Totaler Reset

Ganz ehrlich ich weiß nicht in wie weit es wirklich nur ein sich zurückversetzt fühlen ist. Ich bin emotional so krass in 2016/2017, dass es mich fast erschreckt. Ich empfinde überhaupt keinen Bezug mehr zu diesem Jahr und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich einfach nicht verarbeiten kann/konnte, dass seit 2017 alles total chaotisch verläuft und ich zeitlich nicht mehr hinterherkomme oder ob es wirklich an dem Umstand liegt, dass wir therapeutisch in derselben Situation sind wie damals. Ich kann es wirklich nicht beantworten, ich weiß nur, dass ich so m.e.g.a krass festhänge. Ich habe ohne erklärlichen Grund Ohrwürmer von damals. Bad Ideas oder Rise oder noch ältere, heute ganz oft Down von Lil Wayne, dabei habe ich das noch weit vor Bad Ideas oder Rise gehört. Aber dann erinnere ich mich sofort wieder daran wie ich zu der Zeit wo ich oft Down gehört habe, tanzen war und dann packt mich plötzlich wie ferngesteuert, als hätte ich es n.i.e „vergessen“ die Choreo zu dem Lied und ich weiß auf einmal nicht mehr was das für ein Bad ist, in dem ich stehe oder ob ich nach rechts oder links muss, um in mein Zimmer zu gehen.

Heute Früh, als ich mit Jimmy aus der Tür getreten bin und mir diese Eiseskälte entgegen geschlagen ist und ich diesen kristalligen Duft, der mich schon an Winter erinnert, eingeatmet habe, ging wie eine Art Schnellzug durch meinen Körper und ich habe für eine Sekunde so eine verdammt kindliche Freude empfunden und habe ein Lied vor mich hin gesummt, das ich gar nicht kenne und dann war mir auf einmal die Straße fremd oder ich habe zum Beispiel an einem Haus auf den Vorgarten die Sträucher mit Blüten, ein wenig Laub im Wind angestarrt und mich davon aufgesogen gefühlt und ich dachte, ich wüsste ganz genau wo ich bin, habe wieder auf den Weg vor mich geschaut und mich zu Tode erschrocken weil ich mir dachte h.a.l.t.  f.a.l.s.c.h!!! Mir ist von einer Sekunde auf die andere wieder mein Puls in die Höhe geschossen, mein Herz fing an zu rasen und ich hatte wieder kurz diese gestern schon benannte Atemnot. Ich höre und rieche und mache Dinge die ich 2017 getan habe, ich habe Sehnsüchte und Gedanken und Handlungsimpulse, von denen ich dachte, die hätte ich schon längst überwunden. Ich bin emotional nicht mehr dort, wo ich sein sollte und ich frage mich, ob ich das 2019 überhaupt war oder ob ich mir nur gewünscht hätte „in der neuen Zeit anzukommen“, tief in mir drinnen aber einfach nicht geschafft habe es wirklich zu tun. Oder vielleicht war ich auch zu beschäftigt mit der plötzlich dagewesenen DIS Diagnose und den neuen Umständen und mich zurechtzufinden. Ich kann es nicht erklären. Ich kann überhaupt nicht erklären wieso ich so krass festhänge und nicht einmal das Gefühl habe, als würde ich festhängen, sondern als wäre ich stehengeblieben. Als gäbe es gar keine Möglichkeit das einzuholen, was ich zeitlich einholen müsste.

Ich bin emotional so verdammt nah an Melly und meiner Familie dran, an der Ausbildung und ich habe den Drang zu lernen, lernen, lernen – für Prüfungen und muss mich immer wieder erinnern, dass ich keine Prüfungen mehr habe! Und das Schlimme daran ist, dass umso mehr ich mich in dieser Zeit emotional verliere, desto mehr entferne ich mich von den Erinnerungen an Frau Honig, gestern bilde ich mir ein noch mehr mit ihr erinnert zu haben, heute fühle ich mich so weit weg davon, es verblasst einfach und noch viel schlimmer als das: Ich sehne mich auf einmal auch wieder nach dem Apartment in dem ich zuletzt gelebt habe, nach alleine leben, nach witzigen Abenden mit Melly und Bay auf meinem Teppich mich Musik und Süßigkeiten und Alkohol und Wahrheit oder Pflicht spielen. Und erinnere mich als wäre es gestern, wie wir um halb Ein Uhr nachts noch Lust auf Pommes hatten und wir dann zum McDoof aufgebrochen sind und unser Atem in der eisigkalten Nacht in dem Laternenlicht verdampft ist. Ich erinnere mich noch soooo lebendig an unser Gelächert, weil Bay ihr Pfefferspray mitgenommen und in die Luft geradeaus gesprüht hat und wir total da rein gelaufen sind und dann alle husten und lachen mussten. Ich erinnere mich sogar an das Foto von Bay, wie sie sich auf einige Säcke mit Papiermüll gesetzt hat (ich weiß nicht mehr wieso). Ich habe plötzlich wieder mehr Bindung und Beziehung zu den Bäckerinnen A., V., A. und P und meinem damaligen italienischen Nachbarn und habe das Gefühl, ich könnte morgen Abend nach der Ausbildung um 18 Uhr mich reinsetzen und meine Tasche in die Ecke bei denen werfen, mit F reden, der vor sieben Jahren einen Schlaganfall hatte und zu P oder A sagen „Wie immer“ und von ihnen eine ganz frisch und persönlich zubereitete Semmel mit Camembert, Salat, Gurke und Remoulade bekommen.

Ich weiß nicht ob es mir wirklich Angst macht… eher macht es mich traurig und ich will fliehen und zurück zurück zurück, weil mich irgendwie gerade nichts mehr hält, aber ich kann schlecht in die Vergangenheit reißen, auch wenn sie für mich komischerweise noch totale Gegenwart ist, aber zeitlich natürlich, auf dem Kalender ganz logisch, ist das schon bald vier Jahre her. Maximal zwei würde ich noch eingehen. Maximal, weil 2019 für mich auch einiges Neues gebracht hat, was ich emotional mitnehmen konnte, aber niemals, n.i.e.m.a.l.s. vier!!!

Und mindestens vier Leute haben mich kurz nach einem Eintrag wegen dem Exorzisten angeschrieben und auch Ari meinte total aufgebracht im Auto, das wären so Sachen, die sie ein wenig in den Wahnsinn treibt, weil da so ein Drama war mit ihm und es endlich gelöst wurde und er uns „in Ruhe“ gelassen hätte und dann wird da wieder Kontakt aufgenommen. Ich habe von Schmetterling u.a. erfahren dass es da auch was mit einer Anzeige gab und dass er wohl selbst einer Sekte angehört der DIS Betroffene sucht und „abwirbt“ und und und, aber … was soll ich sagen? Ich k.a.n.n. mich einfach nicht von ihm fern halten. Von 2019 ist er das mir am Vertrauteste, was mir geblieben ist. Allgemein von allem, was mich emotional gerade so festhält oder „zurückwirft“. Ich kann weder einfach morgen in mein Apartment reinspazieren, noch mich abends in die Bäckerei setzen (vermutlich arbeiten die dort nicht einmal mehr!) und schon gar nicht kann ich übermorgen in die Berufsschule spazieren und mich zu Frau R oder Frau H in den Klassenraum auf irgendeinen Platz setzen. Das Einzige was mich nicht total zerstört und zerfallen lässt in meinem emotionalen Zurückgeworfen sein, ist der Kontakt zu dem, was mir damals vertraut war. Melly eben. Das Einzige was noch erreichbar ist. Und Nature, den ich letztes Jahr eben kennengelernt habe. Ich mag seine Stimme, sie ist mir vertraut, ich fühle mich wohl wenn ich ihn höre und wenn er mit mir spricht, selbst, wenn er stichelt, das ist mir ganz egal.

Ich kann nicht beschreiben wie es sich anfühlt, wenn man emotional und von den Erinnerungen und Erfahrungen oder Erlebnissen irgendwo steckt, wo das Umfeld n.u.l.l. mehr dazu passt. Es ist alles fremd. So unendlich fremd, dass ich mich einsamer fühle als je zuvor in meinem Leben. Ich kann eigentlich nur dankbar sein für Melly und Nature, für die zwei Menschen die mir aus meinem Vertrauten noch irgendwie erreichbar sind. Am liebsten würde ich auch FvH wieder anschreiben, das war eine Therapeutin die mich immer gestützt hat, obwohl sie nie meine eigene, sondern die von Bay war, aber ich denke, nach allem was ich so mitbekommen und erfahren habe, würde sie durchdrehen, wenn ich mich wieder bei ihr melde, deshalb tue ich das nicht.

Ich weiß gar nicht was ich anderes tun kann, als mich an dem festzuhalten, was mir das, wo ich feststecke, irgendwie näher bringt und mich nicht emotional irgendwie in mir selbst verlieren lässt. Sorry dass ich hier gerade keine Puusteblumen-Glitzer-Erfolgsnachrichten bringen kann. Sorry dass ich nicht sagen kann „yey, der Ausstieg klappt voll super und ich bin voll dabei und voll überzeugt und das kriegen wir hin“ S.O.R.R.Y wenn ich jetzt jeden enttäusche. Aber wir wurden auch enttäuscht. Und im Stich gelassen. Und ich kann nicht anders als zurückzurudern um nicht völlig durchzudrehen.

Lora

Pferdeeinblick und Atemnot

Ich darf euch einen ganz kleinen Ausschnitt von der Freiarbeit zeigen die wir mit Melly heute und ihrem Pferd gemacht haben. Man sieht leider nur sehr abgeschnitten was, damit man Ihr Gesicht nicht sieht, aber ich fand es so faszinierend wie er voll auf sie fixiert war. Übrigens sieht das leicht aus was sie macht, aber Freiarbeit ist eins der schwersten Arbeiten mit einem Pferd. Man muss soooo krass viel mit der eigenen Energie und Körperarbeit lernen und sich selbst soooo krass kontrollieren und regulieren können. Ich liebe diese Übungsstunden mit Melly weil sie das auch mega gut erklärt und ihr Pferd reagiert auch voll fein. Sie hat z. B beim Anhalten mir den Tipp gegeben, ich müsse nur mir vorstellen, wie ich meinen Bauchnabel einziehe und kaum hatte ich daran gedacht und nur die MINIMALSTE Andeutung von Bewegung dazu gemacht, ist ihr Pferd sofort ein Schritt zurück gegangen. Macht total Spaß. 😊

Ansonsten war mein Tag okay. Gut, in der Arbeit hatte ich kurz Stress, weil zwei sehr wichtige Dinge nicht auf der To Do Liste standen und ich somit nichts davon wusste und wie ein Vollidiot dastand. Am unangenehmsten war mir das mit den Fotos. Vor ner Woche kam ne Mail dass eine Kollegin ganz dringend für die Zeitung bestimmte Fotos braucht und als Meine Chefin mich drauf angesprochen hat habe ich wie der dümmste Fisch dagestanden, weil ich keine Ahnung hatte wovon sie spricht. Hab total panisch die E Mails abgesucht und hatte Angst dass wir die schon gelöscht hatten, aber ich hab sie gefunden. Nur hatte ich keine Zeit mehr nun ne Stunde damit zu verbringen die Fotos in unserer riesigen Mediathek zu finden, also musste ich bei strömendem Regen zu der Abteilung laufen und neue Fotos schießen. Die haben sie dann genommen.

Naja und im Moment kann ich nicht einschlafen… habe das Gefühl nicht genug Luft durch die Nase zu kriegen und mein Puls beschleunigt sich dann und ich muss den Mund öffnen und keuchen als hätte ich ewig keine Luft geholt. Ich hatte das früher auch oft (nur viel schlimmer) und einmal hat mich meine Mum zum Kinderarzt geschleppt weil ich wirklich dachte zu ersticken und geweint habe weil ich die ganze Nacht über Tage hinweg mit zu kämpfen hatte, aber der Arzt hat nichts feststellen können und meinte damals, das könne nur psychosomatisch bedingt sein, dazu meinte meine Mama aber nur „Papperlapapp, dann simuliert sie bloß!“ 🤷🏻‍♀️

Nun ja, mal sehen. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich dann irgendwann einschlafe, wenn ich es ignoriere (also das Keuchen). Das keine Luft kriegen kann ich nicht ignorieren, ich muss früher oder später den Mund öffnen. Und das hat mich eben lange gestört und um den Schlaf gebracht, aber seit ich das ignorieren kann geht es eigentlich. Und diese Atemnot kriege ich eigentlich immer nur dann, wenn kurz davor mein Herz grundlos zu rasen anfängt, so, dass ich es richtig wummern spüre zwischen meinen Ohren und zur Brust. Letztes Jahr als ich da war, hatte ich das nicht. Woher es jetzt wieder kommt, das weiß ich nicht.

Lora

Willkommen zurück

Als ich heute aufgewacht bin, war mir auf einmal gar nichts mehr fremd. Zumindest nicht emotional. Ich kenne mich so wie ich mich gerade fühle am besten. Wir haben irgendwie keine therapeutische Orientierung mehr, hängen irgendwo in der Luft fest und versuchen jetzt wieder auf Gut Glück im Leben ohne irgendwelche Unterstützung klarzukommen und es ärgert uns nicht einmal mehr wirklich. Diese Resignation ist mir so verdammt vertraut. Aus der hat sich dann letztendlich mein Entschluss gefasst. Einiges ist jetzt natürlich ein bisschen anders. Wir haben einen Hund und wir hatten Frau Honig und da kommt neben der Resignation jetzt auch noch Traurigkeit dazu, die mich evtl. davor bewahrt, weitere und konkrete Gedanken aufzubringen, uns wirklich aus dem Leben wegzumachen.

Man sollte ja sein Leben nicht von einer Therapie abhängig machen, aber ich finde wir haben alles Recht der Welt zu sagen, es reicht. Wir sind in diesem System nicht erst seit gestern gefangen, sondern seit wir zwölf oder dreizehn sind. Bis zu unserem sechzehnten Lebensjahr hatten wir dann schon so viele Therapeuten kennengelernt, dass man sie nicht mehr an einer Hand abzählen kann, ganz zu schweigen von Kliniken, Ärzten und so weiter, aber dieses Geleiere kennt ihr ja schon. Ich erwähne es nur wieder, weil ich euch wirklich davor warnen will uns jetzt ins Ohr zu legen „gebt nicht auf, sucht weiter“, sonst habt ihr uns sicher den letzten Tag als freundlich erlebt. Das könnt ihr Leuten in unserem Alter sagen die erst mit siebzehn oder achtzehn angefangen haben nach einer Therapie zu suchen, aber bitte nicht welchen, die mittlerweile bald mehr als ihr halbes Leben mit nichts anderem verbracht haben, okay?

Und ja, es stimmt, man soll sein Leben nicht von einer Therapie abhängig machen. Ich glaube auch nicht, dass Therapien ein Leben lebenswert machen. Es gibt ganz andere Dinge die das ausmachen, aber es ist schwer keine Orientierung haben und wie ein Blinder ohne Blindenstock durch die Gegend laufen zu müssen. Wir haben halt vielleicht Ari die uns etwas unterstützt, aber sie ersetzt halt keine Therapie und mit Frau Honig haben wir uns einfach orientiert gefühlt. Wir wussten immer wo wir uns melden mussten, wenn irgendwas in unserem Leben gar keinen Sinn mehr gemacht hat, sie war so gesehen der am besten funktionierende Leuchtturm.

Ich weiß ja noch, als wäre es nie vorbei gewesen, wie wir 2017 herum geirrt sind. Vom SPDI zur psychiatrischen Institutsambulanz, von Therapeut 1 bis Therapeut 11 und dieser unglaubliche Umgang mit uns im negativen Sinne. Wie oft wir den Krisendienst anrufen musste (wie peinlich!!!!!!) und ich habe keine Lust mehr, dass die mich wieder hören. Vermutlich sind wir denen bereits besser bekannt als Pumuckl und ernst genommen wird man nach 1.000.000 verzweifelter Anrufe auch nicht mehr. So sah unser Leben orientierungslos aus. Und ich habe Angst, dass es wieder so aussehen wird. Zumindest eine Sache konnte ich gestern durch Frau Blume feststellen. Da sie ja diesen blöden Fragebogen mit so einem klinischen Interview gemacht hat, wo man die Fragen genaue beschreiben musste, haben wir festgestellt (Frau Blume eigentlich eher), dass ich, sobald ich einen konkreten Plan hatte und nicht mehr vom Suizid abzubringen war, ich wieder Monate Zeit verloren habe. Die Ausgangsfrage war eben, ob ich, wenn ich Zeit verliere, kurz vorher in stark belastenden Situationen gesteckt bin und ich musste nachdenken, war mir eigentlich nicht sicher, sagte dann aber „vermutlich ständig“, weil ich denke mal, wenn man einfach keinen Grund mehr zum Leben sieht, sollte das als stark belastende Situation gelten? Paradoxerweise hat die konkrete Vorbereitung und Entscheidung sterben zu wollen, einen sehr erstaunlich lebendigen Teil in mir erweckt und ich war voller Tatendrang und hatte dann auch wieder die Energie Freude zu empfinden. Ich weiß, nennt mich ruhig gestört, aber ich schwöre, dass es so ist.

Tja, wenigstens hat sie uns-mir in der Hinsicht mal Licht ins Dunkle gebracht und ich musste auch automatisch an Schmetterlings E-Mail denken, in der sie fragte, es wäre ja interessant (oder so in der Art) zu wissen, wieso ich jetzt wieder da bin und so „stimmt, wir gehen jetzt Richtung Herbst, das ist wieder die suizidale Phase“… so habe ich das nie wahrgenommen. Das erste Mal daran kann ich mich erinnern, wo ich eben zwölf war und dann aktiv nach Therapeuten gesucht wurde, weil wir-ich eigentlich Angst hatten davor, dass wir sterben wollen. Und ab diesem Lebensjahr … stimmt, passt das eigentlich total gut. Mit dreizehn war ich dann bei einer Therapeutin, die ich nicht besonders gerne mochte. Frau N. Und dann war ich aber in der Klinik, dass war wieder ein Jahr später im Oktober. Am 23.10. kam ich dann in die Kinder- und Jugendpsychiatrie! An die Entlassung kann ich mich nicht erinnern, aber an einiges aus der Zeit dort, bis ca. Dezember, wobei ich mich nicht an Weihnachten oder Silvester erinnere. Am 22.11. ein Jahr später war ich wieder in derselben Klinik auf derselben Station, da kann ich mich allerdings an Silvester erinnern, weil ich noch weiß wie ich dort mit einem Kindersekt im Glas in der Hand vor dem Fenster stand und das Feuerwerk im See spiegeln gesehen habe, weil man wegen dem Rauch in der Luft eigentlich nur dampfende Lichtimpulse sehen konnte.

Und dann wieder ein Jahr später war ich in der Jugendhilfe. Und dann ein Jahr später in einem eigenen Apartment, und dann fehlen mir zwei Jahre und ich wache letztes Jahr in einer anderen WG auf. Und ich weiß, dass ich jedes Mal zu diesen Zeiten konkrete Pläne hatte weil ich einen Entschluss hatte, nicht mehr leben zu wollen. Ehrlich gesagt habe ich nie hinterfragt, warum ich dann doch noch lebe.

Jetzt ist es mir allmählich klar. Scheinbar werde ich ausgeschaltet, bevor ich meinen Plan durchziehen kann. Ich denke, es sollte mich mehr ärgern, als es tut, aber ich bin halt auch jedes Mal in so einer krassen Resignation, wenn ich dann da bin, dass es mich nicht einmal ermüdet, mich ständig neu darauf vorbereiten zu müssen. Hmm… so ist das jetzt. Ich habe gerade auch nicht viel mehr zu sagen. Heute Nachmittag bin ich bei Melly, wir wissen noch nicht was wir machen. Vielleicht fahren wir in den Stall zu ihrem Pferd und vielleicht können wir gemeinsam in der Halle ein wenig reiten, weil ihre Mutti hat jetzt auch ein eigenes Pferd. Das wäre irre, weil ich seit dem vorletzten Mal wo ich da war, das letzte Mal auf einem Pferd gesessen bin. Also so drei, vier Jahre. Gefühlt ist es noch gar nicht lange her (aber okay, ich habe die Jahre ja auch nicht in vollem Umfang mitbekommen). Wie auch immer. Heute werde ich mich auf jeden Fall mit nichts auseinandersetzen außer Ablenkung.

Eigentlich hatte ich ja geplant mit dem Fahrrad zu Melly zu fahren, aber weil es so schüttet und sie schon einen Führerschein hat, gabelt sie mich nach der Arbeit auf. Dann habe ich wenigstens auch vieeeel Zeit um am Abend zu Fuß nach Hause zu laufen.

Lora

Gehirnfehler

Ich fühle mich jetzt etwas „fester“, schreiben zu können. Ab den letzten fünf Minuten in der Therapie stiegen mir regelmäßig die Tränen in die Augen. Wie ja vorhin schon gesagt weiß ich, weinen soll erlaubt sein, weinen ist gut, blablaBuddhabla, aber ich will und kann auch gar nicht weinen. Wenn mir die Tränen kamen und sie schon in den Augen geschwommen sind, hat sich irgendwas so schmerzhaft in meinem Kopf zusammengezogen, wie bei Luftdruck, dass ich dachte ich sterbe vor Schmerzen und dann sind die Tränen nach innen verschwunden. Keine Einzige nach draußen. Ich hätte es auch nicht gewollt, denn ich will mit keinem darüber reden wie ich mich fühle, denn verstehen tut es ja sowieso niemand. Da kommt man dann nur mit so neunmalklugen Ratschlägen die man in dem Moment wirklich nicht gebrauchen kann.

Mich hat die Stunde bei Frau Blume fertig gemacht. Ihre erste Frage war, ob ich „als“ Lora „da“ bin. Mit keinem normalen Menschen würde man so reden, oder? Ich habe zumindest noch nie jemanden so mit jemandem reden hören. Dann fragte sie, ob wir die Mail miteinander durchlesen sollten, die ich ihr geschickt hatte. Ich meinte da ein wenig patzig, ich wüsste doch was ich geschrieben habe und sie fragte immer und immer wieder, ob ich „als“ Lora da bin. Worauf ich keine Antwort gegeben habe. Keinmal. Was hätte ich auch sagen sollen? „Ja“, wäre falsch, weil ich nicht ALS ich da bin. Ich BIN ich! Was ist daran so falsch? Was ist anders an mir als an anderen Menschen? Irgendwo in der Mitte der Stunde habe ich scheinbar was verpasst, das ist mir so eigentlich gar nicht aufgefallen. Sie fragte nur am Ende, ob ich gemerkt hätte, dass jetzt etwas „anders“ war (oder so in der Art). Ich kann ihren Wortlaut nicht einmal genau wiedergeben. Der stößt mich so ab, dass ich den scheinbar sofort wieder verdränge, dabei habe ich mir jetzt sogar die Stunde noch einmal angehört und habe schon wieder vergessen welches Wort sie verwendet hat. Nein, hatte ich nicht bemerkt. Ich weiß nur, dass ich im Stuhl saß, auf die Stifte starrte, an Frau Honig dachte und mir so augenblicklich die Tränen in die Augen schossen, dass ich noch gerade so den Kopf senken konnte, bevor zwei Tränen aus meinem Auge getropft sind. Das war eben der Moment, wo sie gesagt hat: „Sie sind gerade so eingesunken. Passiert das öfter, kennen Sie das von sich?“

Als ich dann vorhin die Stunde angehört habe, meint sie irgendwo, „jetzt hat sich aber etwas verändert, oder? Haben Sie gespürt, dass sich etwas verändert hat?“ Ich höre „mich“ da erst einmal nichts sagen, irgendwann höre ich „mich“, aber nicht mit meiner Stimme, etwas weniger schlecht gelaunt, meine ich. Auf jeden Fall sagte „ich“ auch, dass ich die Frage nicht verstehen würde und dann fragte sie wieder (glaube ich), ob ich jetzt „als“ jemand anderes da bin. Irgendwann erwähnte Toni dass sie es ist, weil Frau Blume so behämmerte Fragen gestellt hat, was ich (trotz nochmal anhören), schon wieder nicht wiederholen kann. Aber ich erinnere mich, dass mich auch das sehr abgestoßen hat. Auf jeden Fall fragte sie auch, „mit“ welchem Alter ich „da sei“. Ich hätte in die Luft gehen können. Toni fragte wieso und Frau Blume meinte, aus Respekt um zu wissen, wie sie mich ansprechen solle, damit ich mich nicht auf den Schlips getreten fühlen… (gute Frau………………………….. ich kann grad echt nur noch seufzen). Dann meinte Toni nach langem rumdrucksen eben, dass sie 13 sei und Frau Blume spricht uns trotzdem bis Ende hin mit Sie an. Toni scheint das nicht so zu stören wie mich, aber für mich fühlt sich das wie „überfahren“ an und überhaupt ganz und gar nicht respektvoll, bzw viel eher respektiert und akzeptiert.

„Als“.

Ich war den ganzen Tag über am Rande meiner Traurigkeitsklippe. Ein Schritt und ich wäre abgestürzt, genau das will-wollte ich nicht. Ich fühle mich innerhalb einer Stunde so krass in 2017 versetzt. Die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung war so schnell wieder da, als wäre sie nie weggewesen und ich bin wieder bis zum Anschlag daran erinnert, wieso ich 2017 alles so perfekt zum Sterben geplant hatte. 2017 war das Horrorjahr der Therapie-Suche. Das war unser „Letzte-Chance Jahr“. Ich glaube, obwohl das Jahr damals für mich auch nur aus knapp drei Monaten bestand, waren das die schlimmsten drei Monate meines Lebens, bis wir fest entschlossen und einig waren, es nun endgültig zu beenden – da hat sich das dann gewendet. Da waren wir dann auf einmal erleichtert und fast schon euphorisch-glücklich darüber, es endlich beenden zu können.

Und soll ich ehrlich sagen, ich fühle mich so extrem in diese Zeit vor dem Entschluss zurückversetzt. Dieses Elend das man da wirklich durchmacht, durch was man sich durchquält, was man für Sätze und Wörter und Aussagen man über sich ergehen lassen muss als Dank dafür, dass man in einer Kennenlernstunde sowieso schon sein Bestes gibt um zu erklären, in was für einer verzweifelten Not oder Situation man ist, sich selbst so erniedrigt fühlen.

War unser Wort nicht eigentlich „entweder Frau Honig ist die Richtige oder wir geben auf?“, ich meine, das war unser Ehrenwort. Und jetzt weiß ich auch wieder wieso.

„Als“ Lora. Sie spricht mich an, als wäre ich bloß „als jemand“ da und dadurch fühle ich mich wie ein Niemand. Als wäre nur einer von uns „die Echte“, die es wert ist, wie ein ganz normaler Mensch angesprochen und behandelt zu werden. Als wäre der Rest einfach nur… ein Gehirnfehler. Klar, so denken 99 % der Therapeuten ja auch. Einer ist echt, der Rest ist das Resultat eines Traumas, aber eben nicht erwähnenswert. Da hilft es mir auch nicht, wenn Frau Blume eine Millionen mal sagt „alles hat seinen Sinn und alles ist okay, wie es ist“, wenn sie mich nicht behandelt und nicht mit mir redet, als wäre es okay. Sie redet mit mir, als würde ich gar nicht wirklich existieren!

Ich habe Frau Honig geschrieben, sie braucht die Unterlagen nicht nachschicken. Sie kann sie wegschmeißen oder behalten. Für mich ist der Therapieweg ab sofort vorbei. Wenn es keinen Weg zurück zu Frau Honig gibt, gibt es für mich auch keinen anderen Weg mit irgendeinem anderen Therapeuten. Wozu sollen wir uns das eigentlich antun, wenn die Passende und eine, mit der es gut gelaufen wäre, quasi um die Ecke sitzt und wegen Problemen die man hätte klären können nicht mehr erreichbar ist? Wieso sollen wir uns das antun? Es kostet mehr Kraft dann gegen den Selbsthass und die Verzweiflung anzukämpfen, als sonst irgendwas.

Und dann saß ich da vor meinem Tagebuch und dieser Rückschlag in 2017, in diese Situation in der wir ja schon einmal waren, hat mir so den Boden unter den Füßen weggerissen, dass ich wieder geweint habe. Aber es hilft nichts. Das Leben ist ein Arschloch.

Ich weiß jetzt ehrlich gesagt auch noch überhaupt nicht, wie ich aus diesem Gefühl rauskommen soll. Mir fällt nur Ablenkung ein. Morgen fahre ich zu Melly, dort verbringe ich meinen Nachmittag und fahre erst Abends nach Hause. Sie weiß von nichts und niemandem (von uns). Ich kann also nicht in die Bedrängnis geraten, ob oder was nicht stimmt.

Am Wochenende habe ich überlegt nach Hause zu fahren. Wegzugehen, wenn ich jetzt schon einen volljährigen Körper habe, den auch für Dinge nutzen zu können, die ich dann endlich auch machen kann. Feiern zum Beispiel. Alkohol kaufen zum Beispiel. In Bars gehen zum Beispiel oder irgendwelche Menschen kennenlernen zum Beispiel. Einfach nur oberflächlich ablenken eben. Aber dann habe ich mich an Lena erinnert und habe ihr geschrieben und jetzt machen doch wir eher etwas zusammen. Lena hat nur leider nie so lange Zeit und dann muss ich schauen, was ich mit mir anfange.

Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so im Stich gelassen gefühlt habe.

Ich verliere gerade den Faden.

Nun ja, was wollte ich noch erzählen? Das Treffen mit meinem ehemaligen Betreuer war gut. Er ist ein bisschen wie ein Papa-Ersatz für mich. Er gestand mir übrigens, dass sie in der Jugendhilfe damals oft mein Zimmer durchgewühlt haben, weil sie davon ausgegangen waren, dass ich die Medikamente nicht nehme, weil sie manchmal über Phasen hinweg gar nicht gewirkt haben. Ich hatte ja mit 14 Fluoxetin nehmen müssen. Wir sind da drauf gekommen weil er wieder mal meinte, dass er es so schlimm findet, dass sie das nicht kannten und dass sie, hätten sie gewusst wieso ich so bin wie ich bin, es sich anders hätten erklären können. Also, dass sie sich einfach nicht erklären konnten, wieso ich mich an einige Abmachungen oder Gespräche nicht erinnern konnte oder wieso die Medis nicht gewirkt haben. Er hat mir auch erzählt, dass ich eine ganze Weile die Medis dann vor ihnen im Büro einnehmen musste (daran erinnere ich mich nicht), aber sie trotzdem nicht ihre gewünschte Wirkung gezeigt hätten und sie dann davon ausgegangen sind, dass wir die in der Toilette wieder auskotzen, aber dass sie das auch beobachtet hätten und das nicht der Fall war. Man hätte die Medis sogar mal wesentlich erhöht und trotzdem zeigten sie mal Wirkung und dann mal nicht und er sagte, im Nachhinein betrachtet, jetzt, wo er das mit der DIS ja nun auch seit von Anfang an weiß, ergäbe das alles Sinn, ginge ihm aber eben sehr nah.

Er sagte mir auch, dass damals jetzt in der Jugendhilfe zum Beispiel nie passiert ist, dass ich mal einfach verschwunden bin für ein paar Tage, aber dass ich sehr häufig bei meinen Eltern war, eigentlich jedes Wochenende und das Einzige was sie manchmal seltsam fanden war, dass ich dann wohl „krank“ war und einige Tage länger zu Hause bleiben musste. Ich meine, ich habe ja schon oft gesagt ich kann mich nicht erinnern wie meine Kindheit war, aber 15, 16, 17 liegt jetzt nicht unbedingt so arg in der Vergangenheit, als dass ich mich nicht erinnern könnte, aber tatsächlich kann ich mich an g.a.r kein Wochenende bei meinen Eltern erinnern, während der Jugendhilfe Zeit. Es ist irgendwie schon ein wenig spannend zu hören, wie man so wahrgenommen wurde, als nirgendwo die DIS bekannt war…

Tja… gestern von der Reittherapie habe ich eigentlich nichts mitbekommen, aber Ari hat mir erzählt, dass Frau Schnee ein Jährling gekauft hat (sie hat selber jetzt vier eigene Pferde) und uns eingeladen hat, dass wir sie mal besuchen dürfen. Außerdem hatte Ari mir Fotos geschickt, wie wir mit einem Pony kuscheln. Es ist so verrückt, eigentlich müsste ich das Pony kennen, aber ich könnte nicht einmal sagen wie der Stall aussieht, geschweige denn, was sie für Pferde da oben stehen haben.

Hm.. nach der Stunde weiß ich jetzt überhaupt nichts mehr mit mir anzufangen. Also so gemeint, dass ich eine Ahnung habe, was uns jetzt helfen oder guttun könnte-würde. Und was mir helfen könnte mich nicht dem Ziel hinzugeben, das wir 2017 hatten. Davon hält mir gerade unser Hund sehr ab. Auch wenn er mir auch noch nicht ganz so vertraut ist (aber gut, wie soll ich ihn mir auch vertraut machen, wenn ich immer nur so wenig Zeit mit ihm habe?!?!)… aber wenn ich ihn ansehe empfinde ich Liebe und ich glaube, solange man das empfinden kann oder es einfach ein Lebewesen gibt, für das man Verantwortung fühlt, solange ist es schwerer, sich einfach wegzumachen.

Lora

Keine Energien dafür

Ich will gerade gar nicht so viel schreiben, hab keine Kraft dafür, muss heute schon die ganze Zeit seit der Therapie mich zurückhalten nicht die ganze Zeit wie blöd rumzuheulen.

Ich mag Frau Blume nicht. Ich komme null klar mit ihr. „Sind Sie jetzt als Lora da?“ … ich habe geschwiegen. Am liebsten hätte ich gefragt, ob sie als Dumme Kuh oder Hans Peter da ist. Als wäre ich ein blöder Schausteller der grad ne Rolle einnimmt. Es lag mir so auf der Zunge zu sagen, ich bin nicht ALS jemand da, ich BIN jemand. Ich habe ihre Formulierungen gehasst und ihr Fachbuch Geleiere von „es ist gut und wichtig und dies und jenes und alles darf sein“. Danke, Selbstreflektion besitze ich selber!

Am Ende der Stunde habe ich Frau Honig so vermisst dass ich mir nicht zurückhalten konnte dumm zu heulen. Hab halt meinen Kopf so runter geneigt weil ich ihr glaube ich vor die Füße gespuckt hätte, hätte sie gemerkt dass ich weine und irgendeine blöde Bemerkung gemacht. Sie fragte eh schon „Jetzt sind Sie so eingesunken, passiert das öfter?“ Ich wollte sagen: „Klar, jeden Tag, hab spastische Kopf-Störungen!“ Habe aber nur gemeint, keine Ahnung, vielleicht tut mir grad mein Nacken weh.

Im Auto musste ich so viel Kraft aufwenden nicht blöd rumzuheulen (und bitte kommt mir jetzt nicht mit „weinen ist gut, lasst es zu“ ich bin nicht blöd, wie gesagt aber ich habe keinen BOCK zu weinen!) … jetzt habe ich mir für heute Abend Eis gekauft… habe mich jetzt schon ins Zimmer verkrümelt. Will nicht wirklich jemanden sehen. Ich bin traurig… und weiss nicht was ich tun soll.

Ich weiß, dass ich nicht mit Frau Blume Therapie machen will. Ich komme mit der Art wie sie mit mir spricht und was für Worte sie verwendet und dann ihrem ständigen „dies und das ist gut und wichtig Fachbuch-Blabla“ gar nicht klar. Ich will wertgeschätzt und angesprochen werden wie ein ganz normaler Mensch!!!! Ich will zu Frau Honig zurück… und wenn wir bei ihr keine Therapie mehr machen können, will ich gar keine mehr (und nennt mich jetzt ja nicht trotzig, sonst könnt ihr mich alle mal kreuzweise, genauso wie Frau Blume)!

Zu gestern schreibe ich morgen. Habe gerade keine Lust zu dem Treffen mit meinem ehemaligen Betreuer und der Reittherapie zu erzählen…

Lora

„Als ganze Person wahrnehmen“

Okay, vielleicht lege ich den Satz total auf die Goldwaage, aber als ich die Mail gelesen habe, hat die mich aus irgendeinem Grund sooooooooo genervt und ich wusste erst nicht einmal, wieso.

Also ich hatte ja Frau Blume ihre E-Mail Adresse herausgesucht und ihr geschrieben, das hatten mir ja einige empfohlen. Ich habe ihr eigentlich nur fast Eins zu Eins den Text von „Einleben“ geschickt und in die Mail nur geschrieben, dass es das ist, wie es mir gerade geht und dass ich nicht weiß, ob ich am Donnerstag wirklich drüber reden kann/will und ich lieber den geplanten Diagnose Bogen machen möchte.

Eigentlich wäre ihre Mail vielleicht ganz okay, aber am meisten hat mich dann im Nachhinein der Satz gestört, dass wir daran arbeiten können, dass ich als „ganze Person“ wahrgenommen werde und mir geholfen wird. Ich kann gar nicht so genau benennen, was da so in mir mit Ärger reagiert hat. Ich BIN doch eine ganze Person, wieso sollte ich nicht als ganze Person wahrgenommen werden? Was will sie damit sagen? Ihre Mail war noch etwas länger. In etwa, danke dass ich ihr meine Ängste und Besorgnisse entgegenbringe usw., aber ich habe heute nur zurückgeschrieben: Ich BIN doch eine ganze Person!?

Als nächstes hat mich gestört, dass sie mich gesiezt hat. Gut, das ist so ne kleine Befindlichkeiten-Sache und eigentlich kein großes Drama, aber ich will doch nicht mit jemandem ein vertrauensvolles Verhältnis eingehen, der mich anspricht wie einen Arbeitnehmer?! *kotz*. Mal abgesehen davon bin ich sowieso nicht so begeistert sie kennen zu lernen.

Frau Honig meinte, dass sie schon gerne mit uns weiterarbeiten würde, aber dass es unter gegebenen Umständen momentan nicht geht und Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten wurden, was unter anderem auch sie selbst in Gefahr gebracht hat. Ich war total schockiert weil ich nicht nachvollziehen konnte was sie meint, fragte, ob ihr etwas zugestoßen sei und sie meinte, sie könne gut auf sich selber aufpassen, es wäre ihr nichts passiert, aber es ihr eben mit dem anhaltenden Täterkontakt und der Uneinigkeit in uns zu gefährlich sei und sie sagte auch, sie würde mir sehr stark eine Trauma-Klinik ans Herz legen, in der ich stationär mehr in Kontakt mit meinem Innenleben treten kann, weil es ambulant vermutlich gar nicht möglich ist. Es bräuchte nur einen kurzen Kontakt mit einem Täter, was ich ja nicht einmal mitkriege, und die ganze Arbeit wäre umsonst, solange da keine „stabile Basis“ im eigenen System ist und das wäre ambulant kaum möglich. Sie sagte, wenn sie sich darauf verlassen könnte, dass in unserem System eine relativ große Einigkeit und Stabilität in der Vernetzung wäre, könnten wir noch einmal darüber reden, dass ich dann wieder zu ihr in die Therapie gehe.

Das hat mir irgendwie Hoffnung gemacht und irgendwie kann ich das nun so auch verstehen, wieso sie es von ihrer Seite beendet hat… andererseits habe ich mich gefragt, wie viel Sinn es da macht, überhaupt zu einer neuen ambulanten Therapeutin zu gehen, wenn wir vermutlich tatsächlich noch in Täterkontakt sind und wirklich das der Grund ist, dass egal wie sehr wir versuchen die innere Vernetzung (ich muss da immer an ein Spinnennetz denken) zu stabilisieren, sie immer wieder „zerstört“ oder sabotiert wird. Ich k.a.n.n mir andererseits gar nicht vorstellen, dass wir in Täterkontakt sind! Ich habe, als ich vorgestern Unterlagen sortiert habe, einen Brief von einer Staatsanwaltschaft gefunden, scheinbar wurde wegen irgendwas die Polizei kontaktiert, aber in dem Brief stand, dass diese „Geschichten“ viel eher meiner kPTBS und DIS entspringen, als denn der Realität entsprechen. Und will mir jetzt jemand sagen, dass die Polizei zu blöd ist um solche Sachen zu ermitteln? Ich denke mir mal, die Polizei gibt es nicht umsonst und wenn sie sagen, sie haben nichts gefunden, dann muss/sollte ich mich doch darauf verlassen können?!

Die Trauma Klinik, ja… eine andere Geschichte. Wir waren noch nie in einer Trauma Klinik und ich weiß noch, wie schon in der Jugendhilfe jeder so „schockiert“ oder entsetzt darüber war, dass wir nach unseren Erlebnissen etc. noch nicht einmal Trauma-Therapie hatten und weil wir nie in unserem Leben jemanden an der Seite hatten (haben), der uns da mal an die Hand nimmt und überhaupt erklärt, wie, was, wo, sind wir bis heute nicht in der Trauma Klinik gewesen. Ich glaube, dass in der Zeit, in der ich bei Frau Honig war, sie bereit gewesen wäre mir zu helfen, mich in einer anzumelden (ich bin mir echt nicht sicher, weil ich mich eigentlich an kein so ein Gespräch erinnern kann, aber irgendwie war das in unserem Kommunikationsheft oft Thema im Zusammenhang mit Frau Honig), aber es kam nie zustande, weil wir immer argumentiert haben, dass wir nicht wieder so viele Wochen in der Arbeit fehlen dürfen. Und dann wurde da nie diskutiert darüber. Ich weiß immer noch nicht wie man auf so eine Trauma Klinik kommen könnte, das habe ich aber auch schon oft genug erwähnt, gegenüber vielen Leuten, aber die sagen immer nur, man muss sich anmelden und dann warten. Das ist ja jetzt nicht gerade sehr hilfreich? Und soweit ich in unseren Unterlagen und im Mailverkehr (wobei das letztes Jahr war – oh man, für mich ist irgendwie immer noch November 19….), haben wir uns schon mit einigen Trauma Kliniken in Verbindung gesetzt, aber irgendwie kamen wir nie weiter… und demnach scheint wohl keiner von uns mehr Lust gehabt zu haben. Ist ja nicht so, dass das erst seit gestern Thema ist. Mit Trauma Klinik hängt man uns mittlerweile seit wir in der therapeutischen WG waren im Ohr, aber nie hat uns da jemand irgendwie an die Hand genommen und um das alleine zu lösen sind wir scheinbar zu blöd, wenn wir das selbst nach sechs Jahren nicht hinbekommen(????)

Und klar, wenn ich mich jetzt engagieren würde, wer weiß, bin ich in einem Monat wieder verschwunden(?) und dann taucht jemand von uns auf, der das mit der Trauma Klinik gar nicht auf dem Schirm hat und dann heißt es aber wieder von allen Seiten, wir hätten uns ja nicht mehr darum gekümmert oder uns gemeldet, dass wir Unterstützung brauchen. Das ist schwer und anstrengend und nervig und deshalb will ich das einfach nicht mehr. Es hat nach sechs Jahren zu nichts geführt und ich denke es wird immer noch zu nichts führen, weil es ja immer dasselbe ist (hallo Zeitschleife).

Na ja… weiß nicht, irgendwie bin ich jetzt verwirrt weil ich überhaupt nicht weiß, was weiterhelfen könnte, weil in mir drinnen irgendwie klar ist, ganz tief, dass Frau Honig irgendwo Recht hat in dem, was sie sagt. Zumindest trifft es irgendwo Anklang, wo ich nicht rankomme, und ich denke aber immer an den staatsanwältlichen Brief und wie mir schon als Kind immer in den Kopf geprügelt wurde: „Die Polizei ist dein Freund und Helfer“ und die würden alles lösen und finden können. Aber wenn die nichts finden, dann kann an der ganzen Sache kaum etwas dran sein. Und wenn das so ist, dann frage ich mich, wieso wir wirklich viele sind. Wenn es keine rituelle Gewalt war oder ist, was ist es dann? Ich meine, an meine Kindheit kann ich mich nicht erinnern, erst ab dem zehnten Lebensjahr, bis auf eine Geschichte mit einem Weihnachtsbaum mit Schoki, da muss ich zwischen vier und sechs Jahren gewesen sein (weiß es nicht sicher) und ich bin mir nicht einmal sicher, ob i.c.h mich wirklich s.e.l.b.e.r daran erinnere oder es mir nur vorstellen kann, weil ich ein Foto von mir ungefähr in dem Alter vor so einem Weihnachtsbaum habe und meine Mutter und mein Vater mir oft von dieser Schoki-Geschichte am Weihnachtsbaum erzählt haben.

Ach, alles verrückt und verwirrend. Ich will mich eigentlich nur noch jeden Tag auf der Couch oder in meinem Zimmer verlümmeln und Schloss Einstein schauen. Die Lehrer in dieser Serie sind mir vertrauter als alle anderen echten Menschen in meinem Leben. Total verrückt. Ich schaue gerade die Staffeln von 2004. Ich habe damals mit 12 oder 13 immer Schloss Eintsein geschaut, da waren teilweise auch noch so alte Folgen von 2002 oder 2004 dabei. Ich weiß nicht, ob ich schon vor meinem zehnten Lebenjahr Schloss Einstein geschaut habe, weil ich teilweise die ganzen Leute noch kenne, sogar die von 2000, dabei konnte ich da mit Sicherheit noch kein Schloss Einstein geschaut haben 😀 Ist rein rechnerisch schon nicht möglich. Aber irgendwoher muss ich die ja kennen, wenn ich einige Folgen von so früh schon erinnere. Am vertrautesten sind mir die Staffeln wo Herr Berger schon dabei war und Herr Pasulke etwas dicker und diese Frau Gallwitz erinnere ich aus den Folgen die i.c.h bewusst geschaut habe auch nicht, aber trotzdem kenne ich sie, genauso wie einige Folgen eben von ihr. Mein Gehirn ist wirklich seltsam. Wer weiß, vielleicht haben wir gar nicht 2020, sondern 1995 und ich bin noch nicht einmal geboren c(: Spaß bei Seite. Irgendwann kann man ja nur noch verwirrt sein.

Lora

Leuchttürme finden

Ich habe einiges vergessen. Ich war ja gestern in der Arbeit, war wirklich sehr nervös und angespannt, weil ich überhaupt nicht wusste, was auf mich zukommt. Das mit der Kostenkalkulation hat sich scheinbar schon total erledigt. Aber gut, es ist ja auch schon wieder Ende des nächsten Jahres… (also ausgegangen vom Jahr 2019) und ich schätze mal, da wird sich das ergeben haben. Auf dem Arbeitsplatz lag ein Block mit Abhak-Kästchen und allem, was gerade ansteht und erledigt werden muss. Das hat mir zumindest die Luft rausgenommen.

Also die Arbeit ist soweit okay. Ich bin froh, dass das etwas ist, was routiniert abläuft und sich nicht ständig ändert. Allerdings muss ich sagen, dass einiges Organisatorisches verwirrt ist. Irgendwie meinte meine Chefin, dass mein Arbeitsverhältnis nur bis zum 31.08. datiert war und ich dementsprechend auch nur so viele Urlaubstage hatte, und weil sie möchte, dass ich über Weihnachten (oder so) meinen nächsten Urlaub schon eintrage, ist ihr eben aufgefallen, dass das so nicht stimmt und die Urlaube neu eingetragen werden müssen, weil mein Vertrag verlängert wurde (Hilfe, hilfe, hilfe! Ich habe nie etwas mit Verträgen am Hut gehabt und offen gestanden kann ich mich auch überhaupt nicht an unseren Arbeitsvertrag erinnern, ich bin ja letztes Jahr mitten im Jahr aufgetaucht und davor war ich in der Ausbildung!)…. aber gut, also muss ich da irgendwas Organisatorisches klären.

Dann hatte ich mir wegen M/N (also dem Exorzisten) Gedanken gemacht und weil ich nur noch schwach in Erinnerungen hatte, dass ich mich mit ihm treffen wollte, habe ich ihn angerufen und wir haben vorgestern geskypt und geredet. Er hat mir von dem Treffen erzählt und dann konnte ich mich tatsächlich wieder erinnern, ja. Das war so ein unendlich anstrengender Tag, dass ich es scheinbar total verdrängt hatte. Aber ja, ich erinnere mich wieder. An seine Glaubensschwester und ihn, und dass mir die Glaubensschwester sehr sympathisch war und ich die beiden eigentlich ganz gut leiden konnte. Dann weiß ich noch ganz schleierhaft von seinem „Test“, als wir mit ihm in die Kirche sind und er da eben das Heilgebet gesprochen hat und bei einem bestimmten Satz etwas in mir drinnen passiert ist. Da wurde ja ein InnenName so unendlich laut „gegen meine Stirn“ gebrüllt von innen, als würde sie/er in mir drinnen ihm und der Glaubensschwester entgegenschreien wollen „Verpisst euch!“ Und ich erinnere mich auch noch ganz schwach an die dann aufploppenden Bilder von (TW)

einem umgedrehten Kreuz auf dem und um den herum abbrennende Kerzen stehen (das Bild sah ich in einer Perspektive, als würde ich vor dem Kreuz knien, definitiv nicht stehen, weil mein Gesicht war nur leicht oberhalb von der Kreuz-Mitte und da das Kreuz auf dem Kopf stand, kann ich nicht gestanden sein, es sei denn, es war ein gigantisches Kreuz).

TW ENDE.

Wir redeten also vorgestern eine Weile miteinander. Ich finde ihn eigentlich ganz witzig. Er ist ein wenig provokant, aber nicht auf die unangenehme Art und Weise, sondern auf eine, über die ich schmunzeln kann. Es gab nur eine Sache die mich ein wenig… wütend gemacht oder geärgert hat. Er konnte sich ja an mich und einige von uns erinnern und erzählte dann auch einiges von anderen Leuten mit DIS (ohne Namen) die er kennt und er meinte, bei DIS sei scheinbar alles möglich. Dazu erzählte er mir von einer DIS Person die jetzt 17 ist und erst  mit 13 DIS entwickelt hat. (… ich sage dazu mal nichts). Dann hat er einige Persönlichkeiten aufgezählt, zum einen auch eine mit einem japanischen Namen, der ein sehr guter Schwimmer ist usw. Die 17 Jährige erzählt, sie wäre in der Schule gemobbt worden und da wäre die DIS entstanden. Als M dann nach dem Namen gegoogelt hat, hat er festgestellt dass die aus einer japanischen Serie (einem Anime) ist und dieser Charakter 1 zu 1 dem entspricht, wie sich die Siebzehnjährige verhält wenn sie sagt, dass sie gerade dieser Anteil ist. Und er meinte, das würde ihm eben zeigen, dass DIS Leute auch „einfach so“ Persönlichkeiten entwickeln, die sie mal in einem Buch oder eine Serie gesehen haben. Und ich musste mir so verkneifen zu sagen „Oder du lässt dich ganz ordentlich übers Ohr hauen“ und gleichzeitig war ich sooooo gereizt und irgendwie wütend oder verärgert, weil ich mir denke, genau wegen solchen Menschen gerät diese Diagnose so in Verruf. Sie spielen damit und machen sich daraus einen Spaß, irgendwelche „Charakter zu entwickeln“ und behaupten dann, sie wären viele. Dass Leute die dann aber wirklich eine DIS haben gerade wegen solchen Leuten dann nicht mehr ernst genommen oder als unglaubwürdig betitelt werden, ist selten klar. Ich weiß gar nicht, wieso mich das sooooo wütend gemacht hat!!! Naja und dass dann so eine Person auch noch an M gerät, der ja dazu Youtube Videos macht und versucht über DIS „aufzuklären“ ist natürlich auch mal wieder super. Am liebsten würde ich zu diesem 17 jährigen Mädchen hingehen und ihr mal „zeigen“ was DIS ist. Oder ihr DIS „beibringen“. Sorry, dass ich da so knallhart bin, aber ich habe es mir nicht gerade leicht getan, mich damit auseinanderzusetzen und zu erfahren wie das entstehen konnte oder dass es eben nicht normal ist, wie ich lebe und mich wahrnehme. Und dann von Menschen zu hören, die solche Sachen erzählen und das dann sicher auch so in ihrem Umfeld präsentieren, da könnte ich einfach nur ausrasten.

Mir ist schon klar, dass es möglich ist, dass man bei einer DIS auch ein Tier oder eine Comicfigur oder jemand aus einem Film sein kann. Aber dass dann 90 % der Persönlichkeiten aus irgendwelchen schon bestehenden Film- oder Buchcharaktern besteht und derjenige dann behauptet, er wäre in der Schule ab der sechsten Klasse „so krass gemobbt“ worden, dass er viele werden musste (was aber ja nur im Kleinkindalter möglich ist, das überhaupt zu entwickeln), dann könnte ich durchdrehen. Zum Einen weil ich ja weiß, dass wir auch eine sehr üble Mobbinggeschichte hinter uns haben (mit Körperverletzung!), die wir n.i.c.h.t dissazoiert (oder wie das auch wieder heißt), haben, o.b.w.o.h.l wir viele sind und weil es auch genug Opfer von ritueller Gewalt gibt, die k.e.i.n.e DIS haben und sich (zu ihrem Leidwesen) noch an fast alles erinnern. Und dann kommt da so eine dahergelaufene 17-jährige blöde Kuh die sagt „mimimi, mein Leben in der Schule war so schlimm, jetzt habe ich Anteile die Harry Potter, Sasuke und Pinocchio heißen, weil ich mit 13 Viele geworden bin!“ ……….. könnte mir mal bitte jemand die Haare halten, damit ich in die Tastatur kotzen kann?

So, das wollte ich mal rauslassen, weil mich das bei dem Skype Gespräch so aufgeregt hat, aber ich habe darauf nicht reagiert und das musste jetzt echt mal raus.

Da gibt es Menschen die leiden gottverdammt noch eins unter dieser Diagnose und dann kommen da so dumme Kinder (okay, so gesehen ist sie älter als ich, aber trotzdem ist das Kleinkindverhalten) und machen sich daraus so einen Spaß und ziehen damit die Glaubwürdigkeit von wirklich Betroffenen total in den Dreck.

Und puh, darüber wollte ich eigentlich gar nicht hauptsächlich schreiben, sondern darüber, wie gut mir die Menschen oder Situationen tun, die mir bekannt sind. Und ja, da gehört nun einmal auch ein Exorzist dazu, den ich als sympathischen und zugewandten und humorvollen Typen kennengelernt habe. Aber nicht nur… auch das Gesicht meiner Chefin, das Gebäude in dem ich Arbeite und die Umgebung ist mir bekannt. Die Straßen, der Dorfplatz, das Rückhaltebecken, der ehemalige Betreuer aus der Jugendhilfe, der mich vorhin angerufen hat, damit wir morgen Abend zusammen essen gehen (eigentlich waren wir laut Kalender heute verabredet, aber das Restaurant ist zu), die Bushaltestellen, die Wälder und Felder drumherum – das sind alles Dinge, die ich noch von früher kenne, die nicht einfach verschwunden sind. Das ist wie… das sind wie kleine Lichtleuchten, die mich kurz blenden, damit ich wieder zurückfinde. Irgendwie wie so kleine Leuchttürme in der Außenwelt, an die ich mich orientieren kann. Immer wieder fühle ich mich erleichtert, wenn ich an so einen Leuchtturm treffe. Wie eben täglich dieses Bürogebäude, die bekannten Gesichter aus meiner Ausbildung, mein ehemaliger Betreuer, die Wälder und Wiesen, die Gewässer, die Bushaltestellen, die Veranstaltungsräume, in denen jedes Jahr irgendwelche Theater oder Konzerte stattgefunden haben. Das erinnert mich daran, dass ich mich nicht auflöse. Wenigstens das ist noch vertraut.

Lora

 

Zu viele Lücken

Mir fehlt von gestern sehr viel Zeit. Also, einige Zeit zumindest. Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal erwähnt habe, aber scheinbar funktionieren wir ganz anders als der Rest des „Systems“. Bzw. als alle anderen in mir. Ich habe ja schon viel gelesen wie es einigen von denen, die ich noch nicht kenne, aufstoßt, dass man sie dazu bittet eine innere Konferenz und so etwas zu schalten, weil das „unmöglich“ sei. Ich muss aber sagen, dass wie nie irgendwas anderes gemacht haben. Wenn ich nicht im Außen bin, habe ich eine innere Welt in meinen Slums und wenn alle von uns da sind, können wir uns an ein Lagerfeuer setzen und reden oder erzählen, bis auf Kali. Sie redet nicht. Das klingt verrückt, aber wenn sie uns etwas mitteilen will, dann passiert das in meiner „Innenwelt“ (eine Freundin nannte das mal ähnlich wie eine Meditation – o.k.a.y.y.y.?!), indem sie quasi an eine leere Wand schaut und auf die Wand wie einen Film projiziert, was sie erlebt hat.

Allerdings, und das ist hingegen anders und ein Nachteil von meinen Homies und den anderen Systemen von uns, kann keiner von uns mitbeobachten, wenn jemand gerade den Körper benutzt. Zumindest ist mir das noch nie aufgefallen. Hin und wieder mal nur sehr bruchstückhaft, so wie zum Beispiel letztens beim Plätzchen Backen mit Minka… (ich habe sie letztens noch Mia genannt aber in unserem Handy steht sie jetzt als Minka im „Pseudonym-Verzeichnis? Also nehme ich an, ihr werdet schon wissen, wen ich meine), Mona und … wie hieß noch gleich der Junge?… Aaaah, genau. A. Mit den dreien war Toni Plätzchen backen, aber davon habe ich so wenige blitzartige Bilder mitbekommen, dass es kaum erwähnenswert war. Jetzt musste ich gerade lachen weil ich beim Blick auf das Datum mich erinnert habe, dass wir ja schon(„erst“) September haben und das aber im November war mit dem Plätzchenbacken, das heißt, es ist schon ein Jahr her… c(:

Wir können aber nicht besonders gleichzeitig miteinander in Kontakt sein, wenn jemand nicht in den Slums ist. Das ist auch so seltsam, manchmal verschwindet einfach jemand aus unserer Gegend (in der Innenwelt), wie Jonna zum Beispiel. Das ist ähnlich wie meine reale Horror-Zeitschleife, seit ich denken kann, verschwindet Jonna manchmal und taucht dann plötzlich vollgedröhnt in irgendeiner Ecke wieder auf. Normalerweise haben Jessie und ich uns dann um sie gekümmert, aber Jessie ist ja schon seit einer Ewigkeit verschwunden. Genauso wie Kali oder Kayla oder Toni manchmal verschwinden, sich fast wie in Luft auflösen. Dann tauchen sie wieder auf, aber nie alle auf einmal, das geschieht immer nur mit einem. Meistens kommen sie dann zurück und können allen anderen erzählen, was sie erlebt haben. Daraus habe ich also geschlossen, dass wenn jemand von uns innen sich in Luft auflöst, er quasi gerade den Körper „übernimmt“. Und wenn man mich fragt, klingt das wirklich ein bisschen nach Besessenheit, weshalb ich M. damals angeschrieben habe.

Gestern war es ähnlich. Ich war in der Arbeit, daran erinnere ich mich. Nach der Arbeit habe ich eine Zeitlücke. Dann war ich in der WG und habe Wäsche gemacht und war um 16 Uhr mit Jimmy spazieren. Danach habe ich wieder eine Zeitlücke. Dann saß ich auf der Couch und habe mir Schloss Einstein angesehen. Zumindest sehe ich das Intro einspielen. Dann habe ich wieder eine Zeitlücke. Dann war L. da (ich muss sagen, ich bin ein wenig verwirrt, weil in unserem Pseudonym Verzeichnis ist L dieselbe Person wie eine andere mit einem anderen Pseudonym hier, das verstehe ich nicht … deswegen weiß ich jetzt nicht, ob dieser stimmt). Sie saß auf der Couch, vor uns lief der Fernseher (Schloss Einstein schauten wir über Youtube auf dem Laptop), der Laptop stand rechts von mir zugeklappt. Dann war ich wieder weg. Und heute bin ich aufgewacht. Ich kann mich auch erinnern, dass ich immer wieder daran gedacht habe, dass ich in mein-unser Tagebuch schreiben möchte, aber irgendwie kam ich nicht dazu.

Mit Sie & Co hatte ich Kontakt, da saß ich auch auf der Couch. Das muss kurz vor oder nach dem Schloss Einstein schauen gewesen sein und während der Arbeit. Mit Schmetterling und Frau Honig hatte ich auch geschrieben. Sie & co und Schmetterling haben mir vorgeschlagen, Frau Blume eine E-Mail zu schreiben. Aber nachdem mein Pseudonym Verzeichnis so aussieht:

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…wusste ich nicht einmal, wie sie richtig heißt. Ich kann mich gerade auch nicht mehr erinnern, wer mir ihren Namen dann nebenbei verraten hat, auf jeden Fall hatte ich dann ihre E-Mail Adresse, war aber nicht wirklich gewollt ihr zu schreiben. Wie gesagt, ich möchte keine Beziehung mit ihr eingehen. Es fühlt sich an wie eine Blockade, weil meinerseits die Therapie bei Frau Honig so war, wie wir es uns immer gewünscht hätten und es fühlt sich nicht richtig an, schon wieder eine neue Therapeutin kennenzulernen. Ich kann nicht und ich möchte nicht… Deshalb habe ich ihr nicht geschrieben. Und werde es auch in Zukunft nicht tun.

Mein Wochen-Countdown, wie ich ihn erstellt habe, existiert so auch nicht mehr. Zumindest finde ich ab Januar ca. keine weiteren. Ich war ja, kaum, dass ich den begonnen habe, dann auch schon wieder weg. Ich bin schon ein wenig froh, dass andere die ich noch nicht kenne versucht haben den weiter zu führen, aber schade, dass sich das nicht durchgezogen hat. Vielleicht brauchen die es auch einfach nicht, wenn sie so ein gutes Co-Bewusstsein haben, aber ich werde das so für mich beibehalten, sonst habe ich zu viele Lücken im Tag, die ich nicht füllen kann.

Lora

Einleben

Verdammt. Wie soll man sich in einer Welt eigentlich wohl fühlen, in der augenblicklich alles Vertraute einfach wegbricht? Oder viel eher noch: Von heute auf morgen verschwindet? Wieso hat, verdammt nochmal, n.i.c.h.t.s in meinem Leben irgendeine Beständigkeit?

Nicht einmal mehr der WordPress-Editor ist derselbe!

Lass mich kurz zusammenfassen: Letztes Jahr hatte ich Anna und ihre Freunde kennengelernt und mich angefangen in einem „Normalo-Kreis“ wohl zu fühlen und meine Ängste und Verwirrung zu vergessen (wenigstens weiß ich da noch, wie das zu Ende gegangen ist). Ich hatte eine Therapeutin, bei der ich mich gehalten und sicher gefühlt habe, die mich begleitet hat, vom ersten Tag bis zum Letzten, den ich (scheinbar) da war. Ich habe mich in die Arbeit reingewuselt. Ich habe mich zwar nicht besonders wohl gefühlt zuletzt, als ich da war, weil ich starke Suizidgedanken hatte, was hält mich noch…? Aber ich habe langsam in einen gewissen Rhythmus gefunden und mich mit den Dingen vertraut gemacht und mich (zumindest bei Frau Honig) darauf verlassen, dass da Beständigkeit ist, dass sie auch da sein wird, wenn ich wieder länger weg bin. Jetzt ist das aber nicht der Fall. Nichts von dem was zuletzt war, ist noch so. Bis auf das Zimmer in dem ich bin, wobei das nun irgendwie anders riecht als wie ich es kenne. Eine längere Zeit hatte es eine Note von Pacchioli … jetzt duftet es nach… irgendwas Vertrautem. Erstaunlicherweise sogar nach etwas, was sogar ich in irgendeinem Winkel meines Gehirnes wiedererkenne. Wenigstens das hat sich zum Positiven geändert: Wuhu, lasst uns ein paar Sektflaschen öffnen – mein ganzen Leben bricht immer wieder weg, aber hey, wenigstens der Raumduft fühlt sich nun vertraut an!

Eigentlich… wenn ich ehrlich bin, würde ich gerade einfach nur schreien wegrennen und nie wieder umdrehen. Es gibt einige Dinge die mich ein wenig erleichtern. Alles, was ich vor drei Jahren kannte: Die Arbeit (also der Ort, das Gebäude) und die Menschen, die dort schon Urgesteine sind. Wenn ich denen über den weg laufe, fühle ich mich wenigstens für einige Sekunden als würde ich aus einem Albtraum aufwachen.

Aber was mich sehr hart trifft ist der Verlust von Frau Honig. Ich weiß überhaupt nicht wie ich damit umgehen soll. Ich weiß nicht, ob ich mich auf eine neue/andere Therapeutin einlassen möchte. Sie wird immer im Vergleich mit Frau Honig stehen und ich bin mir aus irgendeinem Grund sehr sicher, dass ihr niemand das Wasser reichen kann. Ich will nicht vergleichen, aber ich weiß, dass es automatisch da ist. Ich werde es nicht abstellen können und ich befürchte, dass mich irgendwann so viel Frust einholt, dass ich am liebsten nie wieder in irgendeine Therapie gehen möchte. Nie wieder.

Am Donnerstag habe ich einen Termin bei ihr und sie ist scheinbar noch bei der Diagnostik (toll, sie weiß also wohl noch nicht einmal, dass sie es mit Vielen zu tun hat?, wie soll ich ihr dann überhaupt gegenüber sitzen? Was soll ich überhaupt sagen? Als ich letztes Jahr nach zwei Jahren plötzlich da war und ich dachte, ich müsste sterben um damit klarzukommen, konnte ich Frau Honig sofort eine SMS schreiben und ihr mitteilen, dass ich Lora bin. Ich musste nicht schauspielen, ich konnte ehrlich sein und sie ist vollkommen auf mich eingegangen. Wie soll ich das bei einer Frau, die nicht einmal weiß, dass es mich auch noch geben könnte? Vermutlich denkt sie dann sowieso ich spinne und denke mir alles nur aus). Ich werde die Diagnostik so gut es geht mitmachen und bin gespannt, was dann dabei rauskommt. Aber insgesamt bin ich eigentlich überhaupt nicht „gespannt“ oder neugierig darauf, die neue Therapeutin kennenzulernen, weil ich gar keine neue kennenlernen will. Ich möchte zu unserer Frau Honig zurück. Ich habe kein Interesse daran mich auf eine neue Therapie einzulassen. Was soll der Quatsch? Dann bin ich wieder weg, tauche wieder auf und habe wieder keine oder eine neue Therapeutin. Das kann ich nicht mitmachen. Das halte ich nicht aus. Das ist  wie als würde man in ein Haus einziehen, und es würde ständig wieder in Brand gesetzt werden. Immer wieder ein neuer Umzug. Nicht nur auf die Therapien bezogen, sondern auf mein ganzes Leben. Das Traurige an der Sache ist, dass ich noch nicht einmal ein eigenes Zuhause habe, was bedeutet, dass ich mich nicht einmal darauf verlassen kann, dass wenn ich wieder „verschwinde“, beim nächsten Mal wieder in meinem aktuell vertrauten Zimmer wieder aufwache…

Ich könnte eigentlich nur heulen. Ganz im Ernst. Ich weiß eigentlich überhaupt nicht, wieso ich das immer noch mitmache…

-Lora

Es war natürlich kein Traum

Ich war sehr müde, als ich nachts da im Bett lag gestern, ich konnte gar keinen klaren Gedanken fassen. Und heute war ich den ganzen Tag ein wenig… in mir selbst gefangen. Ich wusste nicht so wirklich was ich tun sollte, weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Schon wieder ein Jahr vorbei. Ohne mich. Als aller erstes habe ich mich heute nach dem Aufwachen hingesetzt und habe die Hefte durchgeschaut. Das Grüne ist ja voll, wir haben ein neues Rosanes. Ein neues Buch, neue Ordner. In dem kleinen rosanen Buch habe ich erfahren, wieso ich gestern verweint war, als ich da im Bett lag. Maja hatte in das Therapiebuch geschrieben. Das ist übrigens nicht ein Therapiebuch für die Therapie bei Frau Honig, sondern für eine neue Therapeutin. Wir sind schon wieder bei einer neuen Therapeutin… wir verstehen das nicht, wissen nicht wie es dazu gekommen ist.

Heute bekam ich eine Nachricht von Frau Honig und habe dadurch gesehen, dass Maja ihr gestern Nacht geschrieben hatte. Von der Uhrzeit her wohl kurz bevor ich dann da war.

Das war die Nachricht:

„Hallo…
ich habe so lange überlegt ob ich Ihnen schreiben soll oder nicht aber ich kann nicht anders. Ich hab gelesen dass die neue Therapeutin gesagt hat Sie wollen da jetzt auch einen klaren Schluss aber… ich verstehe ws nicht… ich verstehe einfach das allles nicht… den ganzen einsatz, was Sie für uns getan haben.. Sie waren der erste Mensch bei dem ich mich sicher gefühlt hab und dem wir vertraut haben und wo wir auch sicher waren, Sie würden uns begleiten und nicht einfach so abschieben… ich weiss noch wo ich das erste Mal bei Ihnen saß und da haben Sie mich wegen dem Sterben wolle gefragt… ich hatte einen Auftrag der mir angst gemacht hat und ich überhaupt nicht wusste was ich überhaupt dagegen tun könnte und sie saßen da und ich hatte das Gefühl sie mögen uns wirklich. Sie haben gesagt ich soll tied ausatmen, wissen Sie noch? Bei dem lauten ausatmen wurde ich nervös, weil ich nicht laut sein darf.. und dann war ich weg.. und weil ich nie Die chance hatte Sie wiederzusehen habe ich doch immer Briefe an sie geschrieben in ein Buch… und Sie wollten mit mir reden aber das haben Sie nie.. und jetzt bin ich da und erfahre dass wir nicht mehr zu Ihnen dürfen und Sie nicht mehr mit uns weitermachen wollten… aber wieso wollen Sie uns nicht einmal tschüss sagen? Es fällt mir schwer mich auf die neue Therapeutin einzulassen…. ich war bei Ihnen angekommen und ihre praxis und die art wie Sie mit uns umgegangen sind war mir vertraut… und jetzt… hasse ich mich dafür dass wir überhaupt DENKEN konnten, irgendwo mal anzukommen.. und hasse mich noch mehr dafür dass ich deshalb auch noch weinen muss… wie soll ich auch bei jemandem neuen ankommen wenn ich nie jemand neuen wollte?

Es tut mir leid dass ich Ihnen schreibe weil ich weiss ich wollte ihre Wunsch respelktieren dass Sie keinenKontakt mehr möchten aber wir zerbrechen uns den Kopf, wo der Punkt war an dem wir etwas falsh gemacht haben und was wir falsch gemacht haben und was wir hätten anders machen können damit Sie uns nicht abgeschossen hätten… vermutlich werden wir das nie erfahren… ist auch egal.

Ich werde ab jetzt Ihren Wunsch respektieren dass Sie keine kontakt mehr wollen…. will nur sagen… dass ich wirklich traurig darüber bin…
… liebe grüsse…maja .. und ein paar andere (glaub ich).“

Darauf antwortete Frau Honig heute damit:

„Es ging nicht anders. Ich wollte das nicht, das war für mich die einzig mögliche Lösung. Es tut mir so leid. Ihr habt nichts falsch gemacht. Ich bin auch traurig und wünsche Euch von Herzen alles Gute.“

Ich verstehe nicht was sie damit meint und es macht mich-uns ziemlich verzweifelt. Was ist denn passiert, dass das die einzige Lösung für sie war? Wie sollen wir uns auf eine neue Therapeutin einlassen, wenn wir gar keine andere wollen? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, bei einer anderen so anzukommen wie bei Frau Honig. Ich weiß nicht einmal wo die sein soll, notiert haben wir das natürlich nicht. In unserem Kalender steht zwar der Termin, aber nicht wo.

Heute habe ich fast den ganzen Tag darüber nachgedacht… eine neue Therapeutin, keime Frau Honig mehr. Nie mehr. Wieso? Wie ist das passiert und wie soll das weitergehen?

Es ist schon erstaunlich, dass ich mir kaum den Kopf über die verschwunden Monate mache, sondern eher darüber, wie es weitergehen soll. Wie ich-wir mit dem Gefühl weitermachen sollen. Wie das funktionieren soll. Nehmen wir an, ich nehme den Termin bei dieser neuen Therapeutin wahr, es wäre doch nur schwer. Sie wird immer im Vergleich mit Frau Honig stehen. So etwas ist doch nicht fair!

Ich wünschte so sehr, ich könnte wie gewohnt nächste Woche in den Zug steigen und zu Frau Honig fahren. Der Weg ist mir mittlerweile vertraut, obwohl ich selbst kaum Möglichkeiten hatte mit ihr persönlich zu reden, aber trotzdem war sie ohne Hinterfrafen für uns sofort da, hat mir durch die verwirrenden Wochen geholfen, in denen ich in diesem neuen Leben klarkommen musste…. ich hatte die Möglichkeit mit ihr in Kontakt zu treten und sie war einfach für uns da.

In meinem Kopf kommen so viele Horrorvorstellungen zusammen, nachdem ich ja letztes Jahr so viel erfahren habe… die ganzen Einträge, die zusammengefügten Puzzleteile. Ich bin und war mir ja immer noch nicht zu 100 % sicher, ob wir in Täterkontakt sind, aber wenn wir es sind, war oder ist das der Grund, weshalb sie es beenden musste? Oder haben wir irgendwas getan oder gesagt, was …einfach nicht okay war?

Um halb vier kam Lena vorbei. Sie hat total abgenommen und aus irgendeinem skurrilen Grund fühlte ich mich in damals zurückversetzt. Ich weiß nicht, ob ich davon geschrieben habe, aber ich glaube eigentlich schon, dass wir damals von einer Freundin als „fett“ bezeichnet wurden und wir dann anfingen nur noch fünf bis siebem Äpfel am Tag zu essen. Dann musste ich den ganzen Tag auch noch irgendwie versuchen aus dieser Schleife herauszukommen. Das ist mir nur bedingt gelungen.

Was gut getan hat, war mit Schmetterling zu schreiben. Sie ist noch da, sie hat Bestand, wenigstens das hat sich nicht verändert.

Oh Gott… ich habe Angst vor der Arbeit morgen. Ich weiß überhaupt nicht, was zurzeit bei uns los ist. Projekte, Veranstalungen? Zuletzt, das weiß ich noch, musste ich eine Kostenkalkulation erstellen vom Jubiläumsjahr… das hat mich schon völlig fertig gemacht, weil ich nicht wusste wo ich anfangen sollte. Ich hatte doch keine Ahnung welche Anzeigen vom Kreisboten oder was auch immer sind… ich habe nicht kapiert, immer noch nicht, dass Kreisbote und Lechkurier dasselbe sind (aber irgendwie auch nicht), und die ganzen Jubiläumsbäume, ich war maßlos überfordert mit der Aufgabe und ich weiß nun letztendlich nicht einmal, ob das erledigt wurde…

Es ist derselbe Teufelskreis wie letztes Jahr. Wenigstens habe ich jetzt keine zwei Jahre „verschlafen“. Wenigstens ist mit jetzt das Zimmer und die Menschen nicht fremd. Letztes Jahr habe ich Mona, Lena, die Betreuer und Mitbewohner ja kennengelernt. Aber trotzdem … jetzt gibt es Frau Honig nicht mehr und sie hat mir so großen Halt und Sicherheit gegeben letztes Jahr.

Ich fühle mich traurig und sehr verunsichert. Ich muss erst einmal wieder ankommen…

-Lora