Update [R.]

Leicht ist das alles nicht gerade, aber irgendwie will ich mich trotzdem noch nicht von hier außen verabschieden. Ich weiß gar nicht, wie ich versuchen soll hier alles zusammen zu fassen. … und hier muss ich schon wieder einen extra Eintrag passwortgeschützt öffnen. Ich bin wirklich nicht gemacht fürs Bloggen…

Komme total durcheinander, wenn ich versuche hier etwas zu schreibe. Das löst ein wenig Stress aus und deshalb schreibe ich wirklich ungerne.

Ich versuche hier nur eine kurze Zusammenfassung von der letzten Woche zu machen, ich kann und will irgendwie einfach nicht in die Tiefe gehen. Bin jeden Tag schon viel zu tief mit-in mir-uns selbst.

Wir haben uns am Wochenende und gestern wieder mit B getroffen. Diesmal war ich mehr im Außen. Dazu habe ich gestern aber auch schon einen Eintrag angefangen, den ich im Entwurf stehengelassen habe und mich entschieden habe ihn auch bloß passwortgeschützt zu veröffentlichen. Hier: Diversität und so weiter.

Hier noch ein kleiner Fun-Fact, wie Freunde einen Wechsel bemerken…

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Ari hatte Montagabend mit der „Traumapäpstin“ (wie Mona sie nannte – ich musste lachen…) Michaela Huber einen Termin. Sie kam danach noch vorbei und erzählte mir, wie es lief und hauptsächlich ging es darum, dass es wichtig ist die inneren Beobachter zu finden. Außerdem hätte sie immer wieder gesagt „Wozu bilde ich die Leute eigentlich aus, wenn sie nicht weitermachen?“… ich musste darüber lachen. Ari meint, sie sei witzig und man könne mit ihr sehr gut reden. Ich weiß, dass jemand von uns von ihren Büchern abgeschworen hat, weil in irgendeinem Kontext beschrieben wurde, dass Viele-Patienten sich manchmal so sehr von ihren Therapeuten abhängig machen, dass sie sich am liebsten in ihre Gebärmutter legen würden. Das kam überhaupt nicht gut an in unserem System. Ich hätte selbst eigentlich kreischen können vor lachen, fand es aber nicht weiter schlimm. Außerdem auch nicht, weil ich es ins Lächerliche ziehe, sondern weil ich die Vorstellung und die Beschreibung witzig fand, ohne sie zu entwerten. Ich gebe solchen Dingen nicht so viel Gewicht. Aber einige von uns fanden das kein bisschen witzig und waren angeekelt von ihr und vor allem von dem „Vorwurf“, dass alle Viele-Patienten so eine Therapeutenabhängigkeit entwickeln. Ich denke mich hat hauptsächlich geärgert, dass sie Viele-Patienten so verallgemeinert. In unserer kompletten, bald zehnjährigen therapeutischen Laufbahn haben wir noch zu keinem einzigen von den hundertundein Psychologen auch nur eine vergleichbare Beziehung entwickelt. Ich sage nicht, dass es nicht passieren könnte – kann auch sein, dass wenn wir irgendwann mal auf die Eine treffen, die wirklich gut mit uns allen kann und uns alle auf irgendeine Art und Weise erreicht und berührt, dass das dann passiert; also, wir abhängig werden. Aber ich finde man muss da ganz eindeutig zwischen gesunder und ungesunder Abhängigkeit entscheiden…

Frau Huber hat Ari außerdem eine Adresse von einer Psychologin (oder Ärztin?!, ich weiß es gerade nicht einmal mehr sicher) gegeben, die eine Klinik für-mit Vielen-Vielen (als sie das betont hat, musste ich auch schon wieder lachen) leitet und auch eine eigene Praxis hat. Eigentlich nimmt sie niemanden mehr und hat keine Kapazitäten, aber MH würde sie anrufen und auch Ari hat ihr eine Mail geschrieben mit der Traumapäpstin im Betreff.

Vielleicht geraten wir ja doch noch an eine Stelle, wo man uns (er)tragen und unterstützen kann, ohne vor Überforderung durchzudrehen…

Ansonsten… in der Arbeit habe ich ein total süßes Geschenk bekommen von einer Kollegin die im Pub arbeitet. Eigentlich kennen wir uns gar nicht so gut, aber wir halten immer wieder ein wenig Smalltalk und sind uns sympathisch. Was auf der Karte stand hat mich gleichermaßen überrascht und berührt, weil ich nicht gedacht hätte, dass sie so über mich denkt, bzw. dass sie sowas in mir sieht. Den Text selbst will ich eigentlich nicht veröffentlichen, aber in einem Satz stand, sie würde meine „ruhige Ausstrahlung“ total wertschätzen. Über solche Aussagen stolpern wir sehr häufig. Sehr, sehr, sehr viele Menschen nehmen uns als totaaaaaaaal ruhig und ausgeglichen wahr. Anfangs habe-n ich-wir total darüber gelacht. Die erste Situation war vor fünf Jahren, als wir auf Z. aufgepasst haben und ihre Mutter beim Abendessen das zu uns gesagt hat: „Also, ich bin wirklich keine hektische Person, aber wenn du da bist, muss ich mich immer einbremsen weil du so eine Ruhe ausstrahlst, dass ich mein eigenes Tempo überhole“… Ich habe sie, als sie das gesagt hat, angelacht. Nicht ausgelacht, aber angelacht, weil es die allererste Situation war, in der wir so etwas von jemandem gehört bekamen und ich mehr als nur das komplette Gegenteil von Ruhe oder ruhiger Ausstrahlung an mir-uns wahrnehme. Eigentlich würde ich felsenfest behaupten, dass das Wort „Ruhe“ in unserem Wortschatz überhaupt nicht vorhanden ist! … aber nachdem wir mit solchen Aussagen in den letzten fünf Jahren wirklich oft konfrontiert wurden, schmunzele ich höchstens nur noch darüber und versuche eher zu verstehen, was das ist oder was das wirklich ist, was die Menschen in Kontakt mit uns spüren. Wirklich Ruhe? Oder ist es das Abgespaltet-Sein von allen zu starken Gefühlen, wenn wir im Kontakt sind?

Ich bin ja grundsätzlich davon überzeugt, dass Menschen mit selbst nur geringen Feingefühl starke Emotionen vom Gegenüber wahrnehmen, auch wenn sie es nicht einordnen können. In Kontakt mit Menschen werden immer irgendwelche Schwingungen ausgelöst, davon bin ich so überzeugt wie von der Tatsache, dass die Erde rund ist.

Deswegen frage ich mich eher, ob diese „Ruhe“, die Menschen in-von uns spüren, wenn wir mit ihnen im Gegenüber sind, nicht viel, viel eher unsere Abspaltung von alles und jedem und sogar uns selbst ist.

Auf jeden Fall habe ich die Karte in meinem Zimmer verstaut und das leckere Geschenk steht in der Küche und wartet darauf verspeist zu werden. Habe es noch nicht geöffnet, weil ich es schade fände die Deckel abzunehmen; sieht so schön aus… :-p

Neben der Begegnung mit der Kollegin hatte ich auch noch eine tolle Begegnung in unserem eigenen Garten, nur paar Schritte von unserer Veranda entfernt: Eine Ringelnatter! Ich liebe Schlangen ja und hätte ihr Stunden zusehen können, wie ihre schmale Zunge zwischen ihren Kiefern tanzt und mich beobachtet. Sie hatte aber Angst, deshalb habe ich sie nach einer halben Stunde anstarren in Ruhe gelassen. Sie wohnt vermutlich um die Ecke des Hauses im kleinen Teich in unserem Garten. Schön fände ich das auf jeden Fall. Schlangen sind bei mir willkommen, solange sie sich ihr Fressen selber suchen und ich sie nicht mit lebendigen Tieren füttern muss. Das könnte ich nicht.

Neben all dem Alltag und den schönen Momenten, die ich zu genießen versuche, geht es mir aber nicht allzu gut. Ich bin sehr verunsichert und ärgere mich gleichzeitig auch darüber, weil ich weiß, dass das Thema, das mich verunsichert, nicht lebensnotwendig ist im Leben. Es geht um die Liebe.

In dem Zusammenhang hört sich der Satz vollkommen falsch an. Liebe ist absolut notwendig im Leben, aber … viel richtiger ausgedrückt: Liebesbeziehungen sind nicht lebensnotwendig und es ärgert mich aber, dass wir gerade in einer solchen Situation stecken, in der viele von uns so fühlen, wie man für Menschen fühlt, wenn… ja, was auch immer. Es ist mir sogar unangenehm darüber zu schreiben.

Jedenfalls schlage ich mich seit Tagen damit herum, dass ich mir von Innen Dinge anhören muss, die mich sehr verletzen und wirklich irre wehtun. An manchen Tagen liege ich dann fast wie gelähmt vor Schmerz auf der Couch oder auf dem Bett und kann nicht einmal mehr nach draußen gehen, weil es schon zu dunkel ist und ich versprochen habe – uns und auch Mitmenschen – Verantwortung für unsere Sicherheit zu übernehmen und da in den nächsten zwei Wochen wieder sehr kritische Tage kommen, die nicht mehr gewährleistet ist. Also liege ich da, bitte und bitte und bitte inständig, sie mögen doch aufhören mir solche Sachen zu sagen. Sie haben so einen wunden Punkt in mir erwischt, dass ich nicht einmal weinen kann, weil das Bohren da drinnen einfach nur schmerzhafte Taubheit auslöst. Ich will nicht hinhören, aber als Viele kann man sich nicht einfach die Ohren zuhalten und ein Lied summen, weil sie alle in unserem Kopf, in diesem Körper existieren.

Als ich heute aufgewacht bin, lag ein Brief auf meinem Schreibtisch. Ich konnte gestern Abend noch sehen, wie jemand dort saß und schrieb, aber weil ich so wund war von den ganzen Worten, die man mir um die Ohren haut von innen, war ich nicht in der Lage zu erspüren wer im Außen ist, also habe ich das nur dumpf beobachtet, bis ich die Kontrolle der Person, die im Außen war, komplett übergeben habe, weil sie ruhig wirkte und nicht wie jemand, der gleich aufsteht und sich in Gefahr begibt.

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Vorhin habe ich den Brief gelesen und er hat mich total mitgenommen. Ich kann mich erinnern, dass ich vor… zwei Wochen, denke ich, mich abends unterm Sternenhimmel auf den Weg gemacht habe, um mich mit der Person zu treffen, für die mein Herz schlägt und ich weiß, wie ich mit dem Blick in die Sterne plötzlich jemand Fremdes (niemanden aus unserer Ebene) im Co-Bewusstsein hatte. Wer unseren geschützten Beitrag Geschützt: Update geschützt [R.] schon gelesen hat, weiß, wieso das überraschend und auch ein wenig erschreckend war. Aber ich wusste von ihr, dass sie für die Person genauso fühlt wie ich und auf einmal war es, als würden zwei Herzen in einem Körper im selben Takt schlagen. Das war total überwältigend und ich musste auf dem Weg zum Wasser ein bisschen weinen. Es war so neu, diese Sache nicht rational entscheiden und auseinanderpflücken zu müssen. Es war sooo neu, im Herzen gemeinsam zu spüren, dass dieser eine Mensch das Richtige in uns auslöst und es sich gut anfühlt. Mit ihr und einigen anderen von denen ich weiß, sie fühlen wie ich und denken ähnlich darüber, fühle ich mich etwas stärker und gestärkt gegen die verletzenden und angreifenden Worte von innen. Und ich denke Mika hat Recht in dem, was sie sagt: Ganz sicher ist es auch nur ihre Angst vor dem Schmerz, so zu denken und zu reden.

Ich möchte mich davon nicht leiten lassen, überhaupt nicht. Aber es ist schwer in eine andere Richtung zu denken, wenn man so fest in einem wunden Punkt bohrt, dass man nur noch taub dasitzt und betet, dass sie damit aufhören.

Nach vielen Stunden, als ich mich dann endlich schlafen legen wollte und schon nach Mitternacht im Bett lag und mich hin und her wand, weil man nicht aufhören wollte mir zu erklären, wieso dies nicht und das nicht und wie dumm ich doch sei, habe ich laut ausgesprochen „Bitte hört endlich auf, ihr tut mir weh!“ … und zack, war es auf einmal still. Fast schon beschämt still. Als würden sie sagen wollen: Tut mir leid, wir wollen dir nicht wehtun. Aber diese Aussage kam nicht. Bloß das plötzlich beschämte Schweigen im Innen fühlte sich danach an. Ich bin mir fast sicher, sie wollen mir auch nicht wehtun damit, sondern mich schützen. Aber ich denke, ich bin alt und groß genug für mich selbst zu entscheiden welchen (emotionalen) Weg ich gehe. Ob ich mich auf Liebe einlasse oder nicht – und Mika hat auch in dem Punkt recht, dass es nicht lebenswert wäre, wenn man aus Angst vor Verletzungen sich von vornerein gegen alles entscheidet, was sich im Augenblick gut und richtig anfühlt.

Das ist als würde man sagen: Dann brauche ich gar nicht leben, denn ich sterbe früher oder später sowieso.

– R.

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