Viel zu erzählen, aber keine Worte [R]

Ihr Lieben,

es ist sehr still bei uns geworden auf dem Blog. Ich würde es gerne ändern, aber wie ja schon oft erwähnt, bin ich nicht die große Bloggerin und da ich – ja, immer noch ich – da bin und den Alltag übernehme, kommt das halt irgendwie ein wenig zu kurz.

Hauptsächlich schreibe ich eigentlich nur, damit keine große Sorge um uns entsteht, wenn wir nicht so aktiv sind. Im Moment ist alles in Ordnung, denke ich. Wir versuchen seit einigen Wochen irgendwie Lösungen für die nächsten zwei Wochen zu finden. Es stehen ein paar Tage an und wir haben nicht die optimalste Lösung, aber doch besser als gar nichts.

Es wird einerseits schwer, weil die Person, bei der wir unterkommen können, nichts von unserem Hintergrund weiß, aber es ist tausendmal besser als eine Geschlossene. Das kann ja auch keine Dauerlösung sein. In ein, zwei Jahren werden wir auch alleine wohnen und da werden wir ja auch nicht jeden Monat für zwei Wochen in die Geschlossene gehen können-wollen. Die Tage die anstehen werden außerdem wirklich getrennt gefeiert. Zu Ehren von soundso. Möchte die Namen nicht nennen, ist ein Glaubens-Ding, weil wir uns hier nicht der „Religion“ bekennen wollen (und nein, es ist nicht der „Satanismus“…). So wie andere Jesus seine Auferstehung und sowas feiern, feiern wir eben gewisse Menschen die prägend waren in der Geschichte unserer „Religion“. Es sind also in den nächsten zwei Wochen „nur“ drei Tage, die unabhängig voneinander gefeiert würden, aber da schon eine Woche vorher der Drang anfängt, dass man zu wollen hat, dort zu erscheinen, sind wir lieber schon eine Woche früher weg. Klar ist die Person jetzt nicht bekannt mit unserem Hintergrund, aber sie bedeutet uns sehr viel, wir fühlen und wohl bei ihr und dort, wo sie wohnen (sie und ihr Freund), ist nicht gerade in der Innenstadt. Ich könnte also nicht einfach so mir nichts, dir nichts in den nächsten Bus steigen und sagen „So, bin dann mal für ein paar Stunden beim Abendtisch“. Ja, man könnte hier jetzt spekulieren und es ist auch nicht abzustreiten, dass man jederzeit abgelöst werden kann und dann Höhere aus unserem System übernehmen, aber wenn wir nicht endlich zumindest versuchen Eigenverantwortung zu übernehmen, können wir nie erfahren, ob das klappt.

Ich muss sagen, ich bin leicht nervös wegen der kommenden zwei Wochen, aber … irgendwie habe ich das Gefühl, wir haben endlich mal etwas getan. Uns selbst für etwas entschieden. Und uns selbst gekümmert.

Spätestens, wenn wir zurück sind, melde ich mich wieder.

Und danach muss ich nochmal nachdenken, weil nicht einmal ne Woche später gibt es wieder einen Zeitraum, in den ich uns in Sicherheit bringen muss und dieser Zeitraum ist leider kein (im Vergleich) harmloser Festtag zu Ehren von gewissen Menschen.

Ich werde jetzt ein Thema ansprechen, das tief geht, das sehr triggernd sein kann, das wirklich, wirklich beschämend und schmerzhaft sein kann, vor allem, wenn man es selber kennt. Eigentlich werden wir uns damit sehr verwundbar machen, aber ich möchte diese Grausamkeiten nicht für uns behalten. Eigentlich würde ich sie am liebsten der ganzen Welt ins Gesicht schlagen, damit sie endlich verstehen, was es noch bedeutet, außer körperlicher Gewalt, was passiert! Den Mut dazu habe ich nicht, ganz ehrlich, deshalbe werde ich dieses Thema ich in einem extra Eintrag angehen, weil ich nicht weiß, ob ich es wirklich öffentlich stehen lassen kann oder nicht doch noch auf ein geschützten Eintrag abändere. Bitte lest mit äußerster Vorsicht weiter.

Über die Demütigung, Entwertung, Verdrehung und Dynamik der „Szene“

 

Beziehungen sind nie einfach [M.]

… Kommunikation genauso wenig.

Wir sind müde. R. ist heute schon um vier Uhr aufgestanden, obwohl wir gestern lange mit B verabredet waren. Am Mittwoch und gestern waren wir mit ihr bis Mitternacht unterwegs. Gestern tat es sehr gut, auch wenn wir am Anfang nicht so ganz bei der Sache waren, weil sich einige aus unserem System per Mail an R. gewandt haben (einschließlich mir) und sie mit den Dingen konfrontiert haben, die sie einfach nicht hören will, obwohl sie wichtig sind.

Zugegeben sind Riri und Raven nicht die angenehmsten von uns, um mit so etwas drüber zu reden, weil sie eher auf Angriff gehen, bevor sie verletzt werden. Ich verstehe beide Seiten, sowohl die von R., Mika und Co., als auch die aus meinem System, auch wenn ich eher zu meinen Leuten tendiere, weil wir einfach ähnlich ticken. Wir sind weniger die Gefühlsmenschen (schon auch), aber wir müssen vieles analysieren, verstehen und benennen können und wenn Situationen auftauchen, vor allem zwischenmenschlich, was nicht greifbar oder nicht einschätzbar ist, werden wir nervös. Gar nicht primär, weil wir den zwischenmenschlichen Beziehungen, die man nicht benennen kann, nicht trauen, sondern einfach weil wir uns sehr schwer damit tun, etwas nicht benennen zu können. Das muss ungefähr so ein unbehagliches Gefühl sein wie für Menschen die gegen irgendwas eine Intoleranz haben, und auf einmal gibt es aber keine Nährwertangaben mehr auf den Nahrungsmitteln.

Trotzdem versuche ich R. und Mika & co. zu verstehen. Allerdings wünschten wir uns dann auch ihr Verständnis und deshalb sind wir miteinander über E-Mail seit einer Woche im Kontakt, wobei R. uns erst gestern geschafft hat zu antworten. Am 17. hat Riri ihr das erste Mal eine Mail geschrieben, weil wir sie anders nicht erreichen. Im Kopf blendet sie uns aus und hört einfach nicht hin oder spaltet und gezielt ab. Vermutlich, weil wir sie verletzt haben, was aber nicht unsere Absicht war.

Im Kommunikationsheft sind wir nie tätig. Das ist nicht unser Ding. Ich kann mich auch nicht erinnern jemals handschriftlich etwas geschrieben zu haben. Allein die Vorstellung einen Stift in der Hand zu halten, fühlt sich extrem anstrengend und nach Fingersport an. Total seltsam sowas zu lesen, wenn man ja weiß, dass andere von uns viel und gut und gerne schreiben, aber da ich nie im Außen bin/war, wo ich schreiben musste, habe ich damit überhaupt keine Erfahrung und auch gar kein Gefühl dafür. Ich könnte nicht sagen wie es sich anfühlt einen Stift in die Hand zu nehmen und auf ein Blatt zu schreiben. Die Vorstellung wie sich das anfühlen könnte ist aber so dermaßen komisch, dass es mir ne Gänsehaut bereitet. Sorry, total der Off Topic, aber das musste ich jetzt mal kurz los werden.

Also haben wir uns entschieden, R. über unseren eigenen E-Mail Account zu schreiben. Das hat wunderbar geklappt und geht viel schneller als über das Kommunikationsheft.

Wir haben ihr geschrieben, was die ganze Situation bei uns auslöst und sie mit den Dingen konfrontiert, die einfach nicht abzustreiten sind. Sie sind da. Wenn die Nacht hereinbricht, existiert die Sonne trotzdem noch, auch, wenn wir sie nicht sehen. Und solche Klarheiten zu leugnen wäre die Bestätigung von großer, großer Angst. Da sind R. & Co ganz anders als wir.

Wenn wir in Angst geraten vor Verletzung oder Enttäuschung, gehen wir in die Tat. Wir konfrontieren, kommunizieren und wollen verstehen. Wenn die Verletzung aber zu groß sein könnte, können wir Beziehungen innerhalb von einem Atemzug aufs Nötigste herunterbrechen und Gefühle abstellen wie auf Knopfdruck.

R. & Co sind eher so, dass sie die Augen vor Dingen die schmerzhaft sein können verschließen und so tun als wären sie nicht wichtig. Stimmt nicht, sagt sie mir gerade… (-Muriel…)

Stimmt wirklich nicht. Tut mir leid, ich kann und will das so nicht stehen lassen. Ich muss darauf eingehen, weil ich glaube, dass Muriel mich nicht ganz so gut kennt, wie sie meint. Hab sie gerade abgelöst. Nicht, weil ich ihr verbieten möchte sich zu unserer Situation zu äußern (und eigentlich wollte sie einen Eintrag über ein ganz bestimmtes Thema schreiben), sondern weil ich nicht will, dass hier Dinge über mich geschrieben werden, die so nicht stimmen. Wo sie Recht hat ist, dass ich lieber die Augen vor schmerzhaften Sachen verschließe und sie schönreden möchte. Das will ich gar nicht leugnen, das ist die Wahrheit. Aber was nicht stimmt, ist, dass ich sie als unwichtig abtue. Mir ist durchaus bewusst, dass es sehr wichtig ist auf alle Gefühlsregungen und körperliche Anzeichen einzugehen. Ich habe ja nicht umsonst schon oft erwähnt, dass ich irgendwo im Hintergrund spüre und höre und ich sie wahrnehme. Nur bin ich aktuell noch überhaupt nicht in der Verfassung darauf einzugehen. Unter anderem weil ich denke, dass es noch viel zu früh dafür ist. Es geht im Übrigen um die Beziehung zu jener Person, für die wir (scheinbar) viele von uns einer Meinung zu sein scheinen, was die Gefühle betrifft. Die Themen die Riri, Raven und Muriel in der Mail an mich angesprochen haben sind durchaus sehr wichtig, vor allem für uns als Ganzes, aber ganz gewiss noch nicht jetzt. Wenn das alles in einem Jahr noch genauso ist, dann würde ich vielleicht anfangen mir darüber Gedanken zu machen. Oder wenn wir in vier Jahren noch genauso für die Person empfinden wie wir nach vier Jahren immer noch für Carmen empfinden, wäre es vielleicht noch tausendmal wichtiger, Dinge anzusprechen. Aber nicht jetzt. Außerdem habe ich in der Mail, in der ich geantwortet habe, ja gefragt was wir tun könnten, damit es für uns alle irgendwie gut ist:

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Es stimmt also auch nicht, dass ich ihnen nicht zuhören möchte oder nicht ernstnehme, was sie zu sagen haben und was ihre Sorgen und Ängste sind. Nur finde ich wirklich, dass es noch viel zu früh ist, um sich über solche Dinge Gedanken zu machen. Man kann doch nicht wissen, ob die Gefühle für eine Person in einem Jahr oder in zehn Jahren noch dieselben sind wie heute und ich finde Dinge dann deshalb noch komplizierter zu machen als sie eh schon sind, wenn sie noch gar keine Relevanz haben, sehr fragwürdig. Ich bin ja auch mit dem Motto großgeworden: „Das Leben ist ein Fluss, nichts, was man festhalten kann“, was vielleicht sinnprägend war dafür, dass wir nie eine tiefe, zwischenmenschliche Beziehung eingegangen sind (bis auf zu Carmen), weil wir-ich immer davon ausgehe, dass nichts für immer hält. Und das hören nun einmal 90 % der Menschen, die verliebt sind, überhaupt nicht gerne. Menschen die sich in uns verlieben, haben angst davor – meine ich zumindest mir einzubilden – weil wir ganz offen damit umgehen, dass wir uns an nichts binden und nichts versprechen (können). Und da wir Menschen, die aber sehr an ein Fürimmer glauben im Gegenzug unheimlich finden, verlieben wir uns so selten wirklich in jemanden. Wir finden diese aufeinandergehocke-monogame-Beziehungen á la „mit dir werde ich mein Leben verbringen, und alles für dich aufgeben“ sehr, sehr, sehr beängstigend. Wir sind nun einmal ein sehr menschen-unabhängiges System, das besser (und lieber) alleine lebt als mit jemandem zusammen. Deshalb brauchen und suchen wir auch nie gezielt nach irgendwelchen (Liebes)Beziehungen. Wenn dann aber mal jemand in unser Leben trifft, wie Carmen – so unerwartet wie man Sternschnuppen am Nachthimmel sieht, dann kommen da natürlich auch gewisse Wünsche und Sehnsüchte und Gedanken (ich rede nicht von sexuellen Sachen, sondern von dem Wunsch, die Beziehung tiefer und ernsthafter einzugehen). Die sind menschlich. Deswegen tue ich das alles, was Riri und Raven & die Anderen sagen überhaupt nicht beschwichtigen, nur finde ich, dass es noch überhaupt nicht an der Zeit ist. Wir kennen die besagte Person zwar übers Knie gebrochen fünf Jahre, aber das, was sich an Gefühlen in uns entwickelt hat, hat erst vor einem halben Jahr in einem sehr, sehr langsamen Prozess im Hintergrund angefangen. Jetzt sind sie da. Es ist wie es ist. Und selbst wenn sich da unsere Gedanken alle irgendwo kreuzen, bin ich fest davon überzeugt, dass es Dinge gibt, die viel Zeit brauchen; und eben: Dass nichts Fürimmer ist! Ja – und hier spricht mir Muriel gleich wieder in die Gedanken, dass es nur so sei, weil ich-wir es nie anders kennengelernt haben, das glaube ich aber nicht. Außerdem bin ich da auch ganz anders als Riri und Raven. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob sie genauso wenig an ein Fürimmer glauben wie ich, aber ich weiß, dass sie lieber erst gar nichts versuchen oder es schnell wieder abbrechen, bevor etwas so zu Ende geht, dass es schmerzt. Oh Gott, was hatten wir damals bei Carmen schon solche Diskussionen! Ich hingegen habe keine Angst davor, trotzdem sehr hingebungsvoll zu lieben und meine Gefühle nicht abzustellen, nur weil es früher oder später vorbei ist. Wenn alle Menschen so denken würden, müsste keiner mehr irgendeine Beziehung eingehen und das wäre ein Armutszeugnis, wie ich finde.

Das war jetzt mal mein Statement zu dem, was Muriel vor mir noch geschrieben hat. Ich weiß, sie wollte eigentlich zu Beziehungen allgemein etwas schreiben, es war nicht meine Absicht sie zu unterbrechen, aber ich konnte mich nicht zurückhalten. Gott bin ich müde. Ja, ich bin um vier Uhr aufgestanden, weil ich heute Früh duschen wollte. Da ich diesen Alltag noch nicht ganz gewohnt bin (auch wenn ich jetzt schon einige Wochen so etwas wie einen „Host spiele“) wusste ich nicht, wann ich aufstehen soll um mich noch vor der Arbeit zu duschen. Vier Uhr war definitiv zu früh, ich saß dann nämlich noch zwei Stunden auf der Couch rum, bevor ich losgeradelt bin. Immerhin habe ich die Zeit genutzt, um Muriel in der Mail zu antworten.

Vermutlich versteht hier sowieso keiner ein Wort, weil wir so um den heißen Brei reden und keiner sich wirklich traut auf den Punkt zu kommen, dass wir uns eigentlich nur diese Person an unsere Seite wünschen (zumindest aktuell, weil wie gesagt, man kann nie wissen wie die Gefühle in ein, zwei oder zehn Jahren noch sind), weil sich alles an ihr gut anfühlt. Wie sie mit uns redet, mit uns schweigt, mit uns lacht, uns anschaut und sogar uns berührt (emotional aber auch körperlich [nicht sexuell gemein]). Das ist der Punkt, um den jeder von uns herumredet. Und jetzt muss ich mir definitiv einen extra starken Kaffee holen, sonst schlafe ich mit dem Kopf auf der Tastatur ein.

– R.

 

Update [R.]

Leicht ist das alles nicht gerade, aber irgendwie will ich mich trotzdem noch nicht von hier außen verabschieden. Ich weiß gar nicht, wie ich versuchen soll hier alles zusammen zu fassen. … und hier muss ich schon wieder einen extra Eintrag passwortgeschützt öffnen. Ich bin wirklich nicht gemacht fürs Bloggen…

Komme total durcheinander, wenn ich versuche hier etwas zu schreibe. Das löst ein wenig Stress aus und deshalb schreibe ich wirklich ungerne.

Ich versuche hier nur eine kurze Zusammenfassung von der letzten Woche zu machen, ich kann und will irgendwie einfach nicht in die Tiefe gehen. Bin jeden Tag schon viel zu tief mit-in mir-uns selbst.

Wir haben uns am Wochenende und gestern wieder mit B getroffen. Diesmal war ich mehr im Außen. Dazu habe ich gestern aber auch schon einen Eintrag angefangen, den ich im Entwurf stehengelassen habe und mich entschieden habe ihn auch bloß passwortgeschützt zu veröffentlichen. Hier: Diversität und so weiter.

Hier noch ein kleiner Fun-Fact, wie Freunde einen Wechsel bemerken…

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Ari hatte Montagabend mit der „Traumapäpstin“ (wie Mona sie nannte – ich musste lachen…) Michaela Huber einen Termin. Sie kam danach noch vorbei und erzählte mir, wie es lief und hauptsächlich ging es darum, dass es wichtig ist die inneren Beobachter zu finden. Außerdem hätte sie immer wieder gesagt „Wozu bilde ich die Leute eigentlich aus, wenn sie nicht weitermachen?“… ich musste darüber lachen. Ari meint, sie sei witzig und man könne mit ihr sehr gut reden. Ich weiß, dass jemand von uns von ihren Büchern abgeschworen hat, weil in irgendeinem Kontext beschrieben wurde, dass Viele-Patienten sich manchmal so sehr von ihren Therapeuten abhängig machen, dass sie sich am liebsten in ihre Gebärmutter legen würden. Das kam überhaupt nicht gut an in unserem System. Ich hätte selbst eigentlich kreischen können vor lachen, fand es aber nicht weiter schlimm. Außerdem auch nicht, weil ich es ins Lächerliche ziehe, sondern weil ich die Vorstellung und die Beschreibung witzig fand, ohne sie zu entwerten. Ich gebe solchen Dingen nicht so viel Gewicht. Aber einige von uns fanden das kein bisschen witzig und waren angeekelt von ihr und vor allem von dem „Vorwurf“, dass alle Viele-Patienten so eine Therapeutenabhängigkeit entwickeln. Ich denke mich hat hauptsächlich geärgert, dass sie Viele-Patienten so verallgemeinert. In unserer kompletten, bald zehnjährigen therapeutischen Laufbahn haben wir noch zu keinem einzigen von den hundertundein Psychologen auch nur eine vergleichbare Beziehung entwickelt. Ich sage nicht, dass es nicht passieren könnte – kann auch sein, dass wenn wir irgendwann mal auf die Eine treffen, die wirklich gut mit uns allen kann und uns alle auf irgendeine Art und Weise erreicht und berührt, dass das dann passiert; also, wir abhängig werden. Aber ich finde man muss da ganz eindeutig zwischen gesunder und ungesunder Abhängigkeit entscheiden…

Frau Huber hat Ari außerdem eine Adresse von einer Psychologin (oder Ärztin?!, ich weiß es gerade nicht einmal mehr sicher) gegeben, die eine Klinik für-mit Vielen-Vielen (als sie das betont hat, musste ich auch schon wieder lachen) leitet und auch eine eigene Praxis hat. Eigentlich nimmt sie niemanden mehr und hat keine Kapazitäten, aber MH würde sie anrufen und auch Ari hat ihr eine Mail geschrieben mit der Traumapäpstin im Betreff.

Vielleicht geraten wir ja doch noch an eine Stelle, wo man uns (er)tragen und unterstützen kann, ohne vor Überforderung durchzudrehen…

Ansonsten… in der Arbeit habe ich ein total süßes Geschenk bekommen von einer Kollegin die im Pub arbeitet. Eigentlich kennen wir uns gar nicht so gut, aber wir halten immer wieder ein wenig Smalltalk und sind uns sympathisch. Was auf der Karte stand hat mich gleichermaßen überrascht und berührt, weil ich nicht gedacht hätte, dass sie so über mich denkt, bzw. dass sie sowas in mir sieht. Den Text selbst will ich eigentlich nicht veröffentlichen, aber in einem Satz stand, sie würde meine „ruhige Ausstrahlung“ total wertschätzen. Über solche Aussagen stolpern wir sehr häufig. Sehr, sehr, sehr viele Menschen nehmen uns als totaaaaaaaal ruhig und ausgeglichen wahr. Anfangs habe-n ich-wir total darüber gelacht. Die erste Situation war vor fünf Jahren, als wir auf Z. aufgepasst haben und ihre Mutter beim Abendessen das zu uns gesagt hat: „Also, ich bin wirklich keine hektische Person, aber wenn du da bist, muss ich mich immer einbremsen weil du so eine Ruhe ausstrahlst, dass ich mein eigenes Tempo überhole“… Ich habe sie, als sie das gesagt hat, angelacht. Nicht ausgelacht, aber angelacht, weil es die allererste Situation war, in der wir so etwas von jemandem gehört bekamen und ich mehr als nur das komplette Gegenteil von Ruhe oder ruhiger Ausstrahlung an mir-uns wahrnehme. Eigentlich würde ich felsenfest behaupten, dass das Wort „Ruhe“ in unserem Wortschatz überhaupt nicht vorhanden ist! … aber nachdem wir mit solchen Aussagen in den letzten fünf Jahren wirklich oft konfrontiert wurden, schmunzele ich höchstens nur noch darüber und versuche eher zu verstehen, was das ist oder was das wirklich ist, was die Menschen in Kontakt mit uns spüren. Wirklich Ruhe? Oder ist es das Abgespaltet-Sein von allen zu starken Gefühlen, wenn wir im Kontakt sind?

Ich bin ja grundsätzlich davon überzeugt, dass Menschen mit selbst nur geringen Feingefühl starke Emotionen vom Gegenüber wahrnehmen, auch wenn sie es nicht einordnen können. In Kontakt mit Menschen werden immer irgendwelche Schwingungen ausgelöst, davon bin ich so überzeugt wie von der Tatsache, dass die Erde rund ist.

Deswegen frage ich mich eher, ob diese „Ruhe“, die Menschen in-von uns spüren, wenn wir mit ihnen im Gegenüber sind, nicht viel, viel eher unsere Abspaltung von alles und jedem und sogar uns selbst ist.

Auf jeden Fall habe ich die Karte in meinem Zimmer verstaut und das leckere Geschenk steht in der Küche und wartet darauf verspeist zu werden. Habe es noch nicht geöffnet, weil ich es schade fände die Deckel abzunehmen; sieht so schön aus… :-p

Neben der Begegnung mit der Kollegin hatte ich auch noch eine tolle Begegnung in unserem eigenen Garten, nur paar Schritte von unserer Veranda entfernt: Eine Ringelnatter! Ich liebe Schlangen ja und hätte ihr Stunden zusehen können, wie ihre schmale Zunge zwischen ihren Kiefern tanzt und mich beobachtet. Sie hatte aber Angst, deshalb habe ich sie nach einer halben Stunde anstarren in Ruhe gelassen. Sie wohnt vermutlich um die Ecke des Hauses im kleinen Teich in unserem Garten. Schön fände ich das auf jeden Fall. Schlangen sind bei mir willkommen, solange sie sich ihr Fressen selber suchen und ich sie nicht mit lebendigen Tieren füttern muss. Das könnte ich nicht.

Neben all dem Alltag und den schönen Momenten, die ich zu genießen versuche, geht es mir aber nicht allzu gut. Ich bin sehr verunsichert und ärgere mich gleichzeitig auch darüber, weil ich weiß, dass das Thema, das mich verunsichert, nicht lebensnotwendig ist im Leben. Es geht um die Liebe.

In dem Zusammenhang hört sich der Satz vollkommen falsch an. Liebe ist absolut notwendig im Leben, aber … viel richtiger ausgedrückt: Liebesbeziehungen sind nicht lebensnotwendig und es ärgert mich aber, dass wir gerade in einer solchen Situation stecken, in der viele von uns so fühlen, wie man für Menschen fühlt, wenn… ja, was auch immer. Es ist mir sogar unangenehm darüber zu schreiben.

Jedenfalls schlage ich mich seit Tagen damit herum, dass ich mir von Innen Dinge anhören muss, die mich sehr verletzen und wirklich irre wehtun. An manchen Tagen liege ich dann fast wie gelähmt vor Schmerz auf der Couch oder auf dem Bett und kann nicht einmal mehr nach draußen gehen, weil es schon zu dunkel ist und ich versprochen habe – uns und auch Mitmenschen – Verantwortung für unsere Sicherheit zu übernehmen und da in den nächsten zwei Wochen wieder sehr kritische Tage kommen, die nicht mehr gewährleistet ist. Also liege ich da, bitte und bitte und bitte inständig, sie mögen doch aufhören mir solche Sachen zu sagen. Sie haben so einen wunden Punkt in mir erwischt, dass ich nicht einmal weinen kann, weil das Bohren da drinnen einfach nur schmerzhafte Taubheit auslöst. Ich will nicht hinhören, aber als Viele kann man sich nicht einfach die Ohren zuhalten und ein Lied summen, weil sie alle in unserem Kopf, in diesem Körper existieren.

Als ich heute aufgewacht bin, lag ein Brief auf meinem Schreibtisch. Ich konnte gestern Abend noch sehen, wie jemand dort saß und schrieb, aber weil ich so wund war von den ganzen Worten, die man mir um die Ohren haut von innen, war ich nicht in der Lage zu erspüren wer im Außen ist, also habe ich das nur dumpf beobachtet, bis ich die Kontrolle der Person, die im Außen war, komplett übergeben habe, weil sie ruhig wirkte und nicht wie jemand, der gleich aufsteht und sich in Gefahr begibt.

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Vorhin habe ich den Brief gelesen und er hat mich total mitgenommen. Ich kann mich erinnern, dass ich vor… zwei Wochen, denke ich, mich abends unterm Sternenhimmel auf den Weg gemacht habe, um mich mit der Person zu treffen, für die mein Herz schlägt und ich weiß, wie ich mit dem Blick in die Sterne plötzlich jemand Fremdes (niemanden aus unserer Ebene) im Co-Bewusstsein hatte. Wer unseren geschützten Beitrag Geschützt: Update geschützt [R.] schon gelesen hat, weiß, wieso das überraschend und auch ein wenig erschreckend war. Aber ich wusste von ihr, dass sie für die Person genauso fühlt wie ich und auf einmal war es, als würden zwei Herzen in einem Körper im selben Takt schlagen. Das war total überwältigend und ich musste auf dem Weg zum Wasser ein bisschen weinen. Es war so neu, diese Sache nicht rational entscheiden und auseinanderpflücken zu müssen. Es war sooo neu, im Herzen gemeinsam zu spüren, dass dieser eine Mensch das Richtige in uns auslöst und es sich gut anfühlt. Mit ihr und einigen anderen von denen ich weiß, sie fühlen wie ich und denken ähnlich darüber, fühle ich mich etwas stärker und gestärkt gegen die verletzenden und angreifenden Worte von innen. Und ich denke Mika hat Recht in dem, was sie sagt: Ganz sicher ist es auch nur ihre Angst vor dem Schmerz, so zu denken und zu reden.

Ich möchte mich davon nicht leiten lassen, überhaupt nicht. Aber es ist schwer in eine andere Richtung zu denken, wenn man so fest in einem wunden Punkt bohrt, dass man nur noch taub dasitzt und betet, dass sie damit aufhören.

Nach vielen Stunden, als ich mich dann endlich schlafen legen wollte und schon nach Mitternacht im Bett lag und mich hin und her wand, weil man nicht aufhören wollte mir zu erklären, wieso dies nicht und das nicht und wie dumm ich doch sei, habe ich laut ausgesprochen „Bitte hört endlich auf, ihr tut mir weh!“ … und zack, war es auf einmal still. Fast schon beschämt still. Als würden sie sagen wollen: Tut mir leid, wir wollen dir nicht wehtun. Aber diese Aussage kam nicht. Bloß das plötzlich beschämte Schweigen im Innen fühlte sich danach an. Ich bin mir fast sicher, sie wollen mir auch nicht wehtun damit, sondern mich schützen. Aber ich denke, ich bin alt und groß genug für mich selbst zu entscheiden welchen (emotionalen) Weg ich gehe. Ob ich mich auf Liebe einlasse oder nicht – und Mika hat auch in dem Punkt recht, dass es nicht lebenswert wäre, wenn man aus Angst vor Verletzungen sich von vornerein gegen alles entscheidet, was sich im Augenblick gut und richtig anfühlt.

Das ist als würde man sagen: Dann brauche ich gar nicht leben, denn ich sterbe früher oder später sowieso.

– R.

Nicht mein Level [R]

Tut mir leid für den seltsamen Eintrag gestern Abend. Ich wüsste nicht, dass ich mich mit einem „Kumpel“ treffen wollte. Eigentlich war ich mit einer Freundin unterwegs. Ich denke bis 22:30 Uhr war ich ungefähr Zuhause und ich meine ich wüsste, was wir die ganze Zeit gemacht haben.. Als ich mein Handy zum Aufladen wieder anstecken konnte (mein Akku war irgendwann gegen 19/20 Uhr leer), sah ich einen Haufen Anrufe. Ich schrieb Ari zurück. Mona hatte ich ja unten im Wohnzimmer noch gesehen, aber ich wollte dringend duschen gehen. Ich war durchgefroren. Wirklich, deshalb bin ich kaum zur Tür rein, habe nur kurz im Wohnzimmer Mona und Jimmy Hallo gesagt und bin schnell unter die Dusche gesprungen. Irgendwie bekam ich das Gefühl nicht los, dass irgendwas seltsam ist. Mona wirkte… sie hat mich so angesehen. So, dass ich dann beim Duschen meinen Körper angeschaut habe. Wie gesagt, ich meine ja zu wissen, was gestern den ganzen Tag war, andererseits wusste ich nichts von dem „Punktpunktpunkt“ Eintrag – und dass ich mich mit einem Kumpel treffen wollte. Zwar wusste ich von dem Eintrag auch erst, nachdem ich meinen Körper vorsichtshalber mal begutachtet habe (keine Verletzungen), aber Monas Blicke am Abend haben mich sehr beunruhigt.

Als ich nach dem Duschen wieder runter bin, war Ari da. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Ich habe mich zwar sehr gefreut, dass sie da war, aber nicht aus diesem Anlass. Nicht, aus Sorge um uns. Ich habe mich bei ihr angelehnt und erst da habe ich gespürt, wie unendlich erschöpft ich eigentlich war und ihre Nähe wie ein langer Erholungsurlaub für das Gehirn ist. Manchmal meine ich, es richtig seufzen zu hören.

Als ich wieder etwas entspannter war, entschuldigte ich mich bei Mona dafür, dass ich länger weg war als geplant und bei Ari dafür, dass sie aus Sorge wieder hierher gefahren ist. Mein Akku vom Handy war leer und das Ladekabel von B hat nicht in mein Handy gepasst. Ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen und habe B auch gesagt: „Oh nein, hoffentlich machen sich Mona und Ari keine Sorgen, wenn ich mich jetzt nicht zurückmelden kann!“… deshalb ist B mit mir auch sofort ins Auto gesprungen und wir sind nach Hause gefahren. Die Fahrt hat fast eine Stunde gedauert und ich hatte meine Nägel fast abgekauft, so nervös war ich, weil ich keine unnötige Sorge verbreiten wollte … Aber so ist das, wenn man Menschen nicht egal ist – sie sorgen sich und man selbst hat auch Verantwortung dafür, dass sie nicht verrückt werden. Ich hätte das Zweithandy mitnehmen sollen und ich hatte wirklich… – habe ich immer noch – ein sehr schlechtes Gewissen… Mona gegenüber sehr. Ari gegenüber zwar auch… aber sie gibt mir irgendwie das Gefühl, ich müsste mich nicht schuldig fühlen. Ich komme bei ihr einfach an – und zu mir. Bei Mona ist das anders. Bei ihr habe ich das Gefühl, dass jedes Mal, wenn etwas passiert (falls etwas passiert), ich in ihrer Schuld stehe. Noch schlimmer ist es, wenn eigentlich gar nichts passiert ist, wie gestern, und sie sich umsonst Sorgen machen…

Mein Kopf dreht sich schon wieder. Vom Gefühl her würde ich sagen… ich wünschte ich könnte die Zeit zurück drehen und vorausschauender Denken. Ladekabel mitnehmen, Zweithandy mitnehmen, es hätte zig Möglichkeiten gegeben. Daran denken, dass es Menschen gibt, die sich Sorgen wenn wir plötzlich nicht mehr erreichbar sind. So ein Fehler wird mir sicher nicht wieder passieren.

Als ich abends dann noch eine Weile an Ari lehnen durfte und irgendwann alles besser wurde und ich mich nicht mehr schlecht fühlte, sondern einfach glücklich, dass sie da ist, hat sie gefragt, ob es schön war mit B. Ich fing an zu erzählen wo wir waren. Merkte beim Erzählen, dass ich nicht viel Emotionen dazu habe, ich war nicht direkt im Außen. Da B ein wirklich ganz anderes Level an Energie hat als ich, ist meistens Fliege in ihrer Gegenwart im Außen. Fliege hat fast noch ein größeres Energielevel als Lou – oder besser gesagt: Ein Anderes. Sie sind auf andere Art und Weise immer im Maximum an Energie.

Aber ich konnte Ari erzählen wo wir waren. Im Real, am See, in der Stadt… Ich konnte Ari schmunzeln spüren und dann meinte sie „Ich habe keinen Bericht erwartet, ich habe mich nur interessiert, ob es schön war.“… hab an ihrer Schulter darüber gelächelt. Stimmt, das waren nicht die Antworten auf ihre Frage, aber ich hätte ihr sie nicht beantworten können. Ich war im Kontakt mit B wieder bei meinen Pythons beim Beobachten, aber ich denke, Fliege fand es schön. Fliege und B sind unzertrennlich und deshalb ist es sehr schwer, den Kontakt zu B einzuschränken. Manchmal habe ich das Gefühl, das täte uns beiden besser. Sehr wahrscheinlich hat B auch denselben Hintergrund wie wir. Sie hat auch eine DIS, aber sie kommt damit viel weniger zurecht als wir und manchmal würde ich ihr gerne helfen, würde gerne für sie da sein, aber sie ist sehr sensibel was das angeht und ich glaube auch da ist Fliege eher der richtige Kontakt. Mit Einfühlungsvermögen zieht sich B dann eher zurück und redet die Sache eher klein und nichtig. Wir hatten etwas über ein Jahr keinen Kontakt mehr zu ihr… Fliege hat sie sehr vermisst und auch andere aus den Schalensystemen, die sie damals, vor ungefähr acht Jahren, in der Kinder und Jugendpsychiatrie kennengelernt haben. Wir haben uns vom ersten Tag, den wir sie dort in der Klinik kennengelernt haben, wie seelenverwandt gefühlt und ich kann es nicht sagen – auch, wenn ich oft Angst habe, wir tun uns nicht gut – liebe auch ich sie zu sehr, als dass ich den Kontakt einschränken könnte. Es ging ein Jahr lang gut – und das geht es immer wieder, aber ich werde früher oder später wahnsinnig wenn ich nicht weiß, wie es ihr geht. B lebt total in einer Funktionswelt und spaltet extrem alles ab, was auch nur annähernd mit dem Hintergrund zu tun haben könnte, aus dem sie kam/kommt und auch alles, was mit der DIS zu tun hat, macht ihr nur Angst. Sie lacht zwar darüber, wenn sie über Dinge erzählt, aber ich spüre dass sie wirklich Angst hat. Manchmal würde ich sie einfach gerne in den Arm nehmen und mit ihr weinen, weil ich genau verstehe, wie sie sich fühlt, aber ich denke, sie würde sich eher in sich zurückziehen. Denn wenn es echt wird, wird es gefährlich.

Und weil wir eben so anders sind, vor allem seit wir uns bewusst für den Ausstieg entschieden haben, habe ich-und einige von uns dafür entschieden, den Kontakt abzubrechen weil wir nicht wissen, ob sie kaputtgeht daran, wenn sie unseren Weg mitbekommt. Sie kriegt beinahe Panikattacken, wenn sie von der Polizei hört oder sie irgendwo eine sieht. Sie lacht sie immer weg, aber ich spüre sie. Gleichzeitig möchte ich sie nicht anlügen, denn auch sie spürt sehr viel und sowieso sofort, wenn ich-wir lügen würden. Das hat schon oft zu Problemen zwischen uns geführt. Und letztes Jahr, als wir davor wieder fast ein Jahr Kontaktabbruch hatten, lagen wir uns wirklich fast weinend in den Armen, zitternd, weil wir uns versprochen haben uns nicht mehr anzulügen, weil wir uns zu wichtig sind und füreinander da zu sein. Nun… bis eben letztes Jahr unser Ausstieg noch realer wurde und wir doch wieder entschieden, den Kontakt abzubrechen, weil wir nicht wussten, ob wir sie nicht doch anlügen würden, um sie zu schützen, um sie nicht in Panik geraten zu lassen, um… na ja. Ich spüre zumindest immer, wenn es um das Thema geht, dass sich zwischen uns etwas bildet, wie eine Mauer. Ich spüre dann fast so etwas wie eine Art Feindseligkeit oder als würde eine Distanz entstehen, irgendwie ein Loch, aus dem geschrien wird „Wenn ihr weiter über dieses Thema redet, werdet ihr zu den größten Feindinnen der Weltgeschichte“. Und deshalb ist das Thema DIS, Ausstieg, Hintergrund… meistens nur eine Handbewegung oder wie ein kurzes Thema über das Wetter: Weil ich sie zwar schützen will, aber weil es immer wieder unweigerlich manchmal auf das Thema kommt und ich sie auch nicht anlügen möchte. Genauso wenig wie sie uns. Das war schon einmal anders. Letztes Jahr hat sie die DIS wieder geleugnet, war sich sicher, es läge an den starken Schlafmedis und dass sie wegen denen Halluzinationen bekommt und deshalb Erinnerungslücken hat… ich war mir sicher, dass es nicht daran liegt, habe ihr aber nicht widersprochen, ich dachte, sie würde früher oder später selber merken, dass es nicht an den Medis liegt. Gestern hat sie mich darauf angesprochen und ich war … berührt davon, dass sie mir das gesagt hat. Ich war so berührt, dass ich fast geweint hätte, weil sie sonst nicht gerne darüber spricht und weil ich oft das Gefühl habe, sie will mit mir gar nicht darüber reden.

Puh… es ist schwer, aber es ist, wie es ist.

B kennt mich ja persönlich überhaupt nicht. Gestern habe ich das erste Mal persönlich mit ihr im Außen gesprochen (eben als sie sich uns anvertraut hat damit, wie es ihr geht…), aber habe mich natürlich nicht zu erkennen gegeben. Den Rest des Tages war hauptsächlich Fliege mit ihr unterwegs und sie hatten Spaß.

Klar war ich abends dann, als B mich wieder Zuhause abgeliefert hat, sehr erschöpft. Wie gesagt, ist Fliege ihr Energielevel nicht im Geringsten das Meine und obwohl ich für mich selbst im Innen eher ausgeruht war, habe ich im Körper außen sofort die Erschöpfung gespürt. Umso dankbarer war ich dann, als Ari noch aufgetaucht ist, selbst wenn mir der Anlass nicht behagt, sie hätte sich keine Sorgen machen müssen – Mona auch nicht. Und für das nächste Mal weiß ich bescheid: Verantwortlicher mit uns und Mitmenschen umgehen, die uns und denen wir nicht egal sind. Zweithandy oder mindestens ein Ladekabel mitnehmen und regelmäßig melden, dass alles okay ist, wenn wir länger weg sind als geplant.

-R.

Still hier, weil … [R] TW

Es tut mir leid, dass es hier so still ist. Ich bin immer noch aktiv im Außen, es ist soweit alles in Ordnung. Dass ich so wenig schreibe liegt vielleicht daran, dass ich völlig neue Welten entdecke und ich, abgesehen davon, eigentlich überhaupt kein Kopfmensch bin. Mir fällt es schwer, Dinge analysieren und verstehen zu wollen, die mit dem Kopf einfach nicht zu (be)greifen sind. Deshalb schreibe ich auch eher weniger hier im Blog, weil alles, worüber ich schreiben wollte, ich in meinem eigenen Tagebuch festhalte. Es geht nur um Gefühle und melancholischen Krimskrams. Nichts, was hier von Belang wäre.

Sonntag kamen mal unsere Eltern zu Besuch. Ich habe Mona und Ari von vornerein gesagt, sie müssen sich keine Sorgen machen, wenn mein Vater fährt, bleiben sie nicht länger als maximal bis elf, damit er ab Mittags sein Bier trinken kann. Ja, er ist Alkoholiker. Ich denke, das nennt man so, auch wenn ich mir unter einem Alkoholiker etwas anderes vorstelle. Wie dem auch sei. Der Besuch dauerte maximal fünfzehn Minuten. Meine Mutter hat sich sehr gefreut, mich zu sehen. Ich war reservierter als sonst. Wir haben uns viele Wochen, sogar Monate nicht mehr gesehen. Es war aber prinzipiell ganz nett mit denen.

Danach waren wir bei Mia. Vielleicht erinnert sich der Ein oder Andere ja noch an sie. Jemand von uns schrieb zur Sommerzeit öfter mal von den Besuchen von Mia, wenn wir mit Mona und ihr die Nächte bei Lagerfeuer unter Sternenhimmel in unserem Garten verbracht haben. Ihr geht’s nicht ganz so blendend. Sie hat(te) Krebs und wurde operiert. Es gab Nachblutungen und Schmerzen und nach der OP Komplikationen im Krankenhaus. „Ich habe Schmerzen“ – „ach was, Sie können gar keine Schmerzen haben“ (Ich lasse das jetzt mal so stehen). Nach langem diskutieren war klar, dass da was schief gelaufen war und die Schmerzen sehr begründet waren. Ich seufze mal bisschen theatralisch und versuche nicht die Augen zu verdrehen. Ich frage mich, wann wir mal anders über das Gesundheitswesen denken werden können, wenn man ständig mit solchen Idioten konfrontiert wird.

Die Nachblutungen sind normal. Sonst ist auch alles okay, sie soll sich nur mehr schonen. Bald werden wir auch endlich wieder gemeinsame Abende/Nächte am Lagerfeuer verbringen können. Darauf freuen wir uns schon, auch wenn es Mona zurzeit gar nicht gut geht. Auch sie muss zum Arzt weil sie entdeckt hat, woran ihr Befinden liegen könnte. Es hat etwas mit den Nebennieren zu tun, diese Untersuchungen zahlt die Krankenkasse aber nicht. Habe ihr angeboten sie zu begleiten, wenn sie jemanden findet, wo sie zur Untersuchung kann. Sie hat da schon nach Adressen gegoogelt, es ist aber nichts Handfestes.

Mona sagte, sie merke seit einer Woche eine Veränderung bei mir und fragte ganz direkt, ob seit einer Weile jemand anderes da sei als sonst. Das Gespräch war interessant. Sie weiß, dass wir es eigentlich nicht mögen, so direkt gefragt und/oder darauf angesprochen zu werden, aber ich kann damit besser umgehen als die Leute aus unserem Außen/-Schalensystem. (… gelöschter Teil … wird nochmal überarbeitet und evtl passwortgeschützt veröffentlicht)

Tut mir leid, ich tue mir noch etwas schwer zu schreiben, weil ich noch nicht zu 100 % sicher bin, was ich hier schreiben soll-kann und was nicht, deshalb lösche ich im Nachhinein doch noch einige Stellen aus dem Beitrag, die ich lieber passwortgeschützt veröffentliche.

Zumindest ist es so, dass mir wesentliche Dinge an mir selbst auffallen. Da ich ja hauptsächlich im Alltag in der Beobachterrolle die Anteile aus dem Schalensystem im Blick habe, habe ich so ein Bild davon, wie ich/wir zu anderen Menschen bin/sind. Das heißt, wie wir auf ihre Emotionen reagieren, wie wir mit ihnen in Kontakt stehen, wie wir mit ihnen reden und wie wir mit ihnen in Beziehung gehen. Ich weiß also im Endeffekt, wie „ich“ üblicherweise reagiere, wenn Mona uns von den Nierenproblemen erzählt oder Mia von ihrer Krebs-OP. Unsere Anteile aus dem Schalensystem sind weniger empathisch was das angeht, sie kreisen mit ihren Gedanken ständig um sich, ihre Zeitsprünge, ihren inneren Kontakt, der Frage, was/wie/wo und ob es einen Kult gibt und in welchem Zusammenhang etc. pp. Also eigentlich beobachte ich mich-uns als sehr selbstbezogen und sehr abgehakt, wenn wir in Kommunikation mit anderen sind.

Da ich jetzt aber ca. eine Woche im direkten Kontakt mit meinen Mitmenschen bin und selbst in Beziehung gehe merke ich jedes Mal überraschend: So bin ich nicht. Ich denke, man würde mich einen ganz klassischen Empathen nennen. Ich fühle und spüre viel zu viel und sauge auch etliche Empfindungen meiner Mitmenschen auf. Kann zwischen den Zeilen hören-lesen durchs Fühlen und in die Augen schauen/beobachten… ich war überrascht als ich gemerkt habe, dass ich so, wie ich es aus Beobachtungen kenne, nicht auf die Themen anderer und den Kontakt mit Menschen reagieren kann. Das war übrigens wohl auch das Ausschlaggebende, an dem Mona gemerkt hat, dass ein Wechsel stattgefunden hat. Ich hatte durch die beobachtete Gewohnheit im Mund, Monas und Mias Themen mit einem „okay…“ zu quittieren aber nicht weiter darauf einzugehen, merkte aber, dass ich das nicht kann. Es interessierte mich, wie es ihnen wirklich geht. Konnte mich mit Randinfos nicht zufrieden geben,… Mona nannte das „Anteilnahme“. Sie spüre im Kontakt zu mir viel mehr Anteilnahme als sie es in den letzten eineinhalb Jahren von uns kennt. Springender Punkt.

An solchen Situationen und Erfahrungen die Diversität wahrzunehmen ist wirklich… spannend.

Ich wundere mich fast täglich in den verschiedensten Situationen meiner Mitmenschen, dass ich anders reagiere als wie ich es aus meinen Beobachtungen von uns kenne. Ich meine, ich bin achtsamer als die Leute aus unserem Schalensystem.

Das alles ist nicht unbedingt leicht, weil durch das im Außen sein, nehme ich Emotionen und Gefühle und eben Energien/Schwingungen meiner Mitmenschen viel intensiver wahr, als im Innen durchs Beobachten. Dadurch bin ich überschwemmt von Gefühlen. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich gar kein Kopfmensch bin. Dinge, die mit Gefühlen und dem Herzen zu tun haben verstehen, geschweige denn analysieren zu wollen, ist geradezu unmöglich. Gestern habe ich es versucht, aus einem gegebenen Anlass, – ich fühle mich an eine Zeit mit Carmen zurück erinnert. Es war eine schöne Zeit und bis heute der einzige Mensch der uns auf eine Art und Weise berührt hat, dass wir sie immer noch bedingungslos lieben und uns mit ihr verbunden fühlen, und das trotz der Entfernung von Deutschland bis Kreta und jedes Mal, wenn wir uns wieder treffen, weil sie zu Besuch in DE ist, hat sich nicht viel an diesen Gefühlen füreinander verändert. Die Liebe und Vertrautheit ist geblieben und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das verändern wird. Und dieses Thema, diese Liebe, das konfrontiert mich seit Tagen sehr. Ich bin absolut im Herz im Bezug jener Person, mit der wir gerade ähnliche Erfahrungen machen wie damals mit Carmen. Und was mich so zerstreut ist die Tatsache, dass ich eine Wiederholung darin erkenne – im Gefühl. Ich schaffe es aber nicht, sie in Worte zu fassen, vielleicht, weil es keine gibt und weil man gewisse Dinge wirklich nicht mit dem Verstand bearbeiten kann.

Als ich das gestern versucht habe, war ich nach einem halben Tag so erschöpft, dass ich schon um 21 Uhr immer wieder vor dem Fernseher mit Mona eingenickt bin, obwohl ein sehr genialer Tatort lief. Die Handlung war langweilig. Ist sie fast immer, aber ich mochte die Schauspielerin (ihre Rolle) total gerne.

„Ich schlafe nicht beim zweiten Mal mit in einem Bett“
– „Als wir uns damals kennenlernten, hast du das schon in der ersten Nacht…“
„Eben.“

Schade, hätte den Tatort gerne aufmerksam anschauen wollen, aber ich war so müde, wie gesagt, dass ich immer wieder eingeschlafen bin. Nichtsdestotrotz lag ich im Bett dann noch wach, mit Gedanken an jene Situation und an Carmen und die Parallele und dem sinnlosen Wunsch, diese Parallele erkennen oder verstehen zu wollen.

Erst kurz vor dem Einschlafen habe ich mich von der Idee verabschiedet, solche Dinge begreifen zu wollen-können. Es hat was mit dem Herz zu tun und hier gibt es keine kognitiv-richtigen Entscheidungen. Solange es sich gut anfühlt, ist es das Richtige. Darüber nachdenken macht es nur sinnlos schwer.

Und auch hier erkenne ich, dass ich ganz anders bin, als wie ich es am Schalensystem beobachtet habe. Es sind so viele Unterschiede, die mich phasenweise umhauen und in denen ich mich frage „Wow, so bin ich also wirklich, wenn ich in direktem Kontakt mit Menschen sein darf?“

Es gefällt mir sehr. Ich merke, dass ich die zwischenmenschlichen Beziehungen zu den Leuten außerhalb unseres Netzwerkes sehr genieße, denn ich bemerke durch den Kontakt mit den Menschen in dieser „Alltagswelt“, die Manipulation, die in unserem Netzwerk steckt, mit denen ich gewaschen worden in, seitdem ich seit meinem 13. Lebensjahr an Diskussionsrunden und Workshops teilnehmen durfte und was für ein Nebenschauplatz mein Leben seit meinem sechsten Lebensjahr war, wenn ich bei Camps und Ferienlagern mit den anderen Kindern spielte, während die Erwachsenen Mitglieder ihre weiteren Vorkehrungen planten und in den Diskussionsrunden und Workshops die damals dreizehnjährige Generation manipuliert und deren Gehirn gewaschen hat. Und ich bin entsetzt, dass ich so überzeugt war, dass das alles so seine Richtigkeit hat und dass sie die einzigen Menschen sind, die wirklich wüssten wie „leben“ funktioniert. Was mich noch viel mehr erschreckt ist, dass mich der Grundglaube immer noch sehr prägt und ich von dem prinzipiellen Gedanken der Dualität eigentlich überzeugt bin; und eigentlich bedeutet „eigentlich“ eher Nein. Aber ich merke, dass es in unserem Netzwerk eine total verdrehte Lehre war. Auch die Sache mit der Freiheit, die sich, wenn man sich ihre Diskussionsrunden oder Workshops anhört, sehr verständlich und logisch und irgendwie sogar bejahend anhören. Aber dazu kann ich hier nicht ausführlicher schreiben – ich denke, es sind ohnehin schon zu viele Gedanken, die ich offenlege.

Aber wie ich ja auch schon schrieb: Ich lasse mich nicht in die Ecke drängen. Ich weiß (meistens) was ich will und wenn man mir eine Pistole auf die Brust setzt, sage ich „Drück ab, aber ich steh zu meinen Gefühlen.“ Und das ist es, was mich ausmacht, denke ich: Ich denke nicht, ich fühle. Und ich vertraue zu hundert Prozent darauf, dass das, was ich im Herzen spüre, das Richtige ist. Da gibt es keine Chance mit mir zu diskutieren.

… ich muss gerade etwas schmunzeln weil ich passenderweise gestern dieses Bild gefunden habe:

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Das gilt aber wirklich nur, wenn ich mir hundert Prozent sicher bin, dass ich auf mein Herz vertrauen kann. Dann finde ich es unnötig zu diskutieren. Dann kann man mich sowieso nicht von irgendwelchen Kopf-Theorien und Thesen und Studien überzeugen.

Und jetzt verabschiede ich mich mal wieder mit der Frage, wie lange dieser Eintrag so öffentlich bleiben kann-wird, bis ihn irgendjemand aus den oberen Schichten nicht doch vielleicht löscht.

-R.