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Mit „zu viel“ umgehen (TW)

Es ist zu viel passiert, es passiert zu viel, es wird noch zu viel passieren und zu allem Überfluss haben wir auch noch zu viel erzählt.

Letztens habe ich mich gefragt, wie ich in Therapie je weiterkommen soll, wenn an einem Tag schon so viel passiert, dass man diesen einen Tag nicht einmal in einer Stunde besprechen könnte. Als ich letztens auf dem Weg zur Therapie war und versucht habe Worte für meine Situation zu finden, konnte ich kaum noch atmen. Zu viel passiert, um es in Worte zu fassen, geschweige denn es in einer Stunde zu schaffen. Ich musste daran denken, wie wir einmal an den Eibsee gefahren sind… diese kleinen Berge aus der Ferne … und umso näher man ihnen kommt, desto größer werden sie und irgendwann steht man vor einer Wand, man sieht keine Berge mehr. Da sind nur noch Felswände. So hoch, dass man das Gefühl hat nicht einmal mehr den Himmel sehen zu können. Ich habe diesen Anblick immer sehr faszinierend gefunden, aber als ich das genau mit meiner Situation assoziierte, bekam ich einfach kaum noch Luft. Es war nicht mehr sichtbar, was das vor mir eigentlich ist. Eine Felswand. Dieser Berg, also die Probleme und all das, was passiert ist, einfach verschwunden, weil sie sich so vor mir aufgebäumt haben, dass ich sie nicht einmal mehr klar sehen kann. Nur noch ein Gefühl der Ohnmacht ist da.

Und was passiert in solchen Situationen? Ein zwei Tage schleichen… und weil die Berge ja nicht mehr gesehen wurden, weil die Felswand plötzlich so steil und mächtig vor uns steht und uns blind macht, drehen wir um. Ja, zwecklos, sagt mein Gehirn da ganz arg seufzend.

Dieses Muster – dieses ganz eindeutige Muster – habe ich erst vor zwei Tagen erkannt. Zu viel geredet, zu viel los, zu viel passiert: Plötzlich wird es nicht mehr gesehen. Es ist immer so, dass wir in den Momenten, in denen all das passiert… wir meistens mit uns alleine sind. Wir halten die ganzen Gefühle und die ganze Situation und die Verwirrtheit alleine aus. Nicht, weil wir nicht bereit wären mittlerweile uns da Hilfe zu holen, aber weil in den Moment einfach niemand da ist. Das ist nun einmal so im Leben und ich bewerte das auch überhaupt nicht. Oft, wenn solche Sachen dann passieren, und ich kann das jetzt nur stichpunktartig aufzählen. ;Plüsch Ferkel; Hand im Teddy; Extrem Hopping; Kultpersönlichkeit; Verbote und Strafen; sich selbst im Keller einsperren; Panikattacken; Dissoziation; Erpressung, Drohungen und Druck von außen; Polizeibesuch; Eltern; keine Unterkünfte; Weihnachten; E-Mails; Vergessenheit; – u.v.m (vieles davon weiß ich bestimmt nicht einmal), in solchen Situationen denke ich: „Beim nächsten Termin bei Frau Honig rede ich mit ihr darüber. Beim nächsten Termin bei Frau Honig lass ich einfach los und heul mal so richtig fertig, da dissoziiere ich dann die ganzen Gefühle nicht weg, oder hoppe sie weg“. Aber das ist nicht die Realität. Die Realität ist, dass bei Frau Honig noch nie geweint wurde (glaube ich), dass selbst bei Frau Honig Gefühle der Angst, der Verzweiflung oder das Weinen weg-dissoziiert oder „gehoppt“ wird, dass wir uns selbst bei ihr nicht nicht-dissoziieren müssen. Und dass alles außer Kontrolle gerät, wenn eine Kritzel im außen festhängt und sich in einem dunklen Keller einsperrt, um wieder nach innen verschwinden zu können, dann eine Lora nach außen hüpft, die für sie unerklärlicherweise eine Panikattacke im Keller bekommt und dann mit einer Verwirrtheit wieder nach innen verschwindet, um dann Kinder zwischendurch mal kurz malen oder Fernsehen schauen zu lassen, damit dann jemand draußen ist, der kurz von gar nichts was weiß um dann wieder jemanden nach außen zu lassen, der mit einem Exorzisten Kontakt aufnimmt – und so weiter und so fort. Dieses Hoppen zurzeit, dieses exzessive, unkontrollierte Hoppen von Innenperson zu Innenperson, ohne Kommunikation, weil es innerlich so rotiert, dass nicht einmal miteinander gesprochen werden kann, das sorgt dafür, dass jeder für sich mit seiner ganzen Peep alleine ist, weil sie sofort wieder nach innen gezogen werden. Was fühle ich? Nichts. Ich spüre das viel los, ist, spüre aber nichts von den Ängsten, der Verzweiflung und Hilflosigkeit der ganzen Anteile und frage mich, was ich für ein „Anteil“ bin, so ganz ohne „Namen“, eben bloß mit meinem Ausweisnamen und die eben dieser Felswand mit den Problemen aller Anteile einfach den Rücken kehrt, weil da einfach nur eine Wand ist, nichts zu greifen, nichts zu sehen, nur ein ohnmächtiges: „Hier geht’s nicht weiter, alles zu groß, ich seh nicht mal mehr den Himmel“.

Und die Realität ist dann, dass ich mich zu Frau Honig schleppte, ich keine Fragen über die Familie oder die Vergangenheit wollte, weil ich damit nichts zu tun haben will. Und zwar nicht, weil es mir zu große Angst macht, – ich fühle nichts – sondern weil ich keine Antworten auf Fragen geben kann. Weil diese ganzen Dinge die schon erzählt wurden für mich nur in Bildern im Kopf abgespeichert sind, hinter Milchglastüren, nichts ist klar, alles wirkt unecht.

Fakt ist aber, dass der Berg so mächtig ist, dass in der Therapiestunde nicht einmal daran gedacht werden kann, zu erzählen was alles passiert. Therapie wirkt(e) so zwecklos. So unendlich zwecklos.

Und was genau ist jetzt das Muster? Das Umdrehen. Zu viel gesprochen? Zu viel passiert? Zu viel, um das alleine irgendwie anzupacken? Zu viel, als dass es in Frau Honigs Therapiestunden passt? Kennt ihr diese Suchbilder, die in Punkten oder Mustern sind, und in denen man manchmal gewisse Symbole in anderen Farben sehen kann? Ich rede hier von den extrem schweren. Wenn man so lange angestrengt in dieses Musterbild starrt, um ein Symbol zu erkennen, bis einem vor Anstrengung und Kopfweh richtig schlecht wird? Welcher Mensch würde da nicht einfach wieder wo anders hingucken?

Und wo schaue ich hin? Entweder verzerrt sich jetzt meine Wahrnehmung, oder das alles davor war Einbildung. Ich sehe Weihnachten und sehe uns dort bei der Familie sitzen. Mit Geschenken vor einem Weihnachtsbaum. Nur ohne Großmutter diesmal … Moment. Sie ist schon seit drei Jahren tot. Hoppla. Der Vater rief an und fragte uns, ob er uns abholen solle. Ob wir einen Fahrdienst bräuchten, da wir ja einen Termin haben bei einem Arzt. Er fragte freundlich, sagt es in meinem Kopf. Erinnere ich in meinem Kopf. Doch bei genauerem Betrachten dieses ätzenden Musterbildes fällt auf, dass in seinem Anruf keine Frage war, und dass der Anruf genau an dem Tag kam, an dem jemand über Mutters E-Mail Adresse schrieb „ich sollte vielleicht besser nach *** kommen, für ein klärendes Gespräch„. In meinen Erinnerungen ist das aber ganz anders. Genauso wie in meinen Erinnerungen alles ganz anders ist, wie es bis zuletzt war.

Was? Gestern sind uns die Beine vor Zittern und Weinen weggeknickt, als der Exorzist drohte die Polizei zu den Eltern zu schicken, wenn wir uns bis so und so viel Uhr nicht melden? Was? Wir haben so geweint, dass wir in Hyperventilation gerieten und der Körper verkrampfte? Was? Wir schrien im Betreuer Büro rum, dass wir uns umbringen würden und dass alles vorbei ist? Was? Wir waren gestern noch bei der Polizei um den Exorzisten anzuzeigen und was, er wurde vermerkt und hat einen Anruf von der Polizistin bekommen, wegen Angstmacherei und Belästigung? Was, die Polizistin musste fast lachen, als er etwas von einem „Jedermannsparagraph“ und einem „Dunkelparagraph“ sprach? Wir saßen zitternd, schwitzend und weinend bei der Polizeiinspektion während Brh daneben saß, weil sie uns gefahren hat? Was? Das alles ist gestern passiert? Genau so? Nein, in meiner Erinnerung war das alles ganz anders. In meiner Erinnerung habe ich total emotionslos und objektiv gehandelt. In meiner Erinnerung bin ich um halb eins aufgestanden, bin zu meiner Chefin gegangen und habe gesagt, ich muss gehen, weil ich einen Notfall habe. In meiner Erinnerung bin ich nicht weinend zu den Betreuern gegangen und habe sie nur gefragt ob sie mich zur Polizei fahren, weil ich den Exorzisten jetzt anzeige.

Aber andere Bilder in meinem Kopf erzählen mir etwas anderes. Die Betreuer erzählen das, was diese anderen Bilder in meinem Kopf erzählen. Dass die Beine so gezittert haben, dass sie dachten wir fallen gleich um. Dass wir so geweint haben, dass wir keine Luft bekamen und der Körper verkrampfte.

(weitere Beispiele hier)

Trotzdem ist meine Erinnerung anders. Meine Erinnerungen sind immer anders als die von Freunden, Mitmenschen oder eben Anteilen in mir. Deshalb empfinde ich gerade alles, was passiert und passiert ist, vermutlich auch ganz anders. Deswegen fühlt sich für mich alles so zwecklos an? Logische Schlussfolgerung.

Ja und jetzt sitze ich hier. Kann nicht mehr nachdenken, nur noch diese Bilder hinter der Milchglastür wahrnehmen und sie nicht einmal als echt empfinden… und trotzdem irgendwie einfach nur erschöpft sein. Von dem Hopping und von der Tatsache, dass es echt sein muss, auch wenn ich es nicht so spüre. Davon bin ich erschöpft. Vor allem.

„Dissoziieren“

(… der vollständige Beitrag ist im Privaten Blog)

(…) Nun gut, dachte ich, dann bleibe ich halt in der WG, hier bin ich wenigstens nicht alleine. Tja, falsch gedacht. Heute habe ich erfahren, dass alle Mitbewohner in ca eineinhalb Wochen weg sind – für zwei bis drei Wochen. Was das in mir ausgelöst hat? Erst war ich überfordert. Ich glaube mit blanker Angst konfrontiert. Dann war ein überstürzter oder hoffnungsloser Gedanke, der mich verzweifelte: Okay, dann geh ich halt doch zu meinen Eltern. Und hätte so heulen können, weil „***“ plötzlich so sinnlos ist, wenn es nicht einmal Möglichkeiten gibt, sich irgendwie zu schützen. Dann habe ich dissoziiert. Aber nicht so, dass gehopst wurde, nein, nein… der Körper wurde auf… wie hat das B nochmal genannt? … ach ja „Stupor“ heißt das wohl…. zumindest denke ich, dass es das bei uns ist – wenn keiner den Körper besetzt, und er einfach nur noch starr dasitzt. Anfänglich kriege ich die Umgebung noch um mich herum wahr und ich merke dann auch noch, wenn mich jemand anspricht, aber in dem Moment ist die Außenwelt und die Außen plus Innenprobleme so groß, so überwältigend, dass ich nicht einmal aus der Dissoziation (dem Stupor?) geholt werden MÖCHTE, weil das in dem Moment das am einzig Sichersten anfühlt. Und ca. zwei, drei Minuten später (kann auch mal länger dauern), dann sind wir SO im Innen, also BEWUSST in der Innenwelt, dass außen GAR nichts mehr passiert. Einmal sind wir ja in so einem Zustand in der Klinik in einem überfluteten Zimmer wachgeworden, weil wir mit der Schulter auf dem Abfluss lagen und wir aus dieser „Ohnmacht“ wach wurden, weil Wasser in die Nase floss und wir husteten. Ich kann mich nicht erinnern, ob wir uns da bewusst nach innen verzogen haben, ich glaube aber eher nicht, sonst hätten wir das sicher nicht beim Duschen gemacht… naja, also bin ich vorhin in mein Zimmer hoch, irgendwie – den Weg dahin habe ich gar nicht mitbekommen – dort habe ich mich einfach aufs Bett fallen lassen und mich in diesen „verschwinden-Modus“ geschaltet. Es hat nicht ganz so geklappt wie ich es mir vorgestellt habe, weil ich auf dem Bett plötzlich schwer Luft bekam und der Atem sehr laut und flach ging.

Plötzlich klopfte es. Es war die Betreuerin, Mona hat wohl gesagt, dass sie meinen Disso Modus bemerkt hat (sie hat mich ja eben angesprochen und ich meinte nur „ja, alles okay“, bevor ich hochgegangen bin). Ich hab auch der Betreuerin gesagt, es ist alles okay, ich wollte gerade einfach nur meine Ruhe. Wirklich, in solchen Momenten möchte ich gar keine „Hilfe“, weil die einzige Hilfe in dem Moment dieses „in sich selbst verschwinden“ ist. Das auf Biegen und Brechen mich „da“ zu behalten funktioniert nicht. Diese Skills die man bei anderen dissoziativen Menschen anwendet wie Ammoniak Ampullen oder starke Reize – man mag es echt nicht glauben, aber meistens dissoziiert mich das dann nur noch mehr weg. In solchen Momenten BRAUCHE ich das „in mir verschwinden“. Sonst hörte es gar nicht mehr auf.

Wenn man mir in so Situationen einfach meine Ruhe lässt, hat man mir am meisten geholfen. Wenn ich dann für eine Weile meine Ruhe habe (manchmal sind es ein paar Minuten, manchmal kann ich sogar für Stunden in so einem „Stupor“ verbleiben), dann geht es mir danach wieder besser. Ich bin erholter. So wie jetzt eben.

Das Thema mit den Wochen um Weihnachten ist zu schwer, als dass ich mich damit auseinandersetzen könnte. Wenn ich es tue, merke ich sofort, dass ich weider wegdrifte. Gerade ist einzig der Gedanke aushaltbar, lieber zur Familie zu fahren, als zwei Wochen alleine mit Jimmy hier zu bleiben.

(…)

Einfach nur verrückt

Es ist Montag, maybee it’s time to take your shitty-clothes off … . Bis jetzt klappts ganz gut. Einfach aus diesem Anzug schlüpfen der nur widerlich war, yay. Ich will nicht sagen dass es gut ist, so alles, aaaaber anyway.

Was nich gaaanz so läuft is grad leider, dass jede Bewegung oder Drehung vom Arm daran erinnert was da ist, weil ich denk mal dass das Blut angeklebt ist oder so (sorry for that shit, but…) ist auf jeden Fall scheiße ständig daran erinnert zu werden warum der Arm plötzlich schmerzt.

Ich hab bisschen schiss vor Morgen. Vermutlich werd ich hinfahren zu Frau Honig, aaaaber ich bin nicht so der Therapy Fan, mich langweilen Psycho-Gespräche. Aber wk vielleicht sind in der Thera dann sowieso zehn unterschiedliche von uns da, weils ja grad so im Minutentakt hopst. Vorgestern wo ich n Video aufgezeichnet hab für uns für wer auch immer das dann sehen wird, da hab ich jmd von uns mit nem Lied getriggert, war richtig strange. Ich meinte nur, wir sind Schwächlinge was etwas bestimmtes angeht und dann hab ich noch gemeint „sei nich so hart zu dir selbst“… (yes, ich antworte mir selbst oft laut, auf laute Sachen die ich sage) und bei dem satz gings dann kurz durch mit irgendeinem Lied, von dem ich die Fortsetzung gar nich kenne, aber ich hab die Fortsetzung „gesungen“ lol.. aber nicht mitbekommen dass ich den zweiten Satz gesungen hab, hab auf jeden Fall voll den krassen Hänger gehabt und dachte mir so loooooooooooool  „jetzt bin ich hart am dissoziieren aber verpisst euch, ich hab wichtiges zu sagen“ xD ich konnt nur den Faden nicht mehr so schnell finden. Egal, war ziemlich schräg. Aber ich glaub sowas nennt man positive Trigger oder so.

Ich hab eig nur gesagt was wir in der Thera ansprechen sollten, aber dass ich eh denk dass davon nix angesprochen wird, weil wir ja grad gar nicht mal Bock drauf haben grad in irgendwelche Sachen da einzusteigen…

Mist… gehopst, tut mir leid… Ich glaube das oben war Stein. Sagt mir nur mein Gefühl, sicher bin ich mir nicht. Bin gehopst weil jemand ins Zimmer kam und jetzt… weiß ich gar nicht mehr, worüber ich schreiben wollte. Oder jemand von uns. Egal… Ich habe auf jeden Fall super Kopfschmerzen. Gestern Abend hat es angefangen, dass ich dachte mir explodiert der Schädel. Ich würde das gerne auf das Gehopse im Minutentakt schieben, aber um ehrlich zu sein weiß ich es nicht genau, woher die Kopfschmerzen kommen.

Mich ärgert gerade etwas. Oder viel eher bin ich wegen etwas total angespannt. Darüber habe ich glaube ich nie geschrieben und auch keiner von uns, weil mit dem Thema ich mich hauptsächlich beschäftige und ich darüber sehr wenig schreibe, weil ich mir denke, das ist uninteressant. Nur jetzt stresst es mich sehr, weshalb ich darüber schreiben möchte. Wir hatten am Samstag eine Wohnungsbesichtigung. Diese Wohnung wäre ein 6er im Lotto. Der Vermieter ist ein penionierter Polizist, er ist absolut vernarrt in meinen Hund und ist begeistert von Mona, weil sie so „kultiviert“ ist (seine Worte!). Und ihm gefällt auch diese Konstellation. Erst hat er zwar gedacht, als er uns Drei am Samstag gesehen hat, dass ich von Mona die Tochter bin, aber als wir ihn aufklärten, dass wir wirklich nur Freunde sind, fing er an mich Küken zu nennen. Diesen Spitznamen mag ich nicht sehr gerne. Er hat irgendwie zwei Bedeutungen. Früher hat man mich mit dem Spitznamen in echt unangenehmen Kreisen angesprochen. Vor drei Jahren war ich dann das „Küken“ in diesen Medialen Aufstellungen bei *Jella, und ich habe echt lange gebraucht bis ich mich mit dem Wort etwas anfreunden konnte und ich gespürt habe, dass es bei den Menschen bei Jella eben keine negative Bedeutung hat. Das Wort aber wieder aus dem Mund eines älteren Mannes zu hören war irgendwie… ein bisschen… schlug ein bisschen auf den Magen. Aber naja… Schwamm drüber.

Ich war während der Wohnungsbesichtigung mit Jimmy spazieren, weil die Familie noch drinnen wohnt und die Kinder angst vor Hunden haben. Der Vermieter wollte ihn aber unbedingt kennenlernen. Mia und Mona sind also die Wohnung anschauen gegangen und nur fünf Minuten später lief mir der Vermieter über den Weg und wirkte irgendwie geknickt. Er beugte sich zu Jimmy und meinte zu mir: „Deine Freundinnen sind schon wieder weg…“ und dann zu Jimmy: „Schade… ich hätte dich so gerne als Mieter gehabt…“ Oh nein… und da schnürte es mir schon den Magen zu. Erst dachte ich, vielleicht liegt es an dem Zimmer, das zu wenig war…

Auf jeden Fall war ich dann schon ein bisschen nervös, weil ich mir so sicher war, das wäre jetzt endlich die Wohnung! Ich ging also zu Mia mit Jimmy und dort erzählten mir die beiden, dass die Wohnung zwar an sich ganz schön war und man es ich da heimelig machen kann und dass das Durchgangszimmer als kleines Wohnzimmer genutzt werden könnte etc. Die hat zwei Balkone und eins davon sei ein Winterbalkon. Der Knackpunkt war nur, dass da wohl eine Küche stünde, die für 1.000 Euro bar abgelöst werden sollte und das Geld hat natürlich keiner von uns (er weiß, von wo wir kommen und quasi mit nichts anfangen)

Nur ne halbe Stunde später rief der Vermieter nochmal bei Mona an und fragte, wieso wir denn kein Interesse hätten. Dann kam er uns entgegen. Er meinte, er würde uns so gerne nehmen und wenn es wirklich an der Küche scheitert, ginge er für die Küche auf 500 Euro runter und wir könnten sie in Raten zahlen. Da klappte mir erstmal die Kinnlade runter. Das nenn ich mal ein Entgegenkommen! Das Einzige was noch abgeklärt werden müsste wäre Jimmy, weil er da leider nicht alleine entscheiden kann. Es gibt wohl Anfang nächsten Jahres so eine Mieterversammlung und das müsste schon abgestimmt werden.

Alles in allem sagten wir am Samstag, wir tendieren zu Ja. Mona war ziemlich k.o. und Mia und ich meinten, wir stressen uns jetzt erst einmal nicht weiter rein, sondern warten nun ab was wegen Jimmy wäre. Mona wirkte nicht mehr ganz so optimistisch. Sie erwähnte schon, dass es ja doch recht eng sei etc. (Ich finde auf dem Grundriss den er uns am Anfang noch gezeigt hat, dass diese 88 qm eigentlich total gut aufgeteilt sind)… Und Mia und ich habe ihr versucht zu erklären, dass es wichtig ist, dass wir die nehmen. Schließlich haben wir nur noch drei Monate Zeit, ansonsten wird die Katze ins Tierheim gebracht (jap, neuster – plötzlicher – Sinneswandel des Gruppenleiters)… Außerdem wäre das ja nur ein Sprungbrett. Von dort aus könnten wir immer noch weiter nach Wohnungen suchen. Die Lage ist auch ziemlich gut. Um diese zwei Wohnblocks herum sind Einfamilienhäuser, es ist also kein Wohnblock-Viertel, sondern eigentlich total süß und nett Drumherum, die Bushaltestelle wäre direkt um die Ecke. Alles in allem wäre es wirklich wie ein Sechser im Lotto. Allein schon, weil er eben so sehr auf uns hängen geblieben ist.

Mona nickte schließlich ab, was Mia und ich sagten, eben dass man es sich da schon einrichten könnte und von dort aus weiter nach der Traumvorstellung mit einem Garten gucken könnte, aber ich hatte schon das Gefühl, dass das alles bei Mona gar nicht mehr wirklich ankam.

Gestern merkten wir, dass es Mona irgendwie richtig madig ging. Sie war den ganzen Tag nur im Zimmer, telefonierte auch mit jemandem und einmal als sie zum Rauchen ging sahen wir auch, dass sie weinte.

Am Abend kam sie dann raus und ihr ging es wieder besser. Als ich dann kurz anmerkte, dass ich jetzt einen kleineren Kratzbaum gekauft habe (sehr günstig, nur 20 Euro!), weil ich ja nicht weiß, ob ein größerer dann in die Wohnung passt, meinte sie plötzlich ein bisschen zögerlich… „Ich habe eigentlich ein Problem mit der Wohnung…“ oh man, da verschloss sich erst einmal alles in mir. Erst war ich erschrocken, dann sagte ich „Oh“ und dann „Was denn?“

Dann sagte Mona, ihr sei das alles viel zu eng, und wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie nur Häuser und da bekäme sie keine Luft…

Ich weiß nicht warum, in dem Moment konnte ich kein bisschen mitfühlen, sondern spürte eigentlich eher eine Art… Frust oder Ärger, weil ich mir in dem Moment dachte: Wir sind doch nicht in einer Position, uns ein Traumhaus zu wünschen! Es ärgerte mich so viel an dieser Aussage! Ich war einfach nur echt resigniert gestern und konnte nicht auf das Thema eingehen, weil ich zu sehr in der Emotion gewesen wäre. Wenn wir diese Wohnung absagen, können wir Jahre warten, bis wir eine finden – und die wird nicht ansatzweise in einem so annehmbaren Viertel bei uns sein. Meistens werden größere Wohnungen nämlich im „OBI-Viertel“ vermietet und die sehen wirklich aus wie (unschöne) Ghettos! Wenn Mona sich einbildet, wir müssten nur vertrauen, es käme schon das Richtige, dann muss sie sich in irgendeiner Traumwelt verirrt haben. Lauter so Gedanken gingen mir eben durch den Kopf. Und weil ich nicht in der Emotion über das Thema reden wollte, und es Mona tagsüber eh schon schlecht ging, habe ich erst einmal nur „okay…“ dazu gesagt.

Heute kann ich etwas besser darüber nachdenken. Ich kann mich in Mona hineinversetzen und ihre Aussage verstehen. Ich kenne sie ja mittlerweile sehr gut und verstehe ihre Sehnsüchte und ihren Traum vom Wohnen und einem Zuhause. Dieselben haben Mia und ich nämlich auch. Und klar, für mich (und auch für Mia) ist diese Wohnung jetzt vielleicht nicht das Traum-Zuhause. ABER – wir kommen einfach aus einer Hilfeeinrichtung. Auch, wenn Mona und Mia jetzt nicht großartig die psychischen Probleme haben (bei Mona war es eine Art Burnout und Mia hat wegen einem assozialen Exfreund ihre Wohnung verloren), hat die Einrichtung und „psychisch Kranke“ nun mal ihren Ruf weg, hier im Umkreis. Man hört nicht selten von Vermietern „Ach, ihr kommt aus **? … Ach ne, dann lass ich die Wohnung lieber frei“ (und das ist kein Witz!). Gleichzeitig ist das aber ein Witz, weil die Einrichtung eigentlich auch ein sehr großer Arbeitgeber ist, der in der Region mit vielen Tochterfirmen und Partnerschaften verteilt und vernetzt ist. Sie ist auch dafür bekannt, nicht gerade wenig an ihre Mitarbeiter zu zahlen und Mona arbeitet ja auch dort in der Tochterfirma. Aber so sind die Menschen nun einmal. Voll mit Vorurteilen.

Dass man als Hilfeberechtigter aus so einer Einrichtung rauskommt, ist schwerer als man denken möchte. Und selbst als „Normalbürger“ hat man es gerade irre schwer hier Wohnungen zu finden, dabei sind wir wirklich keine große Stadt…

Ich denke, Mona ist einfach zu sehr im Gefühl drinnen. Ich verstehe es, ich kann diese ganzen Argumente ja auch fühlen. Aber was ich dann vom Verstand her sehe ist: Wir verschenken eine riesengroße Chance! Und dass wir so ein Angebot bestimmt nicht wieder kriegen werden, ist zu 100 % sicher. Dabei eben: Wenn wir die Wohnung absagen, wir die Katze in drei Monaten ins Tierheim gebracht, wir sitzen weiterhin in der WG fest, in der es uns zunehmend schlechter geht und die Aussicht auf eine relativ schöne Wohnung in einer annehmbaren Gegend wird immer unrealistischer, zumal die Preise gefühlt halbjährlich, wenn nicht sogar öfter, steigen. Was das bei mir ausgelöst hat gestern? Existenzangst. Ich glaube, deshalb wäre es nicht klug gewesen gleich darüber zu reden.

Heute denke ich mir, dass Mia, Mona und ich uns noch einmal zusammensetzen und mit Mona reden müssen. Einerseits denke ich mir, Mona ist doch so klug und so reflektiert, außerdem ist sie vierzig! Okay, ich weiß, das Alter sagt nicht viel aus, wenn man gerade „im inneren Kind“ ist (das Gefühl hatte ich gestern nämlich, dass sie gerade eher in ihrem „Kind-Anteil“ ist, denn das gibt’s ja auch bei „ganz normalen“ Menschen), aber dann muss man irgendwie auch mit diesem inneren Kind reden, dass es zwar total verstanden wird, aber dass wir ihm trotzdem ein Zuhause bieten können und dass wir ihm nur dann  ein Zuhause machen können, wenn wir so ein Angebot annehmen. Dass man von dort aus ja immer noch weiter schaut nach dem Zuhause, das den Träumen und Wünschen am nächsten kommt – die wir ja alle Drei haben! Keiner von uns möchte ewig in einem Wohnblock leben, aber so ein Angebot kriegt man nie wieder UND, es ist wirklich nicht schlimm dort.

Ich hoffe, wir können Mona am Mittwoch ein bisschen aus ihrem Kind in ihr Erwachsenes holen, damit sie ein bisschen mehr mit Verstand als mit Gefühl da rangeht.

Gleichzeitig will ich sie natürlich nicht bearbeiten. Wenn sie wirklich sagt „nein, das kommt für mich auf keinen Fall in Frage“… dann ist das halt so. Dann muss ich (und Mia) das akzeptieren… und mich dann um meine eigenen inneren Kinder und um mich selbst mit meinen Existenzängsten kümmern.

So oder so wird es nicht einfach…

Ich bin am Tiefpunkt *kotz*

Okay… morgen ist Montag, morgen start ich durch, sag ich mir. Einfach Kräfte sammeln, das wird schon irgendwie. Morgen werde ich auf jeden Fall viel für Mathe lernen und dann mit Jimmy einiges trainieren. Danach erkundige ich mich beim Stall wo ich mich zum Reiten angemeldet  hab. Das ist eigentlich ganz gut, der ist bei uns oben am Berg und ich bin früher dort auf M. geritten, nur starb sie .. und dann wollte ich da einfach nicht mehr hin. Aber ich denk jetzt bin ich wieder bereit dafür. Steins größter Hobby war das Reiten. Und von einigen anderen die ich nicht direkt kenne. Ich persönlich zähle mich da nicht so dazu, ich bin in erster Linie nur froh um die Struktur, die das bringt. Der Weg zum Stall allein braucht schon 45 Minuten. Entweder durch den Wald, oder eben dann eine ganze Stunde außen rum. Das ist gut „bearbeitete“ Zeit… der Tag wäre auf jeden Fall voll, wenn ich dann reiten bin. Dann ist der Tag, an dem ich immer bei Frau Honig bin. Mich hatte vorhin übrigens noch B angeschrieben wegen Frau Honig… ich hatte Frau Honig nach dem Blogeintrag übrigens doch noch abgesagt. Nicht, weil „irgendjemand dem es schlecht geht die Stunde haben könnte“ (ganz ehrlich… auch wenn das gerade hart klingt, aber irgendjemand ist es mir nicht wert meinen Körper bestraft zu kriegen), sondern weil ich das, was sich zwischen Frau Honig und mir mittlerweile aufgebaut hat, nicht zerstören wollte durch Unzuverlässigkeit. Auch wenn ich es unfair finde, weil ich keine Wahl hätte. Und ja, für diese SMS wurde der Körper bestraft. Nicht von mir. Ich habe mir noch gedacht „huh, passiert jetzt was?“, als würde ich echt auf eine Art Angriff warten oder so, aber ein paar Stunden lang passiert nichts. Vorhin war ich kurz im Zimmer, ich dachte ich hätte aufgeräumt. Danach war ich kurz hier unten, dann wieder im Bad und beim Händewaschen beim Ärmel hoch krempeln habe ich es gesehen. Ich habe den Verband nicht abgemacht, ich muss nicht sehen, wie es aussieht und was es ist. Sicher aufgeschnitten, das brennende Pochen spüre ich erst, seit ich es gesehen habe. Ich komme nur nicht darauf, wann das passiert sein soll, wenn, dann habe ich mal wieder einen Zeitsprung nicht mitbekommen, aber das ist gerade sowieso total hoffnungslos, so wie im Minutentakt gehopst wird gerade.

Als dann B aber eben diese längere Nachricht schrieb, bewegte mich das irgendwie. Es kam zumindest an. Dieses „es wird nicht jede Woche neu entschieden“, sondern wir haben uns FÜR Therapie entschieden, dann heißt das nicht jede Woche neu entscheiden… und vor allem war ausschlaggebend ihre Antwort, dass es sie vermutlich hilfloser machen würde, wenn sie wüsste dass ich nicht gehe, dass ich dann wider aller Regeln nochmal eine knappe SMS an Frau Honig schrieb, ein paar Stunden später, ich käme, aber bitte keine Themen über Familie. Ob dafür noch eine zweite Strafe kam, weiß ich nicht.

Ich werde vor dem Schlafengehen unter das Verband schauen, weil es an einer Stelle durch geblutet ist, und dann neu verbinden und desinfizieren. Ich bete nur, dass es nicht zu ekelig aussieht, weil ich mit offenen Stellen nicht umgehen kann. Ich bin nämlich diejenige die bei solchen Sachen einfach aus den Latschen kippt und mit geschlossenen Augen eine Wunde desinfizieren klappt vermutlich nicht. Und zum Arzt gehe ich damit sowieso nicht, das haben wir noch nie gemacht.

Es ärgert mich nur. Und macht mich richtig verzweifelt. Aber egal… so ist das halt jetzt. SMS an Frau Honig ist also keine leere Drohung sondern wirklich ernst gemeint und dass ICH das jetzt aussitzen muss, nur weil ich irgendwie versuche … ach , egal, ich hab gar keine Energie gerade mich darüber aufzuregen. So ist das jetzt eben. Auf die grandiose Idee die Klingen „einfach zu  verstecken“, bin ich übrigens auch schon gekommen, nur kam mir derjenige von uns, der diese Strafe an uns auslebt, mit der Idee schon zuvor. Als ich mein Zimmer nämlich aufgeräumt habe, habe ich nichts gefunden, womit wir uns verletzen könnten. Klar, in der Küche sind die Messer, aber jeder der SVV Erfahrung hat weiß, dass man sich mit Küchenmessern nicht selbst verletzen kann. Ist ja theoretisch auch egal, denn derjenige der uns die Strafen androht wird so oder so immer Wege finden, diese Strafe auch umzusetzen…

 

Therapieprobleme

Der Tag an dem wir zu Frau Honig müssten rückt immer näher und jeden Tag mehr will ich eigentlich überhaupt nicht hingehen. Es ist nur mit Ängsten und Befürchtungen verbunden und egal wie ich es drehe und wende, ist da nur Abwehr. Die Themen die angesprochen werden müssten, da hat Stein recht (sie hat uns gestern ein Video hinterlassen), werden vermutlich eh nicht angesprochen, weil irgendwelche von uns da sein würden, die nur ihre Themen mitbringen, die zwar auch alle irgendwie „traurig“ sind (in Steinis Sprache), aber eben voll um den heißen Brei gehen. Da wir das Schreibverbot an Frau Honig haben, können wir nicht einmal ne kurze SMS verfassen und selbst wenn: Was hilft ihr das, wenn dann Leute von uns da sind, die mit diesen Themen nichts anfangen können und deshalb um den „heißen Brei“ reden? Dann bin ICH halt auch noch jemand, die ihr gar nicht erst in die Augen sehen will. Wir hoppen seit Tagen so unkontrolliert und maßlos rum, völlig queerbeet und das ganz ohne mitzukriegen wie die Zeit vergeht oder wer alles mal im Körper ist, dass ich es einfach nicht aushalte. Ich  brauche gerade viel Struktur. Viel Dinge zu erledigen. Ich brauche ganz viel Alltag, weil ich grad das Gefühl habe ich versinke in mir selbst und alles um mich herum dreht sich völlig unkontrolliert weiter. Das halte ich nicht aus.

Am wenigsten halte ich diesen Zwiespalt aus. Die eine Seite die klar erkennt, dass Frau Honig eine spezialisierte Psychologin ist und wirklich hinter die Kulissen blickt und mit der wir vermutlich einzig und allein irgendwie weiterkämen, die andere Seite, die sich total dagegen wehrt sie näher an uns ran zu lassen. Die sich ihr plötzlich einfach nicht mehr zeigen möchte. Die auf einmal nicht mehr bei ihr sein möchte, sondern sie so fern halten möchte wie nur möglich, um in den Alltag zurückzukommen, wo wir lernen müssen, wo wir uns jetzt ganz gezielt beim Reiten wieder angemeldet haben, um ne klare Struktur zu haben, wo wir exzessiv das Zimmer putzen und aufräumen und Dinge tun die man im Alltag tut. Alles was in die Richtung … es blockiert mich grad sogar nur das Wort auszuschreiben – was in gewisse Richtungen geht, wird zugemacht. Ich/wir will nicht über das alles reden, schon gar nicht nachdenken und ich will nicht meine „Ich’s“ zu Frau Honig tragen, nur damit wir da auch rumhoppen und wir uns danach noch schlechter fühlen als nach diesem Tag. Und das alles ist ja so seit diesem Abend … (ähm… ich wollte es gerade verlinken, aber ich finde es nicht… der Moment wo die Hand im kaputten Teddy drinne war) hab grade keine Lust das nochmal alles aufzuschreiben. Ich habe gerade im Blog gescrollt und sehe, dass kurz bevor es so wurde wie es jetzt ist, und gefühlt grad das ganze System kaputtgegangen ist, Kritzel draußen war. Aber ich hab gerade keine Kraft mich damit zu beschäftigen.

Ich muss jetzt einfach gucken dass wir uns selbst nicht irgendwie in (oder zwischen) uns selbst verlieren. Ich weiß nicht, wie gut es täte da noch zu Frau Honig zu gehen… zumindest nicht diese Woche… aber wie soll ich ihr absagen, wenn wir bestraft dafür werden, wenn wir sie kontaktieren? Einfach nicht hingehen und in Kauf nehmen, dass und die Stunde in Rechnung gestellt wird? Vermutlich wird es darauf hinauslaufen.

Gerade ist es okay, denn heute ist irgendwie so der Tag wo die ganzen Probleme von letzter Woche stark in den Hintergrund geraten. Mit jeder Stunde heute fühlt es sich unwirklicher an. Therapeutisch würde man jetzt vielleicht sagen „toll Mii“… aber ich kann einfach nicht… Ich brauche einfach eine Durchschnaufpause… wir sind nunmal ein funktionales System… bis ich groß geworden bin habe ich das nur so gelernt und wir können es nicht aushalten nicht zu funktionieren… das fühlt sich nicht mal nur furchtbar an. Für das Gefühl gibt es nicht einmal wirklich Worte. Es fühlt sich erniedrigend und beschämend an so viel rumzuswitchen, es fühlt sich an wie totales Versagen und als hätten wir nicht genug unabhängige Suizidgedanken, drängen die sich in solchen Tagen auch noch mehr auf. Wir brauchen irgendwo als System einfach LUFT zum Atmen. Und wenn es nur ne klitzekleine Lücke ist. Ich weiß ihr Leser lest das immer ungern und wir wurden auch schon oft dafür gerügt, aber es hilft nichts. Wer weiß was die nächste Konsequenz ist, wenn wir jetzt nicht mal für mindestens ne Woche ne Pause für uns machen und uns mit NICHTS in die Richtung beschäftigen: Stehen wir dann wieder plötzlich an der Brücke und werden von fünf Polizisten angefasst und runtergezerrt oder liegen wir dann wieder mit einer Überdosis Schlaftabletten auf der Intensivstation (beides 2018 passiert… ähm… oder dieses Jahr.. ach, ouf.. es ist ja auch schon wieder Dezember…).. Das will ich nicht riskieren… Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen ich merke ja jetzt nach ein paar nicht wenigen Jahren dass das voll ein altes Muster ist, aber anders kriege ich es einfach nicht hin… unser System ist volle Kanne am… „abspacken“ (in Steinis Worten)… und es gibt gerade KEINE einzige Nische zum Atmen…. vielleicht passiert genau deshalb dieses extrem krass unkontrollierte und schnelle „Hopping“ (ich kann die Wörter Switch und Wechsel nicht mehr hören)…

 

Unwohl af

Meine Gedanken drehn sich so krass grad. Fr Honig wurde unter Strafe eingespeichert, absolutes Schreibeverbot. Egal, schreiben wollten wir ihr heute eh nich, aber wir fühlen uns richtig dumm grad und wegen allem ist grad so ein Kopfgeficke da. Alles wuselig hier irgendwie und hier hopst es halt auch üüüüübelst rum seit gestern, was klar super stressig is und sich nich gut anfühlt. Außerdem halt auch welche die sonst nie oder mega selten draußen sind eben und (boah mir tut grad so ne stelle weh am Kinn, ich wette da kommt so ein Pickel… offtopic aber ich kanns grad nicht abstellen). Was wollt ich sagen? Ah ja… ich weiß nich, ich weiß halt nur dass dieses rumgehoppe mega verzweifelt. Weil so irwie jeder so sein Ding außen hat. Die eine mit dem was im Privaten steht, die andere wegen Therapien, die andere wegen Satanszeug abfuck. Dann haben wir den Exorzistheini kontaktiert. Wer genau von uns weiß ich schon selbst nicht mehr aber ich glaub weil der Wunsch halt vor allem grad jetzt so heavy ist, dass wir einfach wollen dass das aufhört so nach dem Motto Turn off this fuckin shit. Der Exorzistheini ist ganz nett soweit nur haten den gleichzeitig auch ein pasr von uns und andere machen sich über den lustig af aber viele wollen ihn halt auch ernst nehmen, weil grad auch mit Frau Honih shitbait ist. Also uns selbst mega ins aus geschossen haben und wir (whoever, pls nich mich fragen) den kompletten Chatverlauf mit ihr gelöscht haben und ihr Kontakt verschwunden ist. Bis i-jmd von uns.. (maybe Kara aber ich bin mir nich sicher) sie im Whatsapp Chat noch gefunden hat, nur dassse eben unter „Strafe“ eingespeichert ist, was uns halt jetz alle iwie verunsichert und dann hopste heute auch noch i-wann i-wer raus der einfach mal sowas von assi war, dass sich nur ne halbe Stunde später i-ein anderer sich voll für geschämt hat weil Frau Honig als „genauso eine Kinderf***rin wie alle andern ihrer Sorte“ bezeichnet wurde was einfach mal heftig behindert ist, weil Fr Honig der einzige normale Mensch is für uns und uns noch NIE was schlimmes getan hat und ich weiß nich wieso da dieser jmd von uns so nen hate auf sie schiebt, dass wir mit SSV bestraft werden, EGAL wer von uns sie kontaktiert ja lol. Was für ein abfuck. Und dann so aussagen weil sie & co versucht hat mit dem zu reden.. wo dann so Aussagen kamen, wir hätten nich so angekrochen zu kommen wie ein reudiger Hund und jeder sei sein eigener Herr und sowas. Und wo sie meinte, wir bzw diese rjmd hätt wohl Angst vor Abhängigkeit der jmd von uns schrieb wie dass Abhängigkeit für Schwächlinge is.

Ok eine Sache is halt kacke grad, aber is halt so. Nächste kacke Sache ist, dass mit dem Exorzistheini mit dem eben Kontakt aufgenommen wurde sogar mit skypen und mit ihm reden. Ich kann leider nich sagen was da abging aber beim 2. Mal skypen meinte der so, der wolle uns safe helfen und wenns wirklich wär dass wir in Gefahr sind dann würd er uns sofort ein Ticket online kaufen damit wir am nächsten Tag gleich zu ihm fahren könen da sei schon alles organisiert. Witzig ist, dass der ja eben angedcheieben wurde weil Frau Honig eben geshitbaitet wurde von und oder wem auch immer von uns und er jetz noch der einzige war der Einfiel, aber dann meinte er, irgendwas gegen Frau Honig und plötzlich wollten wir sie in Schutz nehmen und verteidigen. Wir wollten sogar petzen bei ihr dass er will dass wir die Stunden bei ihr aufnehmen aber haben ihmnklargemacht dass wir das nich machen werden und wenn er was gegen unsre Thers sagt er sich gleich gerne verkrümeln kann weil dann isser unten durch, wenn die uns schützt schützen wir sie auch, und haben schon den Chat geöffnet OBWOHL sie grad so geshitbaitet wird af und dan wurde aber eben wieder gelesen was passiert WENN sie angeschrieben wird und der Chat wieder geschlossen. lol behinderter gehts ja grad kaum.

Ooof ich bim einfach so froh echt wenn das mal aufhören würde. Ich denk grad eig einfach nur ans Reiten da fang ich hfftl jetzt bald wieder an wenn die RB von tiger aufhört und ich war halt übelst lang nich mehr aufm Pferd, also nach der letzten RB auf Queenir eben, aber so die Zeit dazwischen is übelst schnell verpufft aber yolo.

Achso weil gefragt wurde was af bedeutet = einfach as fuck und shitbait ist halt.. sowas wie clickbait nur das Gegenteil, aber weiss nich ob ihrs kapiert, das ist nämlich eher son Insider

Achja und wir würden gern Frau Honig für Dienstag absagen oder sie fragen ob sie auch Telefongespräche macht weil so wie wir grad drauf sind nicht zu ihr wollen, aber wir haben einfach kb das wenn sie angeschrieben wird, wir dafür bestraft werden also lol. Wie sollen wir dann so kommunizieren? Einfach so ein abfuck grad

Von stein (Ja so nennen wir mich, und 14 in nem etwas älteren körper lf but wie gesagt you only live once also cry a river and get over it (oder so))

Tschaui

Therapeuten Erkenntnisse (und wieso ich Frau Honig aktuell nicht sehen kann)

Gestern hatte ich eine totale Krise und im Nachhinein war mir alles peinlich. Einfach alles. Nach ungefähr drei Stunden bröseln war plötzlich wieder alles okay. Ich saß auf dem Bett, meine Hand war in das Loch vom Teddybären reingesteckt, das Jimmy mal als Welpe aufgebissen hat, und wühlte in der Wolle da drinnen rum. Dabei starrte ich auf diesen Teddybären und fragte mich: „Oh Gott, was mache ich hier eigentlich?“ Ich zog meine Hand aus dem Teddy… Dabei hielt ich auch mein Handy in der Hand und ich weiß, dass noch weitergeschrieben wurde. Aber ich habe das nicht aktiv gemacht. Ich weiß zumindest kein Wort mehr, was ich geschrieben habe. Außer: „Ich benehme mich so peinlich. Ich geh jetzt mein Gesicht waschen und ins Wohnzimmer… da beherrsche ich mich wenigstens.“

Ich kann eigentlich gar nicht mehr so genau zusammenfassen, was los war. Also, eigentlich schon, aber gleichzeitig verwirrt es mich, weil ich mir denke, dass ich es gar nicht wirklich aktiv erlebt habe, ich weiß ja nicht einmal, was ich bei alldem dachte… (oder irgendwie schon), nur eben überhaupt total rational und „so ist das halt“, die Chats sind hingegeben aber ein einziges Jammertal und beschämend bis zum Abgrund. Im Moment weiß ich gar nicht, ob ich die Therapie bei Frau Honig fortsetzen kann, weil die Scham für diese geschriebenen Worte so groß ist, dass ich sie eigentlich nie wieder sehen möchte. Sowas Unkontrolliertes und Jammerndes, Chaotisches!

Erst war es diese sehr lange SMS, in der ich mich für eine Lüge entschuldige. Dass ich mich schrecklich fühle alle Menschen um mich herum angelogen zu haben und wie sehr ich mich dafür schäme und ich verstehen würde, dass sie sagt, dass nach so einer Lüge eine Therapie nicht mehr ausbaufähig ist – oder so in der Art. Dass sie eine gute Psychologin sei, ich das erste Mal das Gefühl habe, jemand kämpft an meiner Seite und ich nicht das Gefühl haben muss, GEGEN sie zu kämpfen. Was ja bisher in meinem Leben auf fast alle Psychologen zutraf, bis auf Frau S.

Aber nachdem ich bei ihr damals im September 17 anfing und im Dezember in die Klinik kam, verlor ich sie einfach aus den Augen. Das war’s dann wohl, dachte ich mir. Sogar wenn ich mir die ganzen Sprachaufzeichnungen von Frau Thera (die uns jetzt ein Jahr lang begleitet hat) anhöre, bin ich zum Teil ganz schon entsetzt über ihre Wortwahl und über ihre Ausdrücke und ihrem Verständnis von Therapie. Ich glaube, ich hatte bis auf Frau *Nils damals mit 12 oder 13 gar keinen ambulanten Therapeuten, sondern immer nur welche die für Einrichtungen arbeiteten. Alle Ambulanten die ich aufsuchte, schickten mich ja fort. Und ich sag euch was: Man merkt, wenn Therapeuten für eine Einrichtung arbeiten. Die arbeiten nämlich nie auf der Seite der Patienten/Klienten. Sondern ausschließlich immer für die Einrichtung. Sie stehen für das Betreuungsteam ein oder für das „Verständnis der sozialen Einrichtung“, Therapeuten in Kliniken stehen hinter dem Pflege- und Ärztepersonal. Ich denke, es wundert mich jetzt nicht mehr, wieso ich so ein falsches Bild von Therapeuten hatte. Die Erfahrung mit Frau Honig ist die: Sie steht wirklich an meiner Seite und handelt in meinem Interesse. Möchte, dass es mir gut geht und muss kein Verständnis für irgendwelche Regeln im Team haben oder Grundsätze, die für eine Einrichtung eben sprechen. Sie ist für mich und nicht gegen mich. Ich habe nie verstanden, dass es nicht nur an mir liegt. Für mich waren alle Therapeuten und Therapien gleich. Ich musste immer gegen sie kämpfen. Mich immer behaupten, immer rechtfertigen – und zuletzt das Jahr in vielen, vielen Therapiestunden auch noch provozieren lassen. Ich stieß auf Unverständnis und Missachtung, aber da jeder Therapeut so war, dem ich bisher begegnet bin, bin ich nie auf die Idee gekommen, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass es eben keine ambulanten, unabhängigen Psychologen sind, sondern sie stets für jemanden arbeiteten, die nichts von dem wer ich bin, was ich sagte oder wie es mir geht ernstnahmen/nehmen.

Erst vor ein paar Tagen hörte ich mir eine Therapiestunde bei Frau ehem. Thera an, in der es um den Vorfall letztes Jahr ging. An den habe ich selbst keinerlei Erinnerungen, also an den Vorfall selbst, aber an die ganzen Umstände im Nachhinein schon. Ich hatte das gut verdrängt und als ich das wieder anhörte dachte ich mir: „Wie kann man Menschen so ein Verhalten überhaupt verzeihen?“

Erst gab es eine Aufnahme in der Nacht zuvor, in der *Luna, *Lilly und ich die Nachtwache alarmierten, weil diese Gestalten in dunklen Kapuzen um unser Haus schlichen. Wir alle drei bestätigen dasselbe. Erst standen sie vor dem Haus an der Terrassentür. Einer schaute durch das Fenster. Dann liefen wir in Lilly’s Zimmer hoch, sperrten uns ein, und als Lilly zum Rauchen auf den Balkon ging, bekamen wir fast alle einen Herzinfarkt, denn unter ihrem Balkon auf der Seite wo der große Baum steht, stand ein einziger Mann in diesem dunklen Kapuzenpulli und starrte einfach zu uns hoch. Zumindest sagen wir das in der Aufnahme (ich selbst habe daran keine Erinnerung). Luna war völlig fertig, ihre Stimme zittert auf dieser Aufnahme und Lilly ist völlig stumm bis auf ein paar bestätigenden Worte, während ich}mich wütend anhören, weil die Nachtwache nur rumdruckst und sagt „Ich hätte doch gesehen wenn da jemand wäre“. Und Luna sagt: „Wie denn, wenn Sie in ihrem Büro sitzen? Unser Haus ist drei Blocks weiter! Hier WAR jemand!“ Und die Nachtwache: „Okay, ich schaue mich nochmal um, aber es wird sich ja wohl kaum jemand im Wald verstecken um die Jahreszeit.“ (Ich nehme an, es war wohl schon kälter, ich weiß gerade aus dem Stegreif aber nicht, in welchem Zeitraum es war).

In dieser Therapie Aufnahme hingegen wird nur über die Konsequenz gesprochen, die wir Drei bekommen sollten, dass wir „so eine Aufruhr“ in der Nacht gemacht haben. Ich kann einerseits verstehen, wenn die Betreuer diesen Vorfall nicht gesehen haben und die Nachtwache dann auch niemanden finden konnte, an dieser Aussage zweifeln. Einerseits! Aber wieso sollten Luna, Lilly und ich uns so eine Geschichte ausdenken? Bestimmt nicht, weil wir Spaß daran haben, eine Nachtwache in Aufruhr zu versetzen. Kann ich mir zumindest noch weniger vorstellen als die Tatsache, dass es echt passiert ist. Und wenn ich die Stimmen auf der Aufnahme von Lilly und Luna höre, dann ist das sicher nicht geschauspielert. Mich selbst kann ich da schlecht einschätzen. Ich klinge einfach nur gereizt und/oder entnervt. Wie ich das einordnen soll, weiß ich nicht.

Long story short: In einer wirklich heiklen Situation, in der wir alle Drei wirklich Angst hatten (Luna weinte im Nachhinein sogar noch, was mich erst recht wütend machte auf die Nachtwache – zumindest wie ich es von der Stimmlage erkennen kann, denn mehr als diese 30 Minuten Sprachaufzeichnung habe ich davon nicht), wurden wir alle nicht ernstgenommen. Und obendrauf bekamen wir sogar eine Strafe dafür, dass wir die Nachtwache aufgehetzt hätten.

Frau Thera stand natürlich total hinter dem Team.

Ich meine: Als ich das hörte, konnte ich gar nicht fassen, dass wir trotzdem noch weiter zu ihr gingen – wobei keine einzige Stunde gut war. In einigen machte sie sich sogar lustig über die Kind-Anteile. Als es zum Beispiel über die Traumaklinikaufenthalte ging. Ihre Begründung, wieso es sinnlos sei mich dort anzumelden war die: „Stellen Sie sich vor, dann sitzen Sie vor dem Arzt als 19-Jährige und dann sind aber Kinder draußen die sagen: »Määh, mir geht’s aber guuut, ich will spielen«“ Und dabei eine sehr überzogen kindlich-äffende Stimme macht. Ich war so schockiert, als ich das gehört habe, dass ich nicht einmal wusste, was ich fühlen soll dabei. Es gibt lauter solcher oder ähnlicher Aufnahmen und es erschreckt mich nicht nur wegen ihrer unsensiblen Art, sondern auch, weil sie ja so überzeugt war, dass wir DIS haben und sie ja immer sagte, sie kenne sich damit aus UND weil viele von uns ganz anders über sie schrieben. Sich von ihr ernstgenommen fühlten. Dabei habe ich bis jetzt keine einzige Sprachaufzeichnung von den aufgezeichneten Therapien gefunden, in denen sie uns nicht provoziert, nachäfft, die Worte im Mund verdreht oder eben unsere Sichtweise nicht verstehen kann(/will – weil die Betreuersichtweise für sie zählt).

Bei Frau Honig mache ich-wir(?) gerade ganz andere Erfahrungen. Sie hat bis jetzt mit keinem Wort verletzend oder angreifend reagiert, schon gar nicht provokant. Ich erfahre zum Beispiel hauptsächlich gerade wie es ist, einfach eine Praxis zu betreten, ohne schon vorher zehn Schutzschilder aufzustellen und Soldaten voran marschieren zu lassen, in der Befürchtung, wir könnten wieder verletzt oder angegriffen werden. Natürlich alles jetzt nur metaphorisch gemeint. Ich fühle mich verletzlich bei Frau Honig und das ist ein sehr seltsames Gefühl. Ich fühle mich angreifbar, aber nach einigen Wochen habe ich gemerkt, dass diese Schutzschilder mit der ich anfangs ihre Praxis betrat, irgendwie immer weniger wurden. Auf einmal sind gar keine mehr da. Einerseits macht mir das Angst, denn einen Therapeuten so nah an mich ranzulassen (im Sinne von, dass da keine Soldaten zwischen uns sind, die zur Not ihre Schwerter ziehen würden) – das kenne ich nicht. Das ist etwas vollkommen Neues.

Das war eben auch neu, dass in einer SMS erst diese Entschuldigung und sich schrecklich fühlen für das Anlügen ist: „Ich muss Ihnen kurz etwas sagen. Es fällt mir wirklich schwer und ich glaube Sie werden mich dafür hassen, aber ich kann so nicht weiter machen. Mir ist heute klargeworden, dass ich wirklich dringend Hilfe brauche. Aber sicher nicht wegen irgendwelchen „Tätern“ oder irgendwelchen „Traumata“…. Sondern weil ich psychisch schwer krank bin. Das alles was ich erzählt habe war alles nur eine Lüge. Das ist alles völliger Blödsinn. Es gibt NIEMANDEN in meinem Umfeld der in irgendeiner „Sekte“ ist, ich am allerwenigsten. Ich denke ich wollte einfach nie akzeptieren, dass ich chaotisch und unaufmerksam bin…. Ich habe ein Erklärung für meine Vergesslichkeit gesucht und wollte vielleicht diese Borderline Diagnose nicht akzeptieren. Und so habe ich mich in Dinge reingesteigert, die total absurd sind, mir irgendwelche Horrorgeschichten ausgedacht und auch noch angefangen sie zu glauben. Ich fühle mich wirklich schlecht deshalb und ich kann verstehen, dass Sie jetzt vielleicht sagen, nach der Lüge hat eine Therapie überhaupt keinen Sinn mehr. Aber ich musste Ihnen das sagen, denn ich kann nicht so krankhaft meinem ganzen Umfeld ins Gesicht lügen und denen etwas vorspielen. Geschweige denn in was für einen Dreck ich meine Familie gezogen habe (…) ich musste das jetzt einfach loswerden, es tut mir so schrecklich leid, denn Sie sind wirklich eine gute Psychologin, die Einzige bei der ich das Gefühl habe, dass sie an meiner Seite kämpft und keine gegen die ich kämpfen muss. Es hat noch nie jemand mit mir an einem Strang gezogen und mich so ernstgenommen wie Sie, und gerade deshalb tut es mir noch tausendmal mehr leid, Sie so schamlos angelogen zu haben… Ich hoffe Sie können mir das irgendwann verzeihen.“

Sie nahm es einfach ernst. Sie nahm mich}in diesem Zustand vollkommen ernst! Ich glaube, das war wichtig, denn hätte sie dagegen gesprochen, wäre es vielleicht nicht besser geworden.

Nur folgte dann ca eine Stunde später ein totales Durcheinander. Weinende Smileys, ein „ich will zu meiner Mama“ (wirklich im O-Ton) und für diese Aussage ich mich unendlich schäme. Und auf ihre Antwort: Auf Drei einatmen, auf Sieben aus – meine Nase sei voll, und zwei Texte später: „Ich kotz gleich weil meine Nase voll mit Rotze ist“ (mit lachenden Smileys) … das zog sich alles sicher ca. zwei Stunden lang… (nicht das Schreiben mit Frau Honig, aber dieser verrückte Zustand)… und dann kam ich langsam zu Sinnen. Ich}als ich, eben. Ab da kann ich den Faden wieder gut aufgreifen und weiß nur noch, dass ich mich seitdem zu Grund und Boden schäme und wenn es um mein Gefühl ginge, ich Frau Honig eigentlich nie wieder sehen möchte, wenn es nach meinem Verstand geht, ich aber genau weiß, dass es eines der größten Fehler meines Lebens wären, würde ich in dieser Kurzschlussreaktion wegen der Scham die Therapie abbrechen.

Ich kann gerade noch nicht sinnvoll entscheiden, ob ich nächste Woche die Therapie wahrnehme. Wenn ich „Glück“ habe, übernehmen wieder ich}Zustände bis dahin den Tag so, dass sie nichts von dem wissen was passiert ist … oder ich muss zumindest diesen einen Termin absagen, um mich fertig zu schämen. In den vergangenen Wochen waren ja Lora, Kara, Kinder, … Kritzel?… etc. bei Frau Honig. Ich kann mich nur noch an den Tag erinnern, an dem ich das aller erste Mal zu Frau Honig gefahren bin. Da war es noch schmelzend heiß, ich trug eine sehr dünne Hose und eine dünne Strick-Jacke mit einem weiß-hellblauen Shirt drunter. Außerdem waren da meine Haare noch viel dunkler, aktuell sind sie viel heller. Zwar immer noch braun, aber eben … heller. Das ist alles sehr merkwürdig. Ich kann mich auch wirklich nicht an alle Stunden erinnern. Ich glaube … gefühlt war ich vier Mal bei ihr – aber das nicht in meinem} Zustand, sondern nur wie kurze Filmausschnitte. Mehr Ausschnitte als für maximal vier Termine können es nicht sein, aber als ich}als ich den ersten Tag zu ihr ging, war es Juli (glaube ich, zumindest – ich weiß auf jeden Fall, dass es vor meinem Ungarn-Urlaub war, und der war eben Mitte August).

Ich fühle mich ihr gegenüber jetzt sehr unbehaglich… und was das alles ausgelöst hat, wird heute glaube ich noch im Privaten Blog stehen. Also alles, was davor passierte (bevor ich mit einer Hand im Teddy auf dem Bett in meinem Zimmer zu mir kam).

Durchgebrannte Sicherungen

Es ist eingetroffen was ich befürchtet habe. Ich habe es sooooo oft gesagt: Wenn ich nicht aufpasse, brennt mir irgendwann eine Sicherung durch und es passiert genau das, was passiert ist. Ich fange an mich in Dinge reinzusteigern, die überhaupt nicht wahr sind und der Realität entsprechen, sondern nur in meinem Kopf existieren. Meine Mutter! Und Ausstieg? Aus was denn bitte? Es gibt nichts, wo ich „aussteigen“ müsste. Es gibt keinen „Kult“ oder irgendeine „Sekte“. Dafür müsste ich erstmal so viele Menschen kennen. Ich bin eher total der Einzelgänger und gar nicht das Rudeltier. Von so Sektenscheiße bleibe ich ja schon mal auf einem riesigen Abstand. Noch nie hat mich sowas überhaupt je interessiert, und jetzt bilde ich mir ein, dass meine Eltern in einer sind? In was für einer? Die Sekte der Normalbürger? Wenn es nicht so krank wäre, wäre es fast zum Lachen. Ich mache mir jetzt echt Sorgen um meinen Verstand. Ich weiß nicht was bei mir so kaputt sein kann, solche Geschichten zu erzählen und das auch noch allen Menschen um mich herum vorzuspielen! Ich hoffe Frau Honig kann mir wirklich helfen, mich in Ordnung zu kriegen. Es tut mir hauptsächlich echt für alle Menschen um mich herum leid. Alle machen sich Sorgen und haben Angst um mich und an mir geht das alles vorbei, weil ich doch ganz genau weiß, dass das alles nur erstunken und erlogen ist. Und am meisten tut es mir eigentlich für euch Betroffene, die mich schon länger lesen leid und fühle mich deshalb auch wirklich furchtbar. Ich kann verstehen, wenn ihr mich dafür hasst oder verurteilt, das würde ich auch…. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Ich habe vermutlich zu viele Blogs gelesen, zu viele Filme geschaut und zu viel recherchiert und mich das so krass reingesteigert, weil ich vermutlich einfach ne Erklärung für meine Vergesslichkeit haben wollte oder um Menschen zu beweisen, dass ich nicht chaotisch und unaufmerksam bin. Dabei bin ich einfach nur genau das: Chaotisch, vergesslich und unaufmerksam. Ich glaube ich habe einfach nur eine Krankheit gebraucht die ich als Entschuldigung nehmen kann… und das tut mir jetzt richtig leid. Ich habe damit einfach nur Scheiße gebaut. Nicht nur dass ich damit andere Betroffene quasi richtig in den Dreck gezogen habe, sondern es auch noch dafür gesorgt hat, dass bei MIR die Sicherungen total durchbrennen… es wird alles wieder besser werden. Ich gehe jetzt einfach wieder ganz normal arbeiten, mache wichtige Dinge, wie ausgiebige Spaziergänge mit Jimmy, mich um Urlaubstage kümmern und dann für zwei Wochen zu meiner Familie zu fahren, die nicht irgendwelche Mitglieder einer „Sekte“ sind! Ja, oh Gott. Wenn meine Eltern wüssten, was ich hier alles verzähle, wäre es vermutlich das erste Mal in meinem Leben, dass sie mich hilfesuchend in eine Anstalt einweisen, weil ich Geschichten erzähle, die nicht stimmen. Und verletzt wären sie auch noch. Nächste Woche hat meine Mutter Geburtstag und ich kann ihr kaum in die Augen schauen wegen dem, was ich hier für eine gequirlte Scheiße erzählt habe. Was für eine Geschichte! Daraus könnte man ja fast einen Film drehen. Oh Gott ey… ich weiß nicht einmal wie ich das Frau Honig stecken soll… sie wird mich hassen und die Therapie beenden, dabei bräuchte ich genau jetzt jemanden, der mir hilft, weil ich wirklich krank bin. Oder vielleicht sollte ich mich freiwillig in die Klinik einweisen lassen. Die Oberärztin würde mir zu hundert Prozent zuhören. Sie könnte mir erklären, wieso ich das alles gemacht habe. Außerdem könnte ich mich gleich dafür entschuldigen, auch denen in der Klinik gegenüber so eine Show abgezogen zu haben. Sie waren die Einzigen, die das ganze Theater von Anfang an durchschaut haben. Hätte ich von Anfang an einfach akzeptiert, dass ich Borderline habe und eben kein besonders guter „Gruppenmensch“ oder Freundin bin, weil ich eben auch noch unaufmerksam und vergesslich bin – aber sowas kann man ja wenigstens behandeln, daran kann man arbeiten! Aber jetzt habe ich mich so krass in irgendwelche völlig absurden Horrorgeschichten verrannt (die ich auch noch angefangen habe zu glauben!!!!!), dass ich damit sogar meine Familie in den Dreck ziehe. Peinlicher geht es fast gar nicht…. ich glaube ich werde als die gestörteste Borderlinerin der Weltgeschichte eingehen.