Emotionale Abhängigkeit/Toxic (K … & zum Ende hin auch Co 5)

PS: Angefangen hat Kara, voll umgeswitcht zu Kim, (hey), aber kann nicht genau sagen wo, war ein schleichender Übergang..

Unser Leben läuft gerade so unabhängig von irgendwelchen Menschen wirklich eher bergauf, und daran versuche besonders ich festzuhalten, weil das etwas ist, was mir} Stabilität gibt, wenn alles andere ins Wanken gerät. Allerdings wird das, was Severin angeht, immer verwirrter und anstrengender und heute musste ich direkt in der Früh weinen, ohne erklären zu können was das ausgelöst hat.

Gestern hat uns *Lukas besucht. Den haben wir erst vor kurzem kennengelernt, er wohnt nur 20 Minuten mit dem Zug entfernt und gestern kam er eben das erste Mal zu Besuch. Wir hatten da überhaupt keine… Hintergedanken bei der ganzen Sache, lediglich jemand „Neues“ kennenlernen, quatschen, den Abend bisschen gemeinsam verbringen. Er ist echt ein sehr sympathischer und netter Kerl, Cia und Belinda sagen beide, der sähe auch sehr gut aus (mein Geschmack ist er nicht, deshalb kann ich das irgendwie nicht so unterstreichen), aber wir waren schon auf einer Wellenlänge. Ich} war ziemlich locker, eigentlich gar nicht besonders nervös, weil für mich das eben ein ganz entspannter Abend sein sollte, aber kaum waren wir dann bei uns Zuhause, wurde ich bisschen… unruhig innerlich. Ich weiß nicht, wir haben wirklich nicht das beste Selbstwertgefühl seit wir mit Severin zusammen sind, also wir sind nicht unbedingt eingebildet oder so etwas, aber kennt ihr dieses Gefühl, wenn man einfach merkt, dass jemand einen so ansieht, dass man ihm gefällt? Also mehr gefällt als bloß freundschaftlich? Ja, dummerweise gingen die Themen dann auch etwas in die Richtung… wir sprachen irgendwann über Beziehungen und ich wollte eigentlich nicht so viel über Severin erzählen, weil ich da aktuell gerade so verletzlich und verunsichert bin… aber ich ihn halt immer noch liebe und es mir nichts hilft, wenn mir dann so viele Leute den „Ratschlag“ geben, mich besser zu trennen… Also habe ich nur so halb über dieses Thema gesprochen und bin dem eher aus dem Weg gegangen. Es kam auch zu dem Thema „Sex beim ersten Date“ und wir meinten, das wäre für uns gar nicht der Fall und hatten ihm in dem Zug eben auch von Severin erzählt, wie lange wir in da haben warten lassen (nicht um ihn zu ärgern, sondern einfach, weil wir da sehr viel Vertrauen und wirklich auch Gefühle brauchen). Lukas hat das verstanden, aber er sagte, er sähe das mittlerweile anders. Er könne sich natürlich keine Partnerschaft vorstellen, in dem eines der beiden Punkten (Gefühle und Sex) nicht passt. Klar, sehe ich irgendwo auch so, allerdings kann ich auf den Sex noch eher verzichten als auf den Charakter… Er meinte dann, dass wenn er jemanden kennenlernt und sie ihm gefällt, für ihn nichts dagegen spricht relativ bald miteinander zu schlafen, weil es ja auch „vergeudete Zeit“ wäre, wenn man sich zwar in die Person verliebt und viel Zeit und Mühe investiert, das Sexuelle dann aber absolut nicht passt und das irgendwann zu Frustration führt und ganz ehrlich: Frau könnte jetzt sagen „Typisch Mann“, aber als ich darüber nachgedacht habe, habe ich festgestellt, dass ich diese Einstellung gar nicht so abwegig finde. Letzten Endes glaube ich nämlich schon irgendwie, dass diese Punkt sehr entscheidend in einer Beziehung ist. Dass man nach zehn oder fünfzehn Jahren vielleicht sexuell auch einfach wieder Lust auf Abenteuer hat und sich dann eben doch mal nach etwas Anderem sehnt. Also, ich glaube schon, dass das sehr viel Prozent der Affären ausmacht und nicht etwa, weil man sich fremdverliebt.

Für mich wäre das keine Option, wegen meiner Vergangenheit und einfach weil ich Körperlichkeiten erst zu lassen kann, wenn 100%ige Gefühle für jemanden da sind (also so, dass es sich gut anfühlt – ihr wisst, was ich andeuten will…).

Jedenfalls wollten wir Lukas so um 23:10 Uhr mit dem Zug zurück schicken und wollten ihn zum Zug begleiten, aber um 22:30 Uhr meinte er plötzlich: „Wir haben ein Problem. Der letzte Zug ist um 22:10 Uhr gefahren“

Mir} war gaaaanz unwohl, aber wir wollten uns das nicht anmerken lassen, weil er immerhin wirklich sehr freundlich und eine angenehme Gesellschaft war, aber… ja, die Themen, die Blicke und teilweise auch seine Komplimente oder unterschwelligen Komplimente… (was wir von Severin zum Beispiel nicht einmal gewohnt sind, ich kann mich nicht erinnern, dass er je zu mir} gesagt hätte, er fände mich toll, hübsch, witzig, etc…. – was mich gestern übrigens, als mir das aufgefallen ist, ziemlich traurig gemacht hat…), das alles hat uns verunsichert und instinktiv wollten wir ihn erst auf der Couch schlafen lassen, bis uns aufgefallen ist, dass wir absolut GAR nichts hatten, was wir ihm hätten als Kissen oder Decke anbieten können, außer vielleicht etwas aus der Schmutzwäsche, was ja gar nicht in Frage kam. Na gut, klar… dann haben wir erst gedacht, okay, unser Bett ist 2 Meter mal 1,80, da ist genug Platz um sich relativ fern zu bleiben und wir hätten ihm die Decke überlassen und stattdessen in Pulli und warmer Jogginghose geschlafen… der nächste Gedanke war: Hoppla, für Severin war es auch kein Problem eine Frau neben sich im Bett schlafen zu lassen und sein Bett ist kleiner als unseres und er hat seine Decke mit Sicherheit ohne Gedanken an uns zu verschwenden mit ihr geteilt. Das war zwar ein sehr kindischer Rache-Gedanke (zumal wo wir eh wissen, dass Severin uns nicht liebt und ihm das vermutlich total egal gewesen wäre), aber letztendlich war das dann für uns die Entschuldigung: Wenn es Severin nichts ausmacht Frauen neben sich schlafen zu lassen, darf er sich eigentlich auch nicht beschweren, wenn wir ausnahmsweise Mal einen Mann neben uns schlafen lassen.

Also war die Sache relativ schnell klar und wir haben heute Nacht mit Lukas in einem Bett verbracht und… es war furchtbar. Er kam uns in der Nacht doch sehr nahe, wollte sich ankuscheln und hat beim Einschlafen unser Gesicht gestreichelt und immer wieder so in die Richtung „gezogen“, um einen Kuss herauszufordern. Zumindest wirkte das so. Wir haben das gar keine Sekunde lang zugelassen, meinten zu ihm, dass wir bitte Abstand halten im Bett usw. Das hat er auch akzeptiert, er war verständnsivoll, aber ich bin nachts immer wieder aufgewacht und habe bemerkt, dass er unsere Nähe gesucht hat… und was aber das schlimmste an der ganzen Sache war, war dass wir die ganze Zeit, wirklich die ganze verdammte NAcht an Severin gedacht haben und ich} ihn mir so extrem an meine Seite gesehnt habe. Ich glaube, ich} habe mich in meinem ganzen Leben noch NIE so sehr nach einem Menschen gesehnt. Die Vorstellung, er könnte jetzt statt Lukas neben uns liegen hat sich wie eine Rettung angefühlt und wir konnten kaum erwarten, dass die Nacht vorbei ist. Ironischerweise dachte ich um 23 Uhr noch, dass ich} so müde bin, dass ich ohnehin schnell einschlafe und die Nacht schnell herum ist, aber dem war nicht so. Gefühlt war die Nacht wie eine Ewigkeit und als in der Früh der Wecker geklingelt hat (ich war schon öfter vorher wach und habe eigentlich nie richtig geschlafen), bin ich ziemlich sofort aus dem Bett aufgesprungen un dhabe mich fertig gemacht. Um 7:15 Uhr haben wir ihn zum Zug gebracht und als ich um 7:50 Uhr wieder Zuhause war, habe ich mich erst einmal auf die Couch gesetzt und habe geweint. Ich} habe so geweint und zwar nicht, weil mir in erster Linie die Situation mit Lukas unangenehm war, sondern weil ich auf einmal, Severin heillos vermisst habe. Ich hatte gefühlt haptische Schmerzen vor Sehnsucht und diese Gefühle haben mich so überwältigt, weil ich} sie einfach nicht kenne, dass ich überhaupt nicht mehr klar denken konnte. Ich wusste und weiß bis jetzt nicht einzuordenen oder zu erklären, wie das sein kann, dass ein anderer Mensch SO eine Sehnsucht nach einer Person auslösen kann. Und dazu müsst ihr wissen, dass ich besonders in den letzten Wochen, in denen Severin uns eigentlich fast pausenlos verletzt (wir fürchten uns fast schon tiefere Themen mit ihm einzugehen), überhaupt gar keine Sehnsucht nach ihm hatten. Wir haben an manchen Tagen nicht einmal an ihn gedacht. Hin und wieder haben wir ihn dann vermisst und vor allem die Zeit vermisst, wie er in den ersten Wochen zu uns war und wie er uns da behandelt hat, aber diese irre Sehnsucht und der Schmerz der da plötzlich hochkam, als Lukas gefahren ist, den habe ich so in meinem ganzen Leben noch nie gespürt. Ich meine, jemanden zu vermissen ist eine Sache, das haben wir ja in der Klinik angefangen zu lernen, aber dieses Gefühl von, dass eine körperliche Nähe eine gefühlte „Rettung“ wäre und die Sehnsucht nach dieser Rettung soooooo heftig da war, also nach Severin, das war so unglaublich unerwartet und … ich könnte selbst wieder anfangen zu weinen, wenn ich nur wieder anfange daran zu denken. Dabei könnte ich nicht einmal sagen, was mich so unfassbar traurig macht und was genau mir so sehr wehtut.

Am Wochenende hatten wir wieder ein sehr unangenehmes Gespräch mit Severin. Wir hatten ihm uns wieder so verletzlich gezeigt und gesagt, was uns wehgetan hat oder ihm versucht wieder etwas zu erklären und er hat es nicht verstanden und hat dann zum Ende hin auch noch darüber gelacht. Er meinte lachend: „Tut mir leid, aber das finde ich jetzt wirklich witzig“. Und das war das erste Mal in unserer Telefon-Karriere, dass wir einfach aufgelegt und ihm geschrieben haben, dass wir so mit ihm gerade nicht reden möchten und haben ihm eine gute Nacht gewünscht. Wir waren so verletzt, dass wir einfach schon wieder hätten heulen können und haben uns gefragt, wieso er uns so behandelt, wenn er uns doch angeblich mag? Wieso denkt er nicht vorher darüber nach, wie seine Worte wirken und tröstet, anstatt auch noch hinterher zu schlagen? In dem Telefonat ging es ja auch um diese Themen, wo er uns verletzt hatte und er meinte dann, es täte ihm leid und wäre nicht seine Absicht gewesen, aber dass wir das eben falsch interpretiert hätten.

Wir haben gestern mit Frau Blume darüber geredet, weil wir einfach überhaupt nicht mehr wissen was los ist bei uns. Wir meinten, so gesehen stimmt es ja, hat er ja nichts falsch gemacht und im Endeffekt würde ich das genauso sagen: Wenn ich etwas so sage und mein Gegenüber nimmt es anders auf als ich es meine und ist deshalb verletzt, ist es ja eigentlich nicht meine Schuld, also können wir ihm keinen Vorwurf machen.

Frau Blume meinte dazu, ja, wie die Botschaft ankommt, bestimmt immer der Empfänger, aber mit seiner Aussage, wir hätten es falsch interpretiert, hätte er uns ja wieder die Schuld zugewiesen. Wir sind Schuld, dass wir verletzt sind. Diese Aussage hat mir so Kopfschmerzen gemacht (macht es immer noch), weil dann könnte man das doch auf ALLE Gespräche beziehen. Dann kann man doch ALLE Gespräche so lenken…. und dann ist ein Mensch ja quasi IMMER selbst an seinem Leid Schuld. Aber so funktionieren doch keine Beziehungen? Wieso liegt ihm nichts daran, uns zu trösten und für uns da zu sein, sondern auch noch mit dem Finger auf uns zu zeigen und sich über unsere Verletzlichkeit zu amüsieren und dann auch noch uns Vorwürfe und Schuldgefühle machen? Wieso behandelt man jemanden so? Und obwohl wir merken, dass es so unschön ist, haben wir Sehnsucht nach seiner Nähe seit heute Früh und ich frage mich wieso. Was ist das? Lieben wir ihn wirklich so sehr, dass wir einfach gar nicht mehr klar denken können?

Ach ja… wir hatten gestern Frau Blume auch die Situation mit dem Zähneputzen erzählt, dass das Gefühle ausgelöst hat, die wir nicht als Worte oder Begriff kennen und haben ihr gesagt, dass uns diese Situation gefühlsmäßig an eine Situation erinnert hat, in der wir als 9 Jährige in der Badewanne saßen, über den Badewannenbeckenrand schauen und unsere Perser-Katze krümel auf dem Boden vor uns liegt und wie wir sie anlächeln. Diese Erinnerung existiert als Foto, aber ich weiß sofort wie ich mich gefühlt habe, wenn ich dieses Foto sehe und mit Frau Blume haben wir festgestellt, es ist ein „warmes“ Gefühl. Also vertraut und geborgen und sicher. Und was das für eine Macht sein kann, wenn er solche Erinnerungen/Gefühle in uns triggert, die uns sooo weit in unser Neunjähriges-Ich zurückversetzen kann, in einen kleinen Moment unseres Lebens von so wenigen, in denen wir uns so sicher und geborgen gefühlt haben. Da ist bei mir sofort das Stichwort Emotionale Abhängigkeit eingefallen und seitdem frage ich mich, ob wir ihn lieben oder ob wir emotional abhängig von ihm sind und wie schmal der Grat zwischen den beiden (gefühlt) sein kann. Kognitiv weiß ich, dass das en Weltenunterschied ist, aber der Verlust von beidem tut gleichermaßen weh – sollte es das wirklich sein – und wie kann ich für mich feststellen, was ich nun bin? Verliebt, oder emotional abhängig? Laufe ich einer Illusion hinterher, die er niemals sein wird? Denn er wird niemals ein Mann sein, der mich festhält und tröstet. Dieser Zug ist längst abgefahren. Wenn er das nach fast einem halben Jahr nicht tut, dann wird er damit nicht anfangen. So ein Mensch ist er scheinbar nicht. Und ich will ihn auch nicht verändern, weil ich ihn ja ganz offensichtlich genau deshalb so toll finde… (Toxic hellooooo) ja, was soll ich sagen, ufz… Uns den Wind aus den Segeln nehmen, das versuchen wir. Wir versuchen uns ständen auf dem Boden der Tatsachen zu halten. Versuchen zu sagen: „Ey guck mal! Du baust dir gerade endlich dein unabhängiges eigenes Leben auf, du brauchst absolut GAR keinen MEnschen, um glücklich zu sein! Du hast Jimmy, deine besten Freunde, eine eigene Wohnung, wir dürfen jetzt auch noch im Direktorat arbeiten, du umgibst dich mit gesunden Menschen etc.“… und immer wenn wir uns das sagen, atmen wir plötzlich weider durch und beruhigen uns und sagen uns: Hey, selbst wenn Severin uns irgendwann sitzen lässt, weil er doch plötzlich eine kennelernt wo er merkt, was es bedeutet verliebt zu sein, dann haben wir nichts verloren. Wir haben immer noch unser Leben so wie es ist und war, mit oder ohne ihm.“

Ich verstehe unsere Ängste in der Hinsicht gar nicht. Ich meine ja, durch seine Art, wie er mit uns redet oder manchmal umgeht (nicht immer weil wir in einem anderen Beitrag scon geschrieben haben wir ja auch sehr schöne Momente mit ihm und wir lieben ihn ja noch für viele Kleinigkeiten), aber trotzdem ist unser Selbstbewusstsein seit Severin zieeeeemlich im Tal unterwegs…. Und da hilft es einfach nichts, absolut GAR nichts, dass plötzlich (wirklich aus heiterem Himmel, kaum ist man in einer Beziehung, so geht es uns JEDES MAl… Karma fickt halt hart), eine Hand voll Männer um uns werben, es interessiert uns nicht, weil wir halt nur diesen einen wollen. Und das ist halt was so hart wehtut. Cia meinte heute auch zu mir, wo wir ihr geschrieben hatten heute früh … also sie schrieb das hier:

Cia und Belinda und Bahira haben wir ja auch schon den Chatverlauf gezeigt, den wir als so katastrophal empfunden haben und unabhängig voneinander waren sie sich alle einig (wir hatten sie nicht gleichzeitig getroffen), dass er sich absolut unmöglich und unsensibel verhalten hat und seitdem Cia diesen Chatverlauf gesehen hat, ist sie auch mächtig sauer auf Severin und will ihn eigentlich gar nicht mehr sehen. Ich habe keine Ahnung was wir erwartet haben, da Severin ja immer schreibt, dass wir ihn falsch interpretieren und wir überreagieren und usw… dachten wir ja irgendwie, dass Cia und Frau Blume und andere Freunde denen wir den Verlauf gezeigt und mit denen wir darüber geredt hatten, evtl auch so reagieren würden. Also dass sie sagen „Hey Mii, Sev meint es wirklich nur gut, ich kann da auch nichts Fieses rauslesen“. Aber ganz offensichtlich ist es nicht so… Ich meine, wir haben si eja nicht beeinflusst. Wir haben denen einfach unser Handy gegeben und kommentarlos, während wir Kaffee, Tee getrunken oder bei Bahira Gummibärchen gegessen haben ihre Reaktionen beobachtet und besonders Cia’s Gesichtszüge wirkten, als hätten wir noch viel wütender und verletzer reagieren müssen, als wir es getan haben. Sie meinte sogar: „Ich verstehe gar nicht wieso du noch mit ihm diskutierst, er behandelt dich wie Scheiße, das solltest du dir auf keinen Fall wert sein…“ (oder so)… aber ich sehe das nicht. Oder ich empfinde es nicht? Oder sind wir schon so gehirngewaschen von ihm, dass wir seine Denkmuster annehmen, um uns anzupassen und die Verletzungen überhaupt auszuhalten? Ich habe keine Ahnung, so fühlt sich das gar nicht an, aber wer weiß das schon…? Ich glaube wir sind aktuell zu blind emotional um da rational klar sehen zu können. Ich weiß nur, wir wären überhaupt nicht in der Lage mit ihm schluss zu machen, auch wenn uns immer mehr Leute dazu raten. Bis auf Mama. Mama sagte am Wochenende, solange ich mich wohl fühle, soll ich es mit ihm genießen und sollte es vorbei sein und er würde mich nicht wertschätzen, soll ich nicht traurig sein, es gäbe noch viele andere gutaussehende und liebevolle Männer auf dieser Welt. Ja Mama. Das sehe ich zwar auch. Aber ändert das etwas an meinen Gefühlen für diesen einen? Diese Argumente finde ich immer ziemlich schwach. Genauso wenig wie es ein Trost ist, dass da ein Lukas, Kenai und die anderen (zwei Kollegen und ein Freund von Cia) sind, die Date mit uns suchen (oder auch nicht, aber sich offenbar mehr gewünscht hätten (wie Lukas)… oder wie Kenai, der sich ja in uns verliebt hat. Das sind alles tolle Männer, keine Frage. Und traurigerweise merken wir auch, dass sie sich jeder Einzelne von denen viel mehr bemüht als es Severin tut (ausgenommen der ersten zwei, drei Wochen)… aber es.ändert.nichts.verdammt.nochmal.daran.dass.wir.SEVERIN.lieben. Gott erschieß mich bitte…

Ach aber um da mal zum Ende zu kommen. Gestern im Videocall mit Frau Blume (war übrigens bevor Lukas kam), kam noch so ein Trigerbild wie ein Dominostein der eine gaaaanze weiterere Reihe Dominoseteine umgekippt hat, wie ne Kettenreaktion von Erinnerungen, aber mit ganzen vielen Lücken, so dass man immer weider einen Stein neu umkippen musste. Und Frau Blume war Gitt sei Dank das erste Mal in so einer Situation live dabei, was uns ein bisschen geholfen hat das ernst und wichtig zu nehmen. Ich glaube wir haben die letzte Hälfte der Therapie nur noch wie verblödete Hunde in die Kamera gestarrt und stirnrzunzelnd nachgedacht, weil wir diese verdammten Erinnerungen nicht einordnen konnten. Wegen der Erinnerunge einer verdammten Meerjungfrau-Barbiepuppe. Die hat das ausgelöst. Alter Falter. aber dazu schreib ich später, falls ich da noch da bin. Zurzeit sind nachmittags eeher die Kinder weider im Außen wenn Toni nicht da ist und schauen Lady Bug auf Netflix. Ja, hello Weihnachtszeit. wie gesagt, karma fickt hart. Mal gucken wie das jetzt alles weiter läuft. Am besten nicht so viel auf Severin konzentireren, das tötet nur unsere rationalität und unsren Wert. Lieber vor Augen halten was wir unabhängig von ihm haben (auch wenn wir heulen könnten, weil wir so gern unser Leben mit ihm teilen wollten…. WIRKLICH?? HAHA WAS WIRKLICH?) sorryyyy. Jetzt switchts grad schneller als wie wenn man bei Mario Kart auf ner Banane ausrutscht weil ich Lady Bug angesprohen und irgendwas aktiviert habe, deshalb Ciao Kakao fürs erste und vielleicht bis später ode rmorgen wo wir versuchen zu erkören was da für zusammenhanglose aber klare Erinnerungen wieder hochkamen

Es geht eher bergauf (K)

Ich bin zurzeit, was mein äußerliches Umfeld angeht, ziemlich zufrieden. Gestern war meine Mum zu Besuch und irgendwie hatten wir eine echt schöne Zeit. Ich merke zunehmend, dass ich den Besuch meiner Eltern nur dann nicht genießen kann, wenn mein Vater mit dabei ist und habe dafür ein schlechtes Gewissen…

Meine Mutter und ich haben gestern zusammen gekocht. Das erste Mal in unserer eigenen Küche. Die ist zwar noch nicht ganz fertig, weil das Waschbecken fehlt und uns einige Standard Kleinigkeiten noch fehlen, aber es war möglich und irgendwie schön! Währenddessen haben wir nochmal die Wohnung umgeräumt. Die Couch an eine andere Wand geschoben, einige Schränke in Räumen ausgetauscht, etc. Es wird immer gemütlicher und ich} fühle mich immer mehr Zuhause, das ist wirklich schön!

Besonders als Lena am Samstag zu Besuch war, war ich wirklich so glücklich zu merken wie es sein wird oder sein könnte, wenn sie wirklich irgendwann hinterher zieht. Es ist wie wenn ein Kindheitstraum in Erfüllung geht. Mit einer „BFF“ zusammenziehen. Und die Freude ist wirklich so groß …

Außerdem haben wir letzte Woche im Direktorat aushelfen dürfen und das hat uns so gut getan. Auch die Probezeit im Spendenreferat ist gut. Wir haben einfach wirklich viel zu tun und ich finde es absolut großartig. Vermutlich setzen wir uns nächste Woche zusammen um zu besprechen, dass ich auch noch im Direktorat Stunden bekommen kann. Das würde mich überdimensional freuen.

Umso länger wir aus dieser WG raus sind, desto mehr blühen wir irgendwie auf. Unser Leben nimmt endlich wieder Fahrt auf, es geschehen Dinge, wir lernen Menschen kennen, wir haben wieder Inspiration zum Zeichnen, Malen, Musik machen, gehen wieder gerne spazieren und sind nicht mehr gereizt von Begegnungen. Ich denke, das Leben in dieser Einrichtung hat uns ganz und gar nicht gut getan. Freiheit ist ganz offensichtlich viel gesünder und wichtiger als Sicherheit. Klar waren wir vielleicht „beschützter“, aber ein Vogel, der in einem Käfig gefangen gehalten wird, nur damit er von keiner Katze gefressen werden soll, würde glaube ich auch lieber in Freiheit leben und riskieren von einer Katze gefressen zu werden, als ein Leben lang nicht fliegen zu dürfen.

Ein Teil von mir trauert sogar ein wenig den vielen Jahren hinterher, die wir so „weggesperrt“ waren. Es ist genau wie mit der Kindheit. Man kann Dinge nicht nachholen. Freunde die in unserem Alter sind haben ganz andere Dinge erlebt und unternehmen können als wird. Klar sind sie unter anderen Umständen aufgewachsen, aber wären wir nicht so von diesem „Helfersystem“ gefangen gewesen, hätten wir mit 18, 19, 20, 21 viel mehr auf unseren Beruf aufbauen können um Geld zu verdienen, wir hätten vielleicht reisen und gesunde Beziehungen aufbauen können (was in einem Umfeld mit ausschließlich psychisch Erkrankten nun einmal kaum bis gar nicht möglich ist). Es klingt diskriminierend, ist aber leider Fakt. Es ärgert mich. Jetzt sind wir bald Mitte Zwanzig und haben gefühlt die wertvollsten Jahre unseres Lebens… sie sind einfach weg. Und nichts kann sie uns zurückgeben.

Deshalb wollen wir jetzt aufholen. Wir wollen so gut wie alles aufholen, was wir nicht haben aufholen können/dürfen und irgendwie… macht das ziemlich Lust zum Leben…

Außerdem haben wir auch die Therapiezeiten geändert, so dass wir jetzt Freitags frei haben. Das ist in der Hinsicht gut, dass wir merken, dass wir uns Donnerstag viel mehr auf die Themen einlassen können, weil wir nicht das Gefühl haben am nächsten Tag funktionsfähig sein zu müssen, sondern drei Tage erholen können, sollten die Themen mal sehr tief/traumatisch werden.

Ich glaube, dass wir aus der WG raus sind, ist das Beste was uns je passieren konnte.

Etappenweise (K)

Langsam wird es wirklich gemütlich in unserer Wohnung. Es fehlen eigentlich nur noch Wohlfühl-Details. Ein paar Lampen, Vorhänge, Teppiche. Noch ein Vorratsschrank für die Küche und noch zwei Kommoden für das Bad oder ein Waschbecken-Unterschrank. Vom JobCenter kam noch keine Genehmigung für den Zuschuss, diesen Monat müssen wir also doch auch noch alleine stemmen. Aber egal. Ich habe gestern erfahren, dass uns eigentlich sogar noch Kindergeld zusteht. Aber ich glaube, das kriegen noch meine Eltern. Muss ich mal in Erfahrung bringen.

Morgen haben wir wieder eine Videositzung mit Frau Blume und gestern haben wir noch etwas erfahren, was uns unglaublich glücklich gemacht hat: Sie & Co. werden sehr wahrscheinlich hier runter fahren und das wäre das erste Mal nach vier Jahren, dass wir uns endlich mal real sehen. Seit 2018 haben wir eigentlich so gut wie täglich über Whatsapp Kontakt und sie hatten uns ja auch schon Klamotten geschickt, die sie nicht mehr brauchten usw. Wir fühlen uns komischerweise so verbunden und es ist schon komisch, wenn man mal ein paar Tage nichts voneinander hört. Die Vorstellung sich zu treffen ist irgendwie witzig, manchmal machen wir Späße, wie das ablaufen könnte, dass wir bei Kaffee und Kuchen sitzen und auf einmal sagt einer von uns: „Wer bist du und was machst du in meiner Wohnung?“

„Das ist doch meine Wohnung!“

Die Vorstellung ist ziemlich witzig, aber eher unwahrscheinlich. 😀 Sie & Co. sind ja die Personen, die wirklich alles über uns wissen und denen wir auch immer alles geschickt hatten an Dingen, die man speichern könnte/sollte. Fotos, Audios, Videos… Screenshots von Texten oder Sprachnachrichten von Senta z.b. oder, oder und sie sind auch die einzigen, denen wir zu 1.000.000 xxxxx % vertrauen, was uns und unsere Hintergrundgeschichte angeht 🙂 Dass wir uns jetzt tatsächlich endlich mal sehen, finde ich total klasse. Vermutlich wird das nicht einmal merkwürdig, weil durch die vielen Sprachnachrichten und die von Anfang an „Verbundenheit“ und das „Gleich-Denken“ usw. kommt es uns gar nicht so vor, als lebten wir 800 km voneinander entfernt.

Wie regeln Menschen ihre Finanzen? (K)

In meiner Pause musste ich mich mal hinsetzen und auflisten, wie die nächsten Monate für uns aussehen. Da wir für die Küche noch ein Spülbecken brauchten und für die Jacken einen Garderobenhänger, habe ich die bestellt und kann sie auf 3 Monatsraten bezahlen. Obwohl ich die günstigsten Sachen rausgesucht habe (Spülbecken + Wasserhahn 140 Euro!!!) und auch den günstigsten Garderoben-Haken-was auch immer (20 Euro), ist das trotzdem noch verflucht teuer. Irgendwie finde ich es dreist, für z.b. einen Spülbecken und Wasserhahn so viel mehr zu verlangen als für eine kleine Wandgarderobe, die eigentlich nicht existenziell wichtiger als ein Spülbecken wäre…

Solange die drei Monatsraten laufen, sind wir sowieso ziemlich im Schwanken, aber im Dezember sind wir wenigstens für fast drei Wochen bei den Eltern, da können wir dann mit den Ausgaben für Essen und Hygiene Zeug sparen und das evtl für März weglegen. Im März habe ich nämlich nicht den geringsten Schimmer, wie wir das wuppen sollen. Ich frage mich wirklich wie andere Menschen, die jetzt zum Beispiel von Hartz IV leben, überhaupt überleben? Und die haben ja meistens auch noch Kinder PLUS Haustiere. Ich weiß, dass Jimmy uns viel kostet, aber es gibt gar nichts daran zu rütteln, wir können weder die OP-Versicherung, noch sein Tierarzt-Konto einfach auflösen, das wäre absolut verantwortungslos und dann müssten wir ihn abgeben, weil solche Menschen keine Haustiere halten sollten – meiner Meinung nach. Und ihn abgeben ist immerhin keine Option.

Dann haben wir überlegt, ob wir das Fitnessstudio doch streichen. Das würde uns 30 Euro einsparen, aber ich denke mir die ganze Zeit, dass das doch nicht wahr sein kann… dass wir nicht einmal einem einzigen Hobby nachgehen können-dürfen, weil wir kein Geld haben? Ich weiß, wir dürfen uns nicht beschweren, einen Hund zu halten war unsere freie Entscheidung und wir bereuen es nicht – allerdings hatten wir damals auch noch 10 Stunden mehr arbeiten, und somit auch mehr verdienen dürfen. Da hatten wir nie so gravierende finanzielle Sorgen. Ich kann einfach gar nicht verstehen, wie wir das die letzten zwei Jahre so durchgestanden haben (bevor wir unseren „Nebenverdienst“ hatten) – aber das wollen wir ja eigentlich auch nicht mehr. Aber haben wir eine andere Wahl? Die Entscheidung wäre ja: Entweder Jimmy abgeben oder prostituieren. Über diese Frage müssen wir aber nicht einmal nachdenken. Oder wir lassen es, wie es ist, aber wie zum Teufel lebt man dann? Vom JobCenter kriegen wie ja schon einen Zuschuss. Und wir werden hoffentlich auch noch fünf Stunden aufstocken dürfen in der Woche, aber das wird uns auch nicht viel helfen. Dann denke ich mir jedes Mal: In dieser Welt darf man nicht krank sein (psychisch), wenn man überleben möchte (existenziell – ohne auf Freunde, Freizeit und Familie verzichten zu müssen). Sollen wir vielleicht doch die Therapie beenden und 40 Stunden arbeiten – so tun, als wäre nie etwas gewesen? Ich denke schon, dass so etwas möglich ist. Millionen von Menschen schaffen es, sich zu überarbeiten und merken den Leistungsdruck gar nicht mehr. Das ist ja alles im Prinzip nur ein Gewöhnungseffekt. Aber unsere Chefin möchte ja gar nicht mehr als 15 Stunden in der Woche – wir seien in der Hinsicht arbeitstechnisch ausgelastet. Aber vielleicht könnte ich im Direktorat aushelfen. Dort hatte ich gestern helfen dürfen, weil Billy zu viel zu tun hatte, weil sie viele Leute vertreten musste, und ich muss zugeben, das hat mir Spaß gemacht. Das war eine angenehme Überforderung. Also keine negative… sondern genau richtig. Genau genug, um über nichts außer Arbeit nachdenken zu können, aber nicht so viel, dass wir in Stress geraten wären…

Vermutlich wird das unsere einzige Option sein… falls wir im Spendenreferat die 5 Stunden kriegen, könnten wir evtl. fragen, ob wir dann noch 10 oder 15 Stunden im Direktorat arbeiten dürften. Gut, dann hätten wir drei Jobs, aber zumindest hätten wir dann auch mehr Geld. Ist besser als mit irgendwelchen widerlichen Männern schlafen zu müssen. Selbst wenn das weitaus mehr Geld bringt – ich kann das nicht mehr… ich kann mich aktuell nicht dazu überwinden, obwohl mir täglich noch mehrere Männer schreiben, mit denen wir schon etwas hatten. Aber ich entschuldige mich jedes Mal mit „zu viel um die Ohren“, „keine Zeit“, „ich bin krank geworden“. Was ja nicht einmal gelogen ist, aber trotzdem keine Ausrede, denn in einer Stunde am Tag könnte ich 200 Euro einstecken. Nur 60 Minuten, in denen wir abstellen müssten… bewusst dissoziieren. Oder bzw. automatisch, denn bewusst eingesetzt haben wir das ja nicht. Ich kann mir zum Beispiel beim besten Willen nicht erklären, wie wir das mit dem einen dicken Österreicher in seinem BMW damals ausgehalten haben, denn dieser Geruch der uns direkt danach noch in der Nase hing… das war so grauenvoll, nur der Gedanke daran triggert schon irgendwas und lässt mich vorstellen, wie wir uns die Haut abreißen und unter heißes Wasser stellen müssen, um das auszuhalten – oder nicht aushalten zu müssen. Aber während dieser einen Stunde haben wir nichts dabei gefühlt. Es lief einfach wie in einem schlechten Film, als hätte ich mich} aus irgendeiner Ecke im Auto beobachtet. Ich} habe mir nicht den geringsten Ekel ansehen lassen. Wie zum Teufel ist so etwas möglich? Ich frage mich, ob wir uns einfach zu viele Gedanken darum machen im vornerein – und es nicht einfach tun sollten, ohne nachzudenken. Denn damit leben können wir ja. Es hat nichts verändert psychisch. Wir fühlen uns dadurch nicht schlechter – aber dafür konnten wir über den Monat kommen. Und uns sogar Kaffee und Kuchen und Besuche bei Freunden leisten…

Ich bin echt total verwirrt weil ich mir nicht erklären kann, wie Menschen, die kein Geld haben und an Traumafolgen leiden, überhaupt leben können. Man darf doch gar nicht eine Traumafolge haben, sowas gibt es doch gar nicht, wenn man existenziell irgendwie über die Runden kommen möchte, oder?… aaaah…

Ganz schön paradox diese Jahreszeit… (K)

Ich bin durcheinander. Als ich gestern einkaufen gegangen bin nach der Arbeit, ist mir aufgefallen, dass es mir sehr gut geht. Der Geruch von Winter, der erste Schnee der liegen geblieben ist, das Rutschen auf dem eisigen Boden, die Kälte, das alles hat mich irgendwie aufgemuntert. Dabei habe ich darüber nachgedacht, wie schräg das eigentlich ist, wo eine Woche vorher noch alle erdenklichen PTBS-Symptome den ganzen Tag da waren. Die sind wie ausgelöscht. Ich habe zwar aktuell noch Erinnerungen an so vereinzelte Sachen (die „Pop-Up-Benachrichtigungen“ im Frontallappen), aber die sind nicht mehr belastend, höchstens merkwürdig.

Gestern, als wir mit Toni abends dann noch einmal einkaufen gegangen sind, waren plötzlich sogar Lou und Max im außen, so wie wir es normalerweise eben kennen – und sind den ganzen Weg bis zum Rewe an der Straße entlang geschlittert (sie war gefroren). So, dass Toni uns die ganze Zeit am Rucksack festgehalten hat, aus Angst, dass wir auf die Straße fallen, die ausgerechnet auch noch die Hauptstraße ist. An den Einkauf selber kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Im Kontakt mit Lou und Max kann ich mich darüber austauschen, aber ich war ab dem Punkt, wo man zum Müller einbiegt, nicht mehr im Co-Bewusstsein.

Letzte Woche hatten wir übrigens eine Video-Sitzung mit Frau Blume, die sehr gut war. Ich bin nur überrascht, wie wir letzte Woche hinbekommen haben. Eigentlich waren wir sehr krank (erkältet) und hatten uns am Montag krankschreiben müssen, weil wir Samstag vor einer Woche nicht einmal aus dem Bett raus konnten. Wir hatten allerdings für Montag einen Hautarzt Termin ausgemacht, auf den wir über einen Monat gewartet hatten und den wir auf keinen Fall absagen wollten. Also sind wir nach dem Hausarzt Besuch noch zum Haut-Arzt gefahren und waren somit den ganzen Tag unterwegs (Zugfahrt). Am Dienstag kann ich mich nicht erinnern, was wir genau gemacht haben. Ich glaube, da haben Toni und ich die ganze Wohnung „leer“ geräumt, und wir haben den ganzen Tag damit verbracht mit sieben verschiedenen Leuten aus E-Bay einen Zeitpunkt zu vereinbaren und die Abholung von 16:30 – 19:00 Uhr zu organisieren, was gar nicht so einfach war, weil Toni zwar einen Führerschein, aber kein Auto – und schon gar keinen Hänger – hat und wir beide nicht das Geld, um uns so etwas zu mieten. Also mussten wir doppelt organisieren und das war echt aufwendig und nervenzerreibend, weil wir das schon eine Woche lang versucht hatten. Erst wollte Mona uns helfen, aber dann hat sie Dienstag ihren Impftermin bekommen, dann fragten wir beim Fuhrpark unserer Einrichtung an, da wäre das Mieten eines Busses günstiger als irgendwo anders, aber dann bekamen wir Freitag, also am 19.11. einen Anruf, dass der Bus defekt ist und wir mussten wieder etwas neus organisieren und wieder allen Menschen bei Ebay absagen… dann riefen wir bei einem anderen Unternehmen an, das auch eine Tochterfirma unserer Arbeitgebers ist, die hätten einen passenden (und auch günstigen) Transporter gehabt, wofür wir dann zwar auf Jimmys Tierarztkonto hätten zugreifen müssen, für die 150 Euro Kaution, aber die wären ja wieder zurück gekommen. Nur war dann das Problem, dass dieses Unternehmen 15 km entfernt war und, nach wie vor, Toni kein Auto hat und wir niemanden gefunden haben, der uns hätte fahren können, um diesen Transporter abzuholen… letzten Endes hat dann der Chef von Toni gesagt, dass er nach der Arbeit ab 16 Uhr mit uns die Sachen abholt, weil er einen Transporter hat. Die E-Bay Leute waren schon entnervt von dem ganzen hin und her. Fragt mich} mal. Ich hatte gar keine Lust mehr. Am Mittwoch waren wir dann also unterwegs, einen Haufen Möbel abholen. Bis 19:30 Uhr hatten wir es geschafft und das war auch stressig, da wir erst bei einer Familie vorbei mussten, die Kleinkinder hat, eine andere Frau aber die ganze Zeit gestresst hat, wir sollten doch bitte bis spätestens 19 Uhr da sein. Ich war soooo entnervt. Wir sind den ganzen Nachmittag von A nach B gefahren, ohne Pause und waren am Ende (mit Möbel abladen), erst um 22:00 Uhr fertig. Wir sind um 22:30 Uhr tot ins Bett gefallen. Donnerstag sollten dann Leute von Hermes zwischen 7 und 11 Uhr kommen, um unseren Schrank zu bringen und aufzubauen. Wir konnten die Nacht nicht schlafen und ab 3:30 Uhr konnten wir nihct mehr einschlafen, also sind wir wach geblieben – todmüde. Die Hermes Leute waren dann aber erst um 14 Uhr da. Alles okay, wir regen uns über solche Sachen nicht wirklich auf. Um 16 Uhr waren sie mit dem Aufbau fertig und wir mussten unseren Schrank erst einmal einräumen, um 16:30 Uhr hatten wir dann aber die Videotherapie mit Frau Blume, in der wir über die Beziehung zu Severin gesprochen haben. Danach haben wir den Schrank weiter eingeräumt und waren um 20 Uhr ca. fertig.

Am Freitag hat es uns dann noch einmal komplett zerlegt. Wir sind wieder richtig krank geworden und haben uns dann mit Müller-Produkten zugedeckt Vitamine, Erkältungs-Syrups, Tee’s, usw. Toni und unser Vermieter haben währenddessen den ganzen Tag die Küche eingebaut, wo sie hin und wieder unsere Hilfe gebraucht haben, also da konnten wir auch nicht so wirklich kurieren, aber irgendwie sind wir dann doch gesund geworden. Am Samstag kam dann Severin.

Es war ein außerordentlich seltsames Wochenende mit ihm. Wir hatten uns fünf Wochen nicht gesehen, dazwischen war dieses furchtbare „Gespräch“ über Signal und eine emotionale Distanz… Wir waren letzte Woche auch sehr entschlossen uns zu trennen, vor allem nach dem Gespräch mit Frau Blume, das uns viel Klarheit geschafft hat. Wir möchten uns in einer Beziehung nicht klein fühlen. Am Wochenende war es dann seltsam, weil mich einiges an Severin gestört hat. Seine Wut und Gehässigkeit gegen die *ona-Politik und die Deutschen, die nichts gegen die offene Diskriminierung unternehmen. Toni und Severin haben sich lange darüber unterhalten, wir saßen nur daneben und haben zugehört. Uns ärgert das auch alles und macht sehr vieles wütend, aber es bringt nichts, das tot zu diskutieren. Ich sehe vieles wie Severin, aber Gehässigkeit bringt nichts. Es kostet nur Energie. Er verstand nicht, wieso die Deutschen keine Sammelklage verfassen, wie in anderen Ländern auch, wo dann viele Maßnahmen nicht greifen können, weil sie eben nicht in Ordnung sind. Als wir uns, während Toni und Severin darüber diskutierten, informierten, lasen wir wie viele Klagen es eigentlich schon gab und als ich das alles las, hat mich mein Gefühl, was den Deutschen Staat angeht, noch viel mehr frustriert, beängstigt und verärgert. Zum Beispiel:

(…) Dazu kamen seit Ausbruch der Pandemie 468 Verfassungsbeschwerden, die zusammen mit einem Eilantrag eingereicht wurden. Hier sind 372 bereits entschieden – lediglich ein Eilantrag hatte Erfolg. Aus dem Jahr 2020 sind nur noch drei Verfahren offen, aus 2021 sind es 93. Insgesamt waren beim Gericht Ende Juli noch 178 von ursprünglich einmal 696 Verfassungsklagen anhängig. Hier sind sämtliche Verfahren mitgerechnet, unabhängig davon ob es einen Eilantrag gab oder nicht. (…)

Mir hat das als Leser das Gefühl gegeben: Dem Deutschen Staat sind die Anliegen ihrer Bürger sch*egal, sie nehmen sich nur raus, was in IHR Gesetz passt – das sie biegen wie sie wollen.

Ich habe die Seiten geschlossen und gar nicht weiter gelesen. Ich will mich mit der Politik (egal welches Land und welches Thema) nicht befassen. Seit es *ona gibt, fühlt sich für mich nichts mehr nach „Freistaat“ an. Aber darüber haben wir hier im Blog noch nie geschrieben und wollen auch gar nicht damit anfangen. Wir haben genug andere Probleme, auch wenn die Diskriminierung nicht gerade hilfreich ist – u.a. dass wir aktuell nicht einmal mehr zur Therapie fahren können/dürfen.

Jedenfalls, abgesehen davon, fanden wir auch blöd, wie er manchmal Bemerkungen über Jimmy gemacht hat. Er zeigt ganz deutlich, dass er nicht sein bester Freund wird. Aber seis drum. Wir stehen hinter unserem Hund und der ist und bleibt auf Platz 1. Tagsüber hatten wir die ganze Zeit das Gefühl, ihn unterhalten zu müssen und ich glaube, das ist ein Problem an Fernbeziehungen. Ich möchte meinen Partner nicht unterhalten und beschäftigen und jedes Mal „tolle Sachen planen“ (was aktuell eh nicht möglich ist) – sondern auch mal einen Alltag einkehren lassen. Und ich habe gemerkt, diese Routine-Sachen haben sich dann wiederum sehr richtig und gut mit ihm angefühlt. Das Abendessen, das Frühstücken, das Kuscheln und gemeinsame Lesen. Wir gehen mittlerweile sogar zusammen duschen, er hat uns, als wir dann zitternd im Handtuch standen nach dem Waschen, die Zähne geputzt, was auch wieder witzig und irgendwie total die Couple-Vibes waren und wir haben schon auch sehr schöne Momente mit ihm. Besonders eben das zu Bett gehen und Aufwachen sind sehr schön. Auch wenn wir uns 5 Wochen nicht gesehen haben, unsere Körper sind wie Puzzleteilchen, die sich schon total aneinander gepasst haben. Egal in welcher Position wir liegen, es ist gemütlich und fühlt sich geborgen an und in solchen Momenten vergessen wir dann, dass der Tag eigentlich eher blöd und unangenehm oder schräg war.

Wir haben uns also nicht getrennt und ich habe keine Ahnung, was ich von der Beziehung halten soll, weil ich faktisch sehe, dass wir eigentlich „nur“ körperlich extrem abhängig von ihm sind. Diese Momente die diese Routinen im Alltag unterstreichen, die fühlen sich einfach zu gut an, als dass wir sie aufgeben wollen… ach, ist das seltsam. Ich habe keine Ahnung… und will auch dazu aktuell keine Entscheidung treffen.

Alles in Allem ist alles aktuell irgendwie ziemlich schräg. Ach so, und gestern sind wir dann beim Einkaufen einem ehemaligen Betreuer aus der Jugendhilfe über den Weg gelaufen, mit dem wir früher auch Lieder aufgenommen haben. Wir sind zu ihm und haben kurz gequatscht und dann meinte er, dass wir uns in der Arbeit einen ganz schönen Namen gemacht hätten. Mir hat sich da sofort der Magen zusammengezogen, weil nach allem, was passiert ist und was man über mich weiß, es bestimmt nichts Gutes ist und ich eher mit Geläster gerechnet hätte, wie: „Die ultra-gestörte, die niemals ihr Leben auf die Reihe bekommt“ etc. Aber sattdessen meinte er im selben Satz, dass man mich in den Gesprächskreisen (= zum Beispiel Versammlungen von PR-Beauftragten usw) in hohen Tönen loben würde und er klang dabei ganz stolz. So wie: „Ja, das war mal meine Jugendliche“. Und ich meinte zu ihm, das würde mich sehr überraschen, weil ich nicht wusste, dass man so über mich sprechen würde, lediglich weiß ich von meiner Chefin, weil sie das oft sagt dass sie mich} nicht hergeben wolle. Wenn in Gesprächskreisen wirklich über mich gesprochen werden sollte, dann könnte ich ihre Äußerungen dazu jetzt auch mehr verstehen, aber ich bin überrascht, weil der Direktor so oft Andeutungen macht, wir seien zu oft krank, nicht leistungsfähig genug, etc. pp. – wenn wir mehr Stunden wollten, müsse er sich auf eine verlässliche Mitarbeiterin einstellen können…. Das klingt jetzt alles sehr negativ für ihn, er meint es eigentlich sehr gut mit uns und er hilft uns verdammt oft aus der Patsche. Aber mich wundert einfach diese Ambivalenz unsere Umfelds. Oder wir nehmen uns einfach viel furchtbarer wahr, als wie wir wirklich sind. Ich hab keine Ahnung. Auch darüber kann ich aktuell nicht nachdenken und Gott sei Dank müssen wir in dem Fall auch keine Entscheidungen treffen.

Trennungen planen

Ich kann einfach nicht glauben, dass uns das wirklich passiert ist und wir das jetzt erst merken. Ich denke, der Chatverlauf vor eineinhalb Wochen mit Severin hat uns sehr geprägt. Wir hatten zwar vorletztes Wochenende sogar telefoniert und darüber diskutiert/gesprochen, aber am Ende des Gesprächs merkte ich, ich war nicht mehr wütend, weil er alles irgendwie erklären konnte. So, dass ich mir klar wurde: Hey, wir haben wohl wirklich überreagiert. Seine Begründungen sind total logisch, etc. pp.

Paar Tage später, und selbst heute noch, denke ich über den Chatverlauf nach und immer wieder kam mir irgendwas bitter vor. Auch, wenn seine Erklärungen alle plausibel waren und er am Telefon wie ein Unschuldslamm gesprochen hat, der nur das Beste möchte und nur Lösungen, keinen Streit will und ja alles nicht böse meint und ich alles nur falsch verstanden hätte… einige Aussagen von ihm sind doch irgendwie unverzeihlich gewesen. Wir konnten irgendwie unserer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen. Das ist ja nichts Neues. Seit wir ihn kennen zweifeln wir ja an vielem, was wir denken oder wie wir denken, weil er alles so logisch und unkompliziert erklärt, bis wir uns überhaupt fragen, was überhaupt unser Problem ist. Die ersten Wochen war das traumhaft für uns, weil wir ja dadurch auch etwas losgelöster waren – nur klar, die Probleme verschwinden nicht, denn ganz offensichtlich existieren sie, selbst wenn Sev es schafft sie super einfach aussehen zu lassen. Oder als gar nicht vorhanden.

Gemerkt haben wir das aber erst in der letzten Woche. Ich kann nicht verstehen, dass wir so verliebt waren, dass wir diese Manipulation nicht erkennen konnten. Viel, viel, viel erschreckender finden wir aber, dass jeder mit dem wir geschrieben und bei dem wir nach Rat gefragt haben, zu uns sagten, wir sollen die Beine in die Hand nehmen und uns auf der Stelle trennen, weil er Gaslighting betreiben würde und er ganz offensichtlich ein Narzisst ist. Das würde sich immer so weiterdrehen.

Ich habe keine Ahnung, was jetzt auf uns zukommen wird. Dadurch, wie er uns im Chat vor eineinhalb Wochen behandelt hat, haben wir wirklich sehr viel an Gefühlen für ihn verloren. Es ist eher ein kleiner Schock, aber vor allem Traurigkeit darüber da, dass er überhaupt nicht das ist, was er zu sein scheint. WIr können zwar nicht wirklich glauben, dass er wirklich ein Narzisst ist… aber nachdem wir viel recherchiert und uns informiert haben, steht auf jeden Fall außer Frage, dass er Gaslighting mit uns betreibt. Es ist echt komisch, denn bei jedem Konflikt haben wir tief in uns drinnen gespürt, dass irgendwas gerade falsch läuft und wir sehr wohl richtig empfinden und denken, aber immer im Laufe einer Diskussion mit ihm, haben wir plötzlich den Fehler nicht mehr bei ihm, sondern bei uns gefunden und immer haben wir uns am Ende entschuldigt oder um Verzeihung gebeten, obwohl wir, wenn ich darüber nachdenke, dafür gar keinen Grund gehabt hätten, außer dem, dass, falls er Recht hätte, wir überreagieren oder überempfindlich seien oder so etwas. Dabei frage ich mich, was das nun genau bedeutet. Unseren Freunden haben wir allen den Chatverlauf gezeigt und die sagten alle, die hätten nicht im Leben so ruhig bleiben können wie wir. Besonders bei Cias Gesichtszügen war deutlich zu lesen, dass sie schon während dem Chat die Beziehung beendet hätte. Und wir haben noch so oft versucht ihn in Schutz zu nehmen, weil das ja eben seine Eigenarten seien… aber nö- Von Anfang an hatte er es einfach total gekonnt raus uns so zu biegen und denken zu lassen, wie es für ihn bequem ist. Und komischerweise ist er NIE Schuld an irgendwas. Immer liegt der Denkfehler oder der Fehler in der Wahrnehmung oder an dem was wir fühlen oder empfinden oder verstehen an uns.

Das kann unmöglich stimmen. Und eben seit dem letzten Chat ist da etwas, das uns seit eineinhalb Wochen nicht mehr loslässt. Obwohl es wieder oberflächlich freundlich scheint, in uns spüre ich irgendwo eine ganze tiefe Missachtung ihm Gegenüber. Weil uns auffällt, dass noch nie eine Entschuldigung oder ein Einsehen von ihm kam, dass gewisse Sätze die ihr er schrieb, überhaupt nicht okay waren. Ich musste gerade echt nochmal den Chat durchlesen, weil ich mich gerade gefragt habe, was genau eigentlich nicht okay war und dabei merke ich schon, wie krass er uns eigentlich an der Angel hat… aber nicht nur in seinem Kontakt… ich merke das gerade immer häufiger, dass wir unsere eigene Wahrnehmung total in Frage stellen und viel öfter ganz viele Leute fragen, weil wir uns einfach nicht mehr sicher sind. Dass sich das erst in der Beziehung mit Severin eingeschlichen hat, das ist mir nie wirklich aufgefallen…

Und als ich gerade den Chat nochmal überflogen habe, ist mir soooo unwohl geworden. So richtig end in der Brust und wie in die Ecke gedrängt. Jedes einzelne Wort, das wir geschrieben haben bzw. jeden Satz, hat er irgendwie so umgedreht, dass sie zu seinem Vorteil sind und in die Richtung führen, in die er uns haben möchte. Oder hat Dinge geschrieben/umgeschrieben, die wir so NIE gesagt oder geschrieben haben… Ich kann mich gut erinnern wie wir an dem Abend fast bei jedem seiner Antworten total verwirrt auf das Handy gestarrt und gedacht haben: „WTF?“ Weil das irgendwie gar nicht die Ausgangsfrage von uns war. Oder unser Anliegen. Am Ende hat er nur noch gefragt, wie es weiter gehen soll. Und wir schrieben, wir wüssten es nicht, wir wünschten uns einfach in einer Beziehung respektvoll behandelt zu werden. Darauf schrieb er: Ich habe dich nicht nach deinen Wünschen gefragt, sondern wie es weitergehen soll. Und das hat er ungefähr noch zehnmal wiederholt. Genau so: „Und ich frage dich wieder: Wie soll es weitergehen?“ Irgendwann wusste ich nicht mehr, wo oben und unten ist und was er überhaupt von uns möchte.

Es war so eine Horrordiskussion, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen, wir sind fast irre geworden. In einem Teil, wo wir ihm sogar gesagt haben, dass wir nicht blöd sind und merken, dass er uns manipuliert und wir es satt sind, dass er ständig unsere Worte im Mund herumdreht, schrieb er im O Ton: „Und hier bin ich neugierig: Kannst du mir ein Beispiel geben, wie manipulierend ich war? Wenn es tatsächlich so ist, möchte ich das selber erkennen können. Und der Rest… ich frage nochmals… wie läuft es weiter? Wenn schlecht, macht es keinen Sinn weiter zu reagieren.“

Wir schrieben darauf: „Ja, habe ich mir gedacht, dass du das nicht mal merkst (…)“ und er wieder: „Mii, ich muss bald schlafen gehen. Ich bitte dich, beantworte diese Frage: Wie läuft es weiter?“

Dann haben wir ihm eben erzählt, was wir uns wünschen, wie wir in einer Beziehung behandelt werden wollen. Eben nicht nur als Freizeitspaß und als „mit dir zusammen gehts mir weniger beschissen“ und dass wir uns etwas mehr Respekt und Wertschätzung wünschen, bzw. dass er nicht alle Entscheidungen uns zuschieben soll.

Darauf schrieb er: „Okay. Also eine Liste von Aufgaben, damit wir uns weiter treffen können? Und bis dahin kein Kontakt? Wenn ich das falsch verstanden habe, korrigiere mich bitte: Ich will dir nicht die Worte im Mund herumdrehen.“

Da meinten wir: „Keine Liste, das sind Dinge die wir uns wünschen in einer Beziehung.“

Wir waren bei dem Punkt dann erst so richtig sauer (und da ging das Gespräch schon über eine Stunde).

Dann kam von ihm eine Audio, wo er halblachend sagte, wenn er Bedingungen hört, braucht er gar nicht weiter zu lesen, was ich sage, weil da lautet seine Antwort einfach „nein“. Und dass wenn wir von ihm verlangen, er soll zu uns sagen, dass er uns liebt, er das auch nicht tun würde.

Da konnten wir uns dann echt nicht mehr zurückhalten und waren wirklich sauer, weil er wieder Dinge gegriffen hat, die wir NULL gesagt hatten. In dem ganzen Verlauf war nie davon die Rede, dass wir von ihm verlangen, er würde zu uns sagen, dass er uns liebt. Im Endeffekt war die Ausgangssituation, dass wir uns von ihm eine Stellungnahme gewünscht haben, wie er sich das weiter vorstellt, weil er nach wie vor eben einfach zu nichts Ja oder Nein sagen kann… (mir fällt gerade erst auf, dass nach über einer Stunde diskutieren, genau das Gegenteil dabei rauskam, dass er auf einmal von UNS ne Stellungnahme bzw. Entscheidung wollte)… und ich denke mir gerade schon wieder im NAchhinein, wie unglaublich verwirrt ich über diesen Gesprächsverlauf bin, weil wir eigentlich so eine simple und klare Botschaft an ihn gestellt haben und er stundenlang alles so hin und her gedreht hat, dass am Ende irgendwie wir die Idioten waren… Ufz,,,

und das Gespräche fast alle so verliefen, fällt mir erst JETZT auf? Wie können wir eigentlich so blöd gewesen sein? Aber was mich viel mehr verunsichert ist, dass wir ja nun seit einer Woche klar sehen, wie er uns manipuliert/verwirrt hat und trotzdem ändert das nichts mehr an unserer Verstörtheit bzw an unserem schlechter werdenden Selbstbewusstsein… es ist so verrückt! Und es ärgert uns, weil wir es kognitiv doch WISSEN und während ich das schreibe, frage ich mich schon weider die ganze Zeit pausenlos: Stimmt das? Ist er wirklich manipulierend oder nehmen wir das bloß so wahr? Sind seine Fragen und Texte nicht einfach nur total logisch und auf den Punkt usw.? Und in mir drinnen schreit irgendwas so: „Nein, nein, nein! Wir nehmen das nicht falsch wahr! ES. IST. SO!“ Aber… ich wenn ich versuche so zu denken wie er, dann verstehe ich wieso er so schreibt und dann denke ich, wenn er nicht weiß, dass er manipuliert, ist es doch kein Manipulieren?

Er verwirrt uns total. Wenn er bei uns ist, verhält er sich so höflich und zuvorkommend, er rückt uns Stühle zurecht, hilft uns in die Jacke, trägt unsere Tasche, hält die Autotür auf, und in der Öffentlichkeit ist er wie der reinste Gentleman. Aber dann im Chat ist er wie das letzte Arschloch. Ich kapiere es einfach nicht.

Am Wochenende will er zu Besuch kommen und eigentlich wollen wir die Beziehung beenden. Es gibt nichts mehr, was für uns dagegen sprechen würde, außer unserer Wunschvorstellungen, die aber ja ganz offensichtlich nur Illusionen sind. Und ich glaub genau das tut weh. Dass wir einfach etwas ganz anderes in ihm gesehen haben, als was er wirklich ist. Ich habe nur keine Ahnung, wie wir die Beziehung beenden sollen, ohne dass wir uns danach wie die schlechtesten Menschen der Welt fühlen. Denn er wird es wieder so hinkriegen, dass wir uns schuldig fühlen, dass er alles richtig gemacht hat und er der gutmütigste Mensch der Welt ist. Dass wir ihn wegen seines respektlosen und gemeinen Verhaltens, die wir ihm schwarz auf weiß im Chatverlauf zeigen könnten, verlassen, würde er nicht verstehen. Denn selbst wenn wir versuchen es ins kleinste Detail zu zerlegen und so zu erklären, als müssten wir es einem Kindergartenkind erklären, er versteht es einfach nicht. In seinen Augen macht alles was er sagt und tut SINN und ist absolut nicht böse oder gemein oder respektlos, sondern einfach nur eine Tatsache. Klar, kann man schon so sehen… da hat er auch Recht, aber…. ach, keine AHnung, ich merke doch gerade selber, dass ich mich sogar OHNE seine Hilfe schon im Kreis damit drehe. Ich fürchte, das wird uns sehr lange begleiten und

da ist eine klitzeklitzekleine Sache, bei der ich weiß, wieso er minimal Angst in uns auslöst. Und das ist die Überlegenheit in seiner Stimme und in seinen Texten, mit der er mit uns in KOmmunikation geht. Selbst in GEsprächen ist es mir schon aufgefallen. Da schaut er uns so direkt in die Augen, wirklich fast von oben herab, als würde er fast spöttisch sagen: Versuch doch gar nicht erst zu diskutieren, du weißt doch sowieso, dass ich recht habe und du immer Denkfehler hast. Und dummerweise stimmt es irgendwie auch. Egal in welchem Themenbereich wir uns bewegt haben, am Ende habe ich immer eingesehen, dass seine Denkstruktur einfach logischer ist. Ich kapiere es einfach nicht… aber egal, dieses angsteinflößende ist wirklich eher diese Art und Weise, wie er kommuniziert… die Überlegenheit eben, die er ausstrahtlt…

Ich denke, es macht echt vorn eund hinten keinen Sinn… er ist total toxisch, auf sooooo eine subtile Art und Weise, dass wir es kaum erkannt haben oder… sogar so sehr, dass wir uns immer noch fragen, ob es überhaupt wirklich so ist… aber allein doch diese tatsache, dass er uns so verwirrt und uns so fühlen lässt wie wir uns fühlen,, SOLLTE doch schon ein Zeichen für ne toxische Beziehung sein oder bin ich jetzt total bescheuert und sehe einfach nicht, dass ich es mit einem total normalen, psychisch „gesunden“ MEnschen zu tun habe und am Ende bin ich die extreme Toxikerin von uns beiden? Klar spielen beide seiten eine Rolle und mir ist klar, dass wir so oder so keinen FReifahrtsschein haben, weil wir in jede Beziehung irgendein „Gift“ reinbringen, schon allein wegen unserer dummen Traumafolgestörung, aber wir können das doch wenigstens noch reflektieren und daran arbeiten.. aber er sieht ja gar keine Fehler bei sich. Die sind ja nur bei uns… aber wie gesagt… am Ende ist es vielleicht sogar wirklich so… boah ich habe keine Ahnung… jetzt bin ich verwirrter und unsicherer als zuvor…. eigentlich will ich ihn am Wochenende gar nicht sehen…

Ufz – komplett vergessen (TW!)

Als ob man so etwas „vergessen“ könnnte… ich habe mich bloß daran erinnert, weil ich gerade ein Stichwort gelesen habe… vor ein paar Tagen haben wir Fotos von uns geschickt bekommen, auf denen wir gefesselt und mit Augenbinde in so … zerrissenen Netz-Bodys stecken… Und in der Nachricht dazu stand: „Ja, das Video existiert (…) 9GB sprengt jeden Rahmen, ist in 4k gedreh (…)“ Es ist absolut, absolut… ich habe einfach gar keine Ahnung was ich dazu sagen oder wie ich mich dazu äußern soll. Achso… es waren nicht nur Fotos dabei, sondern auch Video-Ausschnitte… wie ein Teaser… aber den Typen, der da mit uns drauf ist, sieht man nicht. Die Videos sind so zugeshcnitten, dass man nur uns sieht… es ist widerlich und peinlich und beschämend und entwürdigend und ich will gar nciht weiter darüber nachdenken, sonst leben wir nicht mehr lange… for sure.

Wie die Zeit vergeht (K) TW

Mein Körper ist immer noch fix und alle. Habe überall Schmerzen und kann mir nicht erklären, wo es herkommt. Dann kommen diese seltsamen Träume hinzu, die irgendwie in so einem wach-schlaf-Zustand sind. D.h. ich schlafe nicht mehr wirklich und weiß, dass ich träume, aber es ist noch sehr real und wache dann in einer Schlafparalyse auf, die ganz furchtbar ist. Heute träumte ich davon, dass ich} ein Baby namens Maggy habe, das gerade ca. 10 – 12 Monate jung ist… Ich schlief mit einem Mann in meinem aktuellen Zimmer, das Babybett stand direkt vor meinem Zimmer neben der Tür. Ich sagte jedes Mal: „Holt Maggy rein“… und hatte ein komisches Gefühl. Als ich aufstand, um nach ihr zu sehen, war sie auf einmal nicht mehr in ihrem Bett, aber ich habe ihr weinen gehört. In anderen Nächten träume ich davon, wie ich mein eigenes Baby töte, ohne es zu wissen. In diesen Träumen stecke ich in einem Flashback und kämpfe gegen irgendjemanden… mal schubse ich denjenigen von einer Brücke, mal stoße ich ihn gegen eine Wand in ein Metallpfahl, mal schlage ich ihm den Kopf mit einer Glasflasche ein – und jedes Mal, wenn ich aus dem Flashback „zurückkehre“, sehe ich, dass ich auf mein eigenes Baby losgegangen bin… Nach solchen Träumen bin ich stundenlang danach noch in einer emotionalen Schockstarre und stelle meine ganze Umwelt in Frage. Manchmal frage ich mich sogar, ob ich mir das alles hier nur einbilde – dass ich} in meinem Zimmer wach werde, dass ich} zur Arbeit gehe, dass ich} Freunde gefunden habe, dass ich} in einer Beziehung bin… und stattdessen noch irgendwo in einem Raum gefangen bin, wo ich in Wirklichkeit regelmäßig noch … was auch immer.

Die Zeit fühlt sich auch ganz merkwürdig an… es ist immer „plötzlich“ Abend und ich weiß nicht, was mit meinen Kontakten passiert. Es schreiben mir so viele Leute und am Abend sind es dann so viele Nachrichten (Whatsapp), dass es mich überfordert und ich keine Kraft und Lust habe zu antworten. Kenai schrieb gestern, er würde sich langsam Sorgen machen und ich solle doch bitte Mal ein Lebenszeichen geben und ich kann nicht erklären, wieso mich diese Nachricht so sauer macht und unter Druck setzt. Ich} hatte ihm vor ein paar Tagen gesagt, dass ich kein gute Laune habe seit ein paar Tagen und ich mich da auch selten melde und auch nicht wirklich viel Lust auf Kontakte habe. Wieso muss er dann diese „ich mach mir Sorgen, gib ein Lebenszeichen-Karte“ ziehen? Finde ich irgendwie nicht fair und ich will erst recht nicht zurückschreiben weil ich nicht will, dass er denkt, dass er das jedes Mal schreiben kann, um dann etwas von mir zu hören. Es setzt mich enorm unter Druck wenn Leute sagen, sie machen sich Sorgen. Vermutlich sollte ich Mitgefühl haben, aber das habe ich nicht, es löst genau das Gegenteil in uns aus: Nicht etwa Nähe und Verbundenheit und die Tatsache, dass wir Menschen am Herzen liegen, sondern viel eher Ablehnung und Wut und Einengung.

Frau Blume finde ich aktuell auch nicht sehr tröstlich. Ich verstehe ihren Ansatz, dadurch, dass wir unser Leben lang manipuliert wurden und nicht auf unser eigenes Bauchgefühl usw. hören konnten/durften/sollten, versucht sie komplett unparteiisch zu sein. In keinem einzigen der Sitzungen kann ich mich erinnern, ihre Meinung zu irgendwas gehört zu haben. Klar kann es sein, dass das vorkam und ich es nur nicht weiß, weil unser System da einfach nicht aktiv war, aber mir} persönlich fällt keine Stunde ein, in der das der Fall war. Mit Ausnahme der Aussage, sie hätte logischerweise ihre Werte die das… uff… Blablabla-der Menschenwürde usw. beinhaltet… aber allem anderen enthält sie sich. Egal was wir erzählen, sie fragt uns immer, was wir selbst dazu denken und wie wir es empfinden. Nun, das wissen wir. Was wir denken und was wir empfinden. Aber man braucht doch, um zu reflektieren, auch noch die Meinung und Reaktion anderer Personen. Ich verstehe, dass sie insbesondere was unser System angeht, da keine eigene Meinung vertritt, weil das ja nur uns etwas angeht und wir ja damit in Zukunft alleine leben können müssen. Aber ich verstehe nicht, wieso sie sich in unseren Beziehungen enthält. Dass sie da so überhaupt keine Reaktionen zeigt. Ich finde das wirklich schwierig und umso sinnloser kommt uns auch die Therapie vor. Das hilft uns ja nicht weiter. Da gäbe es so viele Beziehungsfragen aktuell. Aber die Fragen, die wir ihr stellen würden, würde sie uns nur zurückwerfen.

Ich weiß aktuell überhaupt nicht, wie wir weiter machen sollen. Ich} wünsche mir aktuell nichts sehnlicher, als dass ich ein Stinktier wäre, das Winterschlaf halten kann, bis ich} im Frühling wieder erwache und alles wieder blüht und sonnig und okay ist. Es ist jede Stunde zurzeit ein Kampf und anstrengend und ermüdend.

Heute haben wir bei Frau Blume Therapie. Wir sollten eine Liste führen mit Stichpunkten, Themen, die wichtig sind. Haben wir. Aber wir haben gar keine große Lust auf diese Stunde und die Themen anzusprechen, da wir gefühlt sowieso mit uns alleine Therapie machen. sie wird ja sowieso wieder keine Stellung dazu beziehen und uns den Ball zurückwerfen. Klar, unsere Therapie, unsere Themen, unser Leben. Aber so kommen wir doch nicht weiter… Wir sind zwar sehr froh über ihre Neutralität… aber aktuell fehlt uns Frau Honig mehr denn je. An ihren Reaktionen konnten wir wenigstens Dinge erkennen, die unsere Welt bzw unsere Erfahrungen eher in ein anderes Licht gerückt und ein bisschen einen „Aha-Effekt“ ausgelöst haben. Und wir hatten zwar nicht viel Zeit mit ihr, aber die Dinge, die wir mitnehmen konnten, haben wir bis heute abgespeichert. Wenn man uns berührt, passiert nichts, wenn wir über Gewalt sprachen, wurde sie wütend. Wenn wir über unsere Ängste sprachen, war sie betroffen. Das hat uns wirklich viel lehren können und mittlerweile geht alles wieder so ein bisschen verloren. Wir fragen uns allmählich wieder, wie schlimm das alles wirklich ist, was wir wahrnehmen und ob wir nicht über reagieren, wenn da von unseren Gegenüber keine Reaktionen kommen. Wenn man vom Tod, von Angst oder Gewalt spricht und man sieht den Menschen in ein abgeklärtes, nickendes, „mhm-Gesicht“, fühlt sich das alles falsch an. Dann fühlt sich das an, als wäre Tod und Angst und Gewalt nicht schlimm. Sondern einfach nur Sätze und Wörter, die keine Realität beinhalten.

Ach, ist das anstrengend. Ich wünschte ich wäre ein Stinktier.

Es wirkt alles sehr düster (K)

Ps: Ich habe vorhin einen Eintrag von uns gelesen, bei dem jemand dieses } Zeichen hier verwendet, wenn er/sie „ich + andere“ miteinschließt. Das finde ich eine so tolle und unkomplizierte Idee, dass ich es auch versuchen werde.

Die Tage werden irgendwie nicht besser. Wir fühlen uns sehr erschöpft, körperlich und geistig. Es ist ständig eine Müdigkeit da und nach wie vor ist unsere Konzentrationsspanne nicht besonders hoch. Arbeiten klappt gut. Das ist Routine, wo wir gerade nicht viel nachdenken müssen und durch unseren aktuellen Zustand arbeiten wir gerade auch sehr effizient. Aber es geht uns nicht gut.

Ich bin dann gestern mit A. mit ins Fitnessstudio gefahren. Wir schließen dort Kontakte. Eine 42-Jährige, ich nenne sie mal *Vanni, hat uns schon ein paar Mal mitgenommen. Am Freitag auf Samstag waren Toni und ich von halb ein Uhr nachts bis zwei Uhr nachts im Fitnessstudio. Wir sind fast jeden Tag dort, essen normal, 1500 bis 2.000 Kalorien, verbrennen rund 1.100 durch Sport und Bewegung, aber unser Gewicht bleibt stehen, was uns}Mia nur weiter in die Essstörung gerade reinschiebt. In der Whatsappgruppe ist hauptsächlich Mia aktiv.

Ansonsten, was mich nicht loslässt… vor einer Woche war brh zu Besuch und sie hat uns eine riesige Tüte mit unendlich vielen Tagebüchern gegeben. Die hatten wir wohl mal vor ein paar Jahren bei den Betreuern abgegeben, weil wir angefangen hatten darin zu lesen und uns selbst getriggert hatten. War wohl ein guter Grund, sie die letzten Jahre nicht bei uns zu haben, denn irgendwie haben sie eine Art „magische Anziehungskraft“ auf mich}. Ich habe mir die rausgeholt, die mir nicht mehr so bekannt vorkamen. Und eines meiner Ältesten… und, was soll ich sagen? Zwei Einträge kamen mir bekannt vor – aber nicht, dass wir sie geschrieben haben, sondern die Erinnerung an den Inhalt. Der Rest war mir komplett fremd und ich bin immer noch schockiert… ich fühle mich wie in einer Plastiktasche, aus der die Luft abgesaugt wird. Seit ich diese Einträge gelesen habe, ist mir zum Heulen zu mute. Ich fühle mich unendlich verzweifelt und einsam, obwohl ich weiß, dass es in der Vergangenheit war, macht es mich fassungslos zu lesen, bei wie vielen Menschen wir versucht haben Hilfe zu holen. Ich verstehe nicht, woran es scheitern konnte. Und es überkommt mich Wut, wenn ich lese, wie wir sogar in der KJP schon erzählt hatten, dass wir uns an Wochenenden nicht erinnern, und die Betreuer und Ärzte das nicht glaubten. Ich} kann mich nicht erinnern, dass wir damals schon Zeitverluste bemerkt hatten. Mich macht das alles unendlich traurig… Ich kann mich an all das kaum bis gar nicht erinnern und es ist fast, als wäre ich in diese Zeit emotional zurückbefördert worden. Als würde ich wieder herumlaufen, bei unendlich vielen Menschen um Hilfe bitten wollen, aber kein Gehör oder Glauben geschenkt bekommen. Ich dachte bis heute immer, dass man es vielleicht nicht offensichtlich sehen konnte – dass, klar, wenn wir gespalten sind, man uns nicht ansieht, was passiert. Aber ganz offensichtlich hat jemand von uns immer, über Jahre hinweg, nach Hilfe gesucht, aktiv. Als KIND! Und keiner, einfach absolut keiner war für uns wirklich da. Was ist denn bitte aus dem Sozial“futzi“ geworden, der uns in der Schule besucht hat, nachdem wir Frau R. die Beweise (an die erinnere ich mich sogar noch), gegeben hatten? Wieso hat sich niemand mehr nach uns erkundigt? Wie kann so etwas im Sand verlaufen? In den Chatverläufen mit J. war eindeutig herauszulesen, dass es im Kinderpornographie geht. Wir hatten sogar zwei Fotos von uns mit ausgedruckt. Bitte fragt mich nicht, wie wir es geschafft haben, an diese Sachen ranzukommen, daran erinnere ich mich nicht. Aber, was das alles in mir auslöst – das alles zu lesen…

Ich kann nicht sagen, ob ich mich gerade in einer Art Schock-Zustand befinde, weil alles eher innen abläuft, aber meine Stirn zieht sich zu, meine Augen fühlen sich fiebrig an, mein Körper ist total schwach und dumpf, ich höre nicht wirklich etwas, aber in meinem Brustbereich spüre ich so einen Druck (emotional) und kann ihn nicht greifen. Eigentlich fühle ich mich, als wollte ich einfach nur schlafen. Wie kann ein Kind so im Stich gelassen werden, von einem Dutzend Erwachsenen, bei denen es quasi um Hilfe gebettelt hat? Ich will nicht in Selbstmitleid versinken. Immerhin ist es ja Vergangenheit und jetzt sind wir bei Frau Blume endlich mal in guten Händen… aber… irgendwie haben die Tagebucheinträge etwas in mir} ausgelöst, was ich nicht stoppen kann.

Oder vielleicht ist es die Pille, die wir jetzt angefangen haben zu nehmen. Wer weiß das schon?

-Kara

Beim Lesen der Einträge bitte TW beachten. Das sind bloß Einträge aus drei verschiedenen Tagebüchern (von knapp 20)… ich will nicht wissen, wie oft wir noch bei Leuten Hilfe gesucht haben… aber ich frage mich, ab welchem Zeitpunkt das aufgehört hat. Um das herauszufinden, werde ich wohl doch alle mal überfliegen müssen. Andererseits frage ich mich, wieso das wichtig wäre. Ich weiß, dass es ein, zwei Tagebücher gibt, die furchteinflößend sind. Wirklich, richtig furchteinflößend… zum Einen erinnere ich mich, dass ich vor ein paar Jahren mal eines in der Hand hielt, das auf ein paar Seiten blut-besudelt ist… richtig braunes, altes Blut, und auf dem jemand von uns aufgeschrieben hat, was kurz vorher passiert ist (Gewalt)… an die blutigen Seiten erinnere ich mich, der Inhalt ist komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht. Ich weiß nur, dass es ziemlich unmittelbar nach irgendeiner Gewalt geschrieben wurde, weil der Anfang des Eintrags war „bevor ich verschwinde…“ das war so unheimlich und dieses Buch möchte ich nie wieder in die Hände nehmen. Aber ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, welches von den 20 Tagebüchern es war. Ich meine, es wäre ein braunes gewesen… ich bin hin und her gerissen, was ich mit den Sachen machen soll. Wegwerfen? Behalten? Aber wenn ich sie behalte, was soll ich damit? Aber wegwerfen fühlt sich absolut unmöglich an. Ich habe das Gefühl, dass da noch Sachen drinnen stehen könnten, die verdammt wichtig sein und uns weiterhelfen könnten….

Antwort an Frau Blume

Weil das gerade unsere Situation kurz zusammenfasst und mir für mehr Erklärungen die Energie fehlt…das war eine Antwort auf eine Mail von Fr. Blume.

Ich habe überhaupt gar keine Ahnung, ob wir uns mit so etwas auseinandersetzen können. Wir haben aktuell täglich irgendwelche Schmerzen… soooo extrem, dass wir manchmal kaum aufrecht gehen können (heute ist es der Magen/Bauch, gestern waren es die Finger, einige Tage vorher der komplette Unterkörper)… wir schirmen uns gerade komplett von Verantwortungen ab, verziehen uns Zuhause und lesen am liebsten extreme Fantasy Bücher von Walter Moers, um komplett aus der Realität zu verschwinden, weil uns sonst permanent Flashbacks oder Intrusionen einholen. Wir wollen uns um die Wohnung kümmern, aber die finanziell aussichtslose Situation löst dann so einen gewaltigen, inneren Stress aus, dass kurz sowas wie eine … „Minuten Depression“ hereinbricht und bevor sie komplett kommt, entziehen wir uns grad eben irgendwie der Realität. Wenn wir versuchen uns mit uns auseinander zu setzen, also in Kontakt zu gehen oder die Intrusionen „festzuhalten“ oder zu hinterfragen, werden sie nur noch 10x schlimmer und wenn wir sie versuchen zu ignorieren, schlägt sowas von urplötzlich ein richtiger Flashback in uns ein, dass es sich anfühlt, als hätten wir irgendwelche Drogen genommen. Manchmal ist das dann, als würde der Boden zu Gummi werden, wir fallen durch ihn durch und sind plötzlich „dort“ (wo auch immer, gerade kommen alle möglichen Erinnerungen hoch). Funktionieren können wir im Alltag ganz gut, aber wir merken auch zunehmend, dass wir wieder mehr gereizt sind von Menschen, die aufmerksamkeitsspanne echt gering ist und wir so „teildissoziieren“ (ich musste gerade 15 Mal das Wort „Dissoziieren“ lesen, löschen, lesen, weil es mir so fremd vorkam und ich plötzlich nicht mehr wusste, wie man es schreibt. 
Ich habe überlegt, ab dem Wochenende doch die Medikamente wieder zu nehmen, die wir vor ca. 2 Monaten einfach abgesetzt haben. Wenn es uns dann besser geht, glaube ich an ihre Wirkung. Aber wir haben eigentlich keinerlei „Entzugserscheinungen“ gespürt. So, wie es uns gerade geht, kam von einem Tag auf den Anderen. Nicht etwa schleichend. Deshalb glaube ich eher weniger, dass es an den abgesetzten Medis, als viel eher irgendwie an der ptbs liegt…. ich kann nict weiter schreiben… disso.
bis donnerstag