Äh ja, oder äh nein, oder äh, fragt doch meinen Schwanz ihr Lutscher!

loooool okay mal abgesehen von der Tatsache dass ich mir hier gerade einen brülle vor lachen, ist das alles gar nicht so komisch. standen wir am sonntag vor onkel H (der ja eiigentlich eigentlich kein onkel ist), aber who cares, ich vergöttere diese arschbacke, weil er einfach witzig ist af. also steh ich so vor ihm und ich so : „was zum Teufel hast du da?“ und er so : „was zum deifi geht’s di an?“ (ich lass mal das bayrisch, das kann ich nich so übersetzen) jaaa whatever und er so: „willste mal anschauen?“ und ich reiß es ihm so aus der Hand und zieh ihn auf und halts an meine brüste über den pulli und ich so „hat sogar nen níppelloch“ und er so : „Standard“ und ich so „ja, du pussylecker“ und schmeiß ihm das ding zurück und streck ihm die Zunge raus und er so „bewegst dich selbst in der Nebenrolle lasziv“ (nur weil ich mich umgedreht hat), wurscht, zeig ihm den Stinkefinger und gehe in die Küche und geb meiner mutti nen kuss auf die Wange und klau mir ein paar Salamischeiben von ihrem Brot das sie gerade beelegt hat und sie seufzt so entnervt „ach mii wie alt bist du? 12?“ ich so : „nicht ganz“ und sie so : „14“ und ich so: „exakt“ und onkel h der es irgendwie schafft sich immer von a zu b zu beamen ohne dass man ihn mitkriegt meint so: „ach deshalb“ und ich „deshalb was“ und er so :“ vergiss es, jetzt versteh ichs“ und ich streck ihm wieder die Zunge raus und zeig ihm meinen vollen mund mit zerkauter Salami und er sagt „lolita“ und ich so „pedo“ und er grinst und ich zeig ihm den stinkefinger und er so :“nicht mehr“ und ich so : „wie du meinst“ und schaue auf mein Handy weil chleo schreivt dass sie wieder nach hause fahren. ich steck mein Handy weg und ich so „schade“ und meine mutti so „musst du schon gehen?“ (sie war übrigens mega überrascht wie alle dass ich plötzlich zur tür rein bin weil war ja nicht geplant). naja und ich hab onkel h noch diese unterwäsche mit nippel- und fickloch aus der Hand genommen und dann wie so ein Gummiband in seine Richtung geschnippt und gemeint „viel spaß“ (aus Witz, kp was er mit dem zeug will, er hat immer wechselne ischen wie Unterhosen) aber ist mir auch latte. auf jeden fall meine mutti so „fährst du nach hause?“ und ich so „jaja, chleo fährt mich in die wg zurück“ (lüge, und ich weiß auch nicht warum ich gelogen hab aber ein gefühl hat mir gesagt wäre besser wenn sie nihct weiß dass ich bei denen bin, sonst gibt’s nur Diskussionen wieso ich nicht bei IHNEN bleibe worauf ich kB habe weils bei den Eltern faultierlangweilig ist). whatever auf jeden fall meine mutti ist so eine Stalker tussi und ein kontroletti und behauptet si emuss eh noch müll runterbringen, ja ja so wie jedes mal wenn ich mich mit chleo verabrede und dann schreib ich chleo „fuck, mutti kommt mit runter „müllrunterbringen“ und chleo weiß bescheid dass meine Eltern nicht wissen sollen dass ich bei denen bin, hat sie ihrem freund und ihrem Neffen auch gesagt, die haben geil mitgespielt als meine mutti mir hinterhergedackelt kam und chleos freund so „nict dass wir erst im dunkeln ankommen“ und ich lach micr so ins Fäustchen und dreh mich zu mutti um und aber auf einmal tut sie mir leid und ich umarme sie und sage, dass ich sie lieb habe und sage „bis bald“ und dann setze ich mich ins Auto und fühle mich ein bisschen schlecht weil ich mutti anlüge unda lleine zurück lasse. naja was auch immer. onkell h ist so ne marke, ich feier ihn ziemlich, mit dem konnte ich schon immer geile späße mach

ah ja er fragte noch so „wer bist du jetzt“ und ich so „frag meinen finger“ und hab ihm den Mittelfinger gezeigt, eig müsste re dann eh wissen wer ich bin (ja er kennt einge von uns, aber ist furchtbar schlecht uns auseinander zu halten, kann sogar ari und l besser).

stein

Ich sollte etwas anderes berichten (K)

Ich sollte vielleicht sagen, dass wir standhaft genug sind, dass alles irgendwie irgendeinen Sinn ergibt und wir Zusammenhänge erkennen und total die Erleuchtung erleben. Total die „OMG-Effekte“, aber so ist es leider nicht.

Bin total durch den Wind seit diesen ganzen Vorfällen. Monatelang lief es scheinbar gut (oder ich gehe bloß davon aus, weil mir die Zeit fehlt?), aber zumindest ist mir der März noch bewusst, dass mit Arie, dem Direktor und L so vieles möglich war, um uns in Sicherheit zu bringen.

Als ich wieder da war, war ich zuerst nur überfordert mit der vielen fehlenden Zeit. Nur einen oder zwei Tage zuvor waren wir drei Wochen in Ungarn und keinen Tag davon kann ich mich erinnern, bin nur überrascht von dem Eintrag von „Shanaia“, die wohl auch eine Teilidentität ist. Ich bin mir nicht sicher ob sie letztes Jahr auch in Ungarn war, zumindest hat sie sich erst dieses Jahr mit ihrem Namen gezeigt. Ihre Schrift tauchte letztes Jahr im August schon in unserem Punktetagebuch auf, allerdings nur mit S unterschrieben. Zwischen den Sommern taucht diese Schrift nirgendwo auf.

Die anderen Einträge aus Ungarn müsste ich noch lesen, aber wenn ich ganz ehrlich bin komme ich nicht dazu. Es sind zuviele Einträge, ganz abgesehen von Ungarn auch.

Na, wie auch immer. Ich dachte meine größte Sorge wird wirklich sein, die Lücken mit Erinnerungen zu füllen (was ich nicht geschafft habe), aber das Drama ging scheinbar erst los, seit ich/wir wieder aktiv sind. Ich hab ja regelmäßig geschrieben, ich muss nicht alles neu berichten und ich habe irgendwie auch nicht die Ruhe dafür, um jetzt alles, was ich für mich schon reflektiert habe, noch einmal hier nieder zu schreiben.

Am meisten hat mich jetzt der Besuch beim Gynäkologen aus der Fassung gebracht. Ja und dann… das Gespräch mit Frau Schnee… (wie ist es möglich, dass ich höre wie wir über Täterwissen reden?) selbst wenn ich binnen einer Minute dann völlig ausgeschaltet war, hat mich das aus der Fassung gebracht und ich habe das Gefühl nicht damit leben zu können, was „ich“ gesagt habe. Es bezieht sich auf konditionierte Kinder…

Dann war davor ja schon so viel Chaos. Unsere schlechte innere Kommunikation, der gelbe Bus in unserer Einfahrt, die Enttäuschung durch Mona, unsere verletzten Kinder, die unkontrollierte „Switcherei“, die neue Therapeutin und der Verlust von Frau Honigs Beistand, dass wir nun ein Zuhause mit L. Finden wollen (und allgemein die überraschende Beziehung zu ihr – zumindest für uns aus dem Zweier) und dann diese plötzliche Arbeitslosigkeit und – hab ich noch irgendwas vergessen? Ach ja, die neuen Verletzungen, und das obwohl wir uns schon langsam daran gewöhnt hatten, dass die Haut mal unverletzt aussieht.

Ich bin erledigt, habe das Gefühl, dass so viel passiert und sich so viel aufeinander türmt, dass kein normaler Mensch dazwischen die Zeit fände, diese Sachen zu reflektieren oder sich mit ihnen auseinander zu setzen und deswegen verstreicht die Zeit und ich fühle mich gezwungen einfach weiter zu gehen, als stünde ich in einem engen Tunnel, in dem ich mich nicht mehr umdrehen kann, sonst… erwischen mich die Zombies und der einzige Weg ist die Flucht nach vorne.

Irgendwie haben wir uns ja über die Entscheidung des Direktors hinweggesetzt und sind doch wieder weg von der WG. Nicht hauptsächlich für unseren Schutz (und ich weiß, das sollte anders sein), sondern für Jimmy. Nachdem er … im Februar? Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke das war irgendwo in dem Zeitraum, wo Hanna & Co im Außen waren, von einem uns fremden Mann vergiftet wurde. Man kann es als Zufall abtun… aber bei Jimmy verstehen wir keinen Spaß. Da riskieren wir nichts, gar nichts.

Also ist er gerade auch sicherer, wenn er nicht bei uns ist und wir weg von dort, wo wir eindeutig zu leicht abgreifbar sind.

Dort wo wir sind, geht es uns gut. Diese Freundin, die Familie, deren Freunde sind ein bisschen wie Balsam für die Seele, weil alles so normal ist. Das, wonach ich mich an meisten sehne. Dieser normale Alltag in einem Zuhause mit Menschen die einem vertraut sind.

Der 16-Jährige, sein Papa und meine Freundin werden mir auch langsam vertraut, obwohl ich nie die Person war, die mit ihnen viel in Kontakt war. Und ich merke, dass ich auf nichts von unserem letzten Besuch bei ihnen zurückgreifen kann, keine Erinnerungen, bis auf dass Paula und Lou und Lotti mal in einem Großen Kaufhaus zusammen aktiv waren, drei Personen aus drei verschiedenen Systemen und das sehr ungewöhnlich war. Mehr weiß ich aus dem Zeitraum, bei dem wir bei Chloe waren nichts.

Und das fällt auf, wenn sie sich auf Insider unseres letzten Besuches bei ihnen beziehen.

Und wir wissen, dass wir bei ihnen sicher sind. Das wissen wir.. aber… es ändert nichts daran, dass wir Chloe aus dem Sandkasten kennen und ihre Mam immer noch da wohnt. Selbstverständlich besuchen wir dann unsere Eltern, wenn sie ihre Mutter besucht, wenn sie nur ein Haus entfernt sind…

Aber der Besuch heute war so … seltsam. So unvergleichlich seltsam. Und er hat mich aufgewühlt… und eigentlich wollte ich darüber schreiben, aber ich merke, dass ich jetzt schon von den geschriebenen Absätzen sehr erschöpft bin. Ich weiß ich hätte sie nicht besuchen sollen. Aber… mein Gott! Sie sind unsere Eltern! Und es ist schwer, nur aus Teilerinnerungen die keine Gewaltszene beinhalten zu behaupten, sie wären Teil eines perfiden Netzwerkes, wegen dem wir so sind wie wir sind. Das ist falsch. Es ist grundsätzlich falsch Dinge zu behaupten, für die es keine Beweise gibt. Nicht einmal Erinnerungen – selbst wenn der „Rahmen“ passt… wie bei einem Puzzle, wisst ihr? Selbst wenn der Rahmen gelegt ist und einige Puzzleteile schon auf ein Bild hindeuten, kann es am Ende noch etwas ganz anderes sein. Es sind Indizien und Hinweise, aber keine Tatsachen. Es sind keine Tatsachen. Es wäre falsch, es wäre mehr als Falsch, wenn ich meine Eltern anhand von so wenig aussagekräftigen Sachen von mir zu stoßen. Natürlich besuche ich sie!

Tut mir leid, in mir dreht es sich gerade, als läge ich auf einem Kreisel. Bin mir gerade nicht einmal mehr sicher, ob ich frei schreibe oder am Wechseln bin/beeinflusst werde.

Und auf einmal spüre ich Gereiztheit und Wut.

Bye

Ups! (K)

Tja. Puh. Ich weiß jetzt nicht, wieso ich darüber lachen muss, denn witzig ist es eigentlich überhaupt nicht. Vielleicht amüsiert mich gerade eher im Schrecken die Tatsache, dass wir uns einbilden sehr funktional zu sein. Und dann passiert so etwas: Wir kriegen eine Lohnabrechnung, auf der wir erlesen, dass unser Arbeitsvertrag beendet ist. Weil er befristet war. Und wir es nicht mehr auf dem Schirm hatten. Und wir ihn nicht verlängert haben.

Meine erste innere Reaktion war: „Was?“ Und ein langer Moment der Verwirrung. In meinem Kopf bin ich verzweifelt die letzten Gespräche und Zukunftsplanungen durchgegangen, auch was die Arbeit betrifft. Denkt ihr, ich hatte noch auf den Schirm, dass wir wegen der 15 Stunden nun über die Tochterfirma angestellt waren, weil unser UN 15 Std. nicht anstellt? Hat man mir zumindest so gesagt. Vor über einem Jahr. Und ich hatte das nicht mehr auf dem Schirm.

Tjaaa. Ich würde mal sagen „Selber schuld“ und ein „gesunder“ Mensch der alles im Überblick hat, hätte das sicher nicht übersehen. Da ich von arbeitsrechtlichen Sachen nicht den Dunst einer Ahnung habe, werde ich mich jetzt erst einmal informieren müssen, ob ich überhaupt noch die Möglichkeit habe den AV zu verlängern.

Aber ich befürchte, dass ich jetzt plötzlich arbeitslos bin. Und ich kriege nicht einmal Arbeitslosengeld, da keiner von uns sich beim Arbeitsamt gemeldet hat – nachdem wir ja scheinbar doch nicht funktionell genug sind, um so etwas auf dem Schirm zu haben.

Mein erster rasende Gedanke war nur: „Scheiße, die laufenden Rechnungen!“ Und die werden Anfang des Monats abgebucht. Ich werde kein Geld auf dem Konto haben und in meinem Kopf arbeitet es gerade auf Hochtouren, wo ich wenigstens das Geld für Jimmy aufbringen soll. Überraschenderweise weiß ich, dass ich mich sofort bei meinen Eltern melden könnte, und eine Grundüberzeugung weiß, dass sie mir dieses Geld geben könnten. Was mich verwirrt, weil ich ja eigentlich weiß, dass meine Eltern kaum Geld verdienen und es sogar schon einmal vorkam, dass sie von mir finanziell eine kleine Unterstützung brauchten.

Was mich noch viel mehr irritiert als die Tatsache, dass wir von heute auf morgen arbeitslos sind, ist die, dass ich glaube, dass jeder normale Mensch viel verzweifelter und geschockter darauf reagieren würde, während bei mir nur ein „Huch“, aufkommt und ein „Was solls, irgendwann musste das ja passieren“ und jetzt in den kleinsten Nischen nach Lösungen gesucht wird, um jetzt nicht in Schulden zu geraten (die laufenden Rechnungen sind das einzige was mir Bauchschmerzen bereitet). Aber… dann ist da so eine Ur-Ruhe, die mir felsenfest sagt: „Wir kriegen schon irgendwie Geld her“.

Obwohl ich nicht eine einzige Ahnung habe wo es herkommen soll, ist da so ein Vertrauen in dieser Aussage. Als wäre das ein Gesetz. Das wiederum finde ich dann unheimlich. Klar, illegal kann man überall Geld herbekommen. Aber wir haben nicht unbedingt Lust uns weiter mit unseren „Freunden“ (Polizei) zu beschäftigen. Es gibt eines, das auf uns zutrifft: Wir sind in den meisten Fällen die 2 % von den 100 %. Das heißt, sollten wir überlegen durch Auftragszeichnungen Geld zu machen, ohne das bei so einem geringen Wert versteuern zu müssen, wären wir die Ersten die dabei auffliegen würden, während das eigentlich Millionen Menschen machen. Das ist auch eine Art Gesetz. Erfahrungswerte. Weshalb wir uns, was Straftaten angehen, selbst wenn es nur Bagatelldelikte sind, nie etwas riskieren. Für nichts. Wir haben, außer unserer Sandkastenfreundin eine Jungs-Barbie, auch noch nie etwas geklaut. Dann werden wir bestimmt nicht mit illegalem Geld verdienen anfangen.

Deshalb wundert es mich, wer von uns mir mit so einer Grundüberzeugung sagt, wir würden schon keine Not leiden und irgendwie die Zeit überbrücken, in der wir kein Geld haben.

Oh man. Von wegen „hochfunktional“. Welchem gesunden Menschen passiert so etwas? Und wieso ist es uns diesmal passiert? Klar, eine Erklärung wäre, dass ein Arbeitsvertrag nichts ist, was wir in unserem alltäglichen Bewusstsein haben und wir auch nicht routiniert auf die Verträge schauen. Eine andere Erklärung wäre vielleicht, dass wir unterbewusst wohl doch viel, viel, viel, viel mehr gestresst sind, als es je bei mir ankommt.

Tja. Ich werde jetzt erst einmal Frühstücken, Tee trinken, und dann in die Arbeit fahren. Und vielleicht recherchieren, was das nun für uns bedeutet. Wobei ich das ja während der Arbeitszeit nicht dürfte. Wüsste allerdings nicht, wie ich mich jetzt auf irgendwas anderes konzentrieren sollte. Also erst Pressespiegel erledigen und alles, was erledigt werden muss, und dann um die Zukunft kümmern.

Ach… oh Gott. Was noch viel schlimmer ist, als dass wir kein Geld haben (damit können wir irgendwie leben), ist eher die Tatsache, dass wenn man sich nicht arbeitslos meldet, drei Monate zuvor, man eine Sperre kriegt. Das heißt, wir werden vermutlich nicht einmal ne Krankenversicherung haben. Was heißt das in Bezug auf Frau Blume? Arztbesuche usw. finde ich weniger schlimm. Wir gehen so selten zum Arzt. Aber das heißt doch automatisch auch, dass wir eigentlich gar nicht zu Frau Blume gehen dürfen. Am Ende stellt sie uns das noch privat in Rechnung, weil sie merkt, dass die KK nicht mehr für uns zahlt. Oder ist das jetzt eine überzogene Vorstellung? Ich denke nicht. Wenn ich mich aus der Schule richtig erinnere, haben wir keine Krankenversicherung mehr, sobald man kein Einkommen mehr bezieht. Was ja bei uns nun der Fall wäre, da wir, da keiner von uns geahnt hätte, dass unser Arbeitsverhältnis nicht verlängert wird, uns ja nicht arbeitslos gemeldet haben. Gott. Was für ein Stress. Als hätten wir gerade nicht genug andere Sorgen.

-Kara

Zu viele Gespräche (K)

Gestern war ich unendlich erschöpft. Nach Mias Stunde bei Winny hat Frau Schnee mich gefragt, ob ich mit ihnen noch die Pause ein wenig in der Sonne verbringen wollte. Also habe ich mich nach der Reitstunde um 14 neben Frau Schnee auf die Bank gesetzt und wir haben angefangen zu reden. Sie fragte nach meinen Träumen, ob sie immer noch sehr aufwühlend wären. Ich habe mit Frau Schnee noch nie über meine Träume geredet, aber vermutlich ja doch irgendwann. Dann fingen wir an darüber zu reden. Sie erzählte mir auch von ihren Träumen und dass sie früher geträumt hat, sie könnte fliegen. Ich träume davon ja immer noch manchmal und die Art wie Frau Schnee und ich träumen scheint sehr ähnlich. Sie sagte, es ist so real, es ist so eine Grundüberzeugung da, dass man ganz genau wüsste wie man fliegen muss. Ich habe ihr dann von meinen Eltern erzählt, wie meine Mutter damals ein Katzengitter an den Balkon befestigt hat weil ich als kleines Kind manchmal kurz davor war vom Balkon zu springen, aus Überzeugung heraus, dass ich weiß, wie man fliegt. Ich sagte, es sei selbst heute noch manchmal so, dass wenn ich auf irgendeiner Erhöhung stehe fest davon überzeugt bin, dass ich nicht auf dem Boden aufkäme, weil ich in meinen Träumen einen Sturz immer abfangen und fliegen konnte und ich dafür irrationalerweise auch ein überzeugtes Körpergefühl habe.

Wir sprachen über Gott und die Welt. Über „positive Trigger“, (ganz unabhängig von Trauma oder sonstwas), über Corona, die Spaltung der Menschen, über Politik, über unterbewusste Beeinflussung und dann war sie überrascht woher wie so etwas wissen, dass durch bestimmte Ton-Frequenzen die Delta-Wellen im Gehirn aktiviert werden (und ich wusste selber nicht woher ich das in der Sekunde wusste) und ich haute ein Gehirn-Fakt nach der anderen raus, als wäre ich ein Neurologe, dabei weiß ich höchstens wo die Amygdala sitzt (und das auch nur durch Walter Moers „Insomnia“ 😀 ) Ich bin mir fast sicher, dass ich bei dem Thema eher im Co-Bewusstsein war, weil das Themengebiete waren, die ich überhaupt nicht verstand, aber mein Körper darüber sprach wie ein Studierter… (seltsam). Dann ging es plötzlich um Kinderprostitution… und Pronographie. Und … irgendwas muss das in mir getriggert haben… Ich kann mich ab da nur noch sehr schwach erinnern. Kann mich noch weit entfernt sagen hören, dass ich es unmöglich finde wie eingeschränkt die Menschen über dieses Thema denken, dass der Markt des Menschen/Kinderhandels der größte dieser Welt ist (denn Menschen kann man wiederverwerten, Drogen z.B. nicht), und dass ein Normalverdiener sich Kinderpornos oder Kindersex überhaupt nicht leisten können aber die ganze Weltbevölkerung nicht daran glaubt, dass da reiche und mächtige Menschen dahinterstecken. Höre mich noch über diese „Dummheit“ aufregen und dann höre ich mich noch etwas sagen, was man im DIS Fachjargon vielleicht „Täterwissen“ nennen würde… (und ich weiß gar nicht, ob ich das öffentlich schreiben soll… aber warum nicht?…) nämlich… Dinge wie… länderübergreifende Konditionierung… und dass sogar wir (angeblich) wüssten, welche Trigger man bei konditionierten Kindern setzt, um ein gewünschtes Verhalten zu erlangen. Das hat mich SO erschrocken, mich das sagen zu hören, (dabei war ich da sowieso schon in einer Art „Trance“, also extrem weit entfernt von meinem Körper), dass es mich in der Sekunde weggeschnippt hat.

Im nächsten Moment hörte ich sie sagen, für wie emotional reflektiert sie mich hält (ich fragte mich, wie sie darauf kommt und anhand von was sie das beurteilen mochte) und dass man mit „Selbstbezogenheit“ (scheinbar war das vorher Thema, während ich „weg“ war), doch gleichzeitig auch für andere Menschen Felder öffnet, weil man ja nur dann etwas bei anderen oder in der Welt bewirken kann, wenn man an sich selbst etwas verändert und an sich selbst arbeitet. Ich vermute, dass jemand sich darüber geäußert hat, wie Mona uns „selbstbezogen“ nannte, wozu ich ja auch schon einen Beitrag schrieb, als es besonders unseren Innenkindern so schlecht ging. An jenem Wochenende wo der „vergessene“ Feiertag war. Ist aber nur eine Vermutung, denn wie gesagt, mir fehlt Zeit. Als ich auf das Fahrrad stieg um wieder nach unten zu fahren, war es 16 Uhr. Rein rechnerisch muss ich also zwei Stunden mit ihr auf der Bank gesessen und geredet haben, doch die kann ich mir nicht anders erklären als dass ich gewechselt bin ab dem Moment, wo es um… ja, besagte Themen ging. Und selbst jetzt beim Schreiben war mein Körper so angespannt dabei, dass ich jetzt im Nachhinein die Rückenschmerzen spüre, die ich vor fünf Minuten noch nicht hatte. Verrückt.

Ich war außerdem ungewöhnlich erschöpft. Die bekannte Erschöpfung die ich von früheren Therapiesitzungen kenne, als wir dabei waren uns kennenzulernen und ein Bewusstsein füreinander zu entwickeln. Damals hat Jola einen Eintrag darüber geschrieben, den sie „Drehtürenswitches“ nannte. Ich weiß nicht, ob der noch online ist. Irgendjemand von uns löscht hier regelmäßig Einträge.

Auf jeden Fall fühlte ich mich genauso gerädert und körperlich als auch geistig völlig ausgelaugt, wie bei „Drehtürenswitch-Sitzungen“.

Doch als ich in der WG ankam und eigentlich froh war, dass Mona nicht da ist (auch wenn ich sie mag), weil ich mich nicht mit ihr hätte Unterhalten oder Interagieren können/wollen, kam Elly nach unten zum Rauchen. Sie war sehr erschöpft und … wie ich nun einmal bin… habe ich sie gefragt ob alles okay ist. Tja. Und da kam das nächste tiefgründigere Gespräch, dabei war ich von dem vor zehn Minuten noch nicht einmal erholt.

Elly hat ja in ihrem letzten Aufenthalt in der Traumaklinik im März erfahren, dass sie auch innere Anteile hat. Zwar nicht als eigenständige Personen wie bei uns, aber eben wie viele Unos ja auch.

Auf jeden Fall arbeitet Elly jetzt eben mit diesen Anteilen, in dem sie in der Therapie so Konferenzsitzungen machen und sie erzählte mir, dass sie einen Anteil kennengelernt hat vor einigen Wochen, von denen Frau G. (ihre Thera ist ja auch unsere ehem. Thera), und sie ausgegangen wären, ein traumatisierter Anteil zu sein. Sie erklärte mir die Eigenarten und das Verhalten und die Gefühle dieses Anteils und ich meinte, das hört sich für mich eher nach einem Beschützeranteil als nach einem Traumaanteil an und dass das häufig verwechselt wird. Und dann sagte sie, dass sie genau zu diesem Schluss gekommen waren, dass jener Anteil vermutlich eher der Beschützer ist und sie in den letzten Tagen versucht mit ihr einzeln Gespräch zu führen, wofür sie, wenn sie sich die Zeit nimmt, mit ihr alleine an einen ruhigen Ort geht, sie aber dann so gewaltige Emotionen abkriegt, dass sie in echt zu zittern anfängt.

Ich habe versucht ihr ein wenig Mut zu machen und ihr mein Mitgefühl und Verständnis zu übermitteln. Habe versucht ihr einige Dinge zu erklären, die ich weiß und die ihr vielleicht helfen könnten, wobei ich mir ein wenig blöd vorkam eine Fünfundzwanzig, bald Sechsundzwanzigjährige zu belehren. Aber scheinbar tat ihr das ganz gut. Dann tauschten wir uns noch ein wenig aus. Sie wollte wissen wie das bei mir ist, wenn ich „innere Konferenzen“ halte… und wir bemerkten klare Unterschiede.

Elly erklärte mir, dass sie zum Beispiel nur in Kontakt gehen kann, wenn sie die Ruhe dafür hat und wenn es ihr noch nicht „zu schlecht“ dafür geht, ansonsten ginge das nicht. Im Gegenteil ist das bei uns/mir ja eher so, dass ich ständig-ständig-ständig Anteile (aber eben Persönlichkeiten und nicht meine eigenen Richter, Beschützer, Inneres Kind) nebenbei Kommentieren höre, es aber im Gespräch mit anderen Menschen zu einem Hintergrundgeräusch ausblende, weil ich mich sonst nicht auf mein Gesprächspartner konzentrieren kann. Das funktioniert natürlich nicht immer. Hingegen klappt diese Innere Konferenz, die Elly schalten kann, bei uns nicht im Geringsten. Ich denke, dafür sind wir zu viele und ich erzählte ihr von unserem Kommunikationsheft.

Auf jeden Fall war das auch noch einmal ein sehr spannendes Gespräch. Und ich habe Lust auf eine Art „Projekt“ bekommen. Dass ich versuche mit MEINEN inneren Richtern, meinem inneren Kind, meinem Beschützer etc. zu arbeiten und auf sie zu hören. Aber ich frage mich gleichzeitig, ob die bei mir genauso ausgeprägt sind wie bei nicht gespaltenen Traumatisierten. Denn im Endeffekt kann ich mich an keine Situationen erinnern, in denen ich das Gefühl hatte angegriffen zu werden und dann in destruktiven Verhaltensmustern zu handeln. Das ist eben der Krux. Ich denke, Viele-Menschen switchen da eher. Deswegen bin ich mir gar nicht sicher, ob Viele-Viele auch diese „bekannten“ Anteile hat, die man sich in Imaginationsübungen eben ausarbeiten kann, um besser für sich zu sorgen.

Ach ja. Und da waren wir dann eben auch noch bei Therapiemethoden und dass wir es unverständlich finden, wie es Therapeuten gibt die stur ihr Ding durchziehen und es unabdingbar kacke finden, wenn der Patient aber für sich einsteht, was ihm besser täte. Was denn daran so schlimm wäre „einfach so“ zu arbeiten, wo der Patient dann eben seine Erfolge macht, auch wenn das dann nicht  irgendein therapeutisches Behandlungskonzept passt. Eingeschränktheit eben. Zum Leid der Klienten.

Puh, auf jeden Fall war ich dann um 18 Uhr so erledigt, dass ich gar nicht mehr zur Ruhe kam. Von 19 bis 20 Uhr schlief ich auf der Couch ein.

Edit: Oh, gerade habe ich Mias Eintrag noch gelesen. Ja, die Reittherapie Stunde… Himmel. Die Situation mit M, wo Mia die Zeit zwischen Box zu Box fehlt: Lou, die ja am meisten „systemübergreifend“ vernetzt ist, meint, dass die ehemalige Mitbewohnerin M., die eine DDNOS mit vielen Innenjungs hat, Adam, ein Innenkind aus unserem Dreier-System rausgetriggert hat, und wir dann mit M. mit dem Auto gespielt haben, das sie dabei hatte (das war das Ding, was sie uns in der Hand entgegengestreckt hat und was Mia schon gar nicht mehr gesehen hat – ein Spielzeugauto). Ich wusste gar nicht, dass wenn ein System, wie wir im Zweier eben, gerade aktiv ist, ein Anteil aus einem anderen Alltagssystem „so einfach“ raus getriggert werden kann. Vor allem nicht, wenn andere daneben sitzen (der Chef von der Reithalle, Frau Schnee, Ilona, die Praktikantin), denn in der Regel zeigen sich unsere Innenkinder nicht vor fremden Menschen, und schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Die einzige logische Erklärung die ich hätte ist, dass wir uns vielleicht dachten, wenn M. ihre Innenkinder ganz bewusst zum Spielen nach außen lassen kann, wir hier auch nicht in „Gefahr“ sind (nicht im Gewaltkontext. Für Innenkinder heißt Gefahr auch, missbilligend angestarrt, ausgelacht, anhand des Verhaltens beleidigt zu werden).

Winny aus der Box geholt hat dann Lotti, auch ein Anteil aus dem Dreiersystem, weil Adam sich nicht von jemandem aus einem anderen System ablösen lassen kann (das wusste ich bis gestern auch nicht). Und von Lotti konnte Mia wieder switchen. Das war irgendwie eine interessante  Feststellung.

Und als Lou Mia abgelöst hat, das hat Mia glaube ich ganz gut erkannt, ist Winny sehr nervös geworden. Lou war enorm unruhig, wollte wieder alles auf einmal machen. Sie wollte los galoppieren wie ein Pferd, wo ich sie stark bremsen musste, das nicht zu tun, weil weder Lou noch ich ein Händchen für Pferde haben und Mia nicht so gut mit Lou im Co-Bewusstsein sein kann, wie Lou und ich… wir hätten nicht gewusst wie Winny darauf reagiert und allem voran wäre das peinlich gewesen… vor den anderen Klienten und der Praktikantin in unserem Alter usw. Und weil ich Lou da so eingebremst habe, wurde sie noch unkonzentrierter und hatte ihren Fokus überall, nur nicht mehr bei Winny. Deshalb, und ich finde, das war eine ausgesprochen reife Lösung für Lou, ist sie dann zu Frau Schnee und hat ihr mitgeteilt, dass sie sich nicht mehr (auf Winny) konzentrieren kann. Dann schlug die Praktikantin vor, dass wir uns den Rest der Stunde auf die Bank raus setzen und das Pferd grasen lassen können. Auf der Bank war ich dann wieder im Außen. Und dann folgte ja das zwei Stunden Gespräch mit Frau Schnee.

– Kara

Winny (M)

Hmmmm….. gestern war ich bei Winny oben. Der Chef im Reitstall war verwirrt dass ich gekommen bin er meinte wir hätten eine E-Mail geschrieben in der wir ganz genau Daten durchgegeben haben wo wir nicht da sind und wir erst am 9. wieder kommen. Ich war extreeeeeeeeeem verwirrt. In den letzten vier Wochen wo wir da waren haben wir hundert pro keine E-Mail geschrieben, ich hab auch Kara innen gefragt weil sie ja eigentlich gerade fast nur in die Arbeit geht und wenn wir der Reithalle schreiben wir das bis jetzt seit Jahren IMMER nur über die Mailadresse machen die wir seit unserer Ausbildung haben.

Frau Schnee war aber da und M. auch das war aaaah. M ist die mit der wir vorher zusammen betreut gewohnt haben und die ja ne DDNOS hat und viele Jungs so im Alter von Leonie bei uns im System. M. saß auf der Wiese. Frau Schnee, der Chef, Ilona (also die Ex Freundin von Fynn, unseren Ex-Mitbewohner) und P. (eine Frau die vor unserer Zeit in dem Haus gewohnt hat wo wir jetzt wohnen). Und eigentlich waren wir gerade mit dem Chef dort so am Reden und nein, wir können uns an so eine Mail nicht erinnern und sind ja jetz tda und waren doch letzte Woche (???) auch bei Winny. Und dann erinnerte ich mich, ah nein, die waren ja zwei Wochen imUrlaub aber davor war ich hundert Pro bei der Stunde!!! Auf jeden Fall hat M. uns gesehen und uns voll begeistert zu gewunken und ich hab mich auch gefreut und dann hielt sie etwas in der Hand uns entgegen gestreckt und dann war ich ratz fatz ZACK weg, abgelöst. Aber von niemandem aus unserem System, hab einen kompletten Filmriss. Stehe im nächsten Moment bei Winny im Stall, aber schon unten. Also ich muss in der Zeit Winny schon aus der Box oben geholt und in die Putz-Boxen unten neben der Reithalle gebracht haben – erinnere mich nicht. Und auch sonst niemand von uns war da draußen. Und ich stand da eben halt plötzlich so mit der Kardätsche in der Hand und putze und kurz „woah, Verwirrung“ und Lage abgecheckt und naja, einfach weiter geputzt.

Die Stunde mit Winny war meeega toll. Frau Schnee konnte mich heute nicht betreuen, weil die ja ausgegangen waren davon dass wir nicht kommen, deswegen war da eine Praktikantin unserem Alter die war eigentlich mega lieb, sind mit der voll gut ausgekommen, dabei kommen wir sonst mit so Leuten in unserem Alter noch nicht gaaaanz so gut aus weil viele mich noch so vom Verhalten an die Leute aus unserer Schule mit 16 oder 17 erinnern und da wir ja da keine guten Erfahrungen haben meiden wir Leute zwischen 13 und ca. 27 Jahren noch, also selbst biologisch etwas Ältere, weil da einige trotzdem noch so reden und sich verhalten wie welche aus unserer Klasse damals… Sowas jagt uns Angst ein. Also mir zumindest. Aber die war super lieb und ich fand es echt irgendwie cool mit ihr die Stunde.

Die hat Winny einen Kappzaum gegeben, normal führe ich ihn ja nur mit Halfter, aber ich habe einfach sie machen lassen. Sie wollte mich auch reiten lassen, dabei bin ich auf Winny ja noch nie geritten weil er ja ein mega schreckhaftes Pferd ist und der schon viele Reiter abgeworfen hat und Frau Schnee meinte, wir machen das erst wenn ich mich bereit fühle und sicher mit ihm bin in der Beziehung. Dann erklärte Frau Schnee noch, weil sie war ja dabei und hat zwei andere Mädchen therapiert in der selben Halle (also eigentlich hat sie mich auch mittherapiert aber offiziell eher die anderen beiden), dass Winny heute schon gearbeitet hat und ich vorsichtig sein soll, weil er heute extreeeem unruhig und nervös ist und er in der Halle mehrmals Angst bekommen hat und fast durchgegangen wäre usw. Tollll. Dann war ich natürlich gleich ein bisschen nervös.

Dann sind wir in die Halle und Winny hat erst mega laut gewiehert (aber mag es auch nicht alleine zu sein und die Mädchen mit ihren Thera Pferden sind erst bisschen später gekommen). Er hat seinen Hals gaaaanz lang gemacht, die Augen weit aufgerissen, die Ohren steif und gerade und ich war auch bisschen angespannt dabei weiß ich dass wenn ein Pferd angst hat man selber auf keinen Fall auch Angst haben soll und ich dachte mir: „Toll wie soll ich das machen wenn ich angst habe er rennt mich vor Schreck gleich über den Haufen?“ und dann meinte Kara ich soll mir einreden und vorstellen, Winny ist ein ganz ruhiges und gelassenes Pferd neben dem sogar eine Motorsäge angehen und ein Traktor vorbeifahren kann ohne dass er reagiert. Also schön dann habe ich mich angestrengt darauf konzentriert und versucht das so vorzustellen und es hat ECHT geklappt! Winny war die ganze stunde voll bei mir. Der hat sogar nach paar Schritten schon abgekaut und die in meinem Alter die gab mir so aufgaben, dass ich z.b. über so eine Brücke laufen soll mit ihm. Das hat geklappt und erst danach meinte sie, das hätte gut funktioniert weil er heute früh vor dem Ding immer gescheut hat und es länger gedauert hat bis man ihn da rüber bekommen hat. und ich dachte mir: „Krass, Karas Tipps helfen wirklich“. Dabei hat Kara eigentlich keine Ahnung von Pferden. Glaube ich.

Irgendwann, ich glaube so 20 Minuten vor 2 habe ich nochmal auf die Uhr geschaut und plötzlich wieder zack weg, hat mich diesmal Lou abgelöst. Da hat es mit Winny auf einmal nicht mehr geklappt und ich habe versucht wieder in den Körper zu kommen, aber ich bin immer weiter entfernt gewesen so dass ich Lou irgendwann nur noch schwach beobachten konnte (ich kann das nicht so gut wie Kara). Ich hab eigentlich ab da nur noch so kleine Bilder im Kopf. Ich weiß noch wie Lou irgendwie… so ziellos durch die Halle und dann zu Frau Schnee und gesagt hat, sie kann sich nicht konzentrieren. Und dann wie wir draußen auf der Bank sitzen und Winny grasen lassen.

hmm…an mehr kann ich mich nicht erinnern, aber Lou  hat ein Foto von Winny gemacht, das hat mich gefreut weil ich das auch getan hätte, wenn ich mit ihm hätte draußen sein und ihn grasen lassen können.



-Mia

Angst vor „zu viel“ (K)

Die letzten Tagen werden immer schwerer. Vermehrt fehlt mir Zeit, ich fühle mich durcheinander und als ob „etwas nicht stimmt“. Ich tue und fühle und erfahre Dinge, die ich sonst nie … fühle und tue und erfahre. Im Grunde weiß ich eigentlich gar nicht, wo mir der Kopf steht. Diese Woche lässt auch die Konzentration in der Arbeit stark nach. Vergesse Kleinigkeiten im Pressespiegel, übersehe Artikel o.ä. Dinge, die mir sonst eigentlich nicht passieren. Ich vergesse Rechnungen abzuheften, die ich in den Wiedervorlageordner lege, weil ich den Wiedervorlageordner vergesse – obwohl ich den sonst jeden Tag öffne. Dafür gibt es den ja. Aber scheinbar eben doch nicht.

Wenn ich Zeit mitbekomme, dann ist es zurzeit meistens eher der Nachmittag oder Abend, den Lou und neuerdings gerade auch Leonie für sich beanspruchen. Erst habe ich gar nicht bemerkt, dass Leo statt Lou im Außen war. Ich dachte mir nur „hm, okay, wieso verhält sich Lou plötzlich so anders?“. Wir wechselten irgendwann am Abend, wo Mona, L. und ich eigentlich zum Babylon-Berlin schauen verabredet waren. Lou hatte mich relativ bald abgelöst und weil L. in der Nähe war und ich wusste, dass wir bei ihr immer sehr ruhig und entspannt sind, habe ich mich nicht mehr so darauf konzentriert, was im Außen passiert. Irgendwann merkte ich aber, dass Lou sich auf einmal anders verhält. Stellte Fragen, wurde ruhiger, fast schüchtern. Erst als eine Szene kam, in der eine taubstumme Familie sich auf Gebärdensprache unterhielt und wir kicherten, während Mona und L. nicht reagierten, und wir uns wunderten, wieso sie das nicht witzig fanden, merkte ich, dass irgendetwas nicht stimmt.

Ich hätte auch nicht gewusst, was wir witzig finden sollten, schließlich war da gerade eine taubstumme Szene zu sehen, in der sich am Tisch lediglich Vater und Sohn auf einer Sprache unterhielten, die wir nicht können. Doch dann fragte „Lou“ (von der ich ja noch ausging, es wäre sie): „Habt ihr das nicht verstanden?“ Und mir wurde klar, dass es nicht Lou war, die sich so „anders“ verhielt, sondern wir gewechselt waren. Und da Leonie die Einzige in unserem System ist, die Gebärdensprache lesen kann, konnte nur sie im Außen sein. L. und Mona schüttelten den Kopf, Mona meinte, sie könnte nur zwei Wörter auf Gebärdensprache und gerade als Leonie sagen wollte, dass der Vater den Sohn gefragt hatte, ob seine Freundin bei ihnen schlafen möchte, fragte sie gleichzeitig im Innen: „Warum schauen wir nicht die Mädchen-WG?“.

Das war eigentlich der ausschlaggebende Moment in dem mir klar wurde, dass es Leo ist, weil sie die Mädchen WG auf KiKa sehr gerne schaut. Das letzte Mal war Leo allerdings 2018 im Außen. Einmal, als wir Ari im Büro besuchen waren und einige Zeit lang in der WG die noch betreut war, abends, um auf KiKa die Mädchen-WG anzuschauen.

Mich überrascht es sehr, dass Leo im Außen war. Nach so langer Zeit und sie merkte nicht einmal, dass so viel Zeit vergangen war. Schätze ich. Ich bin auch ein wenig verwirrt, weil sie machte nicht den Eindruck, als wüsste sie wo wir sind. Aber vielleicht ist sie da ähnlich wie ich: Lebenslange Erfahrung stumpft ab. Man fragt sich irgendwann nicht mehr, wo man ist, wo man dieses oder jenes Kleidungsstück herhat oder diesen oder jenen Menschen kennt und mit ihm plötzlich diese oder jene Beziehung führt. Man setzt es einfach improvisierend fort und hofft, dass nicht Aussagen kommen wie: „Letztens hast du noch gesagt, du würdest keine Partei wählen und jetzt schwärmst du von Sarah Wagenknecht“. Und man sich dann irgendwie glimpflich herausreden muss wie: „Ich mag viele einzelne Politiker, die in der falschen Partei sind“ (obwohl ich eigentlich keine Ahnung von Politik habe und damit nur einen Satz kopiere, den eine politisch bewanderte Freundin von uns häufiger mal sagte). Außer ein paar merkwürdigen Blicken, wenn Mitmenschen sagen, dass sich unsere Aussagen von „letztens“ total widersprechen, kommen wir damit eigentlich ganz gut durch.

Aber da diese Sachen eher uns „Alltagsleuten“ passieren (weil wir die meiste Zeit mit Menschen in Kontakt sind), fragen unsere Kinder schon häufiger mal nach „wo sind wir jetzt? Wieso haben wir eine neue Kuscheldecke? Seit wann steht der Fernseher in dieser Ecke? Haben wir neue Spielsachen in den neuen blauen Boxen im Regal? Gehört das mir?“ …. Denn unsere Kinder kriegen den Alltag weniger mit. Sie sind meistens nur im Außen, wenn wir im Zimmer sind, manchmal, wenn wir uns wohl oder entspannt fühlen, dann auch im Wohnzimmer oder im Garten, wenn nicht zu viele Mitbewohner mit draußen sind. Dass Leo so gar keine Fragen gestellt hat, wundert mich. Aber das kläre ich irgendwann intern. Lou kann mich beobachten, weil sie, trotz ihren elf Jahren, sehr nah an mir dran ist und fast auch schon wie eine Alltagsperson handeln kann. Lou und ich sind so nah aneinander, dass wir fast schon verschwimmen als wären wir Eins, obwohl wir grundunterschiedlich sind (und darüber bin ich froh, weil ich mit so einem Energielevel nicht umgehen könnte – Lou so zu beobachten und zu wissen, dass sie so ist, wie sie ist, ist okay. Aber die Vorstellung, wir könnten integrieren und ich müsste/könnte/würde ihre Energie mit „aufnehmen“ jagt mir geradezu lähmende Angst ein).

Das wäre eine kleine ungewöhnliche Sache von vielen, die im Moment passieren. Einige davon kann und will ich (noch) nicht öffentlich ansprechen. Eine Andere war… nun, wie einige Leser wissen, waren wir ja das letzte Mal beim Gyn vor zwei Jahren. Wieso wissen einige bestimmt auch noch. Wären wir nicht in so einer Ausnahmesituation gewesen, wären wir niemals zum Gyn gegangen. Vermutlich hätten wir sogar eher versucht das Baby wie in der Steinzeit ohne Hilfe und ohne Untersuchungen zur Welt zu bringen. Gynäkologen sind für uns der blanke Horror egal wie rational wir versuchen da ranzugehen. Und anders wie bei scheinbar anderen Vielen finden wir niemanden im Innen, der das „für uns macht“ und einfach mal „übernehmen“ kann.

Tja… und vor zwei Wochen …ich kann es fast selbst nicht glauben, wenn ich das schreibe, weil das einfach so surreal wirkt, aber vor zwei Wochen bekam ich plötzlich einen ganz starken inneren Druck, dringend zum Gynäkologen zu müssen. Es waren irrationale Ängste da wie, dass wir Brustkrebs oder Gebärmutterhalskrebs haben könnten und es nicht einmal wissen, etc. pp. Also machte ich einen Termin aus und es war (auch unglaublich) keinerlei Emotionen da. Keine Angst, keine Aufregung, fast schon eine erschreckende Gleichgültigkeit, weil „es muss, es muss, es muss“.

Wir waren also vor zwei Tagen bei diesem Termin. Und nein, ich wurde nicht abgelöst. Nur im Wartezimmer war mal eine kurze Minute eine überwältigende Nervosität da, die aber so plötzlich verschwand, als wäre eine Seifenblase zerplatzt.

Ich ging ja von einer Routineuntersuchung aus, aber da wir mit vierzehn das letzte Mal (notgedrungen damals auch) beim Gyn waren, wusste ich nicht einmal mehr, was man bei einer Routineuntersuchung macht.

Der Arzt erklärte es uns. Er war mir recht sympathisch, auch, wenn man nur seine Augen gesehen hat. Oder vielleicht gerade deshalb. Ich habe komischerweise kein Problem mit den Masken. Es kommt mir vor, als würde man die Menschen mit Maske besser erkennen, als ohne. (Dafür aber nicht wiedererkennen). Augen haben besonders viel Ausdruck und bei ihm war ich mir sicher, dass er ein freundlicher Mensch ist. 

Weil wir die Maske tragen mussten, konnte ich natürlich nicht sehen, was da unten passierte, als wir auf dem Stuhl saßen. Für einen Bruchteil meine ich eine Art „Flashback“ gehabt zu haben (aber von keiner traumatischen Erinnerung, deshalb Flashback in Anführungszeichen). Ich sah sequenzartig wie springende Lichtbilder, wie wir 2018 bei einer Untersuchung, als eine Frauenärztin eine „Zange“ in der Hand hielt, plötzlich um uns treten und schreien und ausrasten, irgendwas scheppern, und in der nächsten Bildsequenz sitzen wir im Wartezimmer, verwirrt, nicht wissend wie wir vom Untersuchungszimmer ins Wartezimmer gekommen sind. Eine Krankenschwester uns ein Pappbecher Wasser reichend.

Das sah ich nur für maximal zwei Sekunden, wirklich in Lichtgeschwindigkeit und dachte mir dann einen Moment, vielleicht ist es gar nicht so schlimm, wenn wir nicht sehen was er da unten macht.

Es war unangenehm. Aber die Angst kroch in mir hoch wie ein wütendes Tier, als er in seinem Redefluss aus Doktor-Wörtern innehielt und die Schwester um etwas bat. „Da ist etwas“. Und ich sah kurz schwarze „Licht“punkte vor meinen Augen blitzen (soweit schwarz „Licht“ sein kann). Ich hatte (noch) keine Schmerzen, es war wirklich nur die augenblickliche Angst, von der mir schwindelig wurde und dann spürte ich auf einmal einen Schmerz, von dem ich dachte, mir drehen sich die Augen um. Vielleicht war er gar nicht so schlimm, aber er war so unerwartet heftig. Ich weiß auch nicht, ob er mich vorgewarnt hat, weil es in meinem Kopf zu dem Augenblick so laut wurde. Es dauerte sicher nur zwei Sekunden, in denen die Schwester oder der Arzt sagte „gleich ist es raus“ und ich im Affekt einen Gedanken hatte „Schon wieder ein totes Baby!“ und ich am liebsten aus dem Stuhl aufgesprungen und mich aus dem Fenster gestürzt hätte. Obwohl ich ja weiß, dass man ein totes Baby nicht einfach mal so mit einer Zange heraus zieht, aber allein der Gedanke daran löste einen so abnormalen Impuls in mir aus, mich sofort töten zu wollen, dass ich intuitiv in den Stuhl unter mir griff, was die Schwester wohl falsch deutete und mir tröstend über den Arm streichelte.

Das war wirklich nach vielleicht zwei Sekunden vorbei. Details erspare ich. Es war ein Holzsplitter. Kein Baby. Irrationale Erleichterung, obwohl ich irritiert bis ins Maximum sein sollte. Ein Baby hätte ich vielleicht erklären können. Selbst wenn ich mich nicht erinnere mit Männern zu schlafen, weiß ich, dass unser Körper das manchmal tut. Einen Holzsplitter hingegen?…

Ich war so überwältigt von Emotionen und meinem Körper, in dem das Adrenalin pumpte, dass mir nur ein geistloses „Oh“, über die Lippen wich, als er fragend das gesäuberte, minikleine Ding vor meine Augen hielt und meinte „Ein Holzsplitter…“

Weil ich so emotionslos darauf reagiert habe (wie paradox, oder? Während doch in mir drinnen gerade eine Art Katastrophe in Schnelldurchlauf passierte), steckte er das Ding nur weg und fragte nicht weiter nach. Ich nehme an er deutete mein „Oh“, als „Sie weiß woher das kommt und ich nur überrascht, dass es stecken geblieben ist.“

Mhm… Jetzt muss ich kurz Pause machen, ich schwitze schon wieder und mein Kopf dreht sich. Auf jeden Fall… Ich weiß nicht mehr genau wie wir die Arztpraxis verließen. Ich sehe noch die Brustuntersuchung, eine Broschüre die er uns mitgibt, wie man sich die Brust abtastet. Und ich weiß noch wie er sagte, dass wir in zwei Wochen etwas hören, falls mit den Abstrichen etwas nicht stimmt, und falls wir nichts hören, sei alles okay.  

Nur mit mir war nichts okay. Als ich nach der Untersuchung auf den Bus wartete, fiel der Schreck erst von mir herab und mein Körper fing regelrecht an zu schlottern.

Sie & Co waren die ersten und Einzigen, denen wir haben schreiben können. Sie fragte, ob wir das haben dokumentieren lassen. Natürlich nicht, verdammt. Ich war so unter „Schock“ (glaube ich?), dass ich daran keinen Gedanken verschwendet habe. Als ich dann wieder klarer und ruhiger wurde, war mir klar, dass ich das auch bei Verstand nicht hätte dokumentieren wollen. Ich möchte nicht, dass Fragen aufkommen und da wir mit Dokumentationen von Verletzungen schon ein wenig Erfahrung haben, kommen ausnahmslos Fragen auf. Zumal die Ärzte das dafür brauchen. Gut, unsere Hausärztin war es dann gewohnt, dass wir meistens nicht wussten, woher diese oder jene Verletzung kam und wir sie trotzdem dokumentiert haben wollten. Ich kann mich aber nicht erinnern, ob es zu dikussionswütigen Fragereien kam wie „Wenn du dich nicht erinnerst, wieso soll es dokumentiert werden? Wenn du nicht weißt, dass es von einer Gewalttat kommt, wieso sollen wir das festhalten?“ Ich kann mir solche Fragen von unserer Hausärztin nicht vorstellen, aber zumindest denken wird sich das jeder. Berechtigt. Ich würde mir das auch denken, wenn ich es nicht wüsste.

Erst als die Strangulationsmale am Hals unverkennbar von Fremdeinwirkung kamen sagte unsere Hausärztin, dass wir zur Gerichtsmedizinerin sollten und es da dokumentieren lassen sollen, weil sie nicht wüsste, welchen Wert ihre Dokumentationen vor Gericht hätten, sollte es mal so weit kommen. Sie erklärte, dass man so etwas eigentlich professionell macht. Mit Maßen der Verletzung und Fotos aus verschiedenen Perspektiven und nicht „nur so“ auf Papier.

Ich hätte diese Prozedur bei einem neuen, fremden Arzt nicht ausgehalten. Es muss außerdem nicht jeder wissen was wir mitschleppen. Es reicht vollkommen, dass er uns Untersucht, ganz ohne Hintergrundwissen. Einmal einfach irgendwo normal sein und irgendwas normal machen. Ich habe Gewalt erlebt. Aber das ist nicht mein einziger Lebensinhalt! Ich bin es leid, jeden Menschen dafür zu sensibilisieren. Das ist nicht meine Aufgabe und wir brauchen es nicht.

Letztendlich stehen die Untersuchungsergebnisse sowieso immer in einer Krankenakte. Mit der Polizei wollen wir ja sowieso nichts mehr zu tun haben, weshalb wir ja auch nicht mehr zur Ärztin gehen und Singe dokumentieren lassen, sondern sie nur noch für uns selbst als Fotos festhalten, damit wir nicht selber immer wieder alle paar Wochen sagen: „Das ist alles nicht wahr, das ist alles erfunden oder eingebildet.“ Die Bilder und/oder Videos (zum Beispiel wo wir Hämathome mit Spülmittel, Nagellackentferner und Abschmeinktücher putzen, um uns selbst zu beweisen, dass es auch nicht aufgemalt ist) dienen seither nur noch für uns. Wir wissen, dass die vor Gericht keinerlei Gewicht hätten, aber es steht nicht (mehr) in unserem Sinn, gerichtlich dagegen vorzugehen.

Wir sind in jeder Hinsicht in der Welt der Daten und Fakten unglaubwürdige Menschen, Dank unseres ausgeprägten Erinnerungsvermögens (Ironie *off*)

Nun ja… nur kurze Zeit nach dem Schreck mussten wir auf einmal darüber lachen. Innerlich zumindest. Es kamen Sätze wie „Zieht der mir einfach eine Holzsplitter aus der M**“ oder „Siehste, doch Pinocchio. War wohl mal das Baby… Reste“ … und innerlich gröhlendes Lachen darüber, während ich es geschmacklos und kein bisschen witzig finde. Sie & Co meinte „Ja, wie sollte man auch sonst damit umgehen?“
Genau. Ich weiß nach wie vor nicht, wie ich damit umgehen soll, oder ob ich damit überhaupt irgendwie umgehen muss. Es ist wie ein Eintrag im Terminkalender. Nichtsbedeutend. „Gestern hat mir ein Arzt ein Holzsplitter aus meinem Inneren gezogen“ ist mittlerweile genau dasselbe wie „Gestern gab es Schinkennudeln zum Abendessen“. Zumindest im Gefühl.

Soweit war es kein Grund zur größeren Sorge. Er sagte, es könnte ein wenig nachbluten (hat es nicht), aber dass man nichts weiter beachten muss, weil Schleimhäute sehr schnell zuheilen und es ja wirklich nur ein winzig kleiner Splitter war.

Fragt bitte nicht, ob ich denn nicht habe merken können, dass etwas in uns drinnen steckt. Ich kann es nicht beantworten. Ich denke ich habe nichts gemerkt. Schmerzen haben wir immer, fast jeden Tag, mal hier mal da, mal gewöhnlich, mal ungewöhnlich. Aber man fragt sich irgendwann nicht mehr, wo Schmerzen her kommen, man gewöhnt sich so sehr daran, dass man (ideales aktuelles Beispiel), sich nicht einmal erinnert, ob man Schmerzen hatte oder nicht.

Es ist alles so konfus seit ich da bin. Ich habe gehofft, „normal“ weiterzumachen, wo ich aufgehört habe. Aber es hat sich alles verändert und es ist alles am Verändern und ich bin kaum noch in der Lage bei vollem Bewusstsein meine eigentliche Arbeit zu machen. Also den Alltag zu meisten. In die Arbeit zu gehen, Einkauf, Haushalt. Vieles davon mache ich dissoziiert oder geistesabwesend, denn ich könnte an keinem Tag sagen, was ich zum Beispiel einen Tag zuvor in der Arbeit gemacht habe, dabei war ICH im Außen. Mindestens mit höchster Konzentration schaffe ich mich zu erinnern, wo ich stehen geblieben war und was ich gerade überhaupt arbeiten muss. Nur die Routine Sachen werden Gott sei Dank nicht vergessen.

Normalerweise bin ich ruhig. Ich bin wach und konzentriert und bin selten erschöpft oder müde. Ich bin kontaktfreudig und meistens munter. Ich weiß, wie ich bin. So, wie ich im Moment bin, erkenne ich mich nicht wieder. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich fühle wie ein Spielzeug, das neue Batterien braucht.

-Kara

Ziemlich witzig.

Heute eine Traum gehabt. Nicht besonders. Nachbarn und ihre Kinder Zuhause besucht an einem Strand. Dann Heimweg. Es kam eine Frau, so etwas wie eine Wahrsagerin. Das Gesicht kenne ich, es ist eine Schauspielerin gewesen, aber ich kenne sie nicht. Ist aber wohl ziemlich bekannt im deutschen Fernsehen. Ah, gerade gegoogelt. Iris Berben 😀 Auf jeden Fall trug die ein weißes, langes, knittriges Hemd mit beige farbener Stoffhose und einem dünnen seidenen Schal um den Hals… Und sie folgte mir und sagte: „Also, was hast du für einen Wunsch? Ich erfülle Wünsche“

Und ich: „Ja, aber nur gegen Bezahlung. Ich hab nichts.“

Sie: Verdreht die Augen „Menschen die mich kennen, wissen wie man mich bezahlt. Ich mag Fleisch und Kräuter.“

lol

Sie folgte mir weiter in einen kleinen Garten an einen ganz kleinen runden Holztisch. Dort stellte Mona ihr einen Teller mit vielleicht drei Hähnchen Hack, sehr ölig-glänzend, goldbraun gebraten, sehr lecker anzusehen. Darauf Kräuter verteilt. Gurken schräg an das Hähnchen gelehnt, die in der Mitte vom Teller wie zu einem Turm gestapelt waren. Die Kräuter darüber waren Dillkräuter. Frische. Ihgitt.

Iris: „Köstlich. Na, dann lass mal deine Wünsche hören.“

Ich zögerte, starrte noch auf ihre „Bezahlung“

Sie: „Ich höre. Es wird bestimmt wieder ein Wunsch sein, wie es sich die meisten Menschen wünschen.“

Sie dachte vermutlich an Geld, Liebe und Gesundheit.

Ich: „Also, ich weiß dass sich viele Menschen die Liebe des Lebens wünschen, aber … das ist gar nicht, was ich will.“

Irgendein Geräusch irritierte mich so, dass ich mich erschrocken umsah.

Sie kaute noch auf einem Fleischstück herum, war bereit sich meinen Wunsch anzuhören, doch als sie das Geräusch auch hörte und meine erschrockene Reaktion sah, tupfte sie sich vornehmlich den Mund mit einem weißen Tuch ab und meinte: „Ein Jammer.“

Dann schreckte ich im Bett hoch und stellte verärgert meinen Wecker aus. Habe versucht, noch einmal einzuschlafen, nachdem ich kurz lachend in meinem Bett saß von dem absurden Traum. Doch ich konnte „die Wahrsagerin“ nur noch durch Nebel greifen und merkte, dass ich nicht mehr einschlafen kann.

Jetzt erfahre ich meinen Wunsch auch nicht mehr.

Wie sie so schön sagte: „Ein Jammer.“

Verpeilter Feiertag, nerv, Gedöns…

Passiert, nech?

Durch Schmetterling… *facepalm* klar, Feiertag verpeilt. Mariä Himmelfahrt. Klar. Logisch. Jedes Jahr. Seit zwanzig Jahren. Und jedes Jahr seit zwanzig Jahren wird’s verpeilt. Klar. Geht doch jedem so, nech?

Ein Tag später die Verletzungen bei uns. Gewundere woher. War doch nichts. Ha. Ha. Dumm.
Aber gewesen war wirklich nichts. Nä. Fahrradfahren. Und Ari sagt, dann waren wir bei einer Strecke von maximal 20 Minuten, wenn man langsam fährt, ne Stunde nicht erreichbar. Handy nicht erreichbar. Klar. Aber in der Zeit soll was passiert sein? Geficke im Wald bei hellichtem Tag? Klar. Perverse und Straftäter haben ja auch sicher nix zu verlieren. Ha. Ha. Dumm, einfach dumm.

Feiertage verpeilen! Welcher normale Mensch verpeilt denn Ostern zum Beispiel? Oder Halloween? Oder Pfingsten? Gefühlt jeder Mensch in unserem Umfeld weiß wann welcher Feiertag ist. Wir wissen nicht einmal wann Ostern ist! Von O bis O ist Leinenpflicht. Von Ostern bis Oktober. Also wissen wir dass Ostern irgendwann im Frühjahr ist.

Mehr ist nicht. Jedes Jahr ist da nicht mehr. Wie mich diese Vergesslichkeit nervt!

Und dann soll man schon Wochen vorher dafür sorgen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, wenn man Feiertage, die die GANZE WELT KENNT, VERPEILT. Einfach verpeilt. Sogar am Feiertag selbst! Wenigstens wissen wir noch wann Weihnachten ist! HAHAHA. Denn unsere Geburt war ja ein Marathon Lauf -.- Ein Tag vor Weihnachten! Und wir sollten AN WEIHNACHTEN geboren werden. Ist das immer noch ein Drama, dass wir früher kamen. Nicht einen Tag haben wirs länger im Bauch ausgehalten. Geplant eine Frau befruchten, damit zu Weihnachten ein Kind auf die Welt kommt. In welchem Zeitalter ist so etwas bitte möglich? War jammer, jammer schade, dass wir uns als Baby dann so dachten: „Ähm Nö, wir machen jetzt statt 24.12. um 03:00 Uhr lieber 23:12. 15:00 Uhr“ Und zack, sind wir rausgeflutscht in Mamas Arme. Das vierte Kind von drei Toten, einige Jahre zuvor. Eigentlich müsste man doch als Eltern dann heftig glücklich sein, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Meine Mum hat die toten Babys noch nicht einmal gesehen. Es existiert nicht einmal ein Grab oder eine Urne oder sonst etwas. Meine Geschwister. Ich wäre eigentlich das jüngste Geschwisterkind von drei Älteren. Und jetzt bin ich ein verzogenes Einzelkind, dass ein Tag vor der geplanten Geburt geboren wurde und dessen Geburtstag aus Trotz trotzdem jedes Jahr an Weihnachten gehalten wird.

Weihnachten. Wir hassen Weihnachten. Und dabei wissen wir nicht einmal wieso, denn an mehr als an einen Geburtstagskuchen (Schwarzwälderkirsch), mit einem unglücklichen Kind (ich) an einem Tisch (zwei blutrot gedeckte Bierbänke) mit unzähligen Verwandten, Bekannten und Freunden (Fremden), erinnere ich mich von Weihnachten an GAR nichts. Und trotzdem hassen wir Weihnachten. Den einzigen Feiertag, den wir nicht verpeilen.

Das wäre ja auch peinlich.

-Riri, Raven & co

Prophezeiungen (K)

Hatte ich nicht heute erst über diese Prophezeiungen geschrieben, die man sich selber stellt. Und dann denke ich mir immer wieder, ich bin wohl selber Schuld, würde ich anders denken, würde es anders laufen.

Habe erfahren, dass der Direktor nicht dafür ist, dass L und ich zusammenziehen. Das heißt, meine Eintragung in die Mitarbeiterliste für Wohnungssuche nur zehn Minuten davor war total hinfällig. Das Haus für uns allein ist zu groß und (vermutlich) auch zu teuer. Pustekuchen. Bin mit einem fetten Kloß im Hals und ins Büro zurück, weinen geht jetzt nicht, unser Kollege wollte Kaffee für uns machen.

Am Schlimmsten finde ich nicht die Tatsache, dass er dagegen ist, dass L und ich zusammenziehen wollen, sondern seine Begründungen. Mit denen hat er nur ausgesprochen, was wir sowieso die ganze Zeit befürchten und uns bestätigt. Es ist für niemanden gut mit uns zusammen zu wohnen.

Und wie gesagt, Glück in Wohnungssuche haben wir nicht. Gerade heute schreibe ich davon und gleich wird es bestätigt – wie prophezeit. Und ja, ich kenne das psychologische oder „spirituelle“ Phänomen davon, gerade deshalb gebe ich mir ja selber Schuld dafür, dass wir darin kein Glück haben, denn wir sagen ja auch ständig, dass wir kein Glück haben. Nur, etwas anderes zu behaupten wäre lächerlich, nach fünf Jahren Erfahrungswerten.

Gerade bin ich echt so in dieser Hoffnungslosigkeit was die Zukunft angeht, dass ich am liebsten mein Arbeitsverhältnis hier kündigen und zurück zu meinen Eltern ziehen würde. Selbst wenn es uns da vielleicht nicht am besten ging, war das immerhin noch ein Zuhause. Im Endeffekt wird das sowieso die einzige Möglichkeit sein, wenn wir aus der WG raus müssen und die Fahrtkosten zur Arbeit von dort bis zurück würden mehr kosten, als wie ich verdiene. Geschweige denn von der Fahrtzeit. Und wieder in eine WG stecken lassen werde ich uns nicht. Unser Ziel ist ein Zuhause. Und zwar nicht erst in fünf oder zehn Jahren. Der nächste Ort, wo wir hinziehen, soll ein Zuhause sein. Es ist mir egal, was alle anderen darüber denken und sagen, „seid vernünftig, bleibt dann wenigstens in einer WG oder in einer Wohnung in der Nähe, umziehen könnt ihr ja immer noch, auch wenn euch die Wohnung nicht gefällt“. Aber wir sind seit drei Jahren vernünftig. Und lassen uns seit wir vierzehn sind von einem Ort zum Anderen schieben. Diese Sprüche bringen auch immer nur die Menschen, die überhaupt nicht wissen wie es ist, kein Zuhause zu haben.

Tut mir leid, dass ich so emotional bin, aber es gibt tatsächlich ein paar seltene Ausnahmen, in denen selbst mir Situationen sehr zusetzen können… dabei bin ich nicht gerade für meine Emotionalität bekannt.

Umso besser, dass ich kontrolliert genug bin, um nicht impulsiv in Tränen auszubrechen. Kühlen Kopf bewahren, alles abhaken, nach anderen Alternativen suchen. In vergangener Zeit schwebt mir immer noch im Kopf, wie jemand von uns schrieb, dass unsere Cousine aus Ungarn letztes Jahr das Angebot gemacht hat, wir könnten bei ihr leben und sie mit dem Kind unterstützen und im Haushalt. Gerade machen sich die Türen in die Richtung immer weiter auf… nur weiß ich nicht, ob ich dann je wieder irgendwas mitbekommen werde. Wo werden wir dann stehen? Wir (unser System) ist in Ungarn nie wirklich dabei. Ich kenne meine Cousine und ihr Kind nicht wirklich. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes keine Beziehung zu ihr, außer dem Wissen, dass wir eben verwandt sind. Andererseits weiß ich von dem Eintrag, der jemand von uns in Ungarn geschrieben hat und wie dieser Anteil oder diese Anteile(?) zu meiner Cousine und dem Kind stehen. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass wir zurücktreten und jene von uns ein Leben dort aufbauen, wo sie meinen ihre Aufgabe gefunden zu haben, wenn wir hier in Deutschland scheinbar nur gut darin sind, von einer Einrichtung und einer Wohnung zur nächsten zu springen und nie irgendwo anzukommen.

Ach… wie ich es drehe und wende… es macht mich nicht glücklich.
Aber so ist das Leben …

-Kara

Edit:
So… der Druck ist raus, die Emotionen auch. Zumindest vorerst. Mit klarem Kopf … streichen wir alle unsere Wünsche von Zukunft oder wie wir sie uns vorstellen. Es geht wohl nur pragmatisch. Ein Zuhause können sich nur Menschen leisten, die finanziell nicht so blöd dastehen. Wir werden nächste Woche zur Stadt fahren und uns wegen Wohngeld erkundigen. Der Direktor hat ja auch nur ausgesprochen, worüber wir uns auch schon immer sorgen. L meint zwar immer, es geht um „uns“ und dass es „uns“ gut geht, aber es ärgert mich, dass ihr egal zu sein scheint, dass UNS nicht egal ist, wie sie dann dasteht. Und der Direktor hat Recht, sie wäre in der Abschusslinie. In allen möglichen Hinsichten. Mit uns kann kein Mensch zusammenwohnen, nicht problemlos. Nicht ohne Gefahr oder ohne gesellschaftlich kritisiert zu werden. Mag sein, dass es ihr egal ist, aber es löst auch in UNS etwas aus, wie mit Menschen umgegangen wird, die uns wichtig sind.

Für uns gibt es nur ein Leben mit Jimmy. Wenn wir das größte Glück haben, das uns gegönnt ist, könnten wir mit ihm in irgendeiner Wohnung im dritten oder vierten Stock landen, wenigstens mit Balkon. Wir würden uns schon irgendwie damit anfreunden. Und Jimmy auch. Muss er. Wir auch. Irgendjemand meinte doch von uns, man könne überall ein Zuhause für sich machen. Ich hoffe, das gilt dann für uns alle. Hauptsache wir müssen nicht mehr alle ein bis zwei Jahre von einem Zimmer ins nächste ziehen. Bevormundet werden, MIT ANFANG ZWANZIG! Wir wollen nichts mehr. Wir wollen einfach nur ein Zuhause und es ist für mich unerklärlich, dass das für alle so schwer zu begreifen zu sein scheint. Aber ich denke, die Menschen müssten erst einmal in unseren Schuhen laufen, um zu wissen, was es überhaupt bedeutet, nirgendwo wirklich anzukommen. Denn eine Vorstellung davon reicht nicht. Das muss man erleben um mitreden zu können. Ich bin das ewige Hin und Her Geschubse und Geziehe satt. Für uns alle.