Revue… wie ist das zu alldem gekommen? (K)

Ich würde so gerne Jola nach vorne lassen, damit wir verstehen was los ist. Obwohl ich mir nicht einmal sicher bin, ob sie weiterhelfen kann. Aber wenn ich versuche sie zu erreichen, dissoziiere ich. Ich meine mir einzubilden, wirklich kurz mit ihr in Kontakt zu kommen, aber wenn es so ist, vergesse ich wenige Sekunden nach dem kurzen „geistesabwesend sein“ schon was der Kontakt war. Mia ist nicht da, die ist gerade nicht einmal in der Nähe. Ich mache mir echt Gedanken, was das alles bedeutet. Ich glaube mit Mona haben wir gestern noch gesprochen und ich weiß von dem Gespräch noch maximal so viel, dass Mona uns die Empfehlung gemacht hat, über eine Erwerbsminderungsrente nachzudenken. Komischerweise (im Sinne vom lustig), hat Frau Thera (ehem.) das auch vorgeschlagen gehabt, 2018. Ich weiß noch, wie wir uns völlig dagegen gesträubt haben. 2018 haben wir noch 25 Stunden die Woche gearbeitet und wir waren zwar sehr gestresst davon, weil wir die Stunden immer irgendwie hin und her schieben mussten, um die Ausstiegsbegleitung in * (was quasi ne Tagesreise beinhaltet) wahrnehmen zu können. Das war oft Thema 2018 bei uns. Auch die Frage, ob wir das weiter machen wollen, weil uns das zu sehr gestresst hat. Wir standen nur noch unter Strom, außerdem haben wir da auch noch viel an Wochenenden gearbeitet und wir wollten die Ausstiegsbegleitung abbrechen, weil wir das vom Stresspegel nicht mehr ausgehalten haben. Allerdings wurden wir von jedem – ausnahmslos jedem, bis auf Sie & Co – dafür mit strafenden Blicken verurteilt oder abspeisenden Sätzen wie „Ja, müsst ihr wissen, wisst ja, was die Konsequenz ist“. Ja, wussten wir, aber wir hatten keine Wahl, es war einfach völlig unmöglich das auf Dauer weiter zu gewährleisten, obwohl eine 25 Stunden Woche ja auch schon nicht so viel war, aber wir haben einen Hund – und keinen Führerschein und eine ziemlich bescheidene Infrastruktur von diesem Ortsteil hier Richtung Bahnhof. D.h., es fahren genau drei Busse vormittags. Um 7:30 Uhr, um 8:40 Uhr und um 11:40 Uhr. Der Zug selbst braucht eineinhalb Stunden (mit Umstieg) bis zur Stadt, von dort aus mussten wir dann noch ca. 20 Minuten rechnen bis zum Traumahilfezentrum, wenn wir die S-Bahn gleich erwischten. Das heißt, wenn wir einen Termin um 15 Uhr hatten, war der Bus um 11:40 zu spät, also mussten wir schon mit dem um 8:40 Uhr fahren, selbst wenn das hieß, dass wir diese vier Stunden dazwischen noch hätten arbeiten können, mussten wir sie stattdessen vertrödeln, weil wir anders keine Möglichkeiten hatten die Termine wahrzunehmen. Es war wirklich stressig. Wir waren zwar in Therapie bei Frau Thera, aber die Stunden sind einfach nur durchgesickert, weil wir über nichts anderes nachdenken konnten, als den nächsten Tag zu planen und organisieren und zu gucken, wie wir die Stunden aufteilen können. Das war der absolute Horror. Bei der Therapie bei Frau Thera sind wir zwar auch weitergekommen, vordergründig haben wir uns angefangen kennenzulernen, aber in dem einen… etwas mehr als einem Jahr, waren wir trotzdem noch extrem voneinander gespalten. Seit wir bei Frau Honig sind verschwimmen genau diese Grenzen, die bei Frau Thera noch ziemlich aufrecht waren.

Irgendwann ist ja Frau Sanft weggebrochen, damit war dann die Ausstiegsbegleitung sowieso vorbei und da wir mit SW irgendwie nie (bis heute nicht) wirklich warm geworden sind, hat sich das sowieso erledigt. Bis wir dann aber am 27. oder 28. März 2019 bei Frau Thera die Therapie beendeten. Allerdings nicht nur von uns aus, sondern auch weil sie irgendwann sagte, sie hätte keine Erfahrung mit r.G. und mit so komplexen Systemen, sie war bereit uns bei einer Suche nach einer spezialisierte Therapeutin zu helfen. Allerdings haben die Betreuer und die Therapeutin 2018 sehr viele Versprechungen gemacht und große Töne gespuckt zwecks Unterstützung, unterm Strich haben wir es aber doch alles alleine irgendwie stemmen müssen und waren ja dann sowieso schon wieder am Aufgeben, weil man alleine irgendwie kaum Chancen hat an solche Fachmenschen zu gelangen. Im März war aber Frau Sanft noch für uns da (glaube ich…) und damals hat sie noch zwei Nummern von Therapeutinnen die DIS und r.G. erfahren sind gehabt – und für uns bei beiden angerufen. Darunter eben Frau Honig. Die eine hat abgelehnt. Frau Honig hingegen hatte damals gesagt, in vier Monaten sollen wir noch einmal anrufen. In diesen vier Monaten war Frau Sanft ja dann plötzlich weg (ihr Verschwinden geschah wirklich von heute auf morgen). Aber wir riefen bei Frau Honig an, machten diese Termine alleine mit ihr aus, wir sagten uns, wenn sie es nicht ist, sind wir (nachdem Frau Sanft ja weg war) wieder bei Null und wir wussten nicht, ob wir noch einmal die Kraft haben bei Null anzufangen, oder einfach da stehen zu bleiben.

Aber wir hatten mit Frau Honig einen Glücksgriff. Der Erste in unserem Leben. Und leider waren/sind wir aber schon so vorgeschädigt von Therapeuten und Ärzten und dem Psy-Wesen, dass Frau Honig auch schnell gemerkt hat, dass es schon schwer genug wird, überhaupt irgendwas Stabiles und Verlässliches in der therapeutischen Beziehung aufzubauen… es war einfach kein … Boden da, auf dem man hätte bauen können. Eher sowas wie ein Meteoriten Einschlag. Aber nichtsdestotrotz ging es ja irgendwie vorwärts mit Frau Honig.

Ja, irgendwie… war ich nicht mehr viel da, als unsere Therapie bei ihr angefangen hat… Anfang des Jahres 2019 war unser System ja noch sehr aktiv. Wir vom Zweier waren ja auch im Februar noch bei diesem Fachtag mit Frau Sanft, irgendwas mit Ausstieg… danach waren wir auch noch mehr oder weniger da… Dann über mehrere Monate nicht mehr… Die ersten Stunden mit Frau Honig habe ich gar nicht parat. Die muss ein ganz anderes System gemacht haben, denn in meinem Gefühl kennen wir Frau Honig erst seit Ende letzten Jahres, dabei waren wir ja schon im Juli bei ihr… Nur fehlt mir dort absolut jede Stunde, die wir aber vermutlich wöchentlich hatten. Super verwirrend.

Dann erinnere ich mich… ich will fast behaupten, dass dieses ganze „ineinander verschwimmen“ mit dem System von Lora anfing. Als die auf einmal im Oktober letztes Jahr ausgespuckt wurden und das aber eine „Alltagsperson“ war, die ganze ZWEI Jahre nicht mehr im Außen war!!! Ich meine, dass Lora auch diejenige war, die den Exorzisten kontaktiert hat, … sicher bin ich mir nicht, aber Jola war da plötzlich sehr wachsam und an irgendeinem Abend hat es ja mich „geweckt“… Ende letzten Jahres eben. Weil M aus unserem System plötzlich im Außen war und sie Panik bekommen hat, dass der Exorzist uns wirklich „wegmachen“ kann. Da war ich wirklich auf einmal wach, um M abzulösen… und seit dieser Zeit ist alles durcheinander. Ich meine, was den Kontakt untereinander angeht. Seit dieser Zeit wissen wir davon, dass wir in jedem System drei bis vier stellvertretende Alltagsleute haben… Eben wie Mia, Lou und mich vom Zweier, Lora vom Vierer, Lucy, Penny, Fliege (und andere?) vom Einser, Moira, Kim, Stein usw vom Dreier… Hanna, Lita (und andere?) von einem System, das nicht nummeriert ist und dann gibt es da ja noch die Systeme die wir gar nicht kennen, bzw. eine Menge an Innens, die keinem von unseren bisherigen Systemen zugehören. Wie Enya, Arwen, Torin, Kian, Evan… oder eben welche aus dem sogenannten „Kult-System“, deren Namen ich aber nicht hier nennen möchte… und in diesen noch völlig „wirr umherfliegenden“ Systemen gibt es ganz sicher auch stellvertretende Alltagsleute. Ganz sicher, anders könnte ich mir nicht erklären, wie wir so strukturiert bzw funktional geblieben sind bis zur Ausbildung (und erst ein Jahr nachdem wir angefangen haben zu arbeiten fällt ja irgendwie alles mehr auseinander an Funktionieren und strukturiert sein… bzw eigentlich eben genau ab dem Zeitpunkt der Therapie mit DIS)…

Ich kriege wirklich Kopfschmerzen wenn ich versuche zu verstehen, wieso wir jetzt in so einem Schlammassel stecken… in diesem arbeitsunfähigen Dilemma, würde ich fast sagen. Wir waren nie arbeitsunfähig. Wir haben „alle“ Schulabschlüsse geschafft. Nicht besonders gut, aber auch überhaupt nicht schlecht, tatsächlich sind alle unsere Durchschnitte immer mittelmäßig gewesen. Auch die Ausbildung haben wir geschafft. Sogar etwas besser als mittelmäßig, und das obwohl die Schulaufgaben ECHT von Noten von 1 bis 6 alles dabei war, auch wenn es dieselben Themen waren. Wenn wir gestern noch ne Stegreifaufgabe in Rechnungswesen wegen der T Konten hatten und die mit einer Zwei geschafft haben, konnten wir morgen eine Stegreifaufgabe mit den selben T Konten, nur anderen Aufgaben eben haben, und mit einer Sechs rausgehen. Völlig absurd, aber irgendwie haben wir trotzdem den Abschluss geschafft. Wir waren wirklich keine fleißigen Schüler. Haben weder besonders gut aufgepasst (glaube ich), noch gelernt. Aber vielleicht stimmt das auch nicht… vor zwei Jahren wussten wir ja noch nichts von der DIS und vielleicht weiß ich einfach nur nicht, dass jemand von uns für die Schule gelernt hat. Ich kann es nicht sagen. Mit Sicherheit habe ICH das aber nicht.

Aber wir haben alles irgendwie geschafft. Bevor wir von dem Vielesein wussten. Und auch als wir die Verdachtsdiagnose von der Gutachterin bekamen, waren wir noch ganz „entspannt“ und haben uns das recht einfach vorgestellt. Dass man eben die anderen in sich kennenlernt, Traumatherapie macht und dann ist es wie bei ganz „normalen“ Traumatherapien auch. Gleichzeitig haben wir uns über ein Jahr dagegen gesträubt, die Verdachtsdiagnose noch einmal anschauen zu lassen, weil doch irgendwie eine unterschwellige Angst da war, sie könnte stimmen? … weiß ich nicht, aber ich schätze, es ist eher selten dass Leute über ein Jahr mit einer Verdachtsdiagnose rumlaufen, anstatt sich abklopfen zu lassen. Dabei haben wir das Anfang 2018 echt oft gesagt. „Lassen wir das bitte noch einmal anschauen, damit wir beweisen können, wir sind nicht viele“. Die Aussagen der Betreuer und der Therapeutin waren aber so eindeutig, so eindrücklich: „Ich bin mir zu 99,99 % sicher, dass ihr viele seid, wir beobachten euch doch den ganzen Tag.“ Ja, ich glaube, das war vielleicht eher das, was uns abgeschreckt hat. Wir hatten Angst, dass sie Recht hatten und gleichzeitig hatten wir aber auch gar nicht SO ein großes Problem damit. Oder es war vielleicht eher ein Schönreden? So ungefähr wie „Na ja, wenn wir wirklich eine DIS haben, kriegen wir das auch schon irgendwie hin.“ Oder das ist nur mein Eindruck, kann auch sein, dass andere von uns das anders erlebt haben. Rückblickend habe ICH das aber SO erlebt.

Und als Frau Thera bzw. die Betreuer auch noch feststellten oder die vorsichtige Anmerkung machten, dass die Art, wie wir von unserer Familie oder von gewissen „Grundüberzeugungen“ reden, sich für sie ein bisschen nach kultähnlichen Strukturen anhört …(oder war das dann das Traumahilfezentrum? Ich weiß schon gar nicht mehr, genau, wer genau das das erste Mal äußerte), DA fing erst an wirklich alles ineinander zu brechen. Außerdem nahm Frau Thera mit immer mehr Anteilen Kontakt auf und sie erzählte uns irgendwann (oder mir zumindest), dass die Dinge, die andere von uns ihr erzählten, sie ganz sicher zu „Sekten“ oder sowas einordnen würde. Sie sagte aber auch gleich, dass sie keine Erfahrung damit hat und wir damit bei ihr an einer falschen Adresse wären. Ich weiß nicht, wieso wir das 2018 nicht ernst genommen haben. Vielleicht wollten wir es nicht ernst nehmen. Ohnehin haben wir (glaube ich) – oder zumindest die Mehrheit der Alltagsleute von uns – erst Ende oder Mitte letzten Jahres angefangen das alles wirklich ernst zu nehmen. Davor war es… so blöd es auch klingt, eher wie ein „Spiel“ für uns. Na ja, eben das Kennenlernen von Anteilen, miteinander in Kontakt treten, Traumatherapie machen… ja, klingt ja auch alles irgendwie ein bisschen wie ein Kinderspiel. Fast leichter als bei Traumapatienten, die ganz spezielle Methoden ergreifen müssen um sich zu erinnern, weil sie wirklich ein Blackout haben und aber nicht Viele sind. Da klingt es doch fast simpel, wenn man hört „Ihr seid einfach nur eine gespaltene Persönlichkeit, irgendjemand von euch weiß von Traumata, man muss den einfach ansprechen und zack, es kann bearbeitet werden“………………………

Klang so… klingt für mich immer noch so. Was das in die Praxis umgesetzt jetzt aber bei uns losgetreten oder ausgelöst hat, ist nicht einmal mehr mit einer Naturkatastrophe vergleichbar. Es ist nicht vergleichbar mit … da wurde ein Puzzle zerstört, das neu zusammengebaut werden muss… sondern viel eher wie…. ein noch nicht ganz fertiges Puzzle stellt sich als völlig falsch heraus, weil total fremde Puzzleteile mit eingebaut wurden. Unter diesen fremden Puzzleteilen verstehe ich jetzt zum Beispiel unsere Illusion bzw den blinden Fleck/das nicht bewusst sein darüber, dass unsere Familie… oder wir… in einem Kult aufgewachsen sind. Der blinde Fleck war unsere Normalität. Und diesen blinden Fleck haben viele von uns nicht einmal gesehen. Ich mitgezählt. Während andere von uns ganz überzeugt und zweifellos glaubhaft von einer Senta erzählen, die ICH persönlich nicht einmal kenne, nie getroffen habe, und von der ich vor zwei Jahren noch nie ein Wort gehört habe, gibt es von genau dieser Person aber Sprachnachrichten auf dem alten Handy, alte Fotos und aktuelle Fotos mit uns und/oder unseren leiblichen Eltern zusammen. Ein völlig zerstörtes Lügengebilde, mit ein paar echten Fragmenten drinnen, die wir jetzt irgendwie neu zusammensetzen mussten. Und das, was zusammengesetzt wird, ist einfach nur schmerzhaft und grauenhaft, weil das für uns als Ganzes bedeutet, dass wir darüber klarwerden müssen, dass wir missbraucht und gefoltert wurden… werden. Schon unser Leben lang… und diese paar schönen „illusionierten“ Fragmente sind nicht einmal eine Lüge. Diese schönen Momente und die schönen Seiten der Familie gibt es auch. Ganz gewiss, die kenne ICH nämlich. Die absolut schwerelosen Zeiten meines…(unseres) Lebens… Die mit den Fragmenten der NICHT schönen Zeiten im Leben zusammenzusetzen ist fast unmöglich… aber… ich glaube genau DAS passiert zurzeit… wir Alltagsleute nehmen immer mehr wahr, dass wir in einer völlig Illusion gelebt haben… dass wir uns und unser Leben eigentlich so gut wie gar nicht kennen. Und … das schlimmste ist, wir sind eigentlich noch so abhängig von unseren Eltern… Wir sind irgendwie nicht richtig in dem Alter wo man schon ganz abgenabelt ist, aber irgendwie auch nicht mehr in dem Alter, wo man ganz abhängig ist… Ich habe noch so oft das Gefühl, ich BRAUCHE meine Eltern… und so vielen Dingen, in so vielen Entscheidungen und Fragen im Leben… wir sind ja jetzt gerade in einem Alter wo wir eigentlich unser eigenes Leben aufbauen würden… aber alle unsere Freunde die wir…… hatten… (Mia…), die in unserem Alter sind… die haben irgendwie bei ihrem „Flügge werden“ noch ihre Familie, ihre Eltern im Rücken… es ist für mich so unvorstellbar nicht mehr auf sie zurückgreifen zu können… ich fühle mich vollkommen haltlos ohne sie. Selbst MIT diesen gewaltvollen Fragmenten… ich kann sie einfach nicht annehmen, kann sie nicht richtig an mich ranlassen, weil… es so völlig… es ist zu … ich weiß es nicht einmal. Ich weiß nicht einmal, was da für ein Wort hinpasst, um den Satz zu beenden.

So oft in den letzten zwei Jahren wollte ich mit meinen Eltern darüber reden. Wollte ich sagen „wisst ihr eigentlich, dass ich viele bin?“… aber meine Mutter hat so oft schon gelogen oder seltsam reagiert oder uns auch in der Mehrzahl angesprochen (hat sie das früher auch, fällt mir das erst jetzt auf?), obwohl sie bis heute von MIR zumindest nichts von der DIS wissen. Dieses ambivalente Verhalten von denen hat mich in den letzten zwei Jahren auch sehr durcheinander gebracht… ich weiß, dass ich nicht zu 100 % auf ihre Aussagen bauen kann. Nicht mehr. Nachdem sie ja mal behauptet hat, sie kenne keine Senta und sie hätten uns nie für mehrere Wochen bei dieser Pflegefamilie („Urlaubsbetreuung“) abgegeben – ich das sogar geglaubt habe, blind, denn ICH habe auch keine Erinnerungen an so etwas – Lämmchen aber ein halbes Jahr später bei Senta war und dort eine ganze Kiste mit Fotos „ausgeliehen“ hat, die beweisen, dass WIR in Sentas Armen liegen, unsere Eltern am selben Tisch, auf einem Boot. WIR in fremden Ländern, in denen ICH aber zu hundert Prozent noch NIE war. Menschen, von denen Anteile von uns erzählen, sie seien wie Mama und Papa, Bruder und Schwester für uns, die MIR aber völlig fremd sind. Ein Mädchen, mit dem wir groß geworden und sind und bis vor drei Jahren… vier? noch Kontakt hatten, die ICH aber NIE kennen  gelernt habe… Wie verrückt das alles ist.

Und ich frage mich wie viel Kapazitäten ein Gehirn braucht, um SOLCHE völlig unterschiedliche Erinnerungen und Überzeugungen irgendwie zusammenzufügen. Bricht da nicht irgendwann irgendwas völlig zusammen? Wie ein Laufwerk, das dann überlastet ist? Bildlich sehe ich ja dazu einen Rechner, der anfängt zu rauchen, komische Geräusche macht und plötzlich Schrauben und Kleinteile auseinander fliegen, bis das ganze Ding explodiert…

Und ich frage mich… wirklich nicht unängstlich, obwohl ich wirklich eine seeeeehr große Ruhe habe… ob genau das gerade mit uns passiert? Fangen wir an unter dem ganzen Kram zusammenzubrechen? Jetzt schon? Und dabei wissen wir doch eigentlich nur die Hälfte – kennen nur die Hälfte unseres ganzen Innenlebens. Was passiert, wenn diese ganzen Namen, die noch nirgendwo zuzuordnen sind und sich nicht mit uns in Verbindung setzen wollen (also unsere Innenleute, wie eben Arwen, zum Beispiel), irgendwann auch anfangen mit uns irgendwie… dass wir für die auch ein Bewusstsein entwickeln? Was passiert dann, wenn wir JETZT schon… an dem Punt sind, wo wir gerade sind? Ein ganz absurder Gedanke kommt gerade von hinten „überleben wir das?“. Ich hab gerade darauf geantwortet „Es ist noch niemand an Erinnerungen gestorben“… aber ich merke, dass ich selbst nicht ganz überzeugt davon bin.

Völlig den Faden verloren. Erwerbsminderungsrente. Das war Thema 2018 bei Frau Thera. Es wurde auch Ende 2019 noch einmal thematisiert. Und Anfang des Jahres hatte glaube ich … Hanna… oder Lita? Frau Honig mal darauf angesprochen, was sie davon hielte. Dazu schrieb Frau Honig aber „Quatsch, wozu, ihr seid doch arbeitsfähig“. Sind wir das? Woher weiß sie das überhaupt? Oder woher meint sie das zu wissen? Weil wir arbeiten GEHEN? Heißt automatisch, man IST arbeitsfähig? Und ich erinnere, aber nur weil Mia gestern während dem Gespräch mit wem auch immer im Co Bewusstsein war, dass zu dem Thema von uns gesagt wurde „Ja, wir gehen arbeiten. Wir KÖNNEN arbeiten gehen, aber keiner sieht für welchen Preis“. Wir verzogen uns dafür in die Küche, belegte Stimme, Glas Wasser, ein paar Tränen, paar mal Schlucken, Tränen wegwischen, zurück zu Mona ins Wohnzimmer, die sagt „Ihr braucht jetzt eigentlich jemanden, der mit euch einen Plan macht, wie es weiter geht.“ Und die sagt, sie hielte eine Erwerbsminderungsrente durchaus für sinnvoll, das hätte mit dem Alter nichts zu tun, wir könnten schließlich auch noch als Zuverdienstmaßnahme weiterarbeiten, um noch in einer Alltags-Struktur zu bleiben, aber mit einer Erwerbsminderungsrente müssten wir keine Ängste haben, irgendwann die Arbeit zu verlieren und dann mit nichts mehr dazustehen, oder wir bräuchten kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir die Leistungen nicht so schaffen, wie sie von uns erwartet werden. Sie sagte, wir sollten doch versuchen Frau Honig noch einmal ganz genau zu erklären, unter welchen Bedingungen (also zu welchen Preis, was wir psychisch dafür zahlen), wir Arbeiten gehen… und dass diese (nicht gerade an den Haaren herbeigezogene) Angst, irgendwann existenziell am Abgrund zu stehen (denn Ausstieg bedeutet, Familie verlieren, vielleicht noch weniger arbeitsfähig zu werden als wie wir es ohnehin schon sind, vielleicht die Arbeit irgendwann verlieren, alles zu verlieren, was für uns Alltagsleute bedeutet HALT zu verlieren)… und verrückt macht… und wir uns in ihrer Aussage von „Quatsch, ihr seid doch arbeitsfähig“, nicht gesehen fühlen. Weil jeder nur sieht, dass wir arbeiten GEHEN, aber nicht, unter welchem Druck wir dabei stehen, weil wir die Arbeit und das was alles nun in unser Bewusstsein drängt, beim besten Willen nicht mehr voneinander trennen können…

ABER… der Kontakt zu Frau Honig wird (für mich zumindest) verhindert. Irgendjemand von innen hindert mich daran, mit ihr in Kontakt zu gehen und ich befürchte sehr stark, dass sie sich auf die oder denjenigen von uns einlässt und die Therapie heute Abend beendet wird. Wie es dann weiter geht, weiß ich nicht. Auch wenn ein Teil von mir aufatmet und sagt „Kein Ausstieg, wir verlieren unsere Familie nicht“, weiß der andere Teil von mir, dass das …(ich will immer noch vermutlich schreiben,… weil ich es immer noch nicht wahrhaben kann?) bedeutet, dass die Gewalt weiter Bestandteil unseres Lebens bleibt… beide Seiten werfen die Frage auf „Zu welchem Preis“?

-Kara (und Jola… und hoppla, gerade merke ich Hanna und Penny noch im Co… aber nicht kommunizierbar… ich spür nur, dass sie beobachten-beobachtet haben. Würde gerne fragen, ob sie das so unterschreiben würden… hoppla, klappt sogar…Penny sagt teilweise. Hanna sagt, so ungefähr… das sagt MIR nicht viel, aber… ich glaube danke?)

-Kar

 

 

 

Durcheinander (K)

Wir waren heute bei einer Ärztin. Was gestern los war… für uns etwas völlig Unscheinbares. Wir gingen spazieren mit Jimmy. Und jetzt schreibe ich mal was Lämmchen schrieb: Weißes Auto kam entgegen. Gemerkt vom Kennzeichen waren nur die Nummern 937/973 die Reihenfolge nicht mehr sicher. Ein ganzes Stück weiter (viel Wald, viel Feld) kamen von hinten drei Autos. Das Letzte dasselbe, das zuvor entgegen kam.

Die Autos fuhren weiter. Das Letzte hielt irgendwo kurz vor der Aufahrt auf die Straße (die kamen von so ner Feldstraße oder wie man das nennt). Es stiegen drei Leute aus. Das Letzt was Länmchen dazu sagen kann, ist dass diese drei Leute entgegen kamen, Jimmy drehte völlig durch (aggressiv ängstlich), konnte die Leine nicht mehr halten, Jimmy haute ab. Das nächste was Lämmchen sagen kann, dass sie mit Jimmy an der Leine wieder in einem Wald war, Richtung nach Hause. Jimmys Verband völlig zerfetzt, er dreckig. In unseren Haaren klebte Erde, an den Händen, Hose. Im Mund, im Gesicht, aber „eigentlich gings mir sonst gut“, meinte sie. Lou sagt nur ständig „Der hatte dieselbe braune Lederjacke wie letztes Jahr der Typ der uns in den Fuß getreten hat nach dem Fachtag“.

Zuhause rief Lämmchen Ari an, erzählte ihr davon. Ari kam vorbei, solange war Mia duschen, das habe ich sogar auch mitbekommen. Ich wusste bis dahin nur von einem Blackout. Nicht bewegend, maximal eine Stunde. Der Körper sah unversehrt aus. Keine Verletzungen zu sehen. Für uns war damit abgehakt, Lämmchen muss sich erschrocken haben, dass Jimmy abgehauen ist und auf der Suche nach ihm sind wir hundert pro irgendwie gestürzt.

Der Direktor, Ari und Frau Honig und Mona wirken alle vier nicht überzeugt. Die sind von etwas ganz Anderem überzeugt. Was wir eher als völlig absurd abtun. Nicht einmal Anfänger im Verbrechen kämen auf die klischeehafte Idee am hellichten Tag an einem Wald/Feld jemanden zu überfallen. Bis jetzt ist das für uns immer noch ausgeschlossen…

Die Ärztin hat auch keine Verletzungen entdeckt, wobei wir zugeben müssen, dass wir nicht haben richtig schauen lassen. Hose runterziehen ging nicht. Es ging nicht einmal das Oberteil auszuziehen. Höchsten anheben. Aber wir haben selber gestern ja auch schon geschaut. Da war nichts.

Irgendjemand soll aber angeblich gestern Abend noch aus den Beinen (also zwischen den Beinen) geblutet haben. Nur einen kleinen Schwall.. wie Pipi. Keine Periode. Keine Zwischenblutung. Keiner von denen die ich kenne oder mit denen ich Kontakt habe, kann mir dazu etwas sagen, es war also sicher niemand aus unserem System, aber Mona sagt, wir hätten ihr das ganz kleinlaut gesagt, Ari erwähnte das auch. Und ich habe wirklich eine blutige Unterhose im Müll (!!) gefunden. Merkwürdig, echt…

Wie auch immer, es scheint alles verdächtig, aber innerlich ist dazu nichts. Keine Angst, keine Unruhe. Im Gegenteil, eher Gereiztheit. Eher eine Art „So ein Schwachsinn man musss nicht bei jedem Blackout gleich an Übergriffe denken“ .. u d das Blut und die Menschen und Jimmys Verhalten nur unabhängige Sachen.

Und dann war heutd aber alles seltsam. Von den Bauchschmerzen habe ich gar nichts mitbekommen. Mia ist aber plötzlich völlig abgedreht. Arbeit und Ausstieg geht nicht und diese Überzeugung macht sie fast verrückt vor Angst. Wir sind heute so viel.. ja, wechseln tun wir eh viel, aber heute war es noch einmal ein ganz besonderes Gewechsel. Irgendjemand von uns möchte jetzt morgen sogar die Therapie beenden und das Abschlussgespräch über den Videochat machen, und keiner von uns ist in der Lage eintugreifen und zu schrein Hallo Frau Honig, viele andere von uns gibt es auch noch!!! DENKEN SIE DOCH BITTE AN UNS! Es ist nicht jeder damit einverstanden!! Ganz und gar nicht. Aber Frau Honig diskutierte nicht einmal. Sie versuchte nicht einmal mit einem Gegenargument und fragte nicht einmal nach. Sie schrieb zu dem Wunsch mit dem Abbruch und dem Abschlussgespräch morgen bloß „Ja, das können wir tun“ und ich musste erst fünf Mal den Chat durchlesen um überhaupt festzustellen was der Auslöser war, ich finde ihn immer noch nicht.

Und gleichzeitig bin ich so irritiert über Frau Honigs Antwort. Diese… Gleichgültigkeit… völlige Irritation, wo sie sich drei Wochen zuvor noch ganz anders verhalten hat. Ich verstehe gerade überhaupt nicht, was passiert ist.

In meinem Ohr rauscht es, seit ich draußen bin. Am liebsten würde ich Frau Honig kontaktieren, mit ihr reden, aber ich bin nicht in ddr Lage dazu. Sobald ich es vorhabe, switcht es mich weg. Ich kann nicht einmal das Handy mit der Intension in die Hand nehmen, denn sobald ich das tue, halte ich allle möglichen Chats offen, nur nicht den mit Frau Honig, und halte inne weil ich denke „was wollte ich gerade tun?“. Das ist wie wenn man einen Raum betritt und nicht mehr weiß, was man dort wollte. Es ist wie verhext und wenn wir Pech haben – und was ich befürchte – wird irgendjemand von uns die Therapie beenden.

Ich versuche die ganze Zeit festzustellen wo das alles angefangen hat… von Mias Angst Arbeit und Ausstieg nicht unter einen Hut zu bekommen, die Schmerzen,den plötzlichen Therapie Abbruch oder vielleicht hängt sogar alles zusammen? Ich habe keine Ahnung. Ich kann es mir nicht erklären, ich finde keine Zusammenhänge, stattdessen sind meine Gedanken völlig in der Arbeit. Alles was morgen ansteht, rattert laut in meinem Kopf, wie eine lebendige To-Do Liste. Mit dem Gärtner treffen, Standorte für die Baumpflanzaktionen herausfinden, Beete und Bäume splitten… Sonntagspost Link … Fotos in einen Ordner verschieben… EVK’s digitalisieren… es läuft in meinem Kopf ab wie ein Radio. Als wäre für sonst nichts mehr Platz da. Kein Platz darüber nachzudenken, was passiert sein könnte, das jetzt alles plötzlich SO läuft.

Und eihentlich dass wir uns für Ostern wieder kümmern wollten… und auch das ist plötzlich völlig unmöglich. Kümmern… um was den kümmern? Worum? Schutz? Wovor? Es ist nur Ostern. Keine Ängste diesbezüglich. Schmetterling schrieb, an Weihnachten war es bei uns eine (zwei?) Wochen vorher schon vergebens sich um Schutz zu kümmern, weil da schon jene mit im Außen waren, die kultabhänhig sind. Sind wir schon bei dem Punkt? Ich weiß ja nicht einmal, wan Ostern genau ist. Irgendwann bald auf jeden Fall.

Puh… ich kann über nichts mehr nachdenken.

-Kara

Zu dumm für Ausstieg (M)

Tut mir leid fürs Auskotzen vorhin, aber das musste raus. Irgendwie beschäftigt mich das halt doch schon länger. Also, dass wir auch kaum noch Kontakte zu Leuten in unserem Körperalter haben. Da können die Menschen um uns herum auch nichts dafür. Es ist halt einfach echt kacke, aber naja…

Ari war vorhin da und ist mit uns zum Arzt gefahren. Im Auto war ich weg. Im Auto war ich wieder da, waren aber schon beim Arzt, ich weiß also nicht, was da jetzt war. Wir haben Novalmintropfen mitbekommen und Ari versucht uns zu überreden zum Gyn zu gehen, aber da gehen wir nicht hin. Egal was auch immer gestern passiert sein soll, (am Ende sind wir eh nur gestürzt), es ist mir EGAL – ich will und werde nicht zum Gyn gehen. Als ich aus dem Auto gestiegen bin, hatte ich weniger Bauchschmerzen als wie bevor wir losgefahren sind, jetzt fangen sie aber wieder an schlimmer zu werden und ich würde mir am liebsten noch mehr von dem Novalminzeug einschmeißen. Bzw, das muss man ja schlucken. Und gleichzeitig habe ich das Gefühl nicht mal die Berechtigung zu haben darüber zu jammern, dass mir der Bauch wie Hölle schmerzt. Abgesehen davon habe ich seit fünf Minuten Schluckauf und es fühlt sich bei jedem Hicks an, als würde ich innerlich zerreißen.

Na ja, wie auch immer. Hab noch einmal drüber nachgedacht… über das vorhin und dem „Angebot“ von meiner Chefin. Also, dass wir ja einfach 20 statt 15 Stunden arbeiten sollen, „dann brauchen wir kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir mal zwischendurch nicht so viel Leistung bringen“. Mona meinte heute Früh noch, als ich mich drüber aufgeregt habe, dass wir diesen freien Tag aber wohl ganz offensichtlich brauchen und wir das auch so sagen können. Sie sagt, wir wechseln zurzeit wohl viel häufiger als wie sie uns vom letzten Jahr kennt (oder zumindest zwischen Anteilen bei denen es mehr auffällt), sie kriegt halt jetzt auch viele Kinder mit, wenn Ari zu Besuch ist. Ach, wie auch immer. Jedenfalls meint sie, dass sie sich das auch für den Organismus anstrengend vorstellt und wir seien Samstag völlig eingeschlafen sein auf der Couch und am Sonntag wohl auch auf Aris Schoß geschlafen haben wie ein Stein. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir eingeschlafen sind, aber irgendjemand von uns wird das wissen. Ich meinte zumindest zu ihr, wenn das so ist, merke ich das nicht. Bin jetzt nicht müder als sonst. (Nur mein Bauch bringt mich um, ganz ohne Witz. Ich möchte bitte Morphium oder so!!! Zuhause böller ich mich erst einmal mit Ibus weg, Novalmin hilft nicht wirklich gerade)… Ich hoffe nur, dass die bis morgen weg sind, Dienstags haben wir nämlich immer Putztag in der WG und wir haben den Küchendienst, das ist eines der größeren (neben Bad und Wohnzimmer) und wenn da unser Bauch genauso Spacken macht wie jetzt, dann muss ich mir glaube ich die Kugel geben. Die Schmerzen machen fast irre, ohne Witz.

Trotzdem geht’s grad so und ich habe eben drüber nachgedacht, weil ich weiß, irgendwie hat die Chefin ja Recht, ich verstehe ihre HIntergedanken, ich glaube schon dass sie es wirklich gut mit uns meint und ich glaube Kara war auch die die immer sagt, Struktur tut uns gut. Aber mit dem Nachsatz (mehrmals hat sie das erwähnt), dass wir dann wegen unserer Durchhänger kein schlechtes Gewissen haben brauchen, was das für mich irgendwie ein klarer Apell von wegen „Joa, du kannst zwar das Angebot auch abschlagen, aber dann solltest du die 15 Stunden in der Woche wenigstens effizient (oh Gott ey…) arbeiten“. Und dann dachte ich, ja vielleicht tut „Struktur“… wirklich gut. (Wäre halt schön, wenn ich die fünf Stunden aber auch ausgezahlt bekäme, weil wir verdienen jetzt wirklich nicht gerade viel und die dummen Kosten von der Geschlossenen müssen wir ja jetz tauch noch zahlen die acht Tage. Jep, ist übrigens nicht wenig und für mich gleich klar: Tja, darüber haben wir jetzt nicht nachgedacht, aber auf Dauer wird ne Geschlossene finanziell als alternative Schutzstelle auch ziemlich teuer). Also diesen Monat können wir uns das zumindest nicht nochmal leisten. Hab schon ganz sarkastisch überlegt, ob ich meine Eltern fragen soll, ob die mir aushelfen und den Aufenthalt zahlen können. 😀 Ach, was solls. Amy kommentiert eh nur: „Perfekt, weniger Geld, weniger Möglichkeiten Fraß zu kaufen“. ich weiß, irgendwie klingt das trotzig, aber Amy meint es leider wirklich so. Früher hatten wir sogar so eine Regel, dass wenn wir Lust hatten beim Bäcker oder im Markt oder so irgendwas Süßes oder „Sündhaftes“ zu kaufen, das Geld, wie viel dieses Zeug kosten würde, wegzulegen und lieber auf irgendwas Anderes zu sparen. Da kam einiges an Geld zusammen. Sie meint das also wirklich ernst.

Aber okay, gleichzeitig denke ich mir… scheiß drauf. Geh arbeiten. Vielleicht kriege ich da eine Routine rein und arbeite gleich mal bis 14 Uhr statt bis 12 Uhr und das Montags bis Freitags Statt Montags bis Donnerstags. Und nein, als Überstunden wird das nicht gezählt, die Chefin meinte ja, dann achten wir einfach nicht auf die Stunden. Und ganz ehrlich (ich mag sie, auch wenn das gerade nicht so klingt, ich weiß, dass sie es nur gut meint), aber vielleicht hilfts ja wirklich. Mehr Stunden in der Arbeit, weniger Zeit sich um irgendwas anderes Gedanken zu machen.

Apropos ist Jola NICHT meinem Wunsch nachgekommen, dass wir ein bisschen was aufschreiben, stattdessen meinte sie, dass sie mit Kritzel zusammen Lämmchens Erfahrungen aufschreiben will. WOZU? Lämmchen weiß was passiert ist, soll sie doch ihren Kram bei sich lassen und mit Frau Honig daran arbeiten. Kann doch jeder einzeln von uns seine Traumata bearbeiten, wozu müssen wir alle das dann wissen? Wozu muss das aufgeschrieben werden? So ein Bullshit. Uff….. Ich dachte es wäre vielleicht eher interessant zu wissen, dass ICH Lämmchen abgelöst habe, sobald sie sich unter die Dusche stellt. Weiß nicht, ob das vorher auch so war und ich nur nicht wusste, WEN ich ablöse, aber es ist trotzdem komisch. Außerdem weiß ich dank dem jetzt auch von Lämmchens „Strafen“ vom Stiefdaddy. Handtuch um Kopf wickeln und unter heißes Wasser stellen. Das ist (scheinbar) der Grund dafür dass Lämmchen nie selber duschen geht. Oder ging. Angeblich hat sie es mal versucht, nur Haare waschen geht nicht, Wasser im Gesicht ist wohl nogo. Und wieso interessiert DAS Jola nicht?!

Ach, egal, kann mir egal sein. Sorry dass ich heute so schlecht gelaunt bin. Sind sicher meine Schmerzen… vielleicht auch der Abfuck, dass wir für die vielen Plusstunden trotzdem nur das jämmerliche Geld haben, was wir haben. Na ja, immer noch besser als in der Ausbildung, als wir für 40 Stunden in der Woche nur 192 Euro hatten. Wesentlich besser. Also darf ich mich nicht beschweren. Und es ist ja gut gemeint. Und vielleicht tut es uns auch wirklich gut. Und außerdem fällt mir grad ein, dass wir eh nicht so viele Ausgaben haben .. (na ja gut, bis auf die Giga Cube, die OP-Versicherung für Jimmy und sein Krankenkonto), aber dafür fallen jetzt viele andere Kosten weg… wegen Corona. Mir fallen immer mehr positive Dinge daran auf O.o Wie auch immer… wie hör ich es gerade innen irgendwo „reiß dich mal zusammen“. Ok ich versuchs.

Außerdem umso mehr Stunden wir in der Arbeit verbringen, desto weniger muss ich mir ums Essen Gedanken machen.

WAAAAAAHHHH ich wünsche mir so sehr ein ruhiges Leben. Dieses „Alles auf einmal“ macht mich echt fertig. Therapie hier, Ausstieg da, Schutzunterkünfte suchen, Arbeiten, diese Kack Betreuer-Regeln (die ganzen behinderten Putzdienst Abnahmen) -.-, Kümmer dich um deine Anteile, versucht euch kennenzulernen, von Arzt A zu B laufen, Verletzungen dokumentieren, BLABLABLA. OAR langsam entscheide ich mich wirklich lieber gegen Therapie und den ganzen Ausstiegsscheiß!!!! Umso länger wir damit zu tun haben desto mehr wird klar dass man NICHT nebenbei noch irgendwie arbeiten kann, so dass es EFFIZIENT ist! -.- Und ganz davon ab war unser Leben einfach besser vorher. Wir hatten noch unsere Freunde, unsere Altersklasse, wir konnten Arbeiten und sogar die Ausbildung irgendwie schaffen. Jop, wir hatten mehr Suizidversuche (lt. Ari oder Frau Honig, weiß nicht mehr wer von den beiden das sagte) mindestens drei Mal im Jahr, aber wir sind ja ganz offensichtlich nie draufgegangen. Wie kriegen es denn bitte andere im Ausstieg hin weiter zu arbeiten und nicht wie die größten Vollspackos dazustehen, weil sie nichts mehr können? Oder wir machen den Ausstieg falsch, was weiß ich. Vielleicht sind wir einfach zu dumm dafür.

und plötzlich richtig down (M)

total bescheuert einfach. Also es war ja schon Donnerstag so und dann die Tage immer wieder wenn ich kurz dran gedacht habe, nur hab ichs halt schnell wieder zur Seite geschoben und ich bin mir sicher, dass es daran liegt und der Grund dafür ist einfach bescheuert, und trotzdem so, dass ich schon (FAST) heulend auf dem Weg war. Der grund ist sooo bescheuert, dass ich ihn nicht einmal nennen will. Wobei man es anders vielleicht gar nicht checkt, aber mal schauen, vlt kriege ich es ja hin so zu schreiben, dass man es nicht checken muss.

Auf jeden Fall… ich will einfach umdrehen, mich im Bett verkriechen und der ganzen Welt den Mittelfinger zeigen. Die Arbeit hat noch nicht einmal angefangen und ich habe schon keine Lust mehr… weil die Kraft noch gar nicht da ist. Jaja ich weiß Kara sagt ist schön und toll und blablabla aber sie ist halt nicht ALLEINE da. Und, ach ist egal. Auf jeden Fall bin ich so genervt und so gestresst, dass ich am liebsten kündigen und hartzen würde, weil ich es einfach scheiße finde. Weil ach… keine Ahnung einfach dumm weil ich mir denke wir sind grad mal ca ein viertel Leben alt und eigentlich sollten wir sooooooo fit sein weil wir sooo jung sind und eigentlich noch sooo viel von der Ausbildung greifbar haben aber es ist nicht so. Es wird ehrlich gesagt immer blöder. Es ist nicht dass die Leute in unserer Arbeit blöd sind, wir haben echt Glück eigentlich. Aber sie sind halt einfach ALT. Also zumindest halt einfach… echt viel älter als wir. Ich weiß auf der Arbeit ist man nicht um Spaß zu haben und TROTZDEM fehlt mir einfach manchmal dass welche in unserem Alter dabei sind.(biologisch jetzt, ich weiß dass in MEINEM Alter eh niemand da wäre, aber selbst Leute in unserem biologischen Alter sind wenigstens noch recht cool) Wir sind stäääändig nur von älteren Leuten umgeben… wir haben ja nichts gegen Ältere aber irgendwie hat man gar keinen Spaß mehr so wie sonst weil klar, sind sie manchmal witzig und so, aber Insider die wir noch so haben oder machen … sind halt doch irgendwie anders. Und auch meine Sprache fühlt sich manchmal so krass verkorkst an, ich verwende NIE Wörter wie ich sie verwende seit ich mit Leuten die zwanzig Jahre älter sind als wir „abhänge“. Und man kann ja in dem Alter in dem die alle sind nicht einmal von Abhängen reden. MANNNNNN Wir haben einfach NIEMANDEN mehr in unserem Freundeskreis der irgendwie in unserem Alter ist und sind Mona und Ari überhaupt wirklich „Freunde“??? Was weiß ich… vor zwei Jahren sind wir noch mit La und To im Sommer iiimmmer bei To abends abgehangen, nachdem wir vielleicht mal am See waren… Aber keine Ahnung umso mehr wir uns für diesen bekackten Ausstieg entschieden haben haben wir immer weniger Kontakte zu unseren Freunden. Irgendwie haben wir alle Freunde verloren. Wirklich ALLE. Melli, Bay, La, To, Lena, Lara… wir hatten sooo viel Spaß mit ihnen und es war einfach alles noch irgendwie so cool… die Ausbildung mit Melli hat so Spaß gemacht… aber jetzt sind nur noch so dämliche, nervende Erwachsene um uns rum die Leistung von uns erwarten, die immer mit Regeln und Pflichten und du musst dies und jenes beschäftigt sind. Ja klar sind die auch lieb zu uns und Ari ist nicht unbedingt wegen regeln und Pflichten für uns da … aber mit Mona kann man auch nicht sowas machen wie mit Lena, mit der wir im Haus letztes Jahr noch die ganzen Streich egespielt haben, wie die Heimchen gekauft und im Wohnzimmer freigelassen, die Ketchupflaschen mit Backpulver geschüttelt, 200 Plastikbecher mit wassergefüllt nah aneinander vor dem Betreuerzimmer verteilt (die Körpertherapeutin war die einzige die es geschafft hat aus dem Büro zu kommen 😀 ) oder die gekochten Eier die wir mit Schale in Schokolade gerollt haben und als Pralinen verschenkt haben oder das Getränketablett für die Medi Ausgabe, die wir an den Tisch festgeklebt haben. Wir haben schon so viele Verwarnungen vom Gruppenleiter deshalb bekommen aber es war SO EGAL. Weil er außerdem der einzige spießige Betreuer war, der das kacke fand. Alle anderen haben es gefeiert. FL sagt sogar immer wieder, dass seit wir ausgezogen sind es zu ruhig ist und ihr die Streiche fehlen. Und seit wir ausgezogen sind geht es Lena irgendwie auch nur noch kacke und wir können sie nicht mehr motivieren irgendwas zu machen, die hat seit einem Jahr mega die Depris. Die kam zwar immer wieder mal vorbei und wir auch zu Besuch aber ihr geht’s einfach kacke. Oder mit Bay mit der wir die wiiitzigsten und abgefahrensten Sachen gemacht haben… die Telefonstreiche haben wir meeega geliebt mit ihr die waren immer sooo witzig und die Leute am Telefon sooo cool. Die haben meistens sogar richtig mitgemacht und mitgelacht. Einmal haben wir bei einem Mann angerufen und meinten, wir würden uns bei The Voice Kids anmelden aber seien voll aufgeregt und dann haben Bay und ich (und Lena war auch dabei) ihm den König der Löwen vorgesungen (mega schief mit Absicht) er hat sich den aaaarsch abgelacht und wir auch und er meinte dann „Neee lasst das mal lieber, versuchts vielleicht lieber mit einem Kunstkurs oder so“ 😀 oder mit Melli die Ausbildung die hat einfach sooo spaß gemacht. Man hat einfach so viel rumblödeln können in den Pausen oder zusammen in den M Markt gehen selbst das war schon besser als jetzt diese Pausen ständig nur blöd rumzuhocken weil man eigentlich eh keine Lust hat Pause zu machen weil die genauso langweilig ist wie Arbeiten selbst … Es ist einfach alles beschissen geworden. Wirklich Spaß haben wir kaum noch… also klar so … aber immer nur mit uns selbst… wir lachen immer nur über unseren eigenen Witz oder unsere eigene Dummheit oder führen Selbsgestpräche beim Spazierengehen oder wenn wir im Wald sind haben wir vielleicht auch Spaß wenn Lou und Max mitten im Wald Fußballspielen. Aber wir machen halt ALLES alleine. Keine Freunde mehr in unserem Alter. Niemand. Und ich habe eigentlich keinen BOCK so geschwollen zu reden wie die ganzen Vierzigjährigen um uns herum. Ich habe kein Bock darauf zu achten was für Wörter ich verwende, nur weil so Wörter wie „nice“ oder „knorke“ oder das ist „madig“ oder sonst was mit so dummen Blicken bestraft werden nur weil die alle zu spießig dafür sind und sich für die dumm anhört. Für Leute in meinem Alter hört sich das NICHT dumm an und es wäre mir so scheißegal wenn mich alle Älteren für dumm halten, nur weil ich nicht ihren Slang spreche. Sorry ICH BIN HALT NICHT VIERZIG. Kommt drauf klar. Aber WIR müssen drauf klarkommen. Weil WIR uns irgendwie anpassen müssen weil wegen UNS sich unser GANZES Umfeld verändert! ICH HASSE ES.

Und abgesehen davon tut mir mein ganzer Körper weh heute. soooo böse Bauchschmerzen. Richtiges Stechen. Im Magen und im Unterleib. ES TUT WEH! Außerdem haben wir ne komische Verletzung im linken Ohr… wie als wäre etwas aufgekratzt, es ist verkrustet und brennt, wir haben heute eine Wundsalbe hingeschmiert. Und gestern war angeblich irgendwas mit einem Blackout während wir zwei Stunden spazieren waren. Ich will das aber gerade weder wissen noch hören noch darüber schreiben oder reden oder denken.

Und ach ja… an das alles denke ich weil der Auslöser war, ich schreibs jetzt doch… dass letzte Woche unsere Chefin meinte, auch wenn sie s gut meinte, weil sie meinte, wir meinten mal, Struktur täte uns gut, dass wir doch einfach jeden Tag arbeiten kommen sollen, dann bräuchten wir kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir mal nicht so EFFIZIENT sind (schon wieder so ein Spießerdeutsch ey) … weil wir wohl mal meinten, wir hätten ein schlechtes Gewissen, weil wir nicht so gut arbeiten zurzeit. Ernsthaft. Was hätten wir da sagen sollen? Danke fürs Angebot aber eigentlich haben wir kein schlechtes Gewissen, dass wir nicht so gut arbeiten können WEIL UNS GEHTS SEIT ZWEI JAHREN IMMER BESCHISSENER, DA KANN MAN IRGENDWANN EINFACH NICHT MEHR GUT ARBEITEN!!!! Und nein, wir würden wie im Vertrag steht lieber nur unsere 15 Stunden arbeiten und trotzdem einen Tag frei kriegen, auch wenn die Therapie zurzeit ausfällt und auch, wenn wir die 15 Stunden nur für den freien Tag Therapie bekommen haben.

Ja, könnten wir vielleicht sagen, aber dann sind wir bestimmt nicht mehr so dicke mit ihr. Und eigentlich mögen wir sie gerne und eigentlich hat sie es ja auch nur gut gemeint, aber ehrlich gesagt müssen wir uns dieses Jahr jeden Abend schon für den nächsten Morgen überwinden überhaupt loszugehen und scheinbar geht das nicht nur mir so, sondern auch Hanna oder Lita oder irgendeiner von den beiden, die im Januar mal darüber geschrieben haben. Und ehrlich gesagt wünsche ich mir nichts sehnlicher als mit irgendeinem Infizierten in Kontakt zu kommen, damit ich unter Quarantäne gerate. Ach ja und dann hat sie auch noch was an den 20 Urlaubstagen die wir im Jahr haben etwas auszusetzen gehabt und wollte, dass wir NOCHMAL im Personalreferat nachfragen, weil wir ja nur vier Tage die Woche arbeiten. und ich dachte mir so OLLE GÖNN UNS DOCH WENIGSTENS DIESE VEFICKTEN ZWANZIG TAGE RUHE IM JAHR! Mal abgesehen davon dass wir nicht einmal den Schwerbehindertenausweis abgegeben haben, eben genau deshalb, damit wir nicht noch mehr Urlaubstage haben.

Ich weiß nicht, ob sie denkt dass wir mit den 15 Std in der Woche nur Faulenzen. Der Tag für die Therapie geht j akomplett drauf! Wir sind um sechs Wach, um acht im Bus, Mittags in der Stadt und um 20 Uhr zurück und Therapie macht, nur nebenbei bemerkt, KEINEN SPAß! Die restlichen Tage haben wir auch ständig was zu tun! Wir sitzen nach der Arbeit nicht einfach nur dumm rum und chillen hängen mit Freunden ab (die wir ja eh nicht mehr haben). Wir haben STÄNDIG Regeln und Verpflichtungen und dies und jenes und klar, das gehört halt zum Erwachsenwerden dazu, ist mir klar, gehört halt auch in unserem Alter dazu, au ch klar, aber wenn wir mal das nicht haben, dann haben wir mit UNS zu tun und da ist ständig irgendwas. Und wirklich ruhe haben wir nur wenn wir mal mit Jimmy spazieren sind (also wenn es gute Spaziergänge sind) oder dann endlich abends wenn wir k.o auf der Couch rumgammeln können aber dann sind wir nicht mal mehr fähig irgendwas im Fernsehen zu kapieren weil im Hirn einfach nur noch alles durchsickert.

Und dies zwei Wochen die wir untertauchen mussten waren KEIN verdammter Spaß. Das war KEIN Urlaub … und urgs meine Bauchstechen bringen mich um!!!!!!!!!!! Tut das weeeeeh >.<

Ich will mein oder unser altes Leben zurück. Und jetz tkann ich mich nicht mehr konzentrieren weiter zu schreiben weil ich gerade an den Bauchschmerzen sterbe Y.Y

-Mia

Gänseblümchen #2

Irgendwie ist es ein biiisssschen schwer das zu schreiben obwohl wir eigentlich echt schöne Dinge erlebr haben… also

1. Die verständnisvolle Reaktion von der Chefin (auch wenn sie es zwei Stunden später wieder zerstört hat, worüber wir mit den Zähnen knirschdn, aber das ist nicht der Platz jetzt dafür… ich glaube aber auch mit ein Grund wieso wir seit Donnerstag schlecht drauf sind)

2. Jeder Besuch von Ari ist eigentlich ein kleines Gänseblümchen, auch wenn wir Größeren von ihr nie viel mitbekommen, ist nach ihren Besuchenn immer eine allgemeine Entspannung da

3. Ari hat einen DVD Player in unserem Zimmer eingerichtet, damit die Jüngeren von uns ihre Disney- oder Kinderfilme schauen können (Marie will unbedingt Little Nemo sehen sie schwärmt die ganze Zeit von Flip, weil der auf einem Raben fliegt)

4. Lou hat festgestellt, dass wir ja keine Schmerzen mehr am Knie haben und das Wetter trocken genug ist, um auf unseren Garten Baum zu klettern (das größte Gänseblümchen diese Woche)

5. Wie wir darüber lachen mussten, als wir feststellten, dass unsere Waage „Korona“ heißt (ohne Witz)!

6. Und, auch wenn es vielen auf den Magen schlägt und es uns leidtut für die, denen es damit furchtbar geht, aber ganz egoistisch müssen wir sagen: UNS tun die Corona-Auswirkungen (also Maßnahmen) richtig gut. Wir merken einfach wieeee entspannt und schön es ist und teilweise sogar richtig glücklich-idyllische Gefühle auslöst, dass fast alles wie ausgestorben ist. Man hört die Vögel viel lauter (wir haben hier eh sehr viele und es ist sooo krass wie sie singen und schnattern oder witzige Pfeifgeräusche machen), aber wie krass viel lauter es ist, wenn es weniger Autos gibt die herum fahren, weniger Menschen die unterwegs sind… wir bilden uns sogar ein, dass die Luft besser wird 😅 Spaziergänge mit Jimmy sind vieeeel entspannter und es laufen mehr Eichhörnchen über die Straße vom Wald auf das Feld. Entweder ist das Einbildung, oder es liegt wirklich daran, das kaum noch Menschen unterwegs sind. Aber egal was es ist, irgendwie gibts mir das Gefühl, dass die Natur mehr Raum hat, indem sich die Menschen mal zurückziehen und das macht mich richtig richtig glücklich.

Immer wieder überraschend…

… obwohl man es seit zwei Jahren weiß, das mit dem Vielesein… und trotzdem immer, immer wieder ist es überraschend zu sehen, dass wir offensichtlich wirklich mehr Alltagspersonen haben, die die Arbeit meistern… mit vielen vielen Notizen. (Erstes Bild ist meine Schrift), anderen beiden weiß ich nicht, kann mich an die Notizen aber auch nicht erinnern – nicht einmal, sie je gelesen zu haben.

– Kara

Immer noch schwer, klare Gedanken zu fassen (K)

Heute ist es merkwürdig. Vielleicht ist aber auch alles merkwürdig, weil alles anders ist (mit ein wenig Übertreibung)… habe ja gestern schon erzählt, dass sich neue Dinge verknüpfen, Anweisungen (innen) von hier und da an diese und jene, die eigentlich glaube ich noch nie so wirklich von Unbekannten aus unserem System angewiesen wurden. Wir untereinander, total normal. Wenn Amy zum Beispiel Mia anweist, Mia letztlich uns „anweist“, wenn ich Lou „anweise“ oder beziehungsweise „hinweise“… oder, wenn Lou und Max im Co sind, manchmal sogar beide zusammen, obwohl Max eigentlich eher ein eigensinniger Kopf ist in unserem System. Dass M plötzlich in Kontakt mit Lämmchen ist, obwohl sie zu unserem System gehört und sonst eher von Max „betreut“ (wobei Max auch erst zehn ist), Kika schauen konnte. Dazu die Erleichterung von Max „Hatte kein Bock Babysitter zu sein, draußen spielen macht mehr spaß als Fernseh glotzen“ – die Info kam bei mir nie an. Ich selbst habe oft versucht mit M ins Co-Bewusstsein zu kommen, funktioniert aber nicht. Jetzt hat M Kontakt zu Lämmchen und ist mit ihr im Co, wenn Ari ihr was vorliest oder wenn Lämmchen einen Film schaut – andersrum genauso: M schaut einen Film, Lämmchen im Co. Nur wie ist das möglich, wenn wir nicht im selben System sind? Ich bin mir sicher, Jola wüsste es. Bin mir aber auch sicher, dass sie das hier öffentlich nicht erklären würde. Ich spüre Jola auch, es ist nicht so, dass sie mich gerade nicht beobachtet, aber sie hält sich zurück. Warum, weiß ich nicht.

Auch spüre ich plötzlich mehr… Gefühle die ich, glaube ich, noch nie wahrgenommen habe. Ich könnte nicht einmal sagen, wie man die nennt. Es ist nicht wirklich Traurigkeit, auch nicht wirklich – aber vielleicht schon eher – Wehmut… aber es ist irgendwas dazwischen. Es betrifft mich nicht selbst, es ist eher irgendwas von außen, genauer kann ich es noch nicht benennen.

Es ist auch so merkwürdig… ich betrachte meinen Körper, manchmal. Gestern zumindest kurz, auch heute Früh… und er sieht so „sauber“, kann man das sagen? – aus. Keine blauen Flecken, keine Wunden, kaum ein Kratzer. Es ist, als würde ich das erste Mal in meinem Leben so wirklich sehen, wie eine ganz normale Haut aussieht. Es ist  nicht so, dass ich jeden Tag neue Wunden oder Verletzungen hatte, aber oft waren es Verletzungen die länger gebraucht haben zum Abheilen. Kaum waren sie verblasst, waren neue da. Die letzten Verletzungen die ich an meinem Körper gesehen habe, waren die vor vielleicht vier oder fünf Wochen, ich weiß es nicht mehr so genau, die Striemen um das Handgelenk, die Male am Hals. Das war, als ich zur Therapie zu Frau Honig musste und hin- und hergerissen war, weil ich nicht wollte, dass sie fragt woher die kommen. Ich kann mich noch vage erinnern, was Mona und Ari versucht haben zu erklären… dass wir über Nach an einem Wochenende mal verschwunden waren, sie uns in der Früh/am Vormittag gesucht hatten… wir irgendwann plötzlich wieder da waren. Aber diese Erzählungen sind schon so verblasst, ich müsste den Eintrag von damals noch einmal nachlesen… Und zwei Tage darauf wäre eben die Therapie bei Frau Honig. Die Wunden am Handgelenk. Man hätte sie gesehen, wäre der Pulli nach oben gerutscht oder was immer. Sie hätte gefragt. Ich hätte keine Antworten geben können und die Blicke dazu ertrage ich kaum. Deswegen hatte ich mir eine Mullbinde um die Handgelenke gewickelt und als Ari kam, um uns abzuholen, behauptet, ich hätte mich selbst verletzt… [habe den Eintrag gefunden: „Drüber schreiben oder nicht?“) Das waren die letzten Verletzungen und seitdem… es ist merkwürdig, ich sollte mich freuen, nicht wahr? Jeder ist doch froh, wenn er einen unverletzten Körper hat. Doch irgendwie… ist es einfach nur merkwürdig. Es ist ungewohnt, es ist fast, als wäre meine Haut selbst nackt, als würde irgendwas fehlen, was da hingehört, was da einfach sein muss. Keine Verletzungen… ein völlig normaler Körper, und ich kann es nicht begreifen.

Heute saß ich dann bei unserer Chefin… sie ist so… halbwegs involviert. Na ja, da ich ja hier meine Ausbildung fertig gemacht habe weiß man ja, dass ich irgendeinen Hintergrund habe (war ja ne unterstützte Ausbildung), und danach wurde ich ja von denen übernommen und der Direktor von dem sozialen Unternehmen hier kennt mich ja seit einigen Jahren… und der steht mit Ari im Kontakt und der hat eigentlich auch viel organisiert, damit wir die letzten zwei Wochen untertauchen konnten. Und er meinte, für ihn steht auch im Vordergrund, dass wir in Sicherheit sind, irgendwann, solange soll ich die Arbeit eher als stützende Maßnahme betrachten, und wenn ich über gewisse Feiertage wieder untertauchen muss, regelt er das mit meinen Arbeitszeiten. Um ihn bin ich (ich kann hier glaube ich nicht für uns alle sprechen) sehr dankbar, ich glaube ohne ihn wäre uns viel weniger möglich und wenn wir ihn früher eingeweiht hätten… oder vielleicht sogar allgemein früher gewusst hätten, in was für… Strukturen wir leben, hätte er bestimmt schon viel eher helfen können und auch geholfen. ABER, das ist Vergangenheit und deshalb versuche ich einfach dankbar zu sein dass wir überhaupt jetzt schon in unserem Alter so ein Netzwerk gefunden haben dieses Jahr. Ich weiß dass es super unüblich ist und es echt mehr Glück als Verstand ist. Außerdem haben wir genug gejammert bis letztes Jahr. Uns genug über das Psy-Wesen aufgeregt, unter vielen Fehlern von den Helfern gelitten. Aber das ist so und jetzt ist es besser. Vergleichsweise sogar richtig gut, auch wenn es entsetzliche Angst auslöst, phasenweise, dass jetzt „so viele“ Menschen in unserem Umfeld involviert sind. Aber… da sind wir enorm zwiegespalten. Anderes Beitragsthema.

Zumindest weiß eben auch die Chefin grob bescheid. Sie ist vertrauenswürdig. Keine Tratschtante. Und bei ihr steht echt total der Slogan „Harte Schale, weicher Kern“. Sie hat viel Mitgefühl, kann es aber unheimlich gut trennen vom Alltag. Sie interessiert sich dafür, wie es uns geht und deshalb hat sie auch gefragt, wie es war und wie es jetzt ist. Sie meinte, ich wirke sehr viel ruhiger als das letzte Mal, als wir sprachen. Ja. ICH wirke auf andere immer sehr viel ruhiger und gefasster als Mia zum Beispiel. Als wir das letzte Mal mit der Chefin gesprochen haben, war Mia im außen und ich bloß schwach im Co. Ich kann mich nur erinnern, dass ich versucht habe Mia zu sagen, sie soll vor Nervosität nicht so rumzappeln und mit den Augen überall im Raum herum schwirren. Mia ist oft so schrecklich nervös. Aber ich glaube auch, weil sie einfach verdammt unsicher ist und… sich zu dick, zu hässlich, zu ungeschickt, zu flapsig fühlt. Ungefähr so sind zumindest ihre Worte, wenn sie sich selbst kleinmacht. Es war mir unangenehm, dass wir vor unserem Untertauchen nicht gefestigter mit der Chefin reden konnten, denn das war knapp eine Woche, bevor wir von einem Tag auf den Anderen weg waren, als Mia die Chefin darauf vorbereiten wollte, dass eben passieren kann, dass wir für ein, zwei Wochen mal weg müssen. Da wir nicht so auf Lügen stehen, war uns klar, dass wir nicht einfach auf „krank machen“ und haben gleich offen darüber geredet, dass es um eine Schutzunterkunft geht. Unsere Chefin hakt nicht nach, das mag ich an ihr. Sie lässt uns nur soviel erzählen wie wir möchten, und ist dankbar für unsere Ehrlichkeit.

Unter den Umständen kann ich sogar verstehen, dass Mia nervös war. War ich auch. Ich hätte auch keine hundert Prozent passenden Worte gefunden, wenn sie noch mehr nachgefragt hätte, aber ich hatte das Gefühl, Mia hebt fast vom Stuhl ab, so nervös war sie. Heute war ich genauso nervös. Nur… ich kann eben ruhig sitzen bleiben und Menschen in die Augen schauen. Ich muss nicht alles beschämt weglächeln, Dinge sind, wie sie eben sind.

Sie war sehr verständnisvoll, als ich ihr gestand, dass ich gestern kaum einen klaren Gedanken fassen konnte und die letzten zwei Wochen nicht „sortieren“ kann. Sie sagte, ich soll heute noch ruhig machen, ankommen, und erst nächste Woche „richtig“ anfangen, wenn ich mir wieder einen Überblick verschafft habe, was ich so plötzlich liegen lassen musste.

Ich bin echt so dankbar für viele Menschen um mich herum, aber ich weiß, dass wir das oft aus den Augen verlieren, wegen so vielen Dingen die eben noch geschehen und die nicht zu greifen oder zu fassen sind. Und dass wir einfach noch keine Kraft haben diese Dankbarkeit auch zu zeigen (glaube ich). Aber sie ist da, ganz ehrlich. Und seit ein paar Absätzen spüre ich Mia schon extrem im Co-Bewusstsein, so dass es wieder in ein… bin ich Mia, ist Mia ich?- übergeht.

-Kara

Jetzt fängt schon das Lügen an (M)

Sorry, dass ich so viel darüber nachdenke… und es so viele von uns beeinflusst aber ich kann nicht anders. Ich kann Essen nicht einfach so wieder anrühren. Allein wegen meinem Stolz könnte ich es nicht. Nzr damit dann alle mit dem Finger auf mich zeigen und sagen „Ha ha, schau mal, ganze ZWEI Tage hat sies ausgehalten!!!“ … ja zugegeben ich habe heute Früh schon überlegt wie wir heute Abend uns vom Abendessen drücken könnten, das Mona ja immer so gerne für uns mitkocht… ich überlegte tatsächlich sogar in die Trick Kiste von damals zu langen… klein schneiden, viel reden, Kauen imitieren, Essensstücke im Ärmel verschwinden lassen… und sonst alles so auf dem Teller verteilen, als wären es Reste… in einem unbeobachteten Moment wegschmeißen, Papiertücher drüber… aber dann dachte ich… ne… ich KANN Essen nicht (mehr) wegschmeißen. Seit wir mal so nen Film in der Schule gesehen haben… ich glaube… We feed the world oder so, kann mich nicht mehr genau erinnern, aber seitdem kann ich Essen nicht mehr wegschmeißen, obwohl das vorher echt ein großer Bestandteil meines Lebens war.

Naja, aber… dann habe ich überlegt.. wie sonst??? Es soll möglichst nicht auffallen, dass wir grad weniger essen. Die Nummer „ich hatte heute Mittag sooo viel bekommen“ oder „Wir haben in der Pause Pizza bestellt“ zieht nicht mehr (Pizza wegen Corona eh nicht)… heute hat es noch gezogen. Wir kamen Heim und sagten Mona, wir hätten in der Arbeit so viel zu Essen bekommen, das würde für den ganzen Tag reichen. Sie glaubt es, sie kennt uns mit ES nicht. Aber das glaubt man nicht immer… vor allem nicht wenn man merkt, dass wir abnehmen. Dann wird man anfangen Fragen zu stellen..

Mir fällt noch nichts ein… die Ausreden sind grad das Einzige, was ich nutzen kann ohne Essen wegschmeißen zu müssen. Früher… ja … da bin ich mit einer Breze oder Schoki vor der Toilette gesessen. Abgebissen, gekaut, wieder ausgespuckt. Kurz vor Fressattacken oder bei extrem starkem Hunger habe ich das getan. Das war eins der besten Methoden um FAs aus dem Weg zu gehen oder dem Körper vorzugaukeln wir würden essen.
Kaugummi kauen klappt auch.

Zähne putzen.

Mit dem Finger fest auf die Oberlippe drücken, also zwischen Nase und Oberlippe. Danach bleibt dort ein Druck Gefühl und das hindert uns auch am Essen. Weiß nicht wieso.

Ernährungsplan schreiben. Viele Tricks die ich noch auf Lager habe. Sogar, wie man Gewichtsreduktion vertuscht. Gut, hier werden wir nicht mehr betreut, hier wird man uns nicht mehr auf die Waage zwingen, aber ich erinnere mich, dass im Oktober 2018 als wir noch betreut waren und die Betreuer das Gewichtverlieren bemerkten eine therapeutische Regel mit der ehem Thera aufstellten, dass wir jede Woche bei Frau Thera gewogen werden sollen. Was haben wir gemacht? Ich habe Arm-Gewichte bestellt. So Dinger, die man sich um Beine oder Arme wickeln kann. Je fünf Kilo. Sie passten unter unsere weiten Hosen. Wir hätten eine davon sicher benutzt.

Ansonsten vorm Wiegen mit  mehreren Litern Wassern volltrinken. Als wir mal an die Sonde mussten, haben wir sogar Batterien in die Unterwäsche gesteckt, da ging es ja dann immer um jeden Gramm.

So weit sind wir ja bei weitem nicht mehr. Wir sind wirklich nicht untergewichtig. Eigentlich hat das seinen Vorteil. Da ist es nicht weiter bedenklich oder auffällig, dass wir Gewicht verlieren. Bei Normalgewichtigen denkt kein Mensch an eine Essstörung, wenn er abnimmt. So haben wir.. ich.. wenigstens genug Vorsprung.

Denn… ja, heute sah ich schon.. Mona hat Schokolade gekauft.. viele von uns lieben Schokolade über alles… aber …. ich starre sie an… und zugeben, ich habe etwas (ganz leicht nur) Hunger.. aber nein, ich will nicht und ich werde nicht… habe mir Kaffee gemacht. Mit Milch. Das sättigt ein Weilchen. Ansonsten haben wir noch viel Tee. Kalorienarmer Saft, falls wir etwas Süßes brauchen… und ich bin stolz, dass ich es schaffe nein zu sagen, obwohl die Schoki offen neben mir liegt und Mona sie genießt. Viel besser ist aber das Gefühl, dieses „ich will was davon“ unter Kontrolle zu haben… ganz im Ernst… wenn wir jetzt ein Stück essen würden.. ich würde Afm nehmen bis die Packung leer ist und mich sogar von der Arbeit krankmelden lassen dafür. Also lieber nicht. Ich will ja auch nicht.

Außerdem habe ich heute schon Obstsalat gemacht. Eine halbe Orange, ein Apfel, eine Kiwi und eine Banane. Das sind ungefähr .. nun eine 250 g Orange hat ca. 118 kcal, wenn 100g 47 haben… unsere war eine kleinere Orange… vielleicht maximal 180 – 200 Gramm. Davon die Hälfte.. ich schätze um die 50 kcal. Der Apfel hatte von der Größe auch ca 40 kcal, eine Banane hat je nach Größe 60 – 120 kcal, unsere hatte um die 70, würde ich behaupten. Die Kiwi auch ungefähr 50. Sagen wir mal, der Obstsalat hatte also 210 Kalorien. Da ich aber befürchte dass ich vielleicht mich mal verrechne oder Kalorien unterschlage, zähle ich immer um die 50 kcal drauf, also 260 und komischerweise wird mir ganz übel bei der Zahl … viel zu viel für eine Mahlzeit. Für EINE Obstschüssel!!!!!! … okay, das sagt mir gleich, dass ich den Obstsalat entweder kleiner halten oder am Tag verteilen muss. Morgens hatte ich einen Cappuccino gekauft, aber nicht ganz getrunken. Vielleicht 60 Kalorien. Heute Abend der Kaffee mit Milch… 45 Kalorien ca. Insgesamt hätten wie also schon ca 365 Kalorien… und ich möchte unter keinen Umständen über die 500 kommen. Das sind wir gestern eh schon ersten und zweitens, weil wir Aris Kuchen nicht und Monad Mittagessen nicht ablehnen wollten und drittens weil Lämmchen am Abend dachte, „ach, eine Sternchensuppe geht auch noch“. Aber davon haben wir nur eine halbe Schüssel gegessen, denn erstens hat Lämmchen sie versalzen und zweitens hat sie die „überkochen“ lassen, so dass kaum noch Suppe übrig war (verdampft).

Tja und dann waren Kara und ich mit Jimmy eine Stunde lang bergauf, bergab spazieren und ich habe so den Drang gehabt, danach vielleicht noch Joggem zu gehen, aber dafür ist es noch zu kalt (bei Kälte bin ich beim Joggen zu blöd zum Atmen… frisst sich die Kälte jedes Mal von der Lunge bis in die Ohren, Schmerzen, als würden wir im Kopf explodieren und ZACK Kreislaufkollaps oder Ohnmacht vor Schmerzen oder wasauchimmerdasist). Wir hassen zwar den Sommer, wirklich, wir hassen Hitze, aber wenigstens kann ich da Joggen und atmen 😀

Ich bin müde… bin ganz froh, dass der Tag bald um ist. Ich hasse es wegen dem Essen zu lügen. Ich hasse es. Aber ich kann nicht anders. Ich habe keine Lust darüber mit den Leuten in meinem Umfeld zu diskutieren und ich finde, solange wir kein Untergewicht haben, hat da eh keiner mitzureden. Und selbst… selbst DANN nicht, schließlich sind wir volljährig. Also, biologisch.

-Mia

Therapie-Pause? (K)

Noch ein Gedanke der nun schwirrt, weil Frau Honig uns angeschrieben hat. Geplant ist jetzt wohl eine Video-Chat Therapie. Ob das so klug ist, weiß ich nicht, und da geht es mir nicht um die Sorge, ob das nicht „sicher“ wäre. Heute soll unsere erste Sitzung sein. Ich kann natürlich nicht garantieren, ob ich dann noch da bin obwohl sie zu meinem Befinden etwas sagen wollte. Aber so ist das nun einmal, wenn man Viele ist. Der Ein oder Andere tritt unweigerlich etwas Kürzer. Es klappt nicht, dass die Themen von jedem besprochen werden können. Mich hätte natürlich interessiert, was eine Therapeutin zu unserem/meinem Zustand sagen würde, weil ich selbst das nicht kenne, aber vermutlich werde ich das alleine herausfinden müssen. Ich finde es ein wenig schade, aber nicht weiter schlimm. Vielleicht werden wir ja irgendwann so weit sein, dass wir gezielt Anteile „abrufen“ können, damit jeder seine Themen bearbeiten kann.

Ich bin gespannt, wer sich heute Abend dann zeigt. Ich kann nicht sagen, ob wirklich irgendwas passieren wird. Ob „Videochat“ wirklich ein Trigger ist. Ich glaube zwar nicht, aber ich hätte bis heute auch nicht gedacht, dass fremdsprachige Hotels Trigger sein können. Also, lassen wir uns überraschen 😀

Als Alternative meinte ich, wenn das doch nicht gut läuft, könnten wir eine Pause einlegen. Es macht bei uns ohnehin vom Zeitgefühl kaum einen Unterschied, ob wir einen Menschen eine Woche oder ein paar Monate nicht sehen. Prozentual gesehen schaffen wir es sowieso meistens nur 20 – 40 Prozent von dem, was in einer Woche passiert, in der Therapie einzubringen. Das meiste davon ver-arbeit/dräng-en wir alleine. Je nachdem wie akut belastend oder verwirrend etwas ist. Es ist also wirklich kein Unterschied, ob wir nun jede Woche oder dann erst wieder in einem halben Jahr Therapie machen. Den Platz wird sie uns sicher nicht nehmen und zur Not gibt es immer noch die Lösung, Telefon-Gespräche zu führen, wenn etwas wirklich sehr dringend sein sollte. Für wöchentliche Telefon-Gespräche gibt es keine Kapazitäten… unserer eigenen Standhaftigkeit wegen. Telefonieren mag keiner von uns besonders gerne, außerdem wird dabei oft etwas Anderes gemacht und der Telefonpartner nur als stumpfes Nebengeräusch wahrgenommen. Das ist nicht sehr höflich, aber wir können uns nicht hinsetzen und uns eine Stunde auf eine Stimme am anderen Ende der Leitung konzentrieren. Ich weiß nicht, an was es da fehlt. Geduld, Kontakt, Konzentration… Irgendwas wird es sein. Aber in Not Situationen ist es denkbar und außerdem in unserem Interesse.

Ich rede hier jetzt nicht nur für mich. Lou findet es etwas schade, weil sie „ihre Geisterfreundin“ (Frau Honig) schon länger vermisst, weil sie mit ihr gerne frotzelt. Aber es wird ihr außer dem freundschaftlichen Umgang mit ihr an nichts fehlen. Viele andere von uns haben noch keine so enge Beziehung zu ihr aufgebaut, dass uns etwas wegbrechen würde, wenn wir eine Pause einlegen. Viele von uns möchten sich ihr ja auch noch gar nicht zeigen. Diejenigen von uns, die gut mit ihr zusammenarbeiten können und ihr vertrauen (Jola, Mia, ich etc.), sind nicht gekränkt, wenn wir sie länger nicht sehen. Lämmchen hat ihre Bezugsperson in Ari gefunden, an Frau Honig kann sie irgendwie nicht andocken. Ich weiß nicht warum… vielleicht würde ich es herausfinden, wenn wir später die Möglichkeit haben Mias Wunsch nachzukommen, uns gegenseitig zuzuhören und die neue(st)en Eindrücke zu sortieren und zu notieren. Das ist unendlich viel – rotiert immer noch im Kopf. Im Eintrag vorhin war vielleicht ein Viertel von dem, was eigentlich noch innerlich gesagt werden will, aber ich habe die tolle „Plexiglasscheibe“ dazwischen geschoben. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie hat es funktioniert. Es ist zwar immer noch sehr bedrängend, aber etwas leiser.

Wenn es sehr Kleine in uns gäbe, denen eine Therapie Pause schaden würde, würden wir natürlich versuchen einen Weg zu finden, die weiter zu machen. Aber aktuell meldet sich keiner dazu, wenn ich gerade mit dem Gedanken einer Pause spiele. Bis auf, die, mit denen ich im Kontakt bin… und daaaaann…. bräuchte ich natürlich Jola um zu erfahren, wer sonst noch von uns (von anderen Systemen) schon mit Frau Honig im Kontakt waren, um niemanden zu übersehen, den ich vielleicht nicht hören und/oder spüren kann. Und ehrlicherweise muss ich dazu stehen, dass ich nun wirklich kein Anteil bin, der viel Kontakt zu vielen anderen in uns hat.

Ich merke nur: Es fühlt sich entspannter an, eine Pause einzulegen (falls das mit dem Videochat negativ enden sollte oder negative Gefühle und Gedanken auslöst, im Nachhinein), als alternativ krampfhaft jede Woche ein Telefongespräch zu führen. Aber jetzt lassen wir uns bis heute Abend erst einmal überraschen. Man soll ja den *** nicht an die Wand malen 🙂 Bis jetzt habe ich keine Bedenken wegen dem Videochat, nur die Vorsicht sollte gegeben sein. Es könnte. 

-Kara

Lass mich mal überlegen… (K)

Wann war ich zuletzt da? Kann ich nicht einmal genau sagen. Ich bin mir sicher, dass Mia und ich „vor dem Verschwinden“ in die Arbeit gegangen sind. Ich weiß auch noch grob, was wir gemacht haben, aber so wirklich doch nicht mehr. Gestern sind wir noch in der Geschlossenen aufgewacht… heute sitze ich um die Uhrzeit schon in der Arbeit. Alles ist wie ausgestorben und Mia und ich wechseln gerade sekündlich. Sind mehr im Co denn je, es ist fast schon ein „ineinander Übergehen“. Bin ich Mia, ist Mia ich? Ich bin heillos überfordert weil ich mich gerne darauf konzentrieren würde, wo ich aufgehört habe. Ich könnte. Die CD’s, die ich auf unsere Mediathek speichern muss. Ich weiß es. Da habe ich aufgehört. Genau dort. Und „gestern“ hat unsere Chefin noch gesagt, wir sollen lieber erst die EVK’s digitalisieren, damit wir das haben, wenn wir sie brauchen. Und… hier hänge ich. Haben wir das noch getan? Kann mich nicht erinnern, EVK’s digitalisiert und abgelegt zu haben… wie soll ich das auch nachsehen? An die Namen kann ich mich schon gar nicht erinnern, mal abgesehen davon dass wir gefühlt ne Milliarde haben. Mist. Bin immer noch recht ruhig. Ich spüre jetzt keinen Stress deshalb, ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll, ich weiß ja kaum, wo ich aufgehört habe, obwohl ich „gestern“ noch hier saß.

Dabei sind zwei Wochen dazwischen. Ich habe keinen klassischen „Blackout“, wie sonst. Ich weiß was war. Ich weiß auch wo wir überall waren, aber ich weiß nicht genau was passiert ist, bis auf das, was Mia mir unbedingt alles erzählen möchte. Sie sagt, ich sei „weg“ gewesen. Nicht erreichbar. Weder ich, noch sonst einer von uns Älteren. Hm. Mia zähle ich schon zu „uns Älteren“. Sie ist nur ein Jahr jünger als ich. Gut, wir haben auch sehr viele siebzehn, achtzehn und Neunzehnjährige, aber ich finde, dass ich mit Fünfzehn nicht weniger vernünftig bin als Mika zum Beispiel. Oder Jola, aber die ist ja keine Alltagsperson… Fast alle unsere Alltagsleute sind zwischen 15 und 20. Irgendwie ja ein bisschen logisch. Für uns. Will das aber gerade nicht genauer erklären, sonst müsste ich Jola fragen und ich bin gerade so sehr mit Mia im Co, dass mich das dann wirklich total verwirren würde.

Ich weiß nicht einmal, was Mia mit „nicht da“ genau meint. Schließlich kann ich kaum wirklich „weg“ sein, wenn wir uns einen Körper teilen. Aber ja, sie hat Recht, was genau passiert ist, erinnere ich nicht. Ich kann mich auch an keinen Co-Moment erinnern, bis auf als Jola für die Kleinen in der Geschlossenen im Heft eine Orientierungs-Anleitung geschrieben hat. Die kann ich sogar auswendig. Rechts oben in der Ecke der Stützpunkt, die Pfleger dunkelblau „die sind sehr nett, vor denen braucht ihr keine Angst haben“, vier Türen weiter, oben nach links, gelb schraffiert, die Arztzimmertür unserer zuständigen Ärztin. Eine kleine Figur mit blondem Zopf skizziert. „Vor ihr braucht ihr auch keine Angst haben“. Vom Stützpunkt aus nach unten, das Zimmer C2.30.(a, glaube ich?), hellblau schraffiert, unser Zimmer. „Wenn ihr in das Zimmer geht, seht ihr einen Baum mit wunderschönen rosa Blättern. Dort seid ihr richtig“… jaja, das erinnere ich noch. Fast fotografisch. Ich weiß sogar in welchem Winkel alles aufgezeichnet ist, weil Jola und ich so im Co waren. Aber abgesehen davon erinnere ich mich an nichts.

Und auf dem Weg zur Arbeit war ich plötzlich im Co mit Mia. Sie redete irgendwas von… was war der erste Satz, den ich mitbekommen habe… ? …ach ja „Das haben wir in der Klinik auch geschafft, also reißt euch zusammen!“ Ach ja… Essen. Ihre Gedanken drehten sich auf dem Weg zur Arbeit ums Essen. Und ich war im Co eher damit beschäftigt, dass hier im Dorf alles wie ausgestorben ist. Ach ja, Corona. Die Auswirkungen davon sind auch an mir vorbeigeflogen. Komisch, mir macht das nichts aus. Irgendwie merke ich kaum einen Unterschied. Klar, weniger Menschen. Komische Plastik-Schutz-Wände an den Verkaufsbändern. Aber sonst eigentlich alles normal. Nichts, was mich beunruhigt oder sich nicht normal anfühlt. Entweder, wir leben in einer total eigenen Welt, so dass wir sonst die Menge und die „alltägliche Fülle“ gar nicht wahrnehmen, oder wir haben wirklich einfach kein Problem mit diesen Epidemie-Auswirkungen.

Aber Mia war ständig am Essen aufzählen. Montag hatten wir 360 Kalorien, redet sie. Dienstag hatten wir zwei Kaffee mit Milch, zwei Äpfel… „vierzig, vierzig, achtzig. Fünfzig, vierzig, neunzig. Einhundertsiebzig Kalorien am Dienstag.“ und ich, das einzige, was ich gedankenverloren (weil immer noch mit den ausgestorbenen Straßen beschäftigt) „Hatten wir keinen Hunger?“ eine andere Stimme… innen, jünger „nö, komischerweise null. Ein bisschen. Aber dann wieder nicht. Ari hat uns aber gestern zwei Kuchenstücke mitgebracht. Und mittags haben wir einen halben Teller von Monas Fisch und Reis mit Mais und Brokkoli und Abends eine kleine Schüssel Sterchensuppe gegessen. Die Suppe habe ich gemacht“… (ah, Lämmchen), „aber die war viel zu versalzen, habe sie nicht aufgegessen.“ Mit Lämmchen hatte ich vorher nie Kontakt, fiel mir auf dem Weg auf… *bling* machts im Gehirn. Neue Verknüpfung? Erschreckend und irgendwie bewegend. Bedeutet eigentlich… „positiv?“- ein drittes, eingeschaltetes Innen. Weiß nicht wer. Evtl. Kritzel. Auf jeden Fall nicht Jola. Die kann ich unterscheiden.

„Eben darum“, weiter Mia, nachdem Lämmchen beendet hatte zu erzählen, „Gestern haben wir genug gegessen, und heute machen wir weiter wie Montag und Dienstag“…. fing an aufzuzählen, was wir gleich kaufen würden für heute. „Kalorienarme Säfte, Zitrone, Orange, Banane, Apfel, Orangensaft.“ … und was sollen wir damit, fragte ich mich? Nicht an Mia gerichtet. Sie hat es auch nicht gehört. Scheinbar. Mehr Kontakt war dann nicht… wir sind schweigend zum Einkaufen gegangen… Mia vorne, ich im Co. Habe sie das erledigen lassen. Ich halte mich da raus, denn ich bin noch zu durcheinander, um irgendwas vernünftiges zu übernehmen.

Auf dem Weg vom Einkaufen in die Arbeit fuhr ein Auto langsam an uns vorbei. Ich war hellwach, nicht in Gedanken verloren. Mia dreht den Kopf nach rechts „ach der Idiot“ – ja, der, denke ich. Wir beide schmunzeln, als er hingebungsvoll „guten Morgen“ sagt und auf eine Konversation hofft, weil wir im selben Augenblick denken Corona Maßnahmen haben mehr Gutes als Schlechtes, wenigstens darf der sich uns nicht mehr nähern. Beinahe lachen wir sogar schadenfroh über diesen Gedanken. Murmeln nur ein tonloses (nicht freundliches – und das ist unüblich) „Morgen“ zurück und wenden unseren Blick wieder ab, beschleunigen unseren Schritt. Wir mögen ihn nicht. Er ist kein schlechter Mensch. Aber ein nerviger Idiot mit einem IQ von maximal 50 und der sich, seit wir fünfzehn sind, immer noch Hoffnungen macht. Der immer noch, wenn er uns sieht, sein Tempo beschleunigt um mit uns auf einer Höhe zu sein, und wenn er nur zwei Minuten neben uns spazieren und ein kurzes Smalltalk halten kann. Alles okay, ist nicht grenzüberschreitend. Ich finde es nicht schlimm, lediglich manchmal nervig, vor allem heute. Deshalb so froh über die Corona-Maßnahmen.

Und dann… kaum bin ich auf der Arbeit im Außen – Mia im Co (im Flug gewechselt, quasi), versuche zur Ruhe zu kommen, mich zu sortieren… hören die Eindrücke von Mia kaum auf. Sie erzählt mir von „wenn Lämmchen duschen geht, löse ich ab…“… -Aha? Ich muss arbeiten „Ihr wurden Handtücher um den Kopf gewickelt…“ … ich erinnere mich an eine Zeichnung von Penny… „und unter die Dusche gestellt. Heiß.“ -Mia… ich muss arbeiten… „ich weiß. Aber das musst du wissen.“ Wieso ich, frage ich mich? Jolas Aufgabe, denke ich. -Ich muss arbeiten, versuche ich es wieder. Keine Chance. Mia erzählt mir vom Ausland, wo wir für einen Tag und eine Nacht waren. Sie erzählt vom Meer, das sie noch nie gesehen hat – und, dass es ihr zu heiß war. Sie erzählt vom freundlichen Mann, der mit Mundschutz und Handschuhen Ari und uns begleitet hat. Sie erzählt ganz stolz davon, wie sie ein Sandwich aß. Und da greife ich auf ein anderes Thema zurück „stolz? Und wieso plötzlich wieder nicht essen?“… sie reagierte gereizt „Weil ich gemerkt habe, dass es sich besser anfühlt!“ Keine Diskussion, sagt mir dieser Unterton, außerdem erzählt sie gleich weiter. Versucht es zumindest. Von irgendeiner Polly. Anteil, 7 Jahre,… Ari sagt, sie spricht perfektes, britisches Englisch. Mia kann sich nicht erinnern. Ari berichtete bloß. Trigger: Menschen, die zu lange in ihrer Anwesenheit Englisch sprechen. These, da sie im Hotel nach Kunden fragte: Kann sich jeder selber denken, wir wollen hier keine vagen Vermutungen aufstellen. Neben Corona: Polly ein weiterer Grund, wieder ins Heimatland zu reißen.

Kannte weder Ari, noch kannte Ari Polly. Verzwickt. Vermutlich war Polly wohl auch schon Jahre nicht mehr da.

Und dann kommen die Erzählungen über das Duschen. Zu viel. Aber es bringt nichts, Mia will unbedingt loswerden, was sie erfahren hat. Kontakt und Ablösung vom Einser System (Mia und ich sind ja System Zwei. Lämmchen System Eins). So viel neue Verbindungen… So viel neue Erfahrungen… so viel neues Wissen auch darüber, wie stark Lämmchen traumatisiert wurde/ist. Und waren nur zwei, höchstens drei Traumata bekannt… Mia erzählt noch von so viel mehr. Dröhnender Druck als Aufforderung an Jola, das alles zu notieren. ICH soll von den Traumata von Lämmchen nichts hören. Genaues will mir Mia dazu nicht sagen. Besser gesagt: Jemand verbietet Mia, mir Genaueres zu berichten. Und Mia drängt so sehr, das aufzuschreiben, als ginge es um Leben und Tod.

Ich sitze immer noch ruhig vor dem Bildschirm… versuche die Mails zu checken, die alle eingegangen sind (80 Prozent Corona)… aber ich kann nicht aufgreifen, was da steht. Mia ist zu sehr präsent. Zu viel ist passiert. Zu viel was erzählt werden muss, was sortiert werden muss, damit die Erinnerungen nicht bloß an Lämmchen und Mia hängen bleiben und für den Rest wieder im Nichts verschwindet. Das passiert nämlich, behauptet Mia. Sie kann so viele Erinnerungen nicht abspeichern. „JETZT kann ich es dir noch gut erzählen. JETZT können wir Lämmchen fragen… wenn wir warten, vergesse ich es und wir können nicht mehr drüber reden.“ …- und ich muss arbeiten!… denke und antworte ich immer noch  verzweifelt.

„Kein normaler Mensch geht zwei Wochen, nachdem er wegen einem Ausstieg untertaucht gleich am nächsten Tag wieder in die Arbeit!“, knallt es irgendwo innen von hinten – nicht zuzuordnen wer. Und ich habe das Gefühl, zurück knallen zu müssen „Doch. ICH!“ … damit ist für MICH die Diskussion beendet. Ich bin aufgestanden, habe mir Orangensaft eingeschenkt und jetzt ist es ruhig im Kopf. Eine dämpfende Ruhe. Wie Plexiglas, hinter dem Milliarden Fäuste dagegen hämmern. Aber nicht jetzt. Ich muss arbeiten.

-Kara