Bye 2019

Da ich nich so der gefühlstyp bin… für heute erstmal.. dankeschön und hab-euch-lieb tülülü vlt die nächsten tage. Heute nüsch. Hasse Silvester und feiertage. Nich persönlich nehm. Ich mag so gesülze nüsch. Heut nur Peace von mir. Rutscht gut. Bye

Platonisch lieben ist am schönsten, irgendwie.

… beim Säubern vom unserem Mail Ordner habe ich eine Mail gefunden, die jemand von uns noch vor den Weihnachtstagen an einen uns sehr wichtigen Menschen geschickt haben. Irgendwie musste ich drüber lachen, WEIL… ach wegen so viel wo mir bewusst geworden ist: Jaaa, echt wahr, ich bin zu ner Art Miniatur-L. geworden. 😅 dabei haben wir uns NIE getroffen. Diese Beziehung ist echt telefonisch gewesen, aber ich werde NIE vergessen, was diese Frau uns alles gegeben hat, in teilweise unglaublich dunklen Nächten, in denen sie um 3 Uhr nachts anrief, wenn ich weinend im Bett lag, als hätte sie es gespürt und mir einfach beim Heulen zugehört hat. Ich glaube sie war auch ein großer Lerneffekt im Sinne von, dass ich mit 14 schon wusste, man muss einen Menschen nicht (neben/bei sich) „haben“, sondern dass man auch auf Distanz ne heilsame Verbindung aufbauen kann.

L.,

Immer Ende des Jahres fang ich an viel über Vergangenes nachzudenken und in letzter Zeit, wenn ich einen Fazit ziehe, merke ich, dass mir immer irgendwas fehlt… als wäre irgendwas nicht vollständig.. und muss dann an dich denken und an die vielen Jahre, die ich dich an meiner Seite hatte.
Oft fehlt es mir dann sehr, deine Stimme zu hören, …dich auf die Toilette zu begleiten, es aber nicht einmal mit zu bekommen, weil du so leise dabei bist und eigentlich denke ich fast täglich an dich, wenn ich mal aufs Klo muss und kein schlechtes Gewissen hab, wenn ich danach mal nicht die Hände wasch, weil du mir ja mal sagtest: „Wozu? Meine Pussy ist sauber“.. und ich bis heute darüber schmunzeln oder lachen muss, weils halt einfach so wahr ist! 😂 was jetzt fälschlicherweise so klingt, als würde ich nur auf dem Klo an dich denken, ehrlichweise aber dort am häufigsten.
Ich vermisse aber auch dein Lachen oder dein entnervtes Stöhnen und vor allem, wenn du mich zur Sau gemacht hast, weil ich einfach wieder vorsätzlich dämlich war. Ich vermisse es dir beim Chips oder Wassermelone mit (oder ohne) Schafskäse beim Essen zuzuhören oder wie du mir von neuen Schuhen erzählst, in die du nicht reinpasst, weil dein Zeh anschwillt wie ein Elefantenfuß – und ich vermisse es dir dabei zuzuhören, wie du über deine eigenen Witze lachst.
Oft vermisse ich es dir zu sagen, dass ich dich liebe. Ganz tief in mir ist dieses Gefühl noch verankert, so als wärs ein Grundstein worauf unsere Beziehung baute. Vermutlich war es das auch. Bestimmt fandest du es witzig, dass damals ein 14-jähriges Mädchen meinte sich über Chat in eine total verrückte 42-Jährige „verliebt“ zu haben… und wenn ich heute darüber nachdenke, weiß ich nicht ob ich mich schämen oder totlachen soll, wenn ich mich zurückerinnere, wie ich hin und wieder versucht habe dich „rumzukriegen“.
Manchmal fehlt mir diese Schwärmerei… und weißt du, was ich festgestellt habe? Ich hasse Beziehungen. 💁‍♀️ Ich hätte NIE gedacht, dass ICH mal jemand werde, der das Leben alleine genießt und ein Beziehungsphobiker wird und DANN merkte ich, dass du mich ja mehr geprägt hast, als ich gedacht hätte. 😄
Zum Ende des Jahres fällt mir allerdings immer wieder auf, wie sehr du mir fehlst. Und auch, wenn wir kaum noch Kontakt haben, bist du irgendwie ein Bestandteil meines Lebens geworden. Als würde ich in ein paar Alltäglichkeiten die L.-Philosophie leben.. 🤭 Und nach all den Jahren habe ich nicht aufgehört dich zu lieben und immer wieder mal an dich zu denken.

Deine ***“

Aufbauen

Der Spaziergang mit Jimmy hat echt gut getan. Gestern sind wir ja auch schon einem Mann mit einer Hündin begegnet und haben die zwei gut toben lassen miteinander, das war super süß. Jimmy wird von Rüden zurzeit übel angegriffen, ich befürchte dass das wegen seiner Hormone ist, weshalb ich mich auch entschieden habe ihn zu kastrieren dieses Jahr… es ist mir einfach zu riskant… es ist schon zwei Mal passiert, dass er mit zwei Rüden, mit denen er sich bis vor nem halben Jahr/Jahr SUPER gut verstanden hat, pötzlich voll aneinander geraten ist. Die haben den Kamm gestellt und sind echt übel auf ihn losgegangen… seitdem trau ich ihn an Rüden nicht mehr ran und die letzten Tage sind wir auch oft nur Rüden über den Weg gelaufen, die ihn böse anknurren. Dabei ist Jimmy echt ein gutmütiger Hund…

Und umso mehr habe ich mich gefreut, dass wir endlich ne Hündin gefunden haben, mit dem ich ihn hab spielen und toben lassen können. Es tat auch so gut mit einem „ganz normalen Menschen“ zu reden, der denkt ich sei auch ein „ganz normaler Mensch“… so ganz ohne Hintergedanken und ganz ohne Hintergrundwissen, ein stinknormaler Smalltalk über Hunde… ich habe den Mann in diesem Moment für diesen Moment einfach so gern gehabt…. war ihm echt dankbar, einfach dass er mir so nen Moment der Normalität geschenkt hat. Genauso wie heute die ältere Frau die wir beim Einkaufen gehen mit ihrem Labrador Mädchen getroffen haben. Nur fühle ich mich beim Reden, habe ich bemerkt, zumindest, irgendwie nicht mehr so aufgeschlossen wie früher. Ich erinnere mich an „früher“… bevor ich mich mit dem ganzen Scheiß beschäftigen „musste“… bevor mir immer mehr „bewusst“ geworden ist… auch wenn ich das alles einfach nicht glauben kann und will, macht es irgendwas mit mir… und ich fühle mich einfach nicht mehr wie das aufgeschlossene Mädchen das ich vor drei oder vier Jahren noch war… ich kann irgendwie keine zugewandten Gespräche mehr führen, kann mich nicht mehr für andere Menschen interessieren, ich kann keine Kontakte mehr aufbauen, sondern blocke innerlich, und das, obwohl ich es nicht einmal will. Aber ich merke, wie ich im Kontakt mit anderen Menschen vollkommen emotionslos und distanziert bin. Ich mag mich so nicht, weil ich solche Menschen auch nie mochte… aber ich fange an zu verstehen wieso ich so bin und somit fange ich auch an zu verstehen, wieso andere Menschen so sind…

Trotzdem tat mir der Spaziergang gut. Auch wenn ich vielleicht nicht mehr der „zugewandte Sonnenschein“ sein kann, der ich früher war, bin ich dankbar für diese schrecklich langweilige Normalität. Und ich wünsche mir echt nichts mehr als das. Irgendeinen langweiligen, normalen Alltag, der wieder vermehrt mir gehört.

Ich hab für Jimmy eine Schleppleine gekauft… er hat nie eine gebraucht, ich konnte ihn immer wunderbar frei laufen lassen, aber mein Gefühl sagt mir, dass seit gestern irgendwas kaputtgegangen ist… vermutlich irgendwie das Vertrauen… ich hab ja jetzt gelesen was gestern war (hab die Einträge nicht gesehen, bevor ich meinen heute  geschrieben habe)… ich denke ich hätte gestern Stärke zeigen und ihn aus der Situation holen müssen… aber nachdem ich auch wie gelähmt war vor Angst, hatte er keine Sicherheit und da ist halt eben verständlicherweise das Vertrauen in mich weg. Von Scherbensammlerin bekamen wir dann eine so unglaublich gute, hilfreiche und ausführliche Mail, wie wir uns nun Jimmy gegenüber verhalten können – dafür bin ich ihr unendlich dankbar.

Im Endeffekt war die Idee mit der Schleppleine auch ein gutes Bauchgefühl. Ich habe ihm auch so ein Futter Dummy gekauft und Leckerlies reingepackt. Er hatte echt Spaß im Hof, als ich mit ihm da an der Schleppleine einfach ein bisschen locker gespielt habe… aber dann hat irgendein Vollidiot das Böllern angefangen und wie ich es befürchtet habe, wollte er sofort fliehen und sich verstecken… echt gut, dass ich ihn an der Schleppleine hatte… hab dann einfach die Sachen gepackt und bin mit ihm reingegangen… Vor Silvester hatte Jimmy letztes Jahr keine Angst… das wird dieses Jahr scheinbar der Horror.

Für mich(?) wird es auch kein schönes Silvester… ich weiß ich sollte in die WG zurück und ich habe vorhin auch überlegt, ob ich fahren soll, aber es funktioniert nicht. Ich müsste irgendwas zurücklassen, aber das ist unmöglich, weil alles was ich dabei habe, ist voll mit Infos und Gedanken (Laptop, Tagebücher) und das passt nun einmal nicht in eine einzige Tasche. Und ich weiß genau, wenn ich das hier lassen würde, wäre das Erste was meine Mum macht, in meinen Sachen zu schnüffeln.

Aber das ist gerade nicht schlimm… ich werde die Tage jetzt irgendwie rumkriegen. Von der Not kriege ich sowieso nichts mit. Ich bin ganz gut im Lösungen finden. Vielleicht sind es nicht immer die Besten, aber die bestmöglichen. 

Zwei Tage vor Neujahr

Mir tut der Fuß weh… ziemlich sogar, obwohl ich die Schiene sehr konsequent getragen habe… die letzten zwei Tage nur nachts nicht mehr…

Kopfweh habe ich heute auch und meine Augen brennen, weil ich die Nacht lang, fast bis zum Morgen, einfach nur durchgeweint habe.

Um 12 Uhr hat mein Telefon geklingelt… es war eine private Nummer, aber ich war noch nicht ganz wach und ging ran. Es war Herr Toggo. Er entschuldigte sich, weil bei ihnen am Freitag die Telefonapparate nicht gingen…Ich hatte ihm eine Mail geschrieben, dass ich mich versucht hatte zu melden, wie besprochen, aber niemanden erreicht hätte und ihm deshalb meine Nummer dalasse.

Ich war noch so im Halbschlaf, dass ich gar nicht mehr genau weiß, was er gesagt hat. Aufgefallen ist mir nur, dass er sich mit Vornamen vorgestellt und mich geduzt hat, während ich ganz sachlich die förmliche Anrede benutzt habe und er auch sofort wieder zum Sie wechselte. Jetzt komme ich mir fast schon unhöflich vor, aber ich fühle mich noch wohler mit Sie … Da ist einfach noch eine angenehme Distanz, solange mich Menschen siezen, fühle ich keine (Ver)bindung und das kann ich bei ihm (noch) nicht zulassen, weil die Polizei zu sehr mit Todesangst und Bedrohung assoziiert wird. Nein, nicht im Kopf, aber körperlich, steh ich jedes Mal auf der Kippe einer Ohnmacht, wenn ich unerwartet damit konfrontiert werde.

Wir haben nur kurz telefoniert… und ich hatte eigentlich die Worte von der Bloggerin im Kopf, ich müsse ihm sagen, was passiert ist – ich wollte es auch. Nur irgendwie fehlte mir plötzlich der Inhalt, mir hallten nur Worte wie „Orden“…. irgendwas mit dem Orden und der Ziehfamilie durch den Kopf… ich habe da keine Zusammenhänge gefunden und außerdem kam aus meinem Mund: „Mir geht es gut“, und auf die Frage wie Weihnachten gewesen wäre… ich glaube, ich sagte, ich weiß es nicht, ganz normal. Da bemerkte ich, er weiß noch gar nicht, dass ich bei der Familie war über Weihnachten. Aber klar, in der Honigstunde am Montag hatten wir ja auch erzählt, wir wären bei einer Freundin.

Zu der wollten wir eigentlich auch über Silvester, aber sie hat uns abgesagt. Den Grund hat sie nicht genannt, aber der interessiert mich nicht. Ich bin niemand, vor dem man sich rechtfertigen muss. Ein Nein ist ein nein, sowas wird bei uns anstandslos akzeptiert (in den meisten Fällen). Also mussten wir ihm auch sagen, dass wir über Silvester bei der Familie sind – wo sonst sollten wir hin? Er wirkte kurz überlegt und meinte, „sie“(?) seien für mich da. Wer? Die Polizei? Es reicht schon, dass ich mich mit einem einzigen KRIMINALPOLIZIST auseinandersetzen und mich an ihn gewöhnen (muss?). Sagt mir bitte nicht, ich soll mich mit einem ganzen Harem von ihnen anfreunden müssen! Aber so undankbar darf man ja nicht reagieren, deshalb habe ich nur „Danke“ gesagt. Er fragte, ob er beim nächsten Termin wieder bei Frau Honig dabei sein soll, aber da kommt ja schon brh mit und ich selbst sehe aber irgendwie gar keinen Sinn mehr brh zur Therapie mitzunehmen. Ich sehe gerade in vielem wenig Sinn.

Ich werde mir jetzt erst einmal einen Tee machen… und dann werde ich Jimmy nehmen und mit ihm einkaufen gehen. Er verhält sich seltsam. Als hätte er sich vor irgendwas erschrocken und ist auf Habacht Stellung. Ich frag mich ob er vielleicht schon Böller draußen gehört hat… auf jeden Fall gefällt mir sein Verhalten nicht, weshalb ich jetzt dann eine Schleppleine und Leckerlies kaufen und  mit ihm im Innenhof ein bisschen entspanntes Spielen machen werden. Es tut mir weh ihn so verstört zu sehen. Ich hasse es, wenn es Tieren nicht gut geht.

Morgen ist ja Silvester, aus irgendeinem Grund wird mir flau im Magen, wenn ich an die nächsten paar Tage denke. Als …. naja … ehrlich gesagt finde ich keine richtigen Worte dafür. An Silvester werden noch Tantchen und der unangenehme Onkel T dabei sein. Sie sind nicht gefährlich, aber Onkel T ist eben unangenehm. Ich erinnere mich, wie ich als ganz kleines Mädchen in Ungarn mal mit der verstorbenen Tante im Auto saß und sie mich fest im Arm hielt, weil ich aus dem Fenster schaute, während mein Vater und Onkel T sich anfingen zu prügeln – beide sturzbesoffen. Und Tante E hat mich fest im Arm gehalten und mich ablenken wollen und ich höre noch ihre Stimme: „Schau nicht hin, Kleines, schau mich an…“ Tante E war immer für uns da. Aber meine Augen waren starr auf die zwei Männer gerichtet und mein Vater und Onkel T waren nicht mehr die Menschen die ich kannte sondern schwarze Monster in der Nacht – und hinter ihnen brannte großes Feuer, und um sie herum wüteten Menschen und griffen mit ebenso schwarzen Armen nach den schwarzen Monstern, die aufeinander losgingen… seitdem habe ich vor beiden manchmal Angst.

Ich frage mich, welche Rolle Tante E heute in meinem Leben spielen würde. Ob sie mich heute auch festhalten und sagen würde „Schau nicht hin, schau mich an“, wenn ich so große Angst vor fremden Sachen habe………..

Ich finde es gemein, dass ausgerechnet sie sterben musste. Genauso wie Oma. Ich will nicht sagen, dass ich will, dass dafür jemand anderes hätte sterben sollen… aber ich finds ungerecht, dass sie sterben mussten.

Aber na ja… wir haben 2019. Ihr Tod ist jetzt zehn Jahre her und ich bin nicht mehr das ganz kleine Mädchen mit ihr im Auto, mit dem Schnuller im Mund und mit starren Augen aus dem Autofenster… sondern ich bin jetzt ein großes, starkes Mädchen das lernen muss auf offenem Meer zu schwimmen.

Für die nächste Zeit brauche ich aber einfach eine Pause. Ich schaffe es nicht weiter zu schwimmen. Da sind zwar so viele Menschen, die auf ihren Schiffen sitzen und mir zu jubeln, ich schaffe das schon, und sie begleiten mich… aber sie würden mir auch einfach beim Ertrinken zusehen, wenn ich untergehe. Und ich war mit der Nase schon unter Wasser… ich wollte nicht nach dem Rettungsring von R greifen… aber er hat ihn mir nun einmal geschmissen… und ich habe zwar aus irgendeinem Grund Angst vor ihm…obwohl ich ihn noch nicht einmal kennen gelernt habe… aber er kennt die Menschen, die für mich immer der Ruhepol waren. Die mich aufgenommen haben und mir Tee gekocht haben und mich einfach auf ihrer Couch haben vegetieren lassen, wenn ich nicht einmal mehr atmen konnte. Deshalb habe ich nach dem Rettungsring gegriffen… und jetzt häng ich halt an ihm, irgendwie… und brauch ihn grad auch… weil ich grad einfach nicht weiter schwimmen kann. Da können mich noch so viele Polizisten oder Therapeuten anfeuern und mir zusprechen. Sie sitzen ja auf ihren Schiffen, die haben keine Ahnung wie es sich anfühlt haltlos sich über Wasser halten zu wollen.

Ich war so skeptisch gegenüber dem „Ausstieg“… und ich sage nicht, dass ich aufgebe… aber es war nun einmal der einzige Rettungsring der mir da geworfen wurde. Und ich muss eine Pause machen, weil einfach gar nichts mehr an und in mir die Kraft hat weiter zu schwimmen. Nicht nach all dem, was in den letzten Tagen passiert ist…

Und jetzt… will ich hier zu diesem Thema vorerst einfach nichts mehr schreiben. Ich fühle mich wie der größte Verlierer, der aber nicht einmal eine Wahl hatte, als einfach zu verlieren, weil er keine andere Möglichkeit gehabt hat.

Ja, irgendjemand schrieb schonmal, als es um die Schutzwohnung Suche ging, dass es einfach zu wenig Angebote für Aussteiger gibt. Aber… auch das ist doch nicht meine Schuld, oder? … Dieses Jahr konnte ich irgendwie nur verlieren. Beim nächsten Mal, wenn ich den Rettungsring loslasse, denke ich glaube ich noch 10x darüber nach….auf jeden Fall war es das jetzt erstmal.

Ich werde mich jetzt um Jimmy kümmern und dann lass ich mich die nächsten Tage überraschen, was auf mich zukommt. Bewusst habe ich nichts geplant, ich fühl mich wie in so … zwischen Raum und Zeit festgeklebt… ich kann grad nur ans Jetzt denken und mich ums Jetzt kümmern.

 

Sonntag, Montag, Samstag… Moment.

Für mich war gestern noch Montag. Ich war bei Frau Honig, das weiß ich noch, auch wenn ich inhaltlich davon nichts mehr gebacken kriege – aber da gibt es ja im geschützten Blog einen Eintrag. Okay. Die letzten Tage von Montag bis heute sind für mich völliger Käse. Einfach nicht vorhanden. Also, doch klar. Ich weiß vom Datum her, dass dazwischen noch… der 24., 25., 26., 27. … nun gut, vier Tage waren, aber für mich war gestern Montag. Ich kann dazu gar nicht mehr sagen. Für mich ist das einfach so. Ich fühle mich heute schon den ganzen Tag nicht besonders gut (körperlich). In der Früh, als um 8:00 Uhr der Wecker geklingelt hat, war mein Kopf wie ein Ziegelstein, er war so schwer und hat so gedröhnt. Ich habe mich dann um 10 Uhr bis 13 Uhr noch einmal schlafen gelegt, mit Ibu… als ich aufgewacht bin war es bisschen besser, bin erst einmal mit Jimmy Futter für ihn kaufen gegangen… danach ausgeruht, mein Körper fühlt sich schlapp und schwummrig an. Übel ist mir. In der Früh war es schlimmer, dachte ich müsste rückwärts essen. Hab ich aber nicht. Am Abend bekam ich Hunger, mir war aber immer noch übel. Hab trotzdem so ne halbe Portion Reispfanne gegessen. Dann fing ich an mit zwei sehr vertrauten Menschen zu schreiben und erfuhr so, dass ich gestern mit denen schon Kontakt hatte. Oder eher jemand von uns. Nur dass ich von dem, was sie mir versucht haben mitzuteilen, irgendwie nur Bahnhof verstehe… ich versuche das alles irgendwie einzuordnen, aber alles was ich zusammen packen kann ist, dass wohl gestern noch jemand da war, der vor irgendwas große Angst hat,… den Rest kriege ich einfach nicht in eine Schublade. Sind für mich lauter verwirrende Puzzle Stücke. Dazu schreib ich im Privaten Blog mehr.

Ich hab auch gar keine Chance mich damit auseinander zu setzen, weil ich da einfach nur auf eine Blockade stoße zu nem gewissen Punkt. Als würde mein Verstand für mehr einfach nicht reichen.

Ich weiß schon, dass das bei mir dann nicht diese „klassische Amnesie“ ist, sondern eben… ja, blabla, dissoziiert und „übernommen“ und so… also ich lag jetzt nicht vier Tage einfach irgendwo rum.. aber in meinem Handy sind Chatverläufe gelöscht und Kontakte weg (oder wieder da – wie der von Frau Honig, denn ihre Nummer lösche ich jedes mal, wenn sie Urlaub hat, damit sie nicht vollgeschrieben wird)..

Eine von den vertrauten zwei Menschen hat mir dann erklärt, dass wir wohl gestern Frau Honig schon geschrieben haben, ist wohl ein Notfall gewesen. Na ja, muss ein kurzer Notfall gewesen sein, denn heute spüre ich keine Not. Im Gegenteil. Bin ruhig, mir geht’s gut (bis auf eben die Übelkeit und so)… aber sonst… und nein, ich habe KEINE Hämatome, keine sichtbaren Verletzungen.

Eine von den beiden Personen schickte mir dann, was ich ihr gestern geschrieben hatte, da der Verlauf auf meinem Handy ja nicht drauf ist. Sie bat das Frau Honig weiter zu schicken. Habe ich getan, mit der Frage, ob sie da gestern schon drauf angesprochen wurde. Sie antwortete, sie hätte gestern schon Nachrichten bekommen, ja. Sie hätte uns gestern auch geschrieben, aber es ist nichts auf dem Handy, bis auf zwei total zusammenhanglose SMS. Vermutlich für MICH zusammenhanglos, weil alles davor gelöscht ist. Ihre Antwort war noch zu sehen: „Ich lass euch nicht im Stich. Ich bin für euch da.“ Und frage mich, wieso sowas nicht gelöscht wird von uns, der Rest aber schon? Ich weiß, dass man mich in der Psychologie sowas wie ne Alltagsperson nennt und ich weiß, dass ich Hilfe nicht annehmen kann, weil ich keine Not spüre und das Gefühl habe, ich brauche niemanden, weil ich alleine mit allem ganz gut zu Recht komme. Deshalb frage ich mich, ob die SMS extra stehen gelassen wurde um mich… was auch immer. So als freundliche Provokation? Ich bin nicht undankbar, um Gottes Willen… es ist halt ungewohnt und ich kann es nicht richtig ernst nehmen, so etwas zu lesen, weil ich sagen kann das sowas noch nie jemand zu mir/uns gesagt hat – und wie ernst kann man das von einer Psychologin nehmen? Ich fühle mich fast schlecht, das so zu schreiben, aber es macht mich nicht unbedingt froh, sondern eher traurig, dass sowas von einem „fremden“ Menschen kommt, und das auch noch aus einer „Branche“ zu der ich keinen emotionalen Bezug habe… dass ich mir solche Worte eher von anderen gewissen Menschen in bestimmten Situationen gewünscht, aber nie erwartet hätte, als ich auch wirklich in Not war. D.h. zum Beispiel, als für mich ne Welt zusammenbrach, als meine Tante oder meine Oma starb, oder als mir mein Hund damals weggenommen wurde. Das waren Zeiten in meinem Leben, in denen ich diese Worte vielleicht mal gebraucht hätte „Ich bin für dich da“ Nur in diesen Momenten hätte es mir gereicht. Aber irgendwie war ich immer allein in der Zeit und das hat irgendwie dazu geführt, dass mich der Tod von Lebewesen und Trennungen abgehärtet haben. Und mich zu einer Art gefühlskaltem Wesen gemacht haben. Ich denke, ich habe nie gelernt mit Trauer umzugehen, deshalb ist es einfach abgestellt. Ich kann nicht einmal Beileidsbekundungen aussprechen, mir fehlt da schlichtweg jegliche Empathie für Menschen, die Lebewesen verlieren. Ich denke mir da jedes Mal ziemlich hart: „Stell dich nicht so an. Alles hat ein Ende. Heul leise.“ Und das wirklich ausnahmslos bei jedem. Das verbittert mich ein wenig, weil mir schon bewusst ist, dass es daher kommt, dass ich selbst nie gelernt habe wie man mit Trauer umgeht… und ich glaube damals hätte ich liebend gerne jegliche Hilfe angenommen… …

Nur diese Worte so völlig zusammenhanglos da zu lesen macht mich… irritiert mich einfach. Ich schrieb zurück, es täte mir leid, wenn sie gestern zu gespamt wurde. Habe ihr versichert, mir ginge es gut und (ich glaube) habe mich für ihr Dasein bedankt, aber dass ich mich nicht wohl dabei fühle Hilfe anzunehmen, wenn bei mir alles gut ist.

Dazu schrieb sie, es könne nicht alles gut sein, wenn mir vier Tage fehlen… ich habe darauf geantwortet… ja, dass es in der Psychologie so heißt … aber dass es mir wirklich gutgeht… und ich nicht möchte, dass man sich um mich sorgt, weil ich weiß wie es ist, wenn man sich um Menschen sorgt und das kein schönes Gefühl ist. Alles in allem bin ich einfach nur verwirrt, weil drei Menschen um mich herum sehr besorgt sind … ich das aber nicht einmal annehmen kann, weil es mir wirklich gut geht. Ja, ich habe vielleicht eine „Vier-Tage-Amnesie“, aber das ist nichts Neues und hat mir noch nie ein Bein gebrochen. Ich verstehe nicht, warum das jetzt nach zwanzig Jahren plötzlich so ein Drama ist. Früher fiel das nicht einmal jemandem auf. Geschweige denn mir selbst.

Wie gesagt, ich bin nicht undankbar. Im Gegenteil. Vor allem weil mir jene zwei Kontakte sehr am Herzen liegen. Und… ja, Frau Honig mag ich ganz gern, wie man einen Psychologen eben mögen kann (ich KANN Psy-Menschen einfach nicht zu 100 % trauen…)… aber ich kann damit nichts anfangen. Ich frage mich, was ich tun kann, damit diese Menschen nicht mehr besorgt sind. Und wüsste eine Option, aber die kommt für mich nicht in Frage. Ich kann dort ja nicht anrufen und sagen: „Mir geht es gut, aber ich rufe an und möchte …“… was möchte ich denn dann eigentlich? Nur reden? Ich weiß ja nicht einmal, was ich ihm sagen sollte..,

Also, wie auch immer… gebloggt wurde hier ja scheinbar auch nicht… und ich habe schon zu jener gemeint, eigentlich regt es mich tierisch auf, dass ICH mal wieder NICHTS weiß, und mich eigentlich nur auf Aussagen von Außenstehenden verlassen (muss?) kann. Was es schwer macht, weil es für mich so absolut weit entfernt ist von mir und meinem Erleben.

Für mich sind diese Tage die mir verloren sind kein bisschen tragisch… Ich lebe noch. Ist das nicht irgendwie die Hauptsache gewesen? Die Sorge wegen den Abschiedsbriefen, den Suizidplanungen? Dass es nicht durchgeführt wurde? Das war doch das Haupt Thema, nicht? Aber als feststand, dass ich zu meiner Familie fahre über Weihnachten, war das Thema weg. Keine Gedanken mehr an den Tod, keine Pläne, die Abschiedsbriefe wurden nicht verschickt, alles noch schön ordentlich im Kommunikationsheft verwahrt.

Und mit der restlichen Info… nun ja… zu mehr schreibe ich privat. Hier öffentlich ist das nix.

Unendlich Angst

Ich finde es passiert alles viel zu schnell, ich habe so angst, dass ich nicht einmal mehr denken kann. Ich kann nicht mal mehr handeln… ich will nicht mal mehr wiedersprechen und argumentieren weil ich nicht mehr kann weil ich so viel angst habe und ich noch mehr angst habe alles durcheinander zu bringen und es wird nicht besser mit dem Gefühl, einen riesengroßen Fehler gemacht zu haben, als die Polizistin mich gestern nochmal anschrieb…. „Es freut mich zu lesen, dass du etwas erleichterter bist. Kannst du noch einmal bei mir vorbeikommen heute oder morgen? Ich möchte gerne den Chatverlauf sichern.“

Es ist „nur“ der Exorzisten-Fall. Nur der. Und trotzdem weiß ich bis auf dass wir noch gestern mit brh nochmal zur Polizistin gegangen sind überhaupt nichts mehr. Ich habe Unterlagen mitbekommen… irgendwas mit Rechten… für Opfer einer Straftat… und ich weiß, dass die Polizistin sagte, dass der Typ wohl schon eine eigene Bibel geschrieben hat und weil ihr das alles sehr kurios vorkam einen Sektenbeauftragten von der Kriminalpolizei eingeschaltet hat der auch vermutet, dass dieser Exorzist eigentlich einer Sekte angehört.

Kann ich das bitte einfach mal so unkommentiert stehen lassen? Habe keine Kraft dazu… ihr dürft gerne spekulieren wie ich mich gefühlt oder wie ich reagiert habe. So richtig weiß ich es eigentlich gar nicht.

Auf jeden Fall habe ich mehr nicht mitbekommen, aber brh hat gesagt, sie hat alles auf ein Diktiergerät aufgenommen, zwischendurch Fragen gestellt und dann brauchte sie eine Unterschrift. Wir haben eine Anzeige gegen diesen Exorzisten wegen Nötigung erstattet – und ich weiß nicht einmal, was wir dazu gesagt haben. Ich kenne unsere Aussage nicht und mir wird schwindelig und schlecht vor Angst…. Und weshalb mir noch viel schlechter wird ist, weil die Polizistin den Sektenbeauftragten angeschrieben hat, dass er sich mit uns in Kontakt setzen soll, – eigentlich nur wegen dem Exorzisten…. und in mir schwindelt es seitdem. Es dreht sich und die Angst ist so groß, dass ich das Gefühl habe ich könnte an einem Hirntod sterben, weil es mich nur noch dreht und ich phasenweise sogar vor einer (echten!) Ohnmacht stehe. Also die ganz typischen Vorboten, das Rauschen in den Ohren, der Kopf wird total matt, das Blickfeld verengt sich, mein Herz das ich plötzlich ganz langsam und dumpf irgendwo zwischen Kopf und Hals schlagen spüre-höre… ich weiß nicht was danach passiert, irgendwie oder irgendwer von uns fängt diese Ohnmacht scheinbar immer noch rechtzeitig ab…

Ich halte das gerade alles nicht aus. Es geht „nur“ um diesen dummen Exorzisten dem wir vertraut haben… (und den welche von uns schon wieder kontaktieren wollten und geweint haben, weil sie wollen dass „das alles endlich weg ist“). Wir haben ihn nicht kontaktiert. Weil die, die es wollten, dazu schrieben: „Und jetzt haben wir ihn auch noch angezeigt, er wird uns nie wieder helfen wollen!“… und ICH aber weiß, dass er uns sowieso niemals hätte helfen können.

Ich verstehe nur nicht warum der Kontakt zu diesem Sektenbeauftragten so eine Angst auslöst, dass mein Körper sich anfühlt als würde er sterben (weil er alles runter fährt!!)…. ich KANN nichts mehr tun, ich hab das Gefühl mein Körper besteht nur noch aus Angst und Ohnmacht. Ich kann nicht mehr nachdenken oder irgendwie reflektiert handeln weil ich nur Angst spüre und mich das schwindelig macht und mir gefühlt den Kopf zuzieht. Als würde man einen Draht um die Stirn wickeln und so fest zuziehen, dass es sich in die Haut schneidet. Bis das Gehirn tot ist. Ich kann nicht mehr. Ich hätte niemals zur Polizei gehen dürfen. Ich weiß nicht einmal mehr, WIESO wir zur Polizei gegangen sind. Das hätten die ganzen anderen Leute die von dem Exorzisten bedroht wurden auch tun können. Aber nein, wir haben mal wieder überreagiert und machen eine Anzeige und ich weiß noch nicht einmal was unsere Aussage dazu ist.

Ich will gar nichts mehr tun. Ich will jetzt nichts mehr mit Polizisten oder sonst etwas zu tun haben. Ich kann nicht mehr. Ich halte diese Angst und diese Momente in denen mein Körper ausschaltet (ich weiß nicht, was danach passiert, weil ich nachdem diese Ohnmachts-Vorboten kommen danach immer Zeitsprünge habe)… ich halt das grad nicht aus.

Schweigsam

… ich bin nicht still geworden, weil ich angst habe zu schreiben, oder so. Ich weiß nur gar nicht mehr, was ich schreiben soll. Mir fehlen die Worte und ganz einfach ausgedrückt: ich kann nicht mehr.

Ich fühle mich wie die größte wandelnde Enttäuschung für die Menschen in meiner Umgebung und die, denen ich etwas bedeute. Ich WILL mich schützen können, ich WILL was tun können, aber nichts kann ich kontrollieren. Nichts habe ich in der Hand. Mein Wille scheint irgendwie gar keinen Wert zu haben in der Hinsicht. Aus dem Grund, dass ich fest davon überzeugt war das Wochenende NICHT zu den Eltern zu fahren. Dass es letzten Endes aber so passierte, dass wir sogar schon Donnerstagnachmittag abgeholt wurden. Das weiß ich noch. Und auch  meine Gedanken im Auto, auf dem hinten auch noch ein kleiner Teufel mit Zepter abgebildet ist. Wie morbid. Und wie ich noch auf dem Beifahrersitz aus der Ausfahrt fahre und mir während dem Anschnallen denke: „Was mache ich hier eigentlich?…“

Und dann sitze ich plötzlich wieder im Auto. Nur ist es Sonntag und der Rückweg, wieder kurz vor der Einfahrt.

Da viele mit uns Kontakt hatten in den drei Tagen kann ich so ein bisschen zumindest lesen und zusammenfügen. So wirklich aber auch nicht. Am Samstag seien wir wohl nicht erreichbar gewesen. Sie & Co hat uns angeschrieben, wir antworteten nicht, als sie drohte die Polizei zu rufen, schrieben wir „Kann heute nicht antworten, sry.“ Dieser Verlauf war auf MEINEM Handy aber nicht mehr zu sehen und ich war mir SO sicher, dass „ich“ Sie & Co am Samstag noch viel getextet habe, doch sie versicherte das wäre Freitag gewesen, Samstag wäre nichts mehr gekommen, außer eben, dass ich nicht antworten könne. Dieser Verlauf war aber nicht auf meinem Handy. Ich habe ihr ein Screenshot geschickt – sie mir auch. Also muss das jemand von uns gelöscht haben. Ist ja auch egal, ich bin allgemein einfach nur verwirrt. ich finde keine Worte um sie zu schreiben. Finde auch keine Worte um HIER irgendwas zu schreiben. Es fühlt sich NICHTS mehr richtig an. Sonntag dachte ich, als ich in der WG war, dass ich Halsschmerzen kriege. Schluckbeschwerden oder eben einfach nur Halsschmerzen.

Am Abend habe ich dann diese Male am Hals entdeckt.

Ich glaube wir schrieben noch mit Sie & Co, mehr weiß ich von dem Tag auch nicht mehr. Montag in der Früh bin ich wieder mit dem Fuß umgeknickt, so sehr, dass ich wieder nicht auftreten konnte. Auf dem Weg zur Arbeit. Mit dem eh schon umgeknickten Bänderriss Fuß. Musste wieder die Betreuer anrufen, weil ich nicht zurück kam. ich fuhr gleich zum Arzt.

Zu unserer Hausärztin. Es war eine Spontanentscheidung den Fuß außen vor zu lassen. Weil in dem Moment wo ich im Bus saß an Frau Honig dachte. An die Stunde am folgenden Tag. Und ständig ihre und B’s Worte im Kopf hatte. Entscheidungen. Und dass ich grad zur Hausärztin fahre. Und das mir mein ganzer Hals wehtut.

Ich dachte nicht viel drüber nach. Im Wartezimmer war mir schwindelig vor Angst. Der Hausärztin haben wir seit dem Klinikaufenthalt und seit der Diagnose und allem etliche Berichte vorenthalten. Sie wusste nichts. Gar nichts. Nichts von der Diagnose noch sonst irgendwas. Aber ich war fest entschlossen zu reden. Nicht zu „reden“, aber ich hatte ständig Frau Honig im Kopf und dass wir nur arbeiten können, wenn wir einen Arzt finden, der endlich diese blöden Hämatome dokumentiert. Die Hausärztin kennt mich seit sechs Jahren. Ich glaub voll in der Pubertät kennengelernt… Wir mussten ja die erste Zeit in der JUgendhilfe jeden Monat zum Blutabnehmen gehen, weil wir aus irgendeinem Grund lebensbedrohliche Werte hatten. So gut wie keine Leukozyten (?). Musste kontrolliert werden. Wir waren fast jede Woche, manchmal mehrmals in der Woche beim Arzt. Wir hatten immer Schmerzen. Magenschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Kopfweh. drei Jahre lang… von einem Tag auf den anderen wollte ich nicht mehr zu denen. Ich schämte mich dafür, dass sie mich schon „mein Mädchen“ nannten und mit mir redeten, als sei ich da angestellt und nicht ein Patient. Ich war die letzten zwei Jahre immer bei anderen Ärzten, weil mir die Häufigkeit von Verletzungen und Unfällen einfach nur noch unangenehm war. Als dann auch noch das alles so passierte… ach egal.

Ewig nicht mehr gesehen auf jeden Fall. Dieses Jahr war ich vielleicht zwei Mal bei denen. Wegen einer Erkältung.

Und dann schoss ich einfach raus. Ich kann es leider nicht mehr wiedergeben. Ich habe gezittert, fand kaum Worte, hab meine Stimme nicht mehr gefunden, mir war so schwindelig. Aber schließlich den Schal abgenommen, den Rollkragepulli runter gezogen. Sie war überfordert. Total überfordert, entsetzt, sprachlos… hat nach Worten gesucht, hat versuch zu verstehen, saß stirnreibend vor mir… „kann ich die Nummer von deiner Therapeutin haben?“. Ich gab sie ihr… sie sei sich nicht sicher. Sei ja keine Rechtsmedizinerin. Sähe eher nach Strangulation als nach Handabdrücken aus. War einfach nur überfordert. Und wir auch.

Rest erinnere ich nicht.

Am Folgetag bekamen wir von Frau Honig einen Flyer mit einer Nummer. Die Hausärztin hat mit ihr telefoniert. Ja, wir hatten Recht. Sie war wohl vollends überfordert. Was habe ich auch anderes erwartet? Wir sollten bei der Nummer anrufen. Rechtsmedizin. In der Stunde war ein elendiges Gewechsel. Mitbekommen habe ich nur den Moment mit dem Flyer… udn das mit der Hausärztin. Und irgendwann wo ich verunsichernd-„lachend“ sage: „Nein, das kann nicht sein“… und ihr nicht in die Augen schauen kann. Aber das bin ich nicht. Ich kann nur beobachten, weil was ich da sage ist nicht meine Einstellung. Für jede Frage von Frau Honig wurde eine Erklärung gefunden. DIS ist vorgetäuscht, wir lügen, Amnesien haben eine andere Bedeutung, vielleicht Demenz. Vielleicht krasse Vergesslichkeit. Hämatome sind selbst zugefügt. Wir sollten doch einfach zur Rechtsmedizin und das abklären lassen, sie würden schon feststellen ob das Selbstverletzungen sind. Noch wie Frau Honig fragt, was ich denke, wie lange wir schon reden und die Antwort kommt „vielleicht zwei Minuten?“… und sie mit einem „nein, eine halbe Stunde.. über xy und jenes“ (kann ihre Aufzählung nicht mehr wiedergeben). Mehr weiß ich von der Stunde nicht.

Nur dass ich mich danach noch mit *Nina getroffen habe. Eine… ältere „Freundin“ (Seminare von früher und so).. und ihr erzählte… von Therapie. Mit ihr traf ich mich auch vorher noch. Sie war so klar, so wütend, hat mir in die Augen geschaut und mit Wut in der Stimme gesagt: „Du musst dir bewusst werden, dass sie da alle mit drinnen stecken. Deine ganze Familie! Sie kriegen Geld für dich und haben ihren Spaß mit dir, aber das muss die bewusst werden. Diese Schweine.“ Nina liebt uns sehr. Das weiß ich. Für sie sind wir wie eine Tochter. Nur kommt das nicht an. Weil ICH mir denke:… meine Eltern können nichts getan haben. Ich habe keine Erinnerungen. Ich kann nicht nur wegen Vermutungen etwas behaupten, was ich nicht weiß. Die Hämatome… ja, sie sind da. Punkt, ist nichts zu rütteln. Aber ich werde nichts behaupten, wenn ich es nicht WEIß, wo sie herkommen!

Nach der Therapie also erzählt von der Nummer. Und Nina schob mir das Handy hin und sagt: „Du rufst JETZT an.“ Ich hätte eigentlich nicht angerufen. Ich hätte den Zettel weggesteckt und mir gedacht: „Ich habe keine Kraft mich auch noch darum zu kümmern“… aber Nina kann man nicht widersprechen. Sie ist Türkin. Sie hat Temperament. Mehr als wir, tatsächlich. Wir gehen schon echt oft mit dem Kopf durch die Wand. Aber sie durch Wände. Keine Widerrede. Hat mich solange angestarrt bis ich angerufen habe. Meldete mich, eine Ärztin rief zurück. Was sollte ich ihr sagen. Ich sagte wie es ist. Hausärztin überfordert, Therapeutin gab mir die Nummer, Würgemale am Hals, keine Erinnerung.

Sie war eine sehr sehr liebe Ärztin. Sie war wirklich sehr freundlich. Hörte sich das an, nahm es ernst, bat um die Nummer der Therapeutin. Ich gab sie ihr. Sie sagte, das klänge jetzt sicher blöd und gemein, aber leider ist das so, wenn ich eine Amnesie vom Tathergang habe und ich nicht sicher sagen kann, dass es häusliche Gewalt ist, „darf“ ich gar nicht zur Rechtsmedizin. Sie bot an, ins Krankenhaus zu gehen, doch darauf verzichtete ich. Das hätte ich zeitlich ohnehin nicht mehr geschafft, es war 19 Uhr abends und bis ich daheim ankam 21 Uhr… es fuhr sowieso schon seit Stunden nichts mehr. Für ein Taxi kein Geld. Ach ja, und die EC Karte, wie ich heute bemerkt habe, ist auch bei den Eltern geblieben.

Bin bei Null. Immer noch keine Ahnung was die nächsten Tage passieren soll. Letzte Hoffnung SW. Wenn sie auch keine Idee hat… vielleicht alleine in der WG bleiben, doch da sagt Frau Honig, das will sie nicht verantworten. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich habe nur noch vier Tage um eine Entscheidung zu treffen und ich weiß, ich WILL mich schützen, aber gleichzeitig finde ich diese Abschiedsbriefe, die erst die letzten Tage geschrieben wurden. Es gab keinerlei Äußerung mehr von uns. Sehr taktisch. Und ich bin verwirrt. Unendlich verwirrt. Nächste Woche ist noch ein Frau Honig Termin, bis dahin muss eine Entscheidung her. Sie sagte noch: „Keine Ausreden“ und ich meinte, ich denke nach, doch ehrlich gesagt weiß ich überhaupt nicht mehr, worüber ich genau nachdenken soll. Habe ja schon alles durchgekaut und gleichzeitig schreibt mir auch jetzt im Moment meine Mama und ich empfinde so viel Schuldgefühle ihr gegenüber und könnte nur heulen und der Impuls, einfach doch wieder nach Hause zu fahren, um wieder gut zu machen, was gerade passiert. Allein schon der Gedanke dass sie verdächtigt werden ist unerträglich, doch nicht meine Eltern! …………

Ich weiß nicht was ich noch tun soll. Ich kann nicht mehr. Ich will einfach mich unter meinem Bett verkriechen, alle Türen schließen und von allen in Ruhe gelassen werden. Zu viele Entscheidungen zu viel „Wollen“ von mir zu viel… „tu endlich was“ und zu viel von der Gewissheit dass ich zu hoher Wahrscheinlichkeit wieder viele Menschen enttäuschen werde. Ich WEISS nicht mehr weiter. Ich will einfach die Augen schließen und sie erst in hundert Jahren wieder öffnen.