Mitteilung (J)

Hi, und ha! Seit Monaten waren wir glaube ich nicht in der Lage uns den Betreuern mitzuteilen. Ich habe denen jetzt eine E-Mail geschrieben, an das Team. Mit unserer Therapeutin im CC. Ich habe wirklich versucht relativ kurz gefasst auf den Punkt zu bringen, was los ist. Klingt das irgendwie blöd? Seid ehrlich. Nicht in Betroffenen Perspektive lesen, bitte. Sondern lest das mal aus Perspektive eines unerfahrenen Betreuers (also die keine Ahnung von Trauma und DIS haben). Falls ihr euch da reinversetzen könnt. Wäre gerade wirklich hilfreich für uns, eure Meinung dazu zu hören. Also, im Perspektivwechsel.

-Jill

Die Mail:

„Liebes Team,

weil wir/ich seit Monaten einfach nicht mehr in der Lage sind uns mitzuteilen, versuche ich ganz kurz etwas zusammenzufassen

… Ich bin zurzeit 2x die Woche in Therapie, weil es verdammt krisenhaft ist. Seit Wochen stecke/n ich/wir in einer krassen Depression, und weil ich/wir noch NIE eine Depression hatte/n, weiß ich auch nicht, wie man damit umgeht. Wir bemühen uns schon ewig für einen stationären Platz zur Krisenintervention, aber irgendwie spielen seit Februar die Kliniken mit uns Ping-Pong. Wenn das nicht so traurig wäre, würde ich echt darüber lachen. Unsere Therapeutin unterstützt uns dabei. (also nicht beim Lachen. Sondern bei den Anmeldungen).

Neben der Depression sind es übrigens auch verschiedene blöde Symptome die seit Wochen immer schlimmer werden. Wenn unser System soweit gut läuft, wie Ihr ja wisst (oder halt die Betreuer die mich/uns schon länger kennen, wissen müssten), dann sind wir ja 200 % funktionsfähig. Typisch DIS eben. Weil mehrere Alltagssysteme hier sowas übernehmen können. Aber genau das ist eben seit Wochen nicht mehr der Fall und treibt mich total in den Wahnsinn. Und wenn diese Funktionalität nicht mehr da ist, dann tauchen eben auch die typischen kPTBS Symptome auf…  Flashbacks und Intrusionen, die ich/wir seit vier Wochen täglich und rund um die Uhr haben. Das ist keine Übertreibung. Wenn ich/wir mal eine Stunde lang keinen Flashback und keine Intrusion oder keine Körpererinnerungen haben, und stattdessen „nur“ auf höchst Stufe dissoziieren, dann sind das mal die GUTEN Stunden.

Die Energie ist auch raus wie die Luft aus einem Luftballon. Am extremsten merken wir das an den Putzdiensten oder anderen ganz normalen Alltagsaufgaben wie Kochen, Essen blabla (deshalb waren wir auch 3 Wochen krankgeschrieben, wir haben die Wochen vorher nur noch dissoziiert in der Arbeit und nichts mehr auf die Reihe bekommen). Wir schaffen es maximal 20 Minuten uns mit etwas zu beschäftigen und danach sind wir so energielos, dass wir völlig wegdissoziieren und nur noch wie ein Zombie dastehen oder dasitzen und die Suizidgedanken wirklich enorm werden… und wir sind auch einfach energiemäßig nicht im geringsten in der Lage Gespräche zu führen. Seit Monaten. Allein das Mitteilen von Problemen klappt schon einfach nicht. Nicht nur, weil wir ohnehin seit wir in der WG sind ja nur mit Aussagen (im übertragenen Sinne) konfrontiert bzw. abgespeist werden wie „Ach, die sind ja Viele. Irgendwann wechselt schon wieder jemand der gut drauf ist und dann ist das Problem gelöst“… sondern hauptsächlich, weil wirklich einfach sowas von 1.000.000 fach die Luft raus ist und die Energie fehlt. Ich weiß nicht, ob das nachvollziehbar ist.

Ich will übrigens nicht, dass sich das jetzt so anhört als würde ich Euch einen Vorwurf machen. Mir ist bewusst, dass A) wir uns nicht mitgeteilt haben, wie es uns geht, B) einige von Ihnen das Vielesein noch anzweifeln und C) die Anderen damit überfordert sind und nicht wissen wie man helfen kann. Wenn ich wüsste, wie man mir helfen kann, würde ich es sagen. Aber das weiß ich/wissen wir im Moment selber nicht. Deshalb bin ich auch so froh, dass wir endlich eine wirklich sehr, sehr kompetente und eine erfahrene Therapeutin gefunden haben. Wir sind also soweit gut aufgehoben. Zumindest für 2 Stunden in der Woche (aktuell). Die einzige „Intension“ dieser Mail ist einfach, dass Ihr über meine/unsere „aktuelle“ Lage bescheid wisst.

Also, sie dient wirklich nur zur Info. Einzelgespräche usw. haben wir auch ganz bewusst seit Wochen abgelehnt, weil das nicht verstanden werden nur das Gegenteil von Stabilität auslöst. Es frustriert und verzweifelt nur noch mehr – vor allem, wenn man selber nicht mehr ein- und aus weiß – und deshalb möchten wir/ich auch weiterhin keine persönlichen Einzelgespräche o.ä.

Danke für’s durch Lesen und ich/wir hoffe/n und bitten um Euer Verständnis

P.s. Ich setze meine Therapeutin in’s CC. Nicht dass es am Ende noch heißt, ich würde mir hier nur irgendwas ausdenken. Sie weiß seit Wochen über diesen Krisenzustand bescheid… ich war nur einfach nicht in der Lage das dem Team mitzuteilen.

LG

***“

7 Kommentare zu „Mitteilung (J)

  1. Find ich gut.
    Vielleicht könnten die Betreuer euch wenigstens auch dabei unterstützten, so ganz real, einen Platz in ner Klinik zu finden oder euch einfach mal wahlweise irgendwie entlasten. Und sei es nur damit, dass sie euch nicht auf den Keks gehen 😉

    Gefällt 3 Personen

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