Oooooops

4 stunden in der küche und… hoppla, keksdose fallen gelassen 😁😬🤭😅
Aber es sind auch welche heile geblieben

NICHTS genascht. Heute 350 kcal gestern 290, ich hab das gefühl ich bin wieder auf der Spur 😊😊😊

Morgen machen wir noch Kokosmakronen, Engelsaugen, Zimtschnecken und Butterplätzchen (glutenfrei).



Weihnachten und Neujahr

Ach ja, irgendwie bin ich vorhin wieder total abgeschweift und habe nicht einmal bemerkt, dass es wieder einen Themenwechsel gab. Aber in meinem Kopf ist eh so unglaublich viel los zurzeit, vermutlich ist es unmöglich gerade nur bei einem Thema zu bleiben.

Eigentlich wollte ich noch schreiben, wie dankbar ich für solche Menschen in meinem Leben bin. Billy zum Beispiel hat mich überrascht und mir einen Moment tiefster Freude geschenkt, indem sie ein kleines Päckchen für uns an die Tür abgestellt hat. Ein Weihnachtsgeschenk. Wir waren noch bei den Eltern, aber gestern haben wir es erhalten und uns ein zweites Mal darüber gefreut. Auch sind wir dankbar um den Kontakt zu Frau Schnee. Sie fällt auch total aus dem Rahmen, ist eine der 2% von den 500, die nicht nach Schema F arbeiten und auf einer ganz anderen Wellenlänge ist, eine der wenigen Menschen, bei der es sich nicht energieraubend anfühlt, mit ihr in Kontakt zu gehen. Und dankbar sind wir auch für Liu, der uns gestern dann mit seinen Geschichten über die Zeit, in der er im Altenheim gearbeitet hat, zum Lachen bringen konnte und wir selbst jetzt noch das Gesicht zu nem Lächeln verziehen, wenn wir uns an die Geschichte erinnern. Und natürlich dafür, dass es uns zwei Geschenke in Backpapier mit roter Schleife verpackt hat. Er ist so lieb. Ich finde, bei ihm kommt so richtig diese vietnamesische Mentalität durch, schwer zu erklären. Er ist einfach so… er.

Apropos ist es echt nicht leicht für mich solche Einträge wie den vorhin (hier) zu schreiben, ohne dabei irgendwo Teile in mir im Kanon kotzen zu spüren (ich habe auch übelst dabei geschwitzt, um mal ganz ehrlich zu sein, aber das ist nur ein Zeichen, dass es da einige in mir gibt, die bei dem Thema Selbstliebe, Dankbarkeit und dem ganzen anderen „erleuchteten Scheiß“ würgend im Kreis laufen – und es ist echt unangenehm jetzt kalte Schweißflecken unter den Armen zu spüren – mir ist eh schon kalt)… aber was ich eigentlich noch erwähnen wollte ist, dass wir ja dieses Jahr an Weihnachten in der WG bleiben. Sehr schwer. Ein Teil von mir will und will und WILL einfach nach Hause, will meine Eltern sehen und den Besuch. Aber jedes Jahr war es so, dass ich mich am Ende doch nicht erinnern konnte, oder nur an Teile davon, und es nie so war, wie ich es mir vorstellte. Ach, keine Ahnung, Sehr ambivalent. Ein Teil von mir ist wütend, ein anderer zu Tode traurig. Aber ein anderer Teil will Weihnachten dieses Jahr NICHT mit der Familie verbringen. Keiiine Ahnung, ich kann dazu echt nicht viel mehr schreiben. Ist zu viel unterschiedliche Meinung dazu da.

Trotzdem werden wir am zweiten Weihnachtsfeiertag nach Hause fahren. Ich weiß eigentlich gar nicht wieso. Es gibt für mich keinen Grund. Der offensichtlichste Grund ist, dass wir keine Lust haben mit den Eltern zu diskutieren, keine Lust auf das Gefühl von Enttäuschung von denen einzugehen. Aber ist das wirklich ein Grund? Keine Ahnung. Wir fahren. Da steht auch kein Raum zur Diskussion. Ist einfach so. Kommen aber auch nach zwei Tagen wieder zurück. Silvester wollen wir hier bleiben. Aber irgendwie, so wirklich handfest fühlen sich die nächsten Tage nicht an. Eher wie ein verschwommenes Bild. Weiß noch nicht, wie das alles wird.

Tolle Begegnungen

Man muss ja sagen, ich heule hier im Blog ja sehr viel rum und so viel berichten über so positive Begegnungen oder Gespräche tue ich ja sehr selten. Heute fasse ich mal ein paar angenehme Begegnungen in letzter Zeit zusammen. Ich war zwar sehr hin und her gerissen, weil ich gestern Abend (jetzt ist es 06:30 Uhr), eine sehr… „andere“ Begegnung hatte. Die hat mich so bewegt… es geht um… hm, ich nenne sie mal Karla und Jonas, das sind diese Nachbarn, die glaube ich schon ein paar Mal erwähnt wurden. Die Frau, die so uuunglaublich schön ist, die hat wirklich so ein bisschen was von einer „Maria“ und auch wenn ich so NULL religiös bin oder so, strahlen die beiden für mich das aus, was für viele religiöse Menschen wahrscheinlich Maria und Josef wären. Total schräg. Sie ist auch wirklich einfach so so so schön, diese dunklen Haare, die dunklen Augen und sie hat einfach diese Liebe und so eine Freude in den Augen, so eine krasse,krasse,krasse Ausstrahlung, dass es mich echt fast immer wieder so mega umhaut. Und der Mann ist auch nicht ganz anders. Klar, in meinen Augen vielleicht jetzt nicht „schön“ im Sinne von attraktiv aber… irgendwie finde ich auch ihn soooo schön und ich weiß nicht woran das liegt. Ob es wirklich nur an deren Ausstrahlung liegt dass die mich so umwerfen oder keine Ahnung. Und die beiden… ich kenne sie nicht gut, nur flüchtig, aber irgendwie haben sie so einen … ich habe ne ganz bestimmte Verbindung zu ihnen emotional (was sie gar nicht wissen) und sie … bereichern mich in einigen Punkten, und eigentlich … berühren sie mich an so ner Stelle im Innern wo ich mir jetzt lange lange dachte… ne, eigentlich will ich das mit niemandem teilen. Das ist meins. Diese Wellenlänge auf der Jonas und Karla und ich sind ist unsers. Will ich mit niemandem teilen. Aber gestern haben die etwas in mir ausgelöst, wo dann paar Stunden später, so halb schon beim Einschlafen, völlig aus dem Kontext gerissen ein Satz von Karla wieder in Erinnerung kam und dann meine Reaktion darauf und wuuuussschhh flossen da Tränen oooh mein Gott habe ich da plötzlich geheult wie ein kleines Kind mit dem Gesicht im Kopfkissen. Jimmy natürlich sofort aus seinem Tiefschlaf aufgewacht, schwankt noch halb schlafend aus seiner Box und kommt zu mir aufs Bett um mir die Augen wund zu lecken (er ist unglaublich…). Ja und irgendwie ist das jetzt doch etwas, was ich teilen möchte… Und vielleicht fange ich auch gleich bei den beiden an.

Es war irgendwie… wir trafen uns beim Spazieren, als ich mit Jimmy Lena zurück gebracht hatte. Es war schon dunkel und kalt und dann kamen die beiden mir entgegen. Ich hatte sie schon sehr lange nicht mehr gemeinsam spazieren gehen gesehen, Karla selbst hatte ich gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, Jonas hin und wieder wenn er zur Arbeit fährt.

Und dann blieben wir stehen und redeten. Auf den Inhalt will ich nicht so wirklich eingehen, wie gesagt, es ist für mich eh sehr zwiespältig gerade, ob ich diese Menschen bzw. ihre Bedeutung für mich wirklich mit euch teilen möchte, aber es war auf jeden Fall ein sehr … intensives Gespräch. Über alles mögliche. Ich erwähnte auch Ihnen gegenüber (darüber hatte ich vor kurzem mal mit Frau Schnee gesprochen), dass ich ein sehr ruhiger Mensch bin und die aktuelle Situation es nicht gerade besser macht. Also, dass ich ja ohnehin sehr wenig mit Menschen in Kontakt gehe, weil sich das für mich energieraubend anfühlt (anders wie bei Jonas und Karla – haha, ich will immer Maria schreiben 😀 – Gespräche mit Ihnen fühlen sich eher energiebringend an) und mittlerweile … muss man ja total aufpassen was man sagt, weil man innerhalb von Sekunden als AFD-ler oder „Querdenker“ beschimpft wird (wobei ich nicht weiß, ob ich es wirklich als Beleidigung auffassen kann, wenn mich jemand Querdenker nennt und ich finde es unglaublich traurig dass scheinbar viele Menschen das aber nun als Beleidigung benutzen). Weil sich die Gesellschaft wegen Corona so extrem krass gespaltet hat. Ja und dann sagte ich eben, dass ich halt noch weniger mit Menschen rede, weil ich bei mir selber auch merke, ich traue noch weniger Menschen als zuvor schon.

Ich erzählte ihnen auch von der Begegnung mit meinem Nachbarn, den ich eigentlich soooo gerne mag. Der hat ja diesen französischen Schäferhund und ich bin total Fan von der Art wie er ihn erzogen hat und wie er mit ihm umgeht. Aber als ich ihn letztens im Wald traf sagte er, er wäre der Meinung, dass alle Corona-Impfgegner den Tod verdient hätten. Wooaah. Ich stand da, war übelst froh ihm und seinem Kumpel das Reden überlassen zu haben und dachte mir innerlich: „Danke, da zähle ich dazu.“ Ich will hier nicht groß rumtönen. Als zwei Menschen in meiner Umgebung positiv waren, habe ich auch gesagt: „Das geschieht denen Recht, das Leben sorgt schon für Gleichgewicht“ oder sowas und meine es auch wirklich so, ohne dass ich ihnen jetzt den Tod gewünscht hätte, aber ich habe mir tatsächlich ein bisschen ins Fäustchen gelacht, dass es ausgerechnet die beiden waren (die Vorgesetzte von Melly, die sie so krass nach der Ausbildung gemobbt hat, dass sie morgens wochenlang nur noch kotzend über dem Klo hing, weil sie so Angst hatte zu der ins Büro zu gehen und unser Gruppenleiter, der größte Korinthenkacker den ich in meinem Leben je kennengelernt habe). So. Ich bin wirklich alles andere als heilig oder ein Gutmensch. Ich kann echt böse, böse Gedanken haben. Aber ich würde mich nicht trauen jemandem wirklich den Tod zu wünschen (vlt aus dem Affekt in tiefster Wut, aber nicht so, wie er das gesagt hat), weil ich wirklich auf das Gleichgewicht vertraue, das das Leben selbst irgendwie herstellt, und ich habe nicht unbedingt Lust darauf, solche bösartigen Wünsche ausgeglichen zu bekommen.

Ja, auf jeden Fall. Irgendwann meinte Karla zu mir, für sie sei ich eine Bereicherung hier und wenn ich etwas bräuchte, dürfte ich jederzeit klingeln. Gut, in dem Moment war ich so … berührt, dass ich nicht einmal danke sagen konnte (es aber dann doch noch getan habe). Aber ich dachte mir innerlich nur: „Mein Gott, wenn ihr wüsstet, was IHR für eine Bereicherung für mich seid, allein schon, wenn ich euch nur aus der Entfernung spazieren gehen sehe“ (ich weiß nicht, ob den beiden bewusst ist, was sie ausstrahlen. Wenn es bildlich sein müsste, um es zu erklären: Wenn ich sie sehe, habe ich das Gefühl, sie hinterlassen funkelnden Nebel dort, wo sie entlanglaufen). Tja… und dann abends… lag ich im Bett… und erinnerte mich an ihre Worte … und (puh, da muss ich auch jetzt schon fast wieder heulen verdammt)… in meinem Kopf kam wie auf einen Schlag: „Das, was ich bräuchte, kann mir keiner geben“… das wiederum brachte mich auf den Spaziergang mit Liu (später). Nun, jedenfalls weinte ich plötzlich los. Mit so viel Schmerz in mir. Und es kamen Gedanken wie, was ich gebraucht hätte. Als Kind. Als kleines Kind. Liebe und Geborgenheit und Schutz. Und dachte mir: „Wenn ich etwas bräuchte, wäre es das. Gib mir das!“. Aber das kann mir keiner geben. Und ich weiß auch, dass das so völlig okay ist. Das ging so weiter. Ich dachte mir: „Ich weiß, dass ich das nur in mir selber finden kann. Ich weiß, dass ich mir das nirgendwo einfach holen kann, wie ein feines Brötchen vom Bäcker“. Und in mir tat es sooo weh. Das ist ja keine Erkenntnis, die ich jetzt zum ersten Mal habe. Seit Jahren weiß ich, dass man nur mit und in sich selbst Frieden finden kann. Aber es ist so schwer. Und ich weiß auch ganz genau, dass das nichts ist, was man … erreichen kann und dann ist alles wieder gut. Sondern… man kann es erreichen, dann wieder verlieren, sich so richtig verlieren. Und muss wieder ganz arg zu sich selbst kommen und zu Selbsterkenntnissen und Dankbarkeit und Selbstliebe, was so harte Arbeit ist. Wo man denkt, dass Menschen, die so, so krass missbraucht, gefoltert und vernachlässigt wurden, das doch niemals finden und lernen können – aber doch. Ich konnte das. Ich hatte echt eine Phase in meinem Leben, wo ich den Punkt in mir gefunden habe und eine ganze Weile nur das spüren konnte: also meine eigene Kraft und eine ganz kleine Stelle in mir, die unversehrt ist und geliebt wird (von mir) und ganz viel lieben kann (mich und das Leben). Aber das bleibt nun einmal nicht. Das haben mir schon so viele Menschen gesagt. Ich war 18 wo ich dieses tolle Jahr hatte. Und als ich das so verloren habe Jella zu mir meinte (und auch Carmen, meine Griechenland-Ex), das sei völlig normal. Selbstliebe ist ein Prozess, es ist nichts, was jeden Tag und jedes Jahr bleibt, man muss immer wieder neu zu sich selbst finden. Aber ich weiß es. Jeder, selbst der geschundenste Mensch kann irgendwo in sich drinnen Frieden finden, selbst wenn es nur für einen Moment ist. Und das waren alles Dinge die Jonas und Karla gestern Nacht, nur ein paar Stunden nach unserer Begegnung in mir ausgelöst haben. Die Erinnerung daran, dass ich es ja eigentlich besser weiß. Dass ich mir mit meiner Negativität nur selbst schade – niemandem sonst.

So… das ist sehr tief angekommen. Wie gesagt, ich habe wirklich geheult wie ein Kind, als ich mich da wieder an Karlas Worte erinnert habe. Heute Früh ist es immer noch da. Nur denke ich: Und was mache ich jetzt damit? Ich weiß und fühle es und bin davon überzeugt. Aber meine Essstörung verschwindet dadurch nicht einfach. Auch nicht die Dissoziative Identitätsstörung, die durch das Mehrfachtrauma entstanden ist. Auch nicht meine Trauer und die Ängste und der Frust und mein falsches Körpergefühl. Auch nicht mein kontraproduktiver Gedanke, lieber immer mehr abzunehmen und mich der Essstörung völlig hinzugeben, als mögliche Folgeschäden zu vermeiden und wieder gesund zu essen. Ich denke mir: Wenn ich doch so eine Erkenntnis habe über die eigene Kraft und die Selbstliebe  (und nicht nur die Erkenntnis, sogar auch schon so eine Erfahrung machen durfte, für fast zwei Jahre), wieso kann ich nicht das, was mir schadet, einfach loslassen? Wie habe ich es damals gemacht? Lag es wirklich an der Naivität, dass ich da noch nichts von der DIS und den Traumata wusste? Ich weiß es auch nicht. Aber vielleicht ist das auch im Moment nicht wichtig. Wichtig sind kleine Schritte. Diese Erkenntnis in kleinen Schritten zu fühlen: Wann bin ich glücklich? Was macht mich glücklich? In welchen Momenten fühle ich wirklich Frieden? In welchen Momenten denke ich an NICHTS Anderes, als an den Moment und fühle dabei wirklich Frieden? Bei diesen Fragen sind mir gestern auf Anhieb ein paar Dinge eingefallen. Das ist sehr gut.

Jetzt zu Liu. Als wir uns gestern Nacht von Jonas und Karla verabschiedeten (ich-wir), merkte ich erst, als wir uns wieder in Bewegung setzten, dass ich am ganzen Körper zitterte. Bestimmt nicht nur von der Kälte, sondern auch von dem krassen Energieaustausch mit den beiden. In den Händen hielten wir Geschenke von Liu. Ich meine, jemand von uns hatte ihn schon einmal erwähnt. Er kommt aus Vietnam, mit ihm gehen wir immer wieder mal spazieren. So auch gestern Mittag. Das Gespräch war so… Liu und ich sind sehr ähnlich. Wir denken viel für uns, aber schweigen. Liu ist auch einer der wenigen Menschen, wo wir dann reden. Und – da wir ja eigentlich eher sehr ruhig sind, reden wir dann gegenüber von Menschen, wo wir spüren, wir können alles sagen, ohne verurteilt und noch dazu verstanden zu werden, sehr, sehr, sehr viel. (Ich hätte gestern Jonas und Karla noch stundenlang alles mögliche erzählen können, solche Menschen sind für mich wie Tagebücher. Sie tun einfach gut. Sie sind genauso urteilslos wie weiße Seiten, die man einfach nur voll und voll und voll schreiben will – nur viel schöner, weil sie haben Emotionen. Klar, ich sage hier immer, ich hasse Menschen. Aber viel richtiger ist ja eher, dass ich Menschen nicht vertraue und sie nicht ertrage. Aber eigentlich finde ich Menschen sehr schön, weil Emotionen schön sind – solange es Menschen gibt, die sich Emotionalität noch zutrauen. Das ist wirklich schön. Aber halt sehr selten). Na, jeden Falls redete ich da auch mit Liu sehr viel. Viel eher hörte er mir zu. Es gibt einen kleinen Abschnitt, an den erinnere ich mich nicht. Wir sind im Wald, im nächsten Moment laufen wir gerade die Straße nach unten von der Landwirtschaft weg. Mir müssten ca. 15 bis 20 Minuten fehlen, die ich nicht mehr abrufen kann. Ich weiß nicht, wer von uns im Außen war. Auf jeden Fall, der Moment ab dem ich mich eben wieder erinnere ist, wie er meint: „Du müsstest Ex-In machen. Kennst du das?“ Hmh. Kenne ich. Wir sagten ihm – mein Körper – ich, wer auch immer (ich war eigentlich noch in einem sehr dissoziativen Zustand, vermutlich war der Wechsel noch nicht ganz vorbei), ich hörte uns zumindest sagen, nein. Das könnten wir nicht. Dafür seien wir nicht sozial genug. Hörte wieder sagen, dass uns das Energie raubt, dass wir Menschen nicht helfen wollen, dass uns Hilfesysteme sehr „scheinheilig“ vorkommen. Dass es für uns Energieraubend sei Menschen durch Gespräche zu helfen, weil wir wüssten, die wirkliche, wirkliche Hilfe ist in einem selbst. Die Selbsterkenntnis, die eben zu einer innerlichen, emotionalen Heilung führen kann, kann kein Gespräch der Welt geben. Und dass wir deshalb eigentlich wenig von Ex-In halten, weil es bei uns so ankäme, als würden wir zwar wissen, wie dem Gegenüber zu helfen wäre, aber dass WIR nicht diese Hilfe sind. Ich HÖRE uns das so sagen. Auch, dass wir ja so gerne persönlich mit Menschen über so etwas reden und solche Gespräche führen, zu denen wir eine Beziehung haben, aber nicht jeder Mensch diese Energie für uns wert sei (oha?! Wie arrogant klingt das eigentlich?) Und gleichzeitig, während ich uns das alles sagen höre, denke ich nur: Aha? Und wir gehen aber auch in Therapie! Wir gehen in Therapie, obwohl wir wissen, dass wir uns nur selber helfen können. Wieso gehen wir dann in Therapie? WELCHE Hilfestellung zur Selbstheilung soll eine Therapie auf Meta-Ebene bewirken? Keine Antwort. Ich bin zunehmend verwirrt darüber, wieso wir in Therapie sind. Obwohl innerlich eine klare Aussage kommt: „Frau Blume hilft uns Vorgänge im Gehirn zu verstehen. Verhaltensmuster nachzuvollziehen. Die Verbindung zwischen Erinnerung, Gehirn, Trauma und Körper. Sie ist die Fachstelle. Quasi, die Quelle des Wissens, wenn man es so nennen will.“ Ja, denke ich. Gleichzeitig aber auch: Wäre das nichts, was wir auch einfach alles selber recherchieren und Lesen können? Wissen kann man sich aneignen und unseren Körper und uns selbst kennen wir ohnehin besser als irgendwer sonst: Also her mit all den Fachbüchern über Dissoziative Identitätsstrukturen und organisierter Gewalt! Ein Hoch auf Fachbücher und Wissenschaft!

Nein?

Das ist es nicht. Ich finde auch darauf keine Antworten. Vielleicht braucht man einfach ein Gegenüber, ein fachliches Gegenüber, um sich selbst zu reflektieren. Eines, das aber auch annehmen kann, dass der Patient sich selbst besser kennt als der Therapeut die Diagnose. Denn ein Mensch ist nicht die Diagnose. Ich hoffe, Frau Blume ist so jemand. Aber wieso wären wir dann nicht bereit, anderen Menschen zu helfen? Wieso empfinden wir es als energieberaubend? Oder viel besser: WER von uns hat das gesagt und empfindet das so? ICH mit Sicherheit nicht. Ich kann mir schon vorstellen, mich mit Menschen auszutauschen die Hilfe benötigen. Und ohne überheblich zu klingen bin ich mir sicher, wir könnten das millionenfach besser als alle Betreuer aus dem Haus zusammen. Weil wir nämlich die Erfahrung und die Menschlichkeit dabei hätten. Und keine Regeln. Keine Distanz.

Apropos.

Als ich gestern von dem Spaziergang mit Liu nach Hause kam, saß Elly in einer Dissoziation fest. Bei ihr sieht das ja dann so aus, dass sie einfach dasitzt und nicht mehr erreichbar ist. Ich wusste aus irgendeinem Grund auch, warum das passiert war. Seit Wochen steht sie schon total unter Druck wegen dem Besuch ihrer Eltern am zweiten Weihnachtstag.

Ich konnte sie nicht erreichen. Habe ihr Kühlpacks in die Hand und an den Nacken gelegt und saß einfach neben ihr. War ein wenig hilflos. Aber ich war einfach da und hab versucht ganz ruhig zu bleiben. Es waren irgendwann schon zwanzig Minuten rum und ich nahm mir vor, in spätestens zehn Minuten einen Betreuer anzurufen. Normalerweise helfen Kühlpacks bei ihr, aber nicht immer. Irgendwann saß ich nur da und habe leise zu ihr gesagt, auch wenn ich wusste, sie wird sich danach nicht mehr erinnern (irgendwo wird das schon ankommen), dass sie nicht alleine ist und dass ich auch da bin. Ich habe soooo gehofft, irgendwie habe ich innerlich sooo gehofft, dass wenigstens das Traumakind in ihr uns hören kann, wenn wir das sagen. Elly ist zwar nicht multipel, aber sie arbeiten auch mit Anteilen in der Therapie. Deshalb dachte ich, ich rede einfach. Irgendwer „da drinnen“ wird mich schon hören. Ich wusste klar, das wird sie nicht aus der Disso holen aber ich war mir ganz ganz sicher, dass das irgendwer hören wird. Habe ihr erzählt, dass ich von Zuhause ein paar Naschis für sie mitgebracht habe, weil sie doch letztens erwähnte wie traurig sie sei, dass sie wegen ihrer Glutenallergie schon seit Jahren keine Brezen mehr essen kann. Und sie hatte auch erwähnt, dass sie Schokocrossies mag. Am Samstag sind mir diese zwei Sachen (Knabberbrezen und Schokocorssies) in die Hand gefallen. Von einer glutenfreien Marke, die es hier in keinen Geschäften gibt. Musste an Elly denken und habs einfach mitgenommen. Und dann sagte ich ihr eben auch noch, dass wir bis zum 26. Dezember da sind und sie das nicht alleine aushalten muss. Wir sind an Weihnachten da, machen einen schönen Abend mit Lena, *Isi und ihr, bestellen Essen, naschen Plätzchen (für Elly haben wir Glutenfreie gebacken) und schauen Filme oder hören Musik und quatschen. Und wir sind auch da, wenn ihre Eltern zum Essen zu Besuch kommen. Wir werden die ganze Zeit da sein, sie ist nicht alleine. Und auch danach werden wir da sein. Wir kriegen das schon irgendwie hin. Und irgendwie merkte ich dann, dass ich irgendwas fühle. Eigentlich … sind wir ja so emotionstot bei sowas. Wenn es anderen schlecht geht, wenn jemand stirbt. Aber gestern hat sie halt dann geweint als ich da so leise geredet hab mit ihr (oder halt der Körper, weil eigentlich war sie immer noch erstarrt, hat kaum geblinzelt usw. aber zumindest kamen Tränen) und da merkte ich, dass ich auch fast mitweine. Wir können ja nicht vor anderen weinen. Eigentlich wäre das eine Situation gewesen, in der wir aufgestanden wären und vermutlich sogar selber dissoziiert hätten, um die Emotion verschwinden zu lassen, irgendwen anderes machen lassen, der ganz wo anders ist emotional. Aber dann dachte ich: Nein, egal. Sie kann mich gerade eh nicht sehen, selbst WENN jetzt ne Träne kommen würde, das kriegt sie nicht mit. Habe am Ende dann nicht geweint. Die Augen waren nur feucht, aber es kam bei uns keine Träne. Ich war nur sehr überrascht von dem Gefühl. Also dass wir gefühlt haben.

Irgendwann kam unerwartet ein Betreuer. In der Zwischenzeit hatte ich abwechselnd die Kühlpacks aus ihrer Hand genommen und die Hände wieder warm massiert, dann wieder Kühlpack in die Hand, wieder warm massiert (bei Elly weiß ich, dass man sie berühren darf). Als dann der Betreuer kam bat ich ihn um Hilfe. Für ihn war es das erste Mal jemanden in Disso zu erleben (… ich eröffne hierzu jetzt mal nicht schon wieder einen ellenlangen Text über die Inkompetenz der Mitarbeiter, die in einer Einrichtung für traumatisierte Klienten eingestellt werden………). Aber er ist ein ganz korrekter Kerl. Er ist neu und eigentlich ganz knorke. Ich meinte zu ihm, dass wir vermutlich eine Ammoniak Ampulle brauchen, sie sitzt ja schon seit 30 Minuten so da. War so unsicher, weil uns Ammoniak zum Beispiel noch mehr wegtriggert. Holt uns zwar ganz kurz raus, wenn der Schmerz ins Vorderhirn zieht (gefühlt), aber danach dissoziieren wir ja dann noch krasser weg. Aber er meinte, dass Ammoniak bei ihr in der Notfallakte steht und dann meinte ich, dann wird das schon passen. Die Herausforderung war: Wir wussten beide nicht, wie das Teil funktioniert. Ich wusste, man muss es irgendwo brechen, aber keine Ahnung wo und wie. Er musste erst einmal die Anleitung in der Schachtel lesen.

Durch die Ammoniak Ampulle kam sie dann aber wirklich aus der Disso raus. Sie wusste nichts mehr, bzw. klar, sie war zu Tode erschöpft, aber wirkte nicht emotional total traurig oder fertig. Eher, ähnlich wie bei uns, wenn wir wechseln „huch, oh man, ist das schon wieder passiert? Naja, ich brauch jetzt erst einmal einen Kaffee *gääähn*“ Dann war sie draußen mit dem Betreuer auf dem Balkon, hat die Katze geschmust, mit ihm geplaudert und dann kam ja irgendwann Lena und Mona und da erinnere ich mich ehrlich gesagt nicht mehr an den Besuch. Das nächste was ich weiß, ist wie ich Lena dann nach Hause bringe, Jonas und Karla treffe und Elly und ich den ganzen Abend bis Mitternacht wieder Harry Potter Hörbücher gehört haben.

Heute habe ich es echt übertrieben… (TW bulimie)

Ich sitze gerade am Tisch, ein Glas mit zwei Beuteln Elotrans Pulver im Wasser… mir ist schlagartig kalt geworden, als ich vorhin mit dem Gesicht über der Toilette hing. Mein Mittelfingerknochen ist wund, fast bilde ich mir ein, dass sich da schon Hornhaut bildet (aber ist so etwas überhaupt durch Erbrechen möglich?) Mein Magen krampft, mein Hals brennt und ich schmecke „Metall“. Es war kein Blut im Erbrochenen, trotzdem schmeckt es heute seltsam metallig. Ich ging um 19:50 ins Bad zum Erbrechen. Als ich aus dem Bad kam stand auf meiner Uhr 20:19 Uhr. Ich kann mich nicht erinnern jemals so lange gekotzt zu haben. Drei Mal habe ich Wasser aus dem Wasserhahn nachgetrunken um mit 100% iger Sicherheit alles, was noch nicht verdaut war, wieder raus zu bekommen. Ich merkte allerdings zum Schluss, dass da fast nur noch bittere Flüssigkeit mit ganz wenig Resten kam… ich gab auf.

Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll. Ich weiß nur, ich will das nicht mehr. Ich will nicht mehr kotzen. Ich WILL mir den Finger nicht in den Hals stecken müssen. Nach zwei Stück Pizza und zwei Stück Crepe, was ja eine ganz normale Portion für ein Refeed Tag wäre. Aber ich KANN nicht anders. Ich kann nicht. Ich will aber auch nicht einfach wieder normal essen. Ich will keine Bulimie haben. Was ich ja aber vermutlich nicht mehr leugnen kann.

Ich kann wirklich nicht sagen, wie ich mich fühlen soll. Ich fühle mich undiszipliniert. Frage mich, wie ich wieder auf die Spur kommen kann. Dem Admin in unserer Gruppe gehts zurzeit genauso. Fünf Tage extrem wenig essen, dann kommt eine FA. Die anderen Mädels aus der Gruppe essen immer alle so ca. 600 – 900 kcal am Tag. Die wenigsten essen unter 500 und noch weniger, wie die eine von den Admins, eine andere und ich, essen meistens unter 300, manchmal liquid fasten oder fasten – aber dafür haben wir auch häufiger FA’s als Andere.

Ich hingegen kotze dann aber auch noch alles wieder aus. Das Traurige an der Sache: es hilft. Ich fresse, kotze, und nehme dadurch wirklich weiter ab. Und das hilft nicht gerade diesen Kreislauf zu durchbrechen. Denn es ist wies ist, das Gewicht steht bei mir zurzeit an aller oberster Stelle. Es gibt kaum etwas, was bei mir mehr Raum einnimmt im Kopf. Ich WILL abnehmen. Noch mehr. Und ich habe nicht das Gefühl dass ich damit aufhören kann. Jetzt sehe ich langsam Erfolge. JETZT sehen es langsam auch andere. Meine Mum… kam heute Früh in mein Zimmer als ich beim Umziehen war. Sie war… sie reagierte … fast geschockt… sie atmete richtig ein… „jetzt sieht man erst wie viel du abgenommen hast“.

53,7 kg, denke ich. 163 cm. BMI 20.0.

Ich schaue in den Spiegel und sehe mich und sehe zwar.. sehe zwar, dass man meine Rippen am Rücken und an der Seite… und sogar Knochen zwischen den Brüsten (hab aber eh nur sehr kleine…) gleichhzeitig sehe ich… und das sehe ich hauptsächlich… meine fetten Beine… meine fetten Arme… den fetten Unterbauch…

Da hilft es auch nichts, dass ich am XS Gürtel mittlerweile statt dem 1. Loch schon das 4. schnallen und meine Armbanduhr nach einem Monat nun schon im vorletzten Loch steckt… es hilft nicht, dass ich sehe, dass mir alle meine Jeans und T-Shirts und Pullis und Unterhemden und Unterhosen nur noch schwabbeln, mir von den Hüften rutschen oder verrutschen… ich sehe trotzdem im Spiegel noch immer nur die fetten Arme und Beine.. ein dickes Gesicht… alles aufgeschwämmt… wieso..?

Ich will nicht mehr kotzen… aber ich will auch nicht wieder anfangen zu essen. Das Gefühl abzunehmen… und jetzt endlich in so klitzekleinen Momenten das zu merken, … macht süchtig nach mehr.

Letztens.. rutschte mir die Fernbedienung aus der Hand… ich wollte sie mit den Beinen einfangen… sie flutschte einfach durch. Ich sehe zwar, dass ich bereits eine kleine Lücke zwischen den Beinen habe… aber nicht im Leben sah und fühlte sich das je für mich so an, dass da ne Fernbedienung mittlerweile durchrutscht… dass meine Knie im Sitzen die engste Stelle ist… das nehme ich nicht so wahr.

Oder… der dicke Geldbeutel, den ich nicht mehr zwischen meine Ellenbogen und Hüfte klemmen kann, um mir die Hände in die Jackentasche zu stecken, weil er mir nach vorne oder hinten wegrutscht… die Taille ist schmaler geworden. Ganz offensichtlich. Denn vor einem Monat war das noch kein Problem. An solchen Situationen merke ich es.

Aber ich habe kein Gefühl dafür. Und im Spiegel… sehe ich es nicht einmal. Ja, ich sehe die Rippen. Aber das ist auch alles. Das ist vielleicht meine schmalste Stelle. Vielleicht nehme ich da am schnellsten ab. Meine Beine… meine Arme… sind nach wie vor dick… aufgeschwämmt. Ekelig. Schwabbelig, ertrage ich nicht!!!

Ich weiss nicht mehr, wie ich mich wahrnehme. Hab wohl den Blick dafür verloren.

Zurzeit habe ich dieses Foto als Hintergrundbild auf meinem Handy (hauptsächlich wegen dem Pulli)

Sally saß vorhin neben mir, warf einen kurzen Blick drauf und meinte so begeistert: „woah geil bist du das?“ … ich so… völlig irritiert: „nein, so sehe ich doch nicht aus!“ Und Elly meinte: „so magersüchtig ist Mii jetzt auch noch nicht“ (so amüsiert, also nicht böse gemeint) und gleichzeitig hörte ich im Kopf sowas wie (nein, leider bin ich das nicht, wäre ich aber gern), obwohl ich gesagt habe: „Ich hoffe nicht, dass ich so dürr werde“ … Hoffe ich das wirklich? Das war schon eine sehr seltsame Situation vorhin. Sehe ich für andere dünn aus? Keine Ahnung in den eineinhalb Monaten in denen ich jetzt von 65 auf 53,7 kg abgenommen habe, hat bis auf meiner Mum (die krasseste Reaktion, als sie mich in Unterwäsche sah) und drei andere so ganz nebenbei aber nicht wirklich sicher mit noch 56 kg, niemand darauf reagiert. Deswegen dachte ich… ja okay, scheinbar ist es nicht schlimm abzunehmen, scheinbar ist es okay. Scheinbar sieht man es eh nicht, scheinbar tut mir nur der Erfolg auf der Waage gut und es ist körperlich gar nicht gefährlich.

Ich weiss nicht, wie ich mich sehe. Ich finde, ich bin noch recht gut… bestückt oder wie man das sagt. Nicht fett. Ich bin sicher nicht mehr dick. Aber ich habe noch dicke Beine und Arme … und einen Unterbauch… und ich finde schon, dass ich eher… wie ein Normalgewichtiger im oberen Bereich aussehe. Ich kann es nicht erklären. Ich empfinde mich nicht wirklich als schlank. Ich konnte die Reaktion von meiner Mum auch kein bisschen nachvollziehen.

Ich will nicht wie ein Skelett rumlaufen. Ich will nicht dass die Leute irgendwann auf mich zeigen und sagen, ich wäre magersüchtig. Ich will nur schlank sein. Nur noch ein paar Kilo. Vielleicht fünf. Vielleicht auch sieben. Dann wäre es okay, das würde für mich vollkommen reichen. Aber ich will nicht mehr kotzen…

Ich hoffe so sehr, dass das nach der Ganzen Feiertage besser wird. Wir in der Gruppe haben gerade alle sehr zu kämpfen mit der Vorweihnachtszeit. Im Durchschnitt haben viel mehr Mädels von uns häufiger FA’s als sonst… Leute bestellen häufiger, backen Plätzchen, machen Geschenke die mit Essen zu tun haben…. löst alles Heißhungerattacken aus. Die wenigsten von uns halten sie aus. Irgendwann kommt die FA… und bei den drei wenigen von uns, dann unweigerlich auch der Finger im Hals.

Ich habe richtig Angst vor Weihnachten und meinem Geburtstag. Ich MUSS stark bleiben. Ich darf nicht kotzen. Ich will meine Zähne nicht kaputt machen.. Elotrans hab ich auch nicht mehr… oh gott… ich habe tatsächlich die ganze Packung innerhalb von einer Woche leer getrunken… ich kann gar nicht mehr zusammenzählen wie viel ich gekotzt habe. Jedes Wochenende. Aber letzte Woche auch am Mittwoch. Und dann ja nicht nur einmal. Sondern den ganzen Tag verteilt über… so oft… immer wieder dann Elotrans getrunken danach. Ich WILL meinem Körper das ja nicht antun. Ich hänge echt jedes mal über der Klobrille und schlinge einen Arm um meinen Bauch, den anderen im Hals und entschuldige mich heulend (wie erbärmlich eigentlich) innerlich und sage immer so im Kopf: „es tut mir so leid, es tut mir wirklich so leid, ich will dir das nicht antun, ich werde das in den griff kriegen, versprochen“ (zu meinem körper)… aber ich kriegs nicht in den griff. Solange ich FA’s habe und mich nicht unter Kontrolle, werde ich das nicht in den Griff kriegen. Ich ertrage nämlich kein Essen in meinem Körper. Der Gedanke dadurch zuzunehmen ist viel weniger erträglich als das Risiko, irgendwelche echt schwerwiegende, gesundheitliche Schäden davonzutragen.

Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll.

Elotrans ist nicht lecker…

„Thats the point“..

Hmmm iwie echt so: „klar zu sehen, ich kann nicht mehr über meine vergangenheit nachdenken. Alles worüber ich nachdenke ist was ich essen soll und mein zielgewicht/wunschgewicht. Und seit ich wieder in der anorexie stecke, fühle ich mich viel besser (weil ich nicht mehr über meine vergangenheit und zukunft nachdenken muss) und ich denke, das ist der grund, wieso ich auch nicht mehr aus der anorexie rauskommen will…“

Binges

Hahahaha oh mein Gott. Mir war ja iwie klar dass der Tag bei meinen Ellies in binges ausarten wird, meine mum erwähnt ständig meinen gewichtsverlust und kauft essen und joa, weil ich kein bock hatte auf diskussionen habe ich halt einfach mitgegessen, zu mittag gleich mal fett und ungesund burger und pommes vom mcdoof, aber ok. In meinem kopf schon so der struggle weil sie abends pizza bestellen will und ich hab keine afm mitgenommen und ins klo meiner eltern kann ich nicht kotzen. Das widert mich an, da steck ich mein gesicht sicher nich rein. Bei uns in der wg ist es wenigsten sauber (aufh nachm kotzen, jaja ich spül sogar drei mal nach weil ich weiss dass lena zb weiss dass nachm kotzen trotz einmal spülen so ein film im wasser bleibt wie öl oder so) sorry for that information.

Auf jeden fall dchte ich gestern noch „ja eine pizza passt, davon werde ich schon nicht fett und wir müssen uns jetzt auch nicht mehr jeden tag wiegen weil die challebgein der gruppe vorbei ist)./. Nuui jaaa ich wusste aber nicht dass ic es vom kopf her doch nicht ertrage

Joaa dann bin ich halt mit mum einkaufen gewesen und ufm weg eben dieser burger und sie war dann noch im dm und ich bin schonmal heim und dann mache ich aufm absatz kehrt und denk mir: apotheke!!

Ok ich geh so rein bitte um die afm und er rechnet schon ab und meint „100 dragees. Oder soll ich schauen ob wir weniger haben?“

Bruuuddiiiii ich dachte ich kack die wand an weil ich innerlich gestorben bin vor lachen.

Seit 7 Jahren on off beziehung mit ner Essstörung und mir ist noch niiiiieeeee pssiert dass ein apotheker mir mehr als max 40 verkauft hat und erstmal ne mindestens 5 min predigt über die gefahren blabla (einer hat mir sogar mal ne HALBE STUNDE in den ohren gehangen!!) und der heute einfach so „ja hier bitte 100 st gönn dir“

Und ich so „nene 100 passt“ und er so „du weisst wie das angewendet wird?“ Ich so „jaja“ und dachte mir nur DIGGI GIB ENDLICH HER!!

Loooooll

Naja jetzt bin ich auf jeden Fall trotzdem fresstag ganz gut drauf weil ich den aptheker und meine ausbeute immer noch echt hart feier 😂😂😂

Ausserdem ist mir der pulli den ich in übergröße gekauft habe jetztnoch ein wenig grösser und auch das hat meine stimmung etwas gehoben.

Naja heute war ich auf der waage 53,7 (3x hat es 53,4 angezeigt, aber als ich beim 4. mal drauf bin warens 53,7 also lass ichs da) und mein bmi bei 20.0. immer noch normalgewicht. 53,7 ist immer noch 1kg weniger als letzte woche und das finde ich meeega verwunderlich. Habe ja eig nur liquid fasten gemacht montag dienstag und donnerstag freitag und da habe ich auch kcal zu mir genommen. Am mittwoch hatte ich wieder so nen scheiss binge and purge tag aber hatte am donnerstag trotzdem 300g weniger als am Mittwoch, trotz fresserei.

Ach ja und gestern habe ich doch auch 160 g ananas gegessen (will nbedingt mal die ananas diät machen)

Naja heute wird echt hart, weil ds kotzen hauptsächlich dafür gut ist, weil ich die völle in meinem bauch nichtertrage nach dem essen… aber da muss ich jetzt durch. Ich werde nämlich niemals ins klo meiner eltern kotzen. Das ist nämlich so widerlich. Meine mum macht zwarauch sauber aber die vorstellung dass mein pap da drauf sitztda woah ne da ist mir selbst meine kotze zu wertvoll dafür 🤮🤮🤮🤢🤢🤢 sonst habe ich heute nix geplant. Gestern wollte ich eig ne sehr gute freundin besuchen aber wegen der ausgangssperre war das nimmer möglich. Was solls

Ich war doch schonmal bei Frau Blume

Als ich gerade dabei war mir Tee zu machen, kam mir völlig aus dem Kontext gerissen eine Erinnerung. Ich war schon einmal bei Frau Blume. Das war eines der ersten Stunden. Ich könnte nicht genau sagen welche, aber definitiv eine der Ersten. Ich weiß gar nicht, wie mir die Erinnerung plötzlich kam und wieso ich gestern dann trotzdem das Gefühl hatte, noch nie persönlich mit ihr in Kontakt gewesen zu sein… vermutlich, weil wir zu der Zeit (also unser System) nicht vollständig aktiv war. Ich weiß ja nicht, also kann nicht erklären, was die letzten Monate los war, aber wir waren ja nur sehr durcheinander mal hier, mal da im Außen, aber nicht durchgängig als stabiles System, das zusammenarbeitet.

Ich glaube, ich habe mir daran erinnert, weil mir vorhin ein Mensch mit so einer „Scheibe“ vor dem Gesicht entgegen gelaufen ist und wie auf Knopfdruck sah ich das Gesicht von Frau Blume mir gegenüber sitzen und dann: „Au weia! Ich selber saß tatsächlich schon einmal bei ihr in der Praxis!“ Und jetzt kann ich mich wieder auch ganz gut erinnern. Die Kinder waren sehr enttäuscht darüber, dass kein Spielzeug in der Praxis stand – deshalb irrte vermutlich Max‘ Blick erst einmal so rastlos durch die Gegend. Jetzt stehen da nämlich ganz viele bunte, unterschiedliche Sachen. Von Schleichtieren und Kuscheltieren bis hin zu Brettspielen und Bällen und bunten Stiften. Jetzt weiß ich, was „anders“ war. Vermutlich war es nicht (nur) Max‘ Unbekümmertheit und Frau Blumes Ansprache, sondern der Raum an sich, der etwas wärmer gewirkt hat.

Außerdem war ich bei der Stunde, als ich das erste Mal dort saß, gedanklich noch so sehr bei Frau Honig und der Traurigkeit darüber, dass es wirklich ein endgültiger Abschied ist und der Verunsicherung, die von Lou damals kam, dass sie uns niemals so annehmen wird wie Frau Honig, dass ich gar nicht wirklich emotional anwesend bzw. im Kontakt mit ihr war. Ich-wir (unser System) hing noch fest. Und wie gesagt, wir waren noch nicht wirklich vollständig aktiv.

Wow, ich war gerade wirklich sehr überrascht, als mir die Erinnerung kam. Es kommt mir so weit weg vor, als wäre das schon viele Jahre her. Und emotional kann ich das auch nicht mehr greifen.

Frau Blume #4

Heute (bzw. gestern – veröffentliche nämlich erst morgen früh) war die Stunde bei Frau Blume irgendwie ganz anders als die letzten, die ich so am Rande miterlebt habe. Zum Einen war schon mal der Unterschied, dass diesmal nicht Mia oder Amy aufgetaucht sind, sondern Max. Wie das heute… /gestern passiert ist, weiß ich auch nicht genau. Max ist nicht aufgewacht, aber beim Umziehen ist es dann passiert. Ich bin mir nicht sicher, es war schon ungewöhnlich, weil wir uns in der Früh sicher 15x umgezogen haben, in komplett unterschiedlichen Stilen, als wüssten wir gar nicht wirklich was wir bisher immer für einen Geschmack hatten oder als würden wir uns innerlich total streiten, dabei war es eher so ein Emotions-Streit, als wirklich gedankliche Konversation. Angefangen hat es mit einem  gelben Blümchen Kleid, unter dem jemand von uns (ich weiß wirklich nicht, wer im Außen war), den weiß-schwarzen Rollkragen-Pulli angezogen hat und mehrere von uns innerlich dachten: „Das geht gar nicht!“, abgesehen davon, dass wir mitten im Dezember haben und die Ärmel des Kleides nur knapp bis über die Ellenbogen gehen, während der Rollkragenpulli sogar unsere Handgelenke wärmt. Also ausgezogen, in Strumpfhose vor dem Kleiderschrank gestanden. In jedem Fall wollte diejenige unbedingt irgendwas anziehen, was in Richtung Kleid oder Rock ging. Mein Lieblings-Outfit (und zu dem greife ich sehr oft, wenn ich im Außen bin), ist nach wie vor der blaue Pulli, eine Jeans und der rosa Schal. Darin fühle ich mich sehr wohl. Von Mia weiß ich, dass sie da sehr ähnlich ist. Bei Amy bin ich mir nicht sicher, sie war und ist schon lange nicht mehr wirklich im Körper außen gewesen, sie ist aber eigentlich eher diejenige von uns, die gerne „Mädchenkleider“ trägt und sich wirklich hübsch macht (im Gegensatz zu mir, wo ich nur Wimperntusche und Labello auftrage, sie auch noch Kajal, Rouge und sogar Lidschatten verwendet, sehr girly eben). Könnte also gut sein, dass Amy gestern im Außen war. Allerdings gab es dann, wie gesagt, diese emotionale Uneinigkeit. Ich hatte die ganze Zeit meinen blauen Pulli im Kopf, und ich weiß, dass der dann auch ganz lange im Schrank angestarrt, und kurz sogar angehoben wurde… aber dann kam wie ein Blitzeinschlag ein ganz anderer Gedanke: „Was ist mit dem Totoro-Pulli und einem Rock?“ Und dann kam der Nächste: „Nein, dann lieber der Panda und das Kleid drunter!“ Kurz hatten wir auch das blassgrüne Kleid mit weißen Blumenmustern und einem beigen Pulli drüber an, aber das wurde auch umgezogen. Das erinnerte mich eher an Sophie. Als wir 2018 bei Wildwasser waren, hat sie das blaukarierte Kleid mit weißem Kragen getragen. Letztendlich, und das war dann klar, war Max im Außen. Diese emotionale Uneinigkeit war weg und sie griff einfach nach einem schwarz-rosa gemusterten Kleid und dem grauen Panda-Pulli und so verließen wir das Haus.

Die ganze Fahrt bis zu Frau Blume war so eine große Unsicherheit im Kopf. Es waren Konversationen wie „Wir können nicht die Kinder zu Frau Blume schicken“ und mussten ständig daran denken, wie furchtbar die Situation werden würde, wenn sie anfängt Max zu siezen oder sie zu fragen, ob sie „als Max“ da wäre. Max meinte dazu, das wäre ihr egal, sie würde ihr dann schon sagen „ich bin doch keine Handpuppe, ich BIN Max“ aber das fühlte sich für uns Älteren irgendwie unbequem an. Wir versuchten herauszufinden, wieso diesmal nicht Mia wieder in die Stunde geht. Mia war/ist frustriert. Sie wollte nicht mehr mit Frau Blume reden, weil in den Stunden Amy wohl immer ganz nah an ihr ist und sie nicht von ihr abgelöst werden möchte. Wir möchten provokative Gespräche wirklich vermeiden und Amy kann scheinbar sehr provokativ und zickig sein. Ich selber höre/spüre Amy selten oder so gut wie gar nicht, mich hat Amy auch noch nie abgelöst. Aber bei Mia ist das wohl nicht so schwer. Im Endeffekt zog ich dann mal in Erwägung, dass ich einfach die Stunde betrete, aber ich fühlte mich einfach nicht wohl dabei. Ich habe noch nie Kontakt mit Frau Blume gehabt. Ich habe noch kein persönliches Gefühl zu ihr. Ich kenne Mias Erfahrungen und ihre Meinung und die von Amy, aber viel mehr ist da nicht. Das ist nicht meine Erfahrung und nicht meine Meinung mit/von ihr.

Es fällt mir sehr schwer, ohne Vorlauf mit jemandem in Kontakt zu gehen, auch wenn ich paradoxerweise eher zu den zugewandteren und freundlicheren von uns zähle und nicht unbedingt so wirke, als hätte ich Schwierigkeiten damit, aber der erste Schritt fällt mir immer sehr schwer. In der Regel war es ja so, dass die Jüngeren diesen Vorlauf boten. D.h. eben Lou, Max oder manchmal sogar Leonie (in Kontakt mit Gw zumindest damals). Sie sind einfach aufgeschlossener und haben eher die Fähigkeit Kontakte aufzubauen und die ersten Schritte zu machen. Ich weiß nicht woran das liegt, ob Kinder vielleicht weniger Ängste haben? Weniger Probleme damit, einfach sie selbst zu sein? Ich weiß es nicht, aber in jedem Fall war Lou immer die größte Hilfe. Nur umso älter wir nun körperlich werden, desto mehr wird das ja auch auffallen, dass Jüngere von uns außen sind. Und dann wären da ja noch die Erfahrungen, die nicht immer besonders gut waren. Und durch die Erzählungen und Frustration von Mia, die dann auch noch die Unsicherheit gegenüber Frau Blume beeinflusst…

Als wir endlich bei der Praxis angekommen sind, hatten wir immer noch keine Entscheidung getroffen, also war nach wie vor Max im Außen. Sie war so mutig und so sicher, sie würde das schon machen, sie war total selbstüberzeugt, aber wir innen waren sehr unruhig. Ich weiß nicht, woher Lou und Max diese Überzeugung haben. Ich weiß nicht, wieso scheinbar nur uns Ältere die Verallgemeinerung von jedem von uns so verunsichert. Bei Mia, Amy, Sophie und mir ist es ja so, dass wir in erster Linie und grundsätzlich „nur“ verunsichert sind. Jeder von uns reagiert anders darauf. Amy provokant und zickig, Mia frustriert und wütend, ich bin hauptsächlich verwirrt und ängstlich, aber das Grundgefühl, das diese ganzen anderen Emotionen und Verhalten auslöst, ist die Unsicherheit. „Wenn Frau Blume uns nur als jemanden wahrnimmt, wer bin ich dann wirklich? Bin ich nicht ich? Habe ich jetzt auch noch Identitäts-Wahrnehmungs-Störung? Aber ich weiß doch, dass ich ich bin“ und solche Fragen und Verwirrungen spielen sich dann bei uns ab. Die Kinder… die haben das überhaupt nicht. Die scheint das ganz und gar nicht in ihrer Identität zu stören. Wieso uns?

Die Stunde lief dann… wirklich ganz anders als geplant. Zum Einen war es für Max recht einfach über die Lippen gegangen, dass sie Max ist. Wir brauchen da ja schon ein bisschen mehr Mut, um offen damit umzugehen, wer gerade im Außen ist. Frau Blume fragte recht zu Beginn der Stunde, wie alt Max denn sei. Die Frage war wirklich „Und wie alt ist Max?“ Amy brachte das schon wieder total in Wallung und Mia schmetterte schon motzend ein „Siehst du!“ im Innen, aber Max meinte ganz gelassen: „Wie alt ICH bin?“ Frau Blume ging darauf ein. Nicht wie erwartet, dass sie einfach nur nickte, sondern sie ging darauf, nur ganz kurz stockend ein. Ja, weil in der letzten Stunde wäre ja Mia da gewesen – der Körper als Mia. Jetzt ist der Körper als Max da. Aber sie sähe ja immer nur einen Körper, den Körper als… Das sickerte mal einen Moment. Amy ist davon immer noch nicht begeistert, aber ich habe bemerkt, dass Mia das jetzt ein bisschen mehr in „den richtigen Hals“ bekommen hat. Klar, Außenmenschen können optisch nicht sehen, wer von uns im Außen ist. Nur den Körper. Immer denselben Körper. Der VON jemandem genutzt wird. Der Körper ist also ALS Max in der Stunde. Was nicht heißt, Max ist nicht Max, sondern nur, dass der Körper jeder sein kann. Der Körper ist nicht Max. Der Körper ist auch nicht Mia. Der Körper ist einfach nur ne Hülle, der von uns genutzt wird. Um in Kontakt zu gehen. Ich habe das verstanden. Ich weiß jetzt nicht, ob es bei den anderen auch so angekommen ist. Bei Mia meine ich, dass sie es ein wenig versteht, aber es noch nicht ganz ankommt. Bei Amy bin ich mir nicht sicher, ob sie es nicht verstehen will oder es wirklich nicht versteht. Emotional empfinde ich sie gerade wie jemanden, der mit verschränkten Armen und erhobenem Kinn einfach sagt „Nein, ist mir egal, diese Aussprache ist trotzdem behindert!“

Und … tja, gewundert hat es mich nicht. Der Kontakt zu Frau Blume heute war dann viel „wärmer“. Nicht wirklich so vertraut wie mit Frau Honig, aber irgendwie war da doch irgendwie etwas ganz anders in der Stunde. Ich weiß nicht, ob das an Max‘ Art lag und der Unbekümmertheit, wie Frau Blume uns manchmal anspricht oder ob es an Frau Blume selbst lag. Abgesehen davon hat sie Max sogar geduzt, was auch viel Anspannung innerlich rausgenommen hat. Max hat ihr viel über unseren Kontakt im System erzählt und ihr unsere Alter verraten. Es ist nicht so, dass wir das nicht auch wüssten, aber aus irgendeinem Grund fällt es uns (wenn ich uns sage, rede ich von uns Älteren), viel schwerer als den Kindern. Auch da weiß ich nicht, ob wir da einfach mehr mit Angst und Hintergedanken besetzt sind als Zehnjährige es vielleicht sind. Mit Sicherheit sagen kann ich es nicht, weil ich nicht weiß, wie Zehnjährige denken und fühlen, ich merke nur, dass unsere Zehnjährigen ziemlich unbekümmert sind und nicht ganz so viele Ängste haben wie wir jetzt. Im Prinzip hätte ich gedacht, dass Kinder die noch viel jünger sind unbekümmerter durchs Leben und in Kontakt gehen. Aber Leonie und Marie zum Beispiel sind ja unglaublich ruhige und ängstliche, bzw. schüchterne Persönlichkeiten… und sie sind ca. fünf Jahre jünger als Lou und Max.

Nebenbei habe ich selber etwas Neues erfahren, während Max etwas erklärte. Sie sprach von einem Anteil in unserem System, der mir zwar bekannt ist und ich auch gewisse Trigger erkannt habe, aber nicht wirklich Puzzleteile zusammenfügen oder es hätte beschreiben können. Max erklärte Frau Blume, dass sie ins Außen kommt, sobald in unserer Gegenwart über Themen geredet wird, die wir (vermutlich) emotional kein bisschen ertragen würden und nicht hören wollen/sollen. Sie erklärte das ungefähr so: „Wenn ich jetzt richtig im Außen bin, kann ich ja alles sehen. Also wenn ich bei Ihnen sitze und mit Ihnen rede und sie anschaue, kann ich ja das Zimmer sehen und trotzdem auch noch den Schreibtisch und die kleine Uhr und das Fenster usw. Aber wenn sie im Außen ist, dann sehe ich nur noch eine einzige Sache. Entweder sehe ich dann nur noch unsere Hand die wir bemalen oder den Rand von der Kapuze die über unserem Kopf ist… und ich höre nichts. Keiner von uns kann was hören wenn sie im Außen ist, sie hört aber auch nichts.“ Frau Blume fragte, ob diejenige dann taub sei und Max meinte nein, sie höre nur dann nichts, wenn es Themen sind die ganz furchtbar sind und erwähnte die Situation, als wir mit Frau Honig mal in der Geschlossenen waren und sie dem Arzt anfing etwas über Satanismus zu erklären oder eben Sektenzeug. In dem Moment war wie auf ein Fingerschnippen diese Jene von uns im Außen und es wurde die Hand bemalt/bestempelt – ein Bild, das jeder von uns kennt. Sogar ich sehe diese Momentaufnahme, wie unsere Hand mit der anderen Hand mit einem kleinen roten Stempel voll und voll und voller gestempelt wird, bis sie ganz rot ist. Und auch den Kapuzenrand sehe ich. Allerdings sehe ich auch einen Arzt, der vor uns steht. Zumindest die Momentaufnahme von seinem weißen Kittel und dem Gesicht, das zu uns herabsieht. Aber ich kann den Raum in meinen Erinnerungen nicht erfassen. Obwohl die Hand auf unserem Knie lag, kann ich auch den Boden und die Beine und die Füße nicht sehen. Auch nicht unsere Jacke oder den Schal, der optisch in unserem Blickfeld hätte liegen müssen. Diese kleinen Details, die Max erwähnt hat, wie sie sich oder ihre Wahrnehmung erlebt, wenn jene im Außen ist, habe ich auch erst dann realisiert, als ich sie im Innen hab reden hören. Ich weiß noch nicht, ob diese Information wichtig ist oder irgendeine Bedeutung hat, aber es ist angenehm, wenn immer mehr Details und Zusammenhänge klar werden.

Irgendwann passierte etwas, was ich nicht genau erklären kann. Mia schickte Max die Info mit dem Video zu, das wir auf unserem Handy haben. Von uns als Kleinkind. Da fing Max das stocken an. Es wäre wohl kein Problem über das Video zu reden, sagte Max zu Frau Blume, aber der Zusammenhang wäre wichtig. Da wurde Max allerdings immer sehr ruhig und wir merkten alle, dass gerade irgendwas nicht stimmt. Es ist so komisch. Ich weiß nicht, ob es so etwas wie eine „Massendissoziation“ gibt, wo dann alle Anteile aus einem System dissoziieren… ich weiß nur, dass ich auch leicht dissoziiert habe, obwohl ich nicht im Körper war, sondern nur von innen beobachtet und zugehört habe. Max weiß nicht, was Dissoziation ist, aber immer kurz nachdem sie es geschafft hat sich noch „rauszureißen“, fragte Max, ob Frau Blume joggen ginge und ob sie das kenne, wenn ihr Herz dann irgendwann sehr schnell schlägt und sie anfangen müsste schneller zu atmen. Frau Blume nickte, klar, weil der Körper dann eine… (den Satz kann ich nicht mehr hören und allgemein dieser ganze Teil der Stunde ist für mich nicht mehr komplett abrufbar)… aber der Körper bringe ja eine Leistung oder so… nun, jedenfalls meinte Max, ob sie das auch kenne, wenn sie einfach nur auf einem Stuhl säße… Sie sagte noch, ihr Herz würde so „wummern“… an mehr erinnere ich mich nicht wirklich.

Dann saß ich auf einmal auf dem Stuhl. Also im Körper. Ich habe noch mitbekommen, wie ich geredet habe, ich weiß auch noch, dass es um… Senta ging. Um Ausstieg… ach, um das Video, das uns eine Woche vor der geplanten Initiation die am 21. März dieses Jahr hätte stattfinden sollen, geschickt wurde… Ich weiß auch noch, dass „ich“ ihr erzählt habe, wie Senta uns letztes Jahr im Sommer eine Nachricht geschrieben hatte, die uns sehr verwirrte… dass sie unseren Ausstieg versteht und sie wünschte, sie hätte es damals getan, als sie noch die Gelegenheit dazu gehabt hätte… und dass sie uns das wünscht, aber wir wissen müssen, dass wir dann keinen Kontakt mehr haben können… Irgendwie so – es ist wie Flüsterpost, es könnte auch ganz anders gewesen sein, weil ich die Nachricht nicht selber – nicht „als ich“… 🙂 gelesen habe… sondern kenne sie nur als Info.

Das ist alles, was ich weiß, bevor ich „ganz“ da und im Körper war. Allerdings war ich scheinbar den Rest der Stunde immer noch sehr dissoziiert oder unsortiert, denn ich kann mich gar nicht mehr wirklich erinnern, worüber wir dann noch geredet haben. Ja, sie fragte, wer denn da wäre. Ich weiß nicht, ob sie erraten hat, dass ich Kara bin oder ob ich es gesagt habe, denn ich kann mich nicht erinnern, meinen Namen ausgesprochen zu haben… Sie duzte mich auch. Alles was ich noch weiß ist… sie fragte, ob Weihnachten irgendwelche Termine anstehen, ob es sichere Tage wären… ich weiß nicht mehr, wie ich reagiert habe. Ich glaube, ich habe genickt, es wären sichere Tage. Ich bin mir nicht sicher. Sie bat noch darum, dass wir einen Termin nächste Woche ausmachen vor Weihnachten, weil sie dann erst einmal nicht da ist. Ich meinte, das ginge okay.

Ich kann mich nicht erinnern, worüber wir noch genau geredet haben. Ich glaube ich sagte ihr noch, dass aus unserem System nicht viele Senta kennen. Nicht persönlich. Ich weiß nur, dass Lou einige Male bei ihnen im Außen war, sie kennt sie zumindest persönlich. Ich nicht. Für mich ist sie nur ein… Wie Menschen, die man nur aus dem Fernseher kennt. Von den „Filmen“ her vertraut, aber nicht persönlich. Habe ihr eben noch gesagt, wer aus unserem System mit Senta Kontakt hatte und wer aus den anderen Systemen eher der Bezug zu dieser Familie war, die es seit letztem Jahr nicht mehr in unserem Leben gibt (und zu großen Teilen immer noch schmerzlich vermisst wird)… ich höre zumindest Lou oft sagen „Wenn Senta wüsste, dass wir Pommes von McDonalds essen, würde sie ausrasten. Sie hasst ungesundes Essen, sie hat immer Süßkartoffeln im Backofen als Pommes gemacht. Eeeeeeekelhaft“ und lacht dabei immer ein wenig, als würde sie Senta damit gerne triezen wollen, dass sie endlich „richtige Pommes“ essen kann… aber mir entgeht nicht der leise emotionale Stich im Innern und natürlich entgehen mir auch nicht die folgenden paar Erinnerungsbilder, denen Lou dann noch schweigsam nachhängt, die sehr geborgen und fröhlich wirken. Ich denke, insgeheim vermisst Lou sogar die „ekligen, gesunden Süßkartoffelpommes“. Sie würde es aber nie zugeben (erstaunlich still gerade in ihrer Richtung :D) …

-Kara