BbdM: Gestaltung eines Tages

Gestern schrieb ich mit Schmetterling kurz. Irgendwie sind wir wirklich schlecht im Kontakte halten, vor allem momentan. Na ja, zumindest was die Kontakte im Internet bzw eben Blogger angeht usw. Heißt nicht, dass wir weniger lesen, aber eben weniger kommentieren und auch naja, mit denen wir privat in Kontakt sind gerade weniger in Kontakt gehen.

Schmetterling meinte, ich denke vielleicht augenzwinkernd, wir sollen doch mal wieder was schreiben, damit sie für die Fahrt was zum Lesen hat. Wir meinten, wir wüssten zurzeit einfach nicht was wir schreiben sollen weil wir das Gefühl haben, dass wir sowieso immer nur über dasselbe schreiben und wirklich interessant ist es auch nicht.

Naja, dann schickte sie uns den BbdM und dann haben wir ihren gelesen und sie meinte, dazu könnten wir doch was schreiben.

In der Regel stresst mich das enorm versuchen zu wollen zu erklären wie wir nen Tag gestalten, weil sich das für mich immer wie Rechtfertigung anfühlt, deswegen mache ich es ganz kurz. Naja, im Endeffekt gibt es da gar nicht so viel zu erklären: Wir planen nichts. Wir sind zu 100 % spontan und machen auch nie irgendwelche festen Termine aus. Genauso wie wir uns nicht an die beknackten Putztage von den beknackten Betreuern halten, sondern sie einfach jede Woche an dem Tag machen, an dem es uns gerade passt.

Unsere neueste Morgenroutine ist allerdings, dass wir schon um 5 aufstehen, dann mit Jimmy eine Runde gehen, um sechs den Ofen für ein Vollkornbrötchen anschmeißen und während das Brötchen bäckt, machen wir die Rückenübungen. Dann machen wir uns ein Salamibrötchen mit schwarzem Kaffee und setzen uns noch vor den TV für Sat 1 Frühstücksfernsehen.

Den Rest des Tages planen wir wirklich nicht. Um 8 beginnt bei uns die Arbeit, da machen wir dann den Pressespiegel als erstes und um 12 besuchen wir i.d.R Ari im Büro und am Nachmittag schauen wir, was sich gerade ergibt. (Wie soll man als System das sich noch nicht mal alle kennt so absprachefähig sein, irgendwas zu planen? Wenn wir irgendwas planen, ist dann irgendwer von uns dazu genötigt etwas zu tun, was er vielleicht überhaupt nicht mag – im schlimmsten Fall sogar drunter leidet, also no and never). Außerdem ist gerade ja die Sommerzeit, die wir sowieso am wenigsten mögen, weil wir die Hitze nicht aushalten. Meistens sind wir da sowieso nie aktiv. Also aktiv im Sinne von: Irgendwas tun. Während andere Menschen in der Zeit mit Freunden in der Sonne grillen, ans Wasser gehen, Picknicken, Fahrradtouren machen, sitzen wir im Garten im Schatten und lesen von Lucinda Riley „Die Sturmschwester“ (den ersten Band haben wir 2017 mal gelesen). Erst haben wir mit Grabesgrün angefangen, weil wir von Tana French „Geheimer Ort“ gelesen haben und uns total in ihren Schreibstil verschossen haben, aber dann hatten wir irgendwie keine Lust auf Krimi und dann habe ich mich eben an die Sieben Schwestern erinnert und wie sehr ich in das Buch abgetaucht bin und das Gefühl hatte, wirklich schon an den Orten gewesen zu sein, weil sie das so unglaublich gut beschreibt. Und wenn es dann abends wird und bisschen abkühlt, dann gehen wir ohne Gesellschaft raus. Also maximal mit Jimmy oder mit Ari.

Ich bin gerade um jeden Tag froh, an dem es regnet. Ich war noch nie glücklicher über Regen.

So sieht also jeder unserer Tage aus. Wir planen nichts. Gar nichts. Üüüberhaupt nichts. Klar, haben wir diese festen wöchentlichen Termine wie die Reittherapie oder …sowas eben, aber wir sagen nicht: okay, um 13 ist Kinderzeit, da dürfen wir dann Kinderfilme schauen, um 15 Uhr dürfen die Größeren schreiben oder lesen oder Dokumente abheften. Nene. Das funktioniert hier nicht. Löst nur Stress aus.

Wir leben so wies kommt.

Ach ja, off Topic: Gehört nicht zum BbdM, aber das muss ich loswerden: Es gibt jemanden, der ist zurzeit extreeemst anstrengend. Und das schon seit Wochen. Weiß nicht, was mit ihr los ist, aber sie ist irgendwie nur am Nörgeln, Kritisieren, seufzen,… Langsam nervt mich das und ich merke, wie wir uns zurückziehen aus der Beziehung. Scheinbar können wir einfach nicht mit Menschen umgehen, die schlecht drauf sind, aus welchen Gründen auch immer. Mit depressiven Menschen konnten wir ohnehin auf Dauer nie umgehen. Haben ja schonmal gesagt, dass wir sie deshalb nicht weniger lieb haben, aber sie nervt einfach zurzeit nur noch und haben keinen Nerv mit ihr tiefer in die Beziehung zu gehen. Gestern hat sie wieder wegen irgendwas mit der Hängeschaukel gemeckert, weil sie zwischen den beiden mehr Abstand wollte, wieviel wusste sie dann aber auch nicht und sowieso ist gerade alles ätsch und doof was wir oder andere machen.

Naja und dann meinte ich zum Spaß „Wenn schon Abstand, dann halten wir doch die Corona-Mindestabstände ein“, um sie ein bisschen aufzuziehen, da hat sie sich aber totaaaaal auf den Schlips getreten gefühlt und ich hab meine Klappe gehalten, ich kann gerade glaube ich eh nichts sagen oder tun, was ihr passt.

ich denke mal, dass sie halt auch angeknickst ist, wegen Liebessachen und dann halt noch weil ne Freundin von ihr weg geht für drei Monate und wir im Sommer für drei Wochen weg sind und ich denke sie ist halt deshalb schlecht drauf, aber ich kann damit nicht umgehen, wenn man sich nicht wenigstens EIN BISSCHEN zusammennehmen kann, und das nicht ständig andere spüren lassen muss.

Ich esse irgendwie auch nicht mehr so gerne bei ihren Mahlzeiten mit, weil ich merke, dass sie nicht mehr wirklich gerne kocht. Aber ich weiß auch, wenn ich sagen würde ich esse nicht mit, würde sie sich wiederum beleidigt fühlen und vermutlich noch schlechter drauf sein als ohnehin schon. Sie sagt dann zwar immer „okay“, aber ich spüre ja ganz genau, dass etwas Anderes bei ihr ankommt. Uuuufz.

Kann sein, dass ich vielleicht einfach zu wenig Empathieempfinden für so etwas habe, weil wir das selber nicht kennen (depressive Phasen). Und wenn es mal jemanden richtig richtig bröselt, wird derjenige ja nach spätestens ein paar Tagen wieder abgelöst und nach außen hin merkt man uns das eh nicht an. Vermutlich ist das einfach dieses „von sich auf andere schließen“. Wenn wir uns bei dem ganzen Scheiß am Riemen reißen können, dann tut ihr das gefälligst auch und geht uns nicht auf den Sack mit eurer schlechten Laune. Aaaber das ist ein irgendwie richtig egozentrisches und unfaires Verhalten, weil wir ja wissen dass jeder Mensch anders ist, und naja, es sogar eigentlich der Regelfall ist, dass Menschen in schlechten Phasen eher keine gute Mine aufdrücken können. Vermutlich ist das ein Dissoziations-Vorteil der Dissoziation-Könner.

Sorry für die sarkastischen letzten Zeilen.

Wir schreiben gerade irgendwie eh nur Bullshit, weil uns sonst nichts einfällt und irgendwie die Motivation zum Schreiben fehlt.

 

Anfreunden

Oh man, wie peinlich… also mit der Einleitung habe ich den Eintrag vorhin angefangen, den ich jetzt passwortgeschützt habe.. Geschützt: Anfreunden (…)

„Erst einmal danke für eure ausführlichen und lieben Kommentare auf die letzten Einträge. Haben mich nachdenklich gemacht, zumindest im Hintergrund auf rein kognitiver Ebene. Ich weiß gerade nicht, auf welche Kommentare ich schon alle eingegangen bin, müsste noch einmal nachschauen, falls ich irgendwo nicht reagiert habe, tut es mir sehr leid, ist nie eine Absicht… ich merke dass es häufiger vorkommt, dass wir auf einige Kommentare dann gar nicht reagieren, aber das ist keine Absicht, irgendwie… verschwindet es einfach aus unserem Gedächtnis, dass da noch was war… >.< das ist übrigens nicht nur hier, sondern auch im RL so und deshalb ist es eben echt eine Herausforderung Kontakte aufrecht zu erhalten…“

Auch noch ein paar weitere Zeilen kann ich noch erinnern, aber irgendwo zwischen drinnen weiß ich nichts mehr von dem, was ich geschrieben habe…weiß nicht… plötzlich ist in meinem Kopf alles dicht, in meiner Brust etwas verengt, fühle mich gerädert, ganz leicht schwindelig und merke, dass ich mich total über etwas geärgert habe und dem total Luft gelassen habe, obwohl ich in dem Eintrag gar nicht über diese ganzen Themen schreiben wollte und ich mich jetzt eigentlich nur noch darüber wundere, was da steht und schäme mich total dafür. Und denke mir KOGNITIV, würden jetzt andere sagen, ich bin geswitcht, ich aber, weil ich ja nicht behaupten will ich bin viele, wenn ich es nicht vielleicht doch nur schauspielere, denke mir, dass das jedem Menschen so gehen kann, der aufbraust, sich emotional verausgabt und dann nicht mehr wirklich weiß, was er alles geschrieben hat.

Eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, dass ich mich mit dem Gedanken anfreunden kann, in ein eigenes Apartment zu ziehen, weil ich gar keine andere Wahl habe, früher oder später, mich damit anzufreunden. Der Bezirk wird die Kosten im Übergangswohnen auch nicht ein viertes Mal genehmigen und eigentlich wollte ich zwar in eine eigene Wohnung, aber da ja finanziell alles über meiner Preisklasse liegt oder irgendwo, wo ich ohne Führerschein aufgeschmissen bin (in den nächstliegenden Dörfern könnte ich mir sogar ein Zweizimmer Hausapartment mit Garten leisten, komme aber von dort eben nicht mehr vom Fleck), bleibt mir vielleicht sowieso nichts anderes übrig, als mich auf die Idee vom Fachbereichsleiter einzulassen und ihn eine (schon wieder) Wohnmöglichkeit auf Zeit für uns zu besorgen.

Gestern meinte Mona, das findet sie jetzt schon ganz schön heftig und plötzlich, weil sie mit Trennungen sehr schwer umgehen kann und es ihr ja schon bei der Katze so schwergefallen sei, dann noch Jimmy und ich. Aus Spaß habe ich gesagt, dann soll der Fachbereichsleiter für uns beide ein betreutes Einzelwohnen im selben Apartment finden, weil Mona hat die Schnauze von der WG auch gestrichen voll. Ich meine, sie ist 20 Jahre älter als ich und wenn uns das Bevormunden scheinbar (wie im geschützten Eintrag) so nervt, will ich gar nicht erst wissen, wie es ihr damit gehen muss. Und Mona ist ja jetzt gewiss keine Person, die nicht total strukturiert, kalkuliert und ordentlich in ihrem Leben umgehen kann. Ihre Traumafolge sind ja die zwei komplett voneinander getrennten Anteile. Das Innere, verletzte Kind, das sie in eine tiefe Schwärze und Leere ziehen kann und die Erwachsene, die große Pläne für sich hat und sehr konstruktiv denkt. Bei ihr geht’s halt in den Anteilen immer krass ins Schwarz oder Weiß, aber sie ist reflektierter als 90 % der Erwachsenen, die ich bisher in meinem Leben kennengelernt habe. Ich kann mir unter „völliger emotionaler Leere“ und „total viel Gefühl und Freunde und Liebe“ so im Umschwung gar nichts vorstellen, aber wenn ich es versuche mich da hineinzuversetzen, dann stelle ich mir das echt extrem anstrengend vor.

2017 hatte ich ein einziges Mal eine Phase, wo ich Wochen, wenn nicht sogar Monate lang eine emotionale Taubheit und Leere empfunden habe, weil gar nichts mehr weiter ging, weil alles sinnloser wurde, mir jede Hilfe verwehrt war und ich weiß noch, wie dann der Entschluss stand, dass ich sterben will und wie ich angefangen habe alles für den 28. Dezember 2017 vorzubereiten – plötzlich war ich richtig erfüllt und ausgelassen, glücklich und irgendwie wieder lebendig, aber nur weil ich wusste, dass mein Leben bald ein Ende hat. Sobald ich in die Richtung gegangen bin, weiterleben zu müssen, holte mich wieder die emotionale Taubheit ein und es ist irgendwie so paradox gewesen, dass mir der Gedanke, in wenigen Wochen tot zu sein, total belebt hat und ich auf nichts mehr hin gefiebert und mir nichts mehr gewünscht habe, das hinter mich zu bringen. Und selbst im Rückblick, so tragisch das auch klingt, war das neben der Zeit zwischen Ende 2015 und Anfang 2016 eines der schönsten Zeiten meines Lebens. Ich habe mich nie entschlossener, motivierter und so frei gefühlt… Bis mir ja die Polizei jäh einen Strich in die Rechnung gemacht hat und ich für fünf Monate mit vier Unterbringungen in der Geschlossenen gelandet bin und unter Dauer-Retraumatisierung stand… Wie ich die Zeit „heil“ überstanden habe (na ja, ich kam ja dann mit einer kPTBS, Dissoziativen Amnesie und dem v.A. DIS von der Gutachterin wieder raus) weiß ich wirklich nicht, ABER, ich habe es irgendwie „heil“ überstanden.

Wenn es mir richtig, richtig dreckig geht und mir alles über den Kopf wächst, dann denke ich in zwei Richtungen: Entweder erinnere ich mich dann an 2017 und wie glücklich ich mich gefühlt habe, als ich alles auf meinen Tod vorbereitet habe, aber dann werde ich wehmütig, weil ich die Zeit zurückdrehen und es zu Ende bringen wollte; oder in eine Andere, aber die möchte ich nicht erzählen. Geheimnisse brauche ich ja auch noch. Geht auf jeden Fall eher in die Zukunftsrichtung und fühlt sich recht schön an, aber es ist eine Veränderung und jede Veränderung ist mit Angst verbunden, deshalb ist meistens der erste Gedanke eher der Leichtere und der Wunsch, es wäre wieder 2017, ein paar Tage, bevor die Polizei vor meiner Tür stand, um mir eine Zettel in die Hand zu drücken, wegen dem sich jede Lüge nur noch wie ein Witz anhört, weil schwarz auf weiß festgehalten und bewiesen war, dass für mich der 28. Dezember 2017 der letzte in meinem Leben gewesen sein sollte. Ich weiß bis heute nicht, wie die Polizei an diese Dokumente gelangt ist…

Wieder total vom Thema abgekommen. Also ich kann mich zwar nicht in Mona hineinversetzen, ich kenne nicht dieses Schwanken von „extrem leer“ und „extrem glücklich“ fühlen, aber – ach ja, da bin ich abgeschweift: ich kenne eben doch dieses Gefühl, emotional sich nur noch leer und traurig und in einem Abgrund zu fühlen. Eben als ich dann den Entschluss gefasst habe, nicht mehr leben zu wollen.Und das allein war schon anstrengend, sich so zu fühlen… dann noch die Vorstellung, dass es vom Einen ins Andere schwankt, würde mir glaube ich den Verstand rauben. Und gerade deshalb bin ich so fasziniert davon, wie reflektiert Mona ist, also soooo viel reflektierter als gefühlt tausend Andere 40-Jährige, die ich kenne! Und die kriegt auch mehr auf die Reihe und hat mehr Ressourcen und Fähigkeiten wie viele andere, denen ich begegnet bin.

Und klar, manchmal geht sie mir riiiichtig auf den Keks mit ihrem „nicht wissen was ich will“ und manchmal könnte ich einfach nur Abkotzen wenn sie anfängt zu analysieren oder Dinge anzusprechen, die ich gerne leugne und übersehe, weil ich zwar weiß, dass es so ist, aber ich dies und jenes an mir hasse und deshalb nicht wahrhaben möchte. Aber allein das zeigt halt, was sie drauf hat. Naja und das liegt ja dann nicht an ihrer Person. Ich hasse einfach Unzuverlässigkeit wie die Pest und da gibt es ja viele Menschen mit Depressionen o.ä., die halt, wenn sie in einer tiefen Depression sind, überhaupt nicht mehr zuverlässig sein können, und das hasse, hasse, hasse ich. Minka ist ja auch so jemand z.B. Wenn sie Depressionen hat, sagt sie Dinge zu, und kurz vorher wieder ab. Sowas kaaaannn ich nicht ausstehen und kriege total den Kotz, aber das heißt nicht, dass ich Minka und Mona deshalb weniger lieb habe. Ich lieb sie genauso wie sie sind, an ihnen werde ich nichts ändern können (und da mache ich jetzt nicht auf Scheinheilig): auch wenn ich es gerne wollte (also dieses Unzuverlässige). Ich wünschte manchmal echt, ich könnte einen Knopf drücken, damit sie wissen was sie wollen, aber ich werds nicht können und trotzdem lieb ich sie. Höchstens werde ich irgendwie daran arbeiten müssen oder lernen müssen, meine Verärgerung über unzuverlässiges Verhalten eher in Gelassenheit zu ändern … oder so. Es ist eh leichter an sich selbst zu arbeiten, als andere Menschen verändern zu wollen. Das führt nur zu mehr Ärger und Frust 😀

Seit einigen Tagen habe ich übrigens wieder total Rückenschmerzen. Ich habe ja schon seit Jahren, also seit ich 16 oder 17 bin immer wieder Rückenschmerzen und seit ich 20 bin werden die immer schlimmer, schubweise. Heute habe ich mal Rückenübungen gemacht und möchte sie täglich machen. Das sind drei Übungen, die man 2,5 Minuten halten soll. Tat irgendwie total gut und haltet mich für bescheuert, aber ich habe echt kurz überlegt mit leichten Yoga Übungen anzufangen. Das kam für mich ja Erstens nicht in Frage, weil ich das irgendwie… keine Ahnung, ich verknüpfe das immer mit Skinny-Bitches und „ich bin im Einklang mit mir selbst“, und ich bin ja eher der „ich bin voll im Einklang mit mir selbst, du Ficker“, aber Zweitens und das sogar hauptsächlich wegen dem Kontrollierten Atmen. Sobald ich mich auf die Atmung konzentrieren soll oder Therapeuten mit Atemübungen kamen, bekam ich sehr schnell Atemnot, und das sah wirklich nicht gut aus. Endet dann häufig in Hyperventilieren und einem komplett verkrampften Körper wegen Sauerstoffmangel (oder so, ich weiß nicht, mehr, was die Ärztin in der Geschlossenen da mal gesagt hat: Da lag ich auch völlig verkrampft am Boden und konnte mich nicht bewegen und bekam keine Luft, meine Hände waren richtig steif und wie so ein „Krallengriff“ verhärtet und die Oberärztin und Pfleger meinten, ich spiele das bloß vor, bis dann zufällig eine Stationsärztin vorbeikam, die sich auf den Boden hockte und sich mir annahm. Kann mich nicht mehr erinnern was sie gesagt hat, ich glaube kurz war ich dissoziiert, aber als nächstes weiß ich noch, wie mein Körper nicht mehr versteift war, ich anfing immer ruhiger zu atmen, zwar noch am Boden lag, aber sie meinen Rücken in eine bestimmte Richtung im Kreis streichelte und dabei irgendwas sagte und meine Hände drückte, die waren noch steif). Also ja, so ungefähr sieht es aus, wenn ich anfangen soll Atemübungen zu machen. Oder gegebenfalls es selbst mal versucht habe. Liege am Boden wie ein Holzklotz und als hätte ich irgendeinen Anfall.

Mittlerweile geht es besser. Ich war ja für zehn Sitzungen bei der Körpertherapeutin (weiß nicht mehr, wie ich sie genannt habe). Und ihr habe ich das erklärt, sie hat es ernst genommen und hat mit mir „Atemübungen“ gemacht, wo ich einfach nur versuchen soll darauf zu achten, WO ich atme, bzw. wo die Luft ist, die ich einatme. In den letzten zwei Sitzungen war es schon möglich, dass ich bewusst in Bauch oder Brust atmen konnte und das sogar kontrollieren kann. In der letzten Stunde sollte ich mal meine Hände auf meine Rippen legen und spüren, wie die sich weiten, wenn ich in die Brust atme.

Die Übungen habe ich alleine nie wieder gemacht, aber hin und wieder ertappe ich mich dabei, wie ich versuche ruhiger und bewusster zu Atmen und das geht dann auch. Aber Sowas wie „atme so und so lange ein“ und „so und so lange aus“, geht bei mir nicht. Da gibt es ja diese… 7/4/8 Übung, und die schießt mich total ins Aus.

Aber ich finde dafür habe ich echt schon Fortschritte gemacht und vielleicht fällt mir der Gedanke, mit leichten Yoga-Übungen anzufangen (solange mir in Übungsvideos nicht vorgeschrieben wird: „JETZT atme ein, JETZT atme aus“ oder „beim Rücken Druchstrecken Ausatmen, beim Rücken Krümmen einatmen“). Und außerdem werde ich einen anderen Begriff dafür suchen, weil ich finde Yoga ist sooo ein furchtbarer Begriff, weil der mich immer so an „ich bin totaaaal im Einklang“ erinnert und sowas nervt irgendwie.

Weiß gerade gar nicht, was ich überhaupt schreiben wollte… Weiß gerade nicht mehr worum es ging, … Naja, auf jeden Fall will ich auch wieder weniger essen. Ich habe so zugenommen und fühle mich wirklich GAR nicht mehr wohl in meinem Körper. Aber da ich mich lange keinen Sport mehr gemacht habe, ist meine Kondition auch wieder total weg und ich könnte nicht einfach wieder mit langem Joggen anfangen. Es liegt ja auch daran, dass ich mit Jimmy keine großen Runden mehr gehe/gehen soll. Wir zwei müssen wieder ganz von vorne an der Bindung arbeiten.

ACH JA, das wollte ich eigentlich mal Leute mit DIS fragen, die einen Hund haben. Jimmy ist ja ein total unsicherer und verängstigter Hund und hat nicht mehr viel Vertrauen in mich. Habe ja schon verdammt oft gehört, z.b. von Ari und Mona oder Minka, dass sie an Jimmy merken, wenn jemand anderes da ist. Ich habe ja dann Ari mal gefragt wieso das so ist und ich habe mich an einen Fachtag erinnert, wo so ein Gehirndoktor erklärt hat, wie so ein Wechsel im Gehirn stattfindet und wieso sich da Stoffwechsel- und Hormonhaushalt verändert. Und Ari hat mir eben erklärt, dass Menschen in den Kniekehlen z.B. sehr intensiv riechen und Hunde oft in die Kniekehle schnuppern (also weil die ja eine gute Nase haben, reicht es, wenn sie nur in die Richtung kurz schnuppern). Bei Jimmy fiel mir ja dann zunehmend auf, dass er während dem Spazierengehen extrem häufig, fast nach allen zwanzig Minuten, seine Nase in meine Kniekehle stupst oder eben in die Richtung riecht und mich hin und wieder dann anschaut. Dann habe ich erfahren, dass bei einem Wechsel in der Persönlichkeit irgendwie so ein „Verwesungsgeruch“ entsteht (das man als Mensch natürlich nicht riechen kann). Die Frage ist jetzt, ob Jimmy nur die Wechsel wegen des Verwesungsgeruchs erschnuppert, oder ob er auch riecht, wenn und/oder vielleicht sogar WER wechselt. Ich frage mich, ob gewisse Ichs von mir wirklich einen eigenen Geruch haben für Jimmy. Ich weiß ja zumindest, dass ein Ich eine Fructose Intoleranz hat (oder so?)… zumindest weiß ich von Erzählungen, dass diejenige nur ein, zwei Erdbeeren essen braucht und dann Durchfall und Magenbeschwerden für den Rest des Tages hat. Als mir das erzählt wurde, musste ich aber daran denken, wie ich mir vor ein paar Wochen täglich Obstsalat, drei Mal am Tag, gemacht und gegessen habe und überhaupt gar keine Probleme hatte. Also ja, irgendwie muss das mit dem Stoffwechsel wohl stimmen (hat der Gehirndoktor da ja auch erklärt), aber das eben mal so als Randinfo.

Auf jeden Fall ist es so, dass Jimmy dadurch natürlich null Sicherheit hat. Klar ist dann jeder von uns dann auch ganz anders (zumindest laut Mona), in der Beziehung mit Jimmy. Sie hätte wohl schon welche von mir erlebt, die ihn quasi „vergessen“ oder ihn gar nicht „wahrnehmen“ oder welche, die total genervt von ihm sind und immer sehr zickig sind, wenn Mona mit beim Spazieren ist. Dann gibt es welche, bei denen Jimmy total vorbildlich bei Fuß läuft… (das kenne ICH jetzt wiederum überhaupt nicht von ihm, ich bin gefühlt seit zwei Jahren dabei mit ihm zu üben Fuß zu laufen, weil er bei jedem Spaziergang eigentlich nur völlig gestresst in die Leine geht, mich überholen und die Verantwortung übernehmen will)… hmpf. Ich wünschte, ich könnte ihm mehr Sicherheit geben und ich frage mich, ob andere Hunde, die mit DIS Menschen zusammenleben, genauso unsicher sind wie Jimmy.

Naja, und jetzt habe ich erfahren, dass wenn ich mit der Schleppleine mit Jimmy in den Wald gehe, mir alles verbaue, was ich mit ihm an Fuß Laufen gelernt habe. Das heißt, ich muss zurzeit konsequent mit ihm an der kurzen Leine gehen, wenn er mich überholen will, mit einem Fuß vor ihn treten, also quasi ihn so einschränken, mich zu überholen und ihn nur zum Pieseln, Kacken oder bisschen schnüffeln an die lange Leine lassen, damit er eben lernt, sich an mich zu orientieren. Mit der Methode klappt das wirklich erstaunlich oft eher besser als schlechter. Es gibt mittlerweile sogar echt manchmal längere Strecken, wo er an durchhängender Leine direkt neben meinem Bein, Fuß läuft. Und wenn er eine Katze, einen anderen Hund oder Ball oder sowas sieht, dreht er zwar immer noch extrem durch (bellt, winselt, jammert, springt in die Leine, dreht sich), aber in zwei Minuten hat er sich wieder im Griff (oder ich ihn), weil ich einfach konsequent so weitergehe. Früher hat er sich so da reingesteigert, dass der ganze restliche Spaziergang nur noch von in die Leine ziehen, im Zick Zack laufen und aufgeregtem Hecheln bestand.

Aber weil diese Art von Fußlaufen üben für Jimmy sehr viel Konzentration abverlangt, schafft er es eigentlich nur zehn bis maximal zwanzig Minuten sehr konzentriert das mitzumachen, danach schlägt es um in Überforderung und er wird wieder gestresst, unruhig. Weshalb ich eben keine langen Spaziergänge mehr mache, sondern nur noch kurze und bisschen mehr am Tag. Das bedeutet für mich aber halt auch viel weniger körperliche Bewegung. Sonst sind Mona und ich mit Jimmy ja jeden Tag bergauf, bergab spaziert und das über Stunden (hochgerechnet am Tag).

Mich erschöpft diese Art von Fußlaufen Übung auch sehr, weshalb ich meistens nach so einem Spaziergang dann erst einmal mich nur noch in den Garten setzen und nichts tun will (weil auch von meiner Seite muss ich 100 % Konzentration geben). Naja und irgendwie esse ich zwar nicht anders als sonst, aber wegen der weniger Bewegung habe ich zugenommen und fühle mich wirklich eklig. Ari kam vorher auch mit zwei Semmeln und eigentlich sind die vom Sesar soooooo lecker und mir ist echt der Appetit gekommen, aber dann habe ich mich in meinen Körper reingefühlt, und den Gürtel am Bauch gespürt, und mich daran erinnert, wie schlecht es mir vor ein paar Tagen wegen meines Körpers ging und habe sie gebeten, die Semmeln wieder mitzunehmen. Ich habe mir vorgenommen, jetzt erst einmal nur einmal am Tag etwas „Großes“ zu essen und langsam mit kleinen Sportübungen anzufangen. Und wenn ich dann wieder mehr an Sport und Bewegung in meinen Tag bauen kann, erhöhe ich auch die Mahlzeiten. Aber so wie mein Körper gerade ist, nervt er mich nur und ich fühle mich einfach nicht gut. Ich weiß, ich bin nicht fett oder so, aber ich bin eben auch nicht wirklich dünn und ich halte nichts von Idealen und besonderen Körpermaßen und es ist für mich auch nicht so, dass ich jetzt Dicksein „schöner“ finde als „Dünnsein“ oder andersrum, aber ich fühle mich einfach beweglicher, wenn ich weniger wiege und nicht so träge.

Weiß jetzt echt überhaupt nicht mehr, wieso ich den Eintrag überhaupt angefangen habe……..….. ich glaube ich trinke jetzt erst einmal Kaffee und bin ein Minütchen verwirrt 😀

Erstaunlich

Es geht mir unerwartet gut heute. Und auch gestern Nachmittag war soweit alles okay. Ich habe gemerkt, dass meine Emotionen sich sehr weit zurückgezogen haben. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob dieser Funktionsmodus in dem ich gerade bin, wieder irgendeine Verdrängung oder ein erlerntes Verhalten von traumatischen Tagen ist (also, rückblickend in der Vergangenheit kann ich mich meistens an so ca. eine Woche ab dem 19./20. Juni nicht erinnern. Ich bin mir sicher, wenn ich im Blog nachlesen würde oder meine Tagebücher und Kommunikationshefte durchschauen würde, würde ich Einträge finden, aber grundsätzlich ist da erst einmal auf Anhieb nichts, was ich erinnern würde, was ja irgendwie wieder auf Gewalt hindeuten könnte/würde [wenn ich wirklich Gewalt erlebt habe und viele bin und mir das nicht nur ausdenke und schauspielere…. ])

Auf jeden Fall waren Sonntag und Montag keine leichten Tage. Ich hänge unten noch Fotos von zwei Einträgen dran, weil ich da eigentlich nicht genauer drauf eingehen möchte… Möchte die Tage einfach „vergessen“ und hinter mir lassen.

Abgesehen davon fühlt es sich fast gar nicht mehr so an, als wären wir drei Tage weg gewesen. Bildlich sind da schon Sachen. Der Garten, das Kloster, die Menschen im Speisesaal, Ari, der Wald, Spazierengehen, einen Film ansehen… aber von den Emotionen ist da gar nichts mehr greifbar. Ich könnte nicht zu hundert Prozent sagen, ob ich mich gut gefühlt habe oder nicht. Ich würde jetzt grundsätzlich sagen ja, aber ganz ehrlich: Ob das die Wahrheit ist, steht 50:50.

Dann wäre da die Sache mit dem, dass wir aus der WG sollen: Klar, irgendwo jagt es natürlich wieder Angst ein, dabei hatte ich ja sowieso irgendwie gesagt, dass ich auf andere Menschen verzichte und lieber alleine eine Wohnung suche, weil ich(wir) die Schnauze voll habe(n), dass in der Hinsicht auf Menschen kein Verlass ist. (Das hat zumindest jemand von uns in einem Eintrag so geschrieben [falls ich wirklich viele bin und das nicht nur schauspiele]) Dabei finde ich gerade so Sachen die die Zukunft angehen mit gemeinsamen Wohnen verdammt wichtig, da eine Verlässlichkeit zu haben, weil man mit Sprunghaftigkeit damit Menschen ganz schön in die Scheiße reiten kann, wenn man erst sagt „ja, ich will mit dir ne WG gründen“, dann aber nach nem halben Jahr doch abspringt. Oder den anderen eben dämlich nach Immobilien Ausschau lassen hält, die man sich eben nur zu dritt, aber nicht alleine leisten kann und dann damit Zeit vergeudet, anstatt dann eben nur für sich selbst zu sorgen… (ufz). Diese Situation habe ich jetzt sowohl mit Bay, Lena, als auch mit Mona gehabt und irgendwann reicht es einfach.

Aber jetzt wird es so greifbar, dass wir vermutlich aus dem Übergangswohnen raus sollen (falls wir es richtig verstanden haben, Ari will mit uns da noch einmal drüber reden), dass jetzt erst die ganzen Sachen einfallen, was 2016/17 alles passiert ist, als ich im Apartment von der Jugendhilfe gewohnt hab. Und dann kommen Ängste, größten Teils sogar um Jimmy, dabei frage ich mich gleichzeitig, was das 2016/17 alles wirklich war, wenn ich vielleicht nicht doch alles nur ausdenke und schauspiele und es in Wirklichkeit keine Gefahr geben sollte. Waren das Aneinanderreihungen von unglücklichen Zufällen? Viel eher von echt unheimlichen Zufällen? Das weiße Auto, das mich nachts verfolgt hat (und ich weiß bis heute nicht, wieso ich um drei Uhr nachts in Schlafanzug draußen in unserer Wohnsiedlung spazieren war), die Männer die nach der Ausbildung im Dunkeln in der Winterzeit vor der Einfahrt gewartet haben und ich mich eigentlich nur noch an den glühenden Zigarettenstummel irgendwo in der Gesicht Gegend schweben sehe, weil sie so stark im Schatten standen, dass ich sie nicht erkennen konnte? Der seltsame Typ, der mit seinem komischen Waveboard mich auf dem gottverlassenen Parkplatz beim Netto um 21:00 aufgeholt und in ein Gespräch verwickelt hat und nicht gehen lassen wollte? („Ich wollte eben nach Hause gehen“ – „Lass mich dich doch begleiten.“ – „Nein danke, das geht schon, meine Eltern warten auf mich“ – „Ich dachte, du wohnst mit einer Freundin zusammen?“ – „Oh… ja, sie wohnt mit mir dort“ – „Ich würde dich trotzdem gerne begleiten, ich könnte dir auch noch Pizza backen und wir könnten dazu einen guten Wein aus meiner Heimat trinken“)… wie ich um 22:30, als ich ihn immer noch nicht los hatte, aus der Not heraus Bay schrieb, und sie Gott sei Dank sich sofort in ihr Auto setzte und zu mir fuhr, um mich als Alibi Freundin abzuholen. Ich erinnere mich, wie ich in ihr Auto stieg und ich mich von dem Typen verabschiedete und Bay und ich noch eine Weile sitzen blieben, weil ich so zitterte und Bay wissen wollte, was das für ein Typ war und was der wollte (weiß ich bis heute nicht). Und ich erinnere mich an diesen irritierenden und erschreckenden Moment, als wir um die Ecke des Netto Gebäudes sahen, wie der Typ in ein weißes, teures Auto mit verdunkelten Scheiben auf den Rücksitz einsteigt und sie warteten, bis wir an ihnen vorbeifuhren… (Ich sagte Bay, sie soll ein paar Runden durch das Viertel drehen und auf keinen Fall sofort zu mir nach Hause). Oder als Bay, während wir in der Heimatstadt bei den Eltern waren, auf die Kaninchen aufgepasst hat in unserem Apartment und Spätabends von einem Typen terrorisiert wurde, der ständig klingelte und sie nach draußen holen wollte und der erst ging, als die Nachbarn aufmerksam wurden und mit der Polizei drohten (oder sie sogar riefen, weiß nicht mehr, was Bay gesagt hat).

Klar, vielleicht könnten das rückblickend wirklich nur Zufälle sein, aber dann erinnere ich mich an Nina (die 45-jährige die ich ja auch schon lange aus so medialen Aufstellungen kenne, wo ich mit 18 das erste Mal hin bin) und mit der ich mich dieses Jahr getroffen habe… (und diese Strangulierungs-Male am Hals hatte, die ja auch die Hausärztin dokumentiert und als Fremdeinwirkung bestätigt hat), und als Nina mir dann erzählte „Das sieht ja fast aus wie als du damals für lange Zeit verschwunden warst“ und ich sie wie aus allen Wolken gefallen anblinzelte, weil ich nicht wusste wovon sie spricht und sie mir erzählt, dass in dem halben Jahr/Jahr, als Bay bei mir gelebt hat, sie Carmen (meine Ex) und Nina angeschrieben hat, ob ich bei ihnen wäre, weil ich nicht nach Hause gekommen sei. Nina erzählte mir, dass Bay ihr erzählt hat, ich sei im Wald gewesen und hätte am Körper blaue Flecken und anderes Zeug. Bin mir nicht mehr sicher, was Nina gesagt hat, woher Bay weiß ob ich im Wald war (und weiß auch nicht mehr, ob ich nachgefragt habe, wieso sie denken/wissen, dass ich im Wald war). Und dann macht mir das Angst weil mir bewusst wird, dass es noch viele Situationen geben könnte, an die ich mich gar nicht erinnere und die ich evtl. nur durch (un)glückliche Zufälle in einer Konversation mit vertrauten Menschen erfahre, die es miterlebt haben. Ich bin durcheinander.

Es ist auf jeden Fall so: Ich frage mich, was alles für Dinge passieren können, was ich alles tun könnte, woran ich mich dann nicht mehr erinnere und die Dinge nie erfahren werde, weil es ja keine Menschen mehr gibt, mit denen ich zusammen wohne, durch die ich es durch Zufall mal erfahren könnte? Meine Gedanken spinnen so weit, dass ich mich frage, ob ich auch einfach für einige Wochen verschwinden könnte, ohne mich im Nachhinein daran zu erinnern, denn wie ist sowas in Gottes Namen möglich, sich an so Ereignisse, wie Nina und Bay sie erzählen, sich überhaupt nicht zu erinnern? Dass sie in meiner Welt und in meinem Leben zu 100 % nie geschehen sind? Außerdem frage ich mich, wie viele Dinge in meinem Leben noch so passiert sind, von denen ich nie erfahren werde, weil die niemand mitbekommen/miterlebt hat und verdammt, wieso tut mir mein Herz gerade so weh, weil ich mir so sehr wünschte, S. würde noch leben, um sie fragen zu können, weil sie wenigstens dasselbe erlebt hat und sie der einzige Mensch wäre, an den ich mich halten könnte, um mich zu vergewissern, dass ich mir nicht alles ausdenke? Ich wünschte, ich hätte damals den Mumm gehabt mich umzubringen, dann müsste ich mich jetzt nicht mit solchen Sachen rumquälen. Und frage mich, wieso es mir überhaupt wichtig ist, was andere denken? Naja, vielleicht weil mich das selbst beeinflusst, vielleicht, weil umso weniger andere Menschen mir glauben, desto mehr verliere ich den Glauben an mich und an alles, was ich sage und von mir gebe und erlebe. Ob ich nicht vielleicht doch halluziniere oder die Oberärztin aus der Geschlossenen damals recht gehabt hat und ich doch nur eine krankhafte Lügnerin bin? Vielleicht traumatisiert mich mein krankhaftes Lügenverhalten so sehr, dass ich sogar dissoziieren kann, wenn ich mir selbst Würgemale und Verletzungen zufüge, weil mein Gehirn es nicht erträgt sich einzugestehen, wie krankhaft ich bin? … ich fühle mich gerade so schrecklich und eigentlich wollte ich über das alles gar nicht schreiben, sondern ursprünglich wollte ich schreiben, dass ich darüber nachgedacht habe, dass wenn ich in dem Ort ein Apartment kriegen könnte mit Jimmy, es doch eine (umständliche) Lösung gebe, zur Arbeit und wieder zurück zu kommen, ohne Jimmy hundert Jahre alleine zu lassen. Ich müsste mit dem Bus zum Zug fahren und mit dem Zug müsste ich halt an dem Ort wo meine Arbeit ist vorbei fahren und dann von der Haltestelle am Zug in einen Bus, der zu meiner Arbeitsstelle fährt und das gleiche Prozedere rückwärts. Ist klar total der Aufwand und unnötige Kosten, aber damit wäre ich schneller als zu Fuß und mit dem Rad (je nachdem). Und naja, ich spaziere ja wirklich gerne, aber sicher nicht bei 25 Grad Plus (wo ich Hitze ja eh nicht ertrage) und ich denke, bei Minusgraden ist es auch nicht  so toll. Wäre mir zwar eindeutig lieber als im Sommer, aber vermutlich bei meinem Talent nicht viel ungefährlicher, irgendwo auszurutschen und auf die Fr*** zu fliegen. Zumal ich da durch mehrere Wälder laufen müsste, die zu den Morgenstunden im Winter nicht beleuchtet sind und ich denke, ich bin zwar ein großes Mädchen und weiß, dass es keine Geister und Monster und so etwas gibt, aber trotzdem würde das meine Psyche nicht lange mitmachen, im Dunkeln durch Wälder zu spazieren. (oder aber sie gewöhnt sich daran, wenn man es täglich macht)… was weiß ich schon. Auf jeden Fall ist mir die Lösung mit dem Zug dann eingefallen und finde die eigentlich gar nicht so schlecht. Klar, ich werde dann morgens vermutlich 10 x überlegen, ob ich wirklich zur Arbeit will/kann (weil Schülermengen versetzen mich nach wie vor in eine Angststarre und dann dissoziiere ich weg oder bekomme eine Panikattacke) und auch wenn ich jetzt schon älter bin als Jugendliche, ändert das nichts daran dass ich weiß, wie sie mich in Toiletten gesperrt und Waterboarding betrieben haben, mir einen Zirkel durch die Hand gejagt, mich an den Haaren gezogen oder mich einmal quer durch den Schulflur geschleudert haben, erinnere mich trotzdem an jede einzelne Demütigung und Beleidigung und wie sie Morgens auf dem Schulweg mit Steinen nach mir geschmissen haben). Ein Teil von mir denkt, ich habe ja (wenn ich mir das nicht nur ausdenke) auch schon Schlimmeres überlebt. Aber dieses Schlimmere ist nicht (fast gar nicht) so in meinem Bewusstsein wie das Mobbing in der Schulzeit. (Und ich frage mich gerade auch, wenn ich wirklich viele wäre, wieso haben diese Mobbingerlebnisse nicht Anteile von mir übernommen, damit ich davon nichts weiß und ganz normal unter Schüler treten kann, ohne Panikattacken oder Mordgedanken ihnen gegenüber zu bekommen?)… Ja, ich muss jetzt mal Schluss machen… kann mich gerade eh an die Hälfte des Eintrags nicht mehr erinnern und weiß gar nicht, was ich überhaupt schreiben wollte.

Ach so, Edit… die Fotos.

 

Es kommt wies kommt.

Wow… so viel Botschaft auf einmal, ist echt nicht leicht zum Kauen und Verdauen…

Die Tage hab ich mehr oder weniger gut überstanden… aber darüber will ich gerade nicht schreiben.

Die erste Info die wir bekommen haben hat mir schon einen Schlag in die Magengrube versetzt weil mir das gezeigt hat, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann… Frau Honig hat wohl mal in einer Frage an eine Person die uns am längsten kennt geäußert, ob wir das nicht schauspielen. Diese Message kam so unerwartet, dass es mir irgendwie den Appetit beim Eisessen verdorben hat. Konnte den Becher dann auch nicht mehr fertig essen.

Ich habe mit Mona darüber gerdet, sie meinte, wenn das so wäre, müsste ich einen IQ von 200 haben. Innerlich fragte ich mich, wer denn sagt, dass es vielleicht nicht wirklich so ist? …. mein altes Muster wäre jetzt wütend und eher angreifend-trotzig zu reagieren. Zu sagen „Ich hasse alle Menschen, ihr könnt mich alle mal, vielleicht habt ihr Recht und ich schauspielere alles nur, weil ich nichts besseres zu tun habe und mir Anteile erfinden musste um an irgendwelche Ziele zu gelangen, und da ich das nur schauspiele ist auch der ganze Ausstieg nur eine scheiss Lüge weil wir nie Gewalt in rituellem, organisierten Kontext erlebt haben, und ups, weil ich das ja nur vorspiele höre ich auch auf in Mehrzahl zu reden/schreiben, denn eigentlich bin ich nur ein krankhaft aufmerksamkeitsgestörter Mensch, vielleicht histrionisch oder so“. Ich würde so wütend sein und so eine leck mich am Arsch Einstellung einnehmen, dass ich wieder jeden von mir stoße, den ich gerade ansatzweise an mich rangelassen habe… aber… das kommt mir kindisch vor… stattdessen lass ich grad zu, dass da in der Brustgegend etwas sehr schmerzt und Tränen einen Weg nach draußen finden wollen (aber nicht können)… höre wirklich in mich hinein, was dieser Vorwurf in mir auslöst und höre sehr verschiedenes, am Lautesten natürlich das alte Muster, aber wenn ich hinter das alte Muster lausche, eigentlich nur tief Verletztes und Enttäuschtes.

Klar, ich fühle mich auch wie ein Idiot… und das „vielleicht schreib ich nicht mehr in Mehrzahl“ ist gar nicht bloß Trotz-Verhalten…. sondern es fällt mir gerade wirklich schwer… in Verbindung zu dem Gefühl, ein totaler Idiot zu sein… mein Innertes mit allem was dazugehört und dem Innenleben Menschen preiszugeben, die mich aber bloß für Schauspieler halten… es ist, als hätte man sich vor jemandem ausgezogen um danach zu erfahren, dass hinter unserem Rücken darüber gelacht wird, wie hässlich der Körper ist. Komischer Vergleich, aber irgendwie fühlt sich das so an…. und am schlimmsten ist das Gefühl, dass Frau Honig aber von Anfang bis Ende so getan hat als würde sie auf alle von uns eingehen. Und sie wirft mir Schauspielerei vor… Entschuldigt, aber in der Beziehung sehe ich sie gerade als hinterweltlerischer als mich.

Das gerade zu verdauen…. ist verdammt schwer und ich glaube im Moment gar nicht möglich. Dieser Verletzung nimmt mich gerade so ein, dass ich wirklich am Sinn der ganzen Sache zweifle und eigentlich die Motivation eine neue Therapeutin zu finden vollkommen verlassen hat… und ich im Allgemeinen auch am Ausstieg zweifle… und mich frage … ach, weiß auch nicht…

Die nächste Hiopsbotschaft (und die wundert mich aber nicht) ist die, dass der Leiter vom Fachbereich uns rausschmeissen will. War ja irgendwie zu erwarten. Mona nennt uns ja schon länger Systemsprenger und dass die Betreuer und Mitarbeiter nicht damit leben können, dass wir nicht kontrollierbar sind. Und ich habe mich sowieso gewundert, dass sie mich noch nicht geschmissen haben. War natürlich froh, dass es nicht so ist – auch wenn ich hier nicht freiwillig bin, aber anders gesehen wäre/bin ich obdachlos.

Nun ja, jetzt ist dem Leiter eben der Kragen geplatzt, weil wir schon wieder untergetaucht sind… und jetzt meint er, es wäre besser wenn wir alleine wohnen und sucht nach einem Einzelbetreutem Appartment. Wieder ein Ortswechsel auf Zeit…. und das wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte endlich, nach diesem Übergangswohnen hier, ein festes Zuhause finden. Und noch dazu wäre das in dem Ort der mir Magenschmerzen bereitet und ich jetzt schon drüber nachdenke, wie ich dann hier weiter arbeiten soll, weil ich zwar nur vier Stunden am Tag arbeiten muss, aber wegen den Öffentlichen dann erst nach neun Stunden wieder Zuhause wäre, wenn ich laufen würde in sechs, was bedeutet, Jimmy wäre sechs bis neun Stunden am Tag alleine. Das geht nicht. Und dann kreisen meine Gedanken in der Panik schon wiedet um die EM-Rente, aber verwerfe sie sofort wieder, weil ich jetzt auch noch Zweifel daran habe, sie verdient zu haben und was wäre, wenn ich mir das doch nur audenke und schauspielere und nicht doch einen hohen IQ habe, anstatt einer Posttraumatischen Belastungsstörung?

Ich bin gerade fix und fertig emotional. Naja, so schlimm ist es jetzt vielleicht auch nicht aber ja, auf jeden Fall fühle ich mich sehr verletzt und enttäuscht… von Menschen die an uns Zweifeln aber ihre Zweifel dann auch noch überspielen und uns etwas vormachen – und dazu habe ich jetzt auch noch Zukunftsängste. Als hätte ich die nicht sowieso.

Gleichzeitig denke ich mir: „Heul nicht rum, früher oder später wars klar dass sie dein Verhalten so nicht dulden.“ Und mir ist klar, dass wir eher sterben würden als uns an irgendwelche Regeln von Menschen in so einem Psy-Wesen halten und uns bevormunden lassen würden. Es geschieht mir also irgendwie recht. Angst macht es mir trotzdem…

Naja. Carpie diesen scheiß diem.

Unkonventionelle (peinliche) „Bewerbung“ bei einer Therapeutin

Sowas geschieht, wenn man mal nicht „aufpasst“

In unserem Gesendet E-Mail Postfach an eine gefragte und erfahren Thera (DIS, r.G.):

Liebe Frau ***,


2017 bekam ich nach der Dissoziativen Amnesie auch noch die Verdachtsdiagnose DIS von einer Gutachterin (Fr. Dr. ***) weil ich zu der Zeit vom 15. Dezember 17 bis zum 19. April 18 in der Geschlossenen untergebracht war… (Hölle…).


Von dort kam ich in ein Übergangswohnen zu einer Therapeutin die … ein wenig Erfahrung mit DIS hatte. Ich wollte lange nichts von der Diagnose hören und/oder sie nicht glauben. Ich wurde eigentlich mit 14 auf eine BPS diagnostiziert und hatte auch seit meinem 14. Lebensjahr immer nur Verhaltenstherapien mit der DBT Methode (Skills, Diary-Cards usw). Irgendwie kann ich mich an nichts erinnern, was ich da gelernt habe/hätte, dabei weiß ich, dass ich regelmäßig Skills gelernt habe und erinnere mich auch noch an Diary Cards usw, aber nur bruchstückhaft.
Eigentlich wollte ich mit Frau G** (der Therapeutin zu der ich dann im März 2018 kam) weiter DBT machen weil ich bzw ein Teil von mir noch davon ausging ich hätte Borderline. Von er Betreuung und Frau G* bekam ich aber ständig zu hören, dass sie nicht glaubt, dass das Borderline sei (wer weiß das schon). Frau G1 darf nicht diagnostizieren und da wir uns lange gedrückt haben (weil wir keine Lust auf eine weitere Diagnose hatten), hat sie gemeint „dann behandeln wir doch einfach mal nach deiner Verdachtsdiagnose und schauen, wie sich das entwickelt und wenn es nichts hilft, machen wir weiter mit der DBT, die du seit Jahren machst“.


Damit war ich irgendwie einverstanden. Anfangs fand ich das noch ganz „witzig“ und dachte mir „cool, lerne ich halt ein paar Anteile kennen, dann machen wir Traumaarbeit und das Problem ist gelöst“. Kam mir im ersten Moment einfacher vor als DBT (die ich ja nachweislich selbst nach mehreren Jahren und bei mehreren Therapeutin nicht auf die Reihe kriege…).“

(Ich glaube irgendwo in folgenden Absätzen sind wir in einen jugendlicheren Anteil gewechselt…. 🧐)


„Das Problem fing aber schon da an, dass ich mich zu Beginn nicht einmal an meine Kindheit erinnern konnte. Für mich ist es, als wäre ich mit zehn oder elf gerade aus einem schwarzen Loch in die Welt gefallen. Kennen Sie die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär? Ich meine mich zu erinnern, dass seine erste Erinnerung ist, wie er in einer Nussschale auf offenem Meer schwimmt. Keine Ahnung von wo er kommt. So ungefähr ging es mir (im übertragenen Sinne – ich weiß natürlich dass der biologische Vorgang unter meinen Eltern ne Rolle gespielt hat……)
Und nach dem Problem des Nicht-Erinnerns und dem Eingeständnis der Erinnerungslücken (bzw. eher dem Eingeständnis, dass es nicht normal ist nur  4 – 5 Stunden von einem Tag zu erleben (wirklich bewusst).Na ja und dann wurde alles unheimlicher.


Auf jeden Fall war ich eineinhalb Jahre bei Frau G*, bis ich merkte, dass diese Art von Therapie (auch wenn ich mich an maximal eine Hand voll Stunden erinnern kann) irgendwie Wirkung zeigte… irgendwann meinte sie dann, ich solle jetzt doch bitte endlich mal die Verdachtsdiagnose abklopfen lassen, und dann traute ich mich am 06. Juni 2019 im**** zu einer Diagnostik zu gehen. Wunderbar. Jetzt hatte ich neben der BPS und Bulimie (ich hatte nie Bulimie?!) und der Dissoziativen Amnesie auch noch eine kPTBS und eine DIS auf dem Diagnoseblatt. Dass ich keine Freudentänze gemacht habe, können Sie sich sicher vorstellen. Wer will schon als sozial völlig inkompatibler Mensch wegen diversen Störungen die auf einem Blatt festgehalten sind herumlaufen? Ich hätte kotzen können und einige Wochen oder sogar Monate hatte ich gar keinen Bock mehr auch nur irgendwas von DIS und Anteilen und Systemen und Kommunikation und Erinnerungsverlusten und Switchs zu hören. Bei jedem Begriff der in die Richtung ging, musste ich Ziegelsteine schlucken um nicht in die Luft zu gehen.


Irgendwann meinte Frau G*, dass sie mich nicht weiter betreuen kann. Sie meinte, ich sei ein „viel zu großes System“ und mit dem Hintergrund von ritueller Gewalt (was?) und aktuellem Täterkontakt (was?)  wäre sie viel zu unerfahren.


Naja, dann war sie weg. Oder wir. Nicht ganz, sie ist ja immer noch da, gehört ja zu der Einrichtung“ (zum Inventar… 🧐🤣) „in der ich lebe, aber sie war halt nicht mehr meine Therapeutin, nur bei Bedarf.

Weiß nicht… was so dazwischen war. auf jeden Fall war ich dann plötzlich bei einer neuen Therapeutin. Frau Honig.


War die Beste die ich bisher hatte. War auch extrem effektiv und mit ihr zusammen haben wir das alles mit der rituellen Gewalt und Täterkontakt und Ausstieg kapiert und wie das funktioniert und fingen mit ihr an ein Netzwerk aufzubauen… (ach ja… wir waren zwischenzeitlich während Frau G* auch bei Frau Sanft, die im Traumahilfezentrum  gearbeitet hat bei der Ausstiegsbegleitung… hm, dann haben wir wohl doch schon vor Frau Honig damit angefangen… wie auch immer und bei Frau Kunterbunt im Frauenhilfzentrum, nachdem Frau Sanft plötzlich aufgehört hat, um nicht ohne Unterstützung dazustehen, weil mit SW kommen wir nicht besonders gut zurecht


Ich habe den Faden verloren…


Egal, auf jeden Fall ist die Therapie bei Frau Honig auch abgebrochen, aber wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine Andere.


Auf jeden Fall sind wir seitdem irgendwie therapielos und „nur“ mit einer Freundin und dem Direktor dieser Einrichtung habe ich die Möglichkeit … ach hier wird’s verwirrend.

Irgendwie tauche ich seit März immer wieder unter, was mir der Direktor und die Freundin möglich machen. Sie erzählen mir manchmal, wie sie von irgendwelchen Autos verfolgt wurden oder als wir in der Geschlossenen waren zum Schutz für paar Tage, hätten zwei Leute vorm Eingang gewartet und dann ließ uns der Arzt durch den Hinterausgang gehen. Der Direktor sagte, uns hätte das Auto verfolgt…
Dann war ich zwei Mal in einer Ferienwohnung… die letzte Woche verbrachte ich bei einer Freundin… ach, alles schräg, ich komme mir sehr schräg vor… vielleicht bin ich auch doch nur paranoid oder schizophren und diese Verfolgungsjagd kann aufhören. Der Direktor hat die Kriminalpolizei auch schon eingeschaltet, aber die konnten nichts finden und im Brief stand, dass das auf meine traumabedingte dissoziative Störung beruht, da aber keine reale Gefahr ist, vielleicht stimmt das ja auch, ich weiß es nicht


Auf jeden Fall habe ich sie jetzt total zugelabert, aber ich dachte bevor sie diese Mail lesen und ich nur schreibe „könnten wir bitte nen Termin ausmachen“ und sie dann eh denken „ne, hab eh keinen Platz mehr“ und ich nicht einmal zu Wort kommen konnte, überrummpele ich sie lieber. Ich weiß, hat auch ein bisschen was von Übergriffigkeit weil vlt wollen sie es ja gar nicht hören, aber ich mags nicht, wenn man uns nicht zu Wort kommen lässt und das liegt irgendwie in der Natur von vielen Therapeuten (zumindest die die ich kenne9 und irgendwie ist das doch dann auch schon bisschen Selbstfürsorge, oder?


AACH SOOOO das Wichtigste fast vergessen… ich sollte Ihnen auf Anraten von der Traumapäpstin (Michaela Huber) schreiben. Sie sagte es ist wichtig auf meinem weg eine Therapeutin zu finden die sich mit Vielen-vielen auskennt und ich will ja auch ne Therapeutin die sich mit der Sache auskennt und nicht blankdreht, wenns emotional wird (Frau Honig). auf jeden Fall hat eine „Freundin“ von mir (sie ist so ca 25 Jahre älter, aber who cares, Alter bestimmt nur den biologischen Verfall) Kontakt zu ihr, diese Freundin ist nämlich auch Traumapädagogin und noch hunderttausend andere Dinge von denen man denkt, da müsste sie schon 100 sein, dabei ist sie erst ca Mitte Vierzig (denk ich!?)


ich denke, das wars von meiner Seite.


Ach so nein… ich hoffe dass Sie mir antworten oder sich bei mir melden. Ich hab schon überall gehört dass die Chancen bei Ihnen ein Platz zu bekommen irgendwie bei 0,01 % stehen, aber irgendjemand muss ja die 0,01 % sein.


Ach ja, meine Nummer, ist *** falls das einfacher ist und sie nicht so gerne Mails schreiben. Sie müssen auch nicht auf meine Mail eingehen, es würde reichen wenn sie sagen „ich werde in den nächsten fünf Jahren keinen Platz haben“ oder sie schreiben „okay, nächstes Jahr könnte ich euch dann und dann einen Termin zum Kennenlernen geben“.

Wäre völlig ausreichend, nur gar nicht antworten wäre doof, weil dann warten wir und warten und warten und warten


Vielleich rufen wir dann auch einfach mal an, irgendwann, wenn wir warten und warten und warten und wir nichts von Ihnen hören und hoffen dass wir Sie erreichen – einfach nur um ein Ja oder Nein von Ihnen zu hören.


liebe Grüße

J.“

Also… als ich die gelese n habe habe ich niiiiicht viel Übereinstimmung mit dem Erleben von der Verfasserin gehabt (also wie sie so die Diagnosezeit erlebt hat, den rest fand ich irgendwie unheimlich, ich hab die 13 1/2 Leben des Käpt‘, Blaubären meines Wissens nach nie gelesen und wenn das wirnlich so drinnen steht mit der Nussschale fände ich das ECHT unheimlich. Naja, so‘, bisschen

Einige Stellen… sind einfach nur üüüübelst peinlich und ich würde mich nicht wundern wenn sie uns ohne nach Briarcliff einweist (muhahaha SPASS). Aber zumindest wird sie vermutlich denken „Ach, bei der ist Hopfen und … (Malz oder Mais?) verloren“ (Google sagt Malz, ok).

Ich denke, wir können gleich nach ner nächsten Adresse Ausschau halten und schon mal Standard Mails verfassem mit „Suche nach einem geeigneten Platz zur Behandlung komplexer Traumafolgestörung, hätten Sie noch einen Platz?“

Verdammte Axt! Damit sowas einfach nicht nochmal passiert.

– Vika

Aktiver Ausstieg/passiver Ausstieg

Wie haben wir uns das eigentlich vorgestellt? Seit zwei Jahren sagen wir „Ja, ja, ja, wir wollen/müssen aussteigen“. Uns war auch klar, dass das heißt Kontaktabbruch zu bestimmten Menschen oder zumindest so wenig und vorsichtig wie möglich.

Klar, die letzten zwei Jahre haben wir nicht viel getan und rückblickend kommt es mir wie „passiver Ausstieg“ vor. Wir wollten (mal mehr, mal weniger), wussten aber nicht wirklich wie. Wir hatten Berta Beratungen, aber auch die waren nicht wirklich hilfreich. Will jetzt nicht sagen, dass Berta nicht hilfreich ist, aber uns hat es kein Stück weiter gebracht – es waren neunmalkluge Sprüche die wir schon kannten, bevor wir uns wirklich mit Ausstieg beschäftigten. Großes Interesse war nicht gegeben, eher ein „Abarbeiten und an die nächste Adresse schicken“. Von Berta wurde in großen Tönen gesprochen, ich finde, man hätte echt mehr erwarten können. Für uns war es einfach nur nervig und manchmal sogar maximal frustrierend. Vor allem wenn sich Berater einfach nicht mehr melden oder Gespräche im Keim ersticken lassen und man als Betroffener denkt „Aha?!“ weil zu mehr die Gedanken gar nicht führen. Wir machten zumindest die Erfahrung und von vier anderen Betroffenen haben wir schon Ähnliches (zum Teil sogar Unfreundlicheres) gehört.

Es war irgendwie nur ein Drumherum reden. Es war wie Kaugummi kauen, auf dem man schon seit Wochen kaut und der schon weich wird und zerfällt. Ausstieg. Ich weiß was ausstieg ist, hätte ich manchmal gerne in den Hörer geschrien oder in die E-Mails mit Großschrift geschrieben. Ich/wir wussten auch, dass man Unterkünfte suchen muss und ein Netzwerk aufbauen muss und selbst wenn Berta oder Traumahilfezentren zigtausend Adressen geben (wie zum Beispiel eine Schutzwohnung in Berlin, von der man selbst nach einem halben Jahr keine Antwort auf eine E-Mail bekommt?), aber alle belegt sind oder keine Plätze haben oder sich nicht als „das Richtige“ empfinden, steht man noch genau da wie zuvor und letztendlich heißt es immer: „Dann geht halt solange in die Geschlossene“ und wenn man in dem Punkt mal selbstfürsorglich für sich und sein Wohl und seine Entscheidungen einsteht, weil man weiß, dass da zwar der körperliche Schutz gewährleistet ist, aber jeder weitere geschlossene Aufenthalt in Kliniken retraumatisiert, ist man auch selber Schuld, wenn dann etwas passiert.

Ich möchte eigentlich gar nicht ins alte Muster verfallen und rumheulen und über andere auskotzen und mit dem Finger auf andere zeigen und schimpfen und nörgeln, ich weiß ja auch, dass Berta und Traumahilfezentren nichts dafür können, wenn es einfach zu wenig Angebote gibt, aber die Sachlage ist einfach: Menschen die in akuten (organisierten) Gewaltverhältnissen leben, haben keine große Chancen erfolgreich auszusteigen.

Und ich glaube genau das war es, was unseren Ausstieg lange passiv gehalten hat. Klar gehören da auch noch innere Umstände dazu, wie eben dass ein Großteil von uns noch nicht erreichbar ist, viele täterloyale Innenanteile etc. pp. Doch was ich auch beobachten kann ist, dass seit wir einen äußeren, sicheren Rahmen haben, auch viel mehr von uns ich erkenntlich zeigen und sich sogar für das Mitarbeiten am Ausstieg entscheiden. Ich denke nicht, dass erst die innere Bereitschaft gegeben sein muss, um einen aktiven Ausstieg anzugehen. Zumindest war das bei uns nicht der Fall. Bei uns konnte es erst anfangen als wir (einen) Menschen in unserem Leben gefunden haben, dem wir blind vertrauen und Anlaufstellen haben, die uns nicht entmutigen.

Ich denke sie sind der einzige Grund, wieso wir das so hinbekommen. Keine Therapie, keine Anlaufstelle (wie Berta, Krisendienst, Traumahilfezentrum oder Kliniken) haben in den vergangenen Jahren das bewirken können, was wenige Menschen außerhalb des Helfernetzwerkes innerhalb von einem halben Jahr bewirken konnten. Und eigentlich ist das traurig, denn diese Privatmenschen opfern mehr Energie und haben keine Supervisionen und Stützen, weil sie eigentlich nicht die Aufgabe haben Betroffenen wie uns zu unterstützen – und trotzdem kriegen sie mehr hin als bloß große Töne spucken und sinnlose Adressen zu verschicken und immer dasselbe zu sagen.

Jetzt sind wir also seit einem halben Jahr aktiv im Ausstieg. In der Zeit haben wir eine Therapeutin verloren, aber dafür viel mehr gewonnen.

Was mich aber so verzweifelt macht ist die Tatsache, dass ich nicht weiß wie wir das durchstehen sollen. Einfach habe ich mir das nicht vorgestellt, aber nirgendwo habe ich je gelesen, wie erschöpfend aktiv Aussteigen sein kann. Seit März sind wir alle drei bis fünf Wochen für ein bis zwei Wochen „auf der Flucht“. Kommen am Abend oder Tag aus der Unterkunft zurück, in der wir das Haus oder die Wohnung nicht verlassen dürfen und müssen am nächsten Tag einen völlig normalen, funktionierenden Alltag wieder annehmen. Kollegen anlächeln, Post und Aufträge entgegennehmen, den Briefkasten öffnen, alltägliche Dinge tun, die so völlig skurril und surreal wirken, dass die komplette Zeit und das komplette Gefühl sich verschiebt und dreht und man eigentlich überhaupt nicht mehr weiß, in was für einer Zeit und in was für einer Situation man sich befindet. Gefahr oder nicht Gefahr? Alltag oder ist das geschauspielerter Alltag, der die ganzen Fakten überdeckt, wie: Ich werde meine Familie verlieren, ich werde Freunde verlieren, ich werde Lügen müssen oder mich für den Ausstieg ganz öffentlich bekennen und in Angst unterkommen müssen… oder weiter wortlos verschwinden und Leute nach uns suchen lassen, ohne Angst vor großen Konsequenzen weil wir immer Lügen und Ausreden für die erfinden? Wen lügen wir mittlerweile eigentlich alles an? Jeden? Bis auf vielleicht eine Hand voll Menschen in unserem Umfeld werden alle von uns belogen und so sollte das eigentlich nicht sein. Angefangen von den Eltern, Verwandten und Freunden bis hin zu bedeutungslosen Bekanntschaften wie Kollegen, Nachbarn oder/und sogar unsere Online-„Freunde“ (aus dem Pferdespiel), die jeden Samstag ein Clubtreffen haben bei dem wir seit einem halben Jahr nicht mehr teilgenommen haben. Was ja jetzt keine Verpflichtung an sich und eher ein „mein-Gott-du-hast-echt-andere-Probleme-Problem“ ist, aber eben doch auch „Online-Freundschaften“, die man nicht einfach wie ein rücksichtsloses Stück Scheiße vernachlässigen möchte.

Also, um es mal so zu sagen: Dieses „aktive Aussteigen“ ist echt nicht ohne. Vor allem eben weil es keine Sicherheit und keine Unterkünfte gibt, wo wir jederzeit sagen können, da können wir hin wenn es wieder so weit ist. Wir sind jede Woche wieder am Suchen nach einer neuen Unterkunft. Abgesehen davon könnten wir uns das gar nicht leisten, weil die meisten Unterkünfte offizielle Ferienwohnungen sind, die unser Direktor irgendwie übernimmt und gleichzeitig löst das einen finanziellen Stressfaktor in uns aus, diesem Menschen in der Schuld zu stehen. Ich weiß ja echt nicht, wie es andere Aussteiger geschafft haben, die finanziell genauso arme Vögel sind wie wir, aber ohne diese Kontakte (Ari und Direktor) wäre so gut wie nichts möglich. Wir haben es diesmal geschafft, bei einer Freundin unterzukommen, aber klar ist auch, dass wir nicht bei jedem Termin bei ihr sein können, weil wir nicht riskieren wollen, dass ihre Adresse ausfindig gemacht wird und so viele Freunde haben wir nun auch nicht, dass wir zehnmal im Jahr an verschiedenen Orten nächtigen könnten…

Und am schwersten ist es, auch wenn mich das echt traurig macht, kein W-Lan zu haben… Ich hätte eigentlich behauptet wir sind überhaupt nicht abhängig oder Internetsüchtig, aber dieses Gefühl, dass in der Zeit in der wir abwesend sind, uns bestimmt 100 Leute versuchen zu erreichen und wir nicht antworten können, löst (fast) den größten Stress aus. Wir haben uns so zusammengerissen Cleo nicht ständig zu fragen ob wir an ihren PC dürfen, aber der Stress war ständig vorhanden. Und da geht es eben nicht hauptsächlich um Kontakte wie die Mitglieder vom Kult usw, sondern auch ganz normale Kontakte.

Außerdem verschiebt sich total die Zeit. Gefühlt hängen wir noch völlig im März fest, ist weiß aber nicht ob das an dem aktiven Untertauchen liegt oder daran, dass seitdem das Schalensystem nicht mehr aktiv ist oder daran, dass in der Zeit die Befragung von der Kripo war oder vielleicht alles zusammen.

Ganz ehrlich: Alleine würden wir das nicht durchstehen. Wären wir letztes Jahr in so einer Situation gewesen, wäre vor lauter Anstrengung und Überforderung unser erster Ausweg die Peter-Pan-Brücke gewesen (… Insider, so nennen wir die Brücke unserer Wahl, falls gar nichts mehr geht)… Aber seit einem halben Jahr erfahren wir Ari’s Unterstützung und mit ihr haben wir das Gefühl, alles irgendwie schaffen zu können. Es fühlt sich nichts unmöglich an. Klar, es ändert nichts an dem Stress, der Angst und der Unsicherheit, es wirklich zu schaffen… aber zusammen mit ihr fühlt es sich nicht sinnlos an. Es fühlt sich nicht so an, als könnten wir jeden Moment zusammenbrechen und nie wieder aufstehen können, sondern eher wie, dass wir zusammenbrechen dürfen und sie uns zur Not hinterherzieht, bis wir wieder selber laufen können. Wir machen keine zwei Schritte vor, nur um dann wieder fünf Schritte zurück zu machen. Mit ihr sind es zwei Schritte vor und maximal ein Schritt zurück.

Und weil wir das eben gerade so erfahren, bin ich überzeugt davon, dass wir es nicht geschafft hätten, hätten wir solche Menschen in unserem Umfeld nicht kennengelernt und bin sehr erstaunt über andere Aussteiger, die es wirklich irgendwie alleine schaffen.

Keine Therapie, kein Berta-Telefon und keine DIS-Beratungsstelle ist irgendein Ersatz für Menschen, die einen wirklich bedingungslos lieben und unvoreingenommen und selbstlos für einen da sind um mit ihm so einen schweren Weg zu gehen.

Therapie suchen wir natürlich trotzdem auch weiter und wir haben endlich mal richtige Adressen von Therapeuten, die Viele-Viele erfahren sind. Frau Honig antwortet ja seit Wochen überhaupt nicht mehr, dabei wäre ein Schreiben von ihr wichtig. Frau Honig war ja auch nicht unbedingt schlecht, aber nach ihren Vorwürfen an Ari und ihrer überschäumenden Art und der Aktion in der Klinik war es doch die richtige Entscheidung, die Therapie bei ihr zu beenden. Sie war bisher die beste Therapeutin die wir hatten, absolut, will ich überhaupt nicht abstreiten, aber scheinbar war sie nicht die Richtige auf Dauer… vielleicht war sie unsere Erfahrung die wir gebraucht haben, um wieder Mut in Therapeuten und Therapien zu finden und wir sind auch motiviert die Adressen anzuschreiben, die wir an die Hand bekommen haben…

Für nächste Woche ist wieder gesorgt. Ich weiß, Rieke schrieb zwei Wochen, aber wir sind völlig desorientiert was die Zeit angeht – wir wissen nicht mehr wo oben und unten ist, sind froh, wenn wir wissen, was für ein Wochentag morgen ist. Dass das Jahr 2020 schon wieder um die Hälfte vorbei ist, wirkt absolut surreal und nicht greifbar. Gefühlt ist es noch März und ich frage mich, wann die Zeit für uns wieder richtig weitergeht. Nach Weltuhr, meine ich – und nicht nach „Dissoziations-Vorlage“.

 

 

 

 

 

Sehr zerstreut. [R.]

Zum Thema Integration hätte ich auch noch einiges zu schreiben, aber ich finde es merkwürdig uns über den Blog selbst zu antworten oder aufeinander einzugehen… Das wirkt für mich dann wie eine „Show für Leser“ und das fühlt sich komischerweise sehr ekelerregend an. Ich meine mir einzubilden in solchen Situationen zu wissen, wie sich vor vielen vielen Jahren die Menschen gefühlt haben müssen, wenn sie als Kuriositäten in einer Freakshow vorgeführt wurden.

Ich rechtfertige mich deshalb, weil ich schon oft gefragt bekommen habe: „Lest ihr nicht eure eigenen Einträge?“ oder „Wieso gehst du nicht auf Einträge von anderen von euch ein?“ … Aktuell eben, weil ich von dem Integration-Eintrag nichts mitbekommen habe, und Dinge darauf bezogen auch anders wahrnehme, als wie sie in dem Eintrag stehen. Ich könnte auch nicht sagen wer von uns das geschrieben hat, auch wenn ich herauslese, dass es jemand aus meiner Ebene sein muss.

Übrigens gehen wir im Kommunikationsheft schon aufeinander ein. Da schreibe ich dann auch „Hallo Jola“, oder „Hallo Kara“ oder, oder, oder, und schreiben miteinander. Aber der Blog hier soll für mich hier kein Bühnenauftritt sein, der unser Interagieren untereinander darstellt…  und ich könnte jetzt nicht genau sagen, wieso sich das so anfühlen würde für mich.

Das wollte ich nur kurz erwähnen, obwohl ich nicht deshalb einen Eintrag schreiben wollte.

Eigentlich saß ich vorhin auf der Couch mit Cleo und wir sind beide unseren eigenen Gedanken nachgegangen. Ich fühlte mich … unzufrieden. Ich hatte eine Anspannung in mir und beim nächsten Blinzeln dachte ich: „Ich habe mich doch gerade angespannt gefühlt, wieso eigentlich?“… fühle mich plötzlich nicht mehr angespannt und kann mich nicht erinnern, wieso ich angespannt war, obwohl ich es vor maximal einer Minute noch wusste.

Seit gestern fühle ich mich allgemein seltsam. Ich habe kein Hungergefühl, Appetitsverlust… Bewegungsdrang. Gestern war es anstrengend für mich, weil Cleo und ihr Freund arbeiten waren. Ich habe sehr gegen das Bedürfnis angekämpft nach draußen und spazieren zu gehen. Einerseits möchte ich mich nicht zu einem paranoiden, schreckhaften Etwas entwickeln, andererseits möchte ich mir auch keine Vorwürfe von Außenmenschen anhören, falls doch Zeitverluste und Verletzungen auftreten. (bin gerade übrigens etwas abgelenkt und nicht ganz bei der Sache, falls der Eintrag zerstreut wirkt – das bin ich). Meine Gedanken werden im Sekundentakt von anderen Dingen abgelöst. Paket, Pizza, Router, Hund. Alles in allem fühle ich mich total wirr.

Heute ist der 13. Juni und ein Tag zu ehren. Ich weiß, ich wäre heute ab Nachmittags normalerweise bei Freunden, Bekannten und Familie zum Spät-Brunchen und Abendessen eingeladen. Und ich weiß, dass mir ab Spätabends wieder Erinnerungen fehlen würden. Das ist ganz üblich. Und ich weiß, dass solche Tage in den letzten eineinhalb Wochen schon zwei Mal waren und ich sie beide Male so verhindert habe wie heute: Indem ich im Stübchen bleibe, bei Cleo und ihrem Freund… nur mit ihnen zusammen rausgehen – und die Beherrschung nicht trotz allem alleine spazieren zu gehen, denn ausnutzen könnten wir es, schließlich wissen sie nicht bescheid. Nur zum Teil. Sie wissen nur, dass es Menschen gibt, die uns nicht kontaktieren sollen.

Und jetzt bin ich schon wieder durcheinander und aus meinen Gedanken heraus gekommen. Denke plötzlich an siamesische Zwillinge… und an Katzenspielzeug… ich werde heute vermutlich keinen klaren Gedanken mehr fassen können und bestimmt wird der Tag wie im Flug vergehen, kaum wahrzunehmen.

Ich hoffe, ich komme bald endlich wieder ein bisschen klar. Morgen bin ich zumindest wieder in der WG, erstmal Ruhe, erstmal Ankommen. Zumindest den Sonntag. Montag gehen wir wieder in die Arbeit und versuchen zwei Wochen wieder einen Alltag zu führen, bevor wir dann wieder weg müssen. Allmählich wird das anstrengend… durch das Untertauchen fällt uns-mir erst auf, wie viele Tage wir überhaupt im Jahr bei Menschen verbringen oder verbracht haben, die uns womöglich schaden oder geschadet haben.

Später zeigt uns Cleo etwas an der Nähmaschine. Wir wollen ein Halstuch für Jimmy nähen. Auf ihn freue ich mich „Zuhause“ am meisten – auf das tägliche Spazieren gehen mit ihm, auf unseren Wald und die Berge. Ich mag Großstädte einfach nicht.

-Rieke.

Ist das Integration?

Ich fühle mich wie ein Kunstwerk, dessen kleinster Pinselstrich berechnet war und dann in ein Holzrahmen gesetzt wurde. Jetzt verschieben sich aber auf einmal Zeiten, Gedanken, ganz eigene Bedürfnisse. Als würde das Gemälde flüssig werden und aus dem Rahmen laufen. Irgendwie fließt eine Farbe in die andere über und es fühlt sich komisch an.

Als ich 14 war, hatte ich einmal einen Traum, in dem ich vor einem Spiegel stand. Ich streckte meinen Finger aus, berührte im Spiegel meine Fingerspitze und löste damit im Spiegel eine Bewegung aus, als wäre er aus Wasser. Dabei bemerkte ich, dass mir die Farbe entzogen wurden… sie floss in den Spiegel über, und meine Farben vermischten sich zu einem Bunt. Da stand kein Mensch mehr, sondern eine farbige Abwärtsspirale. Ich zog entsetzt meinen Finger wieder von dem Spiegel weg.

Dieses Abstrakte könnte gut meine Gefühle erklären.

Ich weiß nicht, ob das Anfänge einer Integration sind, die wir gerade erleben, weil ich mich noch nie mit Integration auseinander gesetzt habe, weil es nie unser Ziel war. Unsere Vorstellung von Heilung war gesteuertes Co-Bewusstsein untereinander, Austausch und Wahrnehmung. Integration war nicht das Erste unserer Wahl, weil wir befürchteten uns genau so zu fühlen, wie ein Teil von uns, der sich nun berührt, sich fühlt: Es ist ein Gefühl von Bewusstseinsverlust. Ich meine dem Bewusstsein von „Wer bin ich?“.

Wenn aber einer von uns in den anderen Übergeht, ist da plötzlich eben nur noch ineinanderlaufende Farbe, als könnte/n ich/wir nicht mehr erkennen, ob es nun gelb, blau oder rot ist, es wird zu grau und matsch und durcheinander und eine Angst fährt in uns hinein. Ein inneres flehendes Ich will nicht verschwinden! Ich will nicht du werden und ich will nicht Eins werden! Ich will ich bleiben!

Ich habe mich selten an diesen Traum von damals erinnert, dabei steht der noch in irgendeinem meiner Traumtagebücher. Ich weiß sogar noch, dass bevor ich vor dem Spiegel stand, ich aus irgendeinem Gebäude mit Schließfächern vor einem Clown geflohen bin, der mich ermorden wollte (Habe keine Clown-Phobie). Aber sicher bin ich mir nicht… damals habe ich alle meine/unsere Träume aufgeschrieben.

Dass mich genau dieser Spiegelmoment an die Integration von Anteilen erinnert – dass ich überhaupt davon ausgehe, dass es Integration sein könnte – erschreckt mich, und deshalb liege ich wach. Müde und mit Kopfschmerzen.

Ich erinnere mich an die erste erschreckende Situation, in der ein Jüngeres von uns die Person, auf deren Schoß wir lagen, küssen wollte. Wie ich das amüsierte Glucksen höre und sie sagt „Haha, ich hatte gerade den Impuls dich zu küssen!“ Sie war überrascht. Und ich erinnere mich, wie ich völlig erschrocken realisierte, dass dieser Impuls nur von uns hier weiter oben kommen konnte, weil nur wir diese Beziehung mit der Person eingegangen sind. Weil wir hier oben sie küssen wollten, als wir in ihre Augen gesehen haben.

Ähnliche Momente hatten wir diese Woche auch, als wir mit Cleo und ihrem Freund in der Metro einkaufen waren. Erst sprang Fliege an mir vorbei… dann war es plötzlich Svea. Auf einmal war es Lou und irgendwann merkte ich: „Nein, das sind alle zusammen!“ Drei von uns aus drei verschiedenen Außensystemen gleichzeitig im Außen. Sie waren miteinander verschwommen, nur für einen Moment, und weil mich das erschreckte, drängte ich jede von ihnen zurück auf ihren Platz – getrennt voneinander.

Weil ich im Schreck dachte: Wer sind wir, wenn Lou auch Svea und Svea auch Fliege ist? Und vor allem wer sind wir, wenn die Elfjährige in unsere Zwanzigjährigen übergeht?

Die Integration unter den Kindern kann ich irgendwie noch als möglich betrachten. Fliege, Svea und Lou haben eine recht ähnliche Energie, einen ähnlichen Humor, sind fast im selben Alter, sind alle drei mit wenigen Traumata in Berührung gekommen bzw durch ähnliche Situationen damals abgespaltet.

Aber der Gedanke, Lämmchen „in mir“ zu spüren, als mich zu spüren… sie als „ich“ zu spüren, jagt mir riesiges Unbehagen ein. Ich kann mich nicht in Kinder in dem Alter hineinversetzen und ich bin gottfroh, dass wir jetzt langsam mal in das Alter kommen und kamen, in dem man auch als „vollwertiger Erwachsener“ anerkannt und respektiert wird… ich möchte mich nicht wieder wie Elf fühlen. Möchte auch keine Nuancen davon in mir haben. Ich will ich bleiben.

Dieser Moment, als Lämmchen unseren Impuls gespürt hat, war eben der erste Moment in dem ich mich fragte, ob das der Anfang einer Integration war und wenn ja, wieso zu uns – zu welchen aus der höheren Ebene? Und um Himmels Willen, kann man Integration beeinflussen? Ich hatte oft gehört, es müssten alle Begeiligten in einem System damit einverstanden sein. Da wir uns aber gegen diese Methode von Heilung entschieden, haben wir uns nie damit auseinander gesetzt – und jetzt „passiert es einfach“? Ohne Vorwarnung? So wie sich die Farben vom Regenbogen zwischen Sonne und Regen schummeln?

Ich möchte das nicht, auf gar keinen Fall. Ich will meine eigene Farbe bleiben. Ich will meine eigene Persönlichkeit bleiben und nicht plötzlich noch andere Bedürfnisse und Vorlieben und Abneigungen tragen. Was ist eigentlich, wenn eines von Lämmchens Vorlieben meine Abneigung sind? Oder anders herum? Wie soll so eine Integration Zufriedenheit bringen? Das fühlt sich eher an wie ein Fluch. Wie von einem Geist gesteuert zu werden, der gerne Meeresfrüchte isst, während ich von dem Geruch schon das Würgen anfange.

Wenn das Anzeichen einer Integration sind, machen sie mir große Angst und dann wünsche ich, wir würden lieber völlig gespalten bleiben, auch wenn das dann für das Gehirn während der Dissoziation ewige Traumanähe bedeutet. Abet jemand zu werden, der ich einfach nicht bin, ist für mich noch ein viel größerer Albtraum.

Tag Fünf [R.]

Kleines Update.

Uns gehts soweit gut, bis auf hin und wieder das Vermissen von Jimmy. Er fehlt uns stark. Und ausgenommen der Nacht von Samstag auf Sonntag … und, ach ja, dem Tag davor.

Unterleibschmerzen während der Periode sind überhaupt nicht außergewöhnlich, leider. Aber normalerweise erledigt sich das mit maximal 800mg Ibus. Dummerweise hatten wir keine dabei. Allerdings nahmen wir dann die Novamin Tabletten, die noch in unserem Rucksack waren. Ne Stunde später kam Ari zu besuch, das war schön, wenn auch immer noch alles sehr dissoziiert ist im Moment (vermutlich werde ich, wenn die Zeit herum ist, nichts mehr erzählen können, weil vieles vergessen und verschwommen ist). Einige Momente mit Ari waren aber sehr klar, konnten uns aus dem Dauerdissoziieren etwas heraus holen – ich weiß nicht was.

Dissoziieren heißt übrigens nicht, es geht uns schlecht. Im Gegenteil, alles fühlt sich normal an, nur verfliegt die Zeit erschreckend schnell und alles passiert geistesabwesend, unachtsam, irgendwie verschwommen und unklar und wie geblendet durch Blitzlichtgewitter.

Umso dankbarer bin ich für ein paar klare Augenblicke mit Ari.

Als sie uns wieder zurück fuhr, bekamen wir noch eine 400mg Ibu, weil derdiedas Novamin nicht wirkte. Die 400er waren aber auch keine Hilfe. Zum frühen Abend gab uns die Freundin eine Dolormin. Zum späten Abend bekamen wir noch eine 400mg Ibu von der Freundin… Nachts, gegen Ein Uhr, als wir müde werden, kriegen wir nochmal Ibus. Wir nehmen 2x 600mg. Eigentlich sollten wir zugedröhnt sein mit den besten Schmerzmitteln, aber es hilft nichts.

Wir wollen schlafen gehen, aber können nichz. Es ist die Nacht vom 5. Juni auf den 6. Juni (oder 6. auf 7.). Wir haben Angst. Ganz irreale Ängste, die wir sonst nicht haben. Ängste, es könnte plötzlich ein Psychopath in unserem Zimmer oder in der Tür stehen. Zu viel Angst. Und natürlich die Schmerzen, die ich auf die Periode schiebe.

Wir versuchen zu schlafem, wälzen uns aber nur hin und her. Werden immer wieder wach, bzw öffnen die Augen, weil das verrückte Gefühl entsteht, es könnte eben plötzlich jmd an unserem Bett stehen. Ängste wie „Monster im Schrank“ oder „unterm Bett“, wie man sie aus der Kindheit kennt.

Um drei Uhr nachts gebe ich es auf. Muss das Licht anmachen. Gehe aufs Klo.

TW

Sorry für die ekelerregenden Zeilen, aber: ein Schwall Blut kommt aus uns heraus. Nicht wie bei der Periode. Wir bluten recht wenig. Dieser Schwall Blut erinnert uns an den 16. Oktober 2018… unser Abgang war ähnlich.

Diesmal sind wir aber nicht schwanger gewesen. Es hätte keine Gelegenheit gegeben, ich glaube seit März bringen wir uns regelmäßig in Sicherheit.

Wie dem auch sei. Ich schiebe es auf die Überdosis Schmerzmittel, hat unseren Zyklus wohl ein wenig vorangetrieben. Seitdem ist unsere Periode auch weg. Als hätten wir alles nach dem zweiten/dritten Tag ausgeblutet.

Wenigstens sind die Schmerzen seitdem auch weg.

Die Nacht von gestern auf heute konnte ich auch schon wieder besser schlafen.

Ansonsten sind die Tage sehr gewöhnlich. Mit einem 16- jährigen in einem Haushalt manchmal herausfordernd, einige unserer Teenies werden angetriggert, aber in Gegenwart von Jüngeren sind immer die Älteren/Ältesten von uns im Außen. Außerdem kennen wir ihn ja seit er ein Baby ist… wir waren selbst noch ein Kind als er auf die Welt kam. Wir sind mit ihm groß geworden.

Cleo und ich zocken zur Zeit fast nur. Animal Crossing … oder Sims… was anderes können wir ja fast nicht tun. Alleine rausgehen sollten wir nicht. Wir hätten die Möglichkeit, aber wir haben sie nicht (aus)genutzt. Dafür kosten wir gemeinsame Einkäufe sehr aus. Zwischendurch springen mir einige Jüngere durch die Finger. Ich kann sie nicht zurückhalten, oder mich nicht fest im Außen halten, weil ich-wir sehr dissoziiert sind. Außerdem sind die Grenzen zwischen mir und meinen Pythons und den Systemen aus unserer Ebene sehr weich. Wir lösen uns gerade in Sekundenschnelle ab. Manchmal merke ich nicht einmal, dass ich nur noch im Co bin. Manchmal merke ich nicht einmal, dass mir Zeit fehlt. Nicht viel, aber dennoch.

Aber alles in allem geht es mir-uns gut. Keine Flashbacks. Keine langen Blackouts. Keine Albträume. Zurzeit träume ich oft in verschiedenen Szenen und Variationen vom Tauchen im Meer, Schwimmbad oder See und wie ich die Augen unter Wasser öffne – das kann ich in Wirklichkeit nicht. Selbst klares Wasser ertragen unsere Augen nicht. Sind sehr empfindlich.

Viel mehr träume-n wir-ich nicht. Bin-sind aber sehr nachdenklich. Die Gedanken verfliegen allerdings sofort, sind nicht greifbar. Wie Spinnenweben im Wind. Könnte also nicht einmal sagen, worüber wir genau nachdenken.

Noch eine Woche, dann ist die erste Hürde geschafft.

Nur eine Woche darauf haben wir auch schon etwas finden können, um wieder zu verschwinden. Die Zeit macht mir viel mehr Angst. Aber da sind wir dann Gott sei Dank nicht allein, sondern mit einem Menschen, der bescheid weiß.

-R