogin hier angerufen hätte, weil nächste Woche die 30-Tage Frist abläuft. Also kurz: Man darf offiziell nur 30 Tage dort fehlen, also die Betten nicht belegen, Eigentlich müsste man dann zehn Tage wieder dort schlafen… weil irgendwie gibts dann wohl Stress mit dem Bezirk und ja, egal. Jedenfalls waren wir dann wirklich so: „Klar, das wäre kein Problem, dass wir einfach zehn Tage zwischendurch zurückgehen und dann wiederkommen“… erst als wir dann eine Weile später anfingen nachzudenken, was wir jetzt alles dann machen müssen: Wieder packen, dann nach Hause fahren, auspacken, Bett neu Beziehen, auspacken wieder die Putzdienste, Hausversammlung, Krankmeldung holen (oder doch arbeiten gehen, weil in die Arztpraxis wollen wir immer noch nicht), dann nach zehn Tagen wieder packen, wieder hier anmelden, neuen Test machen, wieder einen Tag in die Quarantäne, neue Gruppen, neues Zimmer und dann noch einmal C* Test machen. Plus dazu haben wir nicht mitgedacht, dass es uns seit einigen Tagen noch shclimmer geht als bevor wir hergekommen sind und als diese ganzen Anforderungen und das alles klar wurde, ist in uns die Panik ausgebrochen. Wie sollen wir das denn alles hinkriegen, wenn wir seit einer Woche nicht einmal mehr schaffen diese „pipifax“ Therapien durchzuhalten, ohne völlig wegzudissoziieren oder einen Zeitsprung nach dem anderen zu haben? Vor allem wegen Jimmy sind wir dann durchgedreht. Es war ja schon VOR der Klinik nicht mehr möglich, dass wir uns um ihn kümmerten, dann jetzt in dem Zustand? Wie auf einen Schlag kam so ein Ohnmachtsgefühl, dass wir einfach ins Bett gegangen sind und sterben wollten. Wir wollten einfach nicht mehr. Allein die Vorstellung, wie oder dass wir den Koffer packen müssten, hat uns… gefühlt getötet. Wie als würde man in einem riesen großen Wollhaufen den Anfangsfaden nicht finden.

Ach so, nein! Das war alles erst nach der Panikattacke, fällt mir gerade ein… nach der Visite war erst einmal alles ok, weil wir da noch gar nicht darüber nachgedacht hatten… nein, nein, nein, sorry. Return. Also erst waren wir bei den Pflegern oben, weil wir beim Einatmen den ganzen Tag schon so ein Stechen im Lungen/Brustbereich hatten. Der eine Pfleger meinte dann, dass wir ja noch jung wären und das schon nicht Schlimmes sei und wir doch versuchen sollten, einfach uns in der frischen Luft zu bewegen. Also sind wir erst einmal runter. Wir waren ihm auch nicht böse. Also klar, im Nachhinein klingt das so, als hätte er das nicht ernst genommen, aber wir hätten ja auch nicht sagen können, ob das „echte“ Schmerzen also wirklich physisch vorhanden, oder eben nur psychosomatische Schmerzen waren. Allerdings… durch diese Schmerzen und durch dieses „nicht richtig einatmen“ können… ist diese … ich glaube Schnappatmung eingetreten… und dann plötzlich ging alles ganz schnell.. wir haben bemerkt, dass die Panikattacke uns gleich total übermannt, aber wir waren schon draußen… und wollten eigentlich in den Garten. Aber dort waren die Gartentherapeutin und die Sozialpädagogin im Praktikum und dann sind wir erst herumgeirrt und haben erst überlegt, ob wir zurück und uns im Zimmer verziehen, aber dafür war es zu spät… wir haben uns dann hinter der Wand in eine Ecke hinter die Fahrräder geschmissen… und dort konnten wir „in Ruhe unsere Panikattacke haben“… mein Gott klingt das blöd, aber… ja. Irgendwie kann ich mich dann nur noch bruchstückhaft erinnern. Es waren plötzlich mehrere Leute um uns herum und das hat die ganze Sache nur verschlimmert. Ich könnte nicht sagen wie viele, weil wir das nicht mehr wirklich wahrgenommen hatten…. ich denke… vielleicht drei? Vielleicht vier? Ich meine mich zu erinnern, dass erst eine Frau uns sogar noch angesprochen hat… aber wir aren da schon so im Hyperventilieren drinnen, dass kein Wort mehr rauskam.. und dann war sie weg… dann waren andere Leute da… oder sie nochmal… ich habe keine Ahnung.. auf jeden Fall waren wir da schon echt in der „Höchstform“ der Panik, weil da schon unsere Hände, Füße und Arme vom Hyperventilieren verkrampft sind.

Tja und dann kann ich mich nicht erinnern. Dann war eben als „Nächstes“ das mit der Überforderung und wie wir im Bett lagen udn einfach sterben wollten… Wir haben glaube ich drei Stunden durchgeheult, weil diese Angst, in diesem Zustand in dem wir gerade waren, wieder entlassen zu werden (Selbst wenn es nur 10 Tage sind),uns wirklich in den Wahnsinn getrieben hat…

Dann kann ich mich wieder an sehr viel nicht erinnern und die nächste Erinnerung ist, wie wir mit Frau Felly, also unserer Bezugspflegerin im Medi-Zimmer sitzen und reden. Ich kann mich an den Inhalt nicht mehr genau erinnern, aber wir erzählten definitiv von den Ängsten und der Überforderung und dass wir keine Ahnung haben, wie wir das angehen sollen und ob es nicht die Möglichkeit gebe, in der kurzen Zeit noch irgendwie „schnell schnell“ Strategien zu entwickeln, um die 10 Tage zu überbrücken (und vor allem am besten so, dass wir dann nicht sogar keine Kraft und keinen Antrieb mehr haben, wiederzukommen). … Puh… Frau Felly und die Ärzte usw. waren ja übrigens eigentlich nicht begeistert davon, uns entlassen zu müssen. Aber bei dieser 30 Tage Regelung kann man eigentlich nichts machen. Weil sonst wohl die Betreuungkosten vom Bezirk nicht mehr bezahlt würden und wir die ja dann selber zahlen „müssten“, was wir ja nicht könnten.

Keine Ahnung, wie jetzt im Endeffetk doch noch eine Lösung kam, weil wie gesagt, an gestern erinnere ich/wir mich/uns (bis auf einer Sache) an gar nichts mehr. Aber irgendwie ist es jetzt so geklärt worden, dass wir doch hier bleiben dürfen, weil die Ärzte das ja auch als notwendig erachten … und jetzt muss halt nur noch geklärt werden was wäre, wenn wir dann ins Krankengeld rutschen, weil dann könnten wir die Wohnkosten nicht mehr zahlen. Aber diese Aufgabe haben wir sofort unserer Gesetzlichen zugeschoben, weil wir gar keine Kraft haben. Für nichts. Schon gar nicht für so etwas.

Ja und jetzt kurz zu dem einzigen Ereignis von gestern, an das wir uns erinnern: Wir wollten die Treppen nach oben, keine Ahnung von wo wir kamen oder um wie viel Uhr das war oder oder oder. Jedenfalls… ich weiß, dass wir extrem dissoziiert waren. KOnnten nicht mehr richtig sehen, alles war „schwammig“… und im nächsten Augenblick, gerade als wir die letzte Stufe oben erreicht hätten, spürten wir von einer Sekunde auf die andere unsere Beine nicht mehr. Wie weg. Und gut… da erinnere ich mich auch nicht mehr so genau.. nur … naja, es ging halt echt schnell… und irgendwie aber auch wie Zeitlupe… schwer zu erklären… auf jedenfalls… mehrmals gedreht .. und wir waren wieder fast ganz unten an der Treppe… also ja.. wir sind gestürzt… .. wir „hingen“ irgendwie da und haben uns am Geländer festgehalten und  haben erst gar nicht wirklich realisiert was passiert ist, nur erst einmal atmen, atmen, atmen… da kam dann Cia von oben „oh mein Gott, oh Gott“, weil sie das „Rumpeln“ gehört hätte… an mehr erinnere ich mich nicht.

Heute haben wir Schmerzen… rechts. HIntere Schulter, hinten seitlich der Rippenbogen, und der Nacken. Der Arzt hat sich das gestern scheinbar angeschaut (meinte re heute zumindest). Zumindest sind das jedenfalls nur Prellungen und wir hatten wirklich Glück im Unglück. Wir haben bei bestimmten Bewegungen wirklich Schmerzen, aber es ist aushaltbar… nur rast jetzt immer unser Herz, wenn wir die Treppen runtergehen. Komischerweise eben beim RUNTERgehen und nicht beim Hochgehen, obwohl wir ja beim HOCHgehen gestürzt sind…

Es ist einfach so ein Chaos gerade bei uns… und Frau Felly meinte heute auch, ja seit ca. einer Woche sind gefühlt „alle Symptome“ aktiv… die aktiv sein können. Von Flashbacks, bis Panikattacken, Intrusionen, Dissoziationen.

Beim Spannungsbogen übrigens, als wir den dann nach der VT Gruppe ausgefüllt haben (wir versuchen jede Stunde), habe ich gesehen, wie wir oder jemand von uns eben, genau die Stunde bevor ich/wir plötzlich im Stützpunkt saßen, auf dem Spannungsbogen die 100 angekreuzt hatte… vorher war es bei 50. Und dann war von fünfzig „plötzlich“ die 100 dort, also ja, ganz offensichtlich irgendwas getriggert. Obwohl Frau Felly beim betrachten vom Spannungsbogen meinte, dass das symptomatisch alles ziemlich passt, weil ab 50 scheinbar eben diese übliche Dissoziation anfängt, und die ganze Woche war immer so zwischen 30 und 70… das wenn wir früher gewusst hätten, hätten wir vielleicht schon bei 30 etwas entgegenwirken können, um nicht auf die 50 zu kommen. Weil, da das ja im Rückblick auf dem Bogen i.d.R unser „Alltagszustand“ ist (krass..?) merken wir nicht einmal, dass es scheinbar schon Dissoziation ist.

Und als ich den Bogen eben angekreuzt habe, war/bin ich eben auf der 30. Also von 100 auf 30 runter. Also habe ich ganz, ganz offensichtlich irgendjemanden abgelöst, der volle Pulle…ja, was? Getriggert war, eben? Scheinbar. Irgendwie macht diese Erkenntnis was mit mir… so ein komisches, aufgeregtes Kribbeln im Brustbereich.. weil es komisch ist zu realisieren, dass ICH irgendjemanden abgelöst habe? Es ist sooo komisch. Aber ja…

Naja und dann meinten wir noch zu Frau Felly heute, dass wir am Wochenende eigentlich schon darüber nachgedacht hatten abzubrechen, eben WEIL es uns ja immer schlechter ging und wir jetzt noch labiler sind als vorher und… ja.. wie brechen ja recht schnell Sachen ab… aber… dann meinte sie ein Stichwort (ohne dass wir das mit dem Abbrechen Wunsch vorher schon gesagt hätten), dass wir hier scheinbar wirklich stark an uns arbeiten, wenn es jetzt anfängt so in die Labilität zu gehen. Und wir so… bliiiiiiiiiiiing! Das ergibt eigentlich VOLL Sinn. Ich meine, es war jetzt eh irrelevant, weil wir am Montag, als wir halt bemerkt haben, WIE schlimm der Zustand im Moment ist, eh erkannt haben, dass es jetzt schlecht wäre abzubrechen. Aber es war eigentlich nur die Angst vor „was passiert dann Zuhause“… jetzt, durch die Erkenntnis bzw den Gedankenanstoß, dass diese Labilität wirklich daher kommen könnte, weil wir an etwas arbeiten, was wir Zuhause noch nie geschafft haben… hat dann irgendwie eher… da kam dann nicht mehr „aus Angst hier bleiben müssen, weil man den Alltag nicht hinkriegt, aber eigentlich nach Hause wollen, weil es ja scheinbar nichts bringt“, sondern: „Oh mein G ott, wir sind wohl gerade auf dem wirklich richtigen Weg“ Und dass die Labilität ja Sinn macht und wo sonst sollen wir labil sein, wenn nicht hier? Es war so ein Mindblow in dem Moment und jetzt sind wir richtig, richtig motiviert weite rund härter an uns zu arbeiten, auch wenn der Antrieb noch beschissener ist, als wie wir gekommen sind und auch wenn wir gefühlt verzweifelter und labiler sind… dieser Satz von Frau Felly hat einfach so richtig Klick gemacht. Und jetzt verliere ich gerade den Faden un dverstehe plötzlich gar nicht mehr was ich hier schreibe ^^ Egal…

Das erste Mal weinen (J, J & H)

Eigentlich bin ich überhaupt nicht motiviert, um zu schreiben, aber es ist wieder so viel passiert, dass es ja dann doch nur immer mehr wird – und ich noch weniger Motivation haben werde, Energie zu finden um Worte zu finden, um einen Eintrag zu verfassen… ufz. Aber gerade sind wir ganz gut im Co-Bewusstsein, dann ist es etwas einfacher.

Gestern war ein verdaaaammt anstrengender (und skurriler Tag … Hashtag Hitchcock. Aber dazu später). Puh, ich finde einfach keine Energie um eigene Worte zu finden… aber noch weniger Lust habe ich, die Einträge abzufotografieren und hier hochzuladen und auch noch alle Namen zu zensieren… ich tippe jetzt einfach ab, und dann ergänzen wir hier noch ein bisschen. Dieser Eintrag ist von gestern.. oh hoppla. Diese Einträge. Scheinbar. Die Ergänzungen tippen wir in diesen [] Klammern dazu.

01.06.2021, Dienstag, Tag 14
Ich verstehe gar nicht, wieso wir auf einmal fast drei Tage verloren haben Können uns an so gut wie nichts erinnern und wenn, dann nur wie wir unterwegs waren und uns immer wieder mal bei Cia und Bahira entschuldigt haben, weil wir zu reizüberflutet waren. Ich fürchte, wir nehmen uns hier zu wenig Zeit für uns. Wir sollten den Fokus wirklich viel mehr auf uns richten – und nicht auf die Zeit mit den Mädels. Sie tun uns gut und wir fühlen uns endlich mal so viel mehr so alt, wie wir wirklich sind, aber 
[hier wurde ich mitten im Satz abgelöst]

Tut mir leid, dass ich unterbreche, ich möchte nur ein paar Erinnerungen festhalten. Ich kann zwar nicht sagen, an welchen Wochenendtagen das genau war, aber ich weiß so grob, was wir gemacht haben. Am Freitag waren Cia, Bahira und wir einkaufen. Am Abend haben wir Alkohol getrunken, wobei wir uns da sehr zurückgehalten haben [oh, das stimmt! Die wenigsten von uns mögen Alkohol besonders gerne. Wir haben nur ein paar Schlucke genommen. Eigentlich nur so wenig, dass wir gar nichts gespürt haben]. An dem Abend war hauptsächlich Coco im Außen [Das wusste ich zum Beispiel nicht]. Es gibt ein paar Videos, auf denen wir Let’s Dance mit den Mädels gespielt haben. Und Fotos. Am Samstag, glaube ich, kam Mona mit Jimmy zu besuch. Es war schön, die beiden zu sehen und wir vermissen Jimmy, und das ist ein ganz neues Gefühl. An den Rest des Tages erinnere ich mich auch nicht mehr genau, aber Spätabends haben Cia und Bahira Haare gefärbt und das endete auf einmal ein bisschen in Tränen, weil Bahira auf einmal das Gefühl hatte, wir würden sie nicht mögen und nur so tun als ob. Der Pfleger, von dem wir im Blog auch schon schrieben, reagierte äußerst unsensibel, als er zufällig genau zu dem Moment reinkam, als Cia und wir Bahira gerade schon so ein bisschen runterholen konnten. Doch der Pfleger hat mit seiner ekelhaften Art nur alles schlimmer gemacht und dann ist Bahira sogar weinend aus dem Zimmer geflüchtet und hat sich dann im Bad eingesperrt. [Cia und Joan hatten sich entschieden, sie erst einmal in Ruhe zu lassen. Als sie dann wieder zurück kam, erklärte Bahira, dass das an ihrer Borderline-Erkrankung liegen würde, dass sie ganz plötzlich das Gefühl kriegt manchmal, dass wir sie doch nicht mögen und hinter ihrem Rücken lästern. Sie meinte wohl, dass sie gar nicht glauben kann, dass wir es ernst meinen mit ihr, so liebe Menschen könne es ja gar nicht geben. Joan/wir und Cia haben sie dann getröstet und sie in den Arm genommen. Sie hatte sich tausendmal entschuldigt und gesagt, wie leid es ihr täte und sie wüsste, wie anstrengend ihre emotionalen Ausbrüche sein können, aber Cia und Joan/wir haben ihr versichert, das sei überhaupt nicht der Fall und es wäre alles okay. Der Pfleger meinte übrigens, als er reinkam, ob alles okay sei – sie weinte doch gerade… mein Gott… solche dummen Fragen … – und dann meinte Bahira ironisch „ja klar. Sehen Sie doch, dass alles okay ist“ und dann meinte er, sie solle sich nicht so aufregen und nicht so laut werden (dabei war sie gar nicht laut). Er meinte dann, sie solle dann noch wegen der MEdis kommen und mit ihm reden und sie meinte „nein, ich möchte nicht reden“ und er „doch“ und sie „nein“ und er noch einmal „doch, das werden Sie“ und ist gegangen – was ist der denn bitte für ein Arsch? Er ist btw. der einzige Pfleger bisher, den wir wirklich nicht besonders gut leiden können.]. Bahira ist dann relativ früh schlafen gegangen und irgendwann kam Joachim und wir haben zu dritt bis drei Uhr nachts ziemlich tiefgründige Gespräche geführt. [oh ja, das war ziemlich deeper Shit! Den habe ich teilweise auch noch schwach in Erinnerungen. Ging wieder um die Gesellschaft, bzw. den gesellschaftlichen nicht-Zusammenhalt und was die Gründe für diese krasse Spaltung sein könnten und um Menschen, die immer weniger selber denken und von Nachrichten usw. nur noch gelenkt werden usw. blabla. Deeper, deeper shit, wie gesagt. Der uns übrigens nie hoffnungsvoll macht. Auch darüber haben wir mit ihm geredet, dass wir toll fanden, wie er uns gewarnt hat, als er so aggressiv war und die Aggression unerwartet rauslassen musste. Und darüber, dass wir eigentlich gar nicht älter als 40 werden wollen und dass wenn wir über die Politik, die Zukunft und Menschen die Macht haben, nachdenken, eigentlich nur total in die Krise und Angst stürzen und uns am liebsten umbringen wollten… etc.] 
Sonntag waren wir den ganzen Tag unterwegs. Erst war unsere Mutter da, und danach sind wir zur Isar, wo Bahira, Cia, Manu und Joachim auf uns gewartet haben. Von dort aus gingen wir zu Dodo-Pizza und von dort aus fuhren wir (unerlaubterweise) nach ***, weil Bahira ihr Apartment vor der Entlassung aufräumen wollte. Solange besuchten Cia und ich unsere Eltern und als wir in unserem Kinderzimmer Cia ein paar alte Hefte, Schulhefte und „Streng-Geheim-Mappen“ zeigten, fiel ihr als aller erster Mensch auf, dass nicht nur unsere Handschriften komplett unterschiedlich waren, sondern sogar unsere Zeichnungen. [btw. fällt mir das hier auch auf. In der WG haben wir ja nur soooo extremst selten gezeichnet oder gemalt, dass wir das darauf schoben, dass wir relativ unterschiedlich zeichnen. Aber hier malen und zeichnen wir zurzeit fast jeden Tag und es sind einfach wirklich einige unterschiedliche Stile dabei und bei vielen erinnere ich mich an die Situation nicht mehr genau.. es hat uns nur so traurig gemacht im Nachhinein… weil Cia Recht hat. In diesen ganzen Schulheften  sind teilweise auf ein und derselben Seite völlig verschiedene Handschriften und eben auch die Zeichnungen und Bilder… Cia meinte „wtf wie konnte das so lange niemandem auffallen, das ist doch sowas von offensichtlich“… und das ging uns dann den ganzen Tag echt oft durch den Kopf… können Menschen echt so blind sein? Hätte man uns nicht echt viel, viel früher helfen können, hätte auch nur ein einziger von den zwei Dutzend Lehrern solche Sachen in Frage gestellt…? Außerdem haben wir das erste Mal seit Jahren einen einzigen Bericht von der KJP gefunden. Leider nur aus der Schule. Aber dort steht auch (9. Klasse), wir seien stimmungslabil und verhielten uns dementsprechend wechselhaft, schon fast kleinkindhaft. Immer wieder hätten wir ohne ersichtlichen Grund zu weinen angefangen, liefen aus der Klasse weg oder versteckten uns… Wir hätten es wohl auch nicht geschafft uns „regelmäßig adäquat“ (für die 9. Klasse) zu verhalten und wurden wohl deshalb in die 7./8. Klasse gesteckt dort – keine Erinnerungen diesbezüglich hier. No Joke. Nicht die geringsten… Aber deshalb wurden wir als Borderliner diagnostiziert? – btw. dazu später].
Danach holten wir Bahira wieder zu Hause ab. Sie hat ein sehr süßes Apartment und hat uns ein paar Mangas ausgeliehen, die Coco und Sadie gerne lesen. Danach fuhren wir wieder in die Psychiatrie. Gestern waren wir auch lange unterwegs. Erst haben wir Bahira nach den Therapien zum Piercer begeleitet und dann waren wir in einem riesigen Spielzeugladen. Das war das Paradies für unsere Innenkinder schlechthin.
-Joan

[später, selber Tag]
Ja, und heute gehts uns nicht so gut, weil es die letzten Tage wirklich zu viel war. Das Stichwort Reizüberflutung passt da wirklich perfekt. Wir haben übrigens auch „shoppen“. Haben nur drei Oberteile günstig gekauft. Aber reicht völlig. Sind eigentlich ja total pleite. Heute ist Sadie übrigens ziemlich geknickt. Sie (wir) mochte Frau Kaya besonders gerne und die arbeitet nun ab Juni nicht mehr hier. Ansonsten fühlen wir uns von den letzten Tagen wirklich nur schrecklich ausgelaugt. So viel soziale Interaktionen und unter Menschen – in der Stadt – sein, sind wir nicht mehr gewohnt.
-Jill

[später, selber Tag]
Kopfschmerzen. Was für ein Tag. Wir hatten irgendwie überhaupt nicht auf dem Schirm, dass heute Oberarztvisite ist. Nach der Visite hatten wir volle Pulle eine Panikattacke. Da… irgendwie fing die in der Küche an. Als nächstes saßen wir plötzlich im Büro bzw. im Stützpunkt auf einem Stuhl. Herr *Ahrens tippte uns auf die Hand. Er stand auf, wir standen auf … räumten den Geschirrspüler weiter aus – da, wo wir stehen geblieben waren, eigentlich. Aber wir waren nur noch dissoziiert… Mittagessen und dann Gartentherapie… [Ja, omg die Visite…. Hölle. Wir waren so angespannt, können einfach nicht offen reden. Wir haben nach wie vor Angst. Einfach nur höllenangst vor Visiten. Irrational. Aber hilft nichts. Unser Körper checkt das nicht. Einfach nur Angst. Wir hatten Angst wie Hölle.] …Dort… haben wir plötzlich geweint. Es kam einfach aus uns raus. [Oh ja, omg. Alles darauf Folgende war einfach so sad… tut jetzt noch etwas aua, wenn wir daran denken..]. Die Gartentherapeutin hat uns eigentlich zum Weinen gebracht. Weil sie so verständnisvoll war. Ich weiß nicht, da kamen noch ganz viele andere Sachen dazu. Wir dachten uns erst: „Schaut mal. Hier müssen wir keine angst haben. Die Visite war völlig okay“ Und auch für der Gartentherapeutin war es völlig okay, dass wir heute nichts schaffen. Sie war sehr einfühlsam. Und gerade deshalb brachen bei uns da die Tränen aus: Unsere Ängste sind irrational. Ich meine, ja, das sind die meisten Ängste… [aaaaah, deshalb schriebt ihr, liebe Grüße an die Schmetterlings an dieser Stelle 😀 – über dieses Thema auf Threema zu uns 😀 … wir hatten Schmetterling nämlich gestern die Einträge fotografiert und geschickt, weil wir nicht in der Lage waren ihr das so ausführlich zu erklären bzw. zu schreiben. Energie und so, ihr wisst ja. Deshalb tippen wir hier gerade eigentlich die Einträge auch nur ab…] Aber… bisher war da immer nur Wut und Hass auf Ärzte und Klinikpersonal. Bzw. auf die Erfahrungen. Und… jetzt… plötzlich… spüren wir das erste Mal auch Traurigkeit darüber, wie man mit uns umgegangen ist. Und vielleicht war beim Weinen auch Erleichterung dabei, weil es hier endlich anders ist, weil wir endlich die Erfahrung machen, dass es hier auch anders sein kann. Weil man uns endlich mal wertschätzend behandelt. irgendwie wirkt es so, als konnten wir erst jetzt durch diese Erfahrungen hier, die Traurigkeit und den Schmerz erst richtig begreifen, den der Umgang mit uns in der Geschlossenen (hauptsächlich) ausgelöst hat. Wir haben immer nur Wut darüber empfunden. Und heute das erste Mal richtig, richtig doll darüber geweint. [Ja. Extremst. Wir lagen auf unserem Bett und haben unser Kuscheltier gedrückt und richtig geschluchzt und die Maske vollgerotzt, weil wir in dem Schmerz der da plötzlich ausgebrochen ist nicht einmal realisiert haben, dass wir die ja im Zimmer gar nicht tragen müssen].  Eben auch, weil wir nicht fassen können, dass es hier anders ist und auch weil wir immer noch Angst haben, dass es noch anders kommt.
Die Gartentherapeutin meinte, sie spricht auch noch einmal mit dem Personal, ob wir nicht in eine kleinere Visitengruppe können. [Oh, das hat Jill gar nicht erwähnt. Wir konnten in der Gartentherapie einfach gar nicht mehr arbeiten, wir waren dazu einfach nicht mehr fähig, wir sind im Sekundentakt wegdissoziiert, haben uns zwar kurz wieder zurückholen können, aber sofort wieder weg und derealisiert usw. Also haben wir eben die Thera angesprochen, dass es gerade schwer ist und sie meinte „komm, setzen wir uns mal kurz hin. Was ist denn los, was fällt Ihnen gerade schwer?“ Und da haben wir ihr eben erzählt, was die Visite ausgelöst hat und wie unfassbar große Angst wir jedesmal davor haben und wir wissen, dass das nicht nötig ist, aber wir trotzdem einfach nichts dafür können…]. Danach durfte ich gehen und ich sprach auch nochmal mit Frau Dr. *Katze. [Das stimmt so irgendwie nicht… da scheint Jill irgendwie nen Zeitsprung zu haben – und jetzt fragt sie gerade: „Hm, wieso?“. Haha 😀 Na ja, nach dem Gespräch mit der Gartentherapeutin fragte die eigentlich, was uns jetzt gut tun würde und wir meinten, vielleicht eine recht stoische Arbeit. Sie hat gefragt, ob das Gießen vielleicht etwas wäre und wir meinten ja. Aber irgendwie, während wir die Gießkanne füllten und gossen, standen wir zwischendurch auch einfach nur blöd da, weil die Tränen liefen und liefen und immer wieder schluchzen und Tränen wegwischen, bis die eine Praktikantin vom Sozialdienst über den Weg lief und fragte, ob alles okay wäre und wir auch hoch gehen könnten, dass es kein Problem sei, wenn es heute nicht gehe. Deshalb haben wir dann eigentlich nur die eine Kanne leer gegossen und uns dann bei der Gartentherapeutin entschuldigt, die voll verständnisvoll reagiert hat und eben noch versprochen hat, sie würde im Team darüber reden, also das Visitenzeug – und dann sind wir eben erst ins Zimmer und haben versucht uns da erst einmal einzukriegen, bevor wir mit der Stationsärztin reden wollten. Äääh egal, weiter im Eintrag]. Erst haben wir ewig im Bett geweint, Erst danach wollte ich ein bisschen gefasster mit der Ärztin reden. Aber da sind wir dann schon wieder heulend da gesessen, als sie fragte, woher diese Ängste denn kämen. Aus irgendeinem Grund als erstes die Geschichte mit *Henry [der Patient aus der Geschlossenen, von dem wir hier schon oft erzählt haben, wisst ihr noch?.. Ich wusste gar nicht, dass hauptsächlich scheinbar das das Thema ist, das uns am meisten beschäftigt, wenn das als erstes aufkam….] aus der Klinik und dass man uns nie geglaubt, es verharmlost und uns verurteilt hat…. Frau Katze war so schrecklich verständnisvoll und mindestens genauso einfühlsam wie die Gartentherapeutin. Wir sind so dankbar…
Sie meinte, vielleicht lässt sich das lösen, indem wir als Letzte in die Visite gerufen wrden und dann einfach einige Leute den Raum zum Ende hin verlassen, die für uns zum Beispiel nicht notwendig sind. Sie fragte auch, wie es mit den Zeitverlusten wäre und meinte dann, sie könne es bestimmt nicht ansatzweise nachempfinden wie sich das für uns anfühlen muss… und wir jederzeit nachfragen können beim Personal oder bei ihr, falls uns wieder Zeit fehlt und falls es uns helfen würde.
Wir sind ihr einfach so unglaublich dankbar. Direkt im Anschluss hatten wir die Psychoedukationsgruppe. Wir waren wirklich am Ende mit der Konzentration und Energie, aber irgendwie ging das noch [naja, mehr oder weniger dissoziiert und total in der Derealisation] Nur sind wir uns nun unsicher, ob wir wirklich Depressionen haben…
Danach war unsere Mutter zu besuch und zum Highlight des Tages: Wir wurden von einem Raben angegriffen und haben nun eine Verletzung am Kopf.
Ich glaube, wir bleiben jetzt nur noch im Zimmer für heute.
-Jill

Haha, oh ja… naja. So witzig war das gar nicht. Aber irgendwie so skurril, dass es eben doch schon wieder witzig ist. Wir haben auf dem Gehweg ein Rabenjunges liegen sehen. Wir wussten einfach nicht, ob es tot oder nur verletzt ist. Wir wollten einfach nur nachschauen, ob man da noch helfen kann. In dem Moment, ZACK, spüren wir auf einmal nur einen Schlag auf dem Kopf und eben das Schreien von einer Krähe. Das war halt die Mama oder der Papa. Ist schon klar, wir sind ja nicht blöd. Übrigens auch nicht böse auf die Krähe. Wäre das unser Junges da auf dem Boden, würden wir auch jeden angreifen, der ihm zu nahe käme. Übrigens auch einfach so, vermutlich. Aus Spaß. Um Menschen zu ärgern. Jedenfalls war das Kleine schon tot und wir haben sofort den Rückzug angetreten. Als wir auf unseren Kopf fassten, war es echt ekelhaft nass und als wir unsere Hand angeschaut haben, alles voller Blut. Der hat uns also wirklich ordentlich erwischt. Wir waren auch ein wenig erschrocken, weil wir ja erst gar nicht realisiert haben, was das war, der Schreck ließ dann aber irgendwie erst in der Klinik nach. Wir sind zum Arzt und der hat gesagt, die Pfleger sollen das desinfizieren und irgendwie „ein Pflaster drauf“ (haha – auf den Kopf?). Auf jeden Fall war Frau *Sesam echt total fürsorglich und hat uns nicht das Gefühl gegeben, wir seien lästige Volltrottel die keine Sekunde aus dem Haus können, ohne auf die Schnauze zu fallen (im übertragenen Sinne). In der Geschlossenen hatte sich Paula ja damals so über den Schnee gefreut, dass sie von einem Stein in den Schnee springen wollte, nur war der dummerweise nicht tief genug und wir hatten eine leichte Gehirnerschütterung. Das Personal dort wirkte eher total genervt und fast sogar so, als wäre es total unnötig gewesen, dass wir nach Hilfe fragen (wir waren halt hochgegangen, weil wir so.. „gelbe Blitze“ vor Augen gesehen haben…). Sie haben uns halt dann nur ein Kühlpack gegeben und das wars. Frau Sesam hat sich die Wunde auf dem Kopf angeschaut (da hätten wir eh nicht hinsehen können) und dann sich auch Gedanken gemacht, wie man das überhaupt „abkleben“ könnte. Es hat schon echt geblutet und dort oben beim Sitzen ist dann irgendwie unser Kreislauf in den Keller. Unser Blutdruck ist immer so bei 100/90/80 (kp was was genau ist), Aber unser Puls auf der Uhr ging auf 53 runter (sonst ist der immer so bei ca. 80) und als wir den Blutdruck dort nach dem Verartzten gemessen haben, war der bei 102/56/ (und das letzte weiß ich nicht mehr). oder irgendwie so. Weil wir hatten nämlich Frau Sesam gesagt, dass wir das Gefühl haben gleich umzukippen. Es war halt dieses Rauschen im Ohr und als würde der Kopf immer enger werden und alles so wie Wackelpudding um uns herum. Aber es ging. Wir sind dann ins Zimmer und haben uns einfach eine Weile hingelegt. Frau Sesam hat den Tag dann auch nochmal nach uns geschaut und immer wieder gefragt wie es uns ginge und dass wenn wir Kopfschmerzen kriegen würden, wir das vielleicht doch im Krankenhaus noch einmal ansehen lassen sollten. Das Ding ist nur, der Tag war ja ohnehin für uns schon so ein extremer Wumms, dass die Kopfschmerzen auch einfach daher hätten kommen können. Jedenfalls… heute tat uns der Kopf in der Früh auch ganz schön weh, aber das hat jetzt über den Tag nachgelassen und jetzt tut halt nur noch nach wie vor die Verletzung am Kopf weh, aber es scheint gut zu verheilen und wir sind ja gegen Tetanus geimpft. Also eigentlich brauchen wir uns da keine großen Sorgen zu machen. Frau Sesam hat auch seeehr gründlich desinfiziert >.<

Ja, naja. Und heute hatten wir dann übrigens den zweiten Termin bei der Psychologin. Wir hatten am Freitag schon den ersten. Hm… was sollen wir sagen? Ich sage mal so… wir wissen Frau Blume jetzt noch viel, viel mehr zu schätzen. Sie ist einfach zauberhaft im Gegensatz zu den Psychologen hier. Nicht, dass die hier nicht freundlich sind. Aber… Frau Blume ist einfach anders. Wirklich extrem anders. Gefühlt millionenfach feinfühliger und aufmerksamer. Aber das heißt nicht, dass die hier schlecht sind. Die Psychologinnen aus der Psychoedukationsgruppe für Depression sind halt einfach blutjung (haha, sagen wir :D)… aber ich schätze mal eben vielleicht Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig. Und die Psychologin die wir für unser Einzel haben ist zwar schon ziemlich alt und wenigstens erfahrener, aber trotzdem recht… naja… im Gegensatz zu Frau Blume halt sehr, sehr trocken. Aber wir haben heute trotzdem ein gutes Gespräch gehabt. Wir sind bei ihr halt extreeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeem im Funktionsmodus und in so einer „Hüllenfunktion“. Schwer zu erklären. Aber es ist okay. Wir hatten sie ja darum gebeten, die Borderline Diagnose noch einmal mit uns zu machen, weil wir einfach endlich wissen wollen, ob wir die nun haben oder nicht. Es reicht uns einfach nicht, dass man uns ohne Diagnoseverfahren sagt, wir würden da nicht reinpassen. Wir wollten es noch einmal genau testen. Wir hatten da so Fragebögen bekommen und in der Stunde hat sie noch einmal gaaaaanz viel nachgefragt und mitnotiert (im Fragebogen usw.). Na ja… scheinbar jedenfalls nicht. Würden nur drei Kriterien erfüllen. Eben, dass wir sehr wechselhaft sind in Meinungen und im Auftreten (aber das kommt ja von.. ja, wir sind halt nicht Unos), die Suizidversuche und… puh, das Dritte Kriterium weiß ich schon gar nicht mehr. Auf jeden Fall meinte sie, dass die „Hauptmerkmale“ eben die Verlustängste und das Nähe-Distanz Problem wären, und die fielen bei uns ja ohnehin weg. Sie meinte, dass viele Kriterien die wir angekreuzt haben, eher in die schizoide(?) Richtung gingen, Narzisstische Persönlichkeit und Histrionische Persönlichkeit sei bei uns komplett ausgeschlossen, da hätten wir so gut wie gar kein Punkt erfüllt. Wir haben dann erst einmal gefragt, was eine histrionische Persönlichkeit überhaupt ist. Und dann hat sie gefragt, ob wir denn Interesse hätten, uns das Schizoide noch genauer anzuschauen. Mhm. Das haben wir auch noch nie gehört und leider hat die Stunde nicht mehr gereicht, als dass sie es uns hätte genauer erklären können. Sie nannte als Stichwort Empathielosigkeit und sozialer Rückzug, bzw., weil wir ja doch eher viel lieber alleine als unter Menschen und in Beziehungen sind. Aber das wollte sie noch einmal genauer erklären beim nächsten Mal und sie meinte, falls es uns eben interessiert (und ja, tut es), ob es eben wirklich eine schiziode Dingsbums ist, oder nicht einfach nur Symptome von der Traumafolgestörung. Also, wie man liest, so in Diagnoseverfahren ist sie scheinbar echt ganz gut.

Puuuh… dann hat uns ja die Gruppenthera so irritiert wegen den Depressionen. Sie haben so ein Dreieck aufgeführt mit Denken-Fühlen-Handeln blabla, dass das alles beeinflust wird und miteinander zusammenhängt usw. War für uns jetzt alles nicht Neues und nicht unlogisch. Wir haben das zwar nie gelernt, aber irgendwie sind das ja ganz logische Abfolgen… allerdings haben wir festgestellt, dass es bei uns sooo anders und komisch war als bei den anderen. Bei den meisten fängt es eben wohl mit ach… blabla keine Ahnung. Ehrlich gesagt fehlt mir jetzt langsam die KOnzentration um das Thema jetzt gerade aufzugreifen und noch einmal zu reflektieren und zu erzählen. Vielleicht ein andersmal. Auf jedem Fall meinte die Psychologin gestern zu uns, dass unsere Symptome eher die typischen Symptome sind, die bei Männern in der Regel auftreten und Depressionen bei denen eben erst viel später erkannt werden. Das fand ich wiederum fast schon wieder witzig. Wir wollen die Psychoedukationsgruppe trotzdem weiter besuchen, auch wenn sie uns jetzt das erste Mal eher verwirrt und verunsichert hat (wie das Handeln, das für andere eher zu positiver Gefühlsbeeinflussung führen soll [wwwwwwwwoooooooooah was für ein Satz gerade :D] … bei uns immer in destruktivem Verhalten geendet ist…) aber wie gesagt, darüber jetzt schon wieder nachzudenken bereitet mir gerade Kopfschmerzen.

Ansonsten.. wollte die Psychologin die Essstörung auch noch einmal genauer anschauen… sie fragte, ob wir das in der Therapie auch schon angeschaut hätten und da meinten wir… nein, weil wir eigentlich eben fürchten, dass das nur von der eigentlichen Trauma-Arbeit bzw. eben die eigentliche Therapie an der wir mit Frau Blume gerade dran sind, nur ablenkt. Die Psychologin meinte… ja, schon… allerdings sei das bei uns schon sehr auffällig und offensichtlich auch schon länger sehr verankert und, dass wenn es schon so einen Ausmaß angenommen hat, man sich das doch noch einmal genauer anschauen sollte… Das wollte sie aber auch erst beim nächsten Mal wieder.

Ansonsten… sind wir einfach froh Cia und Bahira hier zu haben. Die Zeiten mit den beiden (und Belinda, wenn sie dabei ist) sind einfach sehr kostbar. Aber wir merken schon auch, dass wir jetzt auch wieder ein bisschen mehr Zeit für uns nehmen müssen. Die letzten Tage waren einfach zu viel Außenfokus. Dabei sollten wir uns gerade jetzt und gerade hier viel mehr auf uns konzentrieren. Ach ja, es fällt uns so viel hier auf. Das haben wir der Psychologin übrigens auch gesagt. Es ist hier zwar noch nicht besser geworden, aber es hat sich verändert. Wir sind hier nicht mehr gereizt von den Menschen um uns herum und auch nicht in einem „mir ist alles egal, ich hasse jeden, lasst uns einfach in Ruhe“…. sondern wir gehen hier mehr in die Beziehungen und in den Kontakt und er nervt uns nicht. Allerdings dissoziieren wir hier viel viel öfter und… wir haben hier echt krasse Derealisations-Probleme (nennt man das überhaupt so und gibt es das? Zumindest finden wir diesen Begriff am zutreffendsten). Also… als wir zum Beispiel an irgendeinem Tag im Park spazieren waren, hat uns Cia bestimmt 10x „das Leben“ gerttet, weil wir einfach so NULL und GAR nichts mehr um uns herum wahrgenommen haben, dass wir locker eben 10x fast in ein Fahrrad reingelaufen oder vor ein Auto gerannt wären… und einmal stand ein Mann auch übelst dicht hinter uns. Also rihctig, richtig dicht. Cia ist total aggro geworden (also man merkt es ihr nicht an, aber sie hat es mir heute erzählt)… aber wir haben den gar nicht wahrgenommen. KLar, faktisch haben wir realisiert, dass er VIEL zu dicht an uns war, aber es kam emotional kein bisschen bei uns an. Es fühlt sich ein bisschen so an, als wären wir in so einer kleinen Blase unterwegs und nehmen um uns herum alles nur sehr surreal wahr. Das ist jetzt halt eben statt der Gereiztheit und Angespanntheit da… keine Ahnung was das bedeutet und wieso das jetzt so ist… aber… ja. Punkt jetzt fürs Erste. Bin jetzt echt leergefegt und kann nicht weiterschreiben, Jill und Joan haben sich auch verabschiedet und alleine ist das irgendwie echt hart anstrengend und ich bin gerade nur bittermüde.

Keine Ahnung, ob ich jetzt irgendwas vergessen habe. Habe das Gefühl, dass als ich mit Joan und Jill vorhin noch im Co-Bewusstsein war, eigentlich noch voll viel hätte gesagt oder erzählt oder hinzugefügt werden müssen, aber jezt spüre ich echt nur noch Müdigkeit. Ist ja auch schon 00:30 Uhr. Und wir haben einen hungrigen, leeren Magen. Weil wir drei oder vier Mal vorhin gekotzt haben. Egaaal.

Hanna