Ich könnte es mir so leicht machen… (P)

Heute geht es mir nicht gut, aber da ich ja erfahren habe was gestern an Themen alles hochgeschwemmt wurde, ist das vielleicht gar kein Wunder… Gut, ich könnte sagen, die Dinge die gestern geschrieben wurden, sind „nur“ ein Anteil von mir. Ich würde das ja nieeeee sagen. Nein, über sowas würde ich nieeeee nachdenken. Tja, nur Fakt ist eben, dass jeder Mensch für sich, seine Taten und zum Teil auch für seine Gedanken (frei hin oder her), Verantwortung übernehmen muss, vor allem bei solchen, die gestern bei jemandem von uns aufgebrochen sind. Und das, weil wir als viele trotzdem eine Einheit bedeuten. Wir sind ja trotzdem ein Ganzes zusammen, irgendwie. Oder wären wir, wenn wir nicht so Amnesien füreinander hätten, oder wie auch immer.

Ich bin ja eigentlich nicht der so extrem emotionale Typ… klar kann ich mich mal gut oder mal schlecht fühlen, aber nie extrem. Und mich reißt auch nicht viel schnell mit, aber heute fühle ich mich erschöpft und ausgelaugt und ziemlich allein (gelassen) mit den Themen, die gestern so präsent waren, auch, wenn sie nicht direkt „meine“ Themen waren.

Ich schreibe hier vielleicht recht abgedroschen  darüber, man wird gar nicht meinen wie schlimm es eigentlich ist, was da gestern durch unseren-ihren Kopf ging und dass diese Gedanken viele Verurteilungen nach sich ziehen (könnten). Aber ich möchte es eigentlich nicht ausschreiben. Die, die meinen privaten Blog verfolgen, werden auch dort (noch) keinen Eintrag darüber finden und ich weiß auch nicht, ob ich den Mut finde, überhaupt jemals darüber zu schreiben.

Mich deshalb verrückt zu machen hilft nichts. Auch nicht, wenn diesmal nicht einmal Frau Honig auf dieses Thema reagiert hat. Entweder wir haben sie damit nun völlig „verschreckt“, oder sie hat zufällig ausgerechnet mal gestern keine Zeit oder keinen Nerv für uns gehabt. Wäre ja auch überhaupt nicht schlimm, wir erwarten das ja auch nicht. Schlimm ist viel eher, dass dazu gar keine Reaktion kam. Nicht einmal ein „ich melde mich später“ oder „morgen“, was sie sonst eigentlich wenigstens gesagt hat, wenn sie gerade im Moment keine Zeit oder keine Kraft dafür hatte.

Mit aber den Dingen, die gestern ausgesprochen wurden, völlig reaktionslos gelassen zu werden ist irgendwie hart. Wie gesagt ist das echt nichts … ach, wie auch immer. Es geht ausnahmsweise Mal nicht um „unser Leid“, sondern viel eher um das, was anderen zugefügt werden könnte. Und das ist noch mehr als harmlos ausgedrückt. Es ist uns also klar, dass dieses Thema unendlich viel Verurteilungen nach sich ziehen kann. Wird. Vermutlich sogar schon hat.

Die Person mit der wir darüber schreiben konnten, die verurteilt uns nicht. Wir verurteilen uns gegenseitig nicht. Das hat zumindest gut getan. Und auch, dass wir wohl damit nicht ganz alleine dastehen. Aber es hätte mich sehr interessiert, was unsere Therapeutin dazu sagt. Könnte sie überhaupt mit so einem Menschen eine Zusammenarbeit weiter vorstellen? Das wäre wichtig zu wissen, weil ich mir die Frage stelle… ob wir dann nicht sogar an einer anderen Adresse richtiger wären…

Und das nicht um irgendwas zu sabotieren oder weiß sonst was, sondern weil das dann wirklich in eine andere Richtung geht.

Das ist das eine, was mich beschäftigt und weswegen ich heute eher traurig als besonders optimistisch bin. Das Andere ist immer noch das, was Lämmchen angeht. Sie ist nach wie vor nicht erreichbar für mich. Und zum Teil frage ich mich auch, ob sie bzw. ihr Zustand und ihr „damit-allein-gelassen-werden“, vielleicht sogar der Triggerfaktor war für das, was dann jemand von uns im Kontakt mit der Viele-Freundin gezeigt hat. Weil es triggernd ist. Oder war. Ich weiß es nicht. Ich glaube immer noch ist.

Das nächste ist, dass Lucy gestern im Kontakt mit A Dinge erfahren wollte, von denen ich meine, dass sie noch zu viel für sie sind. Vielleicht auch immer zu viel für sie sein werden. Lucy ist nur ein Jahr jünger als ich. Sie ist jetzt kein Kind das ich beschützen müsste in unserem System, aber von der Existenz ist sie eine der Jüngeren. Lucy gibt es ja erst seit ca. 2016, und ja völlig kultfreier Kontext. Es gibt halt leider auch „normale“ Menschen, die keine komischen Ritual-verseuchte Köpfe haben, aber gerne Mädchen überfallen um sich zu nehmen was sie wollen. Das ist auch der Grund, warum Lucy eigentlich nicht viel von unserem Kult-Hintergrund weiß. Und die Dinge die sie wissen wollte, wären einfach zu viel gewesen, weshalb ich sie dann im Auto für eine Weile abgelöst habe. Zur Physio habe ich sie dann wieder gehen lassen. Ich habe in der Physio eigentlich dann nur einen Teil mitbekommen… in der die Therapeutin plötzlich von ihren Söhnen erzählte (die nur etwas älter sind als wir) und wie schwer es als Mutter ist, weil, umso älter die Kinder werden, desto schwerer ist es zu helfen. Früher hätte man die Kinder einfach nur in den Arm nehmen und liebhaben müssen, dann war gefühlt wieder alles in Ordnung. Sie meinte das etwas amüsiert und ich konnte Lucy dabei auch lachen hören, dabei wurde ich traurig, weil ich mir dachte „Ja, schön wäre es gewesen, hätten wir eine Mama wie dich gehabt“… danach habe ich mich auch wieder ausgeklinkt, weil ich keine besondere Situation erkannt oder verspürt habe. Als nächstes habe ich mich ins Co-Bewusstsein gebracht, als ich gemerkt habe, worüber Lucy mit unserer Therapeutin schreibt. Es ging nämlich um unsere älteste Persönlichkeit… Carmen, – und wozu sie vor vier Jahren beauftragt wurde von „Bekannten“. Das ist kein Geheimnis, das  muss ich hier jetzt nicht beschönigen, aber mehr Details muss es auch nicht geben. Frau Honig hat irgendwann gefragt, ob Lucy dafür bestraft worden wäre, dass sie das damals erfahren bzw. mitbekommen hat und wieso Lucy Flashbacks hat, wenn sie mit Carmen eigentlich kein Co-Bewusstsein hat.

Ich habe dann wieder abgelöst um die Therapeutin zu beruhigen, dass Lucy keinen „Ärger“ dafür bekommen hat. Warum auch? Von wem auch? Es gab keinen Grund. Ich würde niemals irgendjemanden von uns bestrafen, weil es mir nicht im Sinn steht uns noch mehr Schaden zuzufügen als uns sowieso schon zugefügt wird. Und da dieser Auftrag von den Leuten damals an unser System – bzw. eben an Carmen ging -, dürfte das sonst kein anderer Anteil mitbekommen haben, außer Carmen und mir. Und auch Lucy. Ob die Leute die Carmen den Auftrag gegeben haben Lucy, bzw dann sogar eher unser System, bestraft hätten, weiß ich nicht. Aber ich hätte es ihnen nicht gesagt. Habe ich auch nicht. Weil ich nicht täterloyal bin. Wieso Lucy die Flashbacks und den Ekel abbekommt ist eigentlich recht einfach zu erklären gewesen. Wir haben in unserem System niemanden, der das sonst tragen könnte. Wenn Carmen sich vor ihren Aufträgen ekeln würde, wäre sie nicht geeignet dafür. Ganz logisch. Eine von uns ist noch die einzige, die völlig Trauma unabhängig denken und organisieren kann. Ich empfinde wenig bis keine solche extremen Emotionen. Der Rest unseres Systems sind Kinder. Und Lucy ist nun einmal sehr gut im Verdrängen und Überspielen… solange sie eben nicht mit all den Hintergründen die uns betreffen konfrontiert wird, und ich sehe mich dazu verpflichtet dafür zu sorgen, dass gewisse Dinge so bleiben wie sie sind, um uns als Ganzes zu schützen. Es ist nicht immer die richtige Lösung, jeden Anteil für alles was passiert ist einzubeziehen.

Und jetzt muss ich ungeplant aufhören… vielleicht schreibe ich dazu später noch, weil es ist lange noch nicht alles gesagt…., was gesagt werden möchte… und im Moment irgendwie sonst nirgendwo Platz hat.

-Penny

Ein Kommentar zu „Ich könnte es mir so leicht machen… (P)

  1. Hallo Penny.
    Ich verstehe deine Besorgnis um die Therapeutin und die Situation, nachdem eine Offenbarung unbeantwortet bleib. Das würde mich gelinde gesagt auch verrückt machen.
    Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass Therapeuten oft überraschend …naja wie ist das richtige Wort dafür?….Unbeeindruckt sind von diversen Fakten, die uns betreffen, die wir für so abstoßend halten, dass man nicht mehr weiter mit uns arbeiten wollen könnte.
    Denn wenn ein Therapeut auch nur ein bisschen Ahnung hat von der Materie ist es meist so überraschend nicht und einsortierbar.
    Ich weiß genau was du meinst, denn auch wir haben so einige Themen, die uns so vorkommen, als wären wir die abstoßendsten Menschen überhaupt. Und die Scham ist so groß und die Schuldgefühle womöglich auch.
    Wenn du eine Antwort möchtest, wie wäre es denn, wenn du Frau Honig nochmal explizit schreibst, dass du eine Reaktion brauchst? Irgendeine… Oder nachfragst, ob sie euch nun verurteilt oder nicht.

    Liebe Grüße

    Gefällt 3 Personen

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