Drüber schreiben oder nicht…? [K]

Es fällt mir irgendwie schwer, zu dem Thema ein Blogeintrag zu verfassen, weil ich mich fühle wie jemand, der unfähig ist sein Leben zu kontrollieren. Ich will mir zwar irgendwie sagen, dass ich nichts dafür kann, aber so einfach ist das dann doch wieder nicht. Die Erinnerungen von dem Sonntag sind für mich unendlich schwach. An Montag kann ich mich auch nicht wirklich erinnern, sicher bin ich mir aber nicht…  kann schon sein, dass ich hin und wieder mal da war… aber sicher nicht sehr bewusst. (Ich habe gerade kurz inne gehalten und versucht mich zu erinnern, da konnte ich wenigstens sehen, dass wir/=Mia in der Arbeit war/en und am Nachmittag bei der Physio… und jetzt kann ich mich erinnern, dass wir am Abend Frau Honig noch getextet hatten.

Gestern war ich verwirrt um die Hämatome am Handgelenk… einmal um die Hand herum… die waren mir am Montag noch nicht aufgefallen, aber da mein Erinnerungsvermögen an Montag auch nicht besonders gut ist, ist das vielleicht nicht außergewöhnlich. Ich wusste, es würden wieder Fragen auftauchen, wenn jemand die Verletzungen sieht und ich wusste, dass ich darauf keine Antworten finden könnte, nur Spekulationen. Deshalb hatte ich mir ein Verband umgelegt und meinte auch, wie aus der Pistole geschossen, als A uns zu Frau Honig abholen kam, dass das Selbstverletzungen sind, als sie nachfragte.

Ich habe oft das Gefühl, dass ich besser damit leben kann, wenn Menschen denken ich würde mir die Arme aufritzen, als dass ich ihnen nicht sagen kann, wo gewisse Hämatome herkommen. Und da wir von früher noch ein paar schwache Narben an den Armen haben, kauft uns das auch jeder ab. Wir haben uns nie besonders tief selbstverletzt o.ä., also man würde jetzt keine sehr vernarbten Arme sehen, aber man sieht eben ein paar helle Streifen… (..hörnchen… schießt Lou grad noch hinterher… und lacht darüber… ich kann grad nur etwas müde darüber lächeln).

Ich habe mich gefragt, ob das, was Sonntag passiert ist, hier rein passt. Ich bin mir unsicher, zu viel davon zu erzählen, aber ich versuche es trotzdem. Denn ich finde es irgendwie auch nicht fair, sowas wie „Panik“ oder Sorge loszutreten, und dann klären wir nicht auf.

Ich kann zwar sicher nicht alles besonders gut erzählen, eben nur aus meiner Sichtweise und das, was zu mir durchgedrungen ist durch texten, Gesprächen und vielleicht ein paar Erinnerungsfetzen. Mit so einem Fetzen beginnt mein Erinnerungsvermögen eigentlich auch schon. Von den Körperflashbacks habe ich selbst gar nichts mehr mitbekommen, aber in der selben Nacht, vermutlich danach, war ein mir bekannter Anteil vom Einser System aktiv, weil ein Geräusch von draußen zu hören war. Danach sehe ich einen Bruchteil wie wir/sie im Bad steht, aus dem Fenster schaut, denn das Badfenster zeigt zur Einfahrt, unser Fenster zum Garten, der neben der Einfahrt ist. Dort kann ich auch noch ein Autolicht zwei Mal aufblinken sehen… danach erinnere ich mich an gar nichts mehr.

An die Ankunft erinnere ich mich noch. Wie wir das Haus betreten und als erstes ins Bad gehen. Es ist hell, also der nächste Tag vermutlich… im Bad sehe ich auch nur, wie wir uns umziehen, weil der Schlafanzug in dem wir scheinbar unterwegs waren, nass war. Da ist der nächste Erinnerungssprung in unser Zimmer und der unendliche Schreck, dass Jimmy nicht dort ist. Wir sind fast wie ohnmächtig wieder aus dem Zimmer getaumelt, weil … ich weiß gar nicht warum? Was dachten wir? Ach ja, ich weiß es… wir sind nochmal ins Bad, ins Wohnzimmer und wieder ins Zimmer, in unendlicher Angst um Jimmy, weil er weg war. Dann hörten wir unten die Tür… wir rannten nach unten und dort sahen wir Jimmy und Mona gerade im Wohnzimmer ankommen. Erst haben wir vor Erleichterung „gelacht“… dann kam Mona auf uns zu und nahm uns in den Arm, dabei fingen wir an zu weinen… (Erleichterung)… haben uns nur ganz kurz umarmen lassen, aber auch, weil wir Schmerzen an der rechten Wange spürten beim leichten Druck… danach sind wir zu Jimmy und da höre ich uns sagen „Ich dachte, sie hätten ihn mitgenommen“. Wer auch immer „sie“ sind. Dafür fehlt mir jede Idee.

Ich denke, Mona hat kurz das Zimmer verlassen, dann kam sie wieder. Sie erklärte mir, dass sie mit Jimmy im Wald nach uns suchen waren. Ab hier kann ich wieder nur bruchstückhaft berichten… ich weiß, dass A und Mona meinen Blog lesen, also können sie mich auch korrigieren, wenn ich etwas falsch erinnere. Ich glaube, Mona oder irgendjemand erzählte uns, dass wir wohl nicht erreichbar gewesen seien, nachdem jemand von uns Frau Honig nachts um Hilfe gebeten hat weil diese Körperflashbacks so unerträglich wurden. Danach hätten wir auf ihre Nachrichten nicht mehr reagiert. Auch auf keine von sonst irgendwelchen Leuten. Deshalb ist A wohl zu uns gefahren um persönlich nach uns zu sehen, oder weil Frau Honig wohl darum gebeten hat (ich weiß es nicht sicher). Mona und A hätten in meinem Zimmer nachgesehen, da war aber bloß Jimmy, mein Handy lag auch dort. Mona sagte, sie hätten mich im ganzen Haus gesucht, sie wäre sogar im Keller gewesen, weil jemand von uns sich wohl mal dort verzogen hat, als er eine „Reizüberflutung“ [Edit, 27.03.2020, gefunden: (#01, #02)] hatte. Als sie mich im Haus nicht gefunden haben, sind sie eben losgegangen, um nach uns zu suchen.

Erst habe ich überlegt, ob wir uns vielleicht wirklich irgendwo versteckt haben, aber dann erinnere ich mich ja, wie wir von außen die Tür betreten haben am Sonntag, also waren wir – selbst wenn wir uns wirklich versteckt hatten – nicht im Haus.

Wie das so ist, würde ich sagen, war das schon der Sonntag, aber da ist wohl noch einiges an mir vorbeigelaufen, was ich NICHT erinnern kann. Zum Beispiel sagte Mona, dass die Polizei schon vor unserer Tür stand, und wir wie auf Knopfdruck plötzlich in Panik ausgebrochen und in Socken durch die Terrassentür nach draußen gestürmt sind und sie uns hinterher gelaufen und nach uns gerufen hat, um uns wieder zurück zu holen, indem sie versprochen hat, dass A sie wieder weg schickt, weil wir ja wieder da sind. An diese Situation habe ich keine Erinnerungen.

Ich weiß allerdings noch, dass A die Betreuerin im Dienst angerufen hat und die Betreuerin wohl am Telefon sagte „Das ist ja nichts Neues, dass sie einfach verschwindet, sie taucht ja auch wieder auf“.

Ach ja… und wegen den Verletzungen… ich glaube A war dann vor mir im Flur(?) gestanden, als sie meinte, was ich denn am Hals hätte. Ich kann mich nicht erinnern, mir das angeschaut zu haben, ich sehe die Verletzung nur deshalb bildlich vor meinen Augen, weil jemand von uns ein Foto davon gemacht hat. Bei allem Übel, irgendwer von uns macht sich dennoch immer wieder die Mühe, Verletzungen abzufotografieren und aufzubewahren. Und obwohl unsere Festplatte letztes Jahr kaputt gegangen ist… (und irgendjemand von uns in Gutgläubigkeit diese Festplatte zu einem Familienmitglied gebracht und nie wieder bekommen hat… – da kann man sich sonst was dazu reimen), sind noch einige davon auf unserem Handy gespeichert gewesen.

Und viel mehr kann ich zu allem, was passiert ist, gar nicht genau sagen. Nicht einmal, ob wir in der Therapie darüber gesprochen haben. Denn obwohl ich die ganze Fahrt über mit A zusammen im Auto saß (sie hat uns gefahren), kann ich mich nur bis zu dem Punkt erinnern, wie wir in der Stadt ankommen und… auf dem Weg zu einem Café werden meine Erinnerungen nur noch brüchig. Ich kann mich auch noch erinnern, wie ein Latte Macchiato bestellt wurde und dann wurde ich von Mia abgelöst.

Danach war ich gestern auch nicht mehr da… ich weiß, dass Lou die Stunde von Frau Honig verlassen hat und auch, dass sie mit A im Auto auf dem Rückweg „saß“… wobei ich erinnere, dass unser Körper eigentlich so gut wie nur noch im Autositz „hing“ weil er sich unendlich erschöpft angefühlt hat. Lou ist ja neben ein paar wenigen noch der größte Energiebündel in unserem System, deshalb war die Erschöpfung eben sehr auffällig für mich. Denn wenn SIE schon recht ruhig wird vor Müdigkeit, dann muss die Therapie sehr anstrengend gewesen sein, selbst, wenn keine Erinnerung an die Stunde hochkommt. Oder gerade deshalb? Sicher ist, wenn ICH im Außen gewesen wäre, wäre ich zu hundert Prozent eingeschlafen.

Ach ja und sonst weiß ich noch, dass wir gestern ziemlich spät (trotz der Müdigkeit) im Bett waren. Ich glaube, ich habe noch ein paar Kleine von unserem Zweier System gehört, die unbedingt noch eine Pumuckl Gute Nacht Geschichte hören wollten, aber ich konnte beim besten Willen meine Augen nicht mehr offen halten… stattdessen habe ich mich versucht an die Geschichte, die ich gestern aus dem Buch vorgelesen habe, zu erinnern… und so bin ich(wir?) mit dieser Geschichte eingeschlafen.

Heute bin ich wieder ziemlich „da“, auch wenn ich mich ausgelaugt fühle, weil komischerweise so bruchstückhafte Erinnerungen mehr auslaugen, als komplette Blackouts oder Zeitsprünge. Aber vermutlich, weil da auch viel mehr Fragen auftauchen, auf die man(ich?) keine Antworten findet.

-Kara

2 Kommentare zu „Drüber schreiben oder nicht…? [K]

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