Ich starte Mal einen Versuch [R] + TW

Mai 2020. Weder ist irgendwas besonders auffällig, noch besonders unauffällig. Im Außen sein – vielleicht ist das etwas, was ich unter „auffällig“ zählen würde, aber nicht einmal besonders.

Ich kann ohnehin fast alles immer beobachten. Muss ich ja irgendwie können. Denke ich. Sollte ich? Vielleicht hat man mich aber auch anders eingeschätzt. Dass wir hier bloggen finden diejenigen, mit denen ich Kontakt habe und die ich höre, überhaupt nicht cool. Ich denke, bis auf einen einzigen Einwurf in einem Eintrag, für einen Absatz lang – das ist schon länger her, etwa im Dezember, vielleicht auch sogar noch vorher – hat L. sich mal zu Wort gemeldet. Allerdings eher sarkastisch-zynisch. Wir? Wissen natürlich wer hier was fast täglich bloggt. Natürlich könnte ich das inhaltlich nicht wiedergeben aus dem Stegreif, aber gib mir einen Beitrag und ich kann dir (zu 90 %) sagen, wer aus diesem Körper das geschrieben hat. Auch ohne Kennzeichnung.

Wieso das relevant ist, weiß ich überhaupt nicht. Vielleicht deshalb weil ich meine, dass wir (mit „wir“ meine ich inbegriffen immer nur die, mit denen ich in Kontakt und Austausch stehe), es nicht bedenkenswert finden. Alles hier Geschriebene von den anderen ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Sie wissen nichts, sondern ahnen nur.

Ich denke bunteschmetterlinge haben mal in einem Kommentar danach gefragt. Ich kann bis jetzt noch keine Antwort darauf geben, die sich sowohl für mich, als auch für vielleicht alle von uns zufriedenstellend wäre. Bis vor einem Jahr habe ich noch gedacht, dass es mir relativ ist, wer hier mitliest und wer nicht. Es war mir egal, ob wir den Tätern in die Hände spielen, sollten sie unseren Blog kennen. Und bis vor einem Jahr habe ich mir noch gedacht, die Strafen die wir uns vielleicht eben deshalb einholen, wären gerecht und doch gerade richtig. Manchmal habe ich das Gefühl, ich suche nur den Kick, um gewisse Strafen oder Konsequenzen abzuholen. Es ist wie eine Sucht. Nicht die Konsequenzen selbst, sondern der Kick, dieses fiebernde… Ich merke, ich darf-soll nicht weiter darüber schreiben. Es ist zumindest etwas, was ich tatsächlich gesucht habe. Oder wir gesucht haben. Die Anderen dachten sich vielleicht „Wenn es die Täter wirklich gibt, werden sie den Blog finden und wir erfahren das“ denn, auch wenn es zeitweilig anders klingt, zu 80 % glauben die Anderen immer noch nicht wirklich daran. An das alles. Was auch immer dieses alles ein kann. Das lasse ich mal offen.

Wieso schreibe ich „letztes Jahr“?

Weil sich etwas geändert hat. Ich sage ja, wir beobachten fast die ganze Zeit. Und weil ich mit denen, die mitbeobachten im Kontakt und Verbindung stehe weiß ich, dass sie es überhaupt nicht gut finden, dass ich mich hier zu Wort melde. Komisch, nicht wahr? Eine Kara, eine Mia, Jola, Hanna, Lita und und und können hier bedenkenlos schreiben. Über Einträge von ihnen lachen sich meine Leute meistens ins Fäustchen oder reagieren mit fast schon provokanter Gleichgültigkeit. Aber kaum sind meine Hände auf den Tasten oder kaum habe ich persönlichen Kontakt zu einem Außenmenschen, fühle ich mich beinahe, als würden sie mir den Rücken zerkratzen. Ich höre Vorwürfe, Einschübe, Drohungen, Beleidigungen und teilweise sogar Ablehnung und Verachtung. Aber ich bin niemand der sich den Mund verbieten lässt und meine es nicht einmal böse. Weder mit mir-uns noch mit den anderen von uns.

Ich würde sagen, ich habe umgedacht – durch den Kontakt mit der Außenperson. Es gibt einen Menschen, den seit ca. zwei, drei Monaten, vielleicht sogar schon seit Dezember, viele von uns kritisch beäugen und ständig im Visier haben, egal mit wem von uns sie in Kontakt steht. Egal ob ein Lämmchen, eine Hanna, eine Penny, eine Lucie oder eine M., Charly oder sonst wer mit ihr in Kontakt treten. Im Hintergrund sind hier meine, hm, wie könnte ich sie nennen, um keine Verwirrung zu verursachen? Kennt ihr im Film Monster UNI, den PNK Verband? Python Nu Kappa nennen die sich. Eigentlich sind meine Leute überhaupt keine pinken Barbies in Röckchen, aber ihre Reaktion auf meinen Eintrag erinnert mich gerade sehr an die.

 

Ich muss gerade lachen – bin aber auch wirklich die Einzige von uns allen. Wenn ich sie sehen könnte, die in mir, ich bin mir sicher, dass ihre Augen genauso rot blitzen würden wie die der PNK. Und, nur um das klarzustellen, ich will mich nicht über sie lustig machen, ich gehöre ja eigentlich zu ihnen und ich mag sie alle, aber das heißt nicht, dass ich alle ihre Ansichten verstehen und vertreten muss.

Und um jetzt darauf zurück zu kommen: Ja, ich weiß, man kann nicht ausschließen, dass hier Menschen mitlesen, die ganz schubladenmäßig „Täter“ genannt werden. Ich trage das nicht in Apostrophen, weil ich es affig finde, sondern weil man mit so einem Wort extrem vorsichtig umgehen sollte. Ich stelle klar, dass ich ganz gewiss nicht alle Menschen die einer selben Glaubensgemeinschaft angehören, in die Schublade „Täter“ stecken werde, möchte aber dieses Wort für den Eintrag hier der Einfachheit stehen lassen. Eben mit der Klarheit: Ich ziehe da immer noch viele Abstriche. Aus diversen Gründen, die ich erstens nicht nennen darf und zweitens nicht einmal nennen wollte, selbst wenn ich dürfte. Aber falls es die Allgemeinheit beruhigt, wurden wir bisher noch mit keinem Wort auf unseren Blog angesprochen. Ich denke, wenn dann wird dagegen stumm agiert, aber auch das habe ich nicht mitbekommen, sonst hätten wir den längst gelöscht. Oder aber, wir würden anfangen auch hier alle Lesenden zu manipulieren und den Blog und die Einträge irgendwann so gestalten, dass hier gar nichts mehr Sinn und Fug hat, aber auch das ist nicht der Punkt, worauf ich hinaus will.

Ganz kurz gesagt ist es eigentlich nur, dass ich der Meinung bin, dass Öffentlichkeit schützt. Vielleicht nur in Maßen, aber sie tut es auf gewisse Weise. Ich will hier jetzt gar nicht weiter darauf eingehen, weil das eigentlich nicht das ist, worüber ich schreiben wollte, sondern eigentlich wollte ich über mich schreiben.

Viele von uns werden meinen Namen und mich hier vermutlich das aller erste Mal wahrnehmen und kennenlernen, obwohl ich in unserem Kommunikationsheft und in Tagebüchern auch schon häufiger Mal Notiz hinterlassen habe. Das Ding ist, dass ich zwar meine PNK-Mädels & Jungs wirklich gern habe, wir sind wie eine Schwesternschaft und ich würde meinen Platz neben ihnen nie aufgeben wollen, aber ich habe, wie oben erwähnt, umgedacht. Ich werde vermutlich nie denken und mich verhalten können wie die anderen in uns, das ist es einfach nicht – das bin ich einfach nicht, aber ich kann anfangen so Kleinigkeiten in ihrem Verhalten und Fühlen zu … na ja, vielleicht noch nicht wirklich zu verstehen, aber wahrzunehmen. Wie das passiert ist, weiß der Herr allein; ich kann euch darauf zumindest keine Erklärung geben.

Fakt ist: Es hat sehr viel mit jener Außenperson zu tun. Wir beäugen ja oft alle Menschen um uns herum sehr scharfäugig. Aber die meisten langweilen uns binnen weniger Minuten, maximal nach wenigen Monaten. Stellen sich Menschen für uns als „Gefahr“ dar (und unsere „Gefahr“ hat mitnichten andere Bedeutungen als die der Anderen in uns), kriegen wir sie wunderbar schnell los. Wie zum Beispiel Anna letztes Jahr, oder Herr Toggo im Februar, um mal die aktuellsten Fälle zu nennen und nicht zu weit ins Detail zu gehen. Wir sind Meister darin, keine tiefen Bindungen zu Menschen einzugehen. Wenn jemand versucht mit seinen Fühlern nach uns zu greifen, lassen wir, ab dem PNK-Bereich, die Schranken fallen und bauen Mauern auf, die noch schwieriger zu überwinden sind als die Berliner Mauer. Da sind Kopfschüsse, um Flüchtende von der Flucht abzuhalten, noch gar nichts dagegen. Und hinter uns  stehen noch viele weitere, die, sollte es wirklich einmal jemand zu uns durch schaffen, noch weitere Geschütze aufziehen. Das ist überhaupt nicht böse gemeint, es ist einfach so. Und ich sitze halt irgendwie auf dieser „sicherer-als-die-Berliner-Mauer“. Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine… Sorry.

Was will ich mit alldem sagen? Ich stelle fest, dass ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, nicht mehr wie ein Dackel den „Tätern“ hinterher zu laufen. Oder zu ihnen zurück zu rennen, wie ein apportierender Hund. Hol das Stöckchen. Das ist einerseits schwer, weil, wie erwähnt, sind nicht alle Menschen die unsere Glaubensrichtung haben „Täter“. Nicht alle „legen bei uns Hand an“ und selbst diejenigen haben eine gewisse Verwurzelung in uns geschaffen. Und auch um das Klarzustellen: Wir sitzen nicht um Pentagramme und Kerzen mit dunklen Roben und summen Lieder in Alt oder Bass. Wir opfern keine Babys oder Mädchen oder junge Frauen. Auch nicht in männlicher Version. Aber – und hier kommts – aber mir sind ein paar Lichter aufgegangen, dass die Freiheit die wir meinen mit ihnen zu erreichen, auch nur begrenzt und mit größter Wahrscheinlichkeit eine Illusion ist. Das ist eigentlich unsere Haupt-Sehnsucht. Ich denke, es gibt kaum jemanden von uns, die sich nicht nach Freiheit sehnen. Kann natürlich sein, dass hinter unseren Mauern einige sind die das anders sehen und eine Diktatur einer Demokratie vorziehen, das kann ich nicht sagen, ganz ehrlich, aber letztlich sitze ich nun auf der Mauer zwischen den Anderen in uns und meinen „Python Nu Kappas“. Ich hab hier oben gute Sicht auf die aufgeteilten Außen-Systeme. Wofür ich allerdings nicht unbedingt auf der Mauer sitzen müsste. Ganz ehrlich, die Pythons und ich wissen ganz genau, welches Außensystem (die sich hier ganz offen auch als System 1 und so weiter vorstellen) durch welchen Anteil in welcher Verbindung stehen. Das ist überhaupt keine Schwierigkeit und hätten wir mit Frau Honig so weit arbeiten können, dass sie hinter unsere Mauer kommt, wäre es vielleicht ein therapeutischer Erfolg gewesen. Für sowas reichen ein paar Sätze und Sitzungen aber nicht. Für sowas reicht ein mutmaßliches „in Sicherheit bringen“ und Einsatzbereitschaft und Aufopferung nicht. Bzw, wäre das nicht einmal nötig. Die Pythons und ich (hey, die Bezeichnung mag ich!), legen auf ganz andere Dinge wert, die uns vermutlich nicht einmal jemals jemand abnehmen würde. Irrelevant.

Um den Faden wieder aufzugreifen: Ich habe begriffen, was es bedeutet wirklich frei zu sein. Wer in Freiheit leben will, kann sich keiner Hierarchie unterordnen. Es bedeutet Augenhöhe. Wie soll denn das möglich sein, angefangen bei uns, wenn die Außensysteme keine Möglichkeit auf Augenhöhe mit uns Pythons haben, wenn wir über ihnen stehen? Wie ist es möglich, dass wir Pythons auf Augenhöhe mit denen hinter uns kommen, wenn die wieder weiter über uns stehen – usw. usf. Verständlich? Ich bin nicht blöd, nur war ich lange von der Richtigkeit unseres Innenlebens und Zusammenspielens überzeugt. Es hat jene Außenperson gebraucht, damit ich wahrnehme und sehe, dass das hier alles in uns drinnen kein Zusammenspielen sein kann, wenn es durch eine Hierarchie bestimmt wird. Vor allem so manipulativ und ohne jede Transparenz. Denkt ihr denn – und jetzt frage ich mal diejenigen in uns selbst, die hier hauptsächlich bloggen – dass ihr je erfahren werdet, wenn ein Befehl von ganz oben kommt, so zu agieren oder zu fühlen, wie ihr agiert oder fühlt? Denkt ihr wirklich, ihr seid in der Lage gewichtige Entscheidungen zu treffen?

Nicht einmal ich könnte mit Sicherheit sagen, ob ich wirklich freiwillig auf dieser Mauer sitze und in Kontakt mit einem Außenmenschen trete und auf den Geschmack von echter Freiheit und Zusammenarbeit mit unseren Außensystemen komme, oder ob das nicht irgendwo ganz oben in unserer inneren Struktur bestimmt wird. Ich bin ehrlich – ich kann es nicht sagen, werde es vermutlich nie. Ich kann mich nur auf mein Gefühl verlassen. Und auf eine gewisse Logik. Wie zum Beispiel, dass die Pythons phasenweise wirklich in die Luft gehen, dass ich nicht mehr ganz ihrer Ansicht bin und… hilfe, werden wir mal theatralisch – abtrünnig werde. Aber wer weiß schon was genau hinter alldem steckt?

Fakt ist, mir ist es zu blöd. Ich fühle, ich spüre und ich nehme etwas wahr, was mir gefällt. Was mich mehr anzieht, als das Gewohnte. Vielleicht bin ich lebensmüde, vielleicht sterbe ich bei dem Versuch, von dieser Mauer ins Außensystem zu springen… falls das überhaupt möglich ist. Vielleicht sollte ich das aber auch gar nicht tun, wer weiß, ob ich dann mit den Pythons weiter in Kontakt bleiben kann und das – wie nennt man das im Fachjargon? – eine Spaltung begünstigt? Damit meine ich nicht, dass eine weitere Person durch mich entsteht, sondern einfach, dass es sehr gut möglich ist, dass durch meine Aktion der Kontakt zu den Pythons eingeschränkt oder verboten wird. Das ist nicht mein Ziel, weil sie mir viel bedeuten. Mein Platz bei den Pythons ist quasi meine Heimat und gleichzeitig macht genau das mich verletzlich. Genau das könnte im Endeffekt zu einer Strafe für mich führen. Genau das könnte ein Druckmittel gegen mich werden. Das Problem ist nur, dass ich für sowas nicht gemacht bin. Wenn man mir die Pistole auf die Brust setzt, sage ich „Schieß ab“, weil ich mich nicht in die Ecke treiben lasse. Ich stehe zu meinen Entscheidungen und meinen Gefühlen. Da hat die Außenperson wohl die Falsche in uns erreicht, denn wenn ich auf den Geschmack von etwas gekommen bin, das wirklich, wirklich köstlich ist… wäre ich nicht dumm, würde ich sagen, ich versuche nicht mein Bestes, um es noch einmal schmecken zu können?

Nächster Punkt ist, neben meinem wunden Punkt, meine Sucht nach diesem Kick. Mir ist klar, wo ich mich gerade bewege und mir ist klar, dass mir dieser Kick, den ich suche, den ich brauche in dieser „anderen Welt“, außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft, nicht mehr gegeben sein wird. Und nein, kommt mir bitte nicht mit irgendwelchen Bungee Jumping Vorschlägen. Diese Art von Kick ist etwas ganz Anderes, auf das ich hier nicht näher eingehen werde. Das ist eine Frage und eine Unschlüssigkeit, die in mir steckt und mich immer wieder noch eher zu meinen Pythons als zu den Außensystemen zieht. Eher noch zu der vorgegaukelten Demokratie und Freiheit unserer Glaubensgemeinschaft, als zur wirklichen Freiheit in der Außenwelt. Ganz unabhängig von irgendwem, denn sie sind die einzigen, die mir das geben können, was ich brauche. Oder was meine Sucht befriedigt.

Ich weiß nicht, ganz ehrlich, wie lange dieser Eintrag die Chance hat öffentlich zu bleiben. Denn wie gesagt, ich meine ich weiß, was ich tue. Ich meine ich habe die Chance mich zu Wort zu melden. Aber zu 100 % werde ich nicht sagen können, ob jemand weiter oben nicht wollte oder will, dass ich das hier schreibe. Aber zumindest habe ich es versucht. Zu dem zu stehen was ich bin, wer ich bin, was ich denke und was ich fühle.

R.

 

 

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