Nächtliche Brutalitäten (R)

Es ist der dritte Tag in  Folge, den ich außen bin und ich frage mich langsam, ob ich mehr Kontrolle habe, als ich vorerst dachte. Eigentlich habe ich es nicht leicht gerade. Ich habe viel mit Gefühlen zu kämpfen, die ich nicht schaffe zu sortieren, versuche gleichzeitig klare Gedanken zu fassen über das, was in uns drinnen ist, also versuche abzuwägen, wie es denn jetzt ist, so zwischen Hier und Da, aber weder noch.

(gelöschter Teil hier passwortgeschützt zu lesen)

Über sowas denke ich nach. Oder sollte ich. Es wird schon irgendwann der Moment kommen, wo das geht, aber zurzeit leide ich an starker Schlaflosigkeit. Meistens bin es nicht ich, die einschläft – eigentlich höchstens  mal im Co-Bewusstsein, aber weil diejenige, die mich meistens ablöst, mir unangenehm ist und mich emotional ziemlich erschüttert und traurig macht, bleibe ich eher selten im Co. Manchmal werde ich versucht gezwungen zu werden, im Co zu bleiben. Manchmal muss ich das dann aushalten, was passiert. Wie soll ich das beschreiben? Es ist, als würde man meine Empfindungen missbrauchen. Als würde man mich mit dem, was ich eigentlich schön finde, versuchen zu quälen. Mit wirklich brutal-sexuellen Umwandlungen meiner ursprünglichen Empfindungen. Ich habe es in den letzten Tagen in einer Nacht (denn das ist meine übliche Zeit, in der ich zu bestimmten Phasen draußen bin, der Tag ist eigentlich nicht mein Spezialgebiet), einmal geschafft, bei meiner Empfindung zu bleiben und mit Mühe und Hektik habe ich es geschafft zu genießen, was ich fühle und denke, habe mit Anstrengung versucht die aufdrängenden anderen Fantasien beiseite zu zwingen und habe sie in einem Nebenschauraum bugsiert. Es war dann so, dass ich zwar bei meinen eigenen Gedanken und Empfindungen war, sie klarer sah als die, die daneben abgespielt wurden, aber eben wie auf einem Zweitbildschirm im Kopf „das andere Kino“ lief. Ich habe es also in einer Nacht geschafft, mit viel Mühe und Willen bei mir zu bleiben. Allerdings konnte ich trotzdem nicht selber einschlafen, mit diesem relativ wohligen Gefühl, das ich erreicht hatte – sondern wurde trotzdem abgelöst und es wurde beendet, wie es sonst immer beendet wird. Eher schmerzvoll, eher reizüberflutend, eher mit brutalen, ungewollten Fantasien (und ja, ich rede hier von sexuellen Handlungen und Gedanken).

Ich weiß nicht, wie ich diesen Kreislauf stoppen kann, wenn er da ist. Wenn er nicht da ist, bin ich nicht da… :-} … Dieses brutale „sich in den Schlaf befördern“, passiert im Regelfall wirklich nur, wenn ich über einige Tage oder Wochen nachts außen bin. Nicht, wenn Alltagspersonen oder Innenpersonen aus den Außensystemen zu Bett gehen.

Und weil ich gerade sehr anfange kalten Schweiß zu schwitzen merke ich, dass es irgendwo weiter oben jemandem sehr anstößt, dass ich darüber schreibe. Meine Pythons höre ich. Sie werfen mir ohnehin ihre reizenden Kommentare zwischenrein. Aber wenn mein Körper reagiert heißt es meistens dass ich von oben kontrolliert werden will, die ich nicht höre oder erreiche. Einerseits sollte es mir zu denken geben, andererseits ist es mir auch eine kleine Genugtuung weil mir das bestätigt; ich handle gerade unter freiem Willen und bin zumindest für diesen kleine Moment keine Marionette an den Schnüren der Strippenzieher in unserem System.

Nichtsdestotrotz höre ich jetzt auf… schwitzen ist nämlich nicht unbedingt das angenehmste Gefühl (zumal jetzt auch anfängt mein Oberkörper und Unterkiefer zu verspannen).

-R.

Ich starte Mal einen Versuch [R] + TW

Mai 2020. Weder ist irgendwas besonders auffällig, noch besonders unauffällig. Im Außen sein – vielleicht ist das etwas, was ich unter „auffällig“ zählen würde, aber nicht einmal besonders.

Ich kann ohnehin fast alles immer beobachten. Muss ich ja irgendwie können. Denke ich. Sollte ich? Vielleicht hat man mich aber auch anders eingeschätzt. Dass wir hier bloggen finden diejenigen, mit denen ich Kontakt habe und die ich höre, überhaupt nicht cool. Ich denke, bis auf einen einzigen Einwurf in einem Eintrag, für einen Absatz lang – das ist schon länger her, etwa im Dezember, vielleicht auch sogar noch vorher – hat L. sich mal zu Wort gemeldet. Allerdings eher sarkastisch-zynisch. Wir? Wissen natürlich wer hier was fast täglich bloggt. Natürlich könnte ich das inhaltlich nicht wiedergeben aus dem Stegreif, aber gib mir einen Beitrag und ich kann dir (zu 90 %) sagen, wer aus diesem Körper das geschrieben hat. Auch ohne Kennzeichnung.

Wieso das relevant ist, weiß ich überhaupt nicht. Vielleicht deshalb weil ich meine, dass wir (mit „wir“ meine ich inbegriffen immer nur die, mit denen ich in Kontakt und Austausch stehe), es nicht bedenkenswert finden. Alles hier Geschriebene von den anderen ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Sie wissen nichts, sondern ahnen nur.

Ich denke bunteschmetterlinge haben mal in einem Kommentar danach gefragt. Ich kann bis jetzt noch keine Antwort darauf geben, die sich sowohl für mich, als auch für vielleicht alle von uns zufriedenstellend wäre. Bis vor einem Jahr habe ich noch gedacht, dass es mir relativ ist, wer hier mitliest und wer nicht. Es war mir egal, ob wir den Tätern in die Hände spielen, sollten sie unseren Blog kennen. Und bis vor einem Jahr habe ich mir noch gedacht, die Strafen die wir uns vielleicht eben deshalb einholen, wären gerecht und doch gerade richtig. Manchmal habe ich das Gefühl, ich suche nur den Kick, um gewisse Strafen oder Konsequenzen abzuholen. Es ist wie eine Sucht. Nicht die Konsequenzen selbst, sondern der Kick, dieses fiebernde… Ich merke, ich darf-soll nicht weiter darüber schreiben. Es ist zumindest etwas, was ich tatsächlich gesucht habe. Oder wir gesucht haben. Die Anderen dachten sich vielleicht „Wenn es die Täter wirklich gibt, werden sie den Blog finden und wir erfahren das“ denn, auch wenn es zeitweilig anders klingt, zu 80 % glauben die Anderen immer noch nicht wirklich daran. An das alles. Was auch immer dieses alles ein kann. Das lasse ich mal offen.

Wieso schreibe ich „letztes Jahr“?

Weil sich etwas geändert hat. Ich sage ja, wir beobachten fast die ganze Zeit. Und weil ich mit denen, die mitbeobachten im Kontakt und Verbindung stehe weiß ich, dass sie es überhaupt nicht gut finden, dass ich mich hier zu Wort melde. Komisch, nicht wahr? Eine Kara, eine Mia, Jola, Hanna, Lita und und und können hier bedenkenlos schreiben. Über Einträge von ihnen lachen sich meine Leute meistens ins Fäustchen oder reagieren mit fast schon provokanter Gleichgültigkeit. Aber kaum sind meine Hände auf den Tasten oder kaum habe ich persönlichen Kontakt zu einem Außenmenschen, fühle ich mich beinahe, als würden sie mir den Rücken zerkratzen. Ich höre Vorwürfe, Einschübe, Drohungen, Beleidigungen und teilweise sogar Ablehnung und Verachtung. Aber ich bin niemand der sich den Mund verbieten lässt und meine es nicht einmal böse. Weder mit mir-uns noch mit den anderen von uns.

Ich würde sagen, ich habe umgedacht – durch den Kontakt mit der Außenperson. Es gibt einen Menschen, den seit ca. zwei, drei Monaten, vielleicht sogar schon seit Dezember, viele von uns kritisch beäugen und ständig im Visier haben, egal mit wem von uns sie in Kontakt steht. Egal ob ein Lämmchen, eine Hanna, eine Penny, eine Lucie oder eine M., Charly oder sonst wer mit ihr in Kontakt treten. Im Hintergrund sind hier meine, hm, wie könnte ich sie nennen, um keine Verwirrung zu verursachen? Kennt ihr im Film Monster UNI, den PNK Verband? Python Nu Kappa nennen die sich. Eigentlich sind meine Leute überhaupt keine pinken Barbies in Röckchen, aber ihre Reaktion auf meinen Eintrag erinnert mich gerade sehr an die.

 

Ich muss gerade lachen – bin aber auch wirklich die Einzige von uns allen. Wenn ich sie sehen könnte, die in mir, ich bin mir sicher, dass ihre Augen genauso rot blitzen würden wie die der PNK. Und, nur um das klarzustellen, ich will mich nicht über sie lustig machen, ich gehöre ja eigentlich zu ihnen und ich mag sie alle, aber das heißt nicht, dass ich alle ihre Ansichten verstehen und vertreten muss.

Und um jetzt darauf zurück zu kommen: Ja, ich weiß, man kann nicht ausschließen, dass hier Menschen mitlesen, die ganz schubladenmäßig „Täter“ genannt werden. Ich trage das nicht in Apostrophen, weil ich es affig finde, sondern weil man mit so einem Wort extrem vorsichtig umgehen sollte. Ich stelle klar, dass ich ganz gewiss nicht alle Menschen die einer selben Glaubensgemeinschaft angehören, in die Schublade „Täter“ stecken werde, möchte aber dieses Wort für den Eintrag hier der Einfachheit stehen lassen. Eben mit der Klarheit: Ich ziehe da immer noch viele Abstriche. Aus diversen Gründen, die ich erstens nicht nennen darf und zweitens nicht einmal nennen wollte, selbst wenn ich dürfte. Aber falls es die Allgemeinheit beruhigt, wurden wir bisher noch mit keinem Wort auf unseren Blog angesprochen. Ich denke, wenn dann wird dagegen stumm agiert, aber auch das habe ich nicht mitbekommen, sonst hätten wir den längst gelöscht. Oder aber, wir würden anfangen auch hier alle Lesenden zu manipulieren und den Blog und die Einträge irgendwann so gestalten, dass hier gar nichts mehr Sinn und Fug hat, aber auch das ist nicht der Punkt, worauf ich hinaus will.

Ganz kurz gesagt ist es eigentlich nur, dass ich der Meinung bin, dass Öffentlichkeit schützt. Vielleicht nur in Maßen, aber sie tut es auf gewisse Weise. Ich will hier jetzt gar nicht weiter darauf eingehen, weil das eigentlich nicht das ist, worüber ich schreiben wollte, sondern eigentlich wollte ich über mich schreiben.

Viele von uns werden meinen Namen und mich hier vermutlich das aller erste Mal wahrnehmen und kennenlernen, obwohl ich in unserem Kommunikationsheft und in Tagebüchern auch schon häufiger Mal Notiz hinterlassen habe. Das Ding ist, dass ich zwar meine PNK-Mädels & Jungs wirklich gern habe, wir sind wie eine Schwesternschaft und ich würde meinen Platz neben ihnen nie aufgeben wollen, aber ich habe, wie oben erwähnt, umgedacht. Ich werde vermutlich nie denken und mich verhalten können wie die anderen in uns, das ist es einfach nicht – das bin ich einfach nicht, aber ich kann anfangen so Kleinigkeiten in ihrem Verhalten und Fühlen zu … na ja, vielleicht noch nicht wirklich zu verstehen, aber wahrzunehmen. Wie das passiert ist, weiß der Herr allein; ich kann euch darauf zumindest keine Erklärung geben.

Fakt ist: Es hat sehr viel mit jener Außenperson zu tun. Wir beäugen ja oft alle Menschen um uns herum sehr scharfäugig. Aber die meisten langweilen uns binnen weniger Minuten, maximal nach wenigen Monaten. Stellen sich Menschen für uns als „Gefahr“ dar (und unsere „Gefahr“ hat mitnichten andere Bedeutungen als die der Anderen in uns), kriegen wir sie wunderbar schnell los. Wie zum Beispiel Anna letztes Jahr, oder Herr Toggo im Februar, um mal die aktuellsten Fälle zu nennen und nicht zu weit ins Detail zu gehen. Wir sind Meister darin, keine tiefen Bindungen zu Menschen einzugehen. Wenn jemand versucht mit seinen Fühlern nach uns zu greifen, lassen wir, ab dem PNK-Bereich, die Schranken fallen und bauen Mauern auf, die noch schwieriger zu überwinden sind als die Berliner Mauer. Da sind Kopfschüsse, um Flüchtende von der Flucht abzuhalten, noch gar nichts dagegen. Und hinter uns  stehen noch viele weitere, die, sollte es wirklich einmal jemand zu uns durch schaffen, noch weitere Geschütze aufziehen. Das ist überhaupt nicht böse gemeint, es ist einfach so. Und ich sitze halt irgendwie auf dieser „sicherer-als-die-Berliner-Mauer“. Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine… Sorry.

Was will ich mit alldem sagen? Ich stelle fest, dass ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, nicht mehr wie ein Dackel den „Tätern“ hinterher zu laufen. Oder zu ihnen zurück zu rennen, wie ein apportierender Hund. Hol das Stöckchen. Das ist einerseits schwer, weil, wie erwähnt, sind nicht alle Menschen die unsere Glaubensrichtung haben „Täter“. Nicht alle „legen bei uns Hand an“ und selbst diejenigen haben eine gewisse Verwurzelung in uns geschaffen. Und auch um das Klarzustellen: Wir sitzen nicht um Pentagramme und Kerzen mit dunklen Roben und summen Lieder in Alt oder Bass. Wir opfern keine Babys oder Mädchen oder junge Frauen. Auch nicht in männlicher Version. Aber – und hier kommts – aber mir sind ein paar Lichter aufgegangen, dass die Freiheit die wir meinen mit ihnen zu erreichen, auch nur begrenzt und mit größter Wahrscheinlichkeit eine Illusion ist. Das ist eigentlich unsere Haupt-Sehnsucht. Ich denke, es gibt kaum jemanden von uns, die sich nicht nach Freiheit sehnen. Kann natürlich sein, dass hinter unseren Mauern einige sind die das anders sehen und eine Diktatur einer Demokratie vorziehen, das kann ich nicht sagen, ganz ehrlich, aber letztlich sitze ich nun auf der Mauer zwischen den Anderen in uns und meinen „Python Nu Kappas“. Ich hab hier oben gute Sicht auf die aufgeteilten Außen-Systeme. Wofür ich allerdings nicht unbedingt auf der Mauer sitzen müsste. Ganz ehrlich, die Pythons und ich wissen ganz genau, welches Außensystem (die sich hier ganz offen auch als System 1 und so weiter vorstellen) durch welchen Anteil in welcher Verbindung stehen. Das ist überhaupt keine Schwierigkeit und hätten wir mit Frau Honig so weit arbeiten können, dass sie hinter unsere Mauer kommt, wäre es vielleicht ein therapeutischer Erfolg gewesen. Für sowas reichen ein paar Sätze und Sitzungen aber nicht. Für sowas reicht ein mutmaßliches „in Sicherheit bringen“ und Einsatzbereitschaft und Aufopferung nicht. Bzw, wäre das nicht einmal nötig. Die Pythons und ich (hey, die Bezeichnung mag ich!), legen auf ganz andere Dinge wert, die uns vermutlich nicht einmal jemals jemand abnehmen würde. Irrelevant.

Um den Faden wieder aufzugreifen: Ich habe begriffen, was es bedeutet wirklich frei zu sein. Wer in Freiheit leben will, kann sich keiner Hierarchie unterordnen. Es bedeutet Augenhöhe. Wie soll denn das möglich sein, angefangen bei uns, wenn die Außensysteme keine Möglichkeit auf Augenhöhe mit uns Pythons haben, wenn wir über ihnen stehen? Wie ist es möglich, dass wir Pythons auf Augenhöhe mit denen hinter uns kommen, wenn die wieder weiter über uns stehen – usw. usf. Verständlich? Ich bin nicht blöd, nur war ich lange von der Richtigkeit unseres Innenlebens und Zusammenspielens überzeugt. Es hat jene Außenperson gebraucht, damit ich wahrnehme und sehe, dass das hier alles in uns drinnen kein Zusammenspielen sein kann, wenn es durch eine Hierarchie bestimmt wird. Vor allem so manipulativ und ohne jede Transparenz. Denkt ihr denn – und jetzt frage ich mal diejenigen in uns selbst, die hier hauptsächlich bloggen – dass ihr je erfahren werdet, wenn ein Befehl von ganz oben kommt, so zu agieren oder zu fühlen, wie ihr agiert oder fühlt? Denkt ihr wirklich, ihr seid in der Lage gewichtige Entscheidungen zu treffen?

Nicht einmal ich könnte mit Sicherheit sagen, ob ich wirklich freiwillig auf dieser Mauer sitze und in Kontakt mit einem Außenmenschen trete und auf den Geschmack von echter Freiheit und Zusammenarbeit mit unseren Außensystemen komme, oder ob das nicht irgendwo ganz oben in unserer inneren Struktur bestimmt wird. Ich bin ehrlich – ich kann es nicht sagen, werde es vermutlich nie. Ich kann mich nur auf mein Gefühl verlassen. Und auf eine gewisse Logik. Wie zum Beispiel, dass die Pythons phasenweise wirklich in die Luft gehen, dass ich nicht mehr ganz ihrer Ansicht bin und… hilfe, werden wir mal theatralisch – abtrünnig werde. Aber wer weiß schon was genau hinter alldem steckt?

Fakt ist, mir ist es zu blöd. Ich fühle, ich spüre und ich nehme etwas wahr, was mir gefällt. Was mich mehr anzieht, als das Gewohnte. Vielleicht bin ich lebensmüde, vielleicht sterbe ich bei dem Versuch, von dieser Mauer ins Außensystem zu springen… falls das überhaupt möglich ist. Vielleicht sollte ich das aber auch gar nicht tun, wer weiß, ob ich dann mit den Pythons weiter in Kontakt bleiben kann und das – wie nennt man das im Fachjargon? – eine Spaltung begünstigt? Damit meine ich nicht, dass eine weitere Person durch mich entsteht, sondern einfach, dass es sehr gut möglich ist, dass durch meine Aktion der Kontakt zu den Pythons eingeschränkt oder verboten wird. Das ist nicht mein Ziel, weil sie mir viel bedeuten. Mein Platz bei den Pythons ist quasi meine Heimat und gleichzeitig macht genau das mich verletzlich. Genau das könnte im Endeffekt zu einer Strafe für mich führen. Genau das könnte ein Druckmittel gegen mich werden. Das Problem ist nur, dass ich für sowas nicht gemacht bin. Wenn man mir die Pistole auf die Brust setzt, sage ich „Schieß ab“, weil ich mich nicht in die Ecke treiben lasse. Ich stehe zu meinen Entscheidungen und meinen Gefühlen. Da hat die Außenperson wohl die Falsche in uns erreicht, denn wenn ich auf den Geschmack von etwas gekommen bin, das wirklich, wirklich köstlich ist… wäre ich nicht dumm, würde ich sagen, ich versuche nicht mein Bestes, um es noch einmal schmecken zu können?

Nächster Punkt ist, neben meinem wunden Punkt, meine Sucht nach diesem Kick. Mir ist klar, wo ich mich gerade bewege und mir ist klar, dass mir dieser Kick, den ich suche, den ich brauche in dieser „anderen Welt“, außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft, nicht mehr gegeben sein wird. Und nein, kommt mir bitte nicht mit irgendwelchen Bungee Jumping Vorschlägen. Diese Art von Kick ist etwas ganz Anderes, auf das ich hier nicht näher eingehen werde. Das ist eine Frage und eine Unschlüssigkeit, die in mir steckt und mich immer wieder noch eher zu meinen Pythons als zu den Außensystemen zieht. Eher noch zu der vorgegaukelten Demokratie und Freiheit unserer Glaubensgemeinschaft, als zur wirklichen Freiheit in der Außenwelt. Ganz unabhängig von irgendwem, denn sie sind die einzigen, die mir das geben können, was ich brauche. Oder was meine Sucht befriedigt.

Ich weiß nicht, ganz ehrlich, wie lange dieser Eintrag die Chance hat öffentlich zu bleiben. Denn wie gesagt, ich meine ich weiß, was ich tue. Ich meine ich habe die Chance mich zu Wort zu melden. Aber zu 100 % werde ich nicht sagen können, ob jemand weiter oben nicht wollte oder will, dass ich das hier schreibe. Aber zumindest habe ich es versucht. Zu dem zu stehen was ich bin, wer ich bin, was ich denke und was ich fühle.

R.

 

 

Aus der Zeit gerissen (K)

Wie verrückt. Ich sitze am Schreibtisch. Vor mir rechts eine Wasserflasche mit orange farbiger Flüssigkeit. Ich habe davon einen großen Schluck getrunken. Schmeckt nach ungesüßtem, kalten Tee. Zuletzt saß ich auch hier, ich nehme keine Veränderungen wahr bis auf die kleine Details, dass andere Unterlagen auf dem Schreibtisch liegen, dieser Tee rechts von mir steht und es etwas aufgeräumter ist als vorher. Ich will fortsetzen, klappe meinen Laptop auf und öffne Outlook und bin verwirrt. In der Mail von unserer Chefin steht, wir sähen uns am Mittwoch. Aufgaben, von denen ich noch nichts gehört habe, die erledigt werden sollen. Hä? Es IST doch Mittwoch, dachte ich! Dann schaue ich auf das Datum und kennt ihr das, wenn euer Puls für einen Bruchteil so beschleunigt, dass euch richtig schwindelig wird? 04. Mai! Wir haben den vierten Mai! Es war gestern noch der 31. März! Heute der erste April! Ja, guter Scherz, da hat das jemand zu ernst genommen.

Hab mich schnell wieder gefangen, Zeitverlust ist ja jetzt nicht so etwas Neues für mich/uns, aber üblicherweise werden wir ja hin und wieder nach außen gespuckt, damit wir eben nicht so offensichtlich merken, dass uns Zeit fehlt. Ich glaube, dass ich vorhin noch am Schreibtisch saß, am ersten April, und gefühlt ein paar Minuten später immer noch am Schreibtisch sitze – nur mit ein paar Detail Veränderungen und plötzlich der vierte Mai ist, ist mir noch nie passiert. Ich bin ein wenig überfordert, weil mir klar ist, ich muss den Inhalt dieser Zeit irgendwie einholen. Zumindest oberflächlich.

Vorgestern… oder gestern? Nein, ich glaube (in meiner Zeitrechnung, also… 30. März?) hatten wir noch eine Videokonferenz mit Frau Honig in der es um die Frage ging, ob sie mit uns zusammen den Ausstieg machen will. Von dem Gespräch habe ich ja nur ca. zehn Minuten im Co mitbekommen und war ziemlich angestrengt von den wummernden Schmerzen im Ohr… hm… was war noch? Ach ja… diese Begegnung mit den drei Leuten die Lämmchen aufgeschrieben hat. Das war ja auch so etwas Dubioses.

Aber warum wurde ich (oder wir) so ausgeschaltet? Ich muss gerade zugeben, dass es ziemlich ruhig ist in mir und ich vermutlich einen ruhigen Ort bräuchte und mich zurückziehen müsste, um mit den anderen in Kontakt zu kommen. Das ist meistens so, wenn wir länger weg waren (und nur zwischendurch ausgespuckt wurden). Es ist ja so, als würden wir einfach Schlafen/wegdämmern und wieder aufwachen. Jeder muss erst einmal wach werden und sich Schlaf aus den Augen reiben, bevor wir miteinander reden können. Es gibt Morgenmuffel und Frühaufsteher. Um es bildlich zu beschreiben.

Wenn ich jetzt die Möglichkeit hätte das zu tun, könnte ich vielleicht erfahren, ob andere aus unserem System ausgespuckt wurden und ich davon nur (noch) nichts weiß.

Muss mich jetzt erst einmal sortieren und in der Zeit wieder ankommen. Und evtl die Zeit finden, die vergangenen Einträge zu lesen. (Sowas nervt…)

-Kara

01. Mai

soll auch noch ein schlimmer Tag sein, aber irgendwie ist heute GAR nichts Schlimmes oder Seltsames passiert. Habe den ganzen Tag darauf gewartet: Und, und und? Kommt mich gleich jemand holen? Springt ein Programm an? Steh ich wieder nachts an einer Staubrücke? Nichts.

Wir sind heute mit Mona mit dem Zug nach N gefahren… dreieinhalb Stunden und es tat SO gut. Ich habe vergessen, wie sehr ich Zug fahren liebe… es ist etwas Tiefenentspanntes für mich. Ich liebe Zug fahren unendlich und bin heute wieder total auf den Geschmack gekommen. Wir sind nach N gefahren, weil Monas Bruder uns dort treffen wollte. Auto Übergabe. Mona hat jetzt ihr eigenes Auto und sie kann es noch kaum fassen. Ich freue mich so für sie!!!

Auf dem Rückweg wollten wir eigentlich zum Fressnapf (geschlossen) und dann saß da Antonio!!! Unser alter italienischer Nachbar, neben dem wir gewohnt haben als wir noch ind er Jugendhilfe im Apartment waren. Omeingott ich habe mich so gefreut. Ich hab Mona gebeten anzuhalten und bin im Hagel und stürmendem Wasser über mir mit Turnschuhen zu ihm gerannt. Er saß. wie ih ihn kenne, auf seinem Rollator und, auch wie ich ihn kenne, als er mich sah rief er „Ouiiiiiii“ (jja, wie auf Französisch, aber ich glaube das ist eher so ein Freudeausdruck). Ahhh. Ich liebe diesen alten schrulligen Opa. Er war der tollste Nachbar… ich bin zu ih und in meiner Freude habe ich mich einfach zu ihm gebeugt, der hat meine Hand gehalten, haben uns Luftküsschen gegeben und dann habe ich gemerkt „oh Corona“… kurz war ich beschämt… ihm gehts gut. Er sagt „Zigarette nur noch sehr wenig.“ hab nach seiner frau gefragt und er „ach, immer. Unsterblich diese Frau!“ Als ich dann wieder zu Mona ins Auto stieg bin ich in Erinnerungen geschwelgt und ein wenig tat es weh. (ganz von den Nebensachen abgesehen, dass wir im Apartment oft abgeholt, auf dem Weg abgefangen und und und wurden), ich habe mich ZUHAUSE gefühlt dort oben. Ich habe mich einfach unendlich Zuhause gefühlt. Ich habe die Nachbarn geiebt, die Bäckerinnern bei der Bäckerei um die Ecke. Ich hab die Einfahrt geliebt und ich habe es geliebt jeden Morgen, egal ob bei Regen, Schnee oder Sturm an der Bushaltestelle auf den Bus zu warten um in die Ausbildung zu fahren. Klar, mir war da nch nichts bewusst von dder kack DIS und dem ganzen anderen Kack, aber ich denke ich hätte mich da auch Zuhause gefühlt, wenn ich es schon gewusst hätte. Und manchmal wünschte ich so sehr, dass die Jugendhilfe sagt, die brauchen das Apartment da nicht mehr und dann würde ich so gerne sofort wieder da einziehen. Okay, es wäre kein Garten. Okay, es wäre eine sehr kleine Wohnung… aber vielleicht ist es gar nicht die Größe, die ein Zuhause ausmacht.. sondern das Gefühl… der Ort, die Nachbarschaft… das, was man aus diesen vier Wänden und dem Balkon macht… ich vermisse es. Ich vermisse Antonio, aber auch die Vermieter dort. Ich vermisse die Nachbarn mit ihrem kleinen weißen Hund und die ältere Frau, bei der wir mal unten gesessen sind und einen Tee getrunken haben. Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal mehr, was der Vorwand oder Auslöser war… ich ACH JA, doch ich erinnere mich!!! Wir hatten mal versehentlich ihren Wäscheständer im Waschkeller benutzt und dann hing da ein recht erboster Zettel, man möge doch die Finger von fremden Gegenständen lassen. Daraufhin sind Bay und ich zu ihr gegangen, haben bei ihr geklingelt, ihr gestanden, dass wir ihren Wäscheständer (wirklich ohen dass wir wussten, adss es ihrer ist!), verwendet  haben und haben ihr Entschädigungs Pralinen und Blumen gebracht. Sie hat sich total gefreut und uns dann auf einen Tee eingeladen. … irgendwie… ich erinnere mich ganz schwach nur an ihre Wohnung. Es waren echt ..sonderbare Sachen. Alte Möbel, Erbstücke… sie hat uns auch viel erzählt von ihrer Familie, ihrer Tochter… ich erinnere mich leider echt kaum noch genau, aber so schwach.

Und das alles fehlt mir. Irgendwie waren sie alle so ein bisschen Familie für mich. Ich hatte dort niemanden, wirklich. Aber ich hatte unsere Nachbarn. Es war so schön, wie da alle miteinander umgegangen sind… Einmal im Winter, weiß ich noch, da ist Antonio mit seinem Rollator durch den tiefsten Schnee gestapft. Ich bin grad im Dunkeln aus der Bäckerei gekommen und hab gerufen „HEY ANTONIO!“ und habe ihn mit einem Schneeball abgeworfen. Er hat sich umgedreht und hta lachend-rügend den Arm gehoben und gerufen „katastrophe diese Mädchen, Katastrophe“ und ich habe gefragt „Wie geht es deiner Frau“ und er „Aaaah größte Katastrophe überhaupt“ Wir sind lachend und dann schweigend zusammen nach Hause glaufen, die Bäckerei war ja nur um die Ecke. Und zu Nikolaus haben wir ihm ein Nikolaustütchen an seinen Rollator gehängt. Er hat sich unendlich gefreut und wollte uns zum Spaghetti Essen einladen. Ich habe gefragt, ob er kocht, er hat die Hand gehoben und die Augenbrauen hochgezogen „ICH … ai. Ich einkaufen, Frau kochen.“

Ich will wieder dahin. Ich habe mich da Zuhause gefühlt. erschreckend, wie ich es vergessen habe… aber irgendwie auch dankbar, mich zweieinhalb Jahre meines lebens so gefühlt haben zu dürfen.

ich hoffe so sehr, dass ich mal wieder so einen Ort finden werde… ich wünsche mir nichts mehr als ein Zuhause…

 

und dann… ach naja, wir waren ziemlich k.o. nach der Fahrt heute. Mein Auge pocht ein wenig und im Bad habe ich gesehen, dass es komisch geschwollen ist. So leicht, fast wie ein fetter Pickel, nur dass da kein Pickel war. Also da, wo es am Augenbrauenknochen leicht blau-grau ist. Hab dann mit ner Nadel (sorry wenns eklig ist) reingepiekt und es kam WASSER raus. KEINE Ahnung was das War. Wundwasser? Kein Plan. Ich bin eigentlich nur froh, dass mein Auge unbeschädigt ist und nur mein Augenbrauenknochen dran glauben musste. Und evtl auch ein wenig vom Oberkiefer.. also der Knochen so drei Finger breit von der Schläfe entfernt. Der tut auch weh und ich meine, der ist auch ganz leicht blau. Aber nur minimal. Schööön den Boden geküsst. Und verrückterweise ist es fast immer mein rechtes Gesicht, mit dem ich mich auffange.

Auf jeden Fall – ekelhaft. Dafür aber: Der zeigefinger heilt glaube ich langsam. Er tut zwar noch etwas weh, vor allem wenn ich auf die Kapsel drückte oder eben mit dem Zeigefinger fest irgendwo draufdrücke oder ihn arg knicke, aber ich kann ihn mittlerweile bewegen und er tut nicht ständig weh. Hab ja gesagt. Arzt ist überflüssig. Man uss nicht wegen jedem Kinkerlitzchen zum Doci rennen wie ein kleines Mimöschen.

Ansonsten… ich habe auch nicht das Gefühl als würde heute noch irgendwas mega mega ultra Schlimmes passieren oder anspringen. Also… von wegen der 1. Mai könnte uns noch mega die Kraft kosten. Pustekuchen. heute war ein guter Tag. Irgendwie.

Nacht

Wir haben um Hilfe gerufen. Es war spät. Die Polizisten stehen vor uns. Unter uns das Wasser. Es ist recht schnell. Wir standen da. Irgendwas um halb Mitternacht. Die Straßenlaternen haben ihr Licht ins Wasser geworfen. Es sah sehr hypnotisierend aus. Ich wollte romantisch sein. Überlegte wo mein Körper landen würde, würden wir jetzt wirklich springen. Wollte mir vorstellen wie er vom Wasser durch verwunschene Orte getrieben wird. Eine Leiche im Sonnenschein, der sich durch die Bäume kämpft. Blüten und Pollen. Aber dort am Ende des Wasser ist bloß das Kraftwerk. Keine lange Reise nach dem Tod.

Ich denke nur nach. Sonst nichts. Der Körper über dem Geländer gebeugt, teilweise habe ich das Gefühl, das wirbelnde Wasser zieht mich in sich hinein, aber es ist nur ein Gefühl. Fast wie Trance. Mein Kopf hat sich mit dem Gewässer gedreht. Wie ein Strudel, der mich herabzieht.

Ein Mann der aus einem Auto springt, das vorbeifährt. So spät. Wir, die sofort von der Brücke weg treten. Umdrehen. In unseren Gummistiefeln wegstapfen.

Ob alles okay wäre. Ob wir bitte stehen bleiben könnten.

Nein.

Wir bleiben stehen. Alles okay. Mir geht es gut. Wir warten auf eine Freundin… Ha. Ha. Ha. Auf welche von unseren fünfdutzend?

Habe die Polizei gerufen.

Also steht die Polizei wenig später vor mir.

Zeit vergeht.

Ob es jemand gäbe, der sich jetzt um uns kümmern könne.

Nein, sagen wir.

Blöd, sagen sie. Wollen solange nicht gehen.

Okay.

Wir wählen ein paar Nummern. Beten. Hoffen. Bitte. Bitte. Lasst uns jetzt nicht im Stich. Niemand erreichbar.

Nicht einmal Mama.

Hilflosigkeit.

Polizei unschlüssig.

Noch mehr Zeit vergeht.

Okay. Nachtdienst. Einverstanden, sagt die Polizei. Fahren hin. Nachtdienst kommt. Polizist spricht mit ihr. Sie spricht kurz mit mir. Lässt mich nach drei Minuten wieder gehen.

Ich stehe wieder vor unserem Zuhause. Will da nicht rein. Stehe mir die Füße ab. Schaue in mein Handy. Alle erfolglosen Anrufe. Ich fühle mich am Boden zerstört und will jetzt einfach nicht da rein.

Ich wähle also eine Nummer, obwohl ich sie nicht wählen will. Nicht wählen soll. Doch ich weiß, wenn ich jetzt keinen Kontakt suche, gehe ich wieder zur Brücke und springe.

Es wird abgehoben. Wir werden abgeholt. Einen Moment lang ist alles vertraut und viele weitere Momente fühlt es sich falsch an. Doch wir sind nicht allein. Wir haben Kontakt gesucht. Nicht das, was wir uns gewünscht hätten. Nicht das, was uns getröstet hat. So sind sie nicht. Aber sie sind wenigstens eine Ablenkung. Und manchmal… Schütteln sie die Vernunft wieder in unseren Kopf.

Lange Nacht.

3:40 Uhr wieder Zuhause. Wir mussten noch ein ganzes Stück laufen. Er fuhr uns nicht ganz bis nach Hause.

Unser Körper ein Eisklotz. Die Decke von unserer kalten Haut angesteckt. Schlafen zitternd ein. Werden müde aufgeweckt. Mona.

Der ganze Tag ne bleierne Schwere. Wir sind wohl Teil von deren ihrem Leben. Ob wir wollen oder nicht. Und ich wünschte, wünschte wirklich oft, sie würden uns nur einmal enttäuschen. Dass wir nur einmal sagen könnten „Diesmal habt ihr euer Wort nicht gehalten“. Aber sie halten es ständig. Sie sind immer erreichbar. Sie waren nicht das, was wir gewollt haben gestern. Wir hätten gewollt… Einfach Trost. Aber sie waren besser als nichts. Besser als wir mit uns allein und vielleicht unten im Wasser, mit einer nicht so langen Reise nach dem Tod.

Alles fühlt sich heute seltsam an. Ich habe heute nicht mehr das Bedürfnis irgendwas zu beenden. Und bin froh, dass wir uns dafür entschieden haben, doch die „verbotene“ Nummer zu wählen, die wir nicht mehr wählen sollten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie unsere Nacht heute anders geendet wäre.

Heute.

Mona fragt, ob etwas los war, weil wir gestern so spät versucht hatten sie zu erreichen.

Ich will nicht mit ihr reden. Mit niemandem darüber. JETZT brauche ich niemanden mehr. JETZT ist es vorbei. Es ist JETZT egal. Ich habs geschafft.

Ich sage: „Weiß auch nicht mehr genau. Kann sein, dass ich vielleicht was gebraucht hätte.“

„Ah, okay.“

Und Ari fragt heute, wie es uns HEUTE geht.

Heute? Gut. Denke ich. Ich bin ja schließlich noch da.

Aber ich schreibe nur „Ist egal“.

Weil es egal ist.

Und ich will heute gar nichts mehr. Und niemanden mehr.

Ich bin enttäuscht von den allen, die nicht erreichbar waren – ganz egal ob sie dafür konnten oder nicht. Und wütend auf die, die für uns da waren, weil ich mir tief im inneren gewünscht hätte, sie würden uns ein einziges Mal enttäuschen, damit wir wenigstens mal wütend auf sie sein können. Aber stattdessen fühle ich Dankbarkeit. Und könnte gleichzeitig dafür heulen. Weil ich nicht dankbar dafür sein will.

Für ein blaues Auge.